Das Praxis-Glossar für Verpackung, Automatisierung & CAPEX

Fachbegriffe präzise erklärt, aus 40 Jahren Projektpraxis in der Industrie. Für Werkleiter, Einkäufer und alle, die Angebote wirklich verstehen wollen.

693 Begriffe English glossary

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3D-Laserscan (Punktwolke)

Digitalisierung & KI

Verfahren, bei dem ein 3D-Scanner Räume und Anlagen berührungslos vermisst und das Ergebnis als Punktwolke speichert, also als Menge von Millionen einzelner Messpunkte mit Raumkoordinaten. Der Scanner wird an mehreren Standorten aufgestellt, die Einzelscans werden anschließend über Zielmarken oder gemeinsame Geometrie zu einer Gesamtwolke zusammengefügt. Diesen Schritt nennt man Registrierung. Viele Geräte nehmen gleichzeitig Fotos auf und färben die Punkte ein. Die Punktwolke lässt sich in CAD-Systeme laden und dient als Grundlage für Layoutplanung, Kollisionsprüfung und Bestandsdokumentation, vor allem im Brownfield. Für die Konstruktion wird sie oft in Flächen- oder Volumenmodelle umgesetzt, was zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Aus der Praxis

Jeder Scan zeigt die Halle an genau einem Tag. Wird danach noch eine Leitung verlegt oder ein Regal umgestellt, weiß die Punktwolke davon nichts. Lassen Sie also möglichst kurz vor der Detailplanung scannen und vereinbaren Sie vorher, was geliefert wird, in welchem Format und mit welcher Genauigkeit. Was der Scanner nicht sieht, fehlt. Hinter Schaltschränken und über Zwischendecken bleiben Lücken, und Kabel im Boden findet er gar nicht. Laufen während des Scans Stapler und Leute durchs Bild, haben Sie hinterher Geisterpunkte in der Wolke. Richtig bezahlt macht sich der Scan bei der Einbringung und der Kollisionsprüfung. Dass ein Sprinklerrohr genau auf Höhe des Palettierers hängt, sehen Sie dann am Bildschirm und nicht erst beim Aufbau. Klären Sie auch, wer im Haus diese Datenmengen überhaupt öffnen kann.

5-Why-Methode

Qualität & Sicherheit

Fragetechnik zur Ursachenanalyse, bei der ausgehend von einem beobachteten Problem wiederholt nach dem Warum gefragt wird. Jede Antwort wird zur Grundlage der nächsten Frage, bis eine Ursache erreicht ist, an der eine dauerhafte Maßnahme ansetzen kann. Die Methode stammt aus dem japanischen Automobilbau und gehört zum Werkzeugkasten von Lean und Kaizen. Als Richtwert gilt die Zahl fünf, manchmal genügen weniger Fragen, manchmal braucht es mehr. Belegt werden soll jede Antwort durch Beobachtung vor Ort oder durch Daten, nicht durch Vermutung. Verfolgt wird eine einzelne Ursachenkette. Hat ein Problem mehrere Ursachen, wird die Methode mit einem Ursache-Wirkungs-Diagramm nach Ishikawa kombiniert. Im 8D-Report und im CAPA-Prozess dient sie häufig zur Ursachenanalyse.

Aus der Praxis

Die meisten Ketten enden zu früh, und zwar beim Menschen. Bediener hat nicht aufgepasst, Maßnahme Schulung, Fall erledigt. Ein paar Wochen später passiert dasselbe in der anderen Schicht. Fragen Sie an dieser Stelle weiter, warum die Maschine den Fehler zulässt. Ein typischer Verlauf sieht so aus. Kartons gehen am Palettierer auf, weil der Leim nicht hält. Er hält nicht, weil zu wenig Leim aufgetragen wird. Zu wenig kommt, weil eine Düse teilweise verstopft ist. Verstopft ist sie, weil sie nur bei Störungen gereinigt wird, und das wiederum, weil im Wartungsplan kein Intervall steht. Erst dort lässt sich etwas dauerhaft ändern. Machen Sie die Analyse an der Maschine und nicht im Besprechungsraum. Am Tisch werden aus Vermutungen schnell Tatsachen, weil keiner widerspricht.

5S

Kennzahlen

Methode zur Organisation des Arbeitsplatzes in fünf Schritten, die aus dem japanischen Lean-Umfeld stammt: Sortieren, Systematisieren, Säubern, Standardisieren und Selbstdisziplin. Zuerst wird entfernt, was am Platz nicht gebraucht wird. Dann bekommt jedes verbleibende Teil einen festen, gekennzeichneten Ort, und der Platz wird gereinigt. Standardisieren legt diese Ordnung als verbindliche Regel fest. Selbstdisziplin hält sie durch regelmäßige Audits am Leben. An Verpackungslinien betrifft 5S vor allem Formatteile, Werkzeug, Ersatzteile am Platz und Verbrauchsmaterial.

Aus der Praxis

Der Aufräumtag ist der leichte Teil. Danach beginnt das Problem, denn nach ein paar Wochen liegt wieder alles da, wo es gerade hinpasst. Meistens fehlt dann einer, der den Platz verantwortet, und ein fester Termin fürs Audit. Bei Verpackungslinien lohnt sich ein Formatteile-Board mit Schattenriss direkt an der Maschine. Fehlt ein Teil, sieht es jeder auf den ersten Blick, und keiner sucht lange nach dem Anschlag, bis sich zeigt, dass er noch in der Werkstatt liegt. Ich halte wenig von Rundgängen mit Punktetabelle, wenn danach nichts passiert. Wer im Formatwechsel viel sucht, fängt am besten beim Formatteilwagen an, dort zeigt sich der Erfolg am schnellsten.

8D-Report

Qualität & Sicherheit

Strukturierte Methode und zugehöriges Berichtsformat zur Bearbeitung von Reklamationen und Qualitätsproblemen in acht Disziplinen. D1 bildet das Team, D2 beschreibt das Problem, D3 legt Sofortmaßnahmen zur Eindämmung fest, D4 ermittelt die Grundursache, D5 wählt Abstellmaßnahmen aus und weist ihre Wirksamkeit nach, D6 führt sie ein, D7 verhindert ein Wiederauftreten auch an ähnlichen Produkten und Prozessen, D8 schließt den Vorgang ab und würdigt das Team. Häufig wird eine Stufe D0 für die Notfallreaktion vorangestellt. Die Methode stammt aus der Automobilindustrie und ist dort Standard im Verkehr mit Lieferanten. Für die Ursachenanalyse dienen Werkzeuge wie 5-Why-Methode, Ishikawa-Diagramm und Pareto-Analyse. Verwandt ist CAPA aus dem GMP-Umfeld.

Aus der Praxis

Ein 8D-Report vom Lieferanten liest sich oft so: Ursache Mitarbeiterfehler, Maßnahme Mitarbeiter geschult. Damit ist die Sache für ihn erledigt, für Sie aber noch lange nicht. Schauen Sie schon in D1, ob im Team jemand von der Linie sitzt, an der der Fehler entstanden ist. Bei D3 lohnt ein genauer Blick, welche Ware wirklich gesperrt und sortiert wurde, auch die im Transit und im Lager des Lieferanten. In D4 fragen Sie nach zwei Ursachen, warum der Fehler entstehen konnte und warum er nicht entdeckt wurde. Die zweite ist meist die interessantere. Lassen Sie sich die Wirksamkeit mit Prüfergebnissen über mehrere Wochen belegen, eine Unterschrift allein reicht nicht. Geschlossen wird der Report erst, wenn diese Ergebnisse vorliegen. Verlangt Ihr eigener Kunde einen 8D-Report von Ihnen, wird Ihre D4 übrigens genauso kritisch gelesen.

A

Abfüllanlage

Verpackungstechnik

Anlage, die flüssige, pastöse oder granulare Produkte in Behälter wie Dosen, Flaschen, Beutel oder Fässer füllt. Sie besteht meist aus Produktzuführung, Füllorgan, Behälterhandling und angeschlossenen Stationen wie Rinser, Verschließer und Etikettierer. Das Füllprinzip richtet sich nach dem Produkt: volumetrisch mit Kolben, über den Füllstand oder gravimetrisch mit Wägezelle. Nach Behälterart gibt es Dosenfüller, Flaschenfüller und Fassfüller, die in der Lebensmittelindustrie, der Chemie und der Pharmaindustrie laufen. Die Füllgenauigkeit hängt von Produkt, Viskosität, Temperatur und Leistung ab.

Aus der Praxis

Bei Abfüllanlagen hängen Give-away und die Einhaltung der Fertigpackungsverordnung an der Füllgenauigkeit. Lassen Sie beim Leistungsnachweis Mittelwert und Standardabweichung auf Ihren eigenen Produkten messen, nicht auf Wasser. Wasser fließt, schäumt nicht und hat keine Stücke drin. Ihre Sauce hat das alles. Klären Sie außerdem die Reinigung per CIP, den Formatwechsel und die Anbindung an Verschließer und Etikettierer, bevor Sie den Füller einzeln bewerten. Ein Füller, der genau dosiert, aber nach jedem Wechsel zwei Stunden Reinigung braucht, rechnet sich nicht mehr. Und ein Verschließer, der den Takt nicht mitgeht, bremst die ganze Anlage.

Abnahmekriterien

Projektleitung & CAPEX

Messbare Bedingungen, unter denen eine Maschine oder Linie als abgenommen gilt. Üblich sind Leistung, Verfügbarkeit, Ausschussquote, Formate, Dokumentation und Sicherheit. Zu jedem Kriterium gehören ein Sollwert, ein Messverfahren, ein Messzeitraum sowie das Produkt und Packmittel, mit denen gemessen wird. Die Kriterien werden vor der Bestellung vereinbart und im Lastenheft und im Vertrag festgehalten. Geprüft werden sie in zwei Stufen, bei der Werksabnahme (FAT) beim Lieferanten und bei der Abnahme am Aufstellort (SAT). Der Vertrag regelt, was bei nicht erreichten Kriterien geschieht, etwa Nachbesserung oder ein einbehaltener Zahlungsanteil.

Aus der Praxis

Abnahmekriterien ohne Messverfahren sind wertlos. Hohe Verfügbarkeit lässt sich nicht abnehmen, ein fester Prozentwert an maschinenbedingter Verfügbarkeit über drei Schichten mit zwei benannten Formaten schon. Legen Sie die Kriterien im Lastenheft fest, wiederholen Sie sie im Vertrag und prüfen Sie sie bei FAT und SAT nach demselben Protokoll. Klären Sie vorher, was als maschinenbedingte Störung zählt und was nicht, sonst wird in der Abnahme über jeden Stopp diskutiert. Ich lasse mir außerdem das Produkt und das Packmittel festschreiben, mit denen gemessen wird. Wer mit dem besten Karton und frischer Folie fährt, erreicht Werte, die im Alltag später keiner sieht.

Abnahmeprotokoll

Projektleitung & CAPEX

Schriftliches Dokument, das die förmliche Abnahme einer Maschine oder Linie festhält, mit Datum, Unterschriften beider Seiten, Restpunkten und Fristen. Es verweist auf die erbrachten Leistungsnachweise und hält fest, welche Abweichungen noch offen sind. Mit der Abnahme verbinden sich im Regelfall mehrere Rechtsfolgen, nämlich Gefahrübergang, Beweislastumkehr, Beginn der Gewährleistung und Fälligkeit der Schlussrate. Deshalb ist sie der juristische Kipppunkt des Projekts. Restpunkte werden immer mit Frist und Wertansatz protokolliert und nie pauschal.

Aus der Praxis

Ein gutes Abnahmeprotokoll verweist auf die Leistungsnachweise, also Messprotokolle und Dauerläufe, und listet jede Abweichung mit Verantwortlichem und Frist. Es regelt außerdem, welcher Zahlungsanteil bis zur Erledigung einbehalten wird. Fotos und Screenshots der HMI gehören als Anlage dazu. Unterschreiben Sie nie unter Vorbehalt ohne konkrete Punkte. Ein pauschaler Vorbehalt ist vor Gericht kaum etwas wert und blockiert trotzdem die Zusammenarbeit. Gehen Sie die Restpunkte vor der Unterschrift gemeinsam mit dem Lieferanten an der Maschine durch und nicht am Schreibtisch. Wie das Protokoll rechtlich wirkt, klären Sie vorab mit Ihrem Juristen, am besten schon beim Vertrag.

Aggregat

Verpackungstechnik

Funktionseinheit innerhalb einer Maschine oder Linie, die eine abgegrenzte Aufgabe erfüllt, zum Beispiel Dosierer, Siegelstation oder Etikettieraggregat. Ein Aggregat hat eigene Antriebe, Sensorik und Schnittstellen und lässt sich oft als Baugruppe tauschen oder nachrüsten. Hersteller bauen Maschinen modular aus Aggregaten und kaufen einzelne davon bei Zulieferern zu. In Ausschreibungen ist relevant, welche Aggregate redundant ausgelegt sind und welche ein Einzelrisiko darstellen, einen Single Point of Failure, dessen Ausfall die ganze Linie stoppt.

Aus der Praxis

Schauen Sie sich bei der Auslegung einer Linie jedes Aggregat einzeln an und fragen Sie nach Wartungsintervall, Tauschzeit und Verschleißteilen mit langer Lieferzeit. Wer die kritischen Aggregate kennt, plant Ersatzteilpaket und Redundanz gezielt und nicht mit der Gießkanne. In Ausschreibungen hilft eine Aggregateliste mit Herstellerangabe. Darin tauchen die Fremdkomponenten auf, die der Maschinenbauer zukauft, und mit ihnen die Frage, wer im Störfall wirklich kommt. Der Maschinenbauer oder ein Zulieferer, mit dem Sie nie einen Vertrag hatten. Ich verlange die Liste mit Typ und Lieferant deshalb schon im Angebot und nicht erst zur Inbetriebnahme.

AKL

Intralogistik

Automatisches Kleinteilelager für Behälter und Kartons, bedient von Regalbediengeräten oder Shuttles. Die Ware wird einem Arbeitsplatz zugefahren, man spricht von Ware-zur-Person-Kommissionierung. Behälter erreichen den Platz in der Reihenfolge, in der sie gebraucht werden, also sequenzgenau. Bauarten sind das Regalbediengerät in der Gasse, das Shuttle je Ebene und Kompaktlager, in denen Behälter blockweise gestapelt und von Fahrzeugen auf einem Raster bedient werden. Ein Lagerverwaltungssystem führt die Behälterplätze. Wirtschaftlich ist ein AKL bei hoher Artikelzahl und begrenzter Fläche. Das Hochregallager für Paletten ist ein eigener Begriff.

Aus der Praxis

Ein AKL rechnet sich bei vielen kleinen Artikeln mit hoher Zugriffshäufigkeit auf wenig Fläche, typisch bei Ersatzteillagern, Kleinteilen oder E-Commerce. Die Anbindung an die Produktion macht den Unterschied. Offen bleibt in manchen Projekten, wie die Behälter zur Linie und wieder zurück kommen und wer den Vorrang festlegt, während das Lager selbst bis ins Detail geplant ist. In der Shopfloor-Analyse zeigt sich häufig, dass nicht das Lager den Takt vorgibt, sondern die Wege zwischen Lager und Linie. Fragen Sie auch, was bei Ausfall eines Geräts passiert. Ohne Notbetrieb oder Ausweichmöglichkeit bleibt dann die ganze Gasse unerreichbar.

Alarmmanagement

Automatisierung & Robotik

Systematische Gestaltung der Stör- und Warnmeldungen einer Anlage. Festgelegt wird, welche Ereignisse gemeldet werden, mit welcher Priorität, welchem Text und welcher erwarteten Reaktion. Meldungen werden nach Art und Priorität eingeteilt, vom Bediener quittiert und mit Zeitstempel archiviert. Ziel ist, dass Bediener im Störfall die Ursache erkennen, statt in einer Flut gleichzeitiger Meldungen zu suchen. Dazu dienen die Erstmeldungserfassung, bei der die zuerst ausgelöste Meldung markiert wird, und die Unterdrückung von Folgemeldungen. Leitfäden liefern EEMUA 191 und IEC 62682.

Aus der Praxis

Nach einem Not-Halt füllt sich die Meldeliste, und die Ursache steht irgendwo weit unten, meist zwischen lauter Folgemeldungen. Verlangen Sie im Lastenheft eine Meldeliste mit Text, Priorität und Bedienerhinweis, dazu Erstmeldungserfassung und Folgemeldungsunterdrückung. Ein gutes Zeichen bei der Abnahme: Ein Bediener findet den ausgelösten Sensor ohne den Programmierer. Ich lasse mir die Meldetexte vorher zeigen, denn eine Meldung, die nur eine Nummer nennt, hilft nachts um drei niemandem. Dauermeldungen werden irgendwann ignoriert, und dann geht die eine wichtige Meldung mit unter. Entweder beheben Sie die Ursache, oder die Meldung fliegt raus.

Allergenwechsel

Qualität & Sicherheit

Produktwechsel auf einer Linie, bei dem Allergene des vorherigen Produkts nicht in das folgende gelangen dürfen. Meist löst ein allergenfreies Produkt ein allergenhaltiges ab, es kann aber auch zwischen Produkten mit unterschiedlichen Allergenen gewechselt werden. Dazu ist eine validierte Reinigung erforderlich. Grundlage ist das Allergenmanagement im HACCP-Konzept und in den Kundenstandards. Der Nachweis erfolgt visuell und mit Schnelltests, bei kritischen Allergenen zusätzlich im Labor. Die Reihenfolge der Produkte und die Reinigungsvalidierung bestimmen Wechselzeit und Produktsicherheit.

Aus der Praxis

Allergenwechsel sind an Verpackungsmaschinen vor allem ein Problem der Erreichbarkeit. Produktreste sitzen in Vibrationsrinnen, unter Bändern, in der Mehrkopfwaage und in den Siegelbacken, also dort, wo man ohne Werkzeug nicht hinkommt. Prüfen Sie beim Kauf, ob alle produktberührenden Teile ohne Werkzeug abnehmbar oder zumindest einsehbar sind. Planen Sie die Produktionsreihenfolge von allergenfrei zu allergenhaltig, dann fällt der Wechsel kürzer aus. Die Reinigung validieren Sie mit Tests. Eine Sichtkontrolle allein reicht nicht, denn Mehlstaub in einer Rinne sieht man erst, wenn es zu spät ist. Schreiben Sie diese Anforderungen ins Lastenheft. Nachrüsten ist später teuer und bringt Stillstand mit sich.

Aluminiumprofilsystem

Maschinenbau & Komponenten

Baukasten aus stranggepressten Aluminiumprofilen mit Nuten, in die sich Verbinder und Nutensteine einsetzen lassen. Die Profile gibt es in Rastermaßen mit verschiedenen Querschnitten und Nutbreiten, das Zubehör ist auf das jeweilige System abgestimmt. Verbunden wird durch Schrauben, deshalb lassen sich Konstruktionen nachträglich ändern und erweitern. Eingesetzt werden Profilsysteme für leichte Maschinengestelle, Schutzzäune, Arbeitsplätze, Bandgestelle und Vorrichtungen. Die Oberfläche ist in der Regel eloxiert. Gegenüber einer Schweißkonstruktion aus Stahl sind Profilgestelle schneller aufgebaut, aber weniger steif. Für Produktbereiche mit Nassreinigung sind offene Nuten ungeeignet, dafür gibt es geschlossene oder abgedeckte Profilvarianten.

Aus der Praxis

Weil sich an Profilen alles so schnell anschrauben lässt, wächst an mancher Maschine über die Jahre ein Gebilde aus Haltern, Winkeln und Zusatzblechen, das in keiner Zeichnung mehr auftaucht. Im Nassbereich sammeln sich in den Nuten Produktreste und Reinigungsmittel, und die Abdeckleisten fehlen nach ein paar Umbauten sowieso. Legen Sie sich im Werk auf ein System und eine Profilbreite fest. Nutensteine und Verbinder verschiedener Hersteller passen oft fast, und fast heißt bei einer Schutztür, dass sie sich irgendwann lockert. Bei feststehenden Schutzzäunen verlangt die Maschinenrichtlinie, dass sich die Befestigung nur mit Werkzeug lösen lässt. Prüfen Sie das nach Umbauten, bevor jemand den Zaun mit Flügelschrauben festmacht.

Standardform des Versandkartons nach FEFCO 0201, englisch Regular Slotted Container. Der Karton besteht aus einem Wellpappezuschnitt mit vier Seitenwänden, Bodenklappen und Deckelklappen, eine Klebelasche verbindet die Seitenwände, meist durch Kleben oder Heften. Er wird flach geliefert, am Kartonaufrichter geformt und mit Klebeband oder Hotmelt verschlossen. Die längeren Klappen sind etwa halb so lang wie die Kartonbreite und treffen sich beim Schließen in der Mitte. Maße werden als Länge, Breite und Höhe angegeben, in der Regel als Innenmaß.

Aus der Praxis

Die 0201 ist maschinengängig, günstig und in fast jeder Größe zu bekommen, deshalb läuft sie auf den meisten Kartonaufrichtern und Verschließern. Achten Sie auf den Klappenspalt, also die Stoßfuge in der Mitte, und auf die Rillqualität. Ein Karton, dessen Klappen nicht plan schließen, bekommt eine schiefe Verklebung, und aus der schiefen Verklebung werden instabile Paletten. Fragen Sie den Kartonlieferanten nach der Maßtoleranz, bevor Sie ein neues Maß freigeben. Auch ein Karton im Nennmaß kann im Aufrichter hängen bleiben, wenn der Zuschnitt sich nicht sauber vom Stapel trennt. Ein Probelauf mit Karton aus der laufenden Lieferung schlägt jedes Datenblatt.

Zeitraum, in dem die Einsparungen oder Mehrerlöse einer Investition ihre Anschaffungskosten decken. Bei der einfachen, statischen Rechnung teilt man die Investitionssumme durch den jährlichen Rückfluss aus Einsparung und Mehrerlös. Die dynamische Variante zinst die Rückflüsse ab und berücksichtigt damit den Zeitwert des Geldes. Als einfachste Kennzahl für Investitionsentscheidungen ist die Amortisationszeit häufig Teil des Investitionsantrags. Sie sagt aber nichts über die Zeit danach, also über Nutzungsdauer, Restwert und Betriebskosten, und sie bewertet nicht das Risiko der angenommenen Einsparungen.

Aus der Praxis

Viele Unternehmen fordern eine Amortisation unter drei Jahren. Verpackungsmaschinen laufen aber 15 Jahre und mehr, und eine kurze Frist belohnt dann vor allem das billige Angebot. Ergänzen Sie den Payback um TCO und Risiko. Eine Maschine mit vier Jahren Amortisation und halben Betriebskosten schlägt auf lange Sicht das billigere Angebot. Rechnen Sie mit belegten Einsparungen und nicht mit Prospektwerten. Fragen Sie auch den Lieferanten, auf welchen Annahmen seine Einsparungsangabe beruht. Klären Sie, woher die Einsparung kommt, aus Stückzahl, Ausschuss, Personal oder Stillstand, und wer sie im Betrieb tatsächlich einlöst. Eine Einsparung, die keiner abbucht, amortisiert nichts.

AMR

Intralogistik

Fahrerloses Transportfahrzeug und freier navigierende Weiterentwicklung des FTS. AMR kartieren ihre Umgebung selbst, meist mit Laserscannern und dem Verfahren SLAM (gleichzeitige Positionsbestimmung und Kartierung), und orten sich auf dieser Karte. Hindernisse umfahren sie dynamisch, eine fest installierte Spurführung wie Magnetband oder Induktionsschleife brauchen sie nicht. Es gibt sie als Plattform mit Rollenband- oder Hubaufsatz und als Zugfahrzeug. Ein Flottenmanager vergibt die Aufträge und regelt den Verkehr. Flexibler bei Layoutänderungen, anspruchsvoller in der Verkehrsregelung bei vielen Fahrzeugen.

Aus der Praxis

AMR lohnen sich bei wechselnden Routen, vielen Übergabepunkten und Layouts, die sich oft ändern. Dafür zahlen Sie mit Verkehrsmanagement bei vielen Fahrzeugen, WLAN-Abdeckung in der ganzen Halle und klaren Regeln für Mischverkehr mit Staplern und Menschen. Das Funkloch hinter dem Regal ist der Klassiker. Dann bleibt das Fahrzeug stehen und wartet auf einen Auftrag, der längst da wäre. Prüfen Sie außerdem, wie es sich an Übergabestellen verhält, wenn der Boden verschmutzt ist oder Paletten schief stehen. Vor der Investition steht die Wegeanalyse. Ohne belastbare Transportmengen je Route bleibt jede Fahrzeuganzahl geraten. Fragen Sie auch, wer ein festgefahrenes Fahrzeug freigibt und wie schnell das geht.

Andon

Automatisierung & Robotik

Sichtbare Darstellung des Linienzustands für alle am Arbeitsplatz. Das Wort stammt aus dem Japanischen und bedeutet Laterne, das Prinzip aus dem Lean Management: Probleme sofort sichtbar machen und Hilfe rufen, bevor aus Minuten Stunden werden. Ein Andon-System besteht aus Signalleuchten oder Signalsäulen, Anzeigetafeln mit Stückzahl gegen Plan und Tasten zum Hilferuf. Dazu kommt eine Eskalationskette, die festlegt, wer bei welcher Meldung nach welcher Zeit informiert wird. Angesteuert wird das System aus der SPS der Linie oder aus einem Leitsystem.

Aus der Praxis

Andon funktioniert nur mit einer Reaktionskette. Es muss feststehen, wer innerhalb welcher Zeit kommt, wenn die Leuchte rot ist. Ohne definierte Eskalation wird das Board zur Deko. Digitale Andon-Systeme koppeln die Meldung an MES-Daten und schicken Störungen aufs Handy der Instandhaltung, das wirkt aber nur, wenn die Störgründe sauber codiert sind. Am Anfang reichen oft eine Signalsäule je Linie und eine Tafel mit den fünf häufigsten Störungen der Woche. Legen Sie die Farben schriftlich fest und hängen Sie die Bedeutung an die Linie, sonst liest jede Schicht die Leuchte anders. Prüfen Sie auch, ob die Säule vom Gang aus zu sehen ist, wenn der Stapler davorsteht.

Anfrage (RFQ)

Kaufmännisches

Aufforderung an einen oder mehrere Lieferanten, für eine beschriebene Leistung ein Angebot abzugeben, englisch Request for Quotation. Sie enthält Leistungsbeschreibung oder Lastenheft, Mengen, Termine, Lieferbedingungen nach Incoterms, Angebotsfrist und Einkaufsbedingungen, bei größeren Vorhaben auch eine Angebotsstruktur. Den Anfragenden verpflichtet sie zu nichts. Die Ausschreibung ist eine besonders strukturierte Anfrage an mehrere Lieferanten auf Basis eines Lastenhefts, mit festen Vergleichskriterien und meist einer Angebotsvergleichsmatrix. Ein Budgetangebot ist dagegen eine unverbindliche Preisindikation für die Investitionsplanung und ersetzt keine Anfrage für die Vergabe. Manchmal ist eine RFI vorgeschaltet, eine Informationsanfrage zur Marktsondierung.

Aus der Praxis

Je ungenauer die Anfrage, desto bunter die Angebote. Wer nur einen Palettierer für Kartons anfragt, bekommt lauter verschiedene Lieferumfänge und keinen vergleichbaren Preis. Geben Sie deshalb eine Preistabelle vor, getrennt nach Maschine, Formatteilen, Fördertechnik, Montage, Inbetriebnahme, Schulung, Dokumentation und Ersatzteilen. Setzen Sie eine Frist für Rückfragen und schicken Sie jede Antwort an alle Bieter. Sonst hat einer einen Wissensvorsprung, und Sie vergleichen wieder Äpfel mit Birnen. Fragen Sie auch ab, was erst später wehtut, etwa ob die Lieferzeit ab Bestellung oder ab Konstruktionsfreigabe zählt, welcher Zahlungsplan gilt und welche Bürgschaften der Lieferant stellen kann. Und geben Sie dem Lieferanten genug Zeit. Eine Anfrage für eine Sondermaschine, die in einer Woche beantwortet sein soll, bekommt ein Angebot aus dem Baukasten mit vielen Annahmen.

Angebotsvergleichsmatrix

Projektleitung & CAPEX

Tabellarischer Vergleich mehrerer Angebote entlang der Anforderungen des Lastenhefts. Die Zeilen bilden Leistung, Lieferumfang, Ausschlüsse, Preis, Betriebskosten, Termine und Referenzen ab, die Spalten die Anbieter. Alle Angebote werden auf denselben Umfang normiert, indem fehlende Positionen mit einem Wertansatz ergänzt werden. Bewertet werden kann rein beschreibend oder mit Gewichtung und Punkten, dann als C&E-Matrix. Fortgeschrieben wird die Matrix, bis die Vergabe entschieden ist.

Aus der Praxis

Ohne Matrix vergleicht man Angebotstexte, die jeder Hersteller anders aufbaut, und am Ende gewinnt der, der am schönsten schreibt. Mit Matrix werden Ausschlüsse sichtbar: fehlende Formatteile, Montage ab Werk statt frei Aufstellort, keine Schulung. Gerade das Kleingedruckte hinter dem Wort optional kostet später Geld. Tragen Sie fehlende Positionen mit einem eigenen Wertansatz ein, dann liegt der günstigste Anbieter oft plötzlich in der Mitte. Genau diese Vorlage ist Teil des Ausschreibungspakets, und sie gehört Ihnen für künftige Projekte. Lassen Sie Rückfragen an die Anbieter schriftlich laufen und tragen Sie die Antworten in die Matrix ein, damit die Entscheidung später nachvollziehbar bleibt.

Anlagenstandardisierung

Projektleitung & CAPEX

Vereinheitlichung von Maschinenmodulen, Steuerungen und Schnittstellen über mehrere Linien oder Werke hinweg, um Varianten, Ersatzteilvielfalt und Schulungsaufwand zu verringern. Sie betrifft Mechanik, Steuerung und Software gleichermaßen, etwa Fördermodule, Traypacker, Etikettierer oder Palettierer nach einheitlichen Prinzipien. Grundlage ist eine Bibliothek freigegebener Module und Komponenten mit Versionsstand, auf die sich neue Projekte beziehen. Wo ein Standard besteht, legt das Lastenheft nur noch die Abweichungen fest. Vereinheitlicht werden zum Beispiel Steuerungshersteller, Antriebsreihen, Sensorik und Bedienoberfläche.

Aus der Praxis

Wenn Standardisierung scheitert, liegt es selten an der Technik. Meist ist offen, wer entscheidet, was Standard ist, und wer davon abweichen darf. Ohne gepflegte Bibliothek freigegebener Module mit Versionsnummer verliert sich der Standard nach zwei Projekten in Sonderlösungen. Ein kleines Gremium aus Technik, Instandhaltung und Einkauf, das den Standard verwaltet, spart über die Lebensdauer mehr als jede Einzelverhandlung. Abweichungen sind erlaubt, aber nur mit Begründung und Eintrag in die Bibliothek. Geben Sie den Standard schon mit der Anfrage an die Lieferanten, dann steht er im Angebot und nicht erst im Streit nach der Bestellung. Siehe auch Werksstandard und Komponentenstandard.

Anlaufkurve

Kennzahlen

Geplanter Verlauf der Leistung einer neuen oder umgebauten Anlage von der ersten Produktion bis zur Nennleistung. Die Kurve legt je Woche oder je Meilenstein Zielwerte fest, meist für Ausbringung, Verfügbarkeit und Ausschuss. Sie bildet die Lernphase von Maschine, Bedienern und Packmitteln ab, in der die Anlage noch nicht mit voller Leistung läuft. Eine realistische Anlaufkurve mit Meilensteinen gehört in den Vertrag. Die Annahme voller Leistung ab dem ersten Produktionstag ist unrealistisch und gefährdet die Bewertung des gesamten Projekts.

Aus der Praxis

Verlangen Sie die Kurve vor der Bestellung und nicht erst nach dem Kick-off. Sie legt je Woche fest, was Ausbringung, Verfügbarkeit und Ausschuss sein sollen, und zeigt früh, ob das Projekt auf Kurs ist. Schreiben Sie die Messmethode gleich mit in den Vertrag, sonst liest der Lieferant eine andere Zahl als Sie. Gebremst wird der Hochlauf meistens nicht von der Maschine. Packmittel schwanken, die Bediener haben noch keine Routine, und die Schnittstelle zur Peripherie hakt. Planen Sie deshalb Schulung und Begleitung in die ersten Wochen ein, die Nachtschicht eingeschlossen. Und klären Sie, wer beim Lieferanten bis zum Ende der Kurve erreichbar bleibt.

Anlaufmanagement

Projektleitung & CAPEX

Planung und Steuerung der Phase zwischen dem ersten Produktionsauftrag auf einer neuen oder umgebauten Linie und dem Erreichen der Zielleistung. Es schließt an die technische Inbetriebnahme an und betrifft Organisation, Personal und Material. Zum Anlaufmanagement gehören eine geplante Anlaufkurve mit Zielwerten für Ausbringung und OEE, die Begleitung durch Lieferantenpersonal in allen Schichten, Bedienerschulung, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, eine tägliche Stillstandsanalyse und die Abarbeitung der Offene-Punkte-Liste (LOP). Der Anlauf gilt als abgeschlossen, wenn die vereinbarten Kriterien erreicht sind und die Linie an die Produktion übergeben ist. Eng verwandt ist die Ramp-up-Phase, die eher den Zeitraum bezeichnet, während Anlaufmanagement die Tätigkeit meint.

Aus der Praxis

Der Inbetriebnehmer des Lieferanten fährt nach der SAT nach Hause, und die Linie läuft in der Frühschicht. In der Nachtschicht steht sie. Das ist kein Zufall, denn tagsüber war immer jemand da, der wusste, wo man drücken muss. Verhandeln Sie die Schichtbegleitung für die ersten Wochen deshalb schon mit der Bestellung, solange Sie noch Verhandlungsmasse haben. Und nehmen Sie den Vertrieb mit in die Planung. Der hat oft schon Mengen zugesagt, die auf der Nennleistung beruhen und nicht auf der Anlaufkurve. Eine kurze tägliche Runde an der Linie mit den häufigsten Störgründen vom Vortag bringt mehr als jeder Wochenbericht. Formatwechsel und neue Artikel kommen erst dazu, wenn das Hauptformat stabil läuft.

Anomalieerkennung

Digitalisierung & KI

Verfahren, das aus Prozessdaten das übliche Verhalten einer Maschine lernt und Abweichungen davon meldet, etwa veränderte Stromaufnahme, Vibrationsmuster oder Temperaturverläufe, ohne dass der Fehler vorher definiert sein muss. Es ergänzt feste Grenzwerte und liefert frühe Hinweise auf Verschleiß oder Prozessdrift. Eingesetzt werden statistische Verfahren oder maschinelles Lernen, die zunächst mit Daten aus dem normalen Betrieb angelernt werden. Das Ergebnis ist meist ein Abweichungswert oder eine Meldung, die Ursache nennt das Verfahren nicht.

Aus der Praxis

Anomalieerkennung meldet Abweichungen, keine Ursachen. Nach dem Start kommen viele Hinweise, die sich als Formatwechsel, Reinigung oder neuer Packmittellieferant entpuppen. Ohne Ereigniskontext lernt das System diese Zustände als Fehler, oder das Team schaltet die Meldungen ab. Dann ist das Projekt tot, bevor es etwas gefunden hat. Planen Sie eine Einlernphase mit Bewertung durch die Instandhaltung ein. Geben Sie dem System Ereignisse mit, also Format, Auftrag und Reinigung. Definieren Sie vorher, welche Meldung welche Reaktion auslöst und wer sie bekommt. Eine Meldung, die niemandem gehört, bleibt liegen, egal wie klug die Auswertung dahinter ist.

Anschlussleistung

Produktion & Energie

Summe der Bemessungsleistungen aller Verbraucher, die an eine Maschine, eine Linie oder ein Werk angeschlossen sind. Auf Maschinenebene steht sie im Datenblatt und auf dem Typenschild, meist in kW oder als Scheinleistung in kVA. Sie ist Grundlage für die Auslegung von Zuleitung, Schutzorganen und Verteilung. Die tatsächlich bezogene Leistung liegt meist darunter, weil nicht alle Verbraucher gleichzeitig mit voller Last laufen. Das berücksichtigt der Gleichzeitigkeitsfaktor. Abzugrenzen ist die Anschlussleistung einer Anlage von der Netzanschlussleistung des Werks, die mit dem Netzbetreiber vereinbart ist und durch Transformator und Netzanschluss begrenzt wird. In Projekten sammelt die Verbraucherliste die Anschlussleistung jeder Maschine.

Aus der Praxis

Anschlussleistungen aus Angeboten sind vorsichtige Zahlen. Der Lieferant addiert alles, was im Schrank steckt, und rundet auf. Zählt der Elektroplaner dann sämtliche Maschinen einer neuen Halle zusammen, kommt ein Transformator heraus, der nie ausgelastet wird. Der umgekehrte Fall ist teurer. Die neue Linie passt gerade noch in die Unterverteilung, aber das Werk hängt schon am Limit seines Netzanschlusses, und eine Erweiterung beim Netzbetreiber braucht Zeit, die im Terminplan nicht vorgesehen ist. Ich lasse mir deshalb bei der FAT die tatsächliche Leistungsaufnahme im Produktionsbetrieb zeigen, zusätzlich zur Angabe auf dem Typenschild. Prüfen Sie früh, wie viel Reserve Hauptverteilung und Trafo noch haben. Diese Frage gehört in die Layoutplanung. In der Woche vor der Montage ist es dafür zu spät.

Antirutschpapier

Intralogistik

Papierbogen mit rutschhemmender Beschichtung, der zwischen Kartonlagen auf der Palette liegt und den Reibwert zwischen den Lagen deutlich erhöht. Er verbessert die Ladungssicherung, verringert Verschiebungen beim Transport und kann Stretchfolie oder Umreifung teilweise ersetzen. Ausführungen unterscheiden sich in Beschichtung, Flächengewicht und Recyclingfähigkeit. Eingelegt wird der Bogen von Hand oder von einem Zwischenlageneinleger am Palettierer. Den Reibwert bestimmt man im Labor mit einem Neigungs- oder Gleitversuch.

Aus der Praxis

Antirutschpapier wirkt nur, wenn es tatsächlich zwischen den Lagen liegt. Am Palettierer braucht es dafür einen Zwischenlageneinleger mit sicherem Bogengreifer, sonst fehlt der Bogen an jeder dritten Lage. Prüfen Sie den Reibwert gegen Ihre Kartonoberfläche, denn glänzend lackierte Decken rutschen anders als raues Testliner. Für Kühlketten muss die Beschichtung feuchtebeständig sein, sonst weicht der Bogen auf. Bei Exportsendungen sollten Sie den Nachweis der Ladungssicherung mit einer Kippprüfung dokumentieren. Achten Sie auch auf die Lagerung der Bögen: Verziehen sie sich durch Feuchte, kommt der Einleger ins Stocken.

Antriebsauslegung

Maschinenbau & Komponenten

Berechnung und Auswahl von Motor, Getriebe und Regler für eine Bewegungsaufgabe. Ausgangspunkt sind die zu bewegenden Massen und ihre Trägheitsmomente, Reibung und Prozesskräfte sowie das Bewegungsprofil mit Wegen, Geschwindigkeiten, Beschleunigungen, Taktzeit und Pausen. Daraus ergeben sich die nötigen Momente und Drehzahlen. Das Effektivmoment über einen Zyklus bestimmt die Erwärmung des Motors, das Spitzenmoment muss er kurzzeitig liefern können. Bei Servoachsen wird außerdem das Verhältnis von Lastträgheit zu Motorträgheit geprüft, weil ein zu großes Verhältnis die Regelung erschwert. Für Getriebe kommen Betriebsfaktor und zulässige Radialkräfte hinzu. Reserven für schwerere Formate oder höhere Takte gehören in die Auslegung.

Aus der Praxis

Ausgelegt wird auf das, was im Lastenheft steht. Kommt später der Wunsch nach mehr Takten oder einem schwereren Format, sitzen die Antriebe oft schon am Limit, und keiner weiß mehr, wie knapp gerechnet wurde. Ich lasse mir deshalb die Auslegungsprotokolle der Achsen mit der Dokumentation übergeben. Den Lieferanten kostet das nichts, gerechnet hat er ja ohnehin. Gern vergessen werden die Reibung von Produkt auf einer Staustrecke, das zähe Fett im Kühlraum und der bescheidene Wirkungsgrad eines Schneckengetriebes. Spätestens beim Ersatz abgekündigter Antriebe brauchen Sie die Zahlen. Ohne sie wird der neue Motor sicherheitshalber eine Nummer größer bestellt und passt dann nicht mehr in den Bauraum oder überfordert den alten Regler.

Anzahlung

Kaufmännisches

Erste Zahlung bei Bestellung, üblich sind 30 %, mit der der Hersteller die Materialbeschaffung vorfinanziert. Der Käufer trägt damit das Risiko, dass der Hersteller nicht liefert. Gegen das Insolvenzrisiko sichert er sich über eine Anzahlungsbürgschaft der Hersteller-Bank ab, die bei sechsstelligen Anzahlungen Standard ist. Zahlt der Hersteller bei Nichtlieferung nicht zurück, springt der Bürge ein. Die Bürgschaft wird zurückgegeben, sobald die Leistung erbracht ist. Im Zahlungsplan steht die Anzahlung neben den weiteren Raten, die etwa an Lieferung, FAT und Abnahme gebunden sind.

Aus der Praxis

Bei Sondermaschinen sind 30 Prozent Anzahlung, 60 Prozent bei Lieferung oder FAT und 10 Prozent nach Abnahme ein üblicher Rahmen. Die Verteilung ist Verhandlungssache. Je höher die Anzahlung, desto wichtiger die Anzahlungsbürgschaft, denn bei einer Herstellerinsolvenz ist das Geld sonst weg. Achten Sie bei der Bürgschaft auf Betrag, Laufzeit und Rückgabebedingung. Eine Bürgschaft, die vor der Lieferung ausläuft, hilft nicht. Prüfen Sie außerdem, ob sich die Anzahlung an einen Meilenstein mit Nachweis koppeln lässt, etwa an die Freigabe des Pflichtenhefts oder an die Materialbestellung. Ich überweise nichts, bevor die Bürgschaft im Original vorliegt.

Anzahlungsbürgschaft

Kaufmännisches

Bürgschaft einer Bank oder eines Kreditversicherers, mit der ein Lieferant die Rückzahlung einer Anzahlung absichert. Liefert er nicht oder nicht vertragsgemäß, etwa wegen Insolvenz, kann der Käufer den Betrag beim Bürgen einfordern. Sie lautet meist über die Höhe der Anzahlung und wird übergeben, bevor diese fließt. Verbreitet sind die selbstschuldnerische Bürgschaft, bei der der Bürge auf die Einrede der Vorausklage verzichtet, und die Bürgschaft auf erstes Anfordern, bei der er zunächst ohne Prüfung des Anspruchs zahlt. Sie ist befristet oder endet mit Rückgabe der Urkunde, meist nach der Lieferung. Beim Lieferanten belastet sie den Avalrahmen seiner Bank und kostet Avalprovision. Die Vertragserfüllungsbürgschaft sichert dagegen die ganze Leistung.

Aus der Praxis

Zahlen Sie die Anzahlung erst, wenn die Bürgschaft im Original vorliegt. Das klingt selbstverständlich und wird trotzdem gern umgedreht, weil der Lieferant wegen des Materialeinkaufs drängt. Prüfen Sie auf der Urkunde Betrag, Bestellnummer und Begünstigten. Ein Bürge aus demselben Konzern hilft wenig, wenn der ganze Konzern in Schwierigkeiten gerät. Heikel ist ein festes Ablaufdatum. Verschiebt sich die Lieferung, endet die Sicherheit, während Ihr Geld noch beim Lieferanten liegt. Notieren Sie sich das Datum und verlangen Sie rechtzeitig eine Verlängerung. Das Original gehört in den Tresor der Buchhaltung und nicht in den Projektordner. Nach der Lieferung geben Sie die Urkunde zügig zurück. Der Lieferant zahlt bis dahin Provision, und die findet sich irgendwann in seinen Preisen wieder.

Anziehdrehmoment (Schraubenverbindung)

Maschinenbau & Komponenten

Drehmoment, mit dem eine Schraube oder Mutter angezogen wird, um in der Verbindung eine bestimmte Vorspannkraft zu erzeugen. Die Vorspannkraft hält die verschraubten Teile zusammen, das Drehmoment ist nur die Größe, die sich bei der Montage einstellen und messen lässt. Ein großer Teil des Moments geht in die Reibung im Gewinde und unter dem Kopf, deshalb streut die erreichte Vorspannkraft mit Oberfläche, Beschichtung und Schmierzustand deutlich. Richtwerte stehen in Tabellen der Schraubenhersteller und gelten nur für die dort genannte Festigkeitsklasse und Reibungszahl. Hoch beanspruchte Verbindungen werden nach VDI 2230 berechnet. Angezogen wird mit Drehmomentschlüssel oder gesteuertem Schrauber, kritische Verbindungen auch drehwinkelgesteuert.

Aus der Praxis

Edelstahlschrauben in Edelstahlgewinden neigen zum Fressen. Wer sie trocken mit dem Tabellenwert für verzinkte Stahlschrauben anzieht, merkt das spätestens beim Lösen, wenn der Kopf abreißt. Ich frage bei neuen Maschinen deshalb nach einer Liste mit Anziehdrehmomenten für die Baugruppen, die der Instandhalter regelmäßig öffnet. Lagerdeckel, Getriebeflansche, Kupplungen, Werkzeughalter in der Siegelstation. Wo nichts steht, zieht jeder nach Gefühl an, und Gefühl ist bei einer M6 in Aluminium ein schlechter Ratgeber. Achten Sie auch darauf, was aufs Gewinde kommt. Montagepaste senkt die Reibung, beim gleichen Moment steigt dann die Vorspannkraft, und die Schraube kann schon beim Anziehen überlastet werden. Ein Drehmomentschlüssel ohne Prüfmittelüberwachung ist übrigens auch nur ein Schraubenschlüssel mit Skala.

Apple

Digitalisierung & KI

Hersteller von Computern, Tablets und Smartphones, nämlich Mac, iPad und iPhone, mit eigenem Betriebssystem. Im Industrieumfeld werden vor allem die mobilen Geräte eingesetzt, für Fotos, Notizen, Checklisten und 3D-Ansichten direkt in der Halle. Das iPad dient bei Rundgängen als Kamera, Notizblock und Skizzenblock in einem. Maschinenmodelle lassen sich im USDZ-Format als AR-Ansicht in die reale Halle einblenden. Das Erfasste wird anschließend im Büro ausgewertet und in Berichte übernommen.

Aus der Praxis

Auf dem Rundgang durch die Halle ist das iPad das praktischste Werkzeug. Sie fotografieren die Stelle, schreiben den Kommentar gleich dazu und zeichnen die Skizze direkt über das Layout. Maschinenmodelle lassen sich als AR-Ansicht in die Halle stellen, siehe USDZ. So sehen Sie schon vor dem Kauf, ob die Anlage in den vorgesehenen Platz passt. Beim Effizienztag entsteht die Dokumentation damit schon während des Rundgangs und nicht erst am Schreibtisch, wo keiner mehr weiß, welches Foto zu welcher Stelle gehört. Benennen Sie die Fotos gleich vor Ort mit Linie und Station, sonst sortieren Sie abends Bilder, die keiner mehr zuordnen kann.

AQL (Stichprobenprüfung)

Qualität & Sicherheit

Annehmbare Qualitätsgrenzlage, englisch Acceptance Quality Limit. In der Stichprobenprüfung nach Attributen ist der AQL der schlechteste Prozessdurchschnitt, der bei einer fortlaufenden Losfolge noch als annehmbar gilt. Angegeben wird er in Prozent fehlerhafter Einheiten oder als Fehler je hundert Einheiten. ISO 2859-1 enthält die Stichprobenpläne. Aus Losgröße und Prüfniveau folgt ein Kennbuchstabe, daraus der Stichprobenumfang und für den gewählten AQL die Annahme- und Rückweisezahl. Die Norm kennt normale, verschärfte und reduzierte Prüfung mit Wechselregeln. Üblich sind getrennte Werte je Fehlerklasse. Über ein einzelnes Los sagt der AQL wenig, auch schlechtere Lose werden mit gewisser Wahrscheinlichkeit angenommen. Messende Prüfung regelt die Normenreihe ISO 3951.

Aus der Praxis

Viele Packmittelspezifikationen nennen einen AQL, aber keine Fehlerklassen. Dann streiten Wareneingang und Lieferant darüber, ob ein verschmierter Druck ein Haupt- oder ein Nebenfehler ist, und zwar genau an dem Tag, an dem die Linie auf die Ware wartet. Legen Sie die Fehlerklassen mit Beispielen fest, am besten mit Fotos und Grenzmustern. Vorsicht bei Fehlern, die zu einem Rückruf führen können, etwa ein falscher Barcode oder ein fehlendes Allergen auf dem Etikett. Dafür ist eine Stichprobe das falsche Werkzeug, da gehört eine Etikettenkontrolle an die Linie, die jede Packung prüft. Schauen Sie auch darauf, wie die Stichprobe gezogen wird. Zehn Faltschachteln aus der obersten Lage der ersten Palette sind keine Zufallsstichprobe. Und ein angenommenes Los heißt nur, dass die Stichprobe in Ordnung war.

Arbeitsfreigabe (Erlaubnisschein)

Projektleitung & CAPEX

Schriftliche Erlaubnis des Betreibers für eine bestimmte gefährliche Arbeit, die vor Arbeitsbeginn erteilt wird. Typische Anlässe sind Heißarbeiten wie Schweißen und Trennschleifen außerhalb dafür vorgesehener Bereiche, das Befahren von Behältern und engen Räumen, Arbeiten in explosionsgefährdeten Bereichen, Eingriffe in Leitungen mit gefährlichen Medien und Arbeiten in der Höhe. Der Erlaubnisschein nennt Ort, Tätigkeit, Zeitraum und Verantwortliche und legt die Schutzmaßnahmen fest, etwa Freischalten nach LOTO, Gasmessung, Brandwache oder Absperrung. Aussteller und Ausführender unterschreiben ihn, nach Abschluss wird er förmlich zurückgegeben. Grundlage sind die Gefährdungsbeurteilung, die Regeln der Unfallversicherungsträger und oft Auflagen des Sachversicherers.

Aus der Praxis

Montagmorgen, die Monteure stehen am Tor, und der Einzige, der Erlaubnisscheine unterschreiben darf, sitzt in einer Besprechung. So fängt manche Baustelle an. Klären Sie vorher, wer Scheine ausstellt und wer ihn vertritt. Und legen Sie fest, wie früh ein Antrag kommen muss. Die Fremdfirmen sollten das Verfahren kennen, bevor sie anreisen, und nicht erst an der Pforte davon hören. In Lebensmittelbetrieben stehen Kartonagen, Folienrollen und Staub oft näher an der Schweißstelle, als allen lieb ist. Die Brandwache ist deshalb keine Formsache. Wird für die Arbeit ein Brandmelder abgeschaltet, muss im Schein stehen, wer ihn danach wieder einschaltet. Genau das bleibt sonst am Freitagnachmittag liegen. In der Regel gilt ein Schein für eine Arbeit an einem Ort. Wer nach dem Schweißen am Förderer gleich am Tank weitermacht, braucht einen neuen.

Artwork (Druckvorlage)

Verpackungstechnik

Freigegebene digitale Druckvorlage einer Verpackung oder eines Etiketts, nach der Reproduktion und Druckerei die Druckformen herstellen. Neben Gestaltung und Pflichtangaben enthält das Artwork Strichcodes, Farbangaben einschließlich Sonderfarben sowie technische Elemente wie Stanzkontur, Beschnitt, Druckmarke und Freifelder für die Codierung in der Linie. Übergeben wird es meist als PDF/X-Datei. Vor dem Druck durchläuft es eine Freigabe, an der Marketing, Qualitätssicherung und Verpackungstechnik beteiligt sind. Jede Änderung erzeugt einen neuen Stand mit eigener Versionsnummer, die oft klein auf der Packung mitgedruckt wird. Die Packmittelspezifikation verweist auf das gültige Artwork und legt zusätzlich Material und Maße mit Toleranzen fest.

Aus der Praxis

Artworks entstehen im Marketing, laufen müssen sie an der Linie. Dazwischen geht gern etwas verloren. Die Druckmarke wandert ein paar Millimeter, weil sie das Layout stört, oder das Freifeld für den MHD-Druck liegt plötzlich dort, wo der Drucker an der Maschine gar nicht hinkommt. Auf Faltschachteln wird die Klebelasche mitlackiert, und der Hotmelt hält nicht mehr. Ich lasse deshalb jede Artwork-Freigabe von jemandem aus der Technik mitzeichnen, auch wenn sich angeblich nur ein Text geändert hat. Schon ein anderer Lack verändert den Reibwert, und die Folie läuft an der Formschulter auf einmal anders. Legen Sie für jede Linie ein kurzes Blatt mit den technischen Vorgaben an, also Lage und Kontrast der Druckmarke, Freifelder und lackfreie Zonen. Das Blatt gehört zu jeder Anfrage an die Agentur.

As-built-Dokumentation

Projektleitung & CAPEX

Dokumentation, die den tatsächlich gebauten Zustand einer Anlage nach Montage und Inbetriebnahme wiedergibt. Sie weicht vom Planungsstand ab, weil auf der Baustelle Leitungswege, Klemmenbelegungen, Aufstellmaße und Softwarestände regelmäßig noch geändert werden. Diese Änderungen werden während der Arbeiten zunächst von Hand mit Rotstift in die Unterlagen eingetragen und danach in die Originaldateien übernommen. Zur As-built-Dokumentation gehören je nach Vereinbarung Layout, Schaltpläne, R&I-Fließbilder, Stücklisten, Kabellisten, Parameterlisten und ein Steuerungs-Backup des Endstands. Sie ist Teil des vereinbarten Dokumentationsumfangs und Grundlage für Instandhaltung, spätere Umbauten und wiederkehrende Prüfungen.

Aus der Praxis

Im Schaltschrank hängt der Plan mit den roten Strichen von der Inbetriebnahme. Auf dem Server liegt das PDF vom Stand der FAT. Und keiner weiß mehr, welche Brücke an welcher Klemme warum gesetzt wurde. Spätestens bei der ersten Störung am Wochenende wird das teuer. Legen Sie im Vertrag fest, bis wann die As-built-Dokumentation kommt und mit welchem Softwarestand. Wenn ein Teil der Schlusszahlung daran hängt, kommt sie meist pünktlicher. Prüfen Sie die Unterlagen dann stichprobenartig vor Ort. Nehmen Sie sich drei Klemmen, einen Sensor und ein Rohr vor und vergleichen Sie mit dem Plan. Stimmt das nicht, stimmt der Rest meist auch nicht. Die Rotstiftpläne bleiben so lange im Schrank, bis die Reinzeichnung geprüft ist.

Asana

Digitalisierung & KI

Cloudbasiertes Werkzeug für Aufgaben- und Projektmanagement. Aufgaben haben Verantwortliche, Termine und Abhängigkeiten und lassen sich als Liste, Board, Zeitleiste oder Kalender darstellen. In kleinen Teams ersetzt es die klassische Excel-Aufgabenliste. Der Zugriff erfolgt über Browser oder App, alle Beteiligten arbeiten an derselben Liste, und Änderungen sind sofort für alle sichtbar, ohne dass jemand eine neue Version herumschicken muss. Jede Aufgabe trägt einen Verantwortlichen und einen Termin, dadurch ist sichtbar, wer was bis wann erledigt.

Aus der Praxis

POWERJO führt Projektaufgaben und die Offene-Punkte-Liste, kurz LOP, in Asana. Jeder im Team sieht sie, und jeder Punkt hat einen Termin und einen Verantwortlichen. Das ersetzt die Frage am Montagmorgen, wer eigentlich noch was machen wollte. Wer im Kundenprojekt eine gemeinsame Aufgabenliste mit dem Lieferanten pflegt, spart sich das wöchentliche Abgleichen von E-Mail-Ständen. Auch die Frage, welche Version der Excel-Liste die aktuelle ist, erledigt sich damit. Voraussetzung ist Disziplin: Ein Punkt ohne Verantwortlichen und Termin ist kein Punkt, sondern ein Wunsch. Und schließen Sie Aufgaben erst, wenn das Ergebnis geprüft ist, nicht schon, wenn jemand sagt, er habe sich darum gekümmert.

Aseptische Abfüllung

Verpackungstechnik

Abfüllung eines sterilisierten Produkts in sterilisierte Packmittel unter sterilen Bedingungen, sodass ohne Kühlung oder nachträgliche Wärmebehandlung eine lange Haltbarkeit erreicht wird. Das Produkt wird vorab sterilisiert, bei Lebensmitteln meist durch Hocherhitzen. Sterilisiert werden Produktweg, Packmittel und Füllerraum, das Packmittel mit H2O2, Peressigsäure oder Dampf. Dazu kommen Sterilluft, Überwachung der Sterilbedingungen und eine Validierung. Anders als bei der Heißabfüllung, bei der das heiße Produkt den Behälter mit entkeimt, wird das Packmittel hier getrennt entkeimt. Einsatz bei Milch, Säften, Saucen und Pharmaprodukten.

Aus der Praxis

Aseptik ist ein Prozessprojekt und lässt sich nicht als Maschinenkauf abwickeln. Produktaufbereitung, Sterilisation, Füller, Packmittel und Reinigungschemie müssen zusammen validiert werden, und die Betriebsmannschaft braucht anderes Wissen als an einer normalen Füllung. Wer ein Sterilitätsproblem hat, findet die Ursache selten am Füller allein. Es kann am Packmittel liegen, an einer Dichtung, an der Sterilluft oder an einer Tür, die zu früh geöffnet wurde. Unterschätzen Sie den Zeitbedarf für Validierung und Behördenabstimmung nicht. Und rechnen Sie ehrlich in die Betriebskosten, was vor jedem Produktionsstart an Sterilisationszeit anfällt und wie viel Chemie und Sterilluft die Anlage verbraucht.

ATEX

Qualität & Sicherheit

Kurzbezeichnung für die EU-Regelwerke zum Explosionsschutz, die Hersteller von Geräten für explosionsgefährdete Bereiche und Betreiber solcher Bereiche betreffen. Explosionsfähige Atmosphären entstehen durch brennbare Stäube wie Mehl, Zucker oder Milchpulver sowie durch Gase und Lösemitteldämpfe. Der Betreiber teilt die Bereiche in Zonen ein und hält das im Explosionsschutzdokument fest, bei Gas in die Zonen 0, 1 und 2, bei Staub in die Zonen 20, 21 und 22. Der Hersteller liefert Geräte der Kategorie, die zur Zone passt. Betrachtet werden auch Zündquellen wie heiße Oberflächen und elektrostatische Aufladung.

Aus der Praxis

In Verpackungsbereichen entstehen Ex-Zonen oft unbemerkt, an Absackanlagen, Mehlsilos, Puderzuckerstreuern oder Zuckerförderern. Puderzucker in der Verpackungshalle wird regelmäßig übersehen, weil dort ja angeblich nur verpackt wird. Der Betreiber muss die Zonen im Explosionsschutzdokument ausweisen, der Maschinenlieferant liefert Geräte der passenden Kategorie. Dafür braucht er die Zone je Aufstellort schriftlich, und deshalb gehört sie ins Lastenheft. Fehlt sie, wird nachgerüstet. ATEX-konforme Motoren, Sensoren und Absaugungen sind deutlich teurer als Standardkomponenten und haben längere Lieferzeiten. Denken Sie auch an Staubablagerungen auf Maschinenteilen, denn aufgewirbelter Staub kann eine Zone erst entstehen lassen. Klären Sie die Einteilung früh mit der Fachkraft für Explosionsschutz.

Audit Trail

Qualität & Sicherheit

Manipulationssichere, zeitlich geordnete Aufzeichnung aller relevanten Änderungen an Daten und Parametern eines Systems. Sie hält fest, wer wann was von welchem Wert auf welchen geändert hat und warum. Typische Quellen sind Maschinensteuerung, HMI, Rezeptverwaltung und elektronisches Chargenprotokoll. Voraussetzung sind persönliche Benutzerkonten mit abgestuften Rechten, eine verlässliche Systemzeit und Einträge, die sich nachträglich weder ändern noch löschen lassen. In regulierten Bereichen ist der Audit Trail Pflicht, etwa in der Pharmaindustrie nach 21 CFR Part 11 und EU-GMP Annex 11. In der Lebensmittelindustrie wird er zunehmend gefordert.

Aus der Praxis

Ein Audit Trail ist nur so gut wie die Anmeldung davor. Teilen sich alle Bediener das Gemeinschaftspasswort an der HMI, steht im Protokoll am Ende nur noch Bediener, und damit ist keinem geholfen. Klären Sie bei Neumaschinen, welche Parameter erfasst werden, wie lange die Daten aufbewahrt werden, wo sie liegen und wer sie auswertet. Probieren Sie bei der Abnahme aus, einen Sollwert zu ändern, und suchen Sie den Eintrag dazu. Manchmal fehlt er schlicht. Ein Audit Trail, den nie jemand liest, hilft erst nach dem Reklamationsfall, dann aber sehr. Ein gelegentlicher Blick auf geänderte Siegeltemperaturen, Grenzwerte und Rezepte kostet wenig.

Ausbaureserve

Projektleitung & CAPEX

Bei der Planung bewusst vorgesehene Reserve für spätere Erweiterungen. Dazu zählen Platz im Layout für weitere Maschinen, Reserveplätze im Schaltschrank und in der Steuerung, Leistungsreserve bei Antrieben, Fördertechnik und Medienversorgung sowie freie Bus-Adressen und Palettenplätze. Die Reserve wird je Gewerk festgelegt und in den Unterlagen ausgewiesen, damit sie später nicht zugestellt wird. Sie vermeidet teure Umbauten, wenn Kapazität oder Formate wachsen. Freie Reserveflächen werden im Layout gekennzeichnet.

Aus der Praxis

Ausbaureserve kostet zunächst Geld und wird deshalb gern gestrichen. Entscheiden Sie bewusst, wo spätere Erweiterungen wahrscheinlich sind, etwa neue Formate, höhere Leistung oder ein zusätzlicher Verpackungsschritt. Dort planen Sie Reserve ein, sonst nirgends. Günstig sind Reserven im Schaltschrank, in der Steuerung und auf der Kabeltrasse. Teuer werden nachträglich Halle, Umbau der Fördertechnik und Medienleitungen. Ich lasse mir im Angebot ausweisen, wie viele Ein- und Ausgänge und wie viel Platz im Schaltschrank frei bleiben, und markiere im Layout die Fläche, die ausdrücklich frei bleibt. Sonst steht dort in zwei Jahren ein Regal.

Ausbringung

Kennzahlen

Produzierte Gutmenge pro Zeiteinheit, angegeben zum Beispiel in Stück pro Minute oder Paletten pro Schicht. Zu unterscheiden sind die Nennleistung aus dem Prospekt, die garantierte Dauerleistung mit realem Produkt und die Spitzenleistung für kurze Zeit. Brutto zählt alle Takte der Maschine, netto nur die Gutmenge nach der Ausschleusung. Im Angebotsvergleich gehört nur die garantierte Dauerleistung mit definiertem Produkt und Format in den Vertrag, verbunden mit einem Abnahmekriterium und einer festen Messzeit.

Aus der Praxis

Prospektwerte beziehen sich meist auf das leichteste Format und auf Packmittel, wie sie nur im Idealfall ankommen. Schreiben Sie die Ausbringung deshalb als garantierte Dauerleistung mit Ihrem realen Produkt, einem benannten Format und fester Laufzeit ins Lastenheft, zum Beispiel 120 Takte pro Minute über acht Stunden bei Format X. Klären Sie außerdem, ob brutto oder netto gemeint ist. Ein Lieferant, der 120 Takte fährt und einen Teil davon ausschleust, hat die Zahl gehalten und trotzdem zu wenig Gutpackungen geliefert. Ich lasse mir die Messung bei der Abnahme mit dem eigenen Produkt vorführen und nicht mit dem Testmaterial des Lieferanten.

Ausschleusung

Verpackungstechnik

Technik, die fehlerhafte Produkte aktiv aus dem Produktstrom entfernt, etwa per Pusher, Druckluftdüse, Klappe oder Weiche. Sie folgt auf eine Prüfung, zum Beispiel Metalldetektor, Röntgeninspektion, Kontrollwaage oder Vision-System, und sortiert das Produkt in einen Auffangbehälter. Die Steuerung muss die Position des fehlerhaften Produkts bis zur Ausschleusstelle verfolgen, damit das richtige Stück getroffen wird. Bei HACCP-Lenkungspunkten muss die Ausschleusung verifiziert sein, mit Quittierung und verriegeltem Auffangbehälter. Erkennen ohne sicheres Ausschleusen ist wertlos.

Aus der Praxis

Die Ausschleusung muss zur Geschwindigkeit und zum Produkt passen. Ein Pusher taugt für stabile Kartons, Druckluft für leichte Beutel, eine Klappe für empfindliche Ware. Prüfen Sie die Verifizierung in der Abnahme selbst. Bei jedem Test mit dem Prüfkörper muss nachweisbar ausgeschleust werden, und der Auffangbehälter muss verriegelt oder überwacht sein. Probieren Sie auch den Fall, dass das Produkt knapp vor der Ausschleusstelle ankommt oder die Linie schneller läuft als in der Auslegung. Und fragen Sie, wer den Behälter leert. Volle Ausschleusbehälter, die niemand leert, sind ein Klassiker bei Audits. Ich fülle den Behälter in der Abnahme gern absichtlich und schaue, ob die Linie es meldet.

Ausschreibung

Projektleitung & CAPEX

Strukturierte Angebotsanfrage an mehrere Lieferanten auf Basis eines Lastenhefts. Sie definiert Leistungsumfang, Schnittstellen, Abnahmekriterien und kaufmännische Bedingungen so, dass die Angebote direkt vergleichbar werden. Zu den Unterlagen gehören neben dem Lastenheft meist Layout, Formatliste, Anforderungen an Dokumentation und Schulung sowie ein Terminrahmen. Die Anbieter beantworten feste Fragen in einer vorgegebenen Struktur, Rückfragen und Antworten gehen an alle Teilnehmer gleichzeitig. Ausgewertet wird anschließend in einer Angebotsvergleichsmatrix. Im Unterschied zur formlosen Anfrage ist die Ausschreibung ein geordnetes Verfahren mit Fristen.

Aus der Praxis

POWERJO baut Ausschreibungen so auf, dass jeder Lieferant dieselben Fragen in derselben Struktur beantwortet. Das reicht von den Leistungsdaten über Formate und Schnittstellen bis zu Komponentenstandard, Dokumentation, Abnahmekriterien, Incoterms und Zahlungsplan. Dazu gehört eine Vergleichsmatrix, in der die Angebote auf denselben Umfang normiert werden. Erst dann zeigt sich der echte Preisunterschied. Wer das Lastenheft schlampig schreibt, bekommt Angebote, die sich nicht vergleichen lassen, und verhandelt am Ende über Angebote, die gar nicht dasselbe anbieten. Das Ausschreibungspaket liefert genau diese Vorlage für eine Maschine oder eine Palettierung.

Ausschussquote

Kennzahlen

Anteil der Einheiten, die die Qualitätsanforderungen nicht erfüllen und nicht mehr verwendet werden können, an der insgesamt produzierten Menge. Angegeben wird die Quote meist in Prozent, bezogen auf Stückzahl, Gewicht oder Wert. Welche Basis gilt, muss festgelegt sein, denn bei unterschiedlich schweren oder teuren Artikeln ergibt jede Basis ein anderes Bild. Nicht zum Ausschuss zählt Nacharbeit, bei der fehlerhafte Einheiten nach einer Korrektur noch verwertet werden. In der Verpackung wird zwischen Produktausschuss und Packmittelausschuss unterschieden, also verworfener Ware einerseits und verlorenem Packmaterial wie Folie und Zuschnitten andererseits. Eng verwandt sind die Qualitätsrate der OEE und der FPY, die beide auch Nacharbeit als Verlust werten.

Aus der Praxis

Die Ausschussquote aus der Maschinensteuerung ist meist schöner als die Wirklichkeit. Gezählt wird, was die Ausschleusung auswirft. Was der Bediener beim Anfahren, nach dem Folienwechsel oder nach einer Störung von Hand vom Band nimmt, taucht in keiner Statistik auf. Der ehrlichste Zähler im Werk ist oft die Tonne neben der Maschine. Gleichen Sie deshalb ab und zu den Verbrauch an Folie oder Zuschnitten mit der Gutmenge ab. Ist die Lücke groß, wissen Sie, wo Sie suchen müssen. Bei Neuanlagen sollten Sie vor der Abnahme festlegen, ab welchem Zeitpunkt Ausschuss zählt. Lieferanten nehmen die ersten Minuten nach dem Anfahren gern heraus, und dann sieht der Leistungsnachweis besser aus als später der Alltag. Schauen Sie auch, wie viel davon Pseudoausschuss ist, also gute Ware, die nur wegen eines zu scharf eingestellten Sensors rausfliegt.

AutoCAD

Digitalisierung & KI

Weit verbreitetes CAD-System von Autodesk für Zeichnungen in 2D und Modelle in 3D. Sein Zeichnungsformat DWG und das zugehörige Austauschformat DXF sind in Maschinenbau, Anlagenplanung und Architektur der De-facto-Standard für den Datenaustausch. Zeichnungsinhalte werden in Layern gegliedert, wiederkehrende Elemente als Blöcke abgelegt. In der Anlagenplanung dient AutoCAD vor allem für Layouts sowie Aufstell- und Fundamentpläne in 2D. Maschinenmodelle in 3D entstehen meist in parametrischen Konstruktionssystemen und werden als Zeichnungsableitung oder Austauschdatei weitergegeben, neutral zum Beispiel als STEP-Datei.

Aus der Praxis

Fast jeder Maschinenlieferant liefert Aufstellpläne als DWG oder DXF. Fordern Sie in der Ausschreibung ausdrücklich die Aufstellzeichnung im Austauschformat an und nicht allein als PDF. Nur so lässt sich die Maschine sauber in Ihr Hallenlayout einsetzen und mit dem Materialfluss prüfen. Ein PDF können Sie ansehen, aber nicht ineinanderschieben. Verlangen Sie Medienanschlüsse, Wartungsflächen und Türschwenkbereiche mit in der Zeichnung, sonst passt die Maschine auf dem Papier und nicht mehr, wenn die Schaltschranktür aufgeht. Legen Sie außerdem fest, welches Koordinatensystem und welche Einheit gelten, sonst kommen Pläne im falschen Maßstab oder verdreht an.

AVL

Projektleitung & CAPEX

Approved Vendor List, die Liste der von einem Unternehmen freigegebenen Lieferanten. Wer nicht auf der AVL steht, darf oft gar nicht erst anbieten. Die Aufnahme setzt meist eine Lieferantenqualifizierung voraus, bei Konzernprojekten Onboarding genannt und zum Beispiel über Coupa abgewickelt. Abgefragt werden Versicherungsnachweise, Zertifikate und Compliance-Erklärungen, teilweise auch ein Audit. Die AVL kann nach Warengruppen gegliedert sein, sodass ein Lieferant nur für bestimmte Leistungen freigegeben ist. Das Onboarding ist bei Konzernprojekten ein eigener, zeitkritischer Projektschritt.

Aus der Praxis

Die Aufnahme in eine Lieferantenliste dauert bei Konzernen oft Wochen. Es beginnt mit der Registrierung im Einkaufsportal, dann kommen Nachweise zu Versicherung, Zertifikaten und Compliance, teilweise auch Audits. Wer einen neuen Spezialanbieter im Projekt braucht, startet das Onboarding parallel zur technischen Klärung und nicht erst bei der Vergabe. Sonst steht der Wunschlieferant zwar im Angebot, darf aber nicht bestellt werden, und der Terminplan hat ein Loch. Fragen Sie den Einkauf früh, welche Lieferanten bereits freigegeben sind und welche Fristen das Onboarding hat. Kleinere Lieferanten sollten die typischen Nachweise als fertiges Paket vorbereiten.

B

Bahnlaufregelung

Automatisierung & Robotik

Regelung der seitlichen Position einer laufenden Folien- oder Papierbahn in einer Verpackungsmaschine. Optische oder Ultraschallsensoren erfassen Bahnkante oder Druckmarke, ein Regler vergleicht die Lage mit dem Sollwert und ein Stellglied korrigiert sie. Als Stellglieder dienen Schwenkrahmen, verstellbare Abwickelungen oder Drehrahmen. Je nach Anwendung wird auf die Kante, die Mitte der Bahn oder eine Linie im Druckbild geregelt. Die Regelung sorgt für gerade Siegelnähte, exakten Schnitt und passenden Druckbildlauf bei Formatwechsel und Rollenwechsel.

Aus der Praxis

Ungerader Bahnlauf hat mechanische Ursachen: schief gewickelte Rollen, ungleichmäßige Folienspannung, nicht fluchtende Umlenkwalzen oder verschlissene Lager. Die Regelung kaschiert das eine Weile, bis der Stellbereich erschöpft ist. Prüfen Sie beim Formatwechsel die Walzenausrichtung und die Rollenqualität des Lieferanten. Kantensensoren müssen für transparente und bedruckte Folien geeignet sein, klären Sie das vor der Bestellung. Staub und Folienabrieb setzen sich gern auf den Sensor, also gehört er in den Reinigungsplan. Fragen Sie auch, wie viel Stellweg der Regler hat. Wenn die Bahn im Alltag schon am Anschlag läuft, bleibt für den nächsten Rollenfehler nichts mehr übrig.

Bahnplanung

Automatisierung & Robotik

Festlegung des Weges, den ein Roboterwerkzeug zwischen Punkten fährt, einschließlich Geschwindigkeit, Beschleunigung und Bewegungsart. Punkt-zu-Punkt-Bewegungen sind schnell, aber nicht bahntreu, weil die Achsen direkt zum Zielwinkel fahren und das Werkzeug dabei eine Kurve beschreibt. Linear- und Kreisbewegungen halten die Bahn des Werkzeugmittelpunkts ein, belasten aber die Achsen stärker. Überschleifen von Zwischenpunkten vermeidet Stopps und spart Taktzeit. Die Bahn wird am Roboter eingelernt oder offline geplant und auf Kollisionen mit Zelle, Greifer und Produkt geprüft. Singularitäten und Achsgrenzen schränken die möglichen Bahnen ein.

Aus der Praxis

Taktzeitverluste stecken oft nicht in der Greifzeit, sondern in schlecht geplanten Bahnen: zu viele exakte Zwischenpunkte, unnötige Hubhöhen, Rückfahrt über denselben Weg. Lassen Sie Überschleifradien und Beschleunigungsrampen sauber einstellen, aber nicht bis an die Grenze, denn Getriebeverschleiß und Vibrationen am Greifer zahlen Sie später. Bei Pick-and-Place lohnt sich ein Blick auf die Reihenfolge der Ablagepositionen. Prüfen Sie auch, ob die Lastdaten von Greifer und Produkt im Roboter stimmen. Stimmt die Traglast nicht, rechnet er mit falschen Massen, und die Bewegung wird unruhiger oder der Verschleiß steigt. Ein Greifer, der nach einem Umbau schwerer geworden ist, fällt oft erst am Getriebe auf.

Banderolierer

Verpackungstechnik

Maschine, die mehrere Produkte mit einer Banderole aus Papier oder Folie zu einer Verkaufseinheit zusammenfasst. Die Produkte werden vorher in einem Muster gruppiert, die Banderole wird um das Bündel gelegt und an der Überlappung verklebt oder gesiegelt. Sie verbraucht deutlich weniger Material als ein Schrumpffolienschlauch und ersetzt diesen zunehmend im Multipack. Typische Produkte sind Dosen, Becher und Flaschen. Die Auslegung ist ein Kompromiss aus Banderolenfestigkeit und Handlingstabilität des Bündels.

Aus der Praxis

Papierbanderolen sparen Kunststoff und gelten als gut recycelbar, deshalb sind sie mit Blick auf die PPWR ein Thema in jedem Multipack-Projekt. Die Grenze liegt bei Stapelfähigkeit und Transportbelastung. Ein Multipack mit Banderole verträgt weniger Handling als eines in Schrumpffolie, und wenn die Palette im Lkw wackelt, merkt man es am Bündel zuerst. Für die Auslegung zählen Banderolenbreite und das Klebe- oder Siegelverfahren. Sagen Sie dem Lieferanten außerdem, ob das Bündel im Karton oder lose auf dem Tray reist. Das ändert die nötige Haltekraft deutlich. Lassen Sie Banderolen vor der Freigabe der Umstellung mit einer Transportsimulation auf der fertigen Palette prüfen.

Barrierebeschichtung

Verpackungstechnik

Dünne Schicht auf Papier, Karton oder Kunststofffolie, die das Produkt gegen Wasserdampf, Sauerstoff, Fett, Öl oder den Übergang von Aromen abschirmt. Sie wird als Dispersion oder Lack aufgetragen, per Extrusion aufgebracht oder als hauchdünne Metall- oder Oxidschicht aufgedampft. Die Barriere hängt von Schichtmaterial, Schichtdicke und Fehlerfreiheit ab und wird über Kennwerte wie Sauerstoffdurchlässigkeit und Wasserdampfdurchlässigkeit beschrieben. Bei Lebensmitteln sichert die Beschichtung Haltbarkeit und Qualität, ohne das Produkt zu beeinflussen. Biobasierte Varianten aus nachwachsenden Rohstoffen werden als Alternative zu herkömmlichen Systemen erforscht.

Aus der Praxis

Beschichtungen ersetzen zunehmend Aluminiumfolien und Mehrschichtfolien, damit Verpackungen recyclingfähig bleiben. Für die Linie heißt das, dass sich Siegelfenster und Reibwerte ändern. Eine Folie, die auf dem Datenblatt gleich aussieht, fährt sich anders. Sie siegelt bei etwas anderer Temperatur, rutscht anders über die Formschulter und klebt in der Wärme vielleicht an den Backen. Testen Sie neue beschichtete Materialien deshalb auf der Maschine bei Nennleistung und unter den Klimabedingungen Ihres Werks, im Sommer wie im Winter. Eine Beschichtung, die im Labor dicht ist, kann nach dem Knicken in der Rillung oder an der Siegelnaht undicht werden. Prüfen Sie darum die fertige Packung, nicht allein die Rolle.

Basic / Detail Engineering

Projektleitung & CAPEX

Zweistufige Planung. Das Basic Engineering legt Konzept, Layout und Hauptkomponenten fest und bildet die Grundlage für Ausschreibung und Budgetfreigabe. Dem folgt das Detail Engineering, das diese Festlegungen bis zur Ausführungsreife ausarbeitet, also bis zu den Zeichnungen, Listen und Anschlussplänen, nach denen gebaut und montiert wird. Wie die Leistung zwischen Betreiber, Planer und Lieferanten aufgeteilt wird, legt das Projekt fest. Wer das Basic überspringt, bezahlt es im Detail doppelt.

Aus der Praxis

Im Basic Engineering entstehen Layout, Materialflusskonzept, Leistungsbilanz, Hauptkomponentenliste und eine Kostenschätzung mit ausgewiesener Genauigkeit. Darauf bauen Freigabeantrag und Ausschreibung auf. Das Detail Engineering folgt nach der Vergabe mit Fundamentplänen, Medienanschlüssen, Schnittstellenlisten und Sicherheitskonzept. Wer beide Stufen sauber trennt, vermeidet, dass in der Ausschreibung schon Detailfragen entschieden werden, die den Wettbewerb einschränken. Vermischen Sie beide, bekommen Sie Angebote auf halbfertiger Planung und zahlen die Klärung später als Nachtrag. Legen Sie im Basic fest, was der Lieferant frei gestalten darf und was nicht.

Batch-Steuerung (ISA-88)

Automatisierung & Robotik

Standard (IEC 61512) für die Automatisierung chargenorientierter Prozesse, etwa Ansetzen, Mischen und Kochen. Er trennt das Rezept (was soll passieren) von der Anlage (womit) und gliedert Abläufe in Prozedur, Teilprozedur, Operation und Phase. Das physikalische Modell unterteilt die Anlage in Prozesszelle, Einheit, Equipmentmodul und Steuerungsmodul. Rezepte gibt es vom Grundrezept über das Masterrezept bis zum Steuerrezept, das die einzelne Charge ausführt. So lassen sich Rezepte ändern, ohne die Steuerung neu zu programmieren.

Aus der Praxis

ISA-88 lohnt sich, sobald mehrere Produkte auf derselben Anlage laufen und Rezepte häufig geändert werden. Der Aufwand liegt in der sauberen Aufteilung der Phasen: Zu grobe Phasen sind unflexibel, zu feine unübersichtlich. Klären Sie, wer Rezepte pflegen darf und wie Chargenberichte erzeugt werden. Ohne Rezeptdisziplin und Schulung wird auch eine Batch-Steuerung schnell wieder mit Handeingriffen umgangen. Verlangen Sie, dass sich Phasen einzeln testen und im Handbetrieb fahren lassen, denn nachts um zwei hilft Ihnen sonst nur der Programmierer. Lassen Sie Rezeptänderungen mit Version und Benutzer protokollieren, sonst weiß bei der nächsten Reklamation niemand, wer was geändert hat.

Bauleitung (On-Site-Management)

Projektleitung & CAPEX

Koordination aller Gewerke auf der Baustelle während Montage und Inbetriebnahme. Aufgaben sind Terminsteuerung, Sicherheit, Abstimmung der Schnittstellen zwischen den Lieferanten, Vorbereitung der Abnahmen und Durchsetzung der Baustellenordnung. Die Bauleitung führt den Montageablaufplan, verteilt Kran, Stapler, Strom und Lagerflächen, protokolliert Mängel und Restpunkte und berichtet an die Projektleitung. Sie arbeitet vor Ort und im Brownfield zusätzlich in Abstimmung mit der laufenden Produktion.

Aus der Praxis

Bei mehreren Lieferanten gleichzeitig entscheidet die Bauleitung über Wochen. Jeden Tag geht es um dieselben Dinge: Wer bekommt wann den Kran, wer den Elektriker, wer den Stapler. Eine kurze Besprechung am Morgen mit allen Monteuren spart mehr Zeit als jeder Terminplan, weil dort auffällt, dass zwei Firmen in derselben Ecke arbeiten wollen. Ein Bauleiter auf Zeit, der täglich vor Ort ist und Restpunkte sofort erfasst, kostet meist weniger als eine Woche Verzug bei einer Linie, die pro Schicht fünfstellige Beträge produziert. Dazu gehört eine tägliche Liste der offenen Punkte mit Namen und Datum, die jeder sehen kann.

Baustellenordnung

Projektleitung & CAPEX

Regelwerk für Sicherheit, Zutritt, Arbeitszeiten und die Koordination der Fremdfirmen auf der Montagebaustelle. Es umfasst in der Regel Einweisung und Zutrittsberechtigung, Verhalten bei Unfall und Brand, Rettungswege, Lager- und Abstellflächen sowie Ansprechpartner. Im Brownfield gehören Regeln für das Arbeiten neben laufender Produktion dazu, etwa Hygieneschleusen, Staubschutz und Feuererlaubnis. In Lebensmittelbetrieben kommen Vorgaben zu Fremdkörpern hinzu, zum Beispiel für Werkzeug, Verbrauchsmaterial und Glas.

Aus der Praxis

Eine Baustellenordnung legt neben der Sicherheit auch Alltägliches fest: Lagerflächen, Kran und Stapler, Entsorgung der Verpackungsabfälle und Hygieneregeln beim Betreten der Produktion. Für Brownfield-Umbauten kommt die Abstimmung mit der laufenden Produktion dazu, denn Lärm, Staub und Feuerarbeiten brauchen Freigaben. In Lebensmittelbetrieben gehört auch dazu, Werkzeug rein und raus zu zählen, damit keine Schraube in der Ware landet. Die Baustellenordnung wird mit der Bestellung Vertragsbestandteil und nicht erst beim Kick-off. Schicken Sie sie deshalb schon mit der Anfrage mit, sonst wird sie nach der Bestellung zum Streitpunkt.

Stapelstauchtest, der misst, welche Druckkraft ein Karton aushält, bis er versagt. Der Karton wird zwischen zwei Platten eines Prüfgeräts gedrückt, geprüft wird unter Normklima. Das Ergebnis, der BCT-Wert, hängt von Papiergüte, Wellenart, Kartonmaßen und Rillung ab und lässt sich überschlägig aus Kantenstauchwiderstand (ECT), Dicke und Umfang des Kartons berechnen. Der Wert bestimmt, wie hoch Kartons gestapelt und Paletten im Lager übereinander gesetzt werden können. Wer Kartonmaße, Packschema oder Palettenhöhe ändert, muss den Wert neu prüfen.

Aus der Praxis

Spätestens wenn Sie Kartonmaße oder Packschema ändern, wird der BCT-Wert zum Thema. Höhere Stapel oder flachere Kartons erhöhen die Last auf der unteren Lage, und die Palette im Hochregal steht dann unter einer Last, für die niemand gerechnet hat. Lassen Sie sich den Wert vom Kartonlieferanten bestätigen, und denken Sie an Grifflöcher, die den Karton zusätzlich schwächen. Der Laborwert gilt für Normklima und kurze Prüfzeit. Feuchte, lange Lagerdauer, Palettenüberstand und versetzt gestapelte Kartons ziehen davon einiges ab, im Lager bleibt oft deutlich weniger übrig. Ich frage deshalb immer nach dem Wert für die geplante Lagerzeit und rechne mit einem Stapelfaktor.

Becherfüller

Verpackungstechnik

Füll- und Verschließmaschine für vorgefertigte Becher aus Kunststoff oder Karton, meist als Rundläufer oder als Linearmaschine mit Taktkette ausgeführt. Die Becher werden aus dem Stapel vereinzelt und durch die Stationen geführt: optionale Entkeimung mit UV oder H2O2, Dosieren, Siegeln der Platine, Aufsetzen des Deckels und Ausschub. Platine heißt die Siegelfolie, die den Becher am Rand verschließt. Dosiert wird je nach Produkt mit Kolben oder Pumpen, bei stückigen Produkten mit Mehrkopfwaage oder Dosierern. Einsatz bei Molkereiprodukten, Feinkost, Fertiggerichten und Kosmetik.

Aus der Praxis

Die Leistung eines Becherfüllers steht und fällt mit dem Entstapeln. Becher, die durch Lagerung oder Transport oval geworden sind oder aneinander haften, verursachen die meisten Stopps. Lassen Sie beim FAT Becher und Platinen des tatsächlichen Lieferanten laufen und nicht Musterware, denn die ist meist handverlesen. Prüfen Sie außerdem, ob der Siegelkopf zur Platinendicke und zur Bechermundfläche passt und wie Produktspritzer in der Siegelzone verhindert werden, denn schon ein Tropfen auf dem Rand ergibt eine undichte Naht. Und fragen Sie, welche Teile beim Wechsel der Becherform getauscht und welche nur verstellt werden.

Bedenkenanzeige

Projektleitung & CAPEX

Schriftliche Mitteilung des Auftragnehmers an den Auftraggeber, dass er Bedenken gegen die vorgesehene Art der Ausführung, gegen Vorgaben des Auftraggebers, gegen beigestellte Stoffe oder Bauteile oder gegen Vorleistungen anderer Unternehmer hat. Sie benennt den Sachverhalt, die Gründe und die möglichen Folgen, etwa Mängel, Sicherheitsrisiken oder Leistungseinbußen, und sollte möglichst vor Beginn der betroffenen Arbeiten erfolgen. Die VOB/B sieht die Bedenkenanzeige ausdrücklich vor, im Werkvertragsrecht ergibt sich eine vergleichbare Prüf- und Hinweispflicht des Auftragnehmers. Damit ordnet die Anzeige die Verantwortung für die Folgen einer Vorgabe klar zu. Abzugrenzen ist sie von der Behinderungsanzeige, die eine Störung des Ablaufs meldet.

Aus der Praxis

Typische Fälle sind schnell aufgezählt. Der Kunde schreibt eine Folie vor, von der der Lieferant weiß, dass sie auf seiner Maschine schlecht läuft. Beim Hallenboden fehlt die Ebenheit, die im Lastenheft steht. Oder der Förderer eines anderen Lieferanten kommt auf einer Höhe an, die nicht zur Übergabe passt. Als Auftraggeber lesen Sie so eine Anzeige am besten wie eine kostenlose Fachmeinung. Entscheiden Sie dann bewusst und schriftlich, ob Sie bei Ihrer Vorgabe bleiben. Manche Lieferanten schicken Bedenkenanzeigen zu allem und jedem, vor allem gegen Projektende. Das ist meist Absicherung für spätere Gespräche über Mängel. Gehen Sie trotzdem jede einzeln durch, eine echte versteckt sich gern zwischen den vorsorglichen. Wie weit sich Haftung und Gewährleistung durch eine Anzeige verschieben, hängt vom Vertrag und vom Einzelfall ab. Das klären Sie im Zweifel mit einem Juristen.

Bedienerschulung

Projektleitung & CAPEX

Vertraglich vereinbarte Einweisung von Bedienern, Einrichtern und Instandhaltern in Betrieb, Formatwechsel, Störungsbehebung, Reinigung und Wartung der neuen Maschine. Umfang, Teilnehmerkreis, Zeitpunkt, Sprache, Unterlagen und Nachweis werden im Vertrag festgelegt. Die Unterweisung des Personals ist zugleich eine Betreiberpflicht nach der Betriebssicherheitsverordnung. Üblich ist eine Aufteilung nach Zielgruppen, weil Bediener, Einrichter und Instandhalter unterschiedliche Tiefe brauchen.

Aus der Praxis

Eine Schulung während der hektischen Inbetriebnahme bleibt selten hängen. Teilen Sie sie auf: Grundlagen vor der Anlieferung beim Lieferanten oder an der FAT, Praxis an der laufenden Maschine nach der Anlaufphase und die Instandhaltung separat mit Schaltplan und Antriebsparametrierung. Benennen Sie je Schicht einen Anlagenverantwortlichen, der vertieft geschult wird. Sichern Sie sich das Recht auf Nachschulung, wenn im ersten Jahr Personal wechselt. Ich bestehe außerdem auf Schulungsunterlagen in der Sprache der Mitarbeiter und auf einer Teilnehmerliste, sonst weiß in einem Jahr niemand mehr, wer was gelernt hat.

Behinderungsanzeige

Projektleitung & CAPEX

Schriftliche Mitteilung des Auftragnehmers an den Auftraggeber, dass er an der vertragsgemäßen Ausführung gehindert ist. Meist liegen die Ursachen im Bereich des Auftraggebers, etwa fehlende Vorleistungen anderer Gewerke, nicht bereitgestellte Medien, ausstehende Freigaben, verspätete Planunterlagen oder ein nicht zugänglicher Montageort. Die Anzeige beschreibt die Behinderung, ihre Ursache und die absehbaren Folgen für Termine und Kosten. Sie ist häufig Voraussetzung dafür, dass der Auftragnehmer später eine Verlängerung der Ausführungsfristen oder Mehrkosten geltend machen kann. Die VOB/B regelt die Behinderungsanzeige ausdrücklich, in Maschinen- und Anlagenbauverträgen werden vergleichbare Klauseln vereinbart. Abzugrenzen sind Bedenkenanzeige und Nachtrag.

Aus der Praxis

Auf der Baustelle sieht das so aus. Die Monteure kommen am vereinbarten Tag, aber das Fundament ist nicht fertig, die alte Maschine steht noch, und Druckluft gibt es erst nächste Woche. Ein erfahrener Lieferant schreibt dann noch am selben Tag eine Behinderungsanzeige. Als Auftraggeber sollten Sie die nicht abheften und vergessen. Antworten Sie schriftlich und klären Sie, ob die Behinderung wirklich in Ihrem Bereich liegt. Halten Sie auch fest, wann sie endet. Ein Bautagebuch mit Datum und Fotos hilft beiden Seiten mehr als jede Erinnerung. Gefährlich wird es am Projektende, wenn ein Stapel solcher Anzeigen als Nachtrag zurückkommt. Regeln Sie Form und Fristen für diese Anzeigen schon im Vertrag. Und wenn es zum Streit kommt, lassen Sie die Lage juristisch prüfen, bevor Sie Zugeständnisse machen.

Beleuchtung (Bildverarbeitung)

Digitalisierung & KI

Gezielte Ausleuchtung des Prüfobjekts in einem Vision-System, damit die relevanten Merkmale kontrastreich und reproduzierbar abgebildet werden. Auflicht kommt von der Kameraseite, Durchlicht von hinten und zeigt die Kontur, Dunkelfeld hebt Kratzer und Kanten hervor. Dombeleuchtung liefert diffuses Licht für glänzende, gewölbte Oberflächen, strukturiertes Licht projiziert Muster für Höheninformation. Meist wird geblitzt und in definierter Wellenlänge gearbeitet, damit Bewegungsunschärfe und Fremdlicht wenig Einfluss haben. Die Beleuchtung entscheidet häufiger über den Erfolg als Kamera oder Software.

Aus der Praxis

Die meisten Vision-Probleme im Betrieb sind Lichtprobleme. Fremdlicht durch ein geöffnetes Hallentor, gealterte LEDs, verschmutzte Diffusoren, glänzende Folien. Verlangen Sie eine geschlossene Beleuchtungskabine oder zumindest eine Fremdlichtabschirmung, geblitzte Beleuchtung und einen Referenztest mit Prüfmuster zum Schichtbeginn. LEDs werden mit den Jahren dunkler, ohne dass es jemand merkt, bis die Ausschleusung plötzlich spinnt. Planen Sie deshalb eine regelmäßige Kontrolle der Helligkeit ein. Ich bestehe darauf, dass der Prüfplatz mit Ihrem Produkt und Ihren Packmitteln ausgelegt wird und nicht mit dem Musterkarton des Integrators.

Benutzerverwaltung (HMI)

Automatisierung & Robotik

Funktion einer Bedienoberfläche oder eines SCADA-Systems, die Benutzer, Rollen und Zugriffsrechte verwaltet. Sie legt fest, wer Parameter und Rezepte ändern, Betriebsarten anwählen oder Alarme quittieren darf. Üblich sind gestufte Rollen, etwa Bediener, Linienführer, Instandhaltung und Administrator. Angemeldet wird per Benutzername und Passwort, per RFID-Karte oder über einen unternehmensweiten Verzeichnisdienst. Nach einer festgelegten Zeit ohne Bedienung meldet das System den Benutzer ab. Änderungen werden mit Benutzer und Zeitpunkt im Audit Trail protokolliert. In regulierten Bereichen gelten besondere Anforderungen, etwa nach EU-GMP Anhang 11 oder 21 CFR Part 11 der FDA. Rollen und Rechte gehören in die Funktionsbeschreibung und werden bei der Abnahme geprüft.

Aus der Praxis

Der Klassiker ist der Aufkleber am Panel mit dem Passwort für die Technikerebene. Gleich danach kommt das Konto des Inbetriebnehmers, das Jahre später noch Administratorrechte hat. Ich lasse mir bei der Abnahme zeigen, wie ein neuer Benutzer angelegt und ein alter gelöscht wird, und zwar von jemandem aus dem Werk und nicht vom Lieferanten. Kann das nur der Lieferant, gehört ihm die Anlage ein Stück weit noch. Legen Sie fest, wer im Werk die Benutzer pflegt, und gleichen Sie die Liste ab, wenn jemand den Betrieb verlässt. Mit Handschuhen ist die Anmeldung per Karte viel angenehmer als Tippen auf dem Touchpanel. Die automatische Abmeldung braucht Augenmaß. Ist die Zeit zu kurz, meldet sich die Schicht ständig neu an und teilt irgendwann ein gemeinsames Passwort. Bei zu langer Zeit bleibt die Technikerebene offen, während der Techniker längst in der Kantine sitzt.

Berstfestigkeit

Qualität & Sicherheit

Druck, bei dem eine eingespannte Papier- oder Wellpappenprobe unter einer hydraulisch aufgeblähten Membran reißt, angegeben in kPa. Das Verfahren heißt Mullen-Test. Die Berstfestigkeit ist ein Kennwert für den Widerstand gegen punktuelle Beanspruchung und Innendruck. Sie war lange das Hauptkriterium der Wellpappensorten, deshalb enthalten ältere Sortentabellen bis heute Berstwerte. Für die Stapelfestigkeit ist der Kantenstauchwiderstand aussagekräftiger. Bei Stößen und spitzen Gegenständen ergänzen Durchstoßwiderstand und Fallprüfung das Bild.

Aus der Praxis

Die Berstfestigkeit sagt, ob ein Karton beim Handling und im Paketdienst durchhält. Über die Stapelbarkeit auf der Palette sagt sie nichts. Viele Spezifikationen tragen noch Berstwerte aus alten Sortentabellen, während der Lieferant längst auf ECT-optimierte Papiere umgestellt hat. Dann passen Prüfzeugnis und Spezifikation nicht zusammen, und die Diskussion über die vermeintliche Abweichung beginnt. Entscheiden Sie nach der Belastung. Paketversand und schwere Einzelstücke bewerten Sie nach Berstfestigkeit, Palettenlagerung nach ECT. Und schreiben Sie in die Spezifikation, welcher Wert gilt, wenn beide gefordert sind, sonst liefert der Lieferant, was ihm gerade passt.

Verbindliche Erklärung des Käufers gegenüber dem Lieferanten, eine Leistung zu festgelegten Bedingungen zu beziehen, englisch Purchase Order. Sie enthält Bestellnummer, Leistung mit Bezug auf Angebot und Lastenheft in einem bestimmten Stand, Menge, Preis, Liefertermin, Lieferadresse, Incoterms, Zahlungsbedingungen und Einkaufsbedingungen. Der Lieferant bestätigt sie mit einer Auftragsbestätigung. Weichen beide voneinander ab, ist zu klären, welche Fassung gilt. Im ERP folgt die Bestellung meist auf eine Bestellanforderung der Fachabteilung, Wareneingang und Rechnung werden später gegen sie abgeglichen. In Unternehmen mit CAPEX-Prozess setzt eine Bestellung für eine Investition die Freigabe des Investitionsantrags voraus.

Aus der Praxis

Bei Maschinen wird oft wochenlang verhandelt, und am Ende bezieht sich die Bestellung auf das ursprüngliche Angebot. Was im Verhandlungsprotokoll vereinbart wurde, steht dann im Zweifel nirgends. Nehmen Sie deshalb alle Dokumente in die Bestellung auf, mit Revisionsstand und einer Rangfolge für den Fall, dass sie sich widersprechen. Dann lesen Sie die Auftragsbestätigung. Wirklich lesen, Zeile für Zeile. Da steht gern ein voraussichtlicher statt eines verbindlichen Termins, ein Verweis auf die Lieferbedingungen des Lieferanten oder eine Position, die plötzlich optional ist. Widersprechen Sie schriftlich und sofort. Und bestellen Sie nichts, bevor die Investition freigegeben ist. Der Lieferant freut sich über den frühen Auftrag, der Controller eher nicht.

Betriebsanleitung

Qualität & Sicherheit

Pflichtbestandteil jeder Maschinenlieferung, den der Hersteller in der Sprache des Verwenderlands mitliefert. Die Betriebsanleitung beschreibt die bestimmungsgemäße Verwendung, Betrieb, Rüsten, Reinigung, Wartung, Störungsbehebung und die Restrisiken, die nach der Risikobeurteilung bleiben. Sie gehört zu den Pflichtunterlagen der CE-Konformität. Ersatzteilliste, Schaltpläne und die Herstellerunterlagen der Zukaufteile kommen in der Regel ergänzend dazu. Qualität und Vollständigkeit der Dokumentation sollten vertraglich als Abnahmekriterium definiert sein, denn Nachforderungen nach der Schlusszahlung laufen ins Leere.

Aus der Praxis

Fordern Sie die Betriebsanleitung in Deutsch, gegliedert nach Bedienung, Rüsten, Wartung, Störungsbehebung und Ersatzteilen. Ideal ist eine Ersatzteilliste mit den Herstellerbezeichnungen der Zukaufteile, denn mit einer internen Positionsnummer des Maschinenbauers bestellt nachts um drei keiner einen Sensor. Lassen Sie sich ein Vorabexemplar zum FAT geben und prüfen Sie es vor der Auslieferung, am besten gemeinsam mit dem Instandhalter, der später damit arbeitet. Fehlende oder nur englische Dokumentation ist ein Abnahmemangel. Wer erst nach der Schlusszahlung nachfordert, wartet lange. Lassen Sie deshalb im Vertrag festhalten, dass die vollständige Dokumentation Bedingung für die Abnahme ist, und klären Sie die Formulierung mit dem Juristen.

Betriebsartenwahl

Automatisierung & Robotik

Umschaltung einer Maschine zwischen Betriebsarten wie Automatik, Einrichten oder Handbetrieb über einen abschließbaren Wahlschalter oder eine Zugriffsberechtigung. Jede Betriebsart hat ein eigenes Sicherheitskonzept. Im Einrichtbetrieb sind Bewegungen nur mit Zustimmtaster oder im Tippbetrieb und mit reduzierter Geschwindigkeit zulässig, Schutzeinrichtungen sind dabei teilweise überbrückt. Die Maschinenrichtlinie fordert, dass die gewählte Betriebsart Vorrang vor allen anderen Steuerungsfunktionen hat, mit Ausnahme des Not-Halts.

Aus der Praxis

Der Einrichtbetrieb ist der gefährlichste Zustand einer Anlage, weil Schutzeinrichtungen teilweise überbrückt sind. Regeln Sie, wer den Schlüssel bekommt und wo er aufbewahrt wird, denn ein Schlüssel, der dauerhaft im Schalter steckt, hebt das Konzept auf. Beim Roboter gilt im Einrichtbetrieb ein reduziertes Tempo von höchstens 250 mm/s am Werkzeug. Achten Sie darauf, dass die Umschaltung nicht mitten in einer Bewegung möglich ist. Ich probiere bei der Abnahme aus, was beim Umschalten passiert, während die Anlage läuft, und ob sie danach von selbst wieder anläuft. Sie sollte stehen und auf eine bewusste Quittierung der neuen Betriebsart warten.

Betriebsmittelkennzeichnung (BMK)

Automatisierung & Robotik

Eindeutige Bezeichnung jedes Betriebsmittels einer Anlage, also jedes Motors, Sensors, Ventils, Schützes, Klemmenblocks und Kabels. Dieselbe BMK erscheint im Schaltplan, in Stücklisten, in der SPS, auf dem HMI und als Schild am Bauteil selbst. Grundlage ist heute die Normenreihe IEC 81346, in vielen Bestandsanlagen findet sich noch die ältere DIN 40719. Die Struktur folgt Aspekten, die durch Vorzeichen getrennt werden: Gleichheitszeichen für Funktion oder Anlage, Pluszeichen für den Ort und Minuszeichen für das Produkt. Kennbuchstaben ordnen das Betriebsmittel einer Klasse zu, zum Beispiel M für Motoren und B für Sensoren. Viele Betreiber legen das Schema in einer Werksnorm fest, damit Anlagen verschiedener Lieferanten einheitlich gekennzeichnet sind.

Aus der Praxis

Ohne Vorgabe bringt jeder Lieferant an einer Linie sein eigenes Kennzeichnungssystem mit. Dann gibt es den Motor M1 mehrfach, und der Instandhalter sucht nachts am falschen Förderer. Legen Sie das Schema deshalb schon im Lastenheft fest, am besten mit der Anlagen- und Ortsebene, die im Werk gilt. Die Störmeldung am HMI sollte die Kennzeichnung des Bauteils nennen. Eine Meldung, die nur Sensor Einlauf heißt, hilft niemandem, der vor einer Reihe gleicher Sensoren steht. Schauen Sie bei der Abnahme, wo die Schilder kleben. Auf einer abnehmbaren Abdeckung sitzen sie nach der ersten Reinigung am falschen Bauteil, und auf dem Sensor selbst sind sie nach dem ersten Tausch weg. Besser sitzt das Schild am Halter oder an der Konsole. Der Halter bleibt, wenn der Sensor wechselt.

Deutsche Verordnung für die sichere Bereitstellung und Benutzung von Arbeitsmitteln. Sie regelt die Gefährdungsbeurteilung, Prüfungen vor der Inbetriebnahme und wiederkehrende Prüfungen, die Unterweisung der Beschäftigten und die Anforderungen an Bestandsanlagen. Adressat ist der Arbeitgeber als Betreiber, nicht der Hersteller. Während die CE-Kennzeichnung die Maschine zum Zeitpunkt der Lieferung betrifft, gilt die BetrSichV über die gesamte Nutzungsdauer, auch bei Änderungen an der Anlage. Die Prüfungen führen befähigte Personen durch, bei überwachungsbedürftigen Anlagen zugelassene Überwachungsstellen. Konkretisiert wird die Verordnung durch die Technischen Regeln für Betriebssicherheit.

Aus der Praxis

Die CE-Kennzeichnung hat der Lieferant am Hals, die BetrSichV der Betreiber, und zwar so lange, wie die Anlage läuft. Nach jedem Retrofit ist die Gefährdungsbeurteilung zu aktualisieren, auch wenn es nur eine neue Steuerung oder ein zusätzliches Lichtgitter war. Legen Sie fest, wer im Haus die Prüfungen terminiert, sonst verlässt sich einer auf den anderen und die Frist ist vorbei. Bewahren Sie die Prüfnachweise anlagenbezogen auf und nicht in einem Sammelordner für den ganzen Standort. Das erspart Diskussionen mit der Berufsgenossenschaft und der Versicherung, wenn nach einem Unfall jemand nachfragt. Auch die Unterweisungen gehören dazu, mit Datum und Unterschrift.

Beutelverschließmaschine

Verpackungstechnik

Verpackungsmaschine, die gefüllte Beutel und flexible Verpackungen verschließt. Gängige Verfahren sind das Siegeln durch Wärme, Druck oder Ultraschall sowie das Nähen und Clippen. Bei den Siegelgeräten unterscheidet man den Handverschweißer, den Impulsverschweißer, der nur während des Siegelns heizt, und den Dauerverschweißer, bei dem der Beutel auf Bändern durch eine Heizzone und eine Kühlzone läuft. Verarbeitet werden Beutel aus Kunststoff, Aluminiumfolie oder Verbundfolie. Automatische Modelle können den Beutel vor dem Verschließen etikettieren oder bedrucken. In der Lebensmittelindustrie soll der Verschluss das Produkt dicht abschließen und so die Haltbarkeit sichern.

Aus der Praxis

Der Verschluss muss zum Inhalt, zur Beutelqualität und zum Transport passen, egal ob gesiegelt, genäht oder geclippt. Häufige Störungen entstehen durch Produkt in der Naht und durch ungleichmäßige Beutelzuführung. Ein Sensor für die Nahtkontrolle und eine saubere Absaugung vor dem Verschließen sparen viel Nacharbeit. Lassen Sie sich an der Maschine zeigen, wie der Beutelmund vor dem Verschließen glatt gezogen wird, denn eine Falte in der Naht fällt oft erst beim Kunden als Undichtigkeit auf. Beurteilen Sie die Naht nicht allein mit dem Auge. Verlangen Sie bei der Abnahme eine Dichtheitsprüfung an Beuteln aus der laufenden Linie, und nehmen Sie dafür echtes Produkt, denn ein Probelauf mit sauberer Ware verschweigt das Produkt in der Naht.

Big Bag (FIBC)

Intralogistik

Flexible Intermediate Bulk Container, kurz FIBC: Großsack aus Polypropylengewebe für Schüttgüter wie Granulat, Pulver oder Lebensmittelrohstoffe. Er hat meist vier Tragschlaufen, optional einen Inliner sowie Einfüll- und Auslaufstutzen. Kennwerte sind die zulässige Traglast, der Sicherheitsfaktor (5 zu 1 für Einweg, 6 zu 1 für Mehrweg) und bei Stäuben die elektrostatische Ausführung (Typ A bis D). Typ A hat keinen Schutz gegen Entladungen, Typ B begrenzt Büschelentladungen durch ein Gewebe mit niedriger Durchschlagspannung, Typ C wird geerdet und Typ D leitet die Ladung ohne Erdung ab.

Aus der Praxis

Big Bags sind auf der Rohstoffseite vieler Linien Standard, und sie bringen ihre eigenen Probleme mit: schlechte Standfestigkeit auf der Palette, Staubaustritt beim Entleeren, Reste im Inliner. Planen Sie Entleerstationen mit Massagevorrichtung und Staubabsaugung und legen Sie die Sackspezifikation gemeinsam mit dem Rohstofflieferanten fest. Achten Sie auf die Aufnahme. Der Sack hängt an seinen Schlaufen, also müssen Hebezeug und Bauhöhe der Station dazu passen. Bei brennbaren Stäuben gehört der Sacktyp ins Explosionsschutzkonzept und ist keine reine Einkaufsentscheidung. Der falsche Typ fällt erst auf, wenn jemand aufs Etikett schaut.

Bin Picking

Automatisierung & Robotik

Entnahme ungeordnet liegender Teile aus einem Behälter durch einen Roboter. Ein 3D-Sensor erfasst die Szene als Punktwolke, die Software erkennt die Teile anhand eines Modells, berechnet Greifpunkte und prüft, ob Greifer und Behälterwand kollidieren. Anschließend legt der Roboter das Teil lagerichtig ab, oft an einer Übergabestation, an der die Lage nach dem Griff noch einmal geprüft wird. Anspruchsvoll sind verhakte Teile, Restentleerung und glänzende oder transparente Oberflächen.

Aus der Praxis

Bin Picking ist reif für Metallteile und stabile Kartons, bleibt bei Beuteln, Folien und Transparentem schwierig. Im Projekt entscheiden die Erkennungsrate bei fast leerem Behälter und die Zeit für Bildaufnahme plus Bahnberechnung, denn die zählt in den Takt. Klären Sie, was mit nicht greifbaren Teilen passiert, wie der Behälter gerüttelt oder gewechselt wird und wer die Referenzteile zum Test bringt. Bestehen Sie auf einem Test mit Teilen aus der laufenden Produktion statt mit sauberen Mustern, weil Schmutz, Verformung und Charge die Erkennung verändern. Legen Sie die Abnahmekriterien vorher fest, auch was als Fehlgriff zählt.

Beschichtungen aus nachwachsenden Rohstoffen, die auf Papier oder Kunststoffverpackungen aufgetragen werden und eine Barriere gegen Feuchtigkeit, Sauerstoff, Fett oder Aromen bilden. Grundstoffe sind zum Beispiel Cellulose, Stärke oder Proteine. Sie sind eine Alternative zu herkömmlichen Systemen, die häufig auf fossilen Rohstoffen beruhen, und verringern den Anteil fossiler Kunststoffe in der Verpackung. Biobasiert sagt nur etwas über die Herkunft des Rohstoffs und nichts über Abbaubarkeit oder Recyclingfähigkeit. Die Verbreitung wächst, weil die Nachhaltigkeitsanforderungen an Verpackungsmaterial zunehmen.

Aus der Praxis

Biobasierte Beschichtungen sind ein Zukunftsthema, aber noch nicht für jede Anwendung reif. Barrierewerte, Siegelverhalten und Verfügbarkeit schwanken, von Charge zu Charge und von Lieferant zu Lieferant. Fragen Sie nach Werten bei Ihrer Luftfeuchte statt bei Normklima, denn viele Barrieren verlieren bei Feuchte an Wirkung. Pilotieren Sie mit einem Produkt und einer Linie und dokumentieren Sie Maschinenparameter und Haltbarkeitstests, bevor Sie das Sortiment umstellen. Klären Sie auch mit dem Verwerter, ob das beschichtete Material in den Altpapierstrom oder in den Kunststoffstrom gehört, bevor Sie es als recyclingfähig bewerben.

Blindleistungskompensation

Produktion & Energie

Verfahren, das den Blindleistungsbezug eines Betriebs aus dem Netz verringert. Motoren und Transformatoren benötigen Blindleistung für ihr Magnetfeld. Sie pendelt zwischen Netz und Verbraucher, verrichtet keine Arbeit und belastet trotzdem Leitungen und Transformatoren. Das Verhältnis von Wirkleistung zu Scheinleistung heißt Leistungsfaktor. Kondensatoren liefern die Blindleistung vor Ort. Man unterscheidet Einzelkompensation am Verbraucher, Gruppenkompensation und Zentralkompensation an der Hauptverteilung, bei der ein Regler Kondensatorstufen nach Bedarf zuschaltet. Bei Oberschwingungen durch Frequenzumrichter verhindern verdrosselte Anlagen Resonanzen. Unterschreitet der Leistungsfaktor den vereinbarten Wert, stellt der Netzbetreiber die Blindarbeit in Rechnung.

Aus der Praxis

Die Kompensationsanlage hängt meist in einer Ecke der Hauptverteilung, und kaum jemand weiß noch, wann sie zuletzt geprüft wurde. Kondensatoren altern, Stufen fallen aus, und irgendwann steht Blindarbeit auf der Stromrechnung. Ein Blick auf den Regler zeigt oft schon, dass er seinen Zielwert nicht mehr erreicht. Spannend wird es bei Erweiterungen. Kommt eine neue Linie mit vielen Umrichtern dazu, kann eine alte, unverdrosselte Anlage in Resonanz geraten. Dann werden Kondensatoren heiß und Sicherungen lösen aus. Gesucht wird zuerst an der neuen Maschine, obwohl die Ursache in der Hauptverteilung sitzt. Lassen Sie vor größeren Investitionen die Netzqualität messen und die Kompensation prüfen. Bei schwacher Last nachts und am Wochenende sollte der Regler Stufen abschalten. Fest angeschlossene Kondensatoren tun das nicht, dann kippt der Bezug ins Kapazitive.

Blistermaschine

Verpackungstechnik

Verpackungsmaschine, die Blisterverpackungen herstellt. In der Formstation wird eine Kunststofffolie erwärmt und per Thermoformen zu Kammern geformt. Das Produkt wird eingelegt, danach siegelt die Maschine eine Deckschicht aus Folie, Karton oder Aluminium auf und stanzt die Einzelpackung aus. Die Deckschicht schützt das Produkt vor Feuchtigkeit und Staub. Je nach Ausführung unterscheiden sich die Maschinen im Automatisierungsgrad, etwa bei Folienzuführung, Beschneiden und Produkteinlage, die auch von Hand erfolgen kann, und in Größe und Form der Kammern. In der Lebensmittelindustrie werden damit Einzelportionen wie Käse, Wurst oder Obst verpackt.

Aus der Praxis

Bei Blistermaschinen stecken die Kosten in den Formatwerkzeugen und im Folienverbrauch. Ein Formatwechsel bedeutet meist einen neuen Werkzeugsatz, vom Formwerkzeug bis zur Stanze. Prüfen Sie deshalb Werkzeugwechselzeit, Werkzeugpreis je Format und Lieferzeit. Ein neues Produkt ohne Werkzeug wartet Wochen, und das Werkzeug entscheidet oft über den Starttermin. Fragen Sie auch nach dem Stanzabfall. Beim Ausstanzen bleibt ein Gitter aus Folie übrig, das als Verlust zählt und irgendwo hin muss, und die Anordnung der Kammern auf der Bahn bestimmt, wie groß dieses Gitter ausfällt. Bei Lebensmitteln achten Sie zusätzlich auf die Hygieneauslegung und die Reinigbarkeit der Formstation.

Blisterverpackung

Verpackungstechnik

Verpackung aus einem tiefgezogenen Kunststoffträger mit einzelnen Kammern oder Taschen, in die das Produkt eingelegt wird. Die Kammern werden mit einer Deckschicht aus Folie, Karton oder Aluminium verschlossen, die auf den Rand gesiegelt oder geklebt wird. Der Blister schützt vor Feuchtigkeit und Staub und lässt das Produkt sichtbar. Verwendet wird er für Einzelportionen von Lebensmitteln, für Kaugummi, Nahrungsergänzungsmittel und andere Kleinteile. Hergestellt wird er auf Blistermaschinen, die den Träger formen, das Produkt einlegen und die Deckschicht siegeln. Der Materialmix aus Kunststoff und Karton erschwert das Recycling, deshalb wächst das Interesse an Mono-Material und recyclingfähigen Aufbauten.

Aus der Praxis

Blister bieten Produktschutz und Sichtbarkeit, stehen aber wegen des Materialmixes aus Kunststoff und Karton unter Recyclingdruck. Prüfen Sie Alternativen wie Karton-Sichtverpackungen oder Mono-Material-Blister, bevor Sie in neue Werkzeuge investieren. Die PPWR verändert hier die Rahmenbedingungen. Werkzeuge sind an das Format gebunden, eine Fehlentscheidung begleitet Sie also lange. Lassen Sie Muster aus dem neuen Material auf Ihrer Maschine fahren, bevor Sie ein Werkzeug bestellen. Fragen Sie auch Ihren Verwerter, ob sich der Verbund trennen lässt. Mono-Material siegelt oft in einem engeren Fenster, und Karton nimmt Feuchte auf, wenn er im Lager steht.

Blocklager

Intralogistik

Lagerung von Paletten ohne Regale, die auf dem Hallenboden gestapelt und in Blöcken angeordnet werden. Die Tiefe eines Blocks ergibt sich aus der Zahl der Paletten hintereinander, die Höhe aus der Zahl der Paletten übereinander. Flächeneffizient bei großen Mengen gleicher Artikel, aber ohne direkten Zugriff auf jede Palette, denn erreichbar sind nur die vorderste und die oberste. Der Normalfall ist last in, first out, eine Entnahme nach FIFO erfordert zusätzlichen Aufwand. Voraussetzung sind stapelbare Ladeeinheiten mit ausreichender Stauchfestigkeit und ein ebener, tragfähiger Boden.

Aus der Praxis

Das Blocklager funktioniert nach FIFO nur mit Disziplin und klarer Blockbildung pro Artikel und Charge, am besten mit Bodenmarkierung. Wer Chargen in einer Gasse mischt, räumt bei der ersten Rückholung das halbe Lager um, und die Schicht steht daneben und schaut zu. Stapelhöhe und Palettenstabilität begrenzen die Nutzung, und hier zahlt sich ein gutes Packschema doppelt aus. Prüfen Sie, was die unterste Palette trägt, wenn der Karton Feuchte gezogen hat. Auch die Gassenbreite für den Stapler gehört geplant, sonst gibt es Anfahrschäden an den Blockecken. Vor einem Regalbau lohnt die Frage, ob ein besser organisiertes Blocklager reicht.

Bodenbelastung (Flächenlast)

Produktion & Energie

Last, die ein Hallenboden oder eine Geschossdecke aufnehmen muss, verglichen mit der zulässigen Tragfähigkeit. Die Flächenlast beschreibt eine gleichmäßig verteilte Last in Kilonewton je Quadratmeter. Daneben zählen Einzellasten an Maschinenfüßen und Regalstützen sowie Radlasten von Staplern und Hubwagen, die auf kleiner Fläche wirken. Schwingende oder stoßende Maschinen bringen zusätzlich dynamische Lasten ein. Die anzusetzenden Nutzlasten für die Bemessung von Gebäuden enthält DIN EN 1991-1-1, die Tragfähigkeit eines bestehenden Bodens ermittelt ein Tragwerksplaner. Grundlage für den Nachweis sind der Fundamentplan des Maschinenlieferanten mit Gewichten und Fußlasten sowie der Transportweg bei der Einbringung. Schwere Maschinen erhalten bei Bedarf eigene Fundamente.

Aus der Praxis

Den Boden fragt bei der Layoutplanung selten einer. Er fällt erst auf, wenn die neue Maschine ins Obergeschoss eines Altbaus soll oder ein Hochregal auf eine Bodenplatte, die für Handarbeitsplätze gegossen wurde. Die Flächenlast reicht dann rechnerisch oft aus, aber die Maschine steht auf sechs Füßen mit kleinen Tellern, und unter jedem Fuß konzentriert sich die Last. Lastverteilplatten helfen, wenn der Statiker sie freigibt. Denken Sie auch an den Weg dorthin. Bei der Einbringung rollt die Maschine auf Staplergabeln oder Panzerrollen durch Flure und über Kanaldeckel, und dieser Weg trägt manchmal weniger als der Aufstellort. Lassen Sie sich vom Lieferanten früh die Fußlasten geben und schicken Sie sie mit dem Layout an den Statiker. Ein Gutachten dauert, und auf dem kritischen Pfad hat es nichts zu suchen.

Britischer Lebensmittelsicherheitsstandard, wie IFS Food von der GFSI anerkannt und von vielen Handelsketten gefordert. Betriebe werden in Audits durch Zertifizierungsstellen geprüft. Der Standard stellt Anforderungen an das HACCP-System, die Hygiene, die Fremdkörperkontrolle, die Rückverfolgbarkeit, das Personal und die Anlagen. Für Maschinen zählen vor allem Reinigbarkeit, Werkstoffe, Abdeckungen, Prüfstellen für Fremdkörper und die Dokumentation. Glas und Hartplastik werden im Betrieb in einem Register geführt. Der Herausgeber überarbeitet den Standard regelmäßig, im Projekt gilt deshalb die zum Zeitpunkt des Audits gültige Fassung.

Aus der Praxis

Für Maschinenprojekte zählen die Anforderungen an Fremdkörperkontrolle, Reinigbarkeit, Glas- und Hartplastikregister und Dokumentation. Beziehen Sie den Qualitätsverantwortlichen früh ein, am besten schon beim Lastenheft. Steht der Auditor erst beim Rundgang vor der neuen Maschine, ist es zu spät, um über Abdeckungen zu reden. Nachträgliche Änderungen an Abdeckungen, Materialien oder Prüfstellen sind teuer und verzögern die Abnahme. Auditoren schauen gern auf lose Teile, Glas und Leuchten, Hohlräume, die sich nicht reinigen lassen, und Kabel über offener Ware. Lassen Sie sich vom Lieferanten die Werkstoffe im Produktbereich und eine Liste aller Glas- und Hartplastikteile mitgeben, dann ist das Register schnell gepflegt.

Brownfield / Greenfield

Projektleitung & CAPEX

Zwei Ausgangslagen für ein Investitionsprojekt. Greenfield bezeichnet einen Neubau auf der grünen Wiese ohne Altlasten, bei dem Gebäude, Medien und Layout frei geplant werden. Brownfield bezeichnet ein Projekt im laufenden Bestand mit vorhandenen Anlagen, Schnittstellen und Produktionsdruck. Brownfield-Projekte brauchen mehr Planung für Umbaufenster, Provisorien und die Minimierung von Stillstand. Die Anbindung an bestehende Medien, Förderstrecken und Steuerungen bestimmt dort Aufwand und Reihenfolge.

Aus der Praxis

Brownfield-Projekte brauchen ein Umbaukonzept, das festhält, welche Anlagen weiterlaufen, welche Umbaufenster es gibt, etwa Wochenende oder Werksferien, und welche Provisorien die Zeit überbrücken. Den größten Teil der Kosten verursachen oft Verlagerungen, temporäre Fördertechnik und Nachtarbeit und weniger die neue Maschine. Dazu kommt, dass die Bestandspläne oft nicht dem entsprechen, was in der Halle steht. Ein Aufmaß oder 3D-Laserscan vor der Planung kostet weniger als eine Maschine, die nicht durch die Tür passt. Greenfield ist planerisch einfacher, verlangt aber frühe Entscheidungen zu Medien, Fundamenten und Gebäudeschnittstellen, die später kaum noch änderbar sind.

Budgetangebot

Projektleitung & CAPEX

Unverbindliche Preisindikation für die Investitionsplanung, die schnell zu bekommen ist und eine größere Spanne hat als ein verbindliches Angebot. Für die Vergabe ist sie nicht belastbar. Im CAPEX-Prozess dient sie als Grundlage für den Freigabeantrag. Die Vergabe braucht dann verbindliche Angebote auf Basis des Lastenhefts. Ein Budgetangebot enthält meist eine Grobbeschreibung, den Grundpreis der Maschine und eine Liste der Optionen, aber keine verbindlichen Leistungsdaten und Termine.

Aus der Praxis

Ein Budgetangebot klärt zum Beispiel, ob die Linie eher 300.000 oder eher 800.000 Euro kostet, und ist innerhalb weniger Tage zu bekommen. Es enthält keine verbindlichen Leistungsdaten und oft nicht die Peripherie, also Fördertechnik, Sicherheitstechnik und Montage. Planen Sie im Freigabeantrag eine Budgetreserve auf das Budgetangebot ein und stimmen Sie die Höhe mit dem Controlling ab. Nebenkosten wie Einbringung, Medien und Schulung führen Sie getrennt auf. Holen Sie mindestens zwei Budgetangebote ein, sonst haben Sie eine Zahl und keine Spanne. Fragen Sie den Lieferanten, was nicht enthalten ist, bevor Sie die Zahl in den Antrag schreiben.

Business Case

Kaufmännisches

Wirtschaftliche Begründung einer Investition mit Investitionssumme, laufenden Kosten, erwarteten Einsparungen und Erlösen, Annahmen, Risiken sowie Alternativen einschließlich der Nullvariante. Daraus werden Kennzahlen wie Amortisationszeit, Kapitalwert oder ROI abgeleitet. Die Nullvariante beschreibt den Weiterbetrieb der Bestandsanlage ohne Investition und liefert den Vergleichsmaßstab. Oft werden mehrere Szenarien gerechnet, etwa mit abweichender Auslastung oder Anlaufkurve. Der Business Case ist der Kern des Investitionsantrags und wird bei Änderungen des Projekts fortgeschrieben.

Aus der Praxis

In den meisten Business Cases stecken Annahmen, an denen es später hakt: Auslastung, die nie erreicht wird, Personaleinsparung, die niemand umsetzt, Anlaufkurve, die zu steil geplant ist. Legen Sie jede Annahme offen und benennen Sie, wer sie verantwortet. Wer den Antrag freigibt, sollte erkennen, welche zwei Annahmen das Ergebnis am stärksten bewegen. Belastbare Ist-Daten der Bestandslinie, etwa aus einem Effizienztag, sind die beste Grundlage. Rechnen Sie die Nullvariante ehrlich, mit Stillstandskosten und Ersatzteilrisiko der Altanlage. Ich lasse gern eine vorsichtige Variante mitrechnen und schaue, ob der Antrag auch dann noch trägt.

C

C&E-Matrix

Projektleitung & CAPEX

Bewertungswerkzeug, das Anforderungen, die Ursachen, mit Ergebnissen, den Wirkungen, gewichtet verknüpft. Es stammt aus der Qualitätsmethodik und lässt sich auf den Angebotsvergleich übertragen. Dort macht es Entscheidungen nachvollziehbar und dokumentierbar, weil statt Bauchgefühl eine gewichtete Punktebewertung entscheidet. Die Kriterien werden gewichtet, jedes Angebot erhält Punkte je Kriterium, und die Summe aus Gewichtung mal Punkten ergibt die Rangfolge.

Aus der Praxis

Gewichtet werden zehn bis fünfzehn Kriterien, von Leistung und Formatwechsel über Service und Ersatzteile bis zu Referenzen, Preis und Lieferzeit. Jedes Angebot bekommt Punkte je Kriterium, und die Gewichtung stimmen Sie mit Produktion, Instandhaltung und Einkauf ab, bevor das erste Angebot auf dem Tisch liegt. Sonst bastelt am Ende jemand an den Gewichten, bis der Wunschlieferant vorn liegt. Das Ergebnis ist nachvollziehbar dokumentiert und hilft, wenn nicht der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommt und die Geschäftsführung nachfragt. Ich rechne zur Kontrolle immer noch einmal mit anderen Gewichten durch. Kippt die Rangfolge schon bei kleinen Änderungen, liegen die Angebote zu nah beieinander für eine reine Punktebewertung.

CAPA

Qualität & Sicherheit

Abkürzung für Corrective and Preventive Action, auf Deutsch Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen. Gemeint ist der Prozess, mit dem ein Betrieb Abweichungen, Reklamationen, Auditfeststellungen und Störungen bearbeitet. Er reicht von der Sofortmaßnahme gegen die Auswirkung, etwa dem Sperren von Ware, über die Ursachenanalyse und die Korrekturmaßnahme gegen die Ursache bis zur Vorbeugung gleichartiger Fehler an anderen Linien. Am Ende steht die Wirksamkeitsprüfung. Jeder Vorgang wird mit Verantwortlichem, Termin und Nachweis dokumentiert. Verbreitet ist der Begriff vor allem in Pharma und Medizintechnik. Lebensmittelstandards wie IFS Food und BRCGS verlangen ebenfalls Korrekturmaßnahmen mit Ursachenanalyse. Der 8D-Report ist ein gängiges Format für den einzelnen Fall.

Aus der Praxis

Eine CAPA-Liste verrät viel über einen Betrieb. Steht bei fast jeder Maßnahme Mitarbeiter geschult, hat selten jemand nach der eigentlichen Ursache gesucht. Und ohne Wirksamkeitsprüfung weiß keiner, ob die Schulung etwas gebracht hat. Viele Maßnahmen sind technisch. Ein Sensor soll nachgerüstet werden, eine Schutzhaube geändert, eine Rutsche neu konstruiert. Solche Punkte landen bei der Instandhaltung oder im Projekt, oft ohne Budget und ohne Termin, und werden beim nächsten Audit wieder verlängert. Klären Sie früh, wer sie bezahlt. Ich schaue mir vor jedem Lastenheft für eine Ersatzlinie die CAPA-Liste der alten Linie an. Dort steht ziemlich genau, was die neue Maschine besser können muss, und kein Lieferant kennt diese Liste, wenn Sie sie ihm nicht geben.

CAPEX

Projektleitung & CAPEX

Capital Expenditure, die Investitionsausgaben für langlebige Anlagegüter, etwa eine neue Verpackungslinie oder einen Palettierer. CAPEX-Ausgaben werden aktiviert und über die Nutzungsdauer abgeschrieben, im Gegensatz zu laufenden Betriebskosten (OPEX), die direkt im Ergebnis des Jahres stehen. Freigegeben werden sie über einen Investitionsantrag mit Budget und Wirtschaftlichkeitsrechnung. Zu den Kosten zählt alles, was bis zur produktiven Nutzung nötig ist, meist also auch Peripherie, Montage, Einbringung und Inbetriebnahme.

Aus der Praxis

Der CAPEX-Prozess beginnt lange vor der Bestellung. Zuerst wird der Bedarf begründet, dann werden Varianten verglichen, Budgetangebote eingeholt, die Wirtschaftlichkeit gerechnet und die Freigabe erteilt. Danach folgen Ausschreibung, Vergabe, Umsetzung und Abnahme. Was oft fehlt, ist die Nachkalkulation, also der Blick darauf, ob die versprochenen Einsparungen auch eingetreten sind. Wer das misst, plant das nächste Projekt besser. Planen Sie die Nachkalkulation schon im Freigabeantrag mit Termin und Verantwortlichem ein, sonst kümmert sich nach der Abnahme niemand mehr darum. POWERJO übernimmt Investitionsprojekte als Projektleitung auf Zeit von der Bedarfsklärung bis zur Abnahme.

CAQ

Digitalisierung & KI

Computer Aided Quality, Sammelbegriff für Software, die Aufgaben des Qualitätsmanagements unterstützt. Typische Module sind Prüfplanung, Wareneingangsprüfung, fertigungsbegleitende Prüfung mit statistischer Prozessregelung, Prüfmittelverwaltung, Reklamationsmanagement mit 8D-Report, Lieferantenbewertung und Auditverwaltung. Aus den Prüfplänen erzeugt das System Prüfaufträge. Messwerte werden von Hand eingegeben oder kommen direkt von Messgeräten und Prüfsystemen der Linie. Ausgewertet wird zum Beispiel als Regelkarte oder mit den Kennwerten Cp und Cpk. CAQ läuft als eigenständige Software oder als Teil von MES oder ERP und tauscht mit diesen Aufträge, Chargen und Sperrvermerke aus.

Aus der Praxis

In vielen Werken liegen die Qualitätsdaten verteilt auf Laborrechner, Kontrollwaage und eine Tabelle, die nur eine Kollegin wirklich versteht. Ein CAQ führt das zusammen, aber nur, wenn die Messwerte automatisch hineinkommen. Lassen Sie Bediener alle zwei Stunden Werte vom Display abschreiben und eintippen, bekommen Sie hübsche Diagramme mit verdächtig runden Zahlen. Prüfen Sie bei neuen Maschinen, ob die Prüfgeräte an der Linie ihre Ergebnisse über eine Schnittstelle abgeben können, und schreiben Sie es ins Lastenheft. Achten Sie auch auf die Rückrichtung. Sperrt das CAQ eine Charge, muss das ERP davon wissen, bevor der Lkw beladen wird. Und halten Sie die Prüfpläne schlank. Ein Prüfplan, den die Schicht nicht schafft, wird trotzdem ausgefüllt, nur eben nicht mit Messungen.

Case Packer

Verpackungstechnik

Sammelbegriff für Maschinen, die Einzelprodukte oder gruppierte Produkte in Umkartons verpacken. Nach der Richtung des Einlegens unterscheidet man Side-Loading, bei dem die Gruppe seitlich in den aufgerichteten Karton geschoben wird, Top-Loading, bei dem sie von oben eingelegt wird, meist per Roboter, und Bottom-Loading. Die Wahl bestimmt Produktschonung, Leistung und Formatflexibilität. Vor dem Packer stehen Produktzuführung und Gruppierung, davor oder im Packer ein Kartonaufrichter, danach der Kartonverschließer. Beim Wrap-Around-Packer wird der Karton dagegen erst um die Produktgruppe gefaltet.

Aus der Praxis

Die Bauart folgt dem Produkt. Beutel und weiche Produkte werden meist von oben eingelegt, stabile Kartons und Flaschen seitlich eingeschoben. Beim Vergleich lohnt der Blick auf die Zuführung, denn dort entstehen die meisten Störungen. Fragen Sie nach der Zahl der Formate und der Dauer des Wechsels, danach, wie die Kartonzuschnitte magaziniert werden und wie weit das Magazin ohne Nachfüllen reicht. Ein kleines Magazin klingt harmlos, bis ein Bediener in der Nachtschicht alle halbe Stunde nachlegen muss. Und lassen Sie sich zeigen, was bei einem schief ankommenden Karton passiert, ob die Maschine anhält oder das Produkt gegen die Klappe schiebt.

CE-Kennzeichnung

Qualität & Sicherheit

Erklärung des Herstellers, dass die Maschine den einschlägigen EU-Anforderungen entspricht, und Voraussetzung für das Inverkehrbringen. Grundlage ist die Risikobeurteilung. Der Hersteller erstellt die technische Dokumentation und die Betriebsanleitung, stellt die Konformitätserklärung aus und bringt das CE-Zeichen an. Bei Linien ist Vorsicht geboten. Wer mehrere Maschinen zu einer Gesamtanlage verkettet, wird schnell selbst zum Hersteller der Gesamtheit und muss die Konformität der verketteten Anlage bewerten. Das kann auch den Betreiber treffen, der Maschinen verschiedener Lieferanten selbst verkettet. Unvollständige Maschinen erhalten statt der CE-Kennzeichnung eine Einbauerklärung.

Aus der Praxis

Bei Linienprojekten sollte im Vertrag stehen, wer die Konformität der Gesamtanlage erklärt: der Integrator, ein Generalunternehmer oder der Betreiber selbst. Fehlt diese Zeile, ist es am Ende keiner, und jeder zeigt auf den anderen. Dazu gehören eine Risikobeurteilung der Verkettung, die Bewertung der Schnittstellen und der Sicherheitssteuerung sowie eine gemeinsame Betriebsanleitung. Nach wesentlichen Umbauten ist die Bewertung zu wiederholen, auch wenn nur eine Maschine getauscht wurde. Für Projekte mit Lieferung ab 2027 gilt die neue Maschinenverordnung. Klären Sie früh, welche Fassung für Ihr Projekt greift, und besprechen Sie Zweifelsfälle mit der Sicherheitsfachkraft oder dem Juristen.

Change-Management (Engineering)

Projektleitung & CAPEX

Geregeltes Verfahren, mit dem technische Änderungen nach der Konstruktionsfreigabe beantragt, bewertet, entschieden, umgesetzt und dokumentiert werden. Am Anfang steht der Änderungsantrag (Engineering Change Request, ECR), der Grund, Umfang und betroffene Baugruppen benennt. Nach der Bewertung von Kosten, Termin und Sicherheit folgt der Beschluss als Änderungsauftrag (Engineering Change Order, ECO). Erst danach passen Konstruktion, Einkauf, Fertigung und Steuerungsprogrammierung ihre Unterlagen an, jeweils mit neuem Revisionsstand. Eine Änderungsliste führt alle Anträge mit Status, Kosten- und Terminfolge. Ohne diesen Ablauf laufen CAD-Modell, Fertigung, Steuerung und Dokumentation auseinander.

Aus der Praxis

Teuer wird es nach der Konstruktionsfreigabe. Dann kommt das Marketing mit einer neuen Formatgröße, das Packmittel wechselt den Lieferanten, oder ein Anschluss soll einen Meter weiter nach links. Jede dieser Änderungen braucht einen Antrag mit Kosten- und Terminfolge, und entscheiden muss der Auftraggeber, nicht das Bauteam. Der kurze Dienstweg am Telefon ist dabei der teuerste, denn einer ändert die Zeichnung, und die Steuerungsprogrammierung erfährt nichts davon. Führen Sie eine Änderungsliste als Vertragsanhang mit. Dann gibt es bei der Schlussrechnung keine Diskussion über Nachträge, und beim nächsten Umbau wissen Sie noch, warum die Maschine so aussieht.

Change Request (Änderungsantrag)

Projektleitung & CAPEX

Formalisierter Antrag auf eine Änderung des vereinbarten Lieferumfangs. Er geht vom Auftraggeber oder vom Lieferanten aus und enthält eine Beschreibung der Änderung, ihre Auswirkung auf Kosten, Termin und Leistungsdaten sowie die Freigabe durch den Auftraggeber. Change Requests werden fortlaufend nummeriert und in einer Änderungsliste geführt, die beide Seiten einsehen können. Eine freigegebene Änderung führt in der Regel zu einem Nachtrag zum Vertrag. Ohne Freigabe wird die Änderung nicht ausgeführt.

Aus der Praxis

Änderungen kommen in jedem Projekt. Die Frage ist nur, ob sie dokumentiert sind. Ein einfaches Formular mit Was, Warum, Kosten, Termin und Freigabe verhindert Streit bei der Schlussrechnung. Sammeln Sie kleine Änderungen und entscheiden Sie gebündelt, denn jede einzeln per Mail freigegebene Änderung wird später schwer nachvollziehbar. Der Monteur, der vor Ort gefragt wird, ob die Lichtschranke ein Stück höher sitzen kann, sagt gern ja, und genau das taucht später als Position auf der Rechnung auf. Ich schreibe jede Zusage, die an der Maschine mündlich fällt, noch am selben Tag in einen Change Request.

Chargenverwaltung

Digitalisierung & KI

Verwaltung von Mengen eines Rohstoffs, Packmittels oder Produkts, die unter gleichen Bedingungen hergestellt wurden und deshalb gemeinsam gekennzeichnet und behandelt werden. Jede Charge erhält eine eindeutige Chargennummer und Merkmale wie Herstelldatum, Mindesthaltbarkeitsdatum, Herkunft und Qualitätsstatus. Über den Fertigungsauftrag verknüpft die Chargenverwaltung die eingesetzten Rohstoff- und Packmittelchargen mit den daraus entstandenen Fertigwarenchargen. Damit lässt sich in beide Richtungen verfolgen, was in einem Produkt steckt und wohin eine Charge geliefert wurde. Für Lebensmittel schreibt die Basisverordnung (EG) Nr. 178/2002 die Rückverfolgbarkeit eine Stufe zurück und eine Stufe vor. Gesperrte Chargen dürfen weder verbraucht noch ausgeliefert werden.

Aus der Praxis

Die Lücken in der Chargenverwaltung sitzen meistens dort, wo Material von Hand weiterwandert. Ein Silo, das aus drei Anlieferungen befüllt wurde, ein Behälter Nacharbeit, der am nächsten Tag wieder in den Mischer geht, eine Folienrolle, die über zwei Aufträge läuft. Bucht dort keiner, endet die Rückverfolgung genau an dieser Stelle. Im Ernstfall sperren Sie dann eine ganze Woche Ware statt einer Schicht. Spielen Sie das einmal mit einer echten Charge durch und stoppen Sie die Zeit, bis Sie wissen, welche Rohstoffe drinstecken und welche Kunden beliefert wurden. Die Auditoren von IFS Food oder BRCGS wollen so einen Test ohnehin sehen. Bei neuen Linien gehört die Frage, wo Chargen gewechselt und erfasst werden, ins Lastenheft. Später wird sie gern als reines Softwarethema abgetan, und dann ist die Linie schon gebaut.

ChatGPT

Digitalisierung & KI

KI-Assistent des Unternehmens OpenAI auf Basis großer Sprachmodelle, der GPT-Reihe. Er beantwortet Fragen, formuliert und fasst Texte zusammen, analysiert Daten und Bilder und erzeugt Programmcode. Die Bedienung erfolgt über Anweisungen in natürlicher Sprache, den Prompt. Verfügbar ist er als Web-Anwendung, als App und über Programmierschnittstellen. Die Antworten klingen sprachlich sicher, sind aber nicht automatisch richtig, und Eingaben werden zur Verarbeitung an den Anbieter übertragen.

Aus der Praxis

Für Projektleiter lohnt sich der Einsatz bei Routineaufgaben. ChatGPT bringt ein Besprechungsprotokoll in Form, prüft ein Kapitel des Lastenhefts auf Lücken und stellt zwei Angebotstexte nebeneinander. Zwei Regeln gelten immer. Keine vertraulichen Kundendaten in öffentliche KI-Dienste eingeben, auch keine Zeichnungen und Preise. Und technische Aussagen immer von einem Fachmann prüfen lassen, denn das Ergebnis klingt auch dann überzeugend, wenn es falsch ist. Anonymisieren Sie vorher, was Sie hineinkopieren, schreiben Sie dazu, was am Ende herauskommen soll, und gleichen Sie Zahlen und Normverweise mit der Originalquelle ab. Sonst bekommen Sie einen schönen Text, der Ihnen nichts nützt.

CIP / SIP

Qualität & Sicherheit

Automatische Reinigung und Sterilisation der produktführenden Wege ohne Demontage, Standard in der Produktion flüssiger Lebensmittel und in der Pharmaindustrie. CIP steht für clean in place, SIP für sterilise in place. Beim CIP wird die Anlage im Kreislauf mit Reinigungsmedien durchströmt, beim SIP mit Dampf oder heißem Wasser behandelt. Der Zyklus besteht üblicherweise aus Vorspülen, Lauge, Zwischenspülen, Säure und Schlussspülen. Die CIP-Fähigkeit muss konstruiert sein, mit Gefälle, ohne Toträume und ohne Sprühschatten. Nachrüsten ist fast unmöglich.

Aus der Praxis

CIP-Fähigkeit muss in Lastenheft und Konstruktion stehen. Dazu gehören Rohrgefälle, totraumfreie Ventile, Sprühkugeln mit ausreichender Reichweite und eine saubere Trennung von Produkt- und Reinigungswegen. Der Reinigungszyklus aus Vorspülen, Lauge, Zwischenspülen, Säure und Schlussspülen kostet Zeit und Medien. Kürzere Zyklen erhöhen die Nettoproduktionszeit spürbar, deshalb wird an dieser Stelle gern gekürzt. Fragen Sie dann nach, was das für das Reinigungsergebnis bedeutet. Validieren Sie die Reinigung mit Prüfmethoden, bevor die Linie in den Regelbetrieb geht, und halten Sie Zeiten, Temperaturen und Konzentrationen fest. Sonst weiß nach dem ersten Fehlerfall keiner, was gefahren wurde.

Claim Management

Kaufmännisches

Systematische Durchsetzung oder Abwehr von Mehrkosten- und Terminansprüchen aus Abweichungen vom Vertrag. Anlässe sind Änderungswünsche des Auftraggebers, fehlende Vorleistungen anderer Gewerke, verspätete Freigaben und Behinderungen auf der Baustelle. Grundlage ist die Dokumentation ab dem ersten Tag. Behinderungen werden mit Datum, Ursache und Auswirkung angezeigt, Änderungen als Nachtrag bepreist und beauftragt. Wer eine Behinderung nicht anzeigt und belegt, kann Ansprüche später kaum durchsetzen, und das gilt in beide Richtungen. Die Spielregeln dazu stehen im Vertrag oder in den vereinbarten Vertragsbedingungen.

Aus der Praxis

Die Grundregeln sind schnell erzählt. Jede Abweichung schriftlich anzeigen, Behinderungen mit Datum und Auswirkung dokumentieren, Mehrkosten vor der Ausführung bepreisen lassen. Auf Betreiberseite heißt das, Änderungswünsche zu bündeln und formal zu beauftragen, statt sie am Rand der Baustelle zu besprechen. Der Zuruf an den Monteur, das machen wir noch schnell mit, wird später zur strittigen Position. Ein Bautagebuch und Besprechungsprotokolle mit Datum kosten wenig und helfen im Streit mehr als jede Erinnerung. Wer als Projektleiter Änderungen sauber führt, spart am Ende oft mehr, als er kostet, und zwar auf beiden Seiten des Vertrags.

Claude

Digitalisierung & KI

KI-Assistent des Unternehmens Anthropic, der Texte versteht und erzeugt, Dokumente auswertet, Daten strukturiert und Programmcode schreibt. Als Sprachmodell (LLM) arbeitet Claude auf Basis von Anweisungen in natürlicher Sprache. Über Schnittstellen kann er an andere Werkzeuge angebunden werden, sodass er Aufgaben in diesen Werkzeugen ausführen kann, statt nur zu antworten. Wie bei jedem Sprachmodell sind die Ergebnisse zu prüfen, da Aussagen plausibel klingen können, ohne zu stimmen.

Aus der Praxis

Bei POWERJO ist Claude der digitale Co-Lead. Er recherchiert, erstellt Dokumente, wertet Ausschreibungsunterlagen aus und automatisiert Büroabläufe. Entscheidungen und Kundenkontakt bleiben beim Menschen. Die KI bereitet vor, prüft und dokumentiert, mehr nicht. Fachliche Ergebnisse werden grundsätzlich gegengeprüft, bevor sie irgendwo landen, wo ein Kunde sie liest. Das gilt besonders für Zahlen und Normverweise, denn die sehen auch dann richtig aus, wenn sie es nicht sind. Wer ihn selbst einsetzt, sollte genauso vorgehen und der Aufgabe die nötigen Unterlagen mitgeben, zum Beispiel das Lastenheft und den Zeitplan, und nicht bloß ein Stichwort.

Cleanroom-Verpackungen

Qualität & Sicherheit

Verpackungen, die in Reinräumen hergestellt oder verpackt werden, damit Partikel- und Keimbelastung definiert niedrig bleiben. Eingesetzt werden sie in der Pharma- und Medizinprodukteindustrie und bei empfindlichen Lebensmitteln. Die Reinraumklasse legt fest, wie viele Partikel je Luftvolumen zulässig sind, Grundlage ist die Normreihe ISO 14644. Zum Reinraumkonzept gehören gefilterte Luft, Schleusen für Personal und Material, spezielle Kleidung und ein geregelter Materialfluss. Packmittel werden häufig mehrfach eingeschlagen, sodass die äußere Lage an der Schleuse entfernt wird. Die Verpackungsmaschine ist ein Teil dieses Konzepts.

Aus der Praxis

Reinraumverpackung bedeutet definierte Luftreinheit, Schleusen, Kleidung und Materialfluss, die Maschine ist nur ein Teil davon. Legen Sie die Reinraumklasse und den Übergabepunkt früh fest und planen Sie die Reinigbarkeit aller Anlagenteile ein. Ein Schaltschrank mit Lüfter im Reinraum ist ein typischer Planungsfehler, denn der Lüfter wälzt Luft und Partikel um. Besser sitzen Schaltschrank und Antriebe außerhalb, und nur das Nötige geht durch die Wand. Fragen Sie auch nach Abrieb, denn Riemen, Gleitführungen und die Abluft der Pneumatik erzeugen Partikel. Klären Sie außerdem, wie Packmittel in den Reinraum kommen. Der Karton geht nicht einfach durch die Tür.

Clockify

Digitalisierung & KI

Werkzeug zur Zeiterfassung für Teams und Freelancer. Stunden werden je Projekt und Aufgabe erfasst und lassen sich nach Kunde, Projekt und Person auswerten. Daraus entsteht der Stundennachweis, der der Rechnung beigelegt wird und die Abrechnung nach Aufwand belegt. Er zeigt dem Kunden, welche Person wie viele Stunden an welcher Aufgabe gearbeitet hat. Verglichen mit dem geplanten Aufwand zeigt die Auswertung, wo Projekte vom Plan abweichen. Die Genauigkeit hängt davon ab, dass die Stunden zeitnah und mit der richtigen Zuordnung gebucht werden.

Aus der Praxis

Alle Experten auf Zeit von POWERJO schreiben ihre Stunden in Clockify, je Kunde und Projekt. Der Kunde bekommt damit einen nachvollziehbaren Stundennachweis zur Rechnung, und Abweichungen vom geplanten Aufwand fallen früh auf, nicht erst am Monatsende. Für Sie als Auftraggeber heißt das: Fragen Sie vor Projektbeginn, wie der Nachweis aussieht und in welchem Rhythmus Sie ihn bekommen. Ein kurzer Rhythmus hilft, denn dann stimmt der Aufwand noch mit Ihrer Erinnerung überein. Vereinbaren Sie auch, welche Tätigkeiten als Arbeitszeit zählen, zum Beispiel Reisezeiten. Das erspart die Diskussion, wenn die Rechnung kommt.

CMMS (Instandhaltungssoftware)

Digitalisierung & KI

Software zur Planung, Steuerung und Dokumentation der Instandhaltung, englisch Computerized Maintenance Management System. Grundlage ist eine Anlagenstruktur, an der Wartungspläne, Aufträge, Ersatzteile und Dokumente hängen. Das CMMS erzeugt aus Zeitintervallen oder Zählerständen fällige Wartungsaufträge, nimmt Störmeldungen auf, verbucht Arbeitszeiten und Materialverbrauch und liefert Kennzahlen wie MTBF und MTTR. Viele Systeme haben eine mobile Oberfläche für Techniker an der Anlage. Ein CMMS ist entweder eigenständige Software oder ein Instandhaltungsmodul des ERP. Verwandt ist EAM, Enterprise Asset Management, das zusätzlich Lebenszyklus und Kosten der Anlagen über Jahre betrachtet.

Aus der Praxis

Ein CMMS ist so gut wie das, was die Techniker hineinschreiben. Steht unter jedem Auftrag nur erledigt, wissen Sie nach einem Jahr immer noch nicht, warum der Etikettierer ständig steht. Halten Sie die Rückmeldung einfach, aber verlangen Sie Ursache und getauschte Teile. Bei neuen Anlagen wird die Übernahme gern vergessen. Der Lieferant schickt Wartungsplan und Ersatzteilliste als PDF, und dann tippt ein Azubi wochenlang ab. Schreiben Sie ins Lastenheft, dass beides als importierbare Tabelle kommt, mit Herstellerteilenummern und Intervallen. Die Anlagenstruktur sollte zur Betriebsmittelkennzeichnung im Schaltplan passen, dann findet der Elektriker auch nachts das richtige Bauteil. Gliedern Sie bis zur Baugruppe. Einzelne Schrauben braucht im CMMS keiner.

CO2-Fußabdruck

Kennzahlen

Summe der Treibhausgasemissionen, die ein Produkt, eine Verpackung oder ein Prozess über den Lebenszyklus verursacht, angegeben in CO2-Äquivalenten. Für Produkte beschreibt ISO 14067 die Berechnung. Bei Verpackungen zählen vor allem das Material und seine Menge, das Transportvolumen und der Energieverbrauch der Linie, etwa für Druckluft, Schrumpftunnel und Kühlung. Gerechnet wird je Packung oder je Palette, damit sich Varianten vergleichen lassen. Optimierte Packmaße und volle Paletten senken den Fußabdruck oft stärker als ein Materialwechsel.

Aus der Praxis

Bei Verpackungslinien sitzen die großen Stellschrauben beim Materialeinsatz mit Folie und Karton, bei der Energie für Schrumpftunnel und Druckluft und beim Transport. Der Transport hängt an der Palettenausnutzung. Passen mehr Packungen auf die Palette oder in den Lkw, fallen weniger Fahrten an. Eine solche Volumenoptimierung senkt CO2 und Kosten gleichzeitig. Das ist meistens der überzeugendste Einstieg für die Geschäftsführung, weil die Einsparung auf der Rechnung auch ohne Klimaargument überzeugt. Nehmen Sie auch die Druckluft ernst. Sie ist teurer Strom, und wer Lecks im Netz lässt, zahlt dafür rund um die Uhr, auch am Wochenende, wenn nichts produziert wird.

Cobb-Wert

Qualität & Sicherheit

Wasseraufnahme einer Papier- oder Kartonoberfläche in g/m² innerhalb einer definierten Zeit, meist 60 Sekunden (Cobb60), geprüft nach DIN EN ISO 535. Die Probe wird eingespannt, mit einer festgelegten Wassermenge belastet, nach Ablauf der Zeit abgetupft und zurückgewogen. Je niedriger der Wert, desto besser ist die Oberfläche gegen Feuchte geleimt. Andere Prüfzeiten kommen vor, ändern aber die Vergleichbarkeit der Werte. Der Kennwert ist wichtig bei Verpackungen für Kühlware, Export und Getränke sowie für Klebung und Bedruckbarkeit.

Aus der Praxis

Ein niedriger Cobb-Wert schützt vor Aufweichen durch Kondenswasser im Kühlhaus und bei Brüchen der Kühlkette. Dafür wird die Verklebung mit Dispersionsleim schwieriger, weil das Wasser des Leims nicht in die Oberfläche eindringen kann. Gehen nach einem Papierwechsel Klebestellen auf, fragen Sie nach dem Cobb-Wert, bevor Sie die Maschine verdächtigen. Ich schaue bei solchen Reklamationen zuerst auf Papier und Leim und erst dann auf die Einstellungen. Für feuchte Umgebungen gehört der Wert mit Grenzwert in die Spezifikation, sonst liefert jeder Lieferant etwas anderes. Geben Sie dazu an, welche Seite gemessen wird, denn Ober- und Unterseite einer Bahn können sich unterscheiden.

Cobot

Automatisierung & Robotik

Roboter, der ohne trennende Schutzeinrichtung mit Menschen zusammenarbeiten darf, weil Kraft und Geschwindigkeit begrenzt sind. Die Zusammenarbeit kann auf vier Arten abgesichert werden: sicherheitsgerichteter Stopp, Handführung, Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung sowie Kraft- und Leistungsbegrenzung. Eingesetzt wird er häufig zur Maschinenbeschickung und Palettierung bei kleinen Leistungen. Sicherheitsbewertet werden muss die Gesamtapplikation einschließlich Greifer und Produkt und nicht allein der Roboter. Grundlage sind die Normen der Reihe ISO 10218.

Aus der Praxis

Cobots eignen sich für kleine Palettierleistungen, für Maschinenbeschickung und Kleinteilehandling. Realistisch geplant sind sie eine gute Einstiegsautomatisierung für kleine Linien. Wird die Leistung größer, kann der Cobot zum Flaschenhals werden, weil er wegen der Kraftbegrenzung langsamer fährt als ein Industrieroboter hinter dem Zaun. Die Sicherheitsbewertung betrachtet die gesamte Anwendung, denn Greifer mit scharfen Kanten oder schwere Kartons können auch bei begrenzter Kraft verletzen. Oft wird der Cobot mit Laserscanner-Zonen kombiniert, schnell ohne Mensch im Umfeld und langsam mit Mensch. Ich frage den Lieferanten, wer die Risikobeurteilung für die ganze Zelle unterschreibt, denn der Roboter allein ist nur eine unvollständige Maschine.

Code-Verifizierung (OCR / OCV)

Qualität & Sicherheit

Automatische Prüfung aufgebrachter Kennzeichnungen mit Kamera, Beleuchtung und Auswerteeinheit. OCR liest Klartext und gibt das Ergebnis aus, OCV vergleicht Anwesenheit und Qualität eines erwarteten Textes oder Codes mit dem Sollwert. Für Barcodes und DataMatrix-Codes werden zusätzlich Lesbarkeit und Qualitätsklasse bewertet, bei linearen Codes nach ISO/IEC 15416 und bei zweidimensionalen nach ISO/IEC 15415. Die Prüfstelle sitzt direkt hinter dem Drucker, fehlerhafte Packungen werden ausgeschleust. Ziel ist, dass keine falsch oder unleserlich gekennzeichnete Packung in den Markt gelangt.

Aus der Praxis

Die Prüfung ist nur so gut wie die Verknüpfung. Der Sollwert muss aus derselben Auftragsquelle kommen wie der Druckerinhalt, sonst prüft das System gegen sich selbst. Belichtung, Kamerawinkel und Reflexe auf glänzenden Folien bestimmen die Lesegüte mehr als die Kamera. Legen Sie Prüfumfang, Reaktion bei Fehlern und Ausschleusbestätigung im Lastenheft fest, und testen Sie mit realen Packungen. Bauen Sie bei der Abnahme gezielt Fehler ein, einen vertauschten Code, ein verschmiertes Datum, eine fehlende Charge, und sehen Sie zu, ob die Packung wirklich im Behälter landet. Klären Sie auch, was bei Kamerastörung passiert, denn dann soll die Linie nicht einfach weiterlaufen.

Coextrusion

Verpackungstechnik

Verfahren, bei dem mehrere geschmolzene Kunststoffe gleichzeitig durch eine gemeinsame Düse zu einer Mehrschichtfolie oder einem Mehrschichtbecher zusammengeführt werden, im Blas- oder Cast-Verfahren. Jede Schicht übernimmt eine Aufgabe, etwa Siegelung, Stabilität oder Barriere. Haftvermittlerschichten verbinden unverträgliche Polymere wie PE und EVOH. Coextrudierte Folien sind günstiger als kaschierte Verbunde, weil ein Arbeitsgang entfällt, lassen sich aber nur begrenzt bedrucken und kombinieren. Die Schichtdicken ergeben sich aus den Fördermengen der einzelnen Extruder und müssen über die Bahnbreite gleichmäßig bleiben.

Aus der Praxis

Coextrusion liefert Schicht für Schicht aus einem Guss. Dickenschwankungen einzelner Schichten sieht man der Folie aber nicht an, sie zeigen sich erst als Barriere- oder Siegelproblem. Lassen Sie sich den Schichtaufbau mit Nenndicken und Toleranzen geben und prüfen Sie bei Reklamationen den Querschnitt unter dem Mikroskop. Beim Lieferantenwechsel ist gleicher Aufbau kein Garant für gleiches Maschinenverhalten, weil Rezepturen und Additive abweichen. Ich fahre die neue Folie deshalb immer erst auf der Maschine, bevor der alte Lieferant abgemeldet wird. Reibwert und Siegelanfangstemperatur können sich verändert haben, auch wenn das Datenblatt dasselbe verspricht.

Condition Monitoring

Automatisierung & Robotik

Kontinuierliche Erfassung von Zustandsdaten wie Vibration, Temperatur und Stromaufnahme kritischer Komponenten. Aus den Messwerten werden Kennwerte gebildet und mit Grenzwerten und dem bisherigen Verlauf verglichen. Weicht ein Wert über längere Zeit vom normalen Verhalten ab, löst das System eine Warnung aus. Typische Messstellen sind Lager, Getriebe, Motoren, Pumpen und Kompressoren. Condition Monitoring ist der pragmatische erste Schritt vor Predictive Maintenance, die zusätzlich per Modell vorhersagt, wann ein Ausfall zu erwarten ist. Schon eine einfache Trendüberwachung macht Verschleiß früh sichtbar.

Aus der Praxis

Sinnvolle Startpunkte sind Antriebe mit hoher Last, Lager an Siegelstationen, Vakuumpumpen und Kompressoren. Viele Sensoren liefern über IO-Link ohnehin Diagnosedaten, die Kunst liegt in Grenzwerten und Alarmierung. Ein einfaches Trend-Dashboard mit Stromaufnahme und Temperatur pro Aggregat deckt Verschleiß oft früh genug auf, um den Tausch in ein geplantes Stillstandsfenster zu legen. Legen Sie vorher fest, wer eine Warnung bekommt und was er dann tut. Eine Meldung, die niemand bearbeitet, ist nur ein weiterer Alarm. Erst wenn Daten und Reaktionsprozesse stehen, lohnt der Schritt zu Predictive Maintenance. Starten Sie mit wenigen Messstellen, deren Ausfall wirklich teuer ist.

Contingency (Budgetreserve)

Projektleitung & CAPEX

Im Investitionsbudget offen ausgewiesener Reservebetrag für erkannte, aber noch nicht bezifferbare Risiken und für unvorhergesehene Mehrkosten. Der Projektleiter kann ihn nicht frei verwenden. Jede Verwendung wird dokumentiert und vom Auftraggeber freigegeben, der Betrag wandert dabei aus der Reserve in die jeweilige Kostenposition. Die Höhe hängt vom Reifegrad der Planung und von der Projektart ab. Brownfield-Projekte benötigen meist mehr Reserve als Neubauten, weil der Bestand Unbekannte enthält. Abzugrenzen ist die Managementreserve, die auf höherer Ebene außerhalb der Kostenbasis des Projekts geführt wird.

Aus der Praxis

Eine Reserve, die im Budget versteckt wird, ist beim ersten Nachtrag aufgebraucht. Weisen Sie sie offen aus und legen Sie im Projekthandbuch fest, wer sie freigibt. In Verpackungsprojekten fließt sie meist in dieselben Löcher: die Schnittstelle zur Bestandsfördertechnik, zusätzliche Formate, die Bodensanierung unter der alten Maschine, eine längere Inbetriebnahme. Ich lasse die Höhe aus dem Risikoregister herleiten, jedes Risiko mit Eintrittswahrscheinlichkeit und Kostenfolge, und schaue erst danach auf die Summe. Ein pauschaler Prozentsatz hält der ersten Rückfrage aus dem Controlling nicht stand. Was am Ende nicht verbraucht ist, zeigen Sie im Abschlussbericht offen.

Continuous Inkjet (CIJ)

Verpackungstechnik

Berührungsloses Kennzeichnungsverfahren, bei dem ein kontinuierlicher Tintenstrahl in Tropfen zerlegt, elektrostatisch aufgeladen, abgelenkt und auf das vorbeilaufende Objekt geschrieben wird. Tropfen, die nicht für das Schriftbild gebraucht werden, laufen in den Druckkopf zurück und gehen in die Tinte zurück. Eingesetzt für Datum, Charge und Codes auf Flaschen, Dosen, Bechern und Kartons bei hohen Geschwindigkeiten. Tinten sind für viele Oberflächen verfügbar. Lösemittelverbrauch und Wartung des Druckkopfs sind Betriebsfaktoren. Im Unterschied zum Thermoinkjet druckt CIJ aus größerem Abstand, ein Vorteil bei Behältern, die auf dem Band etwas schwanken.

Aus der Praxis

Ein CIJ-Drucker ist genügsam, wenn er läuft, und lästig, wenn er steht. Verstopfte Düsen nach längerem Stillstand, Lösemittelverbrauch in warmen Hallen und Kondenswasser auf gekühlten Flaschen sind die üblichen Themen. Prüfen Sie die Tintenhaftung auf Ihrer realen Oberfläche, besonders bei feuchten Behältern. Die Druckposition muss beim Formatwechsel reproduzierbar sein, ein fester Druckkopfhalter mit Skala erspart Diskussionen. Rechnen Sie Tinte und Lösemittel als laufende Kosten ein und lassen Sie sich die Spülroutine fürs Wochenende erklären, denn ein Drucker, der am Montag verstopft ist, hält die Frühschicht auf.

Conveyor Tracking

Automatisierung & Robotik

Roboterfunktion, bei der Produkte auf dem laufenden Förderband gegriffen oder abgelegt werden, ohne dass das Band anhält. Der Roboter folgt der Bandbewegung über einen Encoder, der die Bandposition an die Robotersteuerung meldet. Die Produkte werden vor dem Arbeitsbereich per Lichtschranke oder Kamera erfasst und mit ihrer Position in eine Warteschlange eingetragen. Innerhalb eines Tracking-Fensters aus Start- und Endgrenze fährt der Roboter mit und greift. Voraussetzung ist eine Kalibrierung zwischen dem Koordinatensystem des Bandes und dem des Roboters.

Aus der Praxis

Tracking erspart Stopper und Vereinzelungsstationen und erhöht die Leistung, verlangt aber eine saubere Montage des Encoders und eine genaue Kalibrierung. Schlupf zwischen Band und Produkt, etwa durch Kondensat oder Öl, führt zu Fehlgriffen. Auch ein gelängtes Band oder ein verrutschter Encoder verschiebt die Treffer langsam, bis irgendwann auffällt, dass die Produkte nicht mehr in der Mitte gegriffen werden. Dokumentieren Sie bei der Abnahme die Trefferquote bei maximaler Bandgeschwindigkeit. Ich lasse den Test auch mit einem Bandstopp und Wiederanlauf mitten im Betrieb fahren, denn im Alltag steht das Band zwischendurch auch einmal still und fährt wieder an.

Corona-Vorbehandlung

Verpackungstechnik

Verfahren, das die Oberflächenenergie von Kunststofffolien durch eine elektrische Entladung erhöht, damit Druckfarben, Lacke und Klebstoffe haften. Polyolefine wie PE und PP sind unpolar und werden ohne Vorbehandlung schlecht benetzt. Ein Generator legt hochfrequente Hochspannung an eine Elektrode, die Folie läuft im Spalt darunter über eine geerdete, isolierend beschichtete Walze. Die Entladung ionisiert die Luft im Spalt und oxidiert die Oberfläche der Folie. Das Ergebnis wird mit Testtinten oder über eine Kontaktwinkelmessung bestimmt und als Oberflächenenergie in mN/m angegeben. Weil die Wirkung mit der Lagerzeit nachlässt, wird häufig direkt vor dem Bedrucken oder Kaschieren nachbehandelt. Bei der Entladung entsteht Ozon, das abgesaugt werden muss.

Aus der Praxis

Die Coronaanlage selbst steht meist beim Folienhersteller. Spürbar wird sie trotzdem bei Ihnen, sobald der Codierer oder Thermotransferdrucker auf PE druckt und sich der Code mit dem Daumen abwischen lässt. Dann lohnt ein Blick ins Lager. Rollen, die lange hinten im Regal lagen, haben einen Teil ihrer Vorbehandlung verloren, und FIFO ist hier keine Formalie. Prüfen Sie auch, ob die behandelte Seite überhaupt zum Druckkopf zeigt. Kommt die Rolle mit falscher Wickelrichtung, bedrucken Sie die Seite, die nie behandelt wurde. Ein Satz Testtinten kostet wenig und klärt solche Fragen am Wareneingang in wenigen Minuten. Schreiben Sie den geforderten Mindestwert in die Packmittelspezifikation, zusammen mit dem Zeitpunkt, zu dem er gelten soll. Sonst misst der Lieferant ab Werk und Sie nach Monaten im Lager.

Cp / Cpk

Kennzahlen

Statistische Kennzahlen dafür, wie sicher ein Prozess innerhalb der Toleranz produziert. Cp setzt die Breite des Toleranzfeldes ins Verhältnis zur Streuung des Prozesses, genauer zu sechs Standardabweichungen. Cpk berücksichtigt zusätzlich die Lage des Mittelwerts und bezieht sich auf die Toleranzgrenze, der er am nächsten liegt. Ein Prozess mit kleiner Streuung, der außermittig läuft, hat deshalb ein gutes Cp und ein schlechtes Cpk. Die Maschinenfähigkeit Cm und Cmk betrachtet dagegen nur die Maschine über kurze Zeit. Ein Cpk ab 1,33 gilt als fähig. Er dient als Grundlage für Abnahmen von Dosier- und Füllprozessen.

Aus der Praxis

Für die Abnahme von Füll- und Dosierprozessen wird der Cpk aus einer vorher festgelegten Stichprobe berechnet. Schreiben Sie in den Vertrag, wie groß sie ist und bei welchem Produkt und Format gemessen wird. Ein Cpk unter 1,0 bedeutet regelmäßige Toleranzverletzungen, also Ausschuss oder Give-away. Über 1,33 gilt der Prozess als beherrscht. Der Wert hängt am Produkt. Pulver, Granulat und Flüssigkeiten verhalten sich unterschiedlich, deshalb gehört die Prüfung je Produktgruppe in die Abnahme. Gemessen wird außerdem erst, wenn der Prozess eingelaufen ist, nicht direkt nach dem Anfahren, sonst sieht die Streuung schlechter aus, als sie im Dauerbetrieb ist.

Von der chemischen Industrie standardisierte Holzpaletten in neun Ausführungen (CP1 bis CP9) mit unterschiedlichen Abmessungen, zum Beispiel CP1 mit 1.000 × 1.200 mm oder CP3 mit 1.140 × 1.140 mm. Sie sind auf Säcke, Fässer, Oktabins und Big Bags abgestimmt und im Chemie- und Kunststoffgranulathandel weit verbreitet. Die Typen unterscheiden sich in Grundfläche und Bauart. Eine CP-Palette gehört nicht zum Tauschsystem der Euro-Palette. Sie kommt mit dem Rohstoff ins Werk und wird beim Empfänger entweder zurückgeführt oder entsorgt.

Aus der Praxis

Wer Granulat, Pulver oder Rohstoffe aus der Chemie bezieht, bekommt CP-Paletten, und die passen selten in Regale und Fördertechnik, die auf Euro-Format geplant wurden. Klären Sie früh, welche Palettentypen Wareneingang, Lager und Depalettierer verarbeiten können, und planen Sie Kufenrichtung und Deckbrettabstände ein. Am Wareneingang zeigt sich das Problem meist zuerst, wenn die Gabel nicht in die Einfahröffnung passt oder ein Deckbrett nachgibt. Rechnen Sie außerdem die Entsorgung oder Rückführung mit ein, denn CP-Paletten laufen nicht im Tauschsystem. Sonst taucht dieser Posten in keiner Kalkulation auf, und der Entsorger schickt die Rechnung trotzdem.

D

DAP

Kaufmännisches

Incoterms-Klausel der Internationalen Handelskammer, nach der der Verkäufer die Ware am benannten Ort bereitstellt. Er trägt bis dahin Transportkosten und Transportrisiko. Die Gefahr geht über, sobald die Ware entladebereit auf dem ankommenden Transportmittel am benannten Ort steht. Das Abladen und die Einfuhrabfertigung mit Einfuhrabgaben liegen beim Käufer. Für Maschinenlieferungen ist DAP ein üblicher Kompromiss zwischen EXW und Klauseln, bei denen der Verkäufer mehr übernimmt. Abladung und Einbringung ins Gebäude müssen trotzdem ausdrücklich geregelt werden.

Aus der Praxis

Bei DAP endet die Lieferpflicht des Herstellers am benannten Ort, meist vor der Halle. Danach fängt für Sie die Arbeit erst an. Abladen mit Kran oder Schwerlaststapler, Einbringen durch Tore und Gassen und Ausrichten am Fundament sind gesondert zu regeln, häufig als eigener Posten im Angebot. Klären Sie außerdem die Transportversicherung bis zur Übergabe und wer Schäden beim Abladen trägt. Prüfen Sie Torhöhe, Bodentragfähigkeit und Zufahrt, bevor der Lkw losfährt. Halten Sie fest, wer die Anlieferung vor Ort einweist, denn der Fahrer kennt Ihr Gelände nicht. Ein Tieflader, der vor dem Werkstor stehen bleibt, kostet Standzeit und Nerven.

DataMatrix / GS1-Codes

Automatisierung & Robotik

Maschinenlesbare Codes zur Identifikation. Eindimensionale Barcodes wie der EAN dienen dem Handel, zweidimensionale Codes wie DataMatrix und QR-Code der Serialisierung und kleinen Flächen. Ein GS1-DataMatrix kodiert Daten in Feldern, die durch Application Identifier gekennzeichnet sind, etwa GTIN, Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum. Der GS1 Digital Link bildet dieselben Daten in einer Internetadresse ab und vereint damit Handels- und Verbraucherinformation in einem Code. Mit der Ablösung des EAN-Barcodes an der Kasse kommt der 2D-Code absehbar auf jede Verpackungslinie zu.

Aus der Praxis

Mit dem GS1-Programm Sunrise 2027 sollen Kassen weltweit 2D-Codes lesen können, der Wechsel vom EAN-Barcode zum 2D-Code auf der Verpackung ist damit absehbar. Für die Linie bedeutet das: Drucker mit ausreichender Auflösung, Kameraverifikation der Codequalität und Datenanbindung für variable Inhalte wie Charge und MHD. Wer heute Kennzeichnungssysteme kauft, sollte 2D-Fähigkeit und Grading nach ISO/IEC 15415 fordern. Finden Sie heraus, ob das System den GS1-Datenaufbau mit den Trennzeichen selbst richtig erzeugt oder ob der Code von Hand zusammengebaut werden muss. Der Fehler zeigt sich sonst erst, wenn der Scanner beim Kunden die Felder nicht trennen kann.

Datenbrille

Digitalisierung & KI

Am Kopf getragenes Anzeigegerät, das Informationen ins Sichtfeld einblendet und sie teils mit der realen Umgebung überlagert, bekannt als Augmented Reality. In der Produktion dient es der freihändigen Werkerführung mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen beim Rüsten, der Fernunterstützung durch Experten per Kamera und der Kommissionierung. Gesteuert wird je nach Modell per Sprache, Fingerbewegung oder Tasten. Modelle unterscheiden sich in Gewicht, Akkulaufzeit und Bedienung. Je nach Bauart sitzt ein Display vor einem Auge oder je eins vor beiden Augen.

Aus der Praxis

Im Fernsupport überzeugen Datenbrillen am schnellsten. Der Servicetechniker sieht, was der Instandhalter sieht, und spart sich die Anreise. Für den Dauereinsatz in der Schicht sind Gewicht, Akku, Brillenträger, Hygieneanforderungen und Akzeptanz die Hürden. Ich würde jede Datenbrille zuerst mit den Leuten testen, die sie acht Stunden tragen sollen, und nicht mit dem Projektteam. Die merken schnell, ob sie drückt, beschlägt oder nach der halben Schicht leer ist. Klären Sie den Datenschutz bei Kameraaufnahmen früh mit dem Betriebsrat, sonst bleibt die Brille nach dem Pilotbetrieb im Schrank liegen und der Aufwand war umsonst.

Datenmodell

Digitalisierung & KI

Einheitliche Beschreibung, welche Daten eine Maschine liefert, wie sie heißen, welche Einheit und Bedeutung sie haben und wie sie zueinander in Beziehung stehen. Es ist die Grundlage für Auswertungen über mehrere Maschinen hinweg. In OPC UA werden Datenmodelle branchenspezifisch als Companion Specifications standardisiert. Für Verpackungsmaschinen ist PackML verbreitet, das unter anderem ein einheitliches Zustandsmodell festlegt. Die Weihenstephaner Standards beschreiben Daten für Abfüll- und Verpackungsanlagen. Ohne gemeinsames Modell muss jede Maschine einzeln angebunden und übersetzt werden.

Aus der Praxis

Ohne Datenmodell heißt die Stillstandsursache auf Maschine A Fehlercode 17, auf Maschine B Störung Folie und auf Maschine C gar nichts. Verlangen Sie im Lastenheft eine Signalliste mit Namen, Einheit, Zyklus und Bedeutung, orientiert an PackML oder den Weihenstephaner Standards. Das kostet den Lieferanten wenig und erspart Ihnen später die Übersetzungsarbeit für jedes Dashboard. Legen Sie gleich einen gemeinsamen Störgrundkatalog fest, damit gleiche Ursachen auch gleich heißen. Und achten Sie auf einheitliche Einheiten und Zeitstempel. Eine Drehzahl pro Minute auf der einen und pro Sekunde auf der anderen Maschine verfälscht jede Auswertung.

Verfahren des maschinellen Lernens mit tiefen neuronalen Netzen, das aus vielen gelabelten Beispielbildern lernt, Objekte zu erkennen oder Fehler zu klassifizieren. Das Netz bildet die Merkmale selbst heraus, sie müssen nicht von Hand als Regeln und Schwellwerte programmiert werden. Im Unterschied zur regelbasierten Bildverarbeitung kommt es mit natürlichen Schwankungen bei Form, Farbe und Lage eines Produkts zurecht. Dafür braucht es repräsentative Trainingsdaten, und die Entscheidung des Netzes ist nicht vollständig nachvollziehbar. Typische Aufgaben sind Klassifikation, Objektfindung und Anomalieerkennung an Verpackungs- und Prüfstationen.

Aus der Praxis

Deep Learning lohnt sich dort, wo klassische Bildverarbeitung scheitert: bei Naturprodukten, glänzenden Oberflächen und Verpackungen mit wechselndem Druckbild. Das Problem sind die Fehlerbilder. Gute Teile gibt es in Massen, die seltenen Fehler kommen nur alle paar Wochen vorbei. Fragen Sie den Lieferanten, wer die Bilder sammelt und beschriftet, wie nachtrainiert wird und wer eine Änderung freigibt. Ich lasse mir außerdem zeigen, was das System mit einem Bild macht, das es nicht kennt. Maße prüfen und Anwesenheit kontrollieren geht mit einer festen Regel meist einfacher, und sie lässt sich besser erklären, wenn die Qualitätsleitung oder ein Auditor nachfragt.

Delta-Roboter

Automatisierung & Robotik

Roboter mit Parallelkinematik, bei dem drei Arme an Antrieben in der Grundplatte über dem Produktstrom hängen und gemeinsam den Greifer führen. Weil die schweren Antriebe stillstehen und nur leichte Arme bewegt werden, ist die Bauart bei kleinen Traglasten extrem schnell. Eine zusätzliche Drehachse in der Mitte dreht den Greifer. Der Delta-Roboter ist der Standard für Top-Loading, etwa Pralinen in Blister oder Riegel in Kartons, und wird meist mit einem Vision-System zur Lageerkennung kombiniert.

Aus der Praxis

Delta-Roboter erreichen bei leichten Produkten sehr hohe Pickraten, brauchen dafür aber eine saubere Produktzuführung und gute Beleuchtung für das Vision-System. Hygienische Ausführungen mit IP69K, Edelstahl und offener Konstruktion werden im Lebensmittelbereich meist gefordert. Die Kosten entstehen weniger im Roboter als in Greifer, Vision, Förderintegration und Sicherheitszelle, deshalb sollten Sie immer die Gesamtzelle vergleichen und nicht den Roboterpreis. Der Arbeitsraum ist begrenzt, und die Produkte müssen im richtigen Fenster vorbeikommen. Zeichnen Sie das Layout daher mit den echten Bandbreiten und Produktabständen, bevor Sie die Baugröße festlegen.

Depalettierer

Verpackungstechnik

Gegenstück zum Palettierer am Linienanfang. Die Maschine nimmt Paletten mit Leerdosen, Gläsern, Kartonzuschnitten oder anderem Packmittel auf, vereinzelt lagenweise oder stückweise und führt die Produkte der Linie zu. Je nach Ladegut kommen Lagengreifer mit Vakuum, Klammergreifer oder Roboter mit Vision zum Einsatz. Zwischenlagen, die beim Beladen zwischen die Lagen gelegt wurden, und Leerpaletten werden abgenommen und getrennt abgeführt oder gestapelt. Nachgeschaltete Vereinzelung und Fördertechnik bringen den Strom auf den Takt der Linie.

Aus der Praxis

Beim Depalettieren entscheiden Lagenbild, Zwischenlagen und Produktstabilität über die Technik: Lagengreifer mit Vakuum für Gläser und Dosen, Klammergreifer für Kartons, Robotik mit Vision für gemischte Paletten. Das Handling der Zwischenlagen und Leerpaletten ist ein eigener Prozessschritt mit eigenem Platzbedarf. Wer ihn im Layout vergisst, hat später Stapler im Linienbereich. Schauen Sie sich die Paletten an, die wirklich ankommen. Schiefe Lagen und verrutschte Folie aus dem Lieferantenwerk sind Alltag, und eine Anlage, die nur Musterpaletten verträgt, steht im ersten Monat dauernd. Ich lasse mir vor der Bestellung Fotos von Lieferpaletten der letzten Wochen zeigen.

Design Freeze

Projektleitung & CAPEX

Vereinbarter Zeitpunkt, ab dem die Konstruktion nicht mehr verändert wird, damit Fertigung, Beschaffung und Steuerungsprogrammierung auf einem festen Stand aufsetzen können. Mit dem Freeze wird der Konstruktionsstand als Baseline mit Revisionsstand und Datum festgeschrieben. Spätere Änderungen laufen nur noch über einen formalen Change Request mit Bewertung von Kosten und Terminwirkung und brauchen die Zustimmung des Auftraggebers. Der Freeze fällt meist mit der Konstruktionsfreigabe zusammen oder folgt ihr. Er kann gestaffelt sein, etwa zuerst für die Mechanik und später für Steuerungsprogramm und Bedienoberfläche.

Aus der Praxis

Ausgerufen ist ein Freeze schnell, gelebt wird er selten. Nach dem Stichtag schickt der Kunde noch neue Packmittelmuster, der Lieferant tauscht wegen der Lieferzeit einen Antrieb gegen einen anderen, und keiner nennt es Änderung. Klären Sie deshalb vor dem Freeze, ob wirklich alle Formate, Packmittel und Schnittstellen bemustert sind. Ohne Muster ist der Freeze nur ein Datum auf Papier. Tragen Sie den Termin in den Terminplan ein und sagen Sie ihn dort an, wo man vom Projekt sonst wenig sieht, bei Marketing und Einkauf. Von dort kommen erfahrungsgemäß die späten Wünsche. Lassen Sie sich vom Lieferanten außerdem schriftlich bestätigen, dass auch ein Ersatztyp wegen Lieferzeit als Änderung gilt.

Design Review

Projektleitung & CAPEX

Formale Prüfung des Konstruktionsstands zu festgelegten Zeitpunkten, meist als Review von Konzept, Entwurf und Detailkonstruktion. Teilnehmer sind Lieferant und Betreiber mit den Fachabteilungen Instandhaltung, Arbeitssicherheit, Qualitätssicherung und Produktion. Grundlage sind 3D-Modell, Layout, Schaltpläne und Funktionsbeschreibung in einem benannten Revisionsstand. Geprüft werden Funktionserfüllung, Zugänglichkeit, Hygiene, Sicherheit und Wartbarkeit. Die Ergebnisse stehen im Protokoll als Maßnahmenliste mit Verantwortlichen und Fristen. Erst danach folgt die förmliche Konstruktionsfreigabe.

Aus der Praxis

Ein Design Review am 3D-Modell spart Blech. Hier fällt auf, dass der Motor hinter der Schutzhaube nicht ausgebaut werden kann oder dass man die Formatteile nur mit einer Leiter erreicht. Am Bildschirm kostet das einen Klick, an der fertigen Maschine einen Umbau. Laden Sie deshalb auch Bediener und Instandhalter ein und nicht allein Ingenieure. Die merken auch, dass der Reinigungsschlauch nicht bis in die hintere Ecke reicht und die Bedienseite zur falschen Hallenwand zeigt. Halten Sie jeden Punkt als Liste mit Frist und Namen fest und prüfen Sie beim nächsten Review, was umgesetzt wurde. Wer damit bis zum FAT wartet, findet die Mängel an einer Maschine, die schon gebaut ist.

Detektierbare Kunststoffe

Verpackungstechnik

Kunststoffe für Maschinenteile mit Produktkontakt, die mit Metalldetektor oder Röntgeninspektion erkannt werden, weil ihnen metallische oder röntgendichte Zusätze beigemischt sind. Meist sind sie blau eingefärbt, da diese Farbe in Lebensmitteln kaum vorkommt und Bruchstücke auch mit dem Auge auffallen. Basis sind Konstruktionskunststoffe wie POM, PE oder PA, die zusätzlich den Anforderungen der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 für Kunststoffe im Lebensmittelkontakt entsprechen müssen. Typische Teile sind Abstreifer, Führungsleisten, Schnecken und Schaber. Die Erkennung eines Bruchstücks hängt von Größe, Lage und Produkt ab.

Aus der Praxis

Abrieb und abgebrochene Ecken von Abstreifern, Führungsleisten und Schnecken landen im Produkt. Detektierbare Ausführung heißt, dass die Kontrollstrecke sie findet. Prüfen Sie aber, ob Ihr Detektor Bruchstücke in der relevanten Größe tatsächlich erkennt, und nehmen Sie die Teile in die Testroutine auf. Fragen Sie den Lieferanten, mit welchem Prüfkörper er die Detektierbarkeit nachgewiesen hat und bei welchem Produkt. Detektierbare Kunststoffe sind mechanisch etwas schwächer, deshalb stimmen Sie die Auslegung mit dem Konstrukteur ab. Blau allein beweist nichts. Es gibt auch blaue Standardkunststoffe, und die findet kein Detektor.

Dichtheitsprüfung (Leak Test)

Qualität & Sicherheit

Prüfverfahren zum Nachweis, dass eine verschlossene Packung keine Undichtigkeiten aufweist. Offline kommen die Vakuumkammer mit Wasserbad, bei der aufsteigende Luftblasen ein Leck anzeigen, die Farbstoffpenetration und die Druckabfallmessung zum Einsatz. Inline wird die Verformung oder Höhe der Packung unter Vakuum oder Druck gemessen, bei Packungen unter Schutzgas zusätzlich eine Spurengasmessung. Zur Beurteilung der Siegelnaht kommen Berst- und Peelprüfungen hinzu. Prüfumfang und Nachweisgrenze richten sich nach Produkt, Haltbarkeit und Kundenanforderungen.

Aus der Praxis

Die meisten Undichtigkeiten entstehen nicht an der Maschine, sondern durch Produkt in der Siegelnaht, Falten der Folie oder beschädigte Packstoffkanten. Eine Stichprobe pro Stunde am Wasserbad findet systematische Fehler, aber keine sporadischen. Sind Reklamationen wegen Undichtigkeit ein Thema, prüfen Sie erst Zuführung, Dosierung und Nahtbereich, bevor Sie in eine Inline-Prüfung investieren. Deren Ausschussrate müssen Sie anschließend verwalten, und sie sagt Ihnen nur, dass etwas falsch ist, nicht warum. Schauen Sie sich die Naht unter Licht und mit Lupe an, die Ursache sieht man meistens. Legen Sie fest, wer prüft, wie dokumentiert wird und was mit der Charge passiert, wenn ein Wert ausreißt.

Dichtungen (O-Ring / Wellendichtring)

Maschinenbau & Komponenten

Maschinenelemente, die Fugen zwischen Bauteilen gegen den Durchtritt von Medien und Schmutz abdichten. Der O-Ring ist ein Ring mit rundem Querschnitt, der in einer Nut verpresst wird und vor allem statisch zwischen ruhenden Teilen dichtet, etwa an Flanschen und Deckeln. Bezeichnet wird er über Innendurchmesser mal Schnurstärke, dazu kommt der Werkstoff. Maße und Nutgestaltung regelt die ISO 3601. Der Radialwellendichtring nach DIN 3760 dichtet drehende Wellen ab, meist an Getrieben und Lagern. Eine federbelastete Dichtlippe liegt auf der Welle auf und hält das Öl innen, eine zusätzliche Staublippe hält Schmutz von außen ab. Übliche Werkstoffe sind NBR, FKM und EPDM, für den Lebensmittelbereich in Ausführungen mit Konformität für den Lebensmittelkontakt.

Aus der Praxis

Beim O-Ring hängt viel am Werkstoff. EPDM verträgt kein Mineralöl und quillt auf, NBR kommt mit Ozon und Heißdampf auf Dauer schlecht zurecht. Wer aus der Schublade einfach den Ring mit dem passenden Maß nimmt, hat ein paar Wochen später ein Leck und sucht die Ursache an der falschen Stelle. Lassen Sie sich vom Maschinenlieferanten eine Dichtungsliste mit Maß, Werkstoff und Härte geben und beschriften Sie die Lagerfächer entsprechend. Beim Wellendichtring kommt die Welle dazu. Läuft die Lippe in einer eingelaufenen Spur, hilft der neue Ring wenig. Setzen Sie ihn dann etwas versetzt ein, wenn der Einbauraum das zulässt, oder ziehen Sie eine Reparaturhülse auf. Schieben Sie den neuen Ring außerdem nie trocken über Passfedernuten und scharfe Kanten. Die Lippe ist schneller beschädigt, als man denkt.

Digitale Werkerführung

Automatisierung & Robotik

System, das Werker am Arbeitsplatz Schritt für Schritt durch Montage, Prüfung oder Verpackungsarbeiten führt. Anweisungen erscheinen als Text, Bild, Video oder 3D-Ansicht auf Bildschirm, Tablet oder Datenbrille oder per Projektion auf die Arbeitsfläche. Die Inhalte werden je Auftrag oder Variante aus Stücklisten und Arbeitsplänen ausgewählt. Sensoren, Scanner und Schrauber melden Rückmeldungen, sodass der nächste Schritt erst freigegeben wird, wenn der vorherige erledigt ist. Eingesetzt wird die Technik im Maschinenbau, in der Fertigung und in der Automobilindustrie, in der Lebensmittelindustrie bei manuellen Montage- und Packschritten. Ziele sind weniger Fehler, kürzere Einarbeitung und dokumentierte Abläufe.

Aus der Praxis

Werkerführung lohnt bei vielen Varianten, wechselndem Personal und manuellen Montage- oder Packschritten: Projektion oder Bildschirm zeigen Schritt für Schritt, Sensoren prüfen. Der Nutzen steht und fällt mit der Pflege der Arbeitsanweisungen. Ohne Verantwortlichen veraltet das System nach dem ersten Produktwechsel. Legen Sie fest, wer Inhalte ändert und freigibt und wie schnell eine Änderung am Platz ankommt. Bilder und kurze Videos sind bei gemischten Teams besser als lange Texte, weil sie keine Übersetzung brauchen. Planen Sie auch den Ausfall ein, denn wenn der Bildschirm nachts dunkel bleibt, braucht die Schicht eine Papierfassung. Ich beziehe die Werker vor dem Start ein, weil Anweisungen, die an ihnen vorbei entstehen, gern ignoriert werden.

Digitaler Zwilling

Automatisierung & Robotik

Rechnergestütztes Modell einer Maschine oder Linie, das deren Verhalten nachbildet und mit dem sich Abläufe vor dem Aufbau oder vor einem Umbau durchspielen lassen. Es gibt Materialflussmodelle, die Wege, Auslastung und Flächenbedarf abbilden, und Verhaltensmodelle einzelner Maschinen, gegen die das Steuerungsprogramm vor der Inbetriebnahme getestet wird. Letzteres heißt virtuelle Inbetriebnahme. Grundlage sind CAD-Daten, Taktzeiten und Steuerungsdaten. Je mehr verkettete Maschinen und Varianten, desto eher lohnt der Aufwand. Bei einer Einzelmaschine ist er oft größer als der Nutzen, deshalb gehört vorab eine nüchterne Nutzenrechnung dazu.

Aus der Praxis

Sinnvoll ist der Zwilling in drei Fällen. Erstens die Materialflusssimulation vor Layoutentscheidungen. Zweitens die virtuelle Inbetriebnahme der Steuerung bei komplexen Verkettungen. Drittens der Variantenvergleich bei Umbauten im laufenden Betrieb. POWERJO nutzt in der Shopfloor-Analyse ein Materialflussmodell in visTABLE, um Wege, Auslastungen und Flächen zu beziffern, bevor über Fördertechnik oder FTS entschieden wird. Rechnen Sie den Aufwand ehrlich mit. Ein Modell, das niemand pflegt, ist nach dem ersten Umbau Makulatur, und die Ergebnisse sind nur so gut wie die Taktzeiten, die man hineinsteckt. Fragen Sie vorher, wem das Modell gehört und ob der Lieferant es übergibt. Für eine einzelne Maschine reicht meist eine saubere Probefahrt beim FAT.

Display-Verpackung

Verpackungstechnik

Verkaufsverpackung, die im Handel direkt als Präsentationsfläche dient, vom Regal-Tray über das Thekendisplay bis zum Boden- oder Palettendisplay für Aktionsware. Meist besteht sie aus bedruckter Wellpappe oder Vollpappe, die gestanzt, gefaltet und von Hand oder halbautomatisch aufgerichtet wird. Das Display wird im Werk befüllt und kommt auf der Palette in den Markt, wo es nur noch aufgestellt oder geöffnet wird. Es steht damit zwischen Transportverpackung und Verkaufsverpackung und muss beide Aufgaben erfüllen. Verwandt ist Shelf Ready Packaging, das sich vor allem durch schnelles Einräumen auszeichnet.

Aus der Praxis

Displays haben kurze Laufzeiten, viele Varianten und enge Handelstermine. Sie werden oft von Hand oder halbautomatisch konfektioniert, und die Automatisierung lohnt nur bei wiederkehrenden Grundformaten. Klären Sie Grafik und Palettenmaß mit dem Handelskunden ab, bevor die Produktion läuft. Ein Display, das auf der Palette gut aussieht, beim Auspacken im Markt aber zusammenfällt oder an der Palettenhöhe im Handelslager scheitert, kostet Sie die Aktion. Planen Sie Zeit für Druckfreigabe und Musteraufbau ein, denn dort entstehen oft die Verzögerungen. Und legen Sie fest, wer das Display im Handel aufbaut.

Dokumentationsumfang

Projektleitung & CAPEX

Vertraglich festgelegter Lieferumfang an technischer Dokumentation, der in der Bestellung als eigene Anlage geführt wird. Dazu zählen Betriebsanleitung, Konformitätserklärung, Risikobeurteilung, Schaltpläne, Pneumatikpläne, Stücklisten, Ersatz- und Verschleißteillisten, Wartungsanweisungen, Dokumentationen der Zulieferer, SPS-Programm mit Quellcode, Antriebsparameter, Zeichnungen und Layouts. Zu jedem Dokument sind Sprache, Dateiformat, Revisionsstand und Übergabezeitpunkt festgelegt. Üblich sind ein Vorabsatz zur Inbetriebnahme und ein Endsatz im Stand as built vor der Abnahme.

Aus der Praxis

Dokumentation, die nicht in der Bestellung steht, kommt nicht oder kommt spät. Legen Sie Sprache, Dateiformate, Zahl der Sätze und Zeitpunkt fest, dazu den Revisionsstand as built. Verlangen Sie PDF und zusätzlich editierbare Formate, sonst können Sie Schaltpläne später weder ergänzen noch an Ihre Werksnorm anpassen. Das SPS-Programm mit Quellcode und die Antriebsparameter vergessen Lieferanten gern, bis jemand nach einem Tausch danach fragt. Halten Sie einen Zahlungsanteil zurück, bis die Unterlagen geprüft sind. Im Ausschreibungspaket gehört der Umfang als eigene Anlage hinein, damit alle Anbieter dasselbe anbieten.

Dosenverschließer (Seamer)

Verpackungstechnik

Maschine, die den Deckel mit dem Dosenkörper durch einen Doppelfalz dicht verbindet. Dose und Deckel werden eingespannt und gedreht, und Falzrollen rollen den Rand von Deckel und Körper in zwei Arbeitsgängen ineinander. Die erste Rolle formt die Verhakung, die zweite presst den Falz fest, ein Dichtungsmittel im Deckel füllt die verbleibenden Spalte. Dichtheit und Haltbarkeit der Dose hängen von der Falzqualität ab. Gemessen werden unter anderem Falzhöhe, Falzdicke und Überlappung, bei Bedarf an einem Schnitt durch den Falz. Dosenverschließer laufen meist hinter dem Füller.

Aus der Praxis

Die Doppelfalzkontrolle, also Falzhöhe, Falzdicke und Überlappung, ist Prüfpflicht und gehört mit Intervall und Messmitteln in den Qualitätsplan. Verschleiß an den Falzrollen zeigt sich zuerst in den Messwerten und erst viel später in sichtbaren Fehlern. Regelmäßiges Messen verhindert ganze Chargen undichter Dosen. Die Überlappung sehen Sie nur am Schnitt durch den Falz, also muss jemand Dosen aufschneiden und messen können. Legen Sie fest, wer misst und was bei einem Grenzwert passiert, und wiederholen Sie die Kontrolle nach jedem Formatwechsel. Tauschen Sie Falzrollen nach Herstellervorgabe oder Betriebsstunden und nicht erst, wenn jemand etwas sieht.

Dosiergenauigkeit

Verpackungstechnik

Maß für die Abweichung der tatsächlichen Füllmenge vom Sollwert, angegeben als Standardabweichung oder als Toleranzband in Gramm oder Milliliter bei definierter Leistung und definiertem Produkt. Je kleiner die Streuung, desto näher kann der Mittelwert an die Nennfüllmenge heranrücken. Die Fertigpackungsverordnung verlangt, dass der Mittelwert die Nennfüllmenge nicht unterschreitet und einzelne Packungen bestimmte Grenzen nicht reißen. Deshalb bestimmt die Streuung die nötige Überfüllung und damit direkt die Produktkosten je Packung. Sie hängt von Dosierprinzip, Produkteigenschaften, Leistung und davon ab, ob eine Kontrollwaage die Dosierung nachregelt.

Aus der Praxis

Herstellerangaben zur Dosiergenauigkeit gelten meist für ideale Produkte bei mittlerer Leistung. Vereinbaren Sie im Pflichtenheft Produkt, Leistung, Packungsgröße und die Prüfmethode, mit der die Genauigkeit beim FAT und SAT nachgewiesen wird. Ihr klebriges oder schäumendes Produkt zeigt, was die Maschine kann, nicht das Prüfprodukt des Lieferanten. Rechnen Sie vor der Bestellung aus, was ein Gramm Überfüllung pro Jahr kostet, bei Ihrer Stückzahl und Ihrem Rohstoffpreis. Oft rechtfertigt das eine bessere Dosierung mehr als jeder Leistungssprung. Ich rechne das immer durch, bevor das erste Gespräch über die Maschinenleistung beginnt.

Doypack

Verpackungstechnik

Flexibler Beutel mit Standboden, oft mit Wiederverschluss durch Zipper oder mit Ausgießer, der im Regal steht und Vollpappe und Glas zunehmend ersetzt. Die Beutelwand besteht meist aus einer Verbundfolie, der Boden ist eine eingeschweißte Bodenfalte, die den Beutel aufstellt. Hergestellt wird er auf speziellen Beutelmaschinen, die Folie von der Rolle formen, füllen und siegeln, oder aus vorkonfektionierten Beuteln auf Premade-Pouch-Anlagen. Dort werden die Beutel einzeln aus einem Magazin geholt, geöffnet, gefüllt und gesiegelt. Gefüllt werden Pulver, Flüssigkeiten und stückige Produkte.

Aus der Praxis

Für die Linie ist der Doypack anspruchsvoll. Der Beutel muss geöffnet, gefüllt, entlüftet und sauber gesiegelt werden, und Zipper oder Ausgießer bringen zusätzliche Stationen mit. Premade-Pouch-Maschinen sind flexibel bei den Formaten, Beutelmaschinen, die aus der Rolle formen, sind bei hohen Stückzahlen materialgünstiger. Prüfen Sie die Recyclingfähigkeit der Beutelfolie früh, denn Mono-Material-Doypacks haben engere Siegelfenster. Produkt im Zipper ist der Klassiker: Ein Pulverkorn in der Verschlussleiste, und der Beutel schließt nie wieder richtig. Schauen Sie sich beim Probelauf an, wie sauber die Siegelzone nach dem Füllen bleibt.

Drehstrommotor (Asynchronmotor)

Maschinenbau & Komponenten

Elektromotor, der direkt am dreiphasigen Netz oder an einem Frequenzumrichter betrieben wird. Im Ständer erzeugen drei versetzte Wicklungen ein Drehfeld, das im Käfigläufer Ströme induziert und ihn mitnimmt. Der Läufer dreht dabei immer etwas langsamer als das Drehfeld, dieser Unterschied heißt Schlupf. Die Drehzahl ergibt sich aus Netzfrequenz und Polzahl, ein vierpoliger Motor läuft am 50-Hz-Netz mit knapp 1.500 Umdrehungen pro Minute. Auf dem Typenschild stehen Bemessungsleistung, Spannung, Strom, Drehzahl, Leistungsfaktor, Schutzart und Effizienzklasse. Baugrößen und Anbaumaße sind nach IEC genormt, deshalb lassen sich Motoren verschiedener Hersteller in der Regel tauschen.

Aus der Praxis

Der Drehstrommotor ist das Arbeitstier jeder Linie. Genau deshalb fällt er keinem auf, bis einer steht. Dann geht die Sucherei im Lager los, und oft liegt da ein Motor mit der richtigen Leistung und dem falschen Flansch. Ich lasse mir bei neuen Anlagen deshalb eine Motorenliste geben, mit Baugröße, Bauform, Leistung und Bremse, und halte sie neben das, was im Werk schon läuft. Drei oder vier Baugrößen decken meistens den größten Teil der Förderer ab. Schauen Sie außerdem, ob ein Motor am Umrichter dauerhaft langsam läuft. Der eigene Lüfter kühlt dann kaum noch. Ohne Fremdlüfter oder Temperaturüberwachung stirbt die Wicklung leise.

Drehtisch

Verpackungstechnik

Rotierende Tischplatte am Linienende oder am Handarbeitsplatz, die Produkte aus einem Förderer aufnimmt, kurz zwischenpuffert und zur manuellen Entnahme bereithält. Der Tisch dreht sich mit einstellbarer Drehzahl, ein umlaufender Rand hält die Produkte auf der Fläche, am Rand kann der Bediener entnehmen oder verpacken. Er ist die einfachste Form der Entkopplung zwischen Maschine und manueller Entnahme. Drehtische sind günstig und unkompliziert, haben aber nur begrenzte Kapazität. Eine Lichtschranke am Rand kann Vollstand an die vorgelagerte Maschine melden.

Aus der Praxis

Drehtische puffern nur wenige Minuten, sind aber günstig und nahezu störungsfrei. Sinnvoll sind sie als Sammelstelle am Ende halbautomatischer Linien, vor der manuellen Endkontrolle oder als Zwischenpuffer bei Musterentnahmen. Für die Auslegung zählen Durchmesser, Randhöhe, die Ausrichtung der Produkte und die Frage, ob der Tisch bei Vollmeldung die vorgelagerte Maschine stoppt. Rechnen Sie durch, wie viele Packungen wirklich draufpassen, denn die Zahl auf dem Papier geht von perfekter Verteilung aus. Achten Sie auch auf die Ergonomie, weil der Bediener den ganzen Tag am selben Rand steht. Die Fliehkraft schiebt leichte Packungen nach außen, kippempfindliche Produkte brauchen deshalb eine niedrige Drehzahl.

Druckluftleckage

Produktion & Energie

Ungewollter Austritt von Druckluft aus dem Netz oder aus angeschlossenen Maschinen. Leckagen entstehen vor allem an Schnellkupplungen, Schläuchen, Verschraubungen, Wartungseinheiten, Ventilen, Zylinderdichtungen und defekten Kondensatableitern. Sie verbrauchen rund um die Uhr Luft, auch wenn nicht produziert wird, und erhöhen so die Grundlast der Drucklufterzeugung. Geortet werden sie mit Ultraschall-Lecksuchgeräten, die das Strömungsgeräusch hörbar machen, oder mit Lecksuchspray. Die Gesamtleckage eines Netzes lässt sich in produktionsfreien Zeiten über die Laufzeiten der Kompressoren oder über den Druckabfall bei abgeschalteten Kompressoren bestimmen. Da der Leckagestrom mit dem Druck steigt, erhöht ein höherer Netzdruck auch die Verluste.

Aus der Praxis

Leckagesuche läuft in vielen Werken als Aktion. Einmal im Jahr kommt jemand mit dem Ultraschallgerät und hängt an jede undichte Stelle ein Etikett, und ein halbes Jahr später hängen die Etiketten immer noch. Die Suche ist der einfache Teil. Teuer wird es, weil die Reparatur oft einen Stillstand braucht und keiner die Arbeit einplant. Legen Sie Leckagen deshalb als normale Aufträge in der Instandhaltung an, mit Priorität und Termin. Am leichtesten geht die Suche in der Pause oder am Wochenende, wenn das Netz unter Druck steht, aber keine Blasdüsen und Ventile arbeiten. Viele Lecks sitzen in den Maschinen selbst, an Schläuchen in Schleppketten oder an Ventilinseln. Dort hilft es, die Druckluft der Maschine bei Stillstand automatisch abzuschalten.

Druckluftnetz

Produktion & Energie

Rohrleitungssystem, das Druckluft von der Erzeugung zu den Verbrauchern verteilt. Es beginnt hinter der Kompressorstation mit Aufbereitung und Druckluftbehälter. Von der Hauptleitung zweigen Verteilleitungen ab, von dort führen Anschlussleitungen zu den Maschinen. Ringleitungen versorgen Verbraucher von zwei Seiten und halten den Druckverlust gering, Stichleitungen sind einfacher, reagieren aber empfindlicher auf große Entnahmen. Abgänge werden oben aus der Leitung geführt, damit kein Kondensat in die Verbraucher läuft, an Tiefpunkten sitzen Kondensatableiter. Übliche Werkstoffe sind verzinkter Stahl, Edelstahl, Aluminium und Kunststoff. Den Druckverlust bestimmen Querschnitt, Länge und Durchfluss. Die Reinheitsklassen der Druckluft beschreibt ISO 8573-1.

Aus der Praxis

Druckluftnetze wachsen mit dem Werk, und zwar selten nach Plan. Jede neue Linie wird irgendwo angehängt, bis am Ende der Halle der Druck nicht mehr reicht. Die übliche Antwort ist, den Druck am Kompressor für das ganze Werk hochzudrehen. Das kostet jeden Tag Energie und erhöht die Leckageverluste, gelöst ist damit nichts. Ich lasse bei neuen Linien an der Übergabestelle ein Absperrventil, ein Manometer und einen Durchflusszähler setzen. Dann sieht man, ob das Problem in der Maschine oder im Netz liegt, und kann die Linie für Arbeiten abtrennen, ohne die Nachbarn mit abzuschalten. Prüfen Sie außerdem den Querschnitt der Zuleitung, bevor ein großer Verbraucher dazukommt. Ein Engpass im letzten Stück Rohr lässt sich mit keinem Kompressor der Welt beheben.

Klassifizierung von Druckluft nach ISO 8573-1 in Reinheitsklassen für Feststoffpartikel, Wassergehalt und Ölgehalt. Verpackungsmaschinen benötigen aufbereitete Luft mit Filtern, Trocknern und gegebenenfalls ölfreier Verdichtung. Druckluft mit Produktkontakt, etwa beim Ausblasen, unterliegt deutlich höheren Anforderungen als reine Steuerluft. Die Klasse wird als Zahlenfolge für die drei Verunreinigungsarten angegeben, eine niedrigere Zahl bedeutet reinere Luft. Der Wassergehalt wird meist über den Drucktaupunkt beschrieben. Aufbereitet wird am Kompressor und zusätzlich direkt vor der Maschine.

Aus der Praxis

Schlechte Druckluft zeigt sich als Wasser in der Ventilinsel, verharzte Ventile und Öl auf dem Produkt. Fragen Sie den Maschinenlieferanten nach der geforderten Klasse und vergleichen Sie sie mit dem, was Ihr Netz liefert, einschließlich der Sommerwerte bei hoher Luftfeuchte. Trockner und Filter gehören ins Projektbudget, der Kondensatablass in den Wartungsplan. Produktberührte Luft bereiten Sie separat auf. Schauen Sie bei einer Begehung in die Kondensatabläufe und Filterschalen. Steht dort eine trübe Brühe, stimmt entweder die Aufbereitung nicht oder keiner kümmert sich. Hängt eine einzelne Maschine immer wieder, prüfen Sie die letzte Strecke zwischen Netz und Maschine, bevor Sie das ganze Netz anfassen.

Druckmarkenerkennung

Automatisierung & Robotik

Sensorische Erfassung einer aufgedruckten Marke auf bedruckter Folie, meist durch einen Kontrast- oder Farbsensor, zur Synchronisation von Folienvorschub, Schnitt und Siegelung mit dem Druckbild. Die Marke ist ein kleines Rechteck, das mit dem Druckbild aufgedruckt wird und sich farblich vom Untergrund abhebt. Ihre Lage vergleicht die Steuerung mit dem Sollwert und korrigiert die Zuglänge so, dass jede Packung das Druckbild an derselben Stelle trägt. Der Sensor sitzt vor Schnitt und Siegelung in der Folienbahn, etwa an der Schlauchbeutelmaschine. Ohne Druckmarke wird nach fester Länge geschnitten.

Aus der Praxis

Wandert das Druckbild, liegt es selten an der Steuerung. Meist sind Folie und Sensor schuld: Marke mit zu wenig Kontrast, Marke zu nah am Bahnrand, schwankender Rapport zwischen den Rollen, verschmutzte Sensoroptik. Auch Folienflattern vor dem Sensor bringt ihn aus dem Takt. Legen Sie mit dem Folienlieferanten Markenposition, Größe und Farbe fest und nehmen Sie die Angaben in die Packmittelspezifikation auf. Beim Rollenwechsel muss die Marke an derselben Stelle liegen, auch an der Klebestelle. Sie sollten außerdem wissen, ob die Maschine bei verlorener Marke stoppt oder nach fester Länge weiterschneidet. Das Zweite produziert Ausschuss, ohne dass es jemand merkt.

Drucksensor

Maschinenbau & Komponenten

Sensor, der einen Druck erfasst und in ein elektrisches Signal umsetzt, meist als Analogsignal 4 bis 20 mA oder 0 bis 10 V oder digital über IO-Link. Das Messelement, häufig eine Membran mit Dehnungsmessstreifen oder eine keramische Messzelle, verformt sich unter Druck, und die Elektronik wandelt die Verformung in ein Messsignal um. Unterschieden werden Relativdruck gegen die Umgebung, Absolutdruck gegen Vakuum und Differenzdruck zwischen zwei Anschlüssen. Elektronische Druckschalter haben Schaltausgänge, oft zusätzlich zum Analogsignal. In Lebensmittelanlagen sitzen frontbündige Membranen in hygienischen Prozessanschlüssen, damit sich kein Produkt festsetzt. Typische Messstellen sind Druckluftversorgung, Vakuumkreise, Hydraulik und Pumpenausgänge.

Aus der Praxis

Drucksensoren gehen selten von allein kaputt. Häufiger sterben sie an Druckspitzen, die keiner auf dem Zettel hatte. Ein Hydraulikventil schaltet hart, der Druck schießt für Millisekunden weit über den Messbereich, und ein paar Wochen später driftet der Nullpunkt. Fragen Sie deshalb neben dem Messbereich auch nach Überlastdruck und Berstdruck, und setzen Sie in der Hydraulik eine Dämpfungsdrossel vor den Sensor. Im Hygienebereich ist die frontbündige Membran empfindlich. Ein Schraubendreher zum Abkratzen von Belägen reicht, und der Sensor ist hin. Bei Absolutdrucksensoren im Vakuumkreis prüfen Sie, ob die Visualisierung die richtige Einheit zeigt. Minus 0,8 bar relativ und 200 mbar absolut sind bei normalem Luftdruck ungefähr dasselbe, sehen auf dem HMI aber sehr verschieden aus.

Durchflussmessung

Automatisierung & Robotik

Messung des Volumen- oder Massenstroms einer Flüssigkeit in einer Rohrleitung, etwa Wasser, Öl oder Saft, um Menge und Geschwindigkeit zu erfassen und zu regeln. In der Lebensmittelindustrie kommen vor allem zwei Bauarten vor. Der magnetisch-induktive Durchflussmesser nutzt das Induktionsgesetz, braucht eine elektrisch leitfähige Flüssigkeit und hat keine bewegten Teile im Rohr. Coriolis-Messer erfassen den Massenstrom direkt, liefern die Dichte dazu und eignen sich auch für nicht leitfähige Medien wie Öl. Beide gibt es in hygienischer Ausführung mit Clamp-Anschlüssen. In der Abfüllung dient die Messung der Dosierung und damit der richtigen Füllmenge je Packung.

Aus der Praxis

In der Abfüllung ersetzt die Durchflussmessung das Wiegen und macht schnelle, saubere Dosierung möglich. Aber nur, wenn der Messer zum Produkt passt. Ein magnetisch-induktiver Messer scheitert an Öl, ein Coriolis kostet mehr, dafür kennt er die Dichte. Luftblasen im Produkt verfälschen die Messung, also gehört die Messstelle in eine volle, beruhigte Leitung und nicht an eine Stelle, wo Luft einzieht. Kalibrierung und Temperaturabhängigkeit müssen in den Prüfplan. Bei einem Produktwechsel mit anderer Dichte oder Viskosität sind die Rezepte anzupassen, sonst stimmt die Füllmenge nur auf dem Papier. Lassen Sie sich die Messung bei der Abnahme gegen eine Kontrollwaage nachprüfen.

Durchlaufregal

Intralogistik

Regal, in dem Ladeeinheiten auf geneigten Rollen- oder Röllchenbahnen durch Schwerkraft von der Beschickungsseite zur Entnahmeseite laufen. Was zuerst eingelagert wird, wird zuerst entnommen, das Regal arbeitet also von sich aus nach FIFO. Palettendurchlaufregale haben Bremsrollen, die die Geschwindigkeit begrenzen, und an der Entnahmeseite eine Vereinzelung, die die vorderste Palette vom Staudruck der nachfolgenden trennt. Für Kleinteile und Behälter gibt es Behälterdurchlaufregale, etwa zur Materialbereitstellung an Montage- und Packplätzen. Das Gegenstück ist das Einschubregal, bei dem von derselben Seite ein- und ausgelagert wird und das nach LIFO arbeitet. Durchlaufregale verdichten den Lagerraum und trennen Beschickung und Entnahme räumlich.

Aus der Praxis

Palettendurchlaufregale funktionieren nur mit guten Paletten. Ein gebrochenes Bodenbrett, eine fremde Palettenbauart oder eine überstehende Ladung, und die Palette bleibt mitten im Kanal stehen. Dann kommt der spannende Teil, nämlich sie wieder herauszubekommen. In den Kanal klettern sollte keiner, auch wenn es nachts schneller ginge. Klären Sie mit dem Lieferanten, mit welchen Palettentypen und in welcher Richtung das Regal getestet ist, und weisen Sie andere Paletten am Wareneingang ab. Schwere und leichte Paletten im selben Kanal laufen unterschiedlich schnell an. Bremsrollen verschleißen und werden selten geprüft, bis eine Palette vorne zu hart aufschlägt. In der Tiefkühlung kommt Eis auf den Rollen dazu. Für die Linienversorgung mit Kartonzuschnitten oder Folienrollen ist ein kurzes Durchlaufregal trotzdem oft die einfachste Lösung.

Durchlaufzeit

Kennzahlen

Zeit vom Produktionsstart bis zur versandfertigen Ware. Sie setzt sich aus Bearbeitungszeiten, Transportzeiten und Liegezeiten zusammen und wird meist von Beständen und Wartezeiten dominiert, nicht von der Bearbeitung. Nach dem Gesetz von Little ergibt sich die mittlere Durchlaufzeit aus dem Bestand im Prozess geteilt durch den Durchsatz. Wer die Durchlaufzeit halbieren will, muss deshalb die Bestände angehen und nicht die Maschinen beschleunigen. Ermittelt wird sie mit einer Wertstromanalyse oder durch Mitlaufen eines Loses von der Freigabe bis zur Verladung.

Aus der Praxis

Kurze Durchlaufzeiten binden weniger Kapital, brauchen weniger Lagerfläche und lassen schneller auf Aufträge reagieren. Gesucht wird zuerst bei den Beständen zwischen den Prozessschritten: Pufferlager, halbfertige Paletten, Ware, die vor der Verpackung wartet. Eine Wertstromanalyse macht die Liegezeiten sichtbar, und das Verhältnis zur reinen Bearbeitungszeit fällt oft ernüchternd aus. Die Umstellung auf kleinere Lose bringt häufig mehr als jede Beschleunigung der Maschine. Das geht aber nur, wenn die Rüstzeiten es hergeben, sonst frisst der Formatwechsel den Gewinn wieder auf. Begleiten Sie einmal eine einzelne Palette mit Zettel und Uhr durchs Werk, das überzeugt Skeptiker schneller als jede Folie.

Durchstoßwiderstand

Qualität & Sicherheit

Energie, die ein pyramidenförmiger Prüfkörper beim Durchstoßen einer Wellpappenprobe aufnimmt, angegeben in Joule nach DIN EN ISO 3036. Der Kennwert beschreibt die Widerstandsfähigkeit gegen Stöße durch Kanten, Ecken und spitze Gegenstände beim Transport. Er ist besonders für schwere oder kantige Packgüter relevant. Mehrwellige Pappen und Decken aus Frischfaser erreichen in der Regel höhere Werte als einwellige Pappen mit Altpapierdecken. Für die Stapelfestigkeit ist dagegen der Kantenstauchwiderstand aussagekräftiger, für den Innendruck die Berstfestigkeit.

Aus der Praxis

Hoher Durchstoßwiderstand ist gefragt, wenn Metallteile, Flaschen oder Geräte mit Ecken in Wellpappe reisen oder Kartons im Paketnetz gegeneinanderstoßen. Ein Wechsel von Frischfaser auf Altpapierdecken senkt den Wert oft spürbar, ohne dass der ECT auffällig sinkt. Die Transportschäden kommen dann Wochen später, und keiner bringt sie mit dem Papierwechsel in Verbindung. Führen Sie bei Materialänderungen deshalb neben ECT auch Durchstoß- und Berstprüfung durch. Schreiben Sie bei kantigen Packgütern den Mindestwert in die Packmittelspezifikation und lassen Sie sich im Prüfzeugnis des Lieferanten bestätigen, dass er ihn auch misst. Wer nur Gewicht und ECT kennt, hat noch nichts über die Ecke des Produkts gesagt.

Halbpalette mit 800 × 600 mm Grundfläche, als EPAL-Halbpalette im Tauschsystem geführt. Sie entspricht einer halben Euro-Palette und wird vor allem im Lebensmitteleinzelhandel für Displays, Aktionsware und kleinere Bestellmengen genutzt, oft direkt als Verkaufsträger in der Filiale ohne Umpacken. Zwei Halbpaletten passen genau auf die Fläche einer Euro-Palette. Wegen der kleinen Standfläche ist die beladene Einheit kippempfindlicher als eine Euro-Palette, deshalb sind Höhe und Ladungssicherung sorgfältiger zu planen.

Aus der Praxis

Displays auf Düsseldorfer Paletten sind bei Handelskunden beliebt, für die Linie aber ein Sonderfall. Palettierer, Stretchwickler und Fördertechnik müssen das kleine Format sicher führen, und zwei Halbpaletten auf einer Euro-Palette verlangen exakte Positionierung. Klären Sie mit dem Kunden Höhe, Gewicht und Standsicherheit im Markt, bevor das Display feststeht. Sonst steht es bei der Anlieferung gut da und kippt in der Filiale beim ersten Anrempeln. Prüfen Sie außerdem, ob Ihr Lager Halbpaletten überhaupt einlagern kann oder ob sie auf Trägerpaletten gehören, weil sie sonst nicht sicher auf den Traversen liegen.

E

E-Commerce-Verpackungen

Verpackungstechnik

Verpackungen für den Versand von Produkten im Online-Handel. Sie müssen die Belastungen im Paketnetz überstehen, also Fall, Stoß, Druck und Vibration, und das Produkt vor Beschädigung und Diebstahl schützen. Bauformen sind Versandkartons und Mailer, häufig mit Polstern oder passgenauen Einlagen. Die Eignung wird mit Fall- und Transportprüfungen nach ISTA nachgewiesen. Bei Lebensmitteln kommt der Schutz vor Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen hinzu, damit Qualität und Sicherheit der Ware auf dem Transport erhalten bleiben. Das Packmaß wirkt direkt auf die Versandkosten.

Aus der Praxis

Versandverpackungen für E-Commerce brauchen andere Stärken als Handelsverpackungen. Gefragt sind Sturz- und Klimatests statt Regaloptik und möglichst passgenaue Kartons statt Füllmaterial. Automatisierte Kartonzuschnittsysteme lohnen sich ab hohem Sendungsvolumen, davor helfen wenige Standardgrößen und ein sauberer Packprozess. Schicken Sie Probepakete durch das echte Paketnetz und verlassen Sie sich nicht allein auf den Falltest im Labor, denn ein Karton, der den Test besteht, wird im Verteilzentrum trotzdem anders behandelt. Achten Sie auf das Verhältnis von Luft zu Ware im Karton, weil Sie die Luft mitbezahlen.

Methode zur gemeinsamen Kontrolle von Fortschritt und Kosten. Verglichen werden drei Größen: der Planwert (geplante Kosten bis zum Stichtag), der Fertigstellungswert (Planwert der tatsächlich erbrachten Leistung) und die Istkosten. Die Differenz aus Fertigstellungswert und Istkosten ist die Kostenabweichung, die aus Fertigstellungswert und Planwert die Terminabweichung. Als Verhältnis gebildet ergeben sich der Kostenleistungsindex CPI und der Terminleistungsindex SPI. Werte unter eins zeigen Mehrkosten beziehungsweise Verzug. Aus den Indizes lassen sich Endtermin und Endkosten hochrechnen, etwa als Kostenprognose (Estimate at Completion). Voraussetzung ist ein Projektstrukturplan, dem Budget und Leistung je Arbeitspaket zugeordnet sind.

Aus der Praxis

Der Earned Value rechnet nur so gut wie die Fortschrittsmessung dahinter. Bei wenigen großen Lieferanten ist das die eigentliche Arbeit, denn bezahlte Meilensteine sind kein Fortschritt, solange die Maschine nicht läuft. Definieren Sie je Arbeitspaket messbare Stufen, zum Beispiel Zeichnung freigegeben, Material bestellt, vormontiert, FAT bestanden, und geben Sie jeder Stufe einen festen Anteil am Wert. Das Gefühl des Lieferanten, man sei so ziemlich fertig, zählt nicht. So sehen Sie früh, ob Ausgaben und Leistung auseinanderlaufen, und erfahren es nicht erst mit der Schlussrechnung. Bei Großteilen prüfen Sie vor Ort, ob der gemeldete Stand stimmt.

eBüro

Digitalisierung & KI

Externer Büro- und Telefonservice, bei dem Anrufe im Namen des Unternehmens angenommen werden. Die Mitarbeiter des Dienstleisters melden sich mit dem Firmennamen, erfassen Name, Rückrufnummer und Anliegen und geben es per Nachricht weiter, je nach Vereinbarung als E-Mail oder als Textnachricht. Der Dienst arbeitet nach abgestimmten Zeiten und Abläufen und trifft keine fachlichen Entscheidungen. Kleine Unternehmen und Freiberufler bleiben so erreichbar, auch wenn niemand am Schreibtisch sitzt.

Aus der Praxis

Wer im Kundenwerk in der Halle steht, kann nicht ans Telefon. In manchen Bereichen darf das Handy gar nicht mit hinein, und neben einer laufenden Linie versteht man ohnehin kein Wort. Ein Telefonservice sorgt dafür, dass ein Anrufer trotzdem einen Menschen erreicht und sein Anliegen ankommt. Der Rückruf folgt am selben Tag, am besten mit einer kurzen Notiz, worum es ging, damit Sie nicht blind zurückrufen. Wer nur die Mailbox hört, ruft schnell beim Nächsten an. Für Experten auf Zeit ist das ein einfacher Weg, professionell erreichbar zu bleiben. Sagen Sie dem Dienst vorher, was er am Telefon antworten soll und wen er bei dringenden Fällen wie erreicht.

Edelstahl 1.4301 / 1.4404

Maschinenbau & Komponenten

Die beiden gebräuchlichsten austenitischen Edelstähle im Maschinenbau für Lebensmittelanlagen. 1.4301 (AISI 304) ist der Standardwerkstoff für Gestelle, Verkleidungen und trockene Bereiche. 1.4404 (AISI 316L) enthält Molybdän und ist beständiger gegen Chloride und Reinigungsmittel, deshalb Standard für Nassbereiche und Produktkontakt. Das L steht für einen niedrigen Kohlenstoffgehalt, der das Schweißen unkritischer macht. Der Korrosionsschutz beruht auf einer dünnen Chromoxidschicht, der Passivschicht, die sich auf sauberer Oberfläche selbst erneuert.

Aus der Praxis

Die Werkstoffwahl gehört ins Lastenheft, sonst bekommen Sie 1.4301 überall. Salzhaltige Produkte, chlorhaltige Reiniger und Kondensat greifen 1.4301 an, Lochkorrosion beginnt an Schweißnähten und unter Dichtungen. Fordern Sie 1.4404 für Produktkontakt und Nassbereiche sowie verschliffene und gebeizte Schweißnähte. Achten Sie darauf, dass in der Fertigung kein Fremdrost durch Stahlwerkzeuge eingetragen wird. Eine Stahlbürste oder eine Scheibe, die vorher Baustahl geschliffen hat, reicht, und die Oberfläche fängt an zu rosten. Ich frage deshalb immer, ob die Werkstatt getrennte Werkzeuge für Edelstahl benutzt. Fragen Sie den Lieferanten außerdem, wo 1.4301 verbaut ist, und lassen Sie das im Angebot festhalten, nicht erst in der Abnahme.

Edge Computing

Digitalisierung & KI

Verarbeitung von Maschinendaten auf Rechnern nahe an der Anlage, im Schaltschrank oder in der Linie, statt in einem Rechenzentrum oder in der Cloud. Die Geräte sind meist als Industrie-PC oder Gateway ausgeführt, lesen Daten aus Steuerungen und Sensoren, werten sie vor Ort aus und geben nur Ergebnisse oder verdichtete Werte weiter. Vorteile sind kurze Reaktionszeiten, geringere Datenmengen bei der Übertragung, Funktion auch bei Netzausfall und bessere Kontrolle über sensible Daten. Typische Aufgaben sind Vorverarbeitung, Bildauswertung und Anomalieerkennung. Edge-Geräte arbeiten in der Regel neben der SPS und greifen nicht in die Maschinensteuerung ein.

Aus der Praxis

Edge-Geräte sind schnell installiert und dann schnell vergessen. Kein Update, kein Backup, keiner zuständig. Nach ein paar Jahren stehen Dutzende ungewartete Rechner in den Schaltschränken, und keiner weiß mehr, was auf welchem läuft. Legen Sie deshalb vorher fest, wer die Geräte betreibt und wie sie überwacht werden. Fragen Sie nach der Wärme im Schrank, denn ein Rechner ohne Luft rechnet im Sommer irgendwann nicht mehr. Trennen Sie ihn außerdem sauber vom Steuerungsnetz. Ich lasse mir bei jeder Edge-Lösung eine Liste mit Gerät, Softwarestand und Ansprechpartner geben. Edge lohnt sich dort, wo Bilder oder hochfrequente Signale anfallen.

Effizienzklassen (IE3 / IE4)

Maschinenbau & Komponenten

Einteilung von Elektromotoren nach ihrem Wirkungsgrad, festgelegt in IEC 60034-30-1. Unterschieden werden IE1 für Standardwirkungsgrad, IE2 für hohen, IE3 für Premiumwirkungsgrad und IE4 für Super-Premium-Wirkungsgrad. Die Grenzwerte hängen von Bemessungsleistung, Polzahl und Frequenz ab, kleine Motoren erreichen in derselben Klasse niedrigere Wirkungsgrade als große. Eingestuft wird für den Betrieb am Netz im Bemessungspunkt, die Klasse steht auf dem Typenschild. Welche Klasse ein neu in Verkehr gebrachter Motor mindestens erreichen muss, regelt in der EU die Ökodesign-Verordnung für Elektromotoren und Drehzahlregelungen. Für Frequenzumrichter gibt es eigene IE-Klassen nach IEC 61800-9-2.

Aus der Praxis

Motoren mit besserer Effizienzklasse sind kein automatischer Ersatz eins zu eins für die alten. Sie haben weniger Schlupf und drehen etwas schneller. An einer Pumpe oder einem Lüfter fördert der neue Motor dann mehr und frisst einen Teil der Ersparnis gleich wieder auf. Beim direkten Einschalten ziehen solche Motoren oft einen höheren Anlaufstrom, und der alte Motorschutzschalter kann beim Start auslösen. Prüfen Sie auch die Baulänge. Manche Motoren sind in derselben Baugröße länger und passen nicht mehr unter die Schutzhaube. Richtig rechnet sich die bessere Klasse bei Motoren, die viele Stunden im Jahr unter Last laufen, also Pumpen, Lüfter und Kompressoren. Ein Förderantrieb, der zwischen den Takten ohnehin viel steht, holt die Mehrkosten deutlich langsamer herein.

EHEDG

Qualität & Sicherheit

Europäische Organisation für hygienegerechte Konstruktion (European Hygienic Engineering and Design Group) und De-facto-Standard in diesem Bereich. Sie veröffentlicht Richtlinien zu Werkstoffen, Oberflächen, Schweißnähten, Dichtungen sowie zur Vermeidung von Spalten und Toträumen und zertifiziert Komponenten nach einem Prüfverfahren zur Reinigbarkeit. EHEDG-konforme Komponenten wie Ventile, Pumpen und Sensoren sind im Nassbereich der Lebensmittelproduktion die sichere Wahl fürs Lastenheft. Für trockene Bereiche genügt oft ein geringerer Aufwand.

Aus der Praxis

EHEDG-Richtlinien decken Konstruktionsdetails ab, die im Alltag über Reinigbarkeit entscheiden: Schweißnahtqualität, Dichtungswerkstoffe, Oberflächenrauheit, Vermeidung von Spalten und Toträumen. Für die Ausschreibung reicht oft der Verweis auf die relevanten EHEDG-Dokumente und die Forderung nach zertifizierten Komponenten im Produktbereich. Das Zertifikat gilt für die Komponente, nicht für den Einbau. Eine zertifizierte Armatur, die mit Spalt oder Tasche in die Rohrleitung geschweißt wird, bleibt trotzdem ein Reinigungsproblem. Bei der Abnahme lohnt eine Reinigbarkeitsprüfung mit dem Hygieneteam, gerne am echten Produkt.

Eigentumsvorbehalt

Kaufmännisches

Vertragliche Regelung, nach der die gelieferte Maschine bis zur vollständigen Bezahlung Eigentum des Herstellers bleibt. Beim einfachen Eigentumsvorbehalt gilt das nur für die Ware selbst. Der verlängerte Eigentumsvorbehalt setzt sich an dem fort, was aus der Ware entsteht oder beim Weiterverkauf erlöst wird. Bei Maschinen kollidiert der Vorbehalt praktisch mit Einbau und Inbetriebnahme, weil die Maschine mit Fundament, Medien und Nachbaranlagen verbunden wird. Regelungen zu Verbindung und Vermischung und zu Sicherungsrechten gehören deshalb in den Vertrag und nicht erst in den Streitfall.

Aus der Praxis

Bei der letzten Rate ist die Maschine längst eingebaut, verkettet und in Betrieb. Ein Rückbau wäre für beide Seiten teuer, deshalb ist der Eigentumsvorbehalt in der Praxis eher ein Druckmittel als ein Plan. Viele Verträge vereinbaren einen verlängerten Eigentumsvorbehalt mit klaren Regeln für den Fall von Zahlungsverzug und eine Abgrenzung zu Bestandsanlagen. Der Vorbehalt darf Inbetriebnahme und Nutzung nicht behindern. Achten Sie darauf, dass sich die Maschine bei einem Streit um eine Restrate nicht per Software oder aus der Ferne sperren lässt. Auch Sicherheiten von Bank oder Leasinggeber können mit dem Vorbehalt kollidieren. Das ist ein Fall für Ihren Juristen.

Einbringung (Halleneinbringung)

Projektleitung & CAPEX

Transport einer Maschine oder Anlage vom Anlieferort in die Endaufstellung. Die Einbringungsplanung klärt Torgrößen, Hallenwege, Bodenbelastung, Kranbahn oder Hubgeräte, den Zerlegungsgrad und die Reihenfolge der Baugruppen. Als Hubgeräte kommen Hallenkran, Mobilkran, Stapler und Schwerlastroller infrage, bei übergroßen Baugruppen im Ausnahmefall auch eine geöffnete Hallenwand. Die Planung beantwortet, ob die Maschine überhaupt durch Tore, Treppen und zwischen Bestandsanlagen hindurchpasst und welche Baugruppen vor Ort wieder zusammengesetzt werden. Grundlage sind die Transportmaße und Gewichte je Baugruppe vom Lieferanten und ein Aufstellplan im Layout.

Aus der Praxis

Messen Sie Tore, Deckenhöhen und Kurven im Hallenweg selbst, und zwar mit der laufenden Produktion vor Augen. Der Plan zeigt nicht, was heute im Weg steht, etwa Paletten oder eine Rohrbrücke unter der Decke. Zu den üblichen Überraschungen gehören außerdem die Bodenlast beim Kranfahrzeug, Palettierer, die nur mit dem Deckenkran zu setzen sind, und Bestandslinien, die für einen Tag weichen müssen. Das bedeutet dann Wochenende und Sonderschicht. Ich lasse mir vom Lieferanten Transportmaße und Gewichte je Baugruppe schriftlich geben, bevor ich einen Aufstelltermin zusage. Kommt eine Baugruppe nur mit Kran und gesperrter Hallenstraße hinein, gehört die Absprache mit den Nachbarabteilungen und der Sicherheitsfachkraft in den Plan.

Formatteil zur Vereinzelung und Abstandsbildung von Behältern oder Produkten vor Füllern, Verschließern, Etikettierern und Packern. Die Schnecke mit veränderlicher Steigung nimmt die Produkte aus dem Stau auf, beschleunigt sie und übergibt sie im festen Teilungsabstand an Einlaufstern oder Mitnehmer. Sie dreht sich synchron zur nachfolgenden Maschine, ihre Drehzahl bestimmt daher den Durchsatz. Die Schneckengeometrie ist behälter- und formatabhängig, gefertigt wird sie meist aus Kunststoff oder Edelstahl. Höhe und Seitenposition sind einstellbar und werden bei jedem Formatwechsel neu gesetzt.

Aus der Praxis

Die Einteilschnecke ist ein Präzisionsformatteil. Verschleiß oder falsche Höhe führen zu Kippern, Klemmern und Kratzern am Behälter, eine leicht andere Flaschenkontur auch. Jede Behälterform braucht ihre eigene Schnecke, planen Sie das bei Verpackungsänderungen ein und lassen Sie die Schnecke vom Maschinenhersteller nach Behältermuster fertigen. Der Staudruck vor der Schnecke muss begrenzt sein, sonst blockiert sie bei leichten Behältern. Wenn Behälter sich auf dem Weg durch die Schnecke verhaken, suchen Sie zuerst bei Höhe und Seitenführung, bevor Sie an der Drehzahl drehen. Halten Sie eine Ersatzschnecke für Ihre Hauptformate am Lager, denn die Anfertigung nach Muster dauert.

Elektrische Prüfung (DGUV V3)

Qualität & Sicherheit

Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel nach der Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3, früher BGV A3. Der Unternehmer muss sie vor der ersten Inbetriebnahme und danach in bestimmten Zeitabständen prüfen lassen, ebenso nach Änderungen und Instandsetzungen. Prüfen darf eine Elektrofachkraft oder eine Person unter ihrer Leitung und Aufsicht. Unterschieden werden ortsfeste Anlagen wie Schaltschränke oder fest angeschlossene Maschinen und ortsveränderliche Geräte wie Verlängerungsleitungen oder Elektrowerkzeuge. Die Prüfung besteht aus Besichtigen, Messen und Erproben, gemessen werden etwa Schutzleiter- und Isolationswiderstand. Fristen legt der Unternehmer nach seiner Gefährdungsbeurteilung fest, die Durchführungsanweisungen zur Vorschrift nennen Richtwerte.

Aus der Praxis

Bei ortsveränderlichen Geräten verliert man schnell den Überblick. Kabeltrommeln und Handlampen wandern durchs Werk, und ein Teil davon taucht am Prüftag einfach nicht auf. Denken Sie auch an Fremdfirmen, die eigenes Werkzeug mitbringen. Das sollte geprüft sein, bevor es bei Ihnen eingesteckt wird. Bei ortsfesten Anlagen ist die Planung das Problem. Für die Messung muss die Linie abgeschaltet werden, also gehört die Prüfung ins Stillstandsfenster und nicht in eine Lücke im Produktionsplan. An Maschinen mit Frequenzumrichtern und anderer Elektronik muss der Prüfer wissen, was er vor der Isolationsmessung abklemmt. Fragen Sie danach, bevor er anfängt. Zu neuen Maschinen gehört außerdem das Prüfprotokoll des Herstellers nach EN 60204-1. Lassen Sie es sich mitliefern, die Zuleitung vor Ort deckt es allerdings nicht ab.

Elektroameise

Intralogistik

Elektrisch angetriebener Niederhubwagen für den horizontalen Palettentransport, als Mitgänger- oder Mitfahrgerät. Eine Deichsel steuert Fahren und Heben, bei Mitfahrgeräten steht der Fahrer auf einer Plattform. Ein Niederhubwagen hebt die Palette nur so weit an, dass sie frei vom Boden fährt. Das Gerät ist das Arbeitstier des Shopfloors und oft der erste Kandidat einer Flottenanalyse. Sie klärt, wie viele Geräte es wirklich gibt, wie ausgelastet sie sind und was Wartung und Batterien kosten.

Aus der Praxis

In einer Flottenanalyse tauchen Elektroameisen oft in größerer Zahl auf als geplant. Manche stehen defekt in Ecken, andere fahren Wege, für die Fördertechnik längst wirtschaftlicher wäre. Prüfen Sie Batteriemanagement, UVV-Status und Einsatzprofil je Gerät. In der dritten Schicht sind die Akkus leer und die Ladeplätze belegt, dann wandert ein Gerät aus dem Nachbarbereich herüber. Ich zähle deshalb die Ladeplätze immer mit. Ein Gerät, das seit Wochen am selben Platz steht, wird vermutlich nicht gebraucht. Als Einstieg reicht eine Liste mit Standort, Baujahr, Zustand und typischer Route, dazu ein Foto des Typenschilds. Sie ist die Basis für jede Entscheidung über Fördertechnik oder FTS.

Elektronische Kurvenscheibe

Automatisierung & Robotik

Bewegungsprofil, das in der Motion-Steuerung als Kurvenfunktion hinterlegt ist und einem Servoantrieb die Position in Abhängigkeit von einer Leitachse vorgibt. Die Kurve besteht aus Stützpunkten, zwischen denen die Steuerung interpoliert, sodass Weg, Geschwindigkeit und Beschleunigung stetig verlaufen. Als Leitachse dient eine reale Maschinenachse oder eine virtuelle Achse. Die elektronische Kurvenscheibe ersetzt mechanische Kurvenscheiben und Kurvengetriebe. Profile lassen sich per Software ändern, je nach Format umschalten und ohne mechanischen Umbau anpassen. Typische Anwendungen sind Querschneider, Siegelbacken und Pick-and-Place-Bewegungen, die synchron zum Produktfluss laufen müssen.

Aus der Praxis

Elektronische Kurven machen den Formatwechsel zur Rezeptsache statt zum Schraubereinsatz, wenn die Profile sauber parametriert sind. Verlangen Sie vom Lieferanten, dass der Wechsel über Rezeptparameter läuft und nicht über eine Programmänderung durch den Servicetechniker. Grenzen setzen die Beschleunigungsspitzen. Ein am Bildschirm schön geglättetes Profil kann das Getriebe an die Grenze fahren oder den Motor heiß werden lassen. Ruckbegrenzung und Thermik der Antriebe gehören deshalb mit in die Auslegung. Achten Sie außerdem darauf, wer die Kurven ändern darf. Wenn jeder Bediener am Profil dreht, laufen zwei Schichten mit zwei verschiedenen Maschinen. Ein gesicherter Stand der Kurven im Steuerungs-Backup gehört dazu.

Elektronische Fassung des Herstellprotokolls einer Charge, in der Arbeitsschritte, Materialeinsätze, Prozesswerte, Prüfergebnisse und Abweichungen erfasst werden. Das eBR stammt aus der Pharmaindustrie und dem GMP-Umfeld und ersetzt dort das papiergeführte Chargenprotokoll. Grundlage ist eine freigegebene Mastervorlage, der Master Batch Record, nach der das System den Bediener Schritt für Schritt führt. Eingaben, Korrekturen und Freigaben werden mit Benutzer und Zeitstempel im Audit Trail festgehalten und elektronisch unterschrieben. Die Anforderungen an solche Systeme beschreiben in der EU der Anhang 11 des GMP-Leitfadens und in den USA 21 CFR Part 11. Das eBR ist meist ein Modul des MES und erlaubt eine Prüfung nach Ausnahmen statt Seite für Seite.

Aus der Praxis

Beim Umstieg auf das eBR wird gern das Papierprotokoll Seite für Seite in Bildschirmmasken übertragen. Dann haben Sie digitales Papier, und die Bediener klicken sich durch Felder, die schon früher keiner gelesen hat. Nutzen Sie die Umstellung zum Ausmisten und lassen Sie Prozesswerte direkt aus der Steuerung übernehmen, statt sie abtippen zu lassen. Rechnen Sie mit dem Aufwand für die Validierung. Jede spätere Änderung an der Mastervorlage läuft durch das Änderungsverfahren, und das dauert. Fragen Sie auch, was passiert, wenn Netz oder Server ausfallen. Irgendwer muss dann auf Papier weiterarbeiten dürfen, und dieses Papier muss später sauber nachgetragen werden. Und probieren Sie das Eingabegerät an der Linie aus, mit Handschuhen und nassen Fingern. Mancher Touchscreen hat da schon aufgegeben.

Elektrostatische Aufladung

Verpackungstechnik

Ansammlung elektrischer Ladung auf einer Oberfläche, die entsteht, wenn zwei Materialien sich berühren und wieder getrennt werden. In Verpackungsmaschinen geschieht das vor allem beim Abwickeln von Folie und beim Abziehen von Etiketten vom Trägerband. Isolierende Stoffe wie Kunststofffolien halten die Ladung fest, bei trockener Luft auch Papier und Karton. Folien und Zuschnitte haften dann aneinander, Staub und Produktpulver werden angezogen, und Personen bekommen einen Schlag. Ionisationsstäbe erzeugen positive und negative Ionen und neutralisieren so die Ladung, höhere Luftfeuchte wirkt ebenso. Erden lassen sich nur leitfähige Teile. In explosionsgefährdeten Bereichen beschreibt die TRGS 727, wie sich Zündgefahren durch elektrostatische Aufladung vermeiden lassen.

Aus der Praxis

Statik ist ein Winterthema. Sobald die Heizung läuft und die Hallenluft trocken wird, wickelt sich die Folie um die Walzen, Zuschnitte kleben aneinander, und die Bediener holen sich an der Maschine einen Schlag ab. Im Sommer läuft dieselbe Anlage mit demselben Material problemlos. Erden hilft bei Folie wenig, denn ein Isolator gibt seine Ladung an die Masse nicht ab. Hier brauchen Sie Ionisation, und zwar möglichst nah an der Stelle, wo die Ladung stört. Ionisationsstäbe verschmutzen allerdings und wirken dann deutlich schwächer, ihre Reinigung gehört in den Wartungsplan. Bei Pulvern wie Kaffee oder Gewürzen zieht die geladene Folie Staub in die Siegelnaht. Dann wird an den Siegelbacken gesucht, obwohl das Problem ein paar Meter vorher am Abwickler entsteht. Ein einfaches Feldmessgerät klärt das schneller als jeder Versuch mit der Siegeltemperatur.

Elektrozylinder

Maschinenbau & Komponenten

Linearantrieb, der die Drehbewegung eines Elektromotors über einen Gewindetrieb in die Hubbewegung einer Kolbenstange umsetzt. Bauform und Abmessungen ähneln einem Pneumatikzylinder, viele Ausführungen haben Befestigungsmaße nach ISO 15552 und passen auf dieselben Anbauteile. Als Gewindetrieb dienen meist Kugelgewindetriebe, für hohe Kräfte auch Rollengewindetriebe und für selbsthemmende Ausführungen Trapezgewindespindeln. Angetrieben wird der Zylinder von einem Servomotor oder Schrittmotor, der axial dahinter oder mit Riementrieb parallel daneben sitzt. Anders als der Pneumatikzylinder fährt der Elektrozylinder beliebige Positionen mit einstellbarer Geschwindigkeit und Kraft an. Querkräfte verträgt die Kolbenstange nur begrenzt, dafür braucht es externe Führungen.

Aus der Praxis

Wer Pneumatikzylinder gegen Elektrozylinder tauscht, rechnet meist mit der gesparten Druckluft. Die Rechnung stimmt, aber der neue Zylinder benimmt sich anders. Ein Pneumatikzylinder drückt den ganzen Tag gegen einen Anschlag und wird dabei nicht warm. Muss ein Elektrozylinder dauerhaft Kraft halten, etwa beim Klemmen oder Pressen, heizt sich der Motor auf, und die Auslegung muss das abdecken. Bei Stromausfall gibt er ohne Bremse oder selbsthemmende Spindel nach, sobald eine Last auf ihm liegt. Klären Sie mit dem Lieferanten, wie oft die Spindel geschmiert werden muss, und nehmen Sie das in Ihren Wartungsplan auf. Der große Vorteil zeigt sich beim Formatwechsel. Hub und Kraft kommen aus dem Rezept, und keiner muss mehr Sensoren verschieben und Endlagendämpfung nachstellen.

Fähigkeit eines Geräts oder einer Anlage, in ihrer elektromagnetischen Umgebung fehlerfrei zu arbeiten, ohne andere Geräte unzulässig zu stören. Die Störaussendung begrenzt, was ein Gerät über Leitungen und als Strahlung abgibt, die Störfestigkeit beschreibt, wie viel es verträgt. In Maschinen stören vor allem Frequenzumrichter und Servoregler, empfindlich sind Analogsignale, Geber und Feldbusse. Übliche Maßnahmen sind geschirmte Motorleitungen mit beidseitig großflächig aufgelegtem Schirm, getrennte Verlegung von Leistungs- und Signalleitungen, Netzfilter und niederohmiger Potenzialausgleich. In der EU legt die EMV-Richtlinie die Anforderungen fest, für Industrieumgebungen gelten die Fachgrundnormen EN 61000-6-2 zur Störfestigkeit und EN 61000-6-4 zur Störaussendung.

Aus der Praxis

EMV-Probleme haben eine fiese Eigenschaft. Sie kommen und gehen. Mal springt ein Analogwert, mal verliert ein Antrieb kurz den Feldbus, und in der Werkstatt läuft das ausgebaute Teil tadellos. Ich schaue bei solchen Fehlern zuerst in den Kabelkanal und an die Schirmauflagen, bevor jemand Baugruppen tauscht. Typisch ist der Schirm, der zu einem dünnen Zopf verdrillt und auf eine Klemme gelegt wird. Bei hohen Frequenzen bringt der Schirm dann nur noch einen Bruchteil seiner Wirkung. Ebenso beliebt ist die Geberleitung, die auf ganzer Länge neben der Motorleitung im selben Kanal liegt. Beim Retrofit zeigt sich das Problem oft erst, wenn ein neuer Umrichter an die alte, ungeschirmte Motorleitung kommt. Planen Sie die neue Leitung gleich mit ein. Das ist billiger als wochenlange Fehlersuche.

Encoder

Maschinenbau & Komponenten

Messwertgeber, der Position und Geschwindigkeit von Achsen erfasst, inkremental oder absolut. Inkrementalgeber liefern Impulse beim Drehen und zählen ab einer Bezugsposition, deshalb muss die Achse nach dem Einschalten referenzfahren. Absolutwertgeber kennen ihre Position auch nach Spannungsausfall: kein Referenzfahren, schnellerer Wiederanlauf nach Störungen. Es gibt sie als Singleturn- und Multiturn-Ausführung, die Schnittstelle ist je nach Antrieb seriell oder über Feldbus. Gebaut werden sie optisch oder magnetisch.

Aus der Praxis

Für Formatwechsel und Verstellachsen sind Absolutwertgeber die richtige Wahl. Die Achse kennt ihre Position sofort, Rezeptwechsel laufen ohne Referenzfahrt. Bei Retrofits älterer Maschinen lassen sich Inkrementalgeber oft günstig durch Absolutwertgeber ersetzen und schaffen die Grundlage für automatisierte Formatverstellung. Schwachstellen sind im Nassbereich Schutzart und Kabelführung am Geber. Lassen Sie sich zeigen, was die Maschine macht, wenn ein Geber ausfällt oder sein Kabel bricht, und ob die Fehlermeldung dann auf den Geber zeigt oder auf den Motor. Das ist bei der Abnahme in fünf Minuten probiert und spart später die Suche in der Nachtschicht.

End-of-Line-Verpackung

Verpackungstechnik

Letzter Abschnitt einer Produktionslinie, in dem die fertig verpackten Produkte zu Transporteinheiten werden. Typische Stationen sind Kartonaufrichten, Kartonpacken, Verschließen, Etikettieren, Palettieren und Sichern der Palette, dazu kommen Fördertechnik, Kontrollwaage und Ausschleusung. Die Linie endet mit einer versandfertigen, etikettierten Ladeeinheit. End-of-Line-Bereiche sind häufig manuell gewachsen und bieten deshalb oft ein hohes Automatisierungspotenzial, weil die Arbeit schwer, personalintensiv und gut standardisierbar ist. Ihre Leistung muss zur Primärverpackung davor und zur Palettenlogistik dahinter passen.

Aus der Praxis

Das Linienende, also Kartonierer, Palettierer und Wickler, ist der Bereich, in dem sich Automatisierung im Mittelstand oft am schnellsten rechnet. Die Arbeit ist schwer und braucht viel Personal. Prüfen Sie zuerst Palettenlogistik und Fläche, dann die Technik. Ein Palettierer ohne Palettenpuffer steht öfter, als er läuft. Auch die Palettenqualität zählt, denn eine verzogene Holzpalette bringt jeden Palettierer zum Stehen. Fragen Sie, wo die leeren Paletten herkommen und wie die vollen abfahren. An dieser Stelle hängt die Anlage in der dritten Schicht, wenn der Stapler fehlt. Ich zeichne Wege von Stapler und Mensch ins Layout, bevor ich mir die Maschinen ansehe.

Energieaudit (DIN EN 16247)

Produktion & Energie

Systematische Untersuchung des Energieeinsatzes eines Unternehmens, Standorts oder Prozesses, um Energieflüsse zu verstehen und Einsparmöglichkeiten zu finden und zu bewerten. Die Anforderungen beschreibt die Normenreihe DIN EN 16247. Teil 1 enthält die allgemeinen Anforderungen, weitere Teile behandeln Gebäude, Prozesse und Transport sowie die Kompetenz der Energieauditoren. Ein Audit umfasst Auftaktgespräch, Datenerhebung, Begehung, Analyse, Bericht und Abschlussbesprechung. Der Bericht bewertet Maßnahmen nach Investition und Einsparung. Anders als ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 ist das Audit eine Momentaufnahme und kein laufender Prozess. Welche Unternehmen ein Energieaudit durchführen müssen, ist in Deutschland gesetzlich geregelt.

Aus der Praxis

Der Auditbericht landet nicht selten in einem Ordner und der Ordner im Schrank. Das liegt oft am Bericht selbst. Wenn der Auditor einen Tag durch das Werk geht und danach LED-Beleuchtung, Leckagesuche und neue Heizungspumpen empfiehlt, hätte man das auch ohne Audit gewusst. Verlangen Sie, dass die großen Verbraucher eine Woche lang mit Messgeräten erfasst werden, also Kompressoren, Kälteanlagen und die Linien mit Heizzonen. Nehmen Sie jemanden aus der Produktion zur Begehung mit, der weiß, wann welche Anlage läuft und warum. Und lassen Sie die Maßnahmen so aufbereiten, dass sie direkt in einen Investitionsantrag passen, mit Kosten, Einsparung und Amortisationszeit. Dann hat der Bericht eine Chance, im nächsten Budget wieder aufzutauchen.

Energiemanagement (ISO 50001)

Produktion & Energie

Systematisches Vorgehen, mit dem ein Unternehmen seinen Energieeinsatz erfasst, bewertet und dauerhaft verbessert. Den Rahmen für ein Energiemanagementsystem gibt DIN EN ISO 50001 vor. Die Norm folgt dem PDCA-Zyklus und hat dieselbe Grundstruktur wie ISO 9001. Kern ist die energetische Bewertung. Sie ermittelt die wesentlichen Energieverbraucher, legt eine energetische Ausgangsbasis fest und definiert Energieleistungskennzahlen, an denen Verbesserungen gemessen werden. Energieziele, Aktionspläne, ein Messkonzept, interne Audits und die Managementbewertung vervollständigen das System. Zertifizieren kann eine akkreditierte Stelle. Welche Unternehmen ein Energie- oder Umweltmanagementsystem einführen müssen, regelt in Deutschland das Energieeffizienzgesetz.

Aus der Praxis

Ein Zertifikat nach ISO 50001 hängt schnell an der Wand. Schwieriger wird es, wenn jemand wissen will, was die Verpackungslinie 3 pro Schicht an Strom und Druckluft braucht. In vielen Werken gibt es einen Hauptzähler und dann lange nichts. Ohne Unterzähler bleiben die Kennzahlen Schätzungen, und die Managementbewertung wird zur Diskussion über Annahmen. Für Projekte heißt das: Zähler für Strom, Druckluft, Dampf und Kälte gehören bei jeder neuen Linie ins Lastenheft. Während der Montage kosten sie wenig. Nachrüsten braucht einen Stillstand und einen Elektriker, der gerade Zeit hat. Holen Sie außerdem die Produktion mit ins Boot. Der Energiemanager sieht den Verbrauch, aber nur die Schicht weiß, warum die Anlage am Wochenende durchgelaufen ist.

Energiemonitoring

Produktion & Energie

Kontinuierliche Messung und Auswertung des Energieverbrauchs von Anlagen, Linien oder Bereichen, etwa Strom, Druckluft, Dampf und Kälte, mit Zählern und Sensoren. Die Werte werden auf Produktionsmengen und Betriebszustände bezogen. Energiemonitoring ist Grundlage für Energiemanagement nach ISO 50001, für die Erkennung von Standby-Verlusten und Leckagen sowie für Lastspitzenmanagement. Zähler können in Unterverteilungen, an Kompressoren oder an einzelnen Maschinen sitzen, die Daten laufen über Bus oder Schnittstelle in ein Auswertesystem. Aussagekräftig wird der Verbrauch erst bezogen auf eine Größe wie Stückzahl oder Schicht, der spezifische Energieverbrauch.

Aus der Praxis

Wo Energie verloren geht, sieht man am besten in der Pause, am Wochenende und im Stillstand. Dann entweicht die Druckluft durch Leckagen, und Heizungen halten Temperatur für nichts. Der Hallenzähler allein reicht nicht, messen Sie pro Linie und legen Sie den Verbrauch über den Maschinenzustand. Fordern Sie bei Neumaschinen einen Standby-Modus und die Verbrauchsdaten über die Schnittstelle. Legen Sie fest, wer die Werte regelmäßig ansieht, sonst sammelt das System nur Daten. Wenn ein neuer Zähler läuft, schaue ich zuerst, was er am Sonntagmorgen anzeigt. Ist der Wert niedrig, ist die Anlage sauber abgeschaltet. Bei einem hohen Wert hat man gleich die Liste der Verdächtigen.

Engpass

Kennzahlen

Station, die den Durchsatz des Gesamtsystems begrenzt. Eine Linie produziert nur so viel, wie ihr langsamster Teil durchlässt. Diesen Zusammenhang beschreibt die Engpasstheorie nach Goldratt. Verbesserungen an einer Station außerhalb des Engpasses erhöhen den Ausstoß der Linie deshalb nicht. Zuerst wird der Engpass über Stillstandsdaten, Staubeobachtung und Taktzeiten gefunden und dann gezielt entlastet. Danach wandert der Engpass an eine andere Station, und die Untersuchung beginnt erneut. Ein Engpass kann eine Maschine sein, ebenso die Materialversorgung, ein Prüfplatz oder die Schichtbesetzung.

Aus der Praxis

Der Effizienztag beginnt mit der Engpasssuche. Man schaut, wo sich Ware staut, wo die nächste Maschine wartet und welche Station die Linie am häufigsten stoppt. Stillstandsdaten aus dem MES reichen oft, sonst genügt eine Stoppuhr und eine Schicht Geduld. Danach wird der Engpass entlastet, und zwar dort, wo er sitzt. Puffer davor und dahinter prüfen, Rüsten am Engpass kurz halten, Pausen und Schichtübergabe so legen, dass er nie leer läuft. Eine Minute Stillstand am Engpass ist eine verlorene Minute für die ganze Linie. Dann messen Sie noch einmal, denn der Engpass wandert. Ich schaue zuerst, wo Ware wartet, und erst danach in die Auswertung. Ein Stau sagt oft mehr als ein Diagramm.

Entscheidungsvorlage

Projektleitung & CAPEX

Schriftliche Unterlage, die eine anstehende Entscheidung so aufbereitet, dass das zuständige Gremium oder die zuständige Führungskraft ohne lange Rückfragen entscheiden kann. Sie beschreibt Ausgangslage und Anlass, die offene Frage, die geprüften Alternativen mit Kosten, Terminwirkung und Risiken sowie eine begründete Empfehlung. Am Ende steht ein konkreter Beschlussvorschlag mit Frist. Entscheidungsvorlagen entstehen vor allem für den Lenkungsausschuss, für die Freigabe eines Investitionsantrags, für Nachträge und Change Requests sowie für die Lieferantenauswahl. Üblich ist ein Umfang von wenigen Seiten, Berechnungen und Angebotsvergleiche stehen im Anhang. Die getroffene Entscheidung wird mit Datum auf der Vorlage oder im Protokoll festgehalten.

Aus der Praxis

Wer eine Entscheidung will, muss sie dem Gremium leicht machen. Schreiben Sie die Frage und Ihre Empfehlung ganz oben auf die erste Seite, und zwar so, dass man mit Ja oder Nein antworten kann. Die Herleitung kommt danach. Viele Vorlagen machen es umgekehrt und verstecken die Empfehlung auf Seite sieben. Bieten Sie echte Alternativen an. Eine gute Lösung neben zwei offensichtlich unbrauchbaren merkt jede Geschäftsführung sofort, und dann wird über Ihre Glaubwürdigkeit diskutiert statt über die Sache. Hinein gehört auch die Variante Nichtstun mit ihren Folgen. Schreiben Sie dazu auf, was eine Vertagung kostet. Geht die Bestellung ein paar Wochen später raus, verschiebt sich oft die Lieferung, und der Umbau passt nicht mehr ins geplante Stillstandsfenster.

ERP

Digitalisierung & KI

Enterprise Resource Planning, betriebswirtschaftliche Software, die die Geschäftsprozesse auf einer gemeinsamen Datenbasis abbildet. Typische Module sind Einkauf, Materialwirtschaft, Produktionsplanung, Vertrieb, Finanzbuchhaltung und Controlling, oft auch Instandhaltung. Grundlage sind Stammdaten wie Materialien, Stücklisten, Arbeitspläne, Lieferanten und Kunden. In der Produktion erzeugt das ERP aus Kundenaufträgen und Beständen den Materialbedarf und die Fertigungsaufträge. Im Ebenenmodell nach ISA-95 liegt es auf der Unternehmensebene oberhalb des MES. Es plant eher in Tagen und Wochen, das MES steuert und erfasst die Fertigung zeitnah an der Linie. Bei Investitionsprojekten laufen Bestellungen, Budgetüberwachung und die Aktivierung der Anlage über das ERP.

Aus der Praxis

Meist taucht das ERP im Projekt erst bei der Übergabe auf, und dann ist es spät. Die neue Anlage braucht eine Anlagennummer, Equipment-Stammdaten, Wartungspläne und vor allem Materialnummern für die Ersatzteile. Fehlen die, kann die Instandhaltung beim ersten Störfall nichts bestellen, und der Monteur des Lieferanten ist schon abgereist. Verlangen Sie die Ersatzteilliste deshalb früh und in einem Format, das sich importieren lässt, mit Herstellerbezeichnung und Herstellerteilenummer. Rechnen Sie für das Anlegen der Stammdaten Zeit ein. Das macht keiner nebenbei. Ähnlich ist es bei neuen Formaten oder Produkten. Ohne Stückliste und Arbeitsplan im ERP gibt es keinen Fertigungsauftrag, und ohne Fertigungsauftrag kann die Linie zwar laufen, aber nichts davon wird gebucht.

ERP-MES-Schnittstelle

Digitalisierung & KI

Datenverbindung zwischen ERP und MES, über die Aufträge und Stammdaten in die Produktion und Rückmeldungen zurück ins ERP gelangen. Vom ERP zum MES gehen Fertigungsaufträge mit Material, Menge, Termin, Stückliste oder Rezeptur und Chargenvorgaben. Zurück kommen Gutmenge, Ausschuss, Materialverbrauch, verwendete Chargen, Zeiten und Auftragsstatus. Technisch läuft sie meist über Webservices oder eine Middleware. ISA-95, international als IEC 62264 genormt, beschreibt die auszutauschenden Informationen. Eine Schnittstellenbeschreibung legt fest, welche Daten zu welchem Anlass übertragen werden, welches System für welches Datum führt und wie Übertragungsfehler behandelt werden. Abzugrenzen ist sie von der Maschinenanbindung an das MES, etwa über OPC UA oder PackML.

Aus der Praxis

Die Schnittstelle wird gern als IT-Thema behandelt, bis die Linie steht. Ist das ERP nachts nicht erreichbar und kommt kein Auftrag ins MES, fehlen der Linie Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum für den Drucker, und die Schicht wartet. Klären Sie deshalb einen Notbetrieb, etwa einen Vorrat an freigegebenen Aufträgen im MES oder eine manuelle Auftragsanlage mit späterem Nachbuchen. Ein Klassiker sind Einheiten. Das ERP rechnet in Kartons, das MES zählt Packungen, und am Monatsende passt der Bestand nicht. Ich lasse für jedes Feld festschreiben, welches System führt und in welcher Einheit übertragen wird. Testen Sie die Schnittstelle vor dem SAT mit echten Aufträgen, auch mit den unschönen Fällen wie Auftragsabbruch, Teilrückmeldung und Storno. Die kommen im Betrieb schneller, als man denkt.

Ersatzteilpaket

Kaufmännisches

Empfohlene Erstbevorratung kritischer Teile, die mit der Anlage geliefert wird. Der Hersteller schlägt sie meist als Liste mit Positionen, Mengen und Preisen vor. Sie enthält Verschleißteile, Teile mit langer Lieferzeit und Teile, deren Ausfall die Linie stoppt. Mit der Anlage verhandelt, sind Ersatzteile in der Regel günstiger, als wenn sie später einzeln bestellt werden. Das Paket wird gegen die Ausfallrisiko-Analyse der Anlage geprüft und weder ungesehen gekauft noch gestrichen. Die Auswahl hängt von Lieferzeit, Wiederbeschaffbarkeit und Ausfallwirkung ab und gehört zur Ersatzteilstrategie des Betreibers.

Aus der Praxis

Ins Erstpaket gehören Verschleißteile mit kurzer Lebensdauer wie Messer, Siegelbänder und Riemen, außerdem Teile mit langer Lieferzeit wie Sondermotoren und Teile, deren Ausfall die Linie stoppt. Was der Instandhalter in zwei Stunden aus dem Katalog bestellen kann, gehört nicht hinein. Lassen Sie das Paket mit Ausfallwirkung und Lieferzeit je Position begründen. Dann wird aus der Preisliste eine Risikoentscheidung. Ich gleiche die Liste außerdem mit dem ab, was im Werk an Normteilen und Motoren schon im Regal liegt. Vieles muss dann nicht doppelt gekauft werden. Fragen Sie auch, ob der Hersteller die Teile bis zur Abnahme einlagert oder erst bei Bestellung beschafft.

Ersatzteilstrategie

Projektleitung & CAPEX

Systematische Festlegung, welche Ersatzteile in welcher Menge im Haus liegen, welche der Lieferant vorhält und welche erst bei Bedarf beschafft werden. Grundlage sind Ausfallrisiko, Lieferzeit und die Folgen eines Stillstands. Die Teile werden nach Verschleiß, Kritikalität und Lieferzeit klassifiziert. Verschleißteile werden anders bewertet als Teile, die selten und dann überraschend ausfallen. Auch ein Konsignationslager beim Lieferanten und Ersatzteilpakete zur Inbetriebnahme gehören zur Strategie.

Aus der Praxis

Bewerten Sie jedes Teil nach zwei Kriterien, nämlich Ausfallwahrscheinlichkeit und Beschaffungsdauer. Teile mit langer Lieferzeit und hohem Stillstandsrisiko gehören ins eigene Lager, auch wenn sie teuer sind. Ein Servoregler mit Monaten Lieferzeit kostet im Regal weniger als ein Wochenende Stillstand. Teile, die beim Händler um die Ecke zu haben sind, brauchen dagegen keinen Lagerplatz. Ich verlange vom Lieferanten eine klassifizierte Ersatzteilliste mit Lieferzeiten und mache sie zum Bestandteil der Abnahme. Dazu gehört die Auskunft, welche Teile er selbst vorhält und wie schnell er sie liefert. Nach einem Jahr Betrieb schauen Sie in die Verbrauchszahlen und gleichen die Liste an, denn die Prognose des Lieferanten ist nur eine Schätzung.

Eskalation

Projektleitung & CAPEX

Geordnetes Hochziehen ungelöster Konflikte auf die nächste Entscheidungsebene, mit Stufen, Fristen und Form, die im Vertrag festgelegt sind. Üblich sind drei Stufen, vom Projektleiter über den Bereichsleiter bis zur Geschäftsführung. Für jede Stufe gilt eine Frist, nach deren Ablauf der Fall weitergereicht wird, und die Meldung erfolgt schriftlich mit Sachstand und Lösungsvorschlag. Die Eskalation ist ein vereinbartes Werkzeug der Projektsteuerung. Probleme, die auf Arbeitsebene wochenlang kreisen, löst ein Telefonat zwischen den Geschäftsführern oft in kurzer Zeit. Die Regel steht im Vertrag oder im Projekthandbuch und wird im Kick-off vorgestellt.

Aus der Praxis

Eine Eskalationsregel taugt nur, wenn sie vorher auf dem Tisch lag. Beide Vertragsseiten müssen sie kennen und den Schritt als verabredetes Werkzeug verstehen, sonst gilt schon die erste Eskalation als Angriff. Die Fristen sollten zum Terminplan passen. Braucht jede Stufe mehrere Tage und hat der kritische Pfad kaum Puffer, kommt die Entscheidung zu spät. Tragen Sie die Ansprechpartner der oberen Stufen mit Namen in den Vertrag ein, sonst beginnt die Suche erst im Streitfall. Bereiten Sie die Meldung auf einem Blatt vor, mit Sachstand, bisherigen Zusagen und dem, was Sie von der oberen Ebene brauchen. Externe Projektleiter nutzen die Regel bewusst, um Blockaden ohne persönlichen Konflikt zu lösen, denn die Forderung kommt dann von der Ebene darüber und nicht von dem, der täglich mit dem Lieferanten am Tisch sitzt.

EtherCAT

Automatisierung & Robotik

Ethernet-basierter Feldbus mit sehr kurzen Zykluszeiten, entwickelt von Beckhoff und heute von der EtherCAT Technology Group weitergepflegt. Der Master sendet ein Telegramm, das durch alle Teilnehmer läuft. Jeder Teilnehmer liest seine Daten im Durchlauf und schreibt seine Antwort in dasselbe Telegramm. So bleiben die Zyklen kurz, und über verteilte Uhren laufen die Achsen zeitlich synchron. Verbreitet ist EtherCAT bei hochdynamischen Verpackungsmaschinen mit vielen Servoachsen. Wie bei PROFINET muss die Buswelt der Maschine zur Instandhaltungskompetenz des Werks passen.

Aus der Praxis

EtherCAT hat bei Maschinen mit vielen Servoachsen und schnellen Regelkreisen die Nase vorn. PROFINET passt dort, wo Siemens-Standard und Werksinstandhaltung zusammenpassen. Gemischte Landschaften laufen über Gateways, kosten aber Engineering und Diagnosekomfort. Ich schreibe deshalb ins Lastenheft die bevorzugte Steuerung und den bevorzugten Bus und lasse Abweichungen begründen. Der Lieferant hat oft gute Gründe, aber Sie brauchen die Servicefähigkeit über Jahre. Fragen Sie auch nach der Topologie, denn in einer reinen Linienstruktur fällt alles hinter einem gezogenen Stecker aus. Lassen Sie sich außerdem die Netzwerkkonfiguration als Datei geben, denn der Schaltplan allein reicht nicht.

Etikettenkontrolle

Qualität & Sicherheit

Inline-Prüfung, ob das richtige Etikett vorhanden, korrekt positioniert und unbeschädigt ist. Die Verfahren reichen von einfachen Sensoren für die Anwesenheit über Barcodescanner zur Identitätsprüfung bis zu Kamerasystemen, die Lage, Schräglauf, Falten und Aufdruck bewerten. Die Prüfstelle sitzt hinter dem Etikettierer, fehlerhafte Packungen werden ausgeschleust. Die Kontrolle dient dem Kennzeichnungsrecht, der Rückverfolgbarkeit und den Kundenanforderungen. Chargen- und Datumsaufdrucke werden bei Bedarf zusätzlich mit einer Code-Verifizierung geprüft.

Aus der Praxis

Beginnen Sie mit der Frage, welcher Fehler wirklich teuer wird: das falsche Etikett mit Rückruf, das fehlende mit Reklamation oder das schiefe, das nur die Optik stört. Ein Barcodescanner nach dem Etikettierer verhindert den Rückruf bei geringen Kosten. Kamerasysteme für Lage und Faltenbildung sind aufwendiger und brauchen Toleranzen, die mit dem Kunden abgestimmt sind, sonst produzieren Sie Pseudoausschuss. Ich würde die Kamera erst nehmen, wenn der Scanner nicht mehr reicht. Prüfen Sie beim Formatwechsel die Sollvorgabe, denn sonst wird das Etikett für Format A gnadenlos gegen den Sollwert von Format B geprüft. Und klären Sie vorab, wer nach einem Fehlalarm freigibt.

Etikettenmaterial

Verpackungstechnik

Obermaterial eines Selbstklebeetiketts, das Bedruckbarkeit, Optik und Beständigkeit bestimmt. Gängige Werkstoffe sind Papier (gestrichen, ungestrichen oder thermosensitiv für den Thermodirektdruck), PP-Folie für Klarheit und Feuchtebeständigkeit, PE-Folie für flexible Quetschflaschen und PET für Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit. Papier ist meist günstiger, Folie ist reißfester und nässebeständiger. Zusammen mit dem Haftklebstoff und dem Trägermaterial (Liner) bildet das Obermaterial das Etikettenlaminat. Dicke, Steifigkeit und Oberfläche bestimmen, wie sich das Etikett spenden lässt und wie es sich an eine Rundung anlegt.

Aus der Praxis

Jedes Material hat seinen Einsatz und seine Grenzen. Papieretiketten weichen im Kühlhaus durch und reißen, PP-Etiketten schrumpfen auf warmen Flaschen, PE-Etiketten dehnen sich beim Spenden. Thermopapier verblasst bei Wärme und Licht, und das merken Sie spätestens, wenn der Barcode nach ein paar Wochen nicht mehr liest. Testen Sie das Etikett deshalb auf dem echten Behälter unter echten Bedingungen: nass, kalt, nach Wochen. Auf engen Radien stellt sich ein zu steifes Material an den Kanten auf. Wer das Material wechselt, muss Spendekante, Trägerabzug, Drucktemperatur und Farbband des Thermotransferdruckers gleich mit anpassen. Sonst läuft der Etikettierer danach unruhig.

Etikettierer

Verpackungstechnik

Maschine, die Etiketten auf Behälter oder Packungen aufbringt. Je nach Verfahren kommen Selbstklebeetiketten vom Trägerband, Nassleimetiketten aus dem Magazin oder Rollfed-Etiketten zum Einsatz, die von der Rolle geschnitten und mit Hotmelt aufgebracht werden. Selbstklebeetiketten laufen über eine Spendekante, Nassleim und Rollfed sitzen meist an schnellen Getränkelinien, oft an einem Rundläufer. Anforderungen sind Genauigkeit, kurze Umstellzeiten und Etikettenkontrolle, also richtige Sorte, richtige Position und lesbarer Code. Für wechselnde Daten wie eine Chargennummer gibt es Print-and-Apply-Systeme, die das Etikett erst in der Maschine bedrucken.

Aus der Praxis

Beim Vergleich zählt, was die Maschine mit Ihrem echten Behälter schafft, und nicht der Prospektwert. Fragen Sie nach der Etikettiergenauigkeit in Millimetern und lassen Sie sich zeigen, wie der Rollenwechsel im Betrieb läuft, zum Beispiel mit Doppelabroller. Die Etikettenkontrolle per Kamera sollte falsche Sorte und Versatz erkennen. Häufige Störquellen sind elektrostatische Aufladung, die Etiketten falsch spendet, Rollen mit falscher Wickelrichtung oder falscher Sorte und Behälter, die in der Toleranz schwanken. Kommen die Flaschen nass oder beschlagen aus dem Füller, hilft auch die beste Maschine wenig. Bei Rollfed an Getränkelinien entscheiden Leimauftrag und Folienqualität über das Ergebnis.

Euro-Palette / H1

Intralogistik

Standardisierte Ladungsträger. Die Euro-Palette misst 1.200 × 800 mm und ist als Holzpalette im Tauschsystem der Regelfall. Für Lebensmittel- und Pharmabereiche gibt es die H1-Hygienepalette aus Kunststoff, meist im selben Euro-Format. Kennwerte sind Maßhaltigkeit, Zustand von Brettern und Kufen sowie Tragfähigkeit. Tauschfähige Euro-Paletten tragen das Kennzeichen des Tauschsystems. Die Vielfalt an Ladungsträgern im Werk ist ein stiller Kostentreiber, denn jede zusätzliche Sorte braucht Handling, Fläche und Verwaltung.

Aus der Praxis

Für Automatisierung zählt die Palettenqualität. Gebrochene Bretter, überstehende Nägel und verzogene Kufen führen zu Störungen an Fördertechnik, Palettierern und im Lager. Eine Palettenkontrolle am Wareneingang oder vor dem Hochregallager spart Stillstände. H1-Paletten sind teurer, dafür maßhaltig und hygienisch, und in Lebensmittelwerken oft die bessere Wahl für interne Kreisläufe. Legen Sie fest, wer eine kaputte Tauschpalette aussortiert und wohin sie kommt. Sonst läuft sie nach drei Tagen wieder durch die Anlage, besonders nachts, wenn keiner genau hinsieht. Kunststoff gleitet auf Rollenbahnen und an Anschlägen anders als Holz, das zeigt sich erst im Probelauf.

EVOH (Barriereschicht)

Verpackungstechnik

Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer, eine dünne Zwischenschicht in Mehrschichtfolien und Bechern mit sehr guter Sauerstoff- und Aromabarriere. Gegen Wasserdampf sperrt EVOH kaum und verliert bei Feuchte selbst an Barrierewirkung. Deshalb wird es zwischen PE- oder PP-Schichten eingebettet, die über Haftvermittlerschichten verbunden sind. Hergestellt wird der Verbund häufig durch Coextrusion. So entstehen Barriereverpackungen auf Polyolefinbasis, die bei geringem EVOH-Anteil als recyclingfähiges Mono-Material eingestuft werden können. Die Sauerstoffdurchlässigkeit (OTR) wird bei definierter Temperatur und Luftfeuchte angegeben.

Aus der Praxis

EVOH macht aus einer PE-Folie eine Barrierefolie, aber nur, solange die Schicht trocken bleibt. Feuchte im Verbund oder Feuchtekontakt bei Heißabfüllung und Sterilisation lässt die Sauerstoffbarriere zeitweise einbrechen. Fragen Sie den Lieferanten nach der Barriere unter realer Feuchte und lassen Sie sich nicht mit dem Messwert im Trockenen abspeisen. Beim Tiefziehen wird die dünne Schicht mit gedehnt und in Ecken und Kanten noch dünner, prüfen Sie also die fertige Schale und nicht allein die Folie. Ich frage außerdem immer nach dem EVOH-Anteil, denn der entscheidet mit über die Einstufung der Recyclingfähigkeit, und die klärt man besser vor der Bestellung als danach.

Expediting (Terminverfolgung)

Projektleitung & CAPEX

Aktive Überwachung des Fortschritts beim Lieferanten zwischen Bestellung und Lieferung, mit dem Ziel, vereinbarte Termine zu halten und Verzug früh zu erkennen. Der Expeditor fragt regelmäßig den Stand ab, gleicht ihn mit dem Terminplan des Lieferanten ab und verfolgt Zwischenmeilensteine wie Zeichnungsfreigabe, Materialbestellung, Fertigungsbeginn, Montage und FAT. Unterschieden werden Desk Expediting aus dem Büro und Shop Expediting mit Besuchen in der Werkstatt des Lieferanten. Besonders beobachtet werden Teile mit langer Lieferzeit und Unterlieferanten. Von der Qualitätsprüfung beim Lieferanten ist Expediting abzugrenzen, im Anlagenbau werden beide aber oft kombiniert. Die Ergebnisse fließen in die Meilensteintrendanalyse und den Projektstatusbericht ein.

Aus der Praxis

Die Frage, ob alles im Plan ist, beantworten Lieferanten gern mit Ja, bis kurz vor dem Liefertermin. Fragen Sie deshalb nach Belegen. Fotos vom Baustand, Auftragsbestätigungen der Unterlieferanten und bestätigte Termine für Teile mit langer Lieferzeit sagen mehr als jede grüne Ampel im Statusbericht. Eng wird es häufig bei zugekauften Komponenten, etwa beim Schaltschrank oder bei einem Roboter, der später kommt als gedacht. Fahren Sie hin, wenn viel am Termin hängt. Steht wenige Wochen vor dem FAT noch kein Gestell in der Werkstatt, wissen Sie mehr als nach zehn Telefonaten. Halten Sie jede Terminzusage schriftlich und mit Datum fest. Sonst weiß später keiner mehr, wer wann was versprochen hat.

EXW

Kaufmännisches

Incoterms-Klausel, nach der der Verkäufer die Ware zur Abholung im eigenen Werk oder an einem anderen benannten Ort bereitstellt. Der Käufer holt sie ab und trägt von dort an alle Kosten und Risiken: Verladung, Transport, Versicherung, Ausfuhr- und Einfuhrabfertigung, Zoll und Abladung. Die Gefahr geht über, sobald die Ware zur Abholung bereitsteht, noch vor dem Verladen. Der Verkäufer erledigt weder Transport noch Ausfuhrabfertigung. EXW ist die für den Verkäufer bequemste und für den Käufer aufwendigste Klausel.

Aus der Praxis

EXW klingt günstig, verschiebt aber Aufwand und Risiko vollständig auf den Käufer. Er organisiert Spedition, Verzollung bei Importen, Transportversicherung und die Abladung. Bei Maschinen aus dem Ausland kommen Zollformalitäten und Vorsteuerfragen dazu. Für den Angebotsvergleich rechnen Sie EXW-Angebote auf DAP-Basis hoch, erst dann sind sie mit inländischen Angeboten vergleichbar. Holen Sie dazu Speditionsangebote ein und fragen Sie, wer die Maschine verlädt und sichert. Ladungssicherung und Verladeschäden werden gern übersehen. Die Vorsteuerfragen klären Sie mit dem Steuerberater vor der Bestellung und nicht erst nach dem Zollbescheid.

F

Fallprüfung

Qualität & Sicherheit

Prüfung, bei der ein Versandstück aus definierter Höhe auf Flächen, Kanten und Ecken fallen gelassen wird, um Schutzwirkung und Verpackungsintegrität zu bewerten. Sie ist unter anderem in DIN EN ISO 2248 genormt und Bestandteil der ISTA-Prüfabläufe. Fallhöhe und Reihenfolge richten sich nach Gewicht und Versandweg. Die Proben werden vorher klimatisiert, denn Wellpappe verhält sich je nach Feuchte anders. Bewertet werden Beschädigungen an Packmittel, Verschluss und Produkt sowie ein Austreten des Inhalts.

Aus der Praxis

Die Fallprüfung deckt Schwächen auf, die auf dem Papier nicht sichtbar sind: zu geringe Polsterung an Ecken, Produkte, die im Karton wandern, Verschlüsse, die beim Kantenfall aufspringen. Prüfen Sie immer mit Serienprodukt und Serienpackmittel, nicht mit Handmustern. Wer für den Paketversand liefert, sollte mit realistischen Fallhöhen und Mehrfachfällen rechnen, ein einzelner Bodenfall sagt wenig über die letzte Meile aus. Testen Sie auch einmal einen Karton aus dem Kühlhaus oder aus feuchter Lagerung, er fällt anders als der trockene aus dem Büro. Fotografieren Sie jeden Schaden und halten Sie fest, welche Verpackungsvariante geprüft wurde, sonst wiederholen Sie den Test beim nächsten Packmittelwechsel von vorn.

Faltschachtel

Verpackungstechnik

Aus Karton gestanzter und gerillter Zuschnitt, der beim Hersteller an der Klebelasche verklebt, flach angeliefert und auf der Linie aufgerichtet wird. Gängige Bauarten sind die Steckfaltschachtel, die Schachtel mit Klappdeckel und die Schachtel mit Automatikboden, der beim Aufrichten selbst einrastet. Werkstoff ist meist Faltschachtelkarton, gedruckt, lackiert oder kaschiert. Kartonqualität, Rillung, Laufrichtung und Klimalagerung beeinflussen die Maschinengängigkeit stark, denn viele vermeintliche Maschinenprobleme sind in Wahrheit Packmittelprobleme.

Aus der Praxis

Kartonqualität ist eine Spezifikationsfrage. Grammatur, Rillung, Feuchtegehalt und Lagerbedingungen bestimmen, wie zuverlässig ein Kartonierer aufrichtet. Schwankende Lieferqualität gehört zu den häufigsten Ursachen für Kurzstillstände. Wandern die Zuschnitte im Winter direkt vom kalten Lkw ins Magazin oder lagen sie lange gepresst im Stapel, öffnen sie sich schlechter, und die Schicht schimpft auf die Maschine. Vereinbaren Sie mit dem Packmittellieferanten Toleranzen und prüfen Sie im Wareneingang auch die Klebenaht, denn eine offene oder schiefe Klebelasche stoppt jeden Aufrichter. Ich lasse beim FAT mit Originalzuschnitten aus mehreren Chargen fahren und nicht mit den glatten Mustern des Maschinenherstellers, denn die laufen immer.

Mehrlagiger Karton für Faltschachteln. Üblich sind zwei Sorten: GC (Chromokarton) aus Frischfaser mit gestrichener Oberfläche und heller Rückseite sowie GD (Duplexkarton) auf Altpapierbasis mit grauer Rückseite. Kennwerte sind Flächengewicht, Dicke, Biegesteifigkeit und Rillbarkeit. Die Biegesteifigkeit wächst mit der Dicke deutlich stärker als mit dem Gewicht und unterscheidet sich in Lauf- und Querrichtung. GC wird für Lebensmittel mit Direktkontakt und hochwertige Druckbilder bevorzugt, GD dort, wo der Preis zählt und die graue Rückseite nicht stört.

Aus der Praxis

Der Wechsel von GC auf GD spart Geld, kostet aber Biegesteifigkeit bei gleicher Grammatur. Kartonierer mit hoher Taktzahl danken es mit Aufrichtfehlern und offenen Laschen. Legen Sie in der Spezifikation deshalb neben der Sorte auch Grammatur, Dicke und Steifigkeit in beiden Richtungen fest, und tragen Sie die Laufrichtung ein, denn Zuschnitte mit ungünstiger Laufrichtung rillen und falten schlechter. Bei Recyclingkarton im Lebensmittelbereich gehört außerdem die Frage nach der Migration von Mineralölbestandteilen auf den Tisch. Lassen Sie jede Kartonumstellung im Maschinenlauf freigeben, bevor der Einkauf den Rahmenvertrag unterschreibt. Danach ist der Preis fixiert und die Maschine nicht.

FAT

Projektleitung & CAPEX

Abnahmetest der Maschine beim Hersteller vor der Auslieferung (Factory Acceptance Test). Geprüft werden Leistungsdaten, Funktionen, Sicherheitseinrichtungen und Dokumentation gegen Pflichtenheft und Bestellung, nach einem vorab abgestimmten Prüfplan. Vor dem FAT liegt oft eine Vorabnahme (Pre-FAT) beim Lieferanten, nach dem Transport folgen der Site Acceptance Test (SAT) und der Leistungsnachweis. Die Abnahme im vertraglichen Sinn steht meist erst am Ende dieser Kette, nach Aufstellung und Inbetriebnahme beim Betreiber. Mängel, die im FAT gefunden werden, kosten einen Bruchteil dessen, was sie nach der Installation kosten.

Aus der Praxis

Der FAT sollte mit Originalprodukt, Originalpackmitteln und dem späteren Bedienpersonal stattfinden. Mit Dummyware und Testkartons läuft jede Maschine. Der Prüfplan mit Leistungslauf, Formatwechsel, Störungsszenarien, Sicherheitsfunktionen und Dokumentationsprüfung wird vorher abgestimmt, nicht am Morgen des Tests. Lassen Sie Ihre Bediener die Formatwechsel selbst machen und eine Störung absichtlich auslösen, etwa einen Packmittelstau. Gefundene Mängel kommen in eine Restpunkteliste mit Frist und Namen. Die Freigabe zum Versand ist keine Abnahme, auch wenn der Lieferant den Lkw schon bestellt hat. Wer beim FAT nur zuschaut, verschenkt die günstigste Prüfgelegenheit im ganzen Projekt.

FEFCO

Verpackungstechnik

Fédération Européenne des Fabricants de Carton Ondulé, der europäische Verband der Wellpappenhersteller. Der FEFCO-Code ist ein international verwendetes Nummernsystem für Bauarten von Verpackungen aus Wellpappe, zum Beispiel FEFCO 0201 für die Amerikanische Faltkiste. Die ersten beiden Ziffern bezeichnen die Gruppe, 02 steht für Faltkisten und 03 für Teleskopverpackungen. Faltschachteln aus Vollkarton werden nach einem eigenen System beschrieben. In Lastenheften für Kartonaufrichter und Kartonverschließer wird die Bauart üblicherweise als FEFCO-Code angegeben, die Abmessungen als Innenmaß.

Aus der Praxis

Die FEFCO-Nummer sagt, wie der Karton gebaut ist, und nichts darüber, wie gut er ist. Für die Maschinengängigkeit zählen Rillung, Grammatur, Wellenart und Toleranzen, und die gehören in die Packmittelspezifikation. Ein Lieferantenwechsel mit gleicher FEFCO-Nummer ist eine typische Ursache für plötzliche Störungen am Kartonaufrichter. Dieselbe Bauart liegt dann im Magazin, aber die Rillung ist anders ausgeführt oder die Wellpappe ist weicher. Nehmen Sie einen neuen Lieferanten erst ins Boot, wenn sein Karton im Maschinenlauf bestanden hat. Legen Sie Mindestwerte für den Kantenstauchwiderstand fest, damit sich gleichwertig prüfen lässt. Und schreiben Sie in die Bestellung zur Nummer auch Wellenart und Papiersorte.

Planungsstufe, die freigegebene Fertigungsaufträge auf einzelne Linien oder Maschinen verteilt und ihre Reihenfolge sowie Beginn und Ende festlegt. Sie folgt auf die Grobplanung im ERP, die Mengen nach Wochen oder Tagen gegen Kapazitäten abgleicht, und plant auf Schichten und Stunden genau. Berücksichtigt werden verfügbare Kapazität, Schichtmodell, Rüstzeiten, Materialverfügbarkeit, Personal und geplante Wartungsfenster. In Lebensmittel- und Verpackungsbetrieben hängt die Reihenfolge oft von Allergenen, Farben oder Rezepturen ab, die in einer Rüstmatrix hinterlegt sind. Feinplanung läuft in einem eigenen Planungssystem (APS, Advanced Planning and Scheduling), im MES oder ganz klassisch auf einer Plantafel. Das Ergebnis ist ein Belegungsplan je Linie.

Aus der Praxis

Die schönste Plantafel hält meistens bis zur ersten größeren Störung. Steht am Dienstagvormittag der Kartonierer, ist der Plan für den Rest der Woche Makulatur. Dann zeigt sich, ob jemand ihn schnell umbauen kann oder ob die Schichtführer auf eigene Faust umplanen. Planen Sie mit der Leistung, die die Linie im Schnitt wirklich schafft, und nicht mit der Nennleistung aus dem Datenblatt. Sonst ist jeder Plan von Anfang an zu sportlich, und die Lücke fällt am Freitag in der Spätschicht auf. Die Rüstreihenfolge bringt oft mehr als jede Software. Von hell nach dunkel, von allergenfrei zu allergenhaltig, das weiß jeder Linienführer, und trotzdem gehört es in eine Rüstmatrix, die auch der Planer sieht. Liegt die ganze Feinplanung in einer Tabelle auf dem Rechner eines einzigen Kollegen, fragen Sie ruhig einmal, was im Urlaub passiert.

Feldbus

Automatisierung & Robotik

Digitales Kommunikationsnetz zwischen Steuerung, Antrieben, Sensoren und Bedienpanels, das die frühere Einzelverdrahtung jedes Signals durch ein gemeinsames Kabel ersetzt. Beispiele sind PROFINET, EtherCAT, PROFIBUS oder IO-Link auf der untersten Ebene. PROFINET und EtherCAT beruhen auf Ethernet, PROFIBUS auf einer älteren seriellen Technik. Jeder Teilnehmer hat eine Adresse, und die Steuerung tauscht in festen Zyklen Prozessdaten mit ihm aus. Dazu kommen Diagnosedaten, über die sich Fehler an einzelnen Teilnehmern eingrenzen lassen. Sicherheitsfunktionen laufen entweder über getrennte Leitungen oder über sicherheitsgerichtete Busprotokolle.

Aus der Praxis

Wählen Sie den Feldbus nach Ihrer Instandhaltung. Was Ihre Elektriker kennen und wofür Ersatzteile im Haus liegen, ist der bessere Standard, auch wenn der Lieferant einen anderen bevorzugt. Bei Linien aus mehreren Maschinen legt die Schnittstellenliste fest, welche Signale über den Bus und welche fest verdrahtet laufen. Not-Halt-Ketten gehören sicher ausgeführt. Fragen Sie bei jeder Maschine, welche Diagnosewerkzeuge nötig sind und ob die Lizenz dafür im Lieferumfang steckt. Nachts um drei hilft eine Busdiagnose nur, wenn jemand sie öffnen kann. Lassen Sie sich außerdem die Adressliste mit allen Teilnehmern und Stationsnamen geben, sonst beginnt jeder Tausch mit der Suche, welcher Teilnehmer welcher ist.

Fernwartung

Automatisierung & Robotik

Zugriff des Herstellers oder Integrators auf die Maschinensteuerung über eine gesicherte Verbindung. Technisch läuft sie meist über einen Industrierouter oder ein Gateway an der Maschine, das einen verschlüsselten Tunnel (VPN) zum Servicezentrum aufbaut. Damit lassen sich Störungen analysieren, Parameter prüfen und Software einspielen, ohne dass ein Techniker anreisen muss. Das beschleunigt die Störungsbehebung stark und spart Serviceeinsätze. Der Zugriff darf nur über freigegebene, protokollierte Kanäle laufen, etwa mit Schlüsselschalter an der Maschine oder VPN mit Freigabe durch den Betreiber. Siehe auch OT-Security.

Aus der Praxis

Vereinbaren Sie im Vertrag, wann Fernwartung genutzt wird, wer sie freigibt, was protokolliert wird und ob Änderungen an der Software dokumentiert werden müssen. Der Zugang läuft über eine Lösung, die der Betreiber kontrolliert: Firewall, VPN mit Freigabe, Schlüsselschalter an der Maschine. Ich lasse mir außerdem zusagen, dass jeder Zugriff vorher angemeldet wird und danach ein gesicherter Stand des Programms vorliegt. Sonst steht plötzlich eine geänderte Software in der Steuerung, und keiner weiß, von wem. Klären Sie auch, wer beim Hersteller überhaupt zugreifen darf. Fernwartung ersetzt keinen Servicevertrag, senkt aber Reaktionszeiten und Reisekosten deutlich. Bei Fehlern mit mechanischer Ursache braucht es trotzdem jemanden vor Ort.

Fertigpackungsverordnung

Qualität & Sicherheit

Regelt zulässige Füllmengenabweichungen und Kontrollpflichten für Fertigpackungen. Sie geht vom Mittelwertprinzip aus. Die Packungen müssen im Mittel mindestens die angegebene Nennfüllmenge enthalten, einzelne Packungen dürfen sie nur um eine zulässige Minusabweichung unterschreiten. Praktisch umgesetzt wird das über eichfähige Kontrollwaagen mit dokumentierter Stichproben- oder 100-%-Kontrolle. Die Daten daraus dienen zugleich als Grundlage für das Give-away-Management, sie fallen praktisch gratis an. Die Einhaltung wird von der Eichbehörde überwacht.

Aus der Praxis

Für die Linie bedeutet die Verordnung eichfähige Kontrollwaagen, dokumentierte Stichproben oder 100-Prozent-Kontrolle, eine nachvollziehbare Ausschleusung und die Aufbewahrung der Prüfdaten. Die Mittelwertregel erlaubt kleine Minusabweichungen einzelner Packungen, solange der Durchschnitt stimmt. Wer das nutzt, senkt Give-away spürbar. Voraussetzung ist eine Dosierung mit geringer Streuung, sonst muss der Zielwert hoch bleiben. Fragen Sie den Lieferanten nach der Streuung bei Ihrem Produkt und nicht nach der aus dem Prospekt. Eine Füllmengenregelung nach Trend hält den Mittelwert stabil. Zweifelsfälle zur Auslegung klären Sie mit der Eichbehörde, nicht am Stammtisch.

Fertigungsauftrag

Digitalisierung & KI

Interner Auftrag an die Produktion, ein bestimmtes Material in festgelegter Menge zu einem festgelegten Termin herzustellen. Er entsteht meist im ERP aus einem Kundenauftrag oder aus der Bedarfsplanung und übernimmt Stückliste und Arbeitsplan aus den Stammdaten. Nach der Freigabe geht er an die Fertigung, in vielen Betrieben über das MES, das ihn einer Linie zuordnet, an die Maschinen weitergibt und die Rückmeldungen erfasst. Zurückgemeldet werden Gutmenge, Ausschuss, Zeiten, Materialverbrauch und Chargen. Je nach System heißt er auch Produktionsauftrag oder Prozessauftrag. Vom Kundenauftrag unterscheidet er sich dadurch, dass er die interne Herstellung steuert und nicht die Lieferung an den Kunden.

Aus der Praxis

Im ERP sieht der Fertigungsauftrag sauber aus. An der Linie hängt er dann oft als Ausdruck am Schaltschrank, und die Schicht tippt Artikel, Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum von Hand in Drucker und Etikettierer. Ein Zahlendreher im Datum, und eine ganze Palette geht in die Nacharbeit, im schlechteren Fall in den Rückruf. Wenn Sie eine neue Linie planen, legen Sie früh fest, wie der Auftrag an die Maschine kommt und welche Daten automatisch an Kennzeichnung und Etiketten gehen. Das gehört in die Schnittstellenliste und nicht in die Inbetriebnahme. Der zweite Klassiker ist die Rückmeldung. Wird Ausschuss am Schichtende geschätzt statt gezählt, stimmt der Bestand im ERP bald nicht mehr mit dem im Lager überein. Irgendwann bestellt der Einkauf dann Folie nach Zahlen, die mit dem Regal nichts mehr zu tun haben.

Fertigungslinie

Automatisierung & Robotik

Folge von Maschinen und Anlagen, die ein Produkt vom Rohstoff bis zur versandfertigen Einheit herstellen, verbunden durch Fördertechnik, Puffer und eine gemeinsame Steuerung. In der Lebensmittelindustrie umfasst sie die Rohstoffbereitstellung, die Verarbeitung durch Mahlen, Mischen, Kochen oder Backen, das Verpacken durch Abfüllen oder Einschweißen, die Kennzeichnung mit Etikett und Mindesthaltbarkeitsdatum sowie den Transport zu Lager und Versand. Die Verarbeitung richtet sich nach dem Produkt: Eine Linie für Fruchtsaft enthält Saftpresse und Filter, eine Linie für Kekse Backofen und Förderbänder. Den Verpackungsteil nennt man Verpackungslinie.

Aus der Praxis

Eine Linie ist nur so gut wie ihre Verkettung. Puffer, Geschwindigkeitsregelung und ein gemeinsames Bedienkonzept bestimmen die Gesamtverfügbarkeit. Ohne Puffer multiplizieren sich die Verfügbarkeiten der Einzelmaschinen, zwei Maschinen mit je 90 Prozent ergeben rechnerisch nur noch 81 Prozent. Deshalb bringt die schnellste Einzelmaschine wenig, wenn dahinter alles steht. Bei Erweiterungen bestimmen Sie zuerst den Engpass und investieren dann. Benennen Sie außerdem einen Verantwortlichen für die Gesamtlinie, sonst optimiert jeder Lieferant nur seine eigene Maschine. Und prüfen Sie beim Layout, ob die Instandhalter an alle Maschinen herankommen. Eine Linie, die auf dem Plan eng und schön aussieht, ist im Betrieb oft die, an der später keiner mehr etwas tauschen kann.

Festpreis

Kaufmännisches

Preis, der für einen vertraglich definierten Leistungsumfang vereinbart wird und sich unabhängig vom tatsächlichen Aufwand des Auftragnehmers nicht ändert. Das Risiko für Mehraufwand liegt damit beim Auftragnehmer, solange der Umfang gleich bleibt. Voraussetzung ist eine klare Leistungsbeschreibung mit Lastenheft, Liefergrenzen, Abnahmekriterien und einer Aufstellung dessen, was ausgeschlossen ist. Änderungen des Umfangs laufen über Change Requests und Nachträge und werden gesondert vergütet. Bei Abrechnung nach Aufwand oder nach Regiestunden trägt dagegen der Auftraggeber das Mengenrisiko. Ein Festpreis mit Preisgleitklausel ist nur teilweise fest. Für Serienteile bezeichnet Festpreis außerdem einen Stückpreis, der für einen vereinbarten Zeitraum nicht steigt.

Aus der Praxis

Wie viel ein Festpreis wert ist, hängt an der Leistungsbeschreibung dahinter. Jede Lücke im Lastenheft füllt der Lieferant entweder gleich mit einem Aufschlag oder später mit einem Nachtrag. Lesen Sie die Annahmen im Angebot deshalb so aufmerksam wie den Preis. Steht dort, dass Medien bauseits bis an die Maschine gelegt werden, gehört das in Ihr Budget. Spannend wird es bei der Inbetriebnahme. Fehlen Produkt oder Packmittel, oder steht die Linie, weil Ihre eigene Fördertechnik noch nicht läuft, landet die Wartezeit meist als Nachtrag bei Ihnen. Ein Festpreis schützt Sie vor dem Aufwand des Lieferanten, nicht vor Ihrem eigenen. Für kleine, klar umrissene Aufgaben ist er bequem. Bei Umbauten an Bestandsanlagen, deren Zustand keiner genau kennt, wird er schnell teuer, weil der Lieferant das Unbekannte einpreist.

FIFO / FEFO

Intralogistik

Zwei Regeln für die Reihenfolge, in der Ware das Lager verlässt. FIFO steht für First In First Out. Die zuerst eingelagerte Ware wird zuerst entnommen, es zählt das Eingangsdatum. FEFO steht für First Expired First Out. Zuerst geht die Ware mit dem frühesten Verbrauchs- oder Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus, unabhängig vom Tag der Einlagerung. FEFO ist in Lebensmittel- und Pharmabetrieben üblich, FIFO bei Packmitteln, lange haltbaren Rohstoffen und Ersatzteilen. Beide Regeln brauchen eine Bestandsführung je Ladeeinheit, meist im WMS mit Chargenverwaltung. Durchlaufregale arbeiten physisch nach FIFO, Blocklager eher nach LIFO. Verschiedene Ergebnisse liefern die beiden Regeln, sobald Ware mit kürzerer Haltbarkeit nach Ware mit längerer eingeht, etwa bei Retouren.

Aus der Praxis

Im System läuft alles nach FEFO, an der Rampe nach dem kürzesten Weg. Der Staplerfahrer nimmt die Palette, die vorne steht, und im Blocklager steht die älteste nun mal hinten. Wer FEFO ernst meint, muss die Lagerplätze so vergeben, dass die richtige Palette auch greifbar ist, und die Entnahme per Scan prüfen. Denken Sie auch an die Packmittel. Kaltsiegelfolien, Etiketten und Klebstoffe altern ebenfalls und laufen nach langer Lagerung anders auf der Maschine. Bei Kaltsiegelung steht die Lagerfähigkeit auf dem Datenblatt, und die Maschine merkt es oft vor dem System. Gern vergessen wird auch die angebrochene Rolle, die nach dem Formatwechsel ohne Etikett zurück ins Lager geht und dort ganz nach hinten wandert. Bei Handelskunden kommt die geforderte Restlaufzeit bei Anlieferung dazu, die der Vertrieb kennt und das Lager oft nicht.

Flächengewicht (Grammatur)

Verpackungstechnik

Masse eines Papiers, Kartons oder einer Wellpappe je Quadratmeter, angegeben in g/m². Bei Wellpappe ergibt sich das Gesamtflächengewicht aus Decken, Wellenstoff und Klebstoff. Weil der Wellenstoff beim Wellen länger gezogen wird, geht mehr Papier in die Bahn, als die Fläche vermuten lässt. Das Flächengewicht beeinflusst Materialkosten, Festigkeit und das Gewicht der Versandeinheit. Als alleiniger Maßstab für die Stapelfestigkeit taugt es nicht, dafür gibt es Kennwerte wie den Kantenstauchwiderstand (ECT) und den Stauchwiderstand der fertigen Verpackung (BCT).

Aus der Praxis

Einkäufer vergleichen gern nur Grammatur und Preis pro Quadratmeter. Das führt in die Irre, denn ein leichterer Aufbau aus besseren Papieren liefert oft mehr Kantenstauchwiderstand als ein schwerer aus Altpapier. Kaufen Sie Festigkeitswerte und nicht Gewicht. Umgekehrt spart eine geringere Grammatur nur dann Geld, wenn der Stapelfaktor im Lager weiter reicht und die Kartons auf der Linie nicht einknicken. Lassen Sie sich bei einem Angebotsvergleich die Aufbauten offenlegen: Papiersorten, Wellenart und Flächengewicht je Lage. Zwei Angebote mit gleicher Grammatur können sich im Stapelversuch deutlich unterscheiden. Im Wareneingang lohnt eine Stichprobe von Grammatur und Feuchte. Eine Lieferung am unteren Rand der Toleranz verhält sich auf der Linie anders als eine am oberen.

Maschine, die ungeordnet angelieferte Leerflaschen aus Kunststoff aus einem Vorratsbunker vereinzelt, aufrichtet und stehend an die Linie übergibt. Verbreitet ist der Rotationsaufsteller mit Taschen, in denen die Flaschen erkannt und lagerichtig abgesetzt werden. Flaschen, die nicht richtig in eine Tasche fallen, werden ausgeschleust und meist zurück in den Bunker geführt. Dahinter schließt häufig eine Luftförderung an, die die Flaschen am Halsring führt. Der Aufsteller ist die Alternative zur Streckblasmaschine mit direkter Kopplung an den Füller, wenn Flaschen zugekauft werden.

Aus der Praxis

Aufsteller reagieren empfindlich auf die Flaschengeometrie. Leichte, hohe oder unsymmetrische Flaschen kippen, ovale Flaschen verklemmen in den Taschen. Jede Flaschenform ist ein eigenes Format mit eigenen Taschen. Lassen Sie alle Formate beim Hersteller mit Ihren Flaschen testen, auch mit Flaschen aus verschiedenen Lieferungen, damit die echten Toleranzen auftauchen. Achten Sie dann auf die Bunkerkapazität und darauf, wie sich der Bunker beim Formatwechsel leeren lässt. Restflaschen im Bunker kosten Zeit, und leichte Flaschen laden sich gern elektrostatisch auf und bleiben an Führungen hängen. Die Prospektleistung gilt meist für die einfache Flasche. Wie viel der Aufsteller bei Ihrer kleinsten und leichtesten Flasche noch schafft, steht dort nicht.

Flowpack

Verpackungstechnik

Horizontale Schlauchbeutelverpackung. Aus einer Folienbahn wird ein Schlauch geformt, das Produkt läuft liegend hinein, danach werden die Längsnaht und die Quernähte versiegelt und der Beutel abgetrennt. Das Produkt gelangt meist über eine Einlegekette mit Mitnehmern in die Maschine, die Längsnaht ist typischerweise eine Flossennaht. Flowpack ist der Standard für Riegel, Backwaren und Kekse, schnell, materialsparend und gut zu automatisieren. Eine Druckmarkenerkennung hält das Druckbild an der richtigen Stelle, eine Produktkontrolle verhindert Beutel ohne Produkt.

Aus der Praxis

Beim Kauf zählen Folienbreite, Siegelverfahren, Formatbereich, Zuführung und Druckmarkensteuerung. Gesiegelt wird heiß, kalt oder mit Ultraschall, und bei krümelnden Produkten wie Keksen ist Ultraschall oft die Antwort, weil sich damit eher durch Krümel in der Naht siegeln lässt. Anfällig sind Folienlauf, Bahnkantensteuerung und die Querschneidstation. Dazu kommt der Folienrollenwechsel, bei kleinen Rollen steht die Maschine sonst öfter still, als der Prospekt vermuten lässt. Bei Mono-Material-Folien wird das Siegelfenster enger, Temperaturregelung und Geometrie der Siegelbacken müssen dazu passen. Ich bestehe deshalb auf einem Test mit der späteren Folie beim FAT, am besten im Dauerlauf mit dem Originalprodukt.

FMCG

Kaufmännisches

Fast Moving Consumer Goods, schnelldrehende Konsumgüter wie Lebensmittel, Getränke, Kosmetik oder Reinigungsmittel. Sie haben meist niedrige Stückpreise und eine hohe Umschlagshäufigkeit und werden über den Handel verkauft. Der Handel gibt Termine und Verpackungsvorgaben vor. Verpackt wird in hohen Stückzahlen und mit kurzen Taktzeiten, dazu kommen viele Varianten durch Sorten, Größen und Aktionsverpackungen. Verfügbarkeit der Linie, Formatwechselzeiten und Materialkosten bestimmen hier die Wirtschaftlichkeit.

Aus der Praxis

FMCG-Hersteller leben von Geschwindigkeit, Volumen und Handelsvorgaben. Verpackungsprojekte müssen deshalb kurze Formatwechsel, Handelskonformität und hohe Verfügbarkeit liefern, also zum Beispiel Shelf-Ready-Verpackung und GS1-Kennzeichnung ohne Nacharbeit. Wer hier Projekte leitet, braucht Verständnis für Listungstermine und Aktionsware. Ein Termin beim Handel verschiebt sich nicht wegen einer Maschine. Rechnen Sie den Anlauf rückwärts vom Liefertermin und legen Sie die Reserve vor den Termin. Prüfen Sie auch, wie die Linie in der Hochphase läuft, etwa vor Saisonware und Aktionen, denn dann soll sie am längsten durchfahren.

FMEA

Qualität & Sicherheit

Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse, eine Methode zur vorbeugenden Bewertung möglicher Fehler in der Konstruktion (Design-FMEA) oder im Prozess (Prozess-FMEA). Ein Team aus Konstruktion, Fertigung, Qualität und Betrieb bewertet jeden Fehler nach Bedeutung, Auftretens- und Entdeckungswahrscheinlichkeit. Daraus folgen Prioritäten für Maßnahmen, die mit Verantwortlichen und Terminen festgehalten werden. Die harmonisierte AIAG-VDA-Methode ersetzt die klassische Risikoprioritätszahl durch eine Aufgabenpriorität. Die FMEA betrachtet Fehlerfolgen für Produkt und Prozess und ist von der Risikobeurteilung zur Maschinensicherheit zu unterscheiden.

Aus der Praxis

Eine FMEA für eine komplette Verpackungslinie wird schnell zum Papierberg. Konzentrieren Sie sich auf kritische Funktionen wie Siegelnaht, Kennzeichnung, Kontrollwaage, Ausschleusung und Übergaben. Nutzen Sie Störungsdaten und Reklamationen bestehender Linien als Eingang, das ist die ehrlichste Quelle. Ich setze dafür Leute an einen Tisch, die die alte Linie wirklich bedient haben, also keine reine Runde aus Projektleiter und Qualitätsmanager. Vergeben Sie jede Maßnahme mit Namen und Termin. Und achten Sie darauf, dass die Maßnahmen im Lastenheft und in der Prüfplanung ankommen, sonst bleibt die FMEA ein Dokument für den Auditor.

Vorgang oder Einrichtung zum Wechsel der Folienrolle an einer Verpackungsmaschine. Manuell wird die Maschine gestoppt und die neue Bahn angeklebt. Automatische Splicer verbinden bei laufender oder kurz verlangsamter Maschine das Bahnende mit dem Anfang der neuen Rolle, meist mit Klebeband oder Siegelung. Steht die Bahn beim Verbinden still, überbrückt ein Folienspeicher die Zeit und gibt die gepufferte Folie an die Maschine ab. Die Spleißstelle wird markiert, damit die Packungen daran ausgeschleust werden können. Rollenlänge und Wechselzeit bestimmen die Verluste.

Aus der Praxis

Rechnen Sie nach, wie viele Rollenwechsel pro Schicht anfallen und wie lange jeder dauert. Bei kleinen Rollen und hoher Leistung ist das oft der größte Einzelverlust der Maschine, den ein Effizienztag an der Linie schnell sichtbar macht. Ein automatischer Splicer lohnt sich dann, verlangt aber gleichbleibende Rollenqualität, saubere Rollenkerne und geschultes Personal. Krumm gewickelte Rollen bringen auch den besten Splicer aus dem Tritt. Was mit den Packungen an der Spleißstelle passiert, sollten Sie ebenfalls klären. Werden sie nicht ausgeschleust, landen sie beim Kunden. Alternativ zum Splicer hilft oft ein größerer Rollendurchmesser oder ein zweiter Abwickler.

Folienstärke (Mikrometer)

Verpackungstechnik

Dicke einer Verpackungsfolie in Mikrometern (µm), bei Mehrschichtfolien als Gesamtdicke und als Einzelschichtdicken angegeben. Sie beeinflusst Festigkeit, Barriere, Siegelverhalten, Rollenlänge und Materialkosten. Bei gleichem Rollendurchmesser bringt eine dünnere Folie mehr Meter auf die Rolle. Gemessen wird mit einem Dickenmessgerät an mehreren Stellen über die Bahnbreite, weil zur Nenndicke immer eine Toleranz gehört. Die Reduzierung der Stärke (Downgauging) senkt Kosten und Materialeinsatz, verlangt aber angepasste Maschineneinstellungen und eine erneute Freigabe.

Aus der Praxis

Ein paar Mikrometer weniger sparen über das Jahr viel Geld, doch die Maschine merkt es sofort. Die Bahnspannung stimmt nicht mehr, das Siegelfenster wird enger, die Folie wirft mehr Falten. Fordern Sie vom Lieferanten die Dickentoleranz und das Dickenprofil quer zur Bahn, denn ungleichmäßige Dicke wickelt sich zu Wulsten auf und ergibt Teleskopwicklungen und Bahnlaufprobleme. Wer nach Gewicht kauft, bezahlt jedes Mikrometer über der Nenndicke mit. Dünnere Folie gehört immer erst auf die Linie, sie reagiert schneller auf die Wärme der Siegelbacken. Ich messe die Stärke im Wareneingang stichprobenartig mit dem Messgerät und vergleiche Rollen gleicher Länge und Breite: Haben sie unterschiedliches Gewicht, stimmt etwas nicht.

Force Majeure

Kaufmännisches

Unvorhersehbare, unabwendbare Ereignisse außerhalb des Einflussbereichs der Vertragsparteien, die von Leistungspflichten befreien können. Im deutschen Recht spricht man von höherer Gewalt. Der Vertrag legt fest, welche Ereignisse darunter fallen, welche Folgen sie haben, etwa Fristverlängerung, Kostenteilung oder Rücktritt, und wie die Betroffenheit anzuzeigen ist. Seit Pandemie und Lieferkettenkrisen ist die Klausel ein aktiv verhandelter Vertragspunkt. Strittig sind vor allem der Umfang der Ereignisse, die Verteilung der Folgen und der Zeitpunkt, ab dem gekündigt werden darf.

Aus der Praxis

Im Vertrag geht es um drei Punkte: welche Ereignisse zählen, welche Rechtsfolgen eintreten und welche Mitteilungspflichten gelten. Gerade Lieferengpässe bei Komponenten sind ein Streitfall, weil Lieferanten sie gern darunter einordnen. Ein Lieferant, der Chipmangel als Force Majeure geltend macht, braucht Belege. Trifft es den Betreiber, braucht er Alternativen im Terminplan. Fragen Sie Ihren Lieferanten früh nach seinen Unterlieferanten und deren Lieferzeiten, dann merken Sie ein Problem, bevor es als Brief kommt. Lassen Sie die Klausel außerdem von Ihrem Juristen lesen, denn Rechtsfolgen und Fristen sind Rechtsfragen.

Fördertechnik

Intralogistik

Rollenförderer, Kettenförderer und Gurtförderer, die Güter kontinuierlich zwischen Maschinen, Lager und Versand bewegen. Weitere Bauarten sind Staurollenförderer, Modulbandförderer und Kettenförderer für Paletten. Die Förderer verbinden die Einzelmaschinen zur Linie. Über die Linien-OEE entscheidet auch die Gestaltung der Puffer, denn ein richtig dimensionierter Puffer entkoppelt Störungen einzelner Maschinen. Auslegungsgrößen sind Fördergut, Geschwindigkeit, Staulänge, Reinigbarkeit und die Übergabe an die Nachbarmaschinen.

Aus der Praxis

Bei der Auslegung von Fördertechnik geht es um Produktschonung, Stauverhalten, Reinigbarkeit und Modularität. Staurollenförderer entkoppeln ohne Druck auf das Produkt, Gurtförderer sind günstig, Modulbänder hygienisch. Puffer werden in Sekunden Laufzeit dimensioniert. Gefragt ist, wie lange die Folgemaschine stehen darf, ohne dass die Vormaschine stoppt. Diese Zahl gehört ins Lastenheft. Ich lasse mir die Pufferzeit je Übergabe in einer Tabelle nennen und halte sie gegen die übliche Stördauer der Folgemaschine. Planen Sie die Reinigung gleich mit, denn ein Band, das sich nicht ausbauen lässt, wird in der Hygienezone nie richtig sauber.

Verpackungsmaschine, die aus Folie eine Packung formt, sie füllt und verschließt, abgekürzt FFS. Die Packung entsteht also erst in der Maschine aus der Folienrolle. Bauarten sind die vertikale Schlauchbeutelmaschine (VFFS), die horizontale Maschine, bekannt als Flowpack (HFFS), und der Thermoformer, der eine Schale tiefzieht, füllt und mit Deckelfolie siegelt. Das Produkt gelangt über Dosierer oder Waage in die Packung, bei Bedarf unter Schutzgas. Siegelbacken oder Siegelwerkzeuge verschweißen Nähte oder Deckel. Typisch sind Snacks, Pulver oder Käse.

Aus der Praxis

FFS-Maschinen sind flexibel und sparen Material, weil die Packung erst in der Maschine entsteht. Die Leistung hängt an Folie, Produkt und Dosierer und nicht am Prospekt. Achten Sie bei der Auswahl darauf, wie schnell sich Formschulter oder Werkzeug wechseln lassen und wie gut die Maschine zu reinigen ist. Die Siegelkontrolle gehört dazu, denn Krümel oder Staub in der Naht sind der Klassiker. Fahren Sie das FAT mit den eigenen Folien und Produkten, und zwar lange genug, dass Schwankungen auftauchen. Eine Maschine, die mit dem Musterband läuft, sagt wenig über Ihre Rollen aus der dritten Lieferung. Wie lange die Maschine nach einem Folienriss braucht, bis wieder gute Packungen kommen, zeigt der Test ebenfalls.

Form- und Lagetoleranzen

Maschinenbau & Komponenten

Toleranzen, die zulässige Abweichungen der Gestalt und der gegenseitigen Lage von Geometrieelementen festlegen, unabhängig von der Maßtoleranz. Formtoleranzen wie Geradheit, Ebenheit, Rundheit und Zylinderform beziehen sich auf ein einzelnes Element. Toleranzen für Richtung, Ort und Lauf wie Parallelität, Position, Koaxialität oder Rundlauf beziehen ein Element auf einen Bezug, der in der Zeichnung mit einem Großbuchstaben gekennzeichnet ist. Angegeben werden sie in einem Toleranzrahmen mit Symbol und Toleranzwert, bei Lagetoleranzen zusätzlich mit den Bezugsbuchstaben. Grundlage ist die ISO 1101, Allgemeintoleranzen für nicht einzeln tolerierte Elemente regelt die ISO 2768. Im Maschinenbau betreffen sie vor allem Lagersitze und Führungsflächen.

Aus der Praxis

Auf vielen Zeichnungen stehen Form- und Lagetoleranzen einfach deshalb, weil das CAD-System sie anbietet. Das wird teuer. Jede enge Toleranz kostet in der Fertigung Zeit und in der Prüfung noch mehr, besonders wenn der Zulieferer dafür eine Koordinatenmessmaschine braucht. Andersherum fehlt die Angabe gern genau dort, wo sie gebraucht wird, etwa bei der Fluchtung zweier Lagersitze in einem geschweißten Gestell. Ich gehe bei Anfragen für Frästeile deshalb die Zeichnungen mit dem Konstrukteur durch und frage bei jeder engen Toleranz, wozu sie gut ist. Nicht selten wird sie danach gestrichen. Für die Wareneingangsprüfung gilt dasselbe. Messen Sie die Merkmale, die für die Funktion zählen, und lassen Sie sich vom Lieferanten ein Messprotokoll genau für diese Merkmale mitliefern.

Spanne der Packungs- oder Produktabmessungen, die eine Verpackungsmaschine mit Formatteilen verarbeiten kann: minimale und maximale Länge, Breite, Höhe, Durchmesser, Füllmenge und Folienbreite. Der Formatbereich wird im Pflichtenheft festgelegt und bestimmt Maschinengröße, Formatteilumfang und Rüstaufwand. Innerhalb des Bereichs wird teils über Formatteile, teils über verstellbare Achsen auf das Format gewechselt, oft mit Servoverstellung per Rezept. Formate außerhalb des Bereichs erfordern Umbauten oder eine andere Maschine. Die Nennleistung gilt meist für ein Referenzformat und nicht für jedes Format.

Aus der Praxis

Kaufen Sie den Formatbereich, den Sie in den nächsten Jahren brauchen, und nicht den größten am Markt. Eine Maschine, die vom kleinsten bis zum größten Format alles kann, läuft für kein Format ideal. Listen Sie im Ausschreibungspaket alle Formate mit Stückzahlen auf und markieren Sie Auslaufformate und geplante Neuheiten. Dann sieht der Lieferant, wo die Maschine ihr Geld verdienen muss. Auch die Schwankung des Produkts selbst gehört in die Liste, denn ein natürlich schwankendes Produkt belegt den Bereich breiter, als die Nennmaße vermuten lassen. Extremformate an den Grenzen des Bereichs brauchen Nachweise beim FAT, weil dort die Leistung meist sinkt. Ich lasse mir dazu das meistgefahrene Format und die beiden Randformate vorführen und halte die Leistung je Format schriftlich fest.

Formatliste

Projektleitung & CAPEX

Vollständige Aufstellung aller Produkte und Packungsformate, die eine Maschine verarbeiten soll. Je Format enthält sie Abmessungen, Gewichte, Packmittel, Stückzahl je Packung, geforderte Leistung und Mengenanteil. Die Liste legt Formatbereich, Anzahl und Ausführung der Formatteile und die Leistungsauslegung im Angebot fest und ist Anlage zum Lastenheft. Sie wird fortgeschrieben, wenn sich das Sortiment ändert. Wo ein Produkt in mehreren Packungsgrößen oder Packmitteln läuft, steht jede Kombination als eigene Zeile. Der Lieferant kalkuliert genau diesen Umfang und nicht mehr.

Aus der Praxis

Die Formatliste ist die wichtigste Einzelangabe einer Anfrage und gleichzeitig die, die am häufigsten unvollständig ist. Nehmen Sie auch die Formate auf, die nur zweimal im Jahr laufen, und markieren Sie das Leitformat mit dem größten Anteil. Was nicht in der Liste steht, kommt später als Nachtrag mit neuen Formatteilen. Ich sehe vor dem Versand der Anfrage immer in die Artikelstammdaten und rede mit der Produktion, am besten mit dem Schichtführer. Der weiß, welcher Sonderartikel einmal im Quartal läuft und welche Packung nur mit Handarbeit klappt. Das spart Wochen. Fragen Sie auch nach Formaten, die in zwei, drei Jahren kommen sollen, sonst passt der Formatbereich bei der Übergabe schon nicht mehr.

Formatteile

Verpackungstechnik

Produktspezifische Wechselteile einer Maschine, zum Beispiel Führungen, Formschultern, Greifer oder Werkzeuge. Sie werden beim Formatwechsel getauscht und passen die Maschine an Größe, Form oder Art des Produkts an. Von Verschleißteilen, die unabhängig vom Format altern, unterscheiden sie sich dadurch, dass sie je Format als Satz geführt werden, oft mit Kennzeichnung oder RFID-Chip. Bei der Investition ist zu klären, was ein zusätzlicher Formatsatz kostet und wie lang die Lieferzeit ist. Hier verstecken sich oft hohe Folgekosten.

Aus der Praxis

Formatteile sollten eindeutig gekennzeichnet sein, per Rezept dem Format zugeordnet und an einem festen Ort liegen. Eine RFID-Erkennung verhindert Verwechslungen, die sonst erst am Ausschuss auffallen. Klären Sie beim Kauf, was ein zusätzlicher Formatsatz kostet und wie lange es dauert, bis er da ist. Fragen Sie auch, ob Formatteile im Ersatzteilpaket stecken und ob Sie einfache Teile selbst fertigen dürfen. Führungen aus dem 3D-Drucker sind heute realistisch, aber nur dort, wo das Teil keinen Kontakt zum Produkt hat oder der Werkstoff dafür freigegeben ist. Schwere Teile brauchen eine Hebehilfe, sonst wird jeder Wechsel zur Rückenprobe. Ich rechne die Formatteile immer in die Gesamtkosten der Maschine ein.

Formatteilwagen

Verpackungstechnik

Rollwagen mit allen Formatteilen eines Produkts oder einer Maschine, mit Schattenriss oder Halterungen für jedes Teil. Er hält alle Teile eines Formats an einem Ort und verkürzt damit die Suche beim Formatwechsel. Üblich sind Wagen aus Edelstahl mit lenkbaren Rollen, im Lebensmittelbereich so ausgeführt, dass sie sich reinigen lassen. Auf dem Wagen liegen oft auch Werkzeug und ein Datenblatt mit den Einstellwerten des Formats. Der Wagen gilt als einfachste Maßnahme gegen Suchzeiten und ist deshalb häufig der Einstieg in SMED.

Aus der Praxis

Ein Formatteilwagen pro Format, gekennzeichnet und vollständig, verkürzt den Formatwechsel sofort und braucht keine Investition in die Maschine. Kombiniert mit Zählskalen an den Einstellachsen und einer Checkliste am HMI ist das der erste Schritt jeder SMED-Umsetzung. Fehlende Teile fallen am leeren Platz sofort auf, am besten schon bei der Rückgabe und nicht erst beim nächsten Wechsel um zwei Uhr nachts. Gereinigte Teile kommen zurück auf den Wagen und nicht auf den Hallenboden. Der Wagen hat einen festen Platz, den jeder kennt, sonst sucht die Schicht plötzlich den Wagen statt der Teile. Prüfen Sie beim Kauf auch, ob er durch die Türen und bis an die Maschine kommt.

Formatwechsel

Verpackungstechnik

Umrüsten einer Linie auf ein anderes Produkt- oder Packungsformat, etwa auf andere Packungsgrößen, Behälter oder Packmittel. Dazu gehören der Austausch der Formatteile, das Verstellen der Führungen, das Umstellen von Rezept und Kennzeichnung sowie das Anfahren bis zur Sollleistung. Die SMED-Methode trennt interne Tätigkeiten, die den Stillstand der Maschine brauchen, von externen, die sich bei laufender Maschine vorbereiten lassen. Mit wachsender Variantenvielfalt werden Wechselzeiten zum Wirtschaftlichkeitsfaktor. Vom Formatwechsel zu unterscheiden ist der Produktwechsel mit Reinigung, etwa beim Allergenwechsel.

Aus der Praxis

Ehrlich gemessen wird ein Formatwechsel vom letzten Gutteil bis zum ersten Gutteil bei Sollgeschwindigkeit. Alles andere rechnet schön, auch wenn die Maschine nach dem Umbau schon wieder blinkt. Verbesserungen kommen aus drei Richtungen: Vorbereitung, Technik und Organisation. Formatteile und Packmittel stehen bereit, während die Maschine noch läuft. Positionsanzeigen und Schnellspanner sparen Handgriffe, die Servoverstellung per Rezept spart sie ganz. Eine Rüstmatrix hilft, ähnliche Produkte hintereinander zu fahren, und eingespielte Teams sind schneller als jede Technik. Ein Rüstassistent im HMI führt neue Mitarbeiter durch die Schritte.

Formschulter

Verpackungstechnik

Formatteil an vertikalen Schlauchbeutelmaschinen, das die flache Folienbahn über eine geometrisch berechnete Fläche zu einem Schlauch um das Füllrohr formt. Formschulter und Füllrohr bestimmen Beutelbreite und Folienlauf, die Folienbreite ergibt sich aus Rohrumfang und Nahtzugabe. Jede Beutelbreite benötigt eine eigene Formschulter. Oberflächengüte und Geometrie beeinflussen Folienspannung, Faltenbildung und Reibung. Üblich sind polierte Teile, meist aus Edelstahl, deren Kanten und Radien sorgfältig gefertigt sein müssen, weil die Folie direkt darüber gleitet.

Aus der Praxis

Faltige Längsnähte, Folienrisse und Druckbildversatz beginnen oft an der Formschulter. Dahinter stecken verschlissene Kanten, eine falsche Position zum Füllrohr oder eine Folie, für die die Schulter nie ausgelegt war. Kaufen Sie Schultern mit Folienmuster und Nennleistung als Vorgabe und nicht allein nach der Beutelbreite. Ein Satz aus Schulter und Füllrohr je Beutelbreite kostet Geld, klären Sie deshalb früh, wie viele Breiten Sie wirklich fahren, und fragen Sie nach der Lieferzeit für Ersatz. Behandeln Sie sie wie Präzisionsteile. Sie gehören auf den Formatteilwagen und nicht auf das Maschinengestell. Prüfen Sie Kanten und Radien regelmäßig auf Kratzer und Dellen. Wenn die Fingerkuppe etwas spürt, spürt es die Folie auch.

FPY

Kennzahlen

Anteil der Einheiten, die den Prozess beim ersten Durchlauf ohne Nacharbeit fehlerfrei durchlaufen. Er ist schärfer als die Qualitätsrate, weil auch Einheiten zählen, die nach Nacharbeit zwar gut wurden, aber nicht gleich beim ersten Mal. Bei mehreren hintereinander liegenden Prozessschritten ergibt das Produkt der einzelnen FPY-Werte die Ausbeute über die ganze Kette, den Rolled Throughput Yield. Ein niedriger FPY zeigt, wie viel Handarbeit und Wiederholung im Prozess steckt, auch wenn am Ende gute Ware herauskommt. Er gilt als ehrlicher Indikator für die Prozessbeherrschung.

Aus der Praxis

Der FPY zeigt Nacharbeit, die in der OEE gern untergeht, weil sie von Hand direkt an der Linie passiert und keiner sie bucht. Neu etikettierte Kartons, nachgewogene Beutel und von Hand nachgelegte Produkte gehören dazu. Steht der FPY niedrig, während die Qualitätsrate gut aussieht, steckt versteckte Handarbeit dahinter. Erfassen lässt er sich über die Ausschleusungen und die Nacharbeitsplätze. Oft reicht eine Strichliste je Schicht, um das Ausmaß zu sehen, und sie kostet nichts. Fragen Sie auch die Leute am Nacharbeitsplatz, was sie am häufigsten korrigieren. Die Antwort kommt meist schneller als jede Auswertung und stimmt erstaunlich oft.

Fremdfirmenkoordination

Projektleitung & CAPEX

Abstimmung aller Arbeiten, die Beschäftigte fremder Firmen auf dem Gelände eines Betreibers ausführen. Arbeiten Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber an einem Ort, verlangen Arbeitsschutzgesetz und DGUV Vorschrift 1 eine Zusammenarbeit beim Arbeitsschutz. Können sich die Tätigkeiten gegenseitig gefährden, ist eine Person zu bestimmen, die die Arbeiten aufeinander abstimmt. Zur Fremdfirmenkoordination gehören die Unterweisung in Baustellenordnung und Werksregeln, die Zugangsregelung, die Vergabe von Erlaubnisscheinen, die zeitliche und räumliche Abstimmung der Gewerke und der Schutz der eigenen Belegschaft im laufenden Betrieb. Davon zu unterscheiden ist der SiGeKo, der auf Baustellen nach der Baustellenverordnung bestellt wird.

Aus der Praxis

Bei einem Umbau im laufenden Werk sind schnell mehr Firmen im Haus, als irgendwer auf dem Zettel hat. Der Maschinenlieferant bringt einen Subunternehmer für die Verrohrung mit, und der bringt einen Kollegen für die Isolierung. Ich lasse mir deshalb von jedem Auftragnehmer vorab die Namen aller Monteure geben, auch die der Unterauftragnehmer. Wer nicht auf der Liste steht und nicht unterwiesen ist, kommt nicht aufs Gelände. Die Unterweisung muss in einer Sprache stattfinden, die die Leute verstehen. Ein freundliches Nicken zur deutschen Unterweisung zählt nicht. Bewährt hat sich eine kurze Runde jeden Morgen an der Baustelle, in der jede Firma sagt, wo sie heute arbeitet. Dann merkt man rechtzeitig, dass oben geschweißt wird, während unten jemand Folie lagert. Sagen Sie auch der Schichtleitung, wer im Haus ist. Die Leute an der Linie treffen die Monteure meist vor dem Projektleiter.

Frequenzumrichter

Maschinenbau & Komponenten

Elektronisches Gerät, das Drehzahl und Drehmoment von Standardmotoren stufenlos stellt, indem es Frequenz und Spannung am Motor verändert. Intern wird die Netzspannung gleichgerichtet und über einen Wechselrichter als Drehstrom mit einstellbarer Frequenz wieder erzeugt. Der Umrichter ist der gängige Antrieb für Förderbänder und Pumpen. Sanftes Anfahren schont Mechanik und Produkt, die Energieeinsparung gegenüber Drosselung ist erheblich. Sollwerte und Freigaben kommen von der Steuerung, über Analogsignale oder Feldbus. Eingebaut wird er im Schaltschrank oder motornah an der Maschine.

Aus der Praxis

Mit Frequenzumrichtern fahren Sie Geschwindigkeiten per Rezept, starten sanft und sparen bei Teillast Energie. Bei Retrofits ersetzen sie polumschaltbare Motoren und Getriebestufen. Schauen Sie auf Schutzart und Einbauort. Im Schaltschrank ist der Umrichter geschützt, direkt am Motor spart er Leitung, braucht aber eine Schutzart für den Nassbereich, und lange Motorleitungen verlangen geschirmtes Kabel und manchmal einen Filter. Binden Sie ihn per Feldbus an die Steuerung an, dann liegen Parameter und Diagnosedaten an einer Stelle. Fragen Sie auch nach dem Bremsen, denn ein Motor, der oft abbremst, braucht meist einen Bremswiderstand.

FTS / AGV

Intralogistik

Fahrerlose Transportfahrzeuge, die Paletten oder Behälter auf definierten Routen befördern. Sie sind spurgeführt, etwa über Magnetband oder Induktionsschleife im Boden, oder navigieren über Laserscanner und Reflektoren. Eine Leitsteuerung vergibt die Aufträge und regelt Kreuzungen und Übergaben. Bauarten sind Unterfahrfahrzeuge, Gabelfahrzeuge und Schlepper. Klassische Anwendung ist der Palettentransport zwischen Linienende und Lager. Wirtschaftlich meist ab Mehrschichtbetrieb. Die frei navigierende Weiterentwicklung heißt AMR.

Aus der Praxis

Klassische FTS folgen fest installierten Spuren und eignen sich für stabile Prozesse mit wenigen, gut definierten Routen, etwa dem Palettentransport vom Linienende zum Lager. Sie sind zuverlässig und berechenbar, Layoutänderungen kosten aber Aufwand, weil die Spur umgebaut werden muss. Die Wirtschaftlichkeit ergibt sich aus eingesparten Staplerfahrten im Mehrschichtbetrieb. Als Rechengrundlage liefert die Shopfloor-Analyse die Transportmengen je Route. Fragen Sie den Anbieter auch nach den Übergabestellen. An der Schnittstelle zur Linie oder zum Regal hakt es meist zuerst, besonders wenn eine Palette schief ankommt.

Füllhöhenkontrolle

Qualität & Sicherheit

Prüfung des Füllstands in verschlossenen oder offenen Behältern ohne Wägung, berührungslos im Durchlauf. Eingesetzt werden kapazitive Sensoren, Röntgen, Hochfrequenz, Gammastrahlung oder Kameras. Die Kontrolle erkennt Unter- und Überfüllung sowie fehlendes Produkt bei hohen Geschwindigkeiten in Abfülllinien für Flaschen, Dosen und Gläser. Für Mindest- und Höchstfüllstand sind Grenzwerte hinterlegt, Behälter außerhalb der Grenzen werden ausgeschleust. Das Verfahren ergänzt oder ersetzt die Kontrollwaage, wo diese zu langsam oder zu ungenau wäre.

Aus der Praxis

Wählen Sie das Verfahren nach Behälter und Produkt. Bei Glas und klaren Flüssigkeiten reicht oft Kamera oder Hochfrequenz, bei undurchsichtigen Behältern und Schaum braucht es Röntgen oder Gamma, mit den zugehörigen Strahlenschutzauflagen. Schaum und Kondenswasser sind die klassischen Fehlerquellen, ein beschlagener Behälter bringt jede Kamera aus dem Konzept. Legen Sie fest, wie die Füllhöhe in Volumen umgerechnet wird, denn die Fertigpackungsverordnung fragt nach Inhalt und nicht nach Millimetern. Ich lasse mir die Messung mit Behältern vorführen, die bewusst zu knapp und zu voll gefüllt sind, und zwar bei Betriebstemperatur und nicht im Labor.

Füllmaschine

Verpackungstechnik

Maschine, die flüssige bis pastöse Produkte in Behälter dosiert. Dosiert wird volumetrisch, zum Beispiel mit Kolben, gravimetrisch über Wägezellen oder per Durchflussmesser. Die Füllgenauigkeit bestimmt das Give-away, das Hygienic Design die Reinigungszeiten. Bei sensiblen Produkten wird aseptisch oder unter Reinraumbedingungen abgefüllt. Bauformen sind Linien- und Rundläufermaschinen. Die Füllmengenregelung korrigiert die Dosierung anhand der Messwerte einer Kontrollwaage, eine Füllhöhenkontrolle sortiert Behälter mit falscher Füllung aus.

Aus der Praxis

Zu den Kriterien zählen die Füllgenauigkeit als Standardabweichung bei der Zielmenge, Produktwechsel und Reinigung per CIP, der Formatbereich der Behälter, Tropfschutz und Dosierprinzip. Volumetrische Dosierer sind günstig, gravimetrische sind genauer bei schwankender Dichte, Massedurchflussmesser arbeiten hygienisch und brauchen wenig Wartung. Beim FAT gehört das Originalprodukt bei Betriebstemperatur in die Maschine, denn die Viskosität verändert die Genauigkeit. Lassen Sie sich außerdem zeigen, wie die Düse nach dem Füllen abschließt. Tropfen und Fäden an pastösen Produkten sind ein typischer Ärger am Behälterrand und später in der Naht.

Füllmengenregelung (Trendregelung)

Automatisierung & Robotik

Regelkreis, bei dem die Kontrollwaage die Mittelwerte der gewogenen Packungen an den Dosierer zurückmeldet, der daraufhin die Füllmenge automatisch nachführt. Die Regelung wirkt auf den Trend und nicht auf einzelne Packungen, einzelne Ausreißer schleust die Kontrollwaage aus. Bei mehrbahnigen Füllern erfolgt die Zuordnung je Füllstelle. Ziel ist eine konstante Füllmenge nahe dem Sollwert trotz Dichte- oder Temperaturschwankungen des Produkts. Was eine Packung im Mittel enthalten muss und wie weit einzelne Packungen darunter liegen dürfen, regelt die Fertigpackungsverordnung. Ein Sollwert dicht an der Grenze spart Produkt, setzt aber eine saubere Regelung voraus.

Aus der Praxis

Damit die Trendregelung funktioniert, muss die Kontrollwaage jede Packung eindeutig der Füllstelle zuordnen können. Bei Rundläufern geht das über die Ventilnummer, sonst über Reihenfolge und Abstand. Ein häufiger Fehler ist eine zu aggressive Regelung, die auf jede Streuung reagiert und die Füllmenge zum Schwingen bringt. Dazu kommt die Totzeit, denn zwischen Füller und Waage liegen Packungen, die noch mit dem alten Wert gefüllt wurden. Wer das nicht berücksichtigt, regelt der Wirklichkeit immer einen Schritt hinterher. Legen Sie Regelfenster und Schrittweite gemeinsam mit dem Hersteller fest und prüfen Sie die Schnittstelle bereits beim FAT. Auch die Waage selbst gehört in den Prüfplan, denn mit verschobenem Nullpunkt führt sie den Füller zuverlässig in die falsche Richtung.

Füllstandssensor

Maschinenbau & Komponenten

Sensor, der den Füllstand in einem Behälter oder Trichter erfasst, entweder als Grenzstand an einem festen Punkt oder kontinuierlich über die ganze Höhe. Grenzstände erfassen meist kapazitive Sensoren oder Vibrationsgrenzschalter. Kontinuierlich messen Ultraschall- und Radarsensoren über die Laufzeit eines Signals zur Oberfläche, hydrostatische Sensoren über den Druck der Flüssigkeitssäule am Behälterboden und die geführte Mikrowelle über einen Stab oder ein Seil im Medium. Bei Schüttgut wie Granulat oder Pulver und bei Stapeln in Magazinen kommen auch Lichttaster und Laserdistanzsensoren zum Einsatz. Die Auswahl hängt von Medium, Schaum, Staub, Dampf, Anhaftungen und Reinigung ab. In Füllmaschinen regelt der Füllstand im Vorlagebehälter den Produktzulauf.

Aus der Praxis

Schaum, Dampf und Anhaftungen bringen Füllstandssensoren aus dem Tritt, und an einem Füller gibt es von allen dreien reichlich. Über schäumendem Produkt verliert ein Ultraschallsensor sein Echo oder misst die Schaumkrone, und Dampf über heißem Produkt verändert die Schallgeschwindigkeit und damit den Messwert. An kapazitiven Grenzschaltern bleibt ein Produktfilm an der Spitze hängen, und der Sensor meldet voll, obwohl der Behälter längst leer ist. Bestehen Sie bei der Abnahme auf einem Test mit echtem Produkt, auch nach der Reinigung und bei warmem Produkt. Wasser ist kein Ersatz für Sahne. Denken Sie auch an die Hygiene. Ein Sensor, der von oben in den Behälter ragt, geht mit durch die Reinigung, und sein Prozessanschluss muss genauso hygienegerecht sein wie der Rest des Tanks.

Fundamentplan

Projektleitung & CAPEX

Zeichnung des Maschinenlieferanten mit Aufstellmaßen, statischen und dynamischen Lasten, Verankerungspunkten, Bodenaussparungen und den Anforderungen an Ebenheit und Tragfähigkeit des Hallenbodens. Sie gibt auch die Lage von Kabel- und Medieneinführungen im Boden an. Der Fundamentplan ist die Grundlage für die bauseitige Vorbereitung und für die Prüfung durch Statiker oder Bauabteilung, besonders bei Brownfield-Projekten. Bei Maschinen mit bewegten Massen, etwa Palettierern, werden Schwingungen und Lasteinleitung bewertet. Je nach Last steht die Maschine direkt auf dem Hallenboden, auf Lastverteilplatten oder auf einem eigenen Fundament.

Aus der Praxis

Fragen Sie früh nach dem Fundamentplan, nicht erst wenige Wochen vor der Anlieferung. Alte Hallenböden haben Kanäle, Bewehrung an unerwarteten Stellen oder eine dünne Bodenplatte über Kellerräumen. Dazu kommt das Gefälle zu den Bodenabläufen, das beim Ausrichten der Maschine mitbedacht werden muss. Palettierer, Stretchwickler und Kontrollwaagen reagieren auf schiefe oder schwingende Böden, die Kontrollwaage mit unruhigen Messwerten. Lassen Sie den Boden vermessen und den Bestand unter der alten Maschine freilegen, bevor die neue kommt. Und klären Sie, wer die Bohrungen für die Anker setzt und den Boden danach wieder verschließt.

Funktionsbeschreibung (Software)

Automatisierung & Robotik

Dokument, das vor der Programmierung beschreibt, wie die Steuerung einer Maschine arbeiten soll: Betriebsarten, Ablaufschritte, Verriegelungen, Reaktionen auf Störungen, Signale zu Nachbarmaschinen, Rezeptparameter und Bedienoberfläche. Der Lieferant erstellt sie auf Grundlage des Lastenhefts, meist mit Ablauf- und Zustandsdiagrammen. Auch das Verhalten bei Stromausfall und Wiederanlauf gehört hinein. Sie ist Grundlage für Programmierung, Software-FAT und spätere Änderungen und wird vom Betreiber freigegeben. Das Lastenheft beschreibt den Bedarf, der Programmcode ist die Umsetzung, und die Funktionsbeschreibung liegt dazwischen.

Aus der Praxis

Wo die Funktionsbeschreibung fehlt, wird am Schaltschrank diskutiert, wie sich die Maschine verhalten soll, und das zu Inbetriebnahmepreisen. Bestehen Sie auf einem freigegebenen Dokument vor Programmierbeginn, in dem Ihre Linienführer die Ablaufschritte und Störreaktionen gelesen haben. Ich gebe es nie nur dem Einkauf oder der Technik, sondern auch dem Instandhalter, weil der später damit leben muss. Halten Sie es kurz und mit Ablaufdiagrammen. Jede Änderung nach der Freigabe ist ein Change Request, auch die kleine. Dazu gehört ein Revisionsstand auf jeder Seite. Bei der Abnahme wird gegen diese Beschreibung geprüft, nicht gegen Zurufe. Wer sagt, das habe man doch so besprochen, hat nichts in der Hand.

G

Gabelstapler

Intralogistik

Flurförderzeug zum Heben, Stapeln und Transportieren, mit Elektroantrieb, Diesel oder Gas. Bauarten sind Frontstapler, Schubmaststapler und Schmalgangfahrzeuge, die sich in Hubhöhe, Gangbreite und Einsatz in der Halle oder im Freien unterscheiden. Kostentreiber sind Flottengröße, Leerfahrtenanteil, Schäden und wiederkehrende UVV-Prüfungen. Jede Staplerfahrt, die Fördertechnik oder ein FTS übernehmen kann, senkt Kosten und Unfallrisiko. Fahrer brauchen eine Ausbildung und eine schriftliche Beauftragung durch den Unternehmer.

Aus der Praxis

In vielen Werken ist die Staplerflotte historisch gewachsen: verschiedene Hersteller, unklare Auslastung, hohe Schadenskosten an Regalen und Toren. Eine Flottenanalyse mit Fahrtenprofil zeigt, welche Wege regelmäßig und welche nur gelegentlich gefahren werden. Regelmäßige Hauptwege sind Kandidaten für Fördertechnik oder FTS, der Rest bleibt beim Stapler, aber mit weniger Geräten. Schauen Sie auch auf die Verkehrswege. Wo Fußgänger und Stapler dieselbe Strecke nutzen, ist eine Trennung billiger als der nächste Unfall. Ein Anfahrschutz an Regalfüßen und Toren kostet wenig im Vergleich zur Reparatur danach. Die Schäden an Regalen und Toren zeigen, wo gefahren wird, ohne dass es jemand geplant hat.

Gebrauchtmaschine

Kaufmännisches

Bereits betriebene Maschine, die ein Betreiber von Hersteller, Händler oder Vorbesitzer kauft, oft nach einer Aufarbeitung. Bei Standardaufgaben ist sie eine wirtschaftliche Alternative zur Neumaschine. Zu prüfen sind CE-Status, Dokumentation, Ersatzteilversorgung, Steuerungsgeneration, Verschleißzustand und Umbaukosten. Die Maschine muss zu Aufgabe, Produkt und Format passen, denn Umrüstungen sind Konstruktionsarbeit. Wird sie umgebaut oder in eine Linie integriert, kann eine wesentliche Veränderung vorliegen, die eine neue CE-Bewertung nach sich zieht.

Aus der Praxis

Eine Gebrauchte ohne Dokumentation und mit abgekündigter Steuerung wird teuer, auch wenn der Kaufpreis niedrig aussieht. Prüfen Sie vor dem Kauf die Steuerungsgeneration, denn eine abgekündigte SPS ist ein Ausschlusskriterium. Sichten Sie Dokumentation und Ersatzteilliste, bewerten Sie Formatteile und Verschleißzustand und vereinbaren Sie einen Probelauf mit Ihrem eigenen Produkt. Umbau, Transport, Aufstellung und die CE-Bewertung nach Änderungen kommen zum Kaufpreis dazu. Sinnvoll ist das oft bei Standardaufgaben mit solider Mechanik, für formatintensive Prozesse selten. Ich lasse mir die Maschine möglichst noch unter Strom beim Vorbesitzer zeigen, bevor sie abgebaut wird.

Gefährdungsbeurteilung

Qualität & Sicherheit

Betreiberpflicht nach dem Arbeitsschutzgesetz, Gefährdungen am Arbeitsplatz zu ermitteln, zu bewerten und Maßnahmen abzuleiten, auch für bestehende Anlagen und nach Umbauten. Dazu werden Arbeitsbereiche und Tätigkeiten erfasst, Gefährdungen beurteilt, Maßnahmen festgelegt und auf Wirksamkeit geprüft. Technische Maßnahmen haben dabei Vorrang vor organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen. Das Ergebnis wird dokumentiert und bei Änderungen fortgeschrieben. Nicht mit der herstellerseitigen Risikobeurteilung zu verwechseln, beide ergänzen sich.

Aus der Praxis

Nach der Inbetriebnahme einer neuen Anlage muss der Betreiber die Gefährdungsbeurteilung für die betroffenen Arbeitsplätze aktualisieren: Bedienung, Rüsten, Reinigung, Störungsbeseitigung, Wartung. Grundlage sind die Betriebsanleitung und die Restrisiken aus der Risikobeurteilung des Herstellers. Praktisch hilft es, den Sicherheitsbeauftragten zum SAT einzuladen, dann liegen Beobachtungen und Dokumente auf dem Tisch. Schauen Sie sich vor allem die Tätigkeiten an, die selten vorkommen, etwa Störungsbeseitigung bei laufender Linie oder das Reinigen hinter Schutzeinrichtungen. Dort wird es gefährlich, und die Betriebsanleitung beschreibt diese Tätigkeiten am knappsten. Beziehen Sie die Bediener ein, sie wissen, wie die Maschine wirklich bedient wird.

Gefriertunnel

Verpackungstechnik

Anlage der Lebensmittelindustrie zum schnellen Einfrieren oder Tiefkühlen von Produkten. Das Produkt läuft auf einem Förderband durch einen gedämmten Tunnel, in dem stark umgewälzte kalte Luft die Wärme abführt. Bauarten sind der Lineartunnel mit einem oder mehreren Förderbändern und der Spiralfroster, dessen Band auf kleiner Grundfläche spiralförmig nach oben läuft. Kryotunnel arbeiten mit flüssigem Stickstoff oder Kohlendioxid statt mit Kaltluft. Statische Anlagen ohne Förderband arbeiten chargenweise. Die Einfrierzeit hängt von Produktmasse, Starttemperatur und Verweilzeit ab.

Aus der Praxis

Gefriertunnel fressen Energie und Platz. Die Auslegung nach Produktmasse, Einfrierzeit und Bandbelegung entscheidet, ob die Anlage zur Linie passt oder zum Engpass wird. Prüfen Sie die Abtauzyklen, denn Abtauen kostet Produktionszeit. Ein Tunnel, der gefrorene Produkte in Pulks liefert, braucht davor eine Vereinzelung, sonst verklemmt es an der Übergabe zur Verpackung. Rechnen Sie auch mit Tauwasser: Kommen kalte Produkte in die warme Halle, beschlägt die Folie, Etiketten halten schlechter und Siegelnähte werden feucht. Zur Reinigung des Innenraums gehört auch die Frage, wie lange die Anlage danach braucht, bis sie wieder auf Temperatur ist.

Gemba

Kennzahlen

Japanisch für den tatsächlichen Ort des Geschehens. Gemeint ist der Ort, an dem der Wert entsteht, in der Produktion also die Linie. Probleme werden dort analysiert, wo sie auftreten, und nicht im Besprechungsraum aus Berichten. Der Gemba-Walk ist der Rundgang von Führungskräften an diesen Ort, um Abläufe zu beobachten und mit den Mitarbeitern zu sprechen. Ein Gemba-Tag umfasst das Beobachten über eine ganze Schicht, das Messen von Stillständen und Zeiten und Gespräche mit Bedienern und Instandhaltern. Die Beobachtungen werden anschließend mit den Betriebsdaten abgeglichen.

Aus der Praxis

Am Gemba sieht man, was Zahlen nur andeuten. Warum die Linie wirklich stoppt, wie lange der Bediener Formatteile sucht, wo sich Material staut. Das steht in keinem MES. Ein Effizienztag ist deshalb ein strukturierter Gemba-Tag. Man beobachtet eine ganze Schicht, schreibt die Stillstände mit, fragt Bediener und Instandhalter und legt die Daten aus dem MES daneben. Die Maßnahmen entstehen aus dem Gesehenen und nicht aus Folien. Gehen Sie auch einmal in die Nachtschicht, denn dort laufen dieselben Maschinen oft anders. Planen Sie genug Zeit ein. Wer nach einem kurzen Rundgang wieder geht, hat nur die gute Seite der Linie gesehen.

Zwei Vergabemodelle für Anlagenprojekte. Beim Generalunternehmer (GU) trägt ein Vertragspartner die Schnittstellen- und Terminverantwortung und vergibt Teile an Unterlieferanten. Das ist im Einkauf teurer, aber der Betreiber hat einen Ansprechpartner. Bei der Einzelvergabe bestellt der Betreiber Maschinen, Fördertechnik, Steuerung und Montage getrennt. Das ist im Einkauf günstiger, aber der Betreiber oder sein Projektleiter trägt die Integrationsverantwortung und das Terminrisiko an den Schnittstellen. Die Wahl hängt von der internen Kompetenz, der Zahl der Gewerke und der Risikobereitschaft ab. Bei der Einzelvergabe bezieht sich die Gewährleistung jedes Lieferanten auf seinen eigenen Lieferumfang, Fehler an den Schnittstellen sind schwerer zuzuordnen.

Aus der Praxis

Bei Einzelvergabe übernehmen Sie Schnittstellen, Terminkoordination und Integrationsrisiko. Das lohnt sich, wenn intern ein erfahrener Projektleiter da ist oder einer auf Zeit dazukommt. Fehlt er, zahlen Sie die Ersparnis im Einkauf bei der Inbetriebnahme wieder zurück, wenn jeder Lieferant seine Maschine für fertig hält und die Linie trotzdem nicht läuft. Der Generalunternehmer bündelt die Verantwortung, rechnet dafür aber Aufschläge und Risiko ein. Prüfen Sie im Angebot, was er selbst leistet und was er nur durchreicht. Ein Mittelweg ist die Einzelvergabe mit einem Integrator für Steuerung und Fördertechnik, der für die Linienfunktion geradesteht. Das muss dann aber auch im Vertrag so stehen.

Getriebemotor

Maschinenbau & Komponenten

Kombination aus Elektromotor und Getriebe als Standardantrieb für Förderbänder und Rollenbahnen sowie für einfache Maschinenbewegungen. Das Getriebe setzt die hohe Motordrehzahl in eine niedrige Abtriebsdrehzahl mit höherem Drehmoment um. Gängige Bauarten sind Stirnradgetriebe und Kegelradgetriebe, dazu Schneckengetriebe, die kompakt und rechtwinklig bauen, aber einen geringeren Wirkungsgrad haben. Oft läuft der Getriebemotor mit Frequenzumrichter für variable Geschwindigkeit. Das Typenschild nennt Übersetzung, Abtriebsdrehzahl und Abtriebsmoment, die Bauform legt fest, wo Entlüftung und Ölstand sitzen.

Aus der Praxis

Getriebemotoren sind Verschleißteile mit langer Lebensdauer, wenn Ölwechsel und Belastung stimmen. Standardisieren Sie Größen und Hersteller über Ihre Linien, dann reichen wenige Ersatzmotoren. Im Hygienebereich achten Sie auf glatte Gehäuse, Schutzart und lebensmitteltaugliche Getriebeöle. Ich lasse mir bei jedem Getriebemotor die Bauform ins Datenblatt schreiben. Wird er später anders eingebaut als geplant, stimmt die Ölmenge nicht mehr, und das Getriebe läuft mit zu wenig Öl oder schwimmt in zu viel. Ölsorte, Füllmenge und Wechselintervall je Typ gehören außerdem in die Wartungsliste, denn dort sucht die Instandhaltung zuerst.

Gewährleistung ist der gesetzliche Anspruch des Käufers bei Mängeln, die bei Übergabe oder Abnahme vorlagen. Der Hersteller muss nachbessern oder neu liefern. Wie lange der Käufer das verlangen kann, richtet sich nach Gesetz oder Vertrag. Garantie ist dagegen eine freiwillige, vertraglich gestaltbare Zusage des Herstellers, zum Beispiel eine Leistungsgarantie über eine Verfügbarkeit von 95 %. Sie geht über die gesetzlichen Mängelrechte hinaus und gilt nur im Umfang, den der Vertrag festlegt. Leistungsgarantien mit messbaren Kriterien und Konsequenzen sind Verhandlungssache und für den Betreiber viel wert. Als Sicherheit für die Gewährleistungszeit dient häufig eine Gewährleistungsbürgschaft.

Aus der Praxis

Wie lange die Gewährleistung läuft, regelt das Gesetz, und im Vertrag wird die Frist meist verhandelt. Prüfen Sie, ab wann sie läuft und ob sie nach einer Nachbesserung neu beginnt. Das klären Sie mit Ihrem Juristen. Eine Leistungsgarantie verlangt messbare Kriterien, etwa die Verfügbarkeit über einen definierten Zeitraum, die Ausbringung bei definiertem Format oder die Ausschussquote. Ohne Messmethode und ohne Konsequenz bei Nichterreichen ist die Garantie nur ein Wort auf Papier. Als Konsequenz kommen Nachbesserung auf Herstellerkosten oder eine Pönale infrage. Legen Sie außerdem fest, wer misst und wie Stillstände durch den Betreiber selbst herausgerechnet werden.

Bankbürgschaft, mit der ein Lieferant die Gewährleistungsansprüche des Käufers absichert, statt dass der Käufer einen Teil der Vergütung als Sicherheitseinbehalt zurückhält. In der Bürgschaftsurkunde verpflichtet sich die Bank des Lieferanten, bis zu einem festgelegten Höchstbetrag zu zahlen, wenn berechtigte Mängelansprüche nicht erfüllt werden. Die Bürgschaft läuft für die vereinbarte Gewährleistungszeit und wird danach zurückgegeben. Der Hersteller bekommt so sein Geld, der Käufer behält seine Sicherheit. Auf Herstellerseite belegt sie bis zur Rückgabe einen Teil der Kreditlinie, den sogenannten Avalrahmen. Die Rückgabefristen sollten deshalb vertraglich festgelegt sein.

Aus der Praxis

Die Höhe ist Verhandlungssache, meist ein Teil der Auftragssumme für die Dauer der Gewährleistung. Schauen Sie genau hin, ob die Bürgschaft auf erstes Anfordern gestellt ist oder erst nach Nachweis des Mangels gezogen werden darf. Auf erstes Anfordern ist für den Käufer bequemer, für den Lieferanten ein Risiko, und das sehen Sie später im Preis. Lesen Sie den Text der Urkunde selbst, denn Laufzeit, Höchstbetrag und Rückgabe stehen dort. Kleine Lieferanten spüren eine Bürgschaft in ihrer Kreditlinie und in den Bankgebühren. Dann ist ein Einbehalt bis zur Erledigung der Restpunkte oft der pragmatischere Weg. Lassen Sie die Formulierung vorher von Einkauf oder Jurist prüfen. Der Standardtext des Lieferanten passt nicht immer zu Ihrem Vertrag.

Give-away

Kennzahlen

Produktmenge, die über dem deklarierten Füllgewicht in die Packung gelangt und damit verschenkt wird. Sie entsteht aus der Streuung des Dosierprozesses und einem Sicherheitsaufschlag, mit dem Unterfüllung vermieden wird. Rechenbeispiel: Bei 0,5 g Überfüllung je 100-g-Packung und 50 Millionen Packungen im Jahr sind das 25 Tonnen Produkt. Bessere Dosierung, genauere Wägung und eine Regelung über die Rückführung der Kontrollwaage verringern das Give-away. Das amortisiert sich oft schneller als eine Leistungssteigerung der Linie. Die zulässige Unterfüllung regelt die Fertigpackungsverordnung.

Aus der Praxis

Give-away entsteht aus Dosierstreuung und Sicherheitsaufschlag. Wer eine hohe Standardabweichung hat, muss das Zielgewicht höher legen, um nicht unterzufüllen, und verschenkt damit bei jeder Packung ein bisschen. Der Ansatz liegt also in der Dosiertechnik und in der Regelung über die Kontrollwaage. Prüfen Sie, ob der Sollwert seit Jahren unverändert hoch steht, obwohl die Maschine längst besser dosiert. Das kommt vor, weil keiner den Aufschlag anfassen will. Ein Effizienztag rechnet den jährlichen Wert des Give-away aus Rohstoffpreis und Stückzahl aus, oft der schnellste Business Case einer Linie. Bei einem teuren Rohstoff reichen schon Bruchteile eines Gramms, damit die Rechnung interessant wird.

Glas- und Hartplastikregister

Qualität & Sicherheit

Anforderung der Standards IFS Food und BRCGS. Das Register ist ein Verzeichnis aller Glas- und Hartkunststoffteile in Produktionsnähe mit Angaben zu Ort, Art, Zustand und Prüfintervall sowie einer regelmäßigen Bruchkontrolle. Ziel ist, Fremdkörper aus Glas oder Hartplastik zu vermeiden und bei einem Bruch zu wissen, welche Produkte betroffen sein können. Bei der Maschinenbeschaffung ist es relevant, weil Schaugläser, Leuchten und Sensorabdeckungen bruchsicher oder mit Splitterschutz ausgeführt spezifiziert werden müssen.

Aus der Praxis

Beim Kauf neuer Maschinen fragen Auditoren nach. Sie wollen wissen, ob die Leuchten splittergeschützt sind, die Schaugläser aus Polycarbonat oder bruchsicherem Glas bestehen und die Sensorfenster geschützt sind. Der Hersteller sollte eine Liste aller Glas- und Hartkunststoffteile mitliefern, damit sie ins Register übernommen werden kann. Ich verlange diese Liste inzwischen mit dem Angebot und nicht erst bei der Lieferung. Bei Bruch gilt ein definiertes Verfahren mit Produktsperrung, und das muss auch für Neuanlagen geregelt sein. Denken Sie an die kleinen Teile wie Leuchtmelder, Displays am Bedienpult und Kameragehäuse, sie fallen beim Listenschreiben als Erstes durch das Raster.

Glasverpackungen

Verpackungstechnik

Behältnisse aus Glas für Lebensmittel, Getränke, Arzneimittel und Kosmetik, zum Beispiel Flaschen, Schraubgläser und Fläschchen. Glas ist gasdicht, geschmacksneutral und reagiert kaum mit dem Füllgut, hält Heißabfüllung und Sterilisation aus und ist recyclingfähig. Nachteile sind Gewicht und Bruchempfindlichkeit, außerdem verträgt Glas schroffe Temperaturwechsel schlecht. Farbiges Glas wie Braunglas schützt lichtempfindliche Produkte, Klarglas lässt Licht und UV durch. Verschlossen wird mit Schraubverschluss, Kronkorken oder Korken. Typisch sind Saucen, Marmeladen, Bier, Wein und Spirituosen.

Aus der Praxis

Glas verlangt schonende Handhabung. Glasbruch bedeutet Linienstopp, Reinigung und Glaskontrolle aller Packungen im Umfeld. Planen Sie deshalb Leerglasinspektion, Bruchdetektion und einen dokumentierten Ablauf bei Glasbruch von Anfang an ein, denn das ist Standard in IFS- und BRCGS-Audits. Glas gegen Glas ist der Feind: Auf Förderern und im Stau reiben die Flaschen aneinander und werden mit jedem Kratzer bruchempfindlicher, deshalb zählen Kunststoffführungen und ein sauberes Staukonzept. Metalldetektoren sehen Glas nicht. Paletten mit Glas sind schwer und werden lagenweise durch Zwischenlagen getrennt, rechnen Sie also die Bodenbelastung nach. Ich lasse mir bei Glaslinien als Erstes das Glas- und Hartplastikregister zeigen.

Gleitlager

Maschinenbau & Komponenten

Lager, in dem Welle und Lagerschale mit einer Gleitbewegung aufeinander laufen, ohne Wälzkörper dazwischen. Die Last wird über eine Fläche übertragen, beim Wälzlager dagegen über Punkte oder Linien. Gängige Bauarten sind Buchsen aus ölgetränkter Sinterbronze, gerollte Verbundbuchsen mit einer Gleitschicht aus PTFE, Kunststoffgleitlager für den Trockenlauf und hydrodynamische Lager, in denen sich im Betrieb ein tragender Schmierfilm aufbaut. Gleitlager sind unempfindlich gegen Stöße, laufen leise und brauchen wenig Bauraum. Beim Anlauf und bei Mangelschmierung verschleißen sie, und das Lagerspiel ist meist größer als beim Wälzlager. In Verpackungsmaschinen sitzen sie vor allem in Gelenken, Schwenkarmen, Formatverstellungen und Führungsbuchsen.

Aus der Praxis

Auf Gleitlagerbuchsen schaut keiner, bis ein Gelenk klappert und die Formatverstellung nicht mehr sauber auf Position geht. Dann wird gern die Welle getauscht, obwohl die billige Buchse das eigentliche Verschleißteil war. Klären Sie, welche Buchsen geschmiert werden und welche trocken laufen sollen. Eine Kunststoffbuchse, die jemand in bester Absicht abschmiert, sammelt Staub und Zuckerreste und läuft danach schlechter als vorher. Beim Einpressen zieht sich die Bohrung der Buchse etwas zusammen, das ist in der Auslegung eingerechnet. Ist die Aufnahme im Gehäuse aber schon ausgeschlagen, sitzt auch die neue Buchse lose. Lassen Sie die Buchsen mit Maßen und Werkstoff in die Ersatzteilliste schreiben. Sonst steht dort nur eine Positionsnummer, und im Ersatzteillager wird geraten.

GMP

Qualität & Sicherheit

Regelwerk der Guten Herstellungspraxis für die Herstellung von Arzneimitteln, Kosmetik und Lebensmitteln mit dokumentierten Prozessen, Qualifizierung von Anlagen und Rückverfolgbarkeit. In der Pharmaindustrie ist GMP gesetzlich verankert, in anderen Branchen dient es häufig als Standard oder Kundenanforderung. Für Maschinen bedeutet ein GMP-Umfeld höhere Anforderungen an Dokumentation, Materialien und Qualifizierung. Die Qualifizierung gliedert sich in Installationsqualifizierung (IQ), Funktionsqualifizierung (OQ) und Leistungsqualifizierung (PQ), jeweils mit Prüfplan, Protokoll und Freigabe.

Aus der Praxis

Im GMP-Umfeld verlängert sich der Projektablauf um Qualifizierungsschritte: URS, DQ für die Designqualifizierung, FAT, IQ, OQ und PQ, jeweils mit Protokollen und Freigaben. Maschinenlieferanten müssen Materialzertifikate, Kalibrierungen und Softwaredokumentation liefern. Der Aufwand ist erheblich und gehört in Zeitplan und Budget. Ich plane die Qualifizierung deshalb als eigenes Arbeitspaket mit eigenem Verantwortlichen und nicht als Anhängsel der Inbetriebnahme. Außerhalb von Pharma reicht meist die Orientierung an GMP-Prinzipien ohne formale Qualifizierung. Klären Sie früh, welche Unterlagen der Kunde oder der Auditor tatsächlich sehen will, sonst schreiben Sie Protokolle, die keiner liest.

Greifer

Automatisierung & Robotik

Das Werkzeug am Roboterarm, das ein Produkt aufnimmt, hält und wieder ablegt. Gängige Bauarten sind der Vakuumgreifer mit Saugern, der Klemmgreifer mit beweglichen Backen, der Nadelgreifer, der mit Nadeln in das Produkt greift, und der Formgreifer, der sich der Produktkontur anpasst. Der Greifer entscheidet über Prozesssicherheit und Formatflexibilität mehr als der Roboter selbst und ist fast immer eine produktspezifische Sonderkonstruktion. Sein Eigengewicht zählt zur Traglast des Roboters, ebenso das Gewicht des Produkts. Angetrieben wird er meist pneumatisch, seltener elektrisch.

Aus der Praxis

Greifer sind Sonderkonstruktionen: Vakuum für Kartons und Trays, Klemmgreifer für Säcke, Nadelgreifer für Textilien, Formgreifer für Flaschen. Beim Formatwechsel ist der Greifer oft das Bauteil, das getauscht oder verstellt werden muss, automatische Greiferwechsler sparen dabei Zeit. Fordern Sie beim FAT Tests mit allen Produkten und Packmitteln, inklusive der schlechtesten Kartonqualität. Ein Greifer, der mit dem Muster aus der Entwicklung läuft, muss noch lange nicht mit dem Karton aus der Nachtschicht laufen, wenn der feucht oder staubig ist. Ich frage den Lieferanten immer nach den Verschleißteilen. Sauger sind welche, und sie wollen im Lager liegen. Lassen Sie sich außerdem Zeichnung und Stückliste des Greifers geben, damit Sie ihn im Notfall nachbauen lassen können.

Greiferwechselsystem

Automatisierung & Robotik

Schnittstelle am Roboterflansch, über die Greifer oder Werkzeuge manuell oder automatisch gewechselt werden. Sie besteht aus Roboterseite und Werkzeugseite, verriegelt mechanisch, meist pneumatisch betätigt, und leitet Druckluft, Vakuum, elektrische Signale und Datenbus durch. Die Verriegelung muss auch bei Druckabfall halten, sonst fällt das Werkzeug ab. Für den automatischen Wechsel gehören eine Ablagestation und eine Werkzeugcodierung dazu, mit der die Steuerung das angekoppelte Werkzeug erkennt. Beim manuellen Wechsel genügt oft ein Schnellwechsler, der ohne Hilfsmittel gelöst wird.

Aus der Praxis

Ein automatischer Greiferwechsel klingt nach Flexibilität, kostet aber Takt, Bauraum, Traglast und Geld. Für zwei Formate ist ein kombinierter Greifer oft besser. Wenn Sie wechseln, achten Sie auf die Wiederholgenauigkeit der Kupplung, auf die Erkennung des richtigen Werkzeugs im Programm und darauf, dass Vakuum- und Druckluftdurchführungen dicht bleiben. Undichte Kupplungen sind eine klassische Ursache für sporadische Greiffehler. Gesucht wird dann am Sauger, am Schlauch, am Roboter, und am Ende war es die Dichtung im Wechsler. Die Wechselfläche verschmutzt außerdem, und Schmutz stört die Verriegelung. Planen Sie die Ablagestation mit Platz und Zugang für den Bediener ein, sonst steht sie später dort, wo keiner hinkommt.

Grundlast (Stand-by-Verbrauch)

Produktion & Energie

Energieverbrauch, der unabhängig von der Produktion anfällt, also auch nachts und am Wochenende. Dazu gehören Beleuchtung, Lüftung, Heizung und Kälte sowie IT und Steuerungen, aber auch Maschinen im Bereitschaftszustand mit beheizten Siegelbacken, laufenden Vakuumpumpen oder Förderbändern im Leerlauf. Bei Druckluft geht die Grundlast vor allem auf Leckagen zurück. Ermittelt wird sie aus dem Lastgang in produktionsfreien Zeiten, etwa in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Ein Teil ist technisch notwendig, zum Beispiel für Kühlräume oder Sicherheitstechnik. Der Rest lässt sich über Abschaltkonzepte und Energiesparzustände der Maschinen senken. In der Energiewirtschaft bezeichnet Grundlast dagegen die Netzlast, die rund um die Uhr ansteht.

Aus der Praxis

Der ehrlichste Blick auf ein Werk ist der Lastgang einer Sonntagnacht. Keiner produziert, und trotzdem zieht die Fabrik oft erstaunlich viel Strom. Meist läuft ein Kompressor durch, weil das Netz an vielen Stellen pfeift. Dazu kommen Maschinen, die nie ganz ausgeschaltet werden, weil das Aufheizen am Montag zu lange dauert. Das ist manchmal berechtigt, oft aber nur Gewohnheit. Fragen Sie bei neuen Maschinen nach einem Energiesparzustand, der Heizungen absenkt, Vakuum und Antriebe abschaltet und auf Knopfdruck oder nach Zeitplan wieder hochfährt. Schreiben Sie das ins Lastenheft, sonst kommt es nicht. Und klären Sie, wer am Freitag die Druckluft für eine Halle abstellt. Ein Magnetventil in der Zuleitung, das nach Zeitplan schließt, vergisst das nicht.

Gurtförderer

Intralogistik

Stetigförderer, bei dem ein umlaufender Gurt das Fördergut trägt. Der Gurt läuft über eine Antriebstrommel und eine Umlenktrommel und wird von einem Gleitbett oder von Tragrollen gestützt. Eine Spannstation hält die Gurtspannung, ballige Trommeln oder einstellbare Rollen halten den Gurt in der Spur. Gurte bestehen aus Gewebelagen mit Deckschichten aus PVC, Polyurethan oder Gummi, für den Lebensmittelkontakt werden dafür geeignete Qualitäten eingesetzt. Mit Stollen oder Mitnehmern fördert der Gurtförderer auch in Steigungen. In Verpackungslinien transportiert er Einzelprodukte und kleine Packungen, bei Schüttgut arbeitet er oft mit gemuldetem Gurt. Abzugrenzen sind Modulbandförderer und Rollenförderer.

Aus der Praxis

Am Gurtförderer dreht jeder gern an der Spannschraube, wenn der Gurt zur Seite läuft. Nach ein paar Wochen ist er schief gespannt und läuft erst recht weg. Legen Sie fest, wer den Bandlauf einstellt, und markieren Sie die Grundeinstellung. Für die Reinigung ist eine Schnellentspannung Gold wert. Ohne sie wird der Gurt nur von oben abgewischt, und darunter wächst, was dort nicht wachsen soll. Gewebegurte mit offenen Kanten saugen Feuchtigkeit, im Nassbereich ist das ein Hygieneproblem. Klären Sie bei der Bestellung, wie der Gurt endlos verbunden wird. Ein endlos verschweißter Gurt passt nur in einen Förderer, der sich dafür seitlich öffnen oder zerlegen lässt. Sonst muss der Stoß vor Ort mit Presse und Fachmann gemacht werden. Legen Sie einen fertig konfektionierten Ersatzgurt in exakter Länge ans Lager.

H

H1-Öl

Maschinenbau & Komponenten

Schmieröl, das nach NSF H1 registriert ist und an Stellen eingesetzt wird, an denen ein unbeabsichtigter Kontakt mit Lebensmitteln nicht auszuschließen ist. H1-Öle gibt es als Getriebeöl, Hydrauliköl, Kettenöl und Öl für Druckluftöler, meist auf Basis von medizinischem Weißöl oder synthetischen Grundölen wie Polyalphaolefinen. Die Viskosität wird wie bei anderen Industrieölen in ISO-VG-Klassen nach ISO 3448 angegeben, etwa ISO VG 46 für Hydraulik oder ISO VG 220 für Getriebe. Der Zahlenwert der Klasse entspricht der mittleren kinematischen Viskosität in mm²/s bei 40 °C. Wechselintervalle hängen vom Grundöl und der Belastung ab und stehen im Datenblatt des Schmierstoffherstellers. Wird ein H1-Öl mit Mineralöl vermischt, verliert die Füllung ihre H1-Eignung.

Aus der Praxis

Ich lasse bei neuen Maschinen im Lastenheft festschreiben, dass Getriebe und Hydraulik ab Werk mit H1-Öl gefüllt sind. Fehlt der Satz, kommt die Maschine mit der Standardfüllung des Getriebeherstellers, und keiner merkt es. Nachträglich umstellen ist mühsam. Im Gehäuse bleibt immer ein Rest Mineralöl, deshalb empfehlen manche Schmierstoffhersteller, nach kurzer Laufzeit ein zweites Mal zu wechseln. Gleiche ISO-VG-Klasse heißt übrigens nicht gleiches Öl. Ein mineralisches VG 220 und ein H1-Öl VG 220 gehören trotzdem nicht ins selbe Getriebe. Kennzeichnen Sie Gebinde, Kannen und Einfüllstellen mit derselben Farbe oder Nummer wie im Schmierplan. Eine Kanne, aus der heute Hydrauliköl und morgen Kettenöl kommt, macht die schönste Registrierung wertlos.

HACCP

Qualität & Sicherheit

Pflichtkonzept der Lebensmittelsicherheit, abgeleitet aus Hazard Analysis and Critical Control Points. Es folgt dem Codex Alimentarius und umfasst sieben Grundsätze, von der Gefahrenanalyse bis zur Dokumentation. Für identifizierte Gefahren werden Lenkungspunkte (CCPs) festgelegt, etwa die Metalldetektion am Linienende, mit Grenzwerten, Überwachung und Korrekturmaßnahmen. Maschinen an CCPs brauchen validierte Funktionen und eine lückenlose Aufzeichnung. Die Gefahrenanalyse erstellt ein HACCP-Team aus Fachleuten des Betriebs.

Aus der Praxis

HACCP wird im Maschinenprojekt an den Lenkungspunkten konkret. Dort müssen die Prüfungen validiert, Grenzwerte definiert und Aufzeichnungen lückenlos sein. Metalldetektor und Röntgen brauchen Prüfkörperroutinen, verriegelte Ausschleusung und Alarmierung. Die Kontrollwaage hat ihre Prüfgewichte und ebenfalls eine nachvollziehbare Ausschleusung. Neue Anlagen sind mit dem HACCP-Team abzustimmen, bevor das Layout feststeht. Ein CCP an falscher Stelle ist später kaum zu verschieben, weil dort Platz, Strom und ein einsehbarer Auswurf gebraucht werden. Nehmen Sie auch die Reaktion auf einen Alarm in den Plan auf und legen Sie fest, wer die gesperrte Ware freigibt und wo sie bis dahin liegt.

Haftklebstoff

Verpackungstechnik

Dauerklebriger Klebstoff auf Selbstklebeetiketten und Klebebändern, der ohne Wärme oder Lösemittel allein durch Anpressdruck haftet. Übliche Typen sind Acrylatdispersionen (alterungsbeständig, lebensmittelgeeignet) und Kautschuk-Hotmelts (hohe Anfangshaftung). Unterschieden werden permanente, ablösbare und tiefkühlgeeignete Einstellungen. Kennwerte sind die Adhäsion, also die Haftung am Untergrund, die Kohäsion als innere Festigkeit der Klebstoffschicht und die Anfangshaftung (Tack). Die volle Haftung baut sich nach dem Aufbringen erst über einige Zeit auf.

Aus der Praxis

Etiketten, die im Kühlhaus abfallen oder auf feuchten Flaschen wandern, sind fast immer ein Klebstoffthema. Standardacrylat haftet bei niedrigen Temperaturen schlecht, und auf Oberflächen mit geringer Oberflächenenergie wie PE braucht es Spezialklebstoffe. Klären Sie Untergrund, Applikationstemperatur und Einsatztemperatur getrennt, denn ein Kleber, der am Spendepunkt sauber greift, hält deshalb noch lange nicht im Kühlhaus. Ein Etikett, das gleich nach dem Aufbringen gestapelt oder gekühlt wird, hat seine Endhaftung außerdem noch nicht erreicht. Bei Lebensmittel-Direktkontakt muss der Klebstoff in der Konformitätserklärung des Etiketts aufgeführt sein, das Obermaterial allein genügt nicht.

Hallenklima

Produktion & Energie

Zustand der Luft in einer Produktions- oder Lagerhalle, beschrieben vor allem durch Temperatur und relative Luftfeuchte, ergänzt um Luftbewegung und Staubbelastung. Das Hallenklima wirkt auf Mitarbeiter, Maschinen, Packstoffe und Produkte. Karton und Papier nehmen Feuchte auf und verändern ihre Steifigkeit, trockene Luft fördert die elektrostatische Aufladung von Folien, Klebstoffe und Etiketten reagieren auf Temperatur. Beeinflusst wird das Hallenklima durch Wetter, Gebäudehülle, Abwärme der Maschinen und raumlufttechnische Anlagen. Anforderungen an die Raumtemperatur an Arbeitsplätzen beschreibt in Deutschland die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5. Für Maschinen und Packstoffe legt das Lastenheft die zulässigen Bereiche fest.

Aus der Praxis

Die FAT findet beim Lieferanten bei angenehmer Raumtemperatur statt. In Ihrem Werk steht dieselbe Maschine im August neben dem Schrumpftunnel oder im Januar am Rolltor, und plötzlich läuft sie anders. Karton aus dem kalten Außenlager, der direkt an den Kartonaufrichter kommt, beschlägt, wird weich und klemmt im Magazin. Folie lädt sich bei trockener Winterluft auf und klebt an jeder Führung. Hotmelt zieht in kalter Zugluft zu schnell an und hält dann schlecht. Schreiben Sie deshalb die Klimabedingungen am Aufstellort ins Lastenheft, Sommer und Winter getrennt. Lassen Sie Packstoffe vor der Verarbeitung in der Halle akklimatisieren und planen Sie dafür Fläche ein. Wer die Halle für die Mitarbeiter klimatisiert, hat oft auch für die Maschine gesorgt, nur nicht für die Ecke direkt am Tor.

Haltebremse (Motorbremse)

Maschinenbau & Komponenten

Bremse am Motor, die eine Achse im Stillstand festhält, sobald der Motor stromlos ist. Sie schließt durch Federkraft oder Permanentmagnete und wird elektrisch gelüftet, bei Servomotoren meist mit 24 V Gleichspannung. Eine reine Haltebremse ist für das Halten im Stillstand ausgelegt und nicht für das Abbremsen aus der Bewegung. Bei Not-Halt oder Stromausfall verträgt sie nur eine vom Hersteller begrenzte Zahl von Notbremsungen. Bremsmotoren an Förderern haben dagegen oft Arbeitsbremsen, die auch aus der Bewegung bremsen dürfen. Gebraucht wird die Haltebremse vor allem an senkrechten Achsen, damit die Last nicht absackt. Gehört sie zu einer Sicherheitsfunktion, braucht sie eine sichere Ansteuerung und einen regelmäßigen Bremsentest.

Aus der Praxis

Am Halten geht eine Haltebremse selten kaputt. Häufiger ist die Ablaufreihenfolge schuld. Lüftet die Bremse, bevor der Regler Moment aufgebaut hat, sackt die Achse kurz ab. Fällt sie ein, während der Motor noch dreht, schleift sie jedes Mal ein Stück Belag weg. Schauen Sie sich bei der Abnahme an einer senkrechten Achse an, ob beim Einschalten und bei Not-Halt etwas nachgibt. Ein Zentimeter Absacken ist kein Schönheitsfehler, darunter steht vielleicht mal eine Hand. Fragen Sie außerdem, wie sich die Achse ohne Strom bewegen lässt, falls jemand eingeklemmt ist oder ein Teil verkantet. Manche Bremsen haben dafür eine Handlüftung, andere brauchen eine Hilfsspannung. Lange Bremsleitungen mit dünnem Querschnitt kosten Spannung. Dann lüftet die Bremse nur halb, schleift mit und wird heiß.

Hand-Auge-Kalibrierung

Automatisierung & Robotik

Verfahren, das Kamerakoordinaten in Roboterkoordinaten überführt, damit ein Roboter per Bildverarbeitung erkannte Objekte präzise greifen kann. Unterschieden werden Kameras am Roboterarm (eye-in-hand) und fest montierte Kameras (eye-to-hand). Die Kalibrierung erfolgt über ein Kalibriermuster, etwa eine Schachbrettplatte, das an mehreren Positionen aufgenommen wird. Aus den Aufnahmen und den zugehörigen Roboterstellungen errechnet die Software die räumliche Lage der Kamera zum Roboter. Getrennt davon wird die Kamera selbst kalibriert, um Verzeichnung und Maßstab des Objektivs zu erfassen. Erst beides zusammen liefert Greifpositionen in Millimetern.

Aus der Praxis

Kamerageführte Roboterzellen scheitern selten an der Kamera, meist an der Kalibrierung. Ein leicht verschobener Kamerahalter, ein neues Objektiv oder Temperaturdrift, und die Greifposition liegt daneben. Verlangen Sie eine dokumentierte Kalibrierroutine, die der Instandhalter in wenigen Minuten selbst ausführen kann, plus eine Prüfroutine mit Referenzteil. Ohne diese Routine wird jede Störung zum Serviceeinsatz des Integrators. Ich lasse bei der Abnahme die Kamera einmal absichtlich ausbauen, wieder einsetzen und neu kalibrieren. Dann sieht man, wie lange es wirklich dauert und ob die Anleitung stimmt. Das Kalibriermuster gehört zur Lieferung und an die Zelle, nicht in die Schublade des Inbetriebnehmers. Auch nach einem Crash sollte die Prüfung laufen, bevor die Zelle wieder Teile greift.

Handshake (Maschinenkopplung)

Automatisierung & Robotik

Signalaustausch zwischen zwei Maschinen oder Linienabschnitten, der Übergaben abstimmt: Bereit, Anforderung, Übergabe läuft, Stau, Störung. Realisiert wird er über einzelne Drähte (Hardware-Handshake) oder über Feldbus mit definiertem Datenwort. Jedes Signal wird in der Regel quittiert, damit beide Seiten wissen, dass es angekommen ist. Üblich sind Signale im Ruhestromprinzip, bei dem ein Drahtbruch wie der Zustand nicht bereit wirkt. Der Handshake regelt auch, welche Maschine bei Störung des Nachbarn wie reagiert. Er gehört in die Schnittstellenliste und in die Funktionsbeschreibung beider Maschinen.

Aus der Praxis

Wenn Maschinen zweier Hersteller zusammenkommen, ist der Handshake die klassische Streitstelle. Jeder wartet auf das Signal des anderen. Legen Sie vor der Bestellung fest, welche Signale in welcher Logik ausgetauscht werden, wer den Stecker liefert und wer die Kopplung testet. Simulieren Sie Störfälle, zum Beispiel den Stau hinter dem Etikettierer oder den Not-Halt der Nachbarmaschine. Ein Zeitdiagramm in der Schnittstellenliste erspart Wochen. Bestehen Sie darauf, dass beide Hersteller schon vor der Lieferung gegen einen Simulator oder eine Testbox koppeln, sonst treffen sich die Programme zum ersten Mal auf Ihrer Baustelle. Und vereinbaren Sie Zeitüberwachungen: Bleibt eine Antwort aus, soll die Maschine melden, auf wen sie wartet, und nicht stumm stehen.

Haubenschrumpfer

Verpackungstechnik

Maschine, die eine Folienhaube über die Palette zieht und mit Wärme aufschrumpft. Die Haube umschließt die Ladung auf fünf Seiten und schützt sie damit auch von oben vor Nässe. Verwendet wird Haubenfolie aus Polyethylen, die abgelängt, oben verschweißt, aufgeweitet und über die Ladung gestülpt wird. Anschließend schrumpft sie in einem Schrumpfrahmen, der mit Gas oder Strom beheizt wird. Der Haubenschrumpfer ist energieintensiver als Stretchen, dafür stabiler und witterungsfest, und er eignet sich für Außenlagerung und Getränke.

Aus der Praxis

Haubenschrumpfer sind bei Getränken, Baustoffen und Außenlagerung Standard, weil die Palette regendicht und formstabil wird. Nachteile sind der Energiebedarf, der Folienverbrauch und die Brandschutzanforderungen, denn Hitze und Gasbrenner brauchen ein eigenes Brandschutzkonzept. Prüfen Sie, ob Stretchwickeln mit Deckblatt für Ihre Transportkette ausreicht. Häufig ist das die wirtschaftlichere Lösung. Bei wärmeempfindlichen Produkten wie Süßwaren lohnt die Rückfrage, denn die Palette ist beim Schrumpfen kurz der Hitze ausgesetzt und kommt warm aus der Anlage. Aufheizzeit und Stand-by-Verbrauch gehören ebenfalls in die Rechnung, viele Anlagen laufen nicht durchgehend.

Palettensicherungsmaschine, die eine Schlauchfolie ohne Wärme über die Palette zieht. Die Folie wird von der Rolle abgezogen, abgelängt, oben verschweißt, von Reffingern aufgeweitet, seitlich gedehnt und über die Ladung gestülpt. Beim Entspannen umschließt sie das Gut fest. Gegenüber dem Stretchwickeln bietet sie eine geschlossene Haube ohne Folienüberlappung und einen hohen Durchsatz. Vom Haubenschrumpfer unterscheidet sie sich durch den fehlenden Schrumpfrahmen, dadurch entfällt der Energiebedarf für das Heizen.

Aus der Praxis

Die Haubenfolie muss zu Ladehöhe, Palettenmaß und Produkt passen. Für unterschiedliche Höhen wird die Haubenlänge geregelt, für unterschiedliche Grundmaße braucht es weitere Folienrollen. Klären Sie beim Hersteller die Rüstzeit für den Folienwechsel und das Verhalten nach einem Folienriss. Der Platzbedarf in der Höhe wird oft unterschätzt, ebenso der Einfluss der Hallentemperatur auf die Folieneigenschaften. Scharfe Ladungskanten schneiden in die gedehnte Folie, hier hilft ein Kantenschutz. Prüfen Sie außerdem, ob die Ladung bündig auf der Palette steht, denn ein Überstand reißt die Haube gern an der Ecke ein. Schlauchfolie auf der Rolle ist schwer, ohne Hebehilfe wird der Folienwechsel zur Schwerarbeit.

HAZOP

Qualität & Sicherheit

Hazard and Operability Study, die systematische Untersuchung einer Anlage auf Gefährdungen und Betriebsprobleme. Die Anlage wird in Abschnitte unterteilt, meist anhand des Rohrleitungs- und Instrumentenfließbilds. Ein interdisziplinäres Team prüft jede Funktion mit Leitworten wie kein, mehr, weniger oder umgekehrt auf Abweichungen, Ursachen, Folgen und vorhandene Schutzmaßnahmen. Ein Moderator führt durch die Sitzung, ein Protokollführer hält die Ergebnisse fest. Die Methode beschreibt IEC 61882, verbreitet ist sie vor allem in der Prozessindustrie.

Aus der Praxis

In der Verpackungstechnik lohnt ein HAZOP dort, wo Medien, Druck, Temperatur oder Gase im Spiel sind, also bei Schrumpftunnel, MAP-Begasung, Heißleim, CIP-Anschlüssen und Inertisierung. Holen Sie die richtigen Leute an den Tisch. Bediener und Instandhalter wissen, was wirklich passiert, wenn der Sensor ausfällt, und das steht in keinem Fließbild. Planen Sie genug Zeit ein, denn ein Abschnitt nach dem anderen dauert, und nach einem langen Tag ohne Pause sagt keiner mehr etwas Kluges. Halten Sie die Ergebnisse als Maßnahmen mit Verantwortlichen fest und übernehmen Sie sie ins Risikoregister und in die Risikobeurteilung.

Heißabfüllung

Verpackungstechnik

Abfüllen von Produkten bei erhöhter Temperatur, damit die Produktwärme Behälter und Verschluss entkeimt. Nach dem Verschließen wird die Flasche gekippt oder gedreht, damit das heiße Produkt auch die Innenseite des Verschlusses erreicht, danach folgen Haltezeit und Rückkühlung. Verbreitet ist das Verfahren bei Säften, Tees und Saucen in Glas und in heißfüllbarem PET. Es ist eine Alternative zur aseptischen Abfüllung mit geringerem Anlagenaufwand, aber höherem Energiebedarf und höheren Anforderungen an das Packmittel.

Aus der Praxis

Heißabfüllung belastet die ganze Linie. Behälter müssen die Temperatur ohne Verformung aushalten, Etiketten und Klebstoffe die Kühlung mit Kondenswasser, und der Verschluss den Unterdruck beim Abkühlen. Die Rückkühlstrecke kostet Platz und Energie. Gekühlte Flaschen kommen nass an, das merken Etikettierer und Inkjet-Codierer als Erste. Außerdem ändert sich beim Abkühlen das Volumen des Produkts, die Füllhöhe schwankt dadurch und lässt sich erst nach dem Abkühlen beurteilen. Bei PET sollten Sie die Vakuumkompensation der Flasche vor dem Kauf klären. Fragen Sie den Behälterlieferanten nach zulässiger Fülltemperatur und Haltezeit, denn heißfüllbar ist kein einheitlicher Wert. Fällt die Produkttemperatur beim Füllen zu stark, entkeimt die Wärme den Verschluss nicht mehr, deshalb gehört eine Temperaturüberwachung an den Füller.

Heizpatrone

Maschinenbau & Komponenten

Elektrisches Heizelement in Stabform, das in eine Bohrung eingesetzt wird und das umgebende Metall von innen beheizt. Im Inneren liegt ein Heizleiter aus einer Widerstandslegierung, eingebettet in verdichtetes Magnesiumoxid, das elektrisch isoliert und Wärme gut leitet. Außen schließt ein Mantel aus Edelstahl das Element ab. Hochleistungsheizpatronen sind stark verdichtet und für hohe Flächenbelastung ausgelegt, sie brauchen eine eng tolerierte Bohrung. Kennwerte sind Durchmesser, Länge, Leistung, Spannung und die Lage der unbeheizten Zonen. Angeschlossen wird über Litzen oder Bolzen, bei Bedarf mit Schutzschlauch, manche Typen haben ein Thermoelement eingebaut. Heizpatronen sitzen in Siegelbacken, Schweißschienen, Formwerkzeugen und Hotmelt-Geräten.

Aus der Praxis

Brennt eine Heizpatrone durch, liegt es oft an der Bohrung. Sitzt sie mit Luft in einer ausgeschlagenen oder verzunderten Bohrung, staut sich die Wärme im Mantel, und die Wendel gibt auf. Beim Tausch lohnt sich also ein Blick mit dem Messschieber. Festgebackene Patronen bekommt man oft nur durch Austreiben heraus. Bei neuen Siegelbacken ist eine Durchgangsbohrung deshalb eine gute Idee. Die zweite Schwachstelle ist die Anschlussleitung. Sie liegt an der heißen Backe, wird bei jeder Bewegung gebogen und bricht irgendwann an der Austrittsstelle. Fragen Sie bei beweglichen Backen nach Patronen mit geschütztem Anschluss oder abgewinkeltem Austritt. Ans Lager gehören genau die Patronen, die verbaut sind. Gleicher Durchmesser und gleiche Leistung reichen nicht, wenn Spannung oder unbeheizte Zone abweichen.

Hintertretschutz

Qualität & Sicherheit

Maßnahme gegen das unbemerkte Verweilen einer Person zwischen einer Schutzeinrichtung und der Gefahrstelle. Kann jemand ein Lichtgitter passieren und dahinter stehen, ohne detektiert zu werden, darf die Maschine nicht von selbst wieder anlaufen. Der Wiederanlauf erfolgt erst nach einer bewussten Quittierung von einer Stelle, von der der gesamte Gefahrenbereich einsehbar ist. Als Lösungen kommen zusätzliche Strahlen, Schaltmatten, Laserscanner mit Schutzfeld oder ein außerhalb angebrachter Quittiertaster mit Sichtkontakt infrage. Das Problem tritt vor allem bei großen Zellen mit begehbarem Gefahrenbereich auf.

Aus der Praxis

Der Hintertretschutz wird in Layouts gern vergessen, weil der Raum hinter dem Lichtgitter auf dem Papier eng aussieht. In der Praxis stehen dort Bediener zum Nachlegen von Packmitteln oder zum Reinigen. Ich prüfe jede Schutzeinrichtung mit der Frage, ob jemand dahinter stehen kann und wer ihn beim Quittieren sieht. Der Quittiertaster muss außerhalb des Gefahrenbereichs sitzen und den gesamten Bereich einsehbar machen. Gehen Sie bei der Abnahme einmal selbst hinter das Lichtgitter, bevor die Linie gestartet wird. Wenn Sie dort stehen können und das Quittieren trotzdem klappt, ist die Schutzeinrichtung nicht fertig.

HMI

Automatisierung & Robotik

Human Machine Interface, die Bedienschnittstelle der Maschine, meist ein Touchpanel oder Panel-PC mit Visualisierung, Meldungen und Rezepturen. Typische Bildschirmseiten sind Übersicht, Betriebsartenwahl, Handbetrieb, Rezeptverwaltung, Störmeldungen und Benutzerverwaltung. Gute HMIs sagen dem Bediener, dass eine Störung vorliegt, wo sie sitzt und wie sie sich beheben lässt. Die Rechte werden nach Benutzergruppen vergeben, etwa für Bediener, Einrichter und Instandhalter. Mehrsprachigkeit gehört von Anfang an ins Lastenheft.

Aus der Praxis

Ein gutes HMI reduziert Bedienfehler und Stillstandszeiten: Störmeldungen im Klartext mit Bild der Störstelle, Rüstassistent mit Schrittfolge, Rezeptverwaltung mit Berechtigungen, Sprachumschaltung für internationale Teams. Fordern Sie beim FAT eine Bedienung durch Ihr eigenes Personal. Dann zeigt sich, ob die Oberfläche selbsterklärend ist oder nur für den Programmierer. Achten Sie auf Kleinigkeiten, die im Betrieb nerven. Tasten, die mit Handschuhen nicht treffen. Eine Meldeflut, in der die eine wichtige Meldung untergeht. Ich setze mich beim FAT gern neben den Bediener und schaue nur zu, wo er zögert. Dort sitzt der Fehler.

Verpackungsmaschine für große Stückzahlen bei hoher Taktzahl, in der Regel vollautomatisch. Eine feste Grenze, ab der eine Maschine als Hochgeschwindigkeitsmaschine gilt, gibt es nicht, sie hängt von der Packungsart ab. Der Aufbau besteht aus Zuführung mit Vereinzelung, Verpackungseinheit und Ausgabe. Verarbeitet werden flexible Packungen wie Beutel oder starre wie Flaschen und Kartons, etwa für Lebensmittel, Getränke oder Pharma. Bei hohen Leistungen kommen häufig Servoantriebe, Bahnlaufregelung und Kamerakontrolle zum Einsatz. Mikrostopps wirken sich auf die Ausbringung stärker aus als bei langsameren Maschinen.

Aus der Praxis

Hohe Geschwindigkeit nützt nur, wenn Zuführung, Packmittel und Linienende mithalten. Viele Betreiber kaufen Leistung, die sie nie nutzen, weil die Vereinzelung schon weit unterhalb der Nennleistung an ihre Grenze kommt. Rechnen Sie mit der Dauerleistung über eine Schicht und nicht mit der Spitzenleistung im Prospekt. Mikrostopps summieren sich bei hoher Taktzahl schnell und stehen in keinem Bericht, wenn niemand sie mitzählt. Fragen Sie nach der Nennleistung je Format und danach, was die Maschine mit Ihrem Packmittel wirklich schafft. Verschleißteile müssen schnell zugänglich sein, denn jede Minute Stillstand kostet bei hoher Taktzahl viele Packungen. Ein Test über mehrere Stunden bei Sollleistung zeigt mehr als jede Zusage.

Hochregallager

Intralogistik

Palettenlager ab etwa 12 m Höhe, das mit Regalbediengeräten automatisch bedient wird. Die Geräte fahren in schmalen Gassen, an der Stirnseite übernehmen Fördertechnik oder FTS die Paletten. Am Eingang prüft eine Palettenkontrolle Maße, Überstand und Zustand der Palette. Häufig ist die Silobauweise, bei der das Regal selbst Dach und Wände trägt. Sie hat steuerlich und baurechtlich eigene Spielregeln, die vorab zu klären sind. Ein Lagerverwaltungssystem vergibt die Plätze. Die Anbindung an die Produktion bestimmt den Gesamtnutzen.

Aus der Praxis

Ein Hochregallager ist eine Bauentscheidung, die Jahrzehnte hält: Brandschutz, Bodenbelastung, Statik und Genehmigungen laufen parallel zur Anlagentechnik. Wirtschaftlich wird es über Flächeneinsparung, Personalreduktion und Bestandsgenauigkeit. Die Anbindung an die Produktion mit Palettenkontrolle, Fördertechnik und WMS-Schnittstelle entscheidet, ob die Investition im Alltag Zeit spart oder den Engpass nur verschiebt. Klären Sie außerdem, wie Sie bei Ausfall eines Regalbediengeräts an die Paletten in dieser Gasse kommen und wer dafür geschult ist. Ohne Notbetrieb steht dort der Bestand, und die Produktion wartet auf ihre Rohstoffe.

Hotmelt

Verpackungstechnik

Thermoplastischer Schmelzklebstoff für Kartonagen und Tray-Verklebung. Er wird als Granulat oder Block im beheizten Tank aufgeschmolzen und über beheizte Schläuche zu Auftragsköpfen mit Düsen gepumpt. Beim Abkühlen bindet er ab, die offene Zeit ist kurz. Gängige Grundstoffe sind EVA und Polyolefine. Aufgetragen wird als Raupe oder als Punkt. Laufende Kosten (Verbrauch pro Karton), Fadenzug und Düsenverstopfung sind die Praxisthemen. Systeme mit Punktauftrag brauchen gegenüber dem Raupenauftrag meist weniger Leim.

Aus der Praxis

Leimkosten sind laufende Kosten, die sich pro Karton rechnen lassen, aus Auftragsmenge, Leimpreis und Stückzahl. Punktauftrag statt Raupe, die richtige Temperatur und saubere Düsen sparen Material und vermeiden Fadenzug. Zu heißer Leim verkohlt in der Düse, zu kalter benetzt schlecht. Ich prüfe eine Verklebung am liebsten durch Aufreißen des Kartons: Bleiben Fasern am Leim hängen, hält sie. Bei Kartonverschließern lohnt der Blick auf Leimschmelzer mit automatischer Nachfüllung. Manuelles Nachfüllen ist in der Nachtschicht eine häufige Stillstandsursache, und bei heißem Leim gehören Handschuhe und Schutzbrille dazu. Gehen die Kartons ins Kühlhaus, gehört der Temperaturbereich des Leims in die Anfrage an den Leimlieferanten.

HP

Digitalisierung & KI

Hersteller von Computern, Notebooks, Druckern und Scannern, dessen Name auf Hewlett-Packard zurückgeht. In Büros und Werken sind vor allem Arbeitsplatzrechner, Großformatdrucker für Zeichnungen und Dokumentenscanner im Einsatz. Arbeitsplatzrechner für CAD-Anwendungen werden mit leistungsfähiger Grafikkarte und reichlich Arbeitsspeicher ausgestattet. Großformatdrucker geben Layouts und Zeichnungen maßstäblich auf Rollenpapier aus. Dokumentenscanner mit automatischem Einzug erfassen Papierstapel zügig und liefern daraus Bilddateien, die mit nachgeschalteter Texterkennung durchsuchbar werden.

Aus der Praxis

Für die Projektarbeit reichen Consumer-Geräte nicht. CAD-Layouts und große Baugruppen brauchen einen Rechner mit ordentlicher Grafikleistung, sonst ruckelt der Bildschirm, sobald die ganze Halle eingeblendet ist. Ein Dokumentenscanner mit Einzug macht aus dem Papierberg der Lieferantenunterlagen durchsuchbare PDF-Dateien und ist damit die Grundlage jeder digitalen Ablage. Planen Sie auch den Drucker für die Großformate ein. Bei der Layoutabstimmung am Tisch will jeder einen Plan in der Hand halten, den er mit dem Stift bekritzeln kann. Der Scanner zahlt sich aus, sobald zum ersten Mal ein Prüfprotokoll oder Zertifikat gesucht wird und binnen Minuten auf dem Schirm steht.

HubSpot

Digitalisierung & KI

CRM-Plattform (Customer Relationship Management) für Kontakte, Unternehmen, Angebote und Kommunikation. Sie bündelt Vertrieb, Marketing und Service in einer gemeinsamen Datenbank. Zu jedem Kontakt und jedem Unternehmen läuft die Kommunikation auf, sodass der Verlauf an einer Stelle nachlesbar ist. Anfragen und Angebote werden als Vorgänge geführt, denen ein Verantwortlicher und eine Wiedervorlage zugeordnet sind. Dazu gehören Formulare für die Website, Terminbuchung und E-Mail-Verfolgung. Ein CRM ist ein Werkzeug für Vertrieb und Kundenkontakt und ersetzt weder das ERP noch die Projektplanung.

Aus der Praxis

Bei POWERJO laufen Kundenanfragen, Terminbuchungen und die Kontakthistorie über HubSpot, auch die Formulare auf dieser Website. Der Nutzen für Sie: Wer anfragt, landet nicht im Postfach eines Einzelnen. Die Anfrage wird zum Vorgang mit Verantwortlichem und Wiedervorlage. So geht nichts verloren, weil der Kollege im Urlaub war oder die Mail im falschen Ordner lag. Wenn Sie selbst ein CRM einführen, halten Sie die Pflichtfelder klein. Was beim Eintragen nervt, bleibt leer, und irgendwann ist die Datenbank voller Lücken. Legen Sie außerdem fest, wer neue Kontakte anlegt, sonst steht dieselbe Firma mit demselben Ansprechpartner dreimal drin.

Hubwagen

Intralogistik

Handgeführtes Flurförderzeug zum Anheben und Verschieben von Paletten. Gehoben wird über eine Handpumpe mit Hydraulik, gelenkt und gezogen wird über die Deichsel. Der Hubwagen hebt die Palette nur so weit an, dass sie frei vom Boden ist. Er ist in der Anschaffung günstig und hat sich deshalb in vielen Werken unkontrolliert vermehrt. Eine Bestandsaufnahme mit Anzahl, Zustand und Prüfstatus nach DGUV ist der einfachste Einstieg in die Shopfloor-Analyse. Der elektrisch angetriebene Verwandte ist die Elektroameise.

Aus der Praxis

Hubwagen tauchen in keiner Investitionsrechnung auf und kosten trotzdem: Prüfungen, Reparaturen, Unfälle, Platz. In der Shopfloor-Analyse zählen wir sie mit, weil jede manuelle Palettenbewegung ein Hinweis auf fehlende Fördertechnik oder ungünstige Wege ist. Meist stehen sie dort, wo zuletzt jemand fertig war, und mit Glück findet sie der Nächste wieder. Eine Regel wie Hubwagen nur mit Prüfplakette und festem Stellplatz ist ein einfacher erster Ordnungsschritt. Beim Rundgang sieht man schnell, welche Geräte seit Wochen unbenutzt herumstehen. Geräte mit abgelaufener oder fehlender Plakette gehören sofort aus dem Verkehr, sonst fährt sie der nächste Kollege trotzdem.

Hydraulikaggregat

Maschinenbau & Komponenten

Baugruppe, die den Druckölstrom für eine hydraulische Anlage erzeugt und aufbereitet. Sie besteht aus Tank, Elektromotor, Pumpe, Druckbegrenzungsventil und Filtern, dazu kommen je nach Leistung ein Ölkühler, Überwachungen für Füllstand, Temperatur und Verschmutzung sowie oft ein Ventilblock für die Verbraucher. Verbreitet sind Zahnradpumpen für einfache Aufgaben und Axialkolbenpumpen mit Druck- oder Förderstromregelung für größere Leistungen. Ein Hydraulikspeicher kann Spitzenbedarf abdecken und die Pumpe entlasten. In Produktionslinien treibt Hydraulik vor allem Pressen, Ballenpressen, Hubtische und Klemmungen an, wo hohe Kräfte auf kleinem Raum gebraucht werden. Speicher können je nach Größe unter die Prüfpflichten der Betriebssicherheitsverordnung fallen.

Aus der Praxis

Schmutz im Öl ist der Klassiker bei Hydraulikstörungen. Ventile klemmen, Pumpen verschleißen, und getauscht wird dann das Ventil, während der verstopfte Filter längst über den Bypass läuft. Prüfen Sie bei der Abnahme, ob die Verschmutzungsanzeige der Filter an die Steuerung gemeldet wird oder nur als Knopf am Filtergehäuse herausspringt. Neues Öl ist nicht automatisch sauber. Füllen Sie über ein Filteraggregat nach und nicht mit Kanne und Trichter. Steht das Aggregat im Sommer neben einem Ofen, muss der Kühler dafür ausgelegt sein. Schlauchleitungen altern auch im Stillstand. Auf der Armatur steht das Herstelldatum, und zur Verwendungsdauer gibt die DGUV Empfehlungen. Im Lebensmittelbereich gehört H1-Öl in jedes Aggregat mit Leitungen in Produktnähe, denn irgendwann tropft jeder Schlauch.

Hygieneschleuse

Produktion & Energie

Durchgangsanlage am Zugang zu einem Produktions- oder Hygienebereich, in der Personen vor dem Betreten festgelegte Hygieneschritte durchlaufen. Je nach Ausführung gehören Händewaschen, Händedesinfektion und Sohlenreinigung dazu. Ein Drehkreuz oder eine Sperre gibt den Durchgang erst frei, wenn die Hände desinfiziert und die Schuhsohlen gereinigt sind. Die Schleuse liegt meist hinter der Umkleide, in der Straßenkleidung gegen Arbeitskleidung getauscht wird, oft nach dem Schwarz-Weiß-Prinzip mit getrennten Bereichen. Werkzeug und Ersatzteile gelangen über Materialschleusen oder festgelegte Übergabestellen in den Bereich. Wo Schleusen nötig sind und wie sie ausgestattet sein müssen, folgt aus dem Hygienezonenkonzept des Werks und aus Standards wie IFS Food oder BRCGS.

Aus der Praxis

Für Monteure ist die Hygieneschleuse oft die erste Überraschung auf der Baustelle. Mit Werkzeugkiste und Ersatzteilkarton kommt keiner durch das Drehkreuz, und der Weg über die Materialschleuse ist mit niemandem abgesprochen. Klären Sie das vor dem ersten Montagetag mit der Qualitätssicherung, einschließlich der Regeln für Kleidung, Schmuck und Handy. Rechnen Sie außerdem die Zeit ein. Wer mehrmals am Tag zwischen Werkstatt und Linie wechselt, verliert jedes Mal ein paar Minuten in der Schleuse, und bei einer größeren Montagemannschaft summiert sich das über die Woche. Beim Neubau oder Umbau lohnt ein Blick auf die Kapazität. Zum Schichtwechsel wollen alle gleichzeitig durch, und eine Schleuse, die im Normalbetrieb reicht, wird dann zum Nadelöhr.

Hygienezonen (Zoning)

Qualität & Sicherheit

Einteilung des Betriebs in Bereiche mit unterschiedlichen Hygieneanforderungen, etwa Hochrisiko, Basishygiene und Nichtproduktion, mit Regeln für den Fluss von Material, Personen und Luft. Die Zonen werden baulich getrennt, Übergänge laufen über Hygieneschleusen mit Händewaschen, Kleidungswechsel und Schuhwechsel. Die Luft strömt in der Regel von der sauberen zur weniger sauberen Zone. Werkzeuge, Reinigungsgeräte und Arbeitskleidung sind häufig zonenspezifisch gekennzeichnet. Grundlage ist die Gefahrenanalyse nach HACCP.

Aus der Praxis

Das Zoning bestimmt Layout, Schleusen und Fördertechnik. Kartons dürfen nicht in den Hochrisikobereich, Personal wechselt die Kleidung. Planen Sie Übergabepunkte und Maschinenaufstellung nach den Zonen, sonst kollidieren Linienlayout und Hygienekonzept spätestens im Audit. Besonders heikel sind Linien, die durch eine Zonengrenze laufen. Der Wanddurchbruch muss sich reinigen lassen, und für Wartung und Störungsbeseitigung muss klar sein, wer von welcher Seite an die Maschine darf. Fragen Sie auch nach den Wegen für Ersatzteile und Werkzeug, denn der Instandhalter, der mit dem Schraubenschlüssel aus der Werkstatt kommt, macht sonst aus der Zonengrenze eine Linie auf dem Papier.

Hygienic Design

Qualität & Sicherheit

Konstruktionsprinzipien für reinigungsgerechte Maschinen. Dazu gehören keine Toträume, keine horizontalen Flächen, definierte Radien, geeignete Werkstoffe wie Edelstahl und eine Schutzart für die Nassreinigung. Schweißnähte werden glatt ausgeführt, Dichtungen sitzen ohne Spalt, im Produktbereich vermeidet man Gewinde und Hohlräume. Zukaufteile wie Motoren, Lager und Sensoren werden so gewählt und angeordnet, dass kein Schmutz hängen bleibt. Im Lebensmittelbereich ist das kein Nice-to-have, sondern ein Auswahlkriterium, denn schlechtes Hygienic Design kostet täglich Reinigungszeit.

Aus der Praxis

Praktische Prüfpunkte bei Angeboten sind offene Gestelle statt Hohlprofile, geneigte Flächen, abgesetzte Motoren, geschlossene Kabelführung, Edelstahl 1.4301 oder 1.4404 im Produktbereich und eine Schutzart von IP65 bis IP69K je nach Reinigung. Ich lasse mir bei Angeboten die Reinigungszeiten vergleichbarer Anlagen nennen. Sie sind ein realer Kostenfaktor, der im Kaufpreis nicht auftaucht, und sie zeigen schnell, welcher Anbieter wirklich hygienegerecht konstruiert. Schauen Sie sich bei einer Referenzanlage die Stellen an, die der Reiniger täglich anfasst: Abdeckungen, Führungen, Übergaben. Dort sieht man ohne Prospekt, wie viel Zeit ein Wechsel kostet.

I

IBScad

Digitalisierung & KI

2D-CAD-System für Anlagenlayouts, Aufstellpläne und Konstruktionszeichnungen im Maschinen- und Anlagenbau. Es arbeitet mit den im Maschinenbau üblichen Zeichnungsformaten, sodass Layouts mit Lieferanten und Kunden ausgetauscht werden können, die andere CAD-Systeme einsetzen. Ein Layout zeigt Maschinen, Fördertechnik, Gebäude, Säulen und Tore maßstäblich in der Draufsicht. Aufstellpläne dienen dazu, Platzbedarf, Fluchtwege, Bedienseiten und Wartungsflächen zu prüfen, lange bevor eine Maschine bestellt wird. Für die Abstimmung der Aufstellung genügt meist die Draufsicht in 2D.

Aus der Praxis

Bei POWERJO ist IBScad das Werkzeug für Linienlayouts: Maschinen, Fördertechnik, Fluchtwege, Bedienseiten und Wartungsflächen in einem maßstäblichen Plan. Ein Layout im Vorfeld der Ausschreibung verhindert die klassischen Überraschungen. Die Säule steht im Weg, das Tor ist zu schmal, vor dem Schaltschrank bleibt kein Platz zum Arbeiten. Zeichnen Sie Türschwenkbereiche und Haubenöffnungen ein und halten Sie die Stapler-Wege frei, sonst fällt das erst beim Aufstellen auf. Hallenpläne aus dem Archiv stimmen nicht immer mit dem heutigen Stand überein, messen Sie kritische Stellen nach. Nehmen Sie das Layout als Anlage in die Ausschreibung, dann bieten alle Lieferanten für denselben Platz an.

IFS Food

Qualität & Sicherheit

Zertifizierungsstandard der Lebensmittelwirtschaft für Lebensmittelsicherheit und Qualität, ursprünglich vom Handel entwickelt. Er gilt für Betriebe, die Lebensmittel herstellen oder verarbeiten, und wird von akkreditierten Zertifizierungsstellen auditiert. Geprüft werden Managementsystem, HACCP-Konzept, Hygiene, Prozesslenkung und Produktkontrolle. Für Maschinen sind vor allem Hygienic Design, Fremdkörpermanagement, Wartungsdokumentation und das Glasregister auditrelevant. Neue Anlagen müssen in das bestehende IFS-Konzept des Betriebs passen, sonst entstehen Abweichungen im nächsten Audit.

Aus der Praxis

Beim Audit zählt, was die neue Maschine im Betrieb anrichten kann. Sie gefährdet das Zertifikat schneller, als man denkt. Die üblichen Funde sind Sichtscheiben aus Glas, Kabelbinder, die kein Detektor erkennt, Schmierstoffe ohne Lebensmittelzulassung und Wartungsarbeiten ohne Protokoll. Holen Sie die Qualitätssicherung schon ins Lastenheft und in die FAT, denn die kennt die Auditfragen besser als jeder Konstrukteur. Lassen Sie sich vom Lieferanten ein Dokumentenpaket mit allem geben, was IFS berührt: Materialnachweise, Schmierstoffliste, Liste der Glas- und Hartplastikteile, Reinigungsanleitung. Wer das erst nach der Lieferung nachfordert, bekommt es meist lückenhaft.

IIoT

Digitalisierung & KI

Industrial Internet of Things: Vernetzung von Maschinen, Sensoren und Anlagen mit IT-Systemen, um Betriebs- und Prozessdaten kontinuierlich zu erfassen, zu übertragen und auszuwerten. Im Unterschied zur klassischen Automatisierung greift IIoT meist nicht steuernd ein, sondern liefert Daten für Monitoring, Analyse und Instandhaltung. Die Daten stammen aus Steuerungen und nachgerüsteten Sensoren, laufen über Gateways und Protokolle wie MQTT oder OPC UA in eine Plattform im Werk oder in der Cloud und werden dort aufbereitet.

Aus der Praxis

IIoT scheitert selten an der Technik, meist am Zweck. Daten werden gesammelt, ohne dass jemand eine Frage dazu hat. Starten Sie mit einem konkreten Nutzen, zum Beispiel Stillstandsgründen, Druckluftverbrauch oder dem Temperaturverlauf im Siegelwerkzeug, und erweitern Sie erst danach. Klären Sie früh, wer zuständig ist, die Instandhaltung oder die IT. Genauso früh gehört auf den Tisch, wie das Netz zur Steuerungsebene getrennt wird und wer die Sensoren im Bestand später wartet. Nachgerüstete Sensoren an alten Maschinen werden irgendwann verstellt oder abgerissen, und keiner bemerkt es. Planen Sie deshalb eine Kontrolle ein, ob die Messwerte noch zur Realität passen.

In-Mould-Labeling

Verpackungstechnik

Verfahren, bei dem das Etikett schon bei der Herstellung der Verpackung in die Form gelegt und mit dem Kunststoff verbunden wird. Das Etikett aus Kunststofffolie liegt in der Form, meist elektrostatisch oder per Vakuum fixiert, und wird beim Spritzgießen vom Kunststoff umspritzt. Das Verfahren gibt es auch beim Thermoformen. Das Etikett wird dadurch Teil der Wand und ist dauerhaft mit der Verpackung verbunden. Verwendet wird IML häufig für Joghurtbecher, Margarinebecher und Eiscremebecher, weil Dekor und Behälter aus einem Arbeitsgang kommen und das Druckbild wischfest ist.

Aus der Praxis

IML liefert eine hochwertige, wischfeste Dekoration direkt beim Spritzgießen oder Thermoformen, und in Ihrer Linie steht kein Etikettierer. Dafür hängt das Ergebnis an stabilen Prozessen beim Verpackungslieferanten, denn verrutschte Etiketten oder Blasen werden erst am fertigen Becher sichtbar. Die Losgrößen müssen ausreichen, und ein Motivwechsel ist teurer als bei Etiketten, weil Druck und Zuschnitt auf das Motiv laufen. Besteht das Etikett aus demselben Kunststoff wie der Becher, passt das gut zu einer Mono-Material-Lösung. Sprechen Sie das früh mit dem Lieferanten ab, bevor die Becher gedruckt werden. Verlangen Sie die Konformitätserklärung für den ganzen Verbund aus Becher, Etikett und Farbe.

Inbetriebnahme

Projektleitung & CAPEX

Phase zwischen mechanischem Aufbau und Produktionsstart. Sie umfasst die Funktionsprüfung der Einzelkomponenten, Parametrierung, Testläufe, die Verkettung mit der Nachbartechnik und die Optimierung bis zum Leistungsnachweis. Üblich ist die Staffelung in Kaltinbetriebnahme ohne Produkt und Warminbetriebnahme mit Produkt, danach folgt der Probebetrieb. Bedienerschulung und Übergabe der Dokumentation gehören ebenfalls dazu. Die Inbetriebnahme wird im Projektplan regelmäßig unterschätzt. Realistische Inbetriebnahmezeiten und klare Verantwortlichkeiten gehören deshalb ins Lastenheft.

Aus der Praxis

Planen Sie für die Inbetriebnahme einer verketteten Linie Wochen und nicht Tage. Teilen Sie sie in Meilensteine auf, für Einzelfunktion, Verkettung, Leistungslauf und Bedienerschulung. Klären Sie vorher, wer Produkt, Packmittel, Medien und Personal stellt, denn kaum etwas ist teurer als ein Inbetriebnehmer, der auf Karton wartet. Ein kurzes Baustellenmeeting jeden Morgen verhindert Leerlauf und zeigt, wer wen braucht. Rechnen Sie mit Anlaufschwierigkeiten bei den Übergaben zwischen Maschinen, die einzeln sauber liefen. Die Inbetriebnahme endet mit dem Probebetrieb und dem dokumentierten Leistungsnachweis, nicht mit dem ersten laufenden Karton.

Inbetriebnahmeplan

Projektleitung & CAPEX

Plan, der Schritte, Reihenfolge, Voraussetzungen, Zuständigkeiten und Prüfkriterien für die Inbetriebnahme einer Maschine oder Linie festlegt. Er beginnt mit der Prüfung der mechanischen Fertigstellung und führt über Loop-Check (I/O-Check), Drehrichtungsprüfung und Prüfung der Sicherheitsfunktionen zur Kalt- und Warminbetriebnahme. Es folgen Einzelinbetriebnahme der Maschinen, Linienintegration, Versuche mit Produkt und Packmitteln, Probebetrieb und Leistungsnachweis. Für jeden Abschnitt steht fest, welche Medien, Materialien und Personen bereit sein müssen und wann er als abgeschlossen gilt. Der Inbetriebnahmeplan schließt an den Montageablaufplan an und endet in der Regel mit der SAT oder der Produktionsübergabe.

Aus der Praxis

Im Terminplan ist die Inbetriebnahme oft ein einziger langer Balken. Das reicht nicht. Spätestens beim ersten Versuch mit Produkt fehlt das Packmittel, oder am Lager liegt nur die alte Druckversion. Klären Sie früh, wer wie viel Produkt und Packmittel für die Versuche stellt und wohin der Ausschuss geht. Bei Lebensmitteln kommt da schnell eine Menge Ware zusammen, die nicht verkauft werden darf. Sind mehrere Lieferanten beteiligt, muss einer die Linienintegration führen. Sonst testet jeder seine Maschine für sich, und die Signale zwischen den Maschinen prüft keiner. Planen Sie die Prüfung der Sicherheitsfunktionen vor den Produktversuchen ein, denn solange an den Schutztüren noch Punkte offen sind, sollten keine Bediener aus der Produktion an der Linie arbeiten. Und schreiben Sie hinein, wann ein Abschnitt fertig ist. Ohne dieses Kriterium bleibt alles bei fast fertig hängen.

Incoterms

Kaufmännisches

Standardisierte Lieferklauseln der Internationalen Handelskammer, die zwischen Verkäufer und Käufer aufteilen, wer Transport, Versicherung, Zoll und Gefahrübergang trägt. Jede Klausel hat ein Kürzel aus drei Buchstaben, etwa EXW für ab Werk, DAP für geliefert benannter Ort und DDP für geliefert verzollt. Bei EXW holt der Käufer die Maschine am Werkstor ab und trägt alles ab dort. Bei DAP liefert der Verkäufer bis zum benannten Ort, entladen wird aber vom Käufer. Bei DDP übernimmt der Verkäufer zusätzlich die Einfuhrverzollung. Zwei gleich hohe Angebote können im Endpreis weit auseinanderliegen, wenn eines EXW und eines DAP kalkuliert ist. Der Incoterms-Check gehört in jeden Angebotsvergleich.

Aus der Praxis

Für Maschinenkäufe sind DAP und DDP die gängigen Klauseln, EXW sieht man vor allem bei Gebrauchtmaschinen. Im Ausschreibungspaket von POWERJO ist die Klausel vorgegeben, damit alle Anbieter auf derselben Basis rechnen. Ich rechne Angebote erst gegeneinander, wenn die Klausel überall gleich ist, sonst stehen Äpfel neben Birnen. Und die Klausel allein reicht nicht. Abladen, Einbringen in die Halle, Transportversicherung und Verpackung regeln Sie ausdrücklich im Vertrag, denn die Incoterms decken das nicht vollständig ab. Wer sich darauf verlässt, steht an der Rampe, schaut auf den Tieflader und fragt sich, wer den Kran bestellt hat.

Induktionsversiegelung

Verpackungstechnik

Berührungsloses Versiegeln von Behälteröffnungen mit einer Aluminiumsiegelscheibe im Verschluss. Nach dem Aufschrauben läuft der Behälter unter einem Induktionskopf durch, der die Folie durch Wirbelströme erwärmt, sodass die Heißsiegelschicht mit dem Behälterrand verschmilzt. Das Ergebnis ist ein Originalitätsverschluss, der gegen Auslaufen und Sauerstoff dicht ist. Eingesetzt wird das Verfahren bei Kunststoff- und Glasgebinden mit Schraubverschluss. Die Kappe selbst muss aus Kunststoff sein, weil eine Metallkappe selbst Wärme aufnehmen würde.

Aus der Praxis

Die Siegelqualität hängt an drei Dingen: Abstand des Induktionskopfs zum Verschluss, Verschlussdrehmoment und Sauberkeit des Behälterrands. Zu wenig Energie ergibt undichte Stellen, zu viel verbrennt die Dichtung oder verformt den Rand. Bei Formatwechseln muss der Kopfabstand reproduzierbar einstellbar sein, am besten mit Skala und Rezept und nicht nach Gefühl. Von außen sieht man der Siegelung nichts an. Legen Sie deshalb eine Prüfmethode fest, etwa das Abziehen der Folie mit Blick auf den Siegelring oder eine Dichtheitsprüfung, und halten Sie die Prüfintervalle schriftlich fest. Ich lasse mir bei der Abnahme zeigen, wie die Prüfung absichtlich schief sitzende Verschlüsse findet.

Industriepalette

Intralogistik

Palette im Format 1.200 × 1.000 mm, also größer als die Euro-Palette mit 1.200 × 800 mm. Verbreitet ist sie in der Getränkelogistik, in der Chemie und im Export. Häufig ist sie eine Einweg- oder Poolpalette aus Holz oder Kunststoff. Die Länge von 1.200 mm bleibt gleich, die Breite wächst um 200 mm, dadurch passen andere Lagenbilder und Kartonformate auf die Fläche. Dasselbe Maß hat die CP1-Palette der Chemie. Regale, Fördertechnik und Palettenkontrolle müssen auf die größere Breite ausgelegt sein.

Aus der Praxis

Wer Industrie- und Euro-Paletten mischt, braucht Palettierer, Wickler, Fördertechnik und Regale, die beide Formate verarbeiten. Das wird bei Ausschreibungen oft vergessen. Legen Sie fest, welche Formate heute und in fünf Jahren laufen sollen, und lassen Sie die Palettenkontrolle beide Formate prüfen. Schwierig wird der Wechsel zwischen den Formaten. Muss ein Bediener dafür Führungen von Hand verstellen, unterbleibt das irgendwann, und die Palette läuft schief in die Anlage. Besser ist ein automatischer Formatwechsel oder eine saubere Trennung der Wege. Denken Sie auch an die Lkw-Beladung, denn die Palettenzahl pro Auflieger ändert sich mit dem Format.

Inertisierung

Qualität & Sicherheit

Verfahren, bei dem Sauerstoff aus Verpackung, Behälter oder Lagerraum durch ein Inertgas verdrängt wird, um Oxidation zu bremsen und das Wachstum aerober Mikroorganismen zu hemmen. Eingesetzt werden Stickstoff, der sich chemisch nicht beteiligt, und Kohlenstoffdioxid, das auf manche Keime zusätzlich hemmend wirkt. In der Verpackung geschieht das als Gasspülung vor dem Verschließen, etwa über das Füllrohr einer Schlauchbeutelmaschine, und führt zur Schutzgasverpackung. Typische Produkte sind Kaffee, Nüsse, Snacks und Pulver. Im Explosionsschutz meint der Begriff etwas anderes, nämlich das Füllen von Silos oder Mühlen mit Inertgas.

Aus der Praxis

Beim Gas wird gern gespart, bis die Reklamation kommt. Rechnen Sie den Verbrauch je Packung bei Höchstleistung durch, nicht bei halber Geschwindigkeit. Eine undichte Siegelnaht macht die ganze Spülung wertlos, bezahlen müssen Sie das Gas trotzdem. Messen Sie den Restsauerstoff stichprobenweise und dokumentieren Sie ihn je Charge. Fragen Sie den Lieferanten außerdem, woher der Stickstoff kommen soll, aus dem Tank, aus Flaschenbündeln oder aus einem Generator. Das ändert Reinheit, Leitungsquerschnitt und Betriebskosten. Und schauen Sie, was das Produkt selbst an Luft mitbringt. Pulver und lockere Schüttgüter tragen Sauerstoff zwischen den Partikeln ein, den die Spülung erst herausholen muss.

Innenmaß / Außenmaß

Verpackungstechnik

Kartonabmessungen werden als Innenmaß in der Reihenfolge Länge, Breite, Höhe angegeben, wie es die FEFCO-Konvention vorsieht. Länge und Breite beziehen sich auf die Öffnung, die Höhe ist das dritte Maß. Das Außenmaß ergibt sich aus Innenmaß plus Materialstärke und Faltzugaben und bestimmt Packschema, Palettenüberstand und Volumenausnutzung. Verlässlich messen lässt es sich nur am aufgerichteten Karton, weil gefüllte Wellpappenkartons zusätzlich ausbauchen können. Verwechslungen von Innen- und Außenmaß sind eine häufige Ursache für Passungsprobleme.

Aus der Praxis

Der Klassiker: Der Verpackungsentwickler rechnet mit Innenmaßen, der Logistiker plant die Palette mit denselben Zahlen, und am Ende steht der Karton über. Klären Sie bei jeder Zeichnung, welches Maß gemeint ist, und lassen Sie das Außenmaß nach dem Aufrichten am Muster messen und nicht rechnen. Zweiwellige Qualitäten tragen je Wand mehrere Millimeter auf, das summiert sich über die Palettenlage. Gefüllte Kartons bauchen außerdem aus, planen Sie die Palette also mit dem gemessenen Maß der gefüllten Packung. Ein Überstand kostet Stapelfestigkeit, und die Kanten leiden beim Transport. Schreiben Sie in die Bestellung immer dazu, ob Innen- oder Außenmaß gemeint ist, damit der Lieferant nicht raten muss.

Instandhaltungsstrategie

Produktion & Energie

Grundsätzliche Festlegung, wie und wann ein Betrieb seine Anlagen instand hält. DIN 31051 gliedert die Instandhaltung in Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung, die Begriffe definiert DIN EN 13306. Bei der ausfallbedingten Instandhaltung wird erst nach einem Schaden repariert. Vorbeugende Instandhaltung tauscht Teile nach festen Intervallen oder Zyklen. Zustandsorientiert wird nach Messwerten aus Inspektion oder Condition Monitoring gearbeitet, Predictive Maintenance prognostiziert den Ausfallzeitpunkt aus Daten. TPM bezieht die Bediener über autonome Instandhaltung ein. In der Regel wird die Strategie je Anlage oder Baugruppe nach Kritikalität gewählt, also nach Ausfallfolgen, Ersatzteilverfügbarkeit, Kosten und Sicherheit.

Aus der Praxis

Eine Strategie für das ganze Werk klingt ordentlich und passt fast nie. Den Getriebemotor am Zuförderband, der ab Lager in einer halben Stunde getauscht ist, darf man ruhig laufen lassen, bis er ausfällt. Die Füllmaschine, die als Engpass den Takt der ganzen Linie bestimmt, verdient dagegen feste Intervalle und regelmäßige Inspektion. Ich teile Anlagen deshalb zuerst nach ihren Ausfallfolgen ein, bevor über Intervalle geredet wird. Predictive Maintenance verkauft sich auf jeder Messe gut. Sie lohnt sich aber erst dort, wo ein Ausfall wirklich weh tut und die Messung zuverlässig etwas über den Verschleiß aussagt. Und die Wartung braucht eine Rückmeldung. Ein Wartungsplan, der Tätigkeiten abhakt, aber nie festhält, was gefunden wurde, lernt nichts dazu.

Zwei Arbeitsweisen von Verpackungsmaschinen, die sich darin unterscheiden, ob Produkt oder Folie während der Bearbeitung stehen. Beim intermittierenden Betrieb hält die Bahn zum Siegeln, Schneiden oder Füllen an und wird danach um einen Schritt weitergetaktet. Typisch sind Rundtaktmaschinen und Tiefziehverpackungsmaschinen mit schrittweisem Vorschub. Beim kontinuierlichen Betrieb läuft die Bahn ohne Halt, die Werkzeuge bewegen sich mit und müssen auf Folie und Produkt synchronisiert sein, wie bei Flowpacks mit rotierenden Siegelwerkzeugen. Kontinuierliche Maschinen erreichen höhere Leistungen, intermittierende sind einfacher aufgebaut und formatflexibler.

Aus der Praxis

Die Wahl hängt am Leistungsbedarf und am Produkt. Empfindliche oder schwer zuführbare Produkte laufen auf intermittierenden Maschinen oft ruhiger, weil die Übergabe im Stillstand passiert. Kontinuierliche Maschinen brauchen eine synchrone Zuführung und Produkte, die sich zuverlässig einteilen lassen. Intermittierende Mechanik beschleunigt und bremst bei jedem Takt, das sieht man später am Verschleiß der Antriebe. Rechnen Sie nach, welche Nettoleistung Ihre Zuführung wirklich liefert, bevor Sie eine kontinuierliche Maschine kaufen, die dann getaktet fährt und den Aufpreis nie verdient. Bei bedruckter Folie muss die Druckmarkenerkennung auch bei voller Geschwindigkeit sauber arbeiten. Das probieren Sie in der Abnahme mit Ihrer Folie aus und nicht mit der Musterrolle des Herstellers.

Interpack

Kaufmännisches

Weltweit größte Fachmesse für Verpackungstechnik und Prozessindustrie, die im Dreijahresrhythmus auf dem Düsseldorfer Messegelände stattfindet. Neben Verpackungsmaschinen sind Packmittel, Prozesstechnik und Zulieferer vertreten. Für Investitionsprojekte ist sie ein guter Ort, um Maschinenkonzepte, Lieferanten und Formatwechselzeiten direkt zu vergleichen. Viele Hersteller zeigen ihre Maschinen aufgebaut und teils im Lauf, sodass sich Bauweise, Zugänglichkeit und Reinigungsfreundlichkeit am Objekt beurteilen lassen. Verbindliche Angebote ersetzt die Messe nicht, sie dient der Anbahnung und dem Marktüberblick.

Aus der Praxis

Alle drei Jahre ist die interpack der schnellste Marktüberblick, den Sie bekommen. Gehen Sie mit Lastenheft und konkreten Fragen hin und nicht zum Staunen. Welche Hersteller fahren Ihr Format, welche Umrüstzeiten sind real, welche Referenzen gibt es in Ihrer Branche. Vereinbaren Sie die wichtigen Termine vorab, sonst stehen Sie am Stand in der Schlange und sprechen mit dem Falschen. Verlangen Sie den Techniker statt des Prospekts. Ich lasse mir Formatwechsel und Reinigungszugänge am liebsten an der aufgebauten Maschine zeigen, denn auf Folien sieht alles gleich schnell aus. Ein Messetag ersetzt Wochen Recherche, aber keine Anfrage und keinen Referenzbesuch.

Inventor

Digitalisierung & KI

3D-CAD-System von Autodesk für den Maschinenbau mit parametrischer Bauteil- und Baugruppenkonstruktion, Blech- und Schweißkonstruktion sowie Ableitung von Fertigungszeichnungen und Stücklisten. Parametrisch heißt, dass Maße und Beziehungen als Parameter hinterlegt sind und das Modell bei einer Änderung mitgeführt wird. Aus den Baugruppen entstehen Zeichnungen und Stückliste für Fertigung und Einkauf. Zum Austausch mit anderen CAD-Systemen dienen neutrale Formate wie STEP, die Geometrie ohne den Konstruktionsverlauf übertragen.

Aus der Praxis

Viele Sondermaschinenbauer konstruieren in Inventor. Verlangen Sie als Kunde neben den Zeichnungen auch neutrale 3D-Daten, zum Beispiel im STEP-Format. Dann können Ihre eigenen Konstrukteure oder externe Experten Umbauten und Anbauten planen, ohne an das Werkzeug des Lieferanten gebunden zu sein. Ich lasse mir außerdem die Stücklisten in bearbeitbarer Form geben und schreibe in den Vertrag, dass die Daten im Stand der ausgelieferten Maschine übergeben werden. Wer das erst bei der Abnahme anspricht, bekommt womöglich nur PDF-Zeichnungen, und dann beginnt jede spätere Änderung mit dem Abzeichnen. Prüfen Sie die gelieferten Dateien gleich bei der Übergabe, indem Sie die STEP-Baugruppe einmal im eigenen System öffnen.

Investitionsantrag (CAPEX-Antrag)

Projektleitung & CAPEX

Interne Entscheidungsvorlage für eine Investition, die der Geschäftsführung oder dem Konzern zur Freigabe vorgelegt wird. Der Antrag beschreibt Ausgangslage, Ziel, gewählte Lösung, Kosten, Nutzen, Risiken, Zeitplan und betrachtete Alternativen. Den Nutzen belegt man meist über Wirtschaftlichkeitsrechnungen wie Amortisationszeit oder ROI, die Kosten über Angebote oder Budgetangebote. Die Struktur gibt in der Regel das Unternehmen vor, oft als Formblatt mit Anlagen. Mit der Freigabe wird das Budget bereitgestellt.

Aus der Praxis

Ein Antrag mit unklarem Nutzen bleibt liegen, auch wenn der Preis stimmt. Das Wort Effizienzsteigerung überzeugt niemanden. Überzeugend ist eine Liste der größten Stillstandsursachen mit den Stunden pro Jahr, die sie kosten. Belegen Sie die Zahlen aus der Stillstandsanalyse und aus einem sauberen Angebotsvergleich. Stimmen Sie die Annahmen vorher mit dem Controlling ab, sonst wird der Antrag im Gremium an der Rechnung zerlegt und nicht am Inhalt. Und schreiben Sie hinein, was passiert, wenn nicht investiert wird. Bei einer alten Maschine heißt das oft: Ersatzteile werden knapp, die Reparaturen häufiger, und irgendwann steht die Linie ohne Plan B.

IQ / OQ / PQ

Qualität & Sicherheit

Dreistufige Qualifizierung von Anlagen im regulierten Umfeld wie Pharma und Medizintechnik, oft nach der Designqualifizierung (DQ). Die Installationsqualifizierung (IQ) prüft, ob die Anlage nach Spezifikation und Zeichnungen aufgebaut ist, einschließlich Werkstoffen, Messmitteln und Dokumenten. Die Funktionsqualifizierung (OQ) prüft die Funktion in allen Betriebszuständen, auch an den Grenzen des Betriebsbereichs und bei Alarmen. Die Leistungsqualifizierung (PQ) weist die Leistung im realen Prozess über mehrere Läufe nach. Grundlage sind freigegebene Pläne und Protokolle. Der Aufwand ist erheblich und gehört in Zeitplan und Budget.

Aus der Praxis

Außerhalb von Pharma und Medizintechnik wird IQ, OQ und PQ oft übertrieben oder gar nicht gemacht. Ein schlanker Mittelweg funktioniert: Die Installationsprüfung deckt sich weitgehend mit dem SAT-Protokoll, die Funktionsprüfung mit den Abnahmekriterien aus dem Lastenheft, die Leistungsprüfung mit dem Leistungsnachweis. Führen Sie die drei Dokumente vorher zusammen und sparen Sie sich Wochen an Papierarbeit und Diskussionen mit dem Lieferanten. Geben Sie ihm Ihre Vorlagen früh, am besten schon mit der Anfrage. Sonst kommen Protokolle in seinem Format, und Sie schreiben alles um. Achten Sie auf die Messmittel. Ohne Kalibrierzertifikate für die verwendeten Sensoren ist jede Installationsprüfung angreifbar.

ISA-95

Digitalisierung & KI

Internationaler Standard (IEC 62264) für die Integration von Unternehmens- und Produktionssystemen. Er beschreibt Ebenen von der Feldebene über die Steuerung und das MES bis zum ERP sowie die Informationen, die zwischen ihnen ausgetauscht werden, etwa Produktionsaufträge, Materialdefinitionen und Ergebnisse. Das Ebenenmodell ordnet die Systeme nach ihrer Aufgabe. Sensoren und Antriebe liegen unten, darüber arbeitet die Steuerung, das MES koordiniert und dokumentiert die Fertigung, das ERP plant Aufträge und Material. ISA-95 ist die Grundlage vieler MES-Architekturen und Schnittstellenbeschreibungen.

Aus der Praxis

ISA-95 hilft im Projekt vor allem als gemeinsame Sprache zwischen IT, Automatisierung und Produktion. Die Ebenen klären, wer wofür zuständig ist, welche Daten nach oben gehen und welche Vorgaben nach unten kommen. Das hilft, wenn in einem MES-Projekt die IT von Aufträgen redet, die Automatisierung von Signalen, und beide dasselbe meinen. Zeichnen Sie das Ebenenmodell einmal mit den echten Systemen Ihres Werks auf. Dann sieht man schnell, wo doppelt gepflegt wird und wo Lücken sitzen. Ein Standard ersetzt keine Entscheidung darüber, welche Kennzahlen Sie wirklich brauchen. Und er sagt Ihnen nicht, welche Schnittstelle Ihr Lieferant tatsächlich liefert.

ISO 9001

Qualität & Sicherheit

Internationale Norm für Qualitätsmanagementsysteme. Sie legt Anforderungen an das System fest, nicht an das Produkt, und verlangt, dass ein Unternehmen seine Prozesse plant, lenkt, dokumentiert und fortlaufend verbessert, um Kundenanforderungen verlässlich zu erfüllen. Aufgebaut ist sie nach dem Prozessansatz mit risikobasiertem Denken, Verantwortung der Leitung, internen Audits und Managementbewertung. Die Zertifizierung erfolgt durch eine akkreditierte Stelle und wird in regelmäßigen Überwachungsaudits bestätigt. Das Zertifikat belegt ein geregeltes System, es sagt nichts über die Qualität einer einzelnen Lieferung.

Aus der Praxis

Viele Industriekunden erwarten von Lieferanten und Dienstleistern ein Qualitätsmanagement nach ISO 9001, oft schon in der Lieferantenbewertung. Schauen Sie als Einkäufer ins Zertifikat selbst. Prüfen Sie, ob Standort und Geltungsbereich den Bereich abdecken, der Ihren Auftrag bearbeitet, und ob es noch gültig ist. Ein Zertifikat ersetzt weder Lieferantenaudit noch Referenzbesuch, es sagt nur, dass es ein geregeltes System gibt. POWERJO bereitet die Zertifizierung vor: dokumentierte Abläufe für Anfrage, Expertenauswahl, Projektbegleitung und Übergabe. Für Sie bedeutet das nachvollziehbare, wiederholbare Qualität statt Einzelfall.

ISO-Passungen

Maschinenbau & Komponenten

Genormtes Toleranzsystem nach ISO 286 für die Paarung von Welle und Bohrung. Toleranzfelder werden mit Buchstabe (Lage) und Zahl (Grad) angegeben, etwa H7/g6 für eine Spielpassung, H7/k6 für eine Übergangspassung, H7/p6 für eine Presspassung. Meist wird das System Einheitsbohrung verwendet, bei dem die Bohrung das Toleranzfeld H behält und die Passung über die Welle eingestellt wird. Großbuchstaben bezeichnen Bohrungen, Kleinbuchstaben Wellen. Je kleiner die Zahl, desto enger die Toleranz. Das Gegenstück ist das System Einheitswelle.

Aus der Praxis

Spätestens beim Nachfertigen von Ersatz- und Formatteilen wird das Thema greifbar. Wer Teile nach Zeichnung herstellen lässt, braucht Passungs- und Oberflächenangaben, sonst klemmt die Welle oder das Lager wandert. Fordern Sie Fertigungszeichnungen mit vollständigen Toleranzen für Verschleißteile. Eine Zeichnung ohne Toleranzen ist eine Einladung zum Ärger, denn steht nichts da, gilt die Allgemeintoleranz im Schriftfeld, und die ist für einen Lagersitz viel zu grob. Bei Formatteilen aus dem 3D-Druck sind Toleranzen anders zu bewerten als bei zerspanten Teilen. Sagen Sie dem Dienstleister, welche Flächen nachgearbeitet werden, etwa Bohrungen für Lager oder Stifte.

K

Kabelführung

Maschinenbau & Komponenten

Verlegung und Schutz elektrischer und pneumatischer Leitungen an Maschine und Linie. Dazu gehören Kabelkanäle, Kabelpritschen, Schleppketten für bewegte Achsen, Verschraubungen und die räumliche Trennung der Leitungen für Leistung, Signale und Daten. Die Trennung vermeidet Störungen, weil Motorleitungen auf Signalleitungen einkoppeln können. In Schleppketten liegen eigens dafür ausgelegte, hochflexible Leitungen. Anforderungen sind Biegeradien, Zugentlastung, Zugänglichkeit, Reinigbarkeit und Schutz vor mechanischer Beschädigung.

Aus der Praxis

Kabel sind an Übergabepunkten zwischen Gewerken oft niemandes Sache, dann liegen sie lose auf dem Boden. Legen Sie die Trassen im Layout fest und klären Sie, wer sie liefert. In Nassbereichen sind offene, geneigte Kabelträger mit Wandabstand besser als geschlossene Kanäle, in denen Wasser und Produkt stehen. Bei Schleppketten achten Sie auf den Biegeradius der Kabel und auf Reserveplatz. Ein Kabel, das später nachgezogen werden muss, findet in einer vollgepackten Kette keinen Platz mehr und wird dann daneben verlegt. Klären Sie auch, wer nach einem Umbau die Kabel dokumentiert, sonst zeigt der Schaltplan etwas anderes als die Wand.

Kaizen

Kennzahlen

Japanisch für Veränderung zum Besseren. Gemeint ist eine Kultur der kleinen, stetigen Verbesserungen durch die Mitarbeiter selbst, im Gegensatz zu seltenen Großprojekten von oben. Im Deutschen läuft sie meist unter dem Namen kontinuierlicher Verbesserungsprozess, kurz KVP, und ist mit dem betrieblichen Vorschlagswesen verwandt. Der Ablauf folgt häufig dem PDCA-Zyklus aus Planen, Ausführen, Prüfen und Handeln. Kaizen funktioniert nur bei schneller Umsetzung der Vorschläge. Ein voller Ideenbriefkasten ohne Reaktion beendet die Beteiligung zuverlässig.

Aus der Praxis

Kaizen scheitert an Verpackungslinien selten an Ideen. Es scheitert an der Kapazität zum Umsetzen, denn die Vorschläge der Bediener landen auf einer Liste, die niemand abarbeitet. Bewährt hat sich ein festes Zeitfenster pro Woche mit Instandhaltung und Linienführer, in dem drei kleine Dinge wirklich erledigt werden, etwa ein Anschlag, eine Markierung oder eine geänderte Reihenfolge beim Formatwechsel. Der Bediener, der die Idee hatte, sollte das Ergebnis an seiner Maschine sehen. Dann kommt die nächste Idee von selbst. Klären Sie vorher, wer kleine Änderungen freigeben darf, sonst wartet jede Markierung auf eine Unterschrift. Bei Sicherheitsthemen und Eingriffen in die Steuerung bleibt es beim normalen Änderungsweg.

Kalt- und Warminbetriebnahme

Projektleitung & CAPEX

Zwei aufeinanderfolgende Abschnitte der Inbetriebnahme. Die Kaltinbetriebnahme prüft Antriebe, Sensorik, Sicherheitskreise und Bewegungsabläufe ohne Produkt und Packmittel, darunter Drehrichtungen, Endlagen und die Not-Halt-Kette. In der Warminbetriebnahme läuft die Anlage mit Produkt und Packmitteln, dabei werden Formate, Siegelparameter, Taktzeiten und die Übergaben zwischen den Maschinen eingestellt. Erst danach folgen Probebetrieb und Leistungsnachweis. Der Abschluss eines Abschnitts wird anhand von Prüflisten festgestellt. Die Kaltphase setzt den Loop-Check voraus.

Aus der Praxis

Die Kaltphase wird gern verkürzt, weil das Produkt bereitsteht und alle Ergebnisse sehen wollen. Das rächt sich. Mechanische Kollisionen und Sicherheitsfehler findet man ohne Produkt billiger, denn eine Kollision ohne Produkt kostet einen verbogenen Halter, mit Produkt kostet sie den Halter und die Charge. Für die Warmphase brauchen Sie genug Packmittel jedes Formats und freigegebenes Produkt in Serienqualität. Muster aus dem Labor verhalten sich anders als Ware von der Linie, das sieht man an der Siegelnaht und daran, wie die Packung rutscht. Planen Sie beide Phasen mit Verantwortlichen im Terminplan und klären Sie, wer in der Warmphase Ware nachliefert, wenn der Vorrat früher leer ist als gedacht.

Kaltsiegelung

Verpackungstechnik

Siegelverfahren, bei dem die Packung ohne Wärme allein durch Druck verschlossen wird. Dazu trägt der Folienhersteller einen Kaltsiegelkleber im Register auf die Innenseite auf, meist nur in den Bereichen der späteren Siegelnähte. Der Kleber ist kohäsiv und haftet unter Druck nur an sich selbst. Auf der Außenseite verhindert ein Trennlack, dass die Lagen auf der Rolle miteinander verkleben. Eingesetzt wird die Kaltsiegelung bei wärmeempfindlichen Produkten wie Schokolade, Riegeln und Eiscreme, vor allem auf Schlauchbeutelmaschinen. Da keine Wärme in die Naht übertragen werden muss, sind hohe Geschwindigkeiten möglich. Kaltsiegelkleber gibt es auf Basis von Naturkautschuklatex und in synthetischen Varianten. Abzugrenzen ist das Heißsiegeln über eine Siegelschicht.

Aus der Praxis

Kaltsiegelfolie altert. Mit der Zeit und bei warmer Lagerung lässt die Klebkraft nach, und die Nähte gehen dann im Handel auf und nicht in der Maschine. Achten Sie im Folienlager auf das Herstelldatum der Rollen und lagern Sie kühl. Der Kleber sitzt nur dort, wo gesiegelt werden soll. Läuft das Druckbild aus dem Register, drücken die Backen neben dem Kleberstreifen auf blanke Folie, und die Naht sieht geschlossen aus, hält aber nicht. Eine sauber eingestellte Druckmarkenerkennung ist hier Pflicht. Prüfen Sie außerdem das Profil der Siegelbacken. Abgenutzte Riffelung und ungleicher Druck über die Breite führen zu Kanälen in der Naht, durch die Luft und Feuchte ziehen. Lagerbedingungen und Haltbarkeit lassen Sie sich vom Folienlieferanten schriftlich geben. Eine Rolle, die zu lange in einer warmen Halle stand, ist sonst Ihr Problem.

Kaltwassersatz (Chiller)

Produktion & Energie

Kompakte Kälteanlage, die Wasser oder ein Wasser-Glykol-Gemisch abkühlt, das über ein Rohrnetz zu den Verbrauchern gepumpt wird. Meist arbeitet sie nach dem Kompressionsprinzip mit Verdichter, Verflüssiger, Expansionsventil und Verdampfer. Der Verflüssiger gibt die Wärme an die Außenluft oder an einen Kühlwasserkreis ab, entsprechend gibt es luftgekühlte und wassergekühlte Geräte. Geräte mit freier Kühlung nutzen bei niedrigen Außentemperaturen direkt die Außenluft und entlasten den Verdichter. Kennwerte sind Kälteleistung, Vorlauf- und Rücklauftemperatur, Volumenstrom und Druckverlust. In Verpackungslinien versorgen Kaltwassersätze etwa Formwerkzeuge von Thermoformern, Kühltunnel und Hydraulikaggregate. Für fluorierte Kältemittel gilt in der EU die F-Gase-Verordnung.

Aus der Praxis

Kühlwasser bauseits steht schnell im Angebot und wird ebenso schnell vergessen. Der vorhandene Kaltwassersatz wurde für die Anlagen ausgelegt, die damals da waren, und jede neue Maschine nimmt ein bisschen mehr. Klären Sie vor der Bestellung Kälteleistung, Vorlauftemperatur, Durchfluss und Wasserqualität mit dem Lieferanten und mit der Haustechnik. Glykolanteil und Wasserbehandlung gehören in dieselbe Liste, sonst setzen sich die feinen Kühlkanäle im Formwerkzeug zu. Liegt die Vorlauftemperatur unter dem Taupunkt der Halle, schwitzen ungedämmte Leitungen, und es tropft auf Maschine und Produkt. Ein Klassiker ist der luftgekühlte Verflüssiger auf dem Dach. Er verschmutzt über das Jahr, und am heißesten Tag geht der Kaltwassersatz auf Hochdruckstörung, mitten in der Saison.

Kantenschutz

Verpackungstechnik

Winkelprofile aus Vollpappe oder Kunststoff, die an den senkrechten Kanten einer Ladeeinheit anliegen. Sie verteilen den Druck von Umreifung und Stretchfolie auf eine größere Fläche, sodass Bänder und Folie nicht in die Kartonkanten einschneiden. Gleichzeitig steifen sie die Ecken des Stapels aus und schützen die Kartons vor Druckschäden. Üblich sind L-förmige Profile in Höhe der Ladeeinheit, bei Bedarf auch kürzer oder als Eckwinkel. Angebracht wird der Kantenschutz von Hand oder mit Applikatoren, die am Palettierer oder Stretchwickler sitzen. Er ergänzt die Ladungssicherung durch Folie oder Umreifung.

Aus der Praxis

Automatische Applikatoren für den Kantenschutz am Wickler lohnen sich bei hohen Stückzahlen. Wird der Kantenschutz von Hand angebracht, vergisst ihn im Schichtbetrieb früher oder später jemand, und die Ware kommt mit eingedrückten Ecken beim Kunden an. Ich lasse im Transporttest immer prüfen, ob der Kantenschutz die Folienmenge senken kann. Oft ist die Kombination aus Kantenschutz und weniger Wicklungen billiger als mehr Folie. Profile aus Pappe verlieren bei Feuchte an Steifigkeit, legen Sie sie deshalb trocken ans Lager und nicht in die Nähe der Rampe. Stimmen Sie außerdem die Profillänge mit der Höhe der Ladeeinheit ab, sonst stehen die Enden über oder die oberen Kartons liegen frei.

Kantenstauchwiderstand (ECT)

Qualität & Sicherheit

Kantenstauchwiderstand (Edge Crush Test, ECT): Kraft je Längeneinheit, bei der ein hochkant stehender Wellpappenstreifen unter Druck einknickt, angegeben in kN/m nach DIN EN ISO 3037. Die Last wirkt dabei in Richtung der Wellen, so wie im Stapel die Kartonwand getragen wird. Der ECT ist der wichtigste Kennwert für die Stapelfestigkeit und geht zusammen mit Kartonumfang und Wellpappendicke über die McKee-Formel in die Abschätzung des Stapelstauchwiderstands (BCT) ein. Er hängt von Papiersorten, Wellenart und Klima ab und steht im Prüfzeugnis der Wellpappe.

Aus der Praxis

Wenn Paletten im Lager unten einsacken, liegt es meist am Karton, an der Feuchte oder am Überstand, selten an der Palette. Lassen Sie sich den ECT je Lieferung im Prüfzeugnis nachweisen und akzeptieren Sie keine bloße Sortenangabe. Der Wert gilt für Normklima. Im Kühllager oder bei tropischer Luftfeuchte verliert Wellpappe deutlich an Stauchwiderstand, das gehört in den Stapelfaktor. Dazu kommt die Zeit: Eine Palette, die wochenlang unter Last steht, hält weniger aus, als der kurze Prüfwert vermuten lässt. Griff- und Lüftungslöcher, Rillungen und angestoßene Kanten kosten ebenfalls Festigkeit. Hinter derselben Sortenbezeichnung kann auch mal ein anderes Papier stecken, solange die Mindestwerte stimmen.

Kartonaufrichter

Verpackungstechnik

Maschine, die flach angelieferte Kartonzuschnitte aus einem Magazin abzieht, zum Karton aufrichtet und den Boden mit Klebeband oder Hotmelt verschließt. Saugnäpfe ziehen den Zuschnitt aus dem Magazin und falten ihn auf, eine Formstation drückt die Klappen zu. Befüllt wird der Karton danach von Hand oder durch einen Packer. Magazinkapazität, Formatbereich und ein störungsfreier Zuschnittabzug bestimmen die Verfügbarkeit. Am Linienende ist der Kartonaufrichter ein unterschätzter Engpass.

Aus der Praxis

Am Kartonaufrichter wird schlechte Kartonqualität zuerst sichtbar. Feuchte oder verzogene Zuschnitte klemmen im Magazin, die Rillungen brechen, der Boden hält nicht. Bevor Sie an der Maschine drehen, prüfen Sie Lagerung und Spezifikation der Zuschnitte. Zuschnitte aus einer feuchten Ecke des Lagers verhalten sich anders als die vom Musterlauf. Beim Kauf zählen Formatbereich, Magazinkapazität, Umrüstzeit und der Verschluss, also Hotmelt oder Klebeband, und nicht die Taktzahl im Prospekt. Bei Hotmelt zählt außerdem die Aufheizzeit der Anlage zu Schichtbeginn, die in der Kapazitätsplanung gern fehlt. Ich frage, wie lange der Bediener zum Nachfüllen des Magazins braucht und ob das im laufenden Betrieb geht. Wenn nicht, steht die Linie bei jedem Stapel.

Kartonierer

Verpackungstechnik

Maschine, die Faltschachteln aus einem Magazin aufrichtet, mit dem Produkt befüllt und verschließt. Bei horizontalen Kartonierern wird das Produkt seitlich in die Schachtel geschoben, bei vertikalen von oben eingesetzt. Beilagen wie Beipackzettel oder Booklets werden vor dem Befüllen zugeführt und mit dem Produkt eingelegt. Verschlossen wird durch Einstecken der Laschen oder durch Verkleben mit Hotmelt. Bei der Auswahl zählen Formatbereich, Formatwechselzeit, Produktzuführung und Verfügbarkeit.

Aus der Praxis

Beim Kartonierer hängt der Erfolg an der Produktzuführung. Kommen die Produkte nicht sauber, im Takt und lagerichtig an, produziert auch die beste Maschine Störungen. Klären Sie im Lastenheft die Zuführung, die Beilagen und die Formatvielfalt. Gerade die Beilagen werden gern vergessen, bis der Beipackzettel anders gefalzt kommt und nicht mehr läuft. Bei vielen Formaten lohnt sich ein werkzeugloser Wechsel mit Zählskalen mehr als eine höhere Taktzahl. Ich schaue mir bei der Abnahme immer einen kompletten Formatwechsel an, mit der Stoppuhr und mit dem Bediener, der später auch nachts dort steht. Der Techniker vom Hersteller schafft es immer schneller.

Kartonverschließer

Verpackungstechnik

Maschine, die gefüllte Kartons oben und bei Bedarf auch unten mit Klebeband oder Heißleim verschließt. Seitenführungen und Gurte fahren den Karton durch die Maschine, Klappenfalter schließen die Klappen, danach bringt ein Bandaggregat das Klebeband auf oder Düsen tragen Hotmelt auf. Hotmelt ist manipulationssicherer und optisch sauberer, Klebeband flexibler bei wechselnden Formaten. Die Wahl ist eine klassische TCO-Abwägung aus Anschaffung, Verbrauch und Wartung.

Aus der Praxis

Klebeband oder Hotmelt ist selten eine Preisfrage, es hängt an Ladeeinheit, Klima und Wiederverwendung der Kartons. Hotmelt verschließt sauber und manipulationssicher, braucht aber Pflege an Düsen und Filter. Klebeband verzeiht wechselnde Kartonqualitäten eher. Die häufigste Störung im Betrieb ist eine falsch eingestellte Seitenführung bei leicht schwankenden Kartonmaßen. Halten Sie deshalb Formatteile und Toleranzen im Lastenheft fest. Wie gut der Verschluss hält, zeigt sich oft erst an der Rampe oder im Kühlhaus. Probieren Sie ihn bei der Abnahme mit kalten, leicht feuchten Kartons aus und ziehen Sie danach selbst an der Klappe. Messer und Andruckrollen der Bandaggregate sind Verschleißteile und gehören ans Lager.

Kaschierung

Verpackungstechnik

Flächiges Verbinden von zwei oder mehr Bahnen aus Kunststofffolie, Papier oder Aluminium zu einem Verbund. Das geschieht mit Kaschierklebstoff, der lösemittelhaltig oder lösemittelfrei sein kann, oder als Extrusionskaschierung, bei der eine Schmelzeschicht die Bahnen verbindet. So lassen sich Eigenschaften kombinieren, etwa bedruckte Außenschicht, Barriereschicht und Siegelschicht. Kaschierklebstoffe brauchen nach dem Kaschieren eine Aushärtezeit, bevor die Verbundfolie weiterverarbeitet oder auf der Maschine gefahren werden darf. Verbunde sind schwerer zu recyceln als Mono-Material.

Aus der Praxis

Die typische Schwachstelle kaschierter Verbunde ist die Delamination. Die Schichten lösen sich voneinander, meist an Siegelnähten, an Falzen oder nach der Heißabfüllung. Ursachen sind zu kurze Aushärtung beim Hersteller, Feuchte oder Bestandteile aus den Druckfarben. Verlangen Sie Angaben zur Verbundhaftung und eine Freigabe des Klebstoffs für den Lebensmittelkontakt. Bei lösemittelhaltigen Klebstoffen fragen Sie nach Restlösemittel, denn Geruch an der Folie landet im Produkt. Frisch kaschierte Rollen, die direkt vom Lkw auf die Maschine gehen, sind ein Warnsignal. Ich frage den Folienlieferanten immer, wie lange die Rolle vor der Auslieferung abgelagert hat. Das gehört in die Spezifikation und nicht ins Bauchgefühl des Disponenten.

Kennzeichnung

Verpackungstechnik

Aufbringen variabler Daten wie Mindesthaltbarkeitsdatum, Charge und Uhrzeit auf Produkt, Verpackung und Ladeeinheit. Eingesetzt werden Tintenstrahldrucker wie Continuous Inkjet und Thermoinkjet, Laser, Thermotransferdrucker und Etikettendrucker mit Applikator. Eine Kamera oder ein Lesegerät prüft anschließend, ob der Aufdruck vorhanden und lesbar ist. Unleserliche Kennzeichnung ist ein häufiger Grund für Reklamationen und Rückrufe. Kameraverifikation gehört heute zum Standard.

Aus der Praxis

Bei der Kennzeichnung stoßen Handelsanforderungen und Technik aufeinander. Der Kunde verlangt GS1-128 auf der Palette, MHD und Charge auf der Umverpackung und einen lesbaren DataMatrix auf dem Produkt, und alles muss beim Formatwechsel automatisch mitlaufen. Klären Sie früh, wer die Stammdaten pflegt und wie Drucker, Waage und ERP zusammenarbeiten. Ein Lesegerät hinter dem Drucker verhindert, dass unlesbare Etiketten das Werk verlassen. Planen Sie den Einbauort mit Bedacht. Der Aufdruck gelingt nur auf einer ruhigen, ebenen Fläche, und für den Tintenwechsel muss der Bediener an den Drucker kommen. Prüfen Sie auch, was bei einer Datenstörung passiert. Druckt der Drucker mit dem alten Datum weiter, ist die Ware falsch gekennzeichnet, bevor es jemand merkt. Die Linie sollte in dem Fall stehen bleiben oder die Packungen ausschleusen.

KI-Assistent (Shopfloor)

Digitalisierung & KI

Sprachbasiertes Assistenzsystem an der Linie, das Bedienern und Instandhaltern Fragen zu Störungen, Rüstvorgängen oder Wartung beantwortet. Die Bedienung läuft meist über Tablet oder HMI, die Antworten stützen sich auf die Dokumentation und die Störungshistorie des Betriebs. Technisch steckt dahinter in der Regel ein Sprachmodell, das mit diesen Dokumenten verbunden ist. Das System unterstützt bei Diagnose und Wissenszugang. Eingriffe in die Steuerung bleiben dem Menschen vorbehalten, der Assistent ändert keine Parameter.

Aus der Praxis

Der Nutzen zeigt sich in der Nachtschicht, wenn kein Spezialist erreichbar ist und die Störung im Handbuch auf Seite 340 steht. Dass der Assistent sie findet, hängt an den Unterlagen. Dazu gehören gepflegte Dokumente, eine Störungshistorie, die neben den Meldungen auch die Lösungen enthält, sowie eine Bedienung, die mit Handschuhen funktioniert. Beziehen Sie die Linienführer früh ein, sonst bleibt das Tablet im Schrank. Lassen Sie die Schichtleute echte Fragen aus ihrem Alltag stellen, auch die ungeschickt formulierten. Und messen Sie, ob die Störzeit tatsächlich kürzer wird oder ob nur die Suche bequemer geworden ist.

KI-Verordnung (EU AI Act)

Digitalisierung & KI

EU-Verordnung 2024/1689 mit Regeln für Entwicklung und Einsatz von KI-Systemen nach einem risikobasierten Ansatz. Sie unterscheidet verbotene Praktiken, Hochrisiko-Systeme, Systeme mit Transparenzpflichten und solche mit geringem Risiko. Angesprochen sind Anbieter, die ein System in Verkehr bringen, und Betreiber, die es einsetzen. KI als Sicherheitsbauteil von Maschinen kann als Hochrisiko-System gelten und unterliegt dann Anforderungen an Risikomanagement, Datenqualität, Dokumentation, menschliche Aufsicht und Konformitätsbewertung. Die Pflichten gelten stufenweise.

Aus der Praxis

Für die meisten Anwendungen an der Linie sind die Pflichten überschaubar, etwa bei Dokumentensuche oder Anomalieerkennung. Auch bei einer Qualitätsinspektion ohne Sicherheitsfunktion genügen meist Transparenz und Schulung. Kritisch wird es, wenn die KI Entscheidungen mit Sicherheitsbezug trifft oder Mitarbeiter bewertet. Prüfen Sie deshalb für jeden Anwendungsfall einzeln, in welche Risikoklasse er fällt, und halten Sie Zweck, Daten und Verantwortliche schriftlich fest. Auch ein zugekaufter Assistent oder eine Kamera mit eingebauter Auswertung gehört auf diese Liste, denn als Betreiber haben Sie eigene Pflichten. Wer unsicher ist, holt sich juristischen Rat, bevor das System läuft und nicht erst nach der Abnahme.

Kick-off

Projektleitung & CAPEX

Gemeinsame Auftaktveranstaltung nach der Beauftragung, mit der ein Projekt offiziell startet. Besprochen werden Ziele, Umfang, Rollen, Kommunikationswege, Terminplan, Eskalationsregeln und die ersten Schritte. Teilnehmer sind Auftraggeber, Lieferant, alle beteiligten Gewerke und die betroffenen Fachbereiche des Betreibers. Ergebnis ist ein Protokoll mit Entscheidungen, Verantwortlichen und offenen Punkten. Ein guter Kick-off mit allen Gewerken spart später Wochen, denn hier wird das Projektklima gesetzt.

Aus der Praxis

Ein guter Kick-off dauert einen halben Tag und klärt drei Dinge: Wer entscheidet was, welche Termine sind fix, und was gilt als fertig. Produktion, Instandhaltung, Qualität, Einkauf und Lieferant sitzen einmal an einem Tisch, bevor die erste Zeichnung entsteht. Ich schicke vorher die Tagesordnung und das Lastenheft, damit keiner unvorbereitet kommt und jeder weiß, wofür er gebraucht wird. Wer den Kick-off auslässt, holt die Klärung später in Eskalationsrunden nach, dann mit Terminverzug. Laden Sie auch die Leute ein, die das Ergebnis später ausbaden müssen, also Bediener und Schichtführer. Sie haben keine Entscheidungsbefugnis, wissen aber, was an der Linie sonst schiefgeht.

Kindergesicherter Verschluss

Qualität & Sicherheit

Verschluss oder Verpackung, die für Kleinkinder schwer, für Erwachsene aber ohne Werkzeug zu öffnen ist. Die Wirkung wird im Panelversuch mit Kindern und Erwachsenen geprüft, bei wiederverschließbaren Packungen nach DIN EN ISO 8317, bei nicht wiederverschließbaren nach DIN EN 862 und für Arzneimittel nach DIN EN 14375. Typisch sind Drück-und-Dreh-Verschlüsse, Zweikomponentenverschlüsse mit Innen- und Außenkappe und Blister mit mehrstufiger Öffnung. Gefordert wird die Kindersicherung bei Arzneimitteln, bestimmten Haushaltschemikalien und Pflanzenschutzmitteln. Das Prüfergebnis gilt für die geprüfte Kombination aus Behälter und Verschluss.

Aus der Praxis

Kindergesicherte Verschlüsse verlangen von der Verschließmaschine mehr als Drehmoment. Der Verschluss muss beim Aufsetzen verrasten, ohne dass die Sicherung Schaden nimmt, und das Drehmomentfenster ist enger. Zweiteilige Kappen müssen in der Zuführung sauber ausgerichtet bleiben, sonst sitzt die Innenkappe schief und die Sicherung greift nicht richtig. Beim Wechsel auf einen anderen Verschlusslieferanten muss die Kindersicherheitsprüfung neu bestanden werden, weil sie für die konkrete Kombination aus Behälter und Verschluss gilt. Ich lasse mir deshalb vorab Drehmoment und Aufsetzkraft vom Verschlusslieferanten schriftlich nennen. Rechnen Sie im Terminplan Wochen für die Panelprüfung ein.

Klappenspalt (Fish-Tail)

Verpackungstechnik

Abstand zwischen den beiden Außenklappen eines geschlossenen Faltkartons. Er soll über die ganze Länge gleichmäßig schmal sein. Ein zu großer, ungleichmäßiger oder keilförmiger Spalt, im Englischen Fish-Tail genannt, entsteht durch falsche Zuschnittmaße, eine schiefe Fabrikkante, Feuchte oder ungleiche Klappenlängen. Die Folgen sind schlecht haftendes Klebeband, ungleichmäßige Verklebung mit Hotmelt und eine schlechtere Stapelbarkeit, weil die Klappen an der offenen Stelle keine Last tragen. Gemessen wird der Spalt am geschlossenen Karton, die zulässige Toleranz steht in der Packmittelspezifikation.

Aus der Praxis

Bei Ärger am Kartonverschließer ist der Klappenspalt der erste Blick. Klaffen die Klappen, fehlt der Kontakt für Hotmelt oder Band. Überlappen sie, staucht die Maschine den Karton. Messen Sie den Spalt an mehreren Kartons einer Lieferung und vergleichen Sie mit der Zeichnung. Oft liegt es an der Wellenstärke oder an ungleichen Klappenlängen und nicht an der Maschineneinstellung. Schiefe Kartons nach dem Aufrichten führen den Blick weiter zur Fabrikkante. Die Toleranz gehört in die Spezifikation, sonst diskutieren Sie bei jeder Reklamation von vorn. Ein Grenzmuster, an dem beide Seiten sehen, was gerade noch geht, spart viele Telefonate. Notieren Sie bei der Messung die Luftfeuchte im Lager, dann lässt sich später klären, ob das Wetter mitgespielt hat.

Klebelasche (Fabrikkante)

Verpackungstechnik

Lasche eines Faltkartons, mit der der Zuschnitt beim Kartonhersteller zum Schlauch verbunden wird. Die Verbindung entsteht durch Kleben, Heften oder Klebeband. Lage (innen oder außen), Breite und Klebung der Fabrikkante beeinflussen die Rechtwinkligkeit des Kartons, die nutzbaren Innenmaße und das Verhalten im Magazin des Kartonaufrichters. Der Schlauch wird flachgelegt geliefert und erst an der Maschine aufgerichtet. Bei der Amerikanischen Faltkiste nach FEFCO 0201 sitzt die Fabrikkante an einer Kante des Schlauchs, ihre Lage und Breite gehören in die Zeichnung.

Aus der Praxis

Eine schief geklebte Fabrikkante ergibt einen Karton mit Parallelogramm-Querschnitt, der sich im Aufrichter verklemmt und auf der Palette kippt. Prüfen Sie im Wareneingang die Schlauchmaße auch diagonal und messen Sie nicht bloß Länge und Breite. Innenliegende Klebelaschen verkleinern das lichte Innenmaß und stören bei stramm sitzenden Produkten. Geheftete Kanten sind bei Lebensmitteln meist unerwünscht, weil Metallklammern ein Fremdkörperthema sind. Legen Sie die Ausführung in der Spezifikation fest. Bei einer Reklamation zählt, wie viele Kartons der Palette betroffen sind. Ein einzelner schiefer Karton ist Pech, eine Palette voll davon ist ein Fertigungsfehler beim Lieferanten.

Klimaprüfung

Qualität & Sicherheit

Prüfung von Packmitteln oder kompletten Ladeeinheiten unter festgelegten Temperatur- und Feuchtebedingungen in der Klimakammer, um Festigkeitsverlust, Verzug, Klebstoffversagen oder Kondensation zu erkennen. Geprüft wird bei konstanten Bedingungen oder im Wechsel, etwa Kälte, Hitze und hohe Feuchte nacheinander, wie sie Transport und Lagerung vorgeben. Als Bezug dient das Normklima von 23 °C und 50 % relativer Feuchte, für Papier und Wellpappe nach DIN EN ISO 187, für komplette Versandstücke und Ladeeinheiten nach DIN EN ISO 2233. Vor der Messung wird die Probe bis zum Gleichgewicht konditioniert.

Aus der Praxis

Kartons, die im Prüflabor bei Normklima glänzen, versagen im Kühlhaus oder im Seecontainer nach Südostasien. Simulieren Sie die reale Kette. Wellpappe verliert bei hoher Luftfeuchte einen großen Teil ihres Stauchwiderstands, Stretchfolie wird bei Kälte spröde, Hotmelt löst sich bei Hitze. Besonders gemein ist der Wechsel: Wer eine kalte Palette aus dem Kühlhaus auf die warme Rampe schiebt, hat in Minuten Tauwasser auf Karton und Etikett, und Selbstklebeetiketten lösen sich. Definieren Sie die Klimastufen gemeinsam mit der Logistik und geben Sie frei unter dem ungünstigsten Klima, nicht unter dem angenehmsten. Auch die Standzeiten unterwegs zählen, etwa im Hafen oder am Umschlagplatz, und die kennt der Spediteur besser als die Produktion.

Knickarmroboter

Automatisierung & Robotik

Der Allrounder unter den Industrierobotern, ein Arm mit sechs rotatorischen Achsen und großem Arbeitsraum, der palettiert, kommissioniert und handhabt. Die Achsen sind hintereinander angeordnet wie bei einem Arm mit Schulter, Ellbogen und Handgelenk, deshalb kann der Roboter ein Produkt aus nahezu jeder Richtung anfahren. Für das reine Palettieren werden häufig Varianten mit vier Achsen eingesetzt. Auswahlkriterien sind Traglast einschließlich Greifer, Reichweite, Taktzeit, Schutzart (Hygiene) und das Sicherheitskonzept der Zelle, das sich an der ISO 10218 orientiert. Montiert wird der Roboter auf dem Boden, an der Decke oder auf einem Sockel.

Aus der Praxis

Für Palettierung und Case Packing ist der Knickarmroboter der Allrounder: große Reichweite, hohe Traglast, beliebige Packmuster. Seine Grenzen liegen bei sehr hohen Takten, dort übernehmen Delta- oder Portalroboter, und beim Platz. Sicherheitszaun und Sperrbereich brauchen Fläche. Rechnen Sie im Layout die Zellengröße inklusive Zugang für den Palettenwechsel ein, denn daran scheitern viele Retrofit-Projekte in bestehenden Hallen. Prüfen Sie auch den Hallenboden, weil der Roboter das Fundament mit dynamischen Kräften belastet. Und rechnen Sie die Traglast ehrlich. Greifer, Lagenpaket und eine Zugabe für den schlechtesten Fall zählen alle mit.

Kolbenfüller

Verpackungstechnik

Volumetrischer Dosierer für flüssige bis pastöse Produkte. Ein Kolben saugt über ein Wegeventil ein definiertes Volumen aus dem Vorratsbehälter an und drückt es durch das Füllrohr in die Packung. Das Füllvolumen wird über den Kolbenhub eingestellt und ist bei Servoausführung frei programmierbar. Mit angepassten Ventilen eignet sich der Kolbenfüller auch für stückige Produkte. Typische Einsatzfälle sind Soßen, Cremes, Dressings und Marmeladen. Die Dosiergenauigkeit hängt von Viskosität, Temperatur und Luftanteil im Produkt ab.

Aus der Praxis

Kolbenfüller sind gutmütig, reagieren aber empfindlich auf Lufteinschlüsse im Produkt. Luft im Zylinder bedeutet Unterfüllung und Spritzer. Achten Sie auf eine Produktzuführung mit ausreichendem Vordruck und auf die Entlüftung. Bei Produktwechseln zählt die Demontagezeit von Kolben und Ventilen, fragen Sie deshalb nach werkzeugloser Zerlegung und CIP-Fähigkeit. Dichtungen an Kolben und Ventilen sind Verschleißteile und gehören mit Wechselintervall in den Ersatzteilvorrat. Die Dosiergenauigkeit lassen Sie mit Ihrem Produkt nachweisen, nicht mit Wasser. Ich lasse zusätzlich bei Produkttemperatur messen, denn ein Dressing aus dem Kühlraum füllt sich anders als dasselbe Dressing bei Raumtemperatur.

Kollisionserkennung

Automatisierung & Robotik

Funktion einer Robotersteuerung, die unerwartete Kräfte an den Achsen erkennt und die Bewegung stoppt. Die Steuerung vergleicht dazu die Motorströme oder Drehmomente mit den Werten, die sie für die programmierte Bahn erwartet, oder wertet Drehmomentsensoren in den Gelenken aus. Überschreitet die Abweichung eine einstellbare Schwelle, stoppt der Roboter und fährt je nach Einstellung ein Stück zurück. Die Funktion schützt Roboter, Greifer und Anlage vor Schäden. Nur wenn sie als sicherheitsbewertete Funktion ausgeführt ist, darf sie auch zum Personenschutz herangezogen werden. Davon zu unterscheiden ist die Kraft- und Leistungsbegrenzung kollaborativer Roboter.

Aus der Praxis

Kollisionserkennung wird gern empfindlich eingestellt, bis der Roboter bei jedem Ruck stehen bleibt. Dann dreht der Bediener sie ab, und beim nächsten Crash ist der Greifer hinüber. Die Schwelle sollte pro Programmabschnitt gesetzt werden, empfindlich beim Zustellen, unempfindlicher beim Beschleunigen mit Last. Voraussetzung sind korrekte Lastdaten und ein richtig eingemessener Greifer im Roboter. Jede Auslösung sollten Sie zählen und im Schichtbericht anzeigen, sonst bleibt die Ursache unentdeckt. Für Fälle, in denen die Erkennung zu spät kommt, gibt es einen mechanischen Kollisionsschutz am Flansch, der bei einem Aufprall nachgibt und einen Schalter betätigt. Er kostet wenig im Vergleich zum Greifer, den er rettet. Fragen Sie nach, ob er im Angebot steht.

Kollisionsprüfung (3D)

Projektleitung & CAPEX

Prüfung eines 3D-Modells darauf, ob sich Maschinen, Rohrleitungen, Kabeltrassen, Stahlbau und Gebäudeteile überschneiden oder vereinbarte Abstände unterschreiten. Die Software unterscheidet harte Kollisionen, bei denen sich Körper durchdringen, und weiche Kollisionen, bei denen Freiräume für Wartung, Bedienung, Fluchtwege oder Türschwenkbereiche verletzt werden. Geprüft wird ein Gesamtmodell aus den Daten aller Beteiligten, ausgetauscht etwa als STEP-Datei oder im IFC-Format. Bei Umbauten im Bestand dient häufig ein 3D-Laserscan (Punktwolke) als Grundlage. Gefundene Kollisionen werden in einer Liste mit Verantwortlichem und Status verfolgt. Nicht zu verwechseln ist die Kollisionsprüfung mit der Kollisionserkennung eines Roboters im Betrieb.

Aus der Praxis

Die Modelle der Lieferanten sind oft vereinfacht, und zwar genau an den Stellen, die später wehtun. Da fehlt die geöffnete Schutztür, der Schwenkbereich des Roboters oder der Platz für den Formatteilwagen. Ich lasse solche Bereiche ausdrücklich als Körper ins Modell setzen, sonst findet die Software dort nichts. In alten Hallen hängen Sprinklerleitungen und Lüftungskanäle, die in keiner Zeichnung stehen. Ohne Laserscan erfahren Sie davon beim Einbringen. Achten Sie auch auf die Wege. Ein Gang, durch den man sich seitlich quetschen muss, kollidiert mit nichts und ist trotzdem unbrauchbar. Und die Prüfung gilt nur für den Datenstand, mit dem sie gemacht wurde. Konstruiert ein Lieferant danach noch um, muss das Modell noch einmal durch.

Kommissionierung

Intralogistik

Zusammenstellen von Aufträgen aus dem Lagerbestand. Manuell läuft es nach dem Prinzip Person-zur-Ware, teilautomatisiert mit Pick-by-Light oder Ware-zur-Person-Arbeitsplätzen, robotergestützt mit Greifern und Bildverarbeitung. Der Auftrag liefert die Positionen, das Lagerverwaltungssystem die Lagerplätze. Mischpaletten-Kommissionierung ist eine der anspruchsvollsten Automatisierungsaufgaben, weil Packstücke mit verschiedenen Maßen und Gewichten zu einer stabilen Ladeeinheit zusammengesetzt werden müssen. Kennzahlen sind Zeit je Position und Fehlerquote.

Aus der Praxis

In Verpackungsbetrieben betrifft die Kommissionierung meist die Auslieferung von Mischpaletten und die Bereitstellung von Verpackungsmaterial an der Linie. Beides läuft oft mit Stapler und Zuruf. Ein Effizienztag zeigt schnell, wie viele Kilometer und Suchzeiten dahinterstecken. Bevor Automatisierung ins Spiel kommt, helfen feste Bereitstellplätze, klare Kanban-Mengen und ein sauberer Bestand im System. Festgelegte Stellplätze brauchen eine Bodenmarkierung, sonst stellt jeder ab, wo gerade Platz ist. Ich prüfe zuerst, ob der Systembestand mit dem Regal übereinstimmt. Stimmt er nicht, sucht jeder Kommissionierer weiter, und kein Roboter macht daraus eine Ordnung.

Maschine, die Umgebungsluft ansaugt und auf Netzdruck verdichtet. In der Industrie überwiegen Schraubenkompressoren, in denen zwei ineinandergreifende Rotoren die Luft kontinuierlich verdichten. Kolbenkompressoren finden sich eher bei kleinen Mengen oder hohen Drücken, Turbokompressoren bei sehr großen Volumenströmen. Öleingespritzte Maschinen nutzen Öl zum Kühlen und Abdichten, ölfrei verdichtende kommen ohne Öl im Verdichtungsraum aus. Geregelt wird über Last und Leerlauf oder über die Drehzahl, mehrere Kompressoren koordiniert eine übergeordnete Steuerung. Der größte Teil der aufgenommenen elektrischen Energie wird zu Wärme, die sich zurückgewinnen lässt. Zur Station gehören Trockner, Filter und Behälter. Die erreichbare Druckluftqualität beschreibt ISO 8573-1.

Aus der Praxis

Ölfrei oder ölgeschmiert ist in Lebensmittelbetrieben selten eine reine Technikfrage. Die Qualitätssicherung will wissen, welche Klasse nach ISO 8573-1 an der Produktberührung ankommt, und das hängt an der Aufbereitung und ihrer Wartung genauso wie am Verdichter. Ich lasse mir bei Kompressoren deshalb immer die ganze Station anbieten, mit Trockner, Filtern und Steuerung. Zwei drehzahlgeregelte Kompressoren ohne gemeinsame Steuerung regeln gern gegeneinander und laufen beide in Teillast. Leerlaufzeiten kosten Strom, ohne Luft zu liefern. Schauen Sie sich auch den Kompressorraum an. Ist er im Sommer heiß und staubig, saugen die Maschinen warme, schmutzige Luft an und gehen auf Störung. Und planen Sie Redundanz. Wer die ganze Produktion an einem einzigen Kompressor hängen hat, erfährt den Nachteil meistens in der Nachtschicht.

Konformitätserklärung

Qualität & Sicherheit

Rechtsverbindliche Erklärung des Herstellers, dass die Maschine allen anwendbaren EU-Vorschriften entspricht, und Voraussetzung der CE-Kennzeichnung. Sie nennt Hersteller, Maschine mit Typ und Seriennummer, die angewandten Richtlinien und harmonisierten Normen, die Person für die technischen Unterlagen sowie Ort, Datum und Unterschrift einer zeichnungsberechtigten Person. Grundlage ist die Risikobeurteilung. Nicht zu verwechseln ist sie mit der Einbauerklärung für unvollständige Maschinen. Diese hat keinen CE-Status und verlangt, dass die Gesamtmaschine erst nach dem Einbau konform erklärt wird.

Aus der Praxis

Die Konformitätserklärung ist kein Formular, das der Lieferant mitschickt, sondern das rechtliche Ergebnis der Risikobeurteilung. Verlangen Sie sie im Lastenheft als Abnahmevoraussetzung, zusammen mit Betriebsanleitung in deutscher Sprache und technischer Dokumentation. Ich gleiche Typ und Seriennummer in der Erklärung immer mit dem Typenschild ab, und ich schaue, ob die genannten Normen zur Maschine passen und nicht aus der Vorlage einer ganz anderen stammen. Bei Linien aus mehreren Maschinen ist zu klären, wer die Gesamtkonformität erklärt, der Integrator oder der Betreiber. Diese Frage wird gern übersehen. Nach einem Umbau gilt die alte Erklärung nicht automatisch weiter.

Konsignationslager

Kaufmännisches

Beschaffungsmodell, bei dem der Lieferant seine Ware direkt beim Kunden lagert, aber bis zur Entnahme Eigentümer bleibt. Das Lager steht im Werk des Betreibers, oft als abgegrenzte Fläche oder Regal, und wird vom Lieferanten befüllt. Abgerechnet wird erst, wenn das Teil tatsächlich entnommen und verbraucht wird, der Betreiber bindet bis dahin kein Kapital. Der Bestand wird meist über Mindest- und Höchstmengen gesteuert, die Entnahmen werden gemeldet oder per Scan erfasst. Verbreitet ist das Modell bei Norm- und Zeichnungsteilen, Verschleißteilen und häufig benötigten Komponenten.

Aus der Praxis

Bei Verpackungslinien lohnt sich ein Konsignationslager vor allem für Verschleiß- und Formatteile. Die Teile liegen in Reichweite, und Sie müssen kein Geld dafür vorstrecken. Das Kleingedruckte steckt im Vertrag. Regeln Sie, wie Entnahmen gemeldet werden, wer wann Inventur macht, wer haftet, wenn ein Teil beschädigt wird oder verschwindet, und was bei einer Linienstilllegung mit dem Restbestand passiert. Legen Sie auch fest, wer den Mindestbestand bestimmt. Sonst ist das Regal leer, wenn nachts der Siegelbacken ausfällt, und keiner fühlt sich zuständig. Und halten Sie den Zugang eng: Wer an das Regal darf, dokumentiert auch, was er herausnimmt.

Konstruktionsfreigabe

Projektleitung & CAPEX

Förmliche Freigabe der Konstruktionsunterlagen wie Zeichnungen, 3D-Modelle, Stücklisten und Schaltpläne vor Fertigung und Bestellung. Der Betreiber prüft die Übereinstimmung mit Lastenheft, Werksnorm und Layout, der Lieferant bleibt für die technische Richtigkeit verantwortlich. Die Freigabe verschiebt diese Verantwortung nicht. Sie wird mit Revisionsstand, Datum und Unterschrift dokumentiert, meist per Freigabestempel oder in einem Freigabeprotokoll. Üblich sind die Ergebnisse freigegeben, freigegeben mit Anmerkungen und nicht freigegeben. Mit dem Design Freeze wird der freigegebene Stand festgeschrieben.

Aus der Praxis

Freigabe heißt nicht Verantwortungsübernahme. Schreiben Sie in den Vertrag, dass die Prüfung der Unterlagen die Gewährleistung des Lieferanten nicht einschränkt, und klären Sie die Formulierung mit Ihrem Juristen. Prüfen Sie gezielt das, was Sie besser wissen als der Lieferant: Aufstellung, Medien, Bedienseite, Hygienezonen und Bestandsfördertechnik. Ich lege dafür eine kurze Checkliste an und gehe nicht jede Schraube durch. Machen Sie Ihre Anmerkungen direkt auf der Zeichnung und mit Revisionsstand, damit sie später auffindbar sind und der Lieferant sie nicht überliest. Setzen Sie außerdem eine Frist für die Prüfung. Ein Freigabepaket, das wochenlang auf einem Schreibtisch liegt, wird im Terminplan zu Ihrem Verzug.

Kontrollwaage

Qualität & Sicherheit

Dynamische Waage im Produktstrom, die jedes Packstück auf Soll-Gewicht prüft. Sie besteht aus Einlaufband, Wägeband mit Wägezelle, Auslaufband und Ausschleusung, die Packungen außerhalb der Toleranz per Schieber, Klappe oder Luftstoß aus dem Strom nimmt. Üblich ist die Einteilung in Untergewicht, Gutbereich und Übergewicht. Die Messwerte werden statistisch ausgewertet und liefern die Daten für die Fertigpackungsverordnung, die Füllmengen von Fertigpackungen regelt. Gleichzeitig ist die Waage ein Lieferant von Prozessdaten: Der Trend der Füllmengen kann an den Füller zurückgemeldet werden, damit die Dosierung nachregelt.

Aus der Praxis

Über die Fertigpackungsverordnung wacht die Kontrollwaage, und zugleich liefert sie die Daten gegen das Give-away. Was zählt, sind Wägegenauigkeit bei Liniengeschwindigkeit, Ausschleusung mit Bestätigung und eine saubere Auswertung der Mittelwerte. Die Packung muss beim Wiegen ganz auf dem Band liegen, bei hohem Takt und kurzen Packungen wird das knapp. Auch Zugluft und Vibration von der Nachbarmaschine verfälschen die Werte. Ich lasse mir die Genauigkeit in der Abnahme mit Prüfpackungen bei voller Geschwindigkeit zeigen, nicht im Stillstand. Wer die Waage nur als Ausschleuser nutzt, verschenkt Potenzial. Die Trendkurve zeigt Ihnen, wann der Füller nachjustiert werden muss, bevor Ausschuss entsteht.

Konturenkontrolle

Intralogistik

Lichtschranken- oder Laserportal, das die Ladeeinheit auf Überstand und Maximalhöhe prüft, bevor sie in die Fördertechnik, an die FTS-Übergabe oder zur Lkw-Verladung gelangt. Lichtgitter erfassen die Außenkontur, Laserscanner oder Kameras messen sie genauer. Bei einer Abweichung stoppt die Strecke, oder die Palette wird ausgeschleust. Die Kontrolle verhindert Havarien an Durchfahrten und ist Standard an jeder automatischen Palettenstrecke. Grenzwerte für Höhe und Überstand richten sich nach Regal, Tor und Folgemaschine.

Aus der Praxis

Die Konturenkontrolle vor dem Palettierer oder Stretchwickler verhindert, dass eine verrutschte Lage die Anlage blockiert oder im Regal stecken bleibt. Lichtgitter oder Kamera prüfen Überstand und Höhe. Die Messung ist der leichte Teil. Schwieriger ist die Reaktion, denn Sie müssen festlegen, wer stoppt, wer korrigiert und wie die Palette dokumentiert wird. Ohne festgelegten Ablauf werden fehlerhafte Paletten einfach quittiert und fahren weiter. Testen Sie bei der Abnahme mit einer absichtlich schief gebauten Palette, ob die Anlage wirklich stoppt. Prüfen Sie auch, ob eine hängende Folie oder ein loses Umreifungsband das Lichtgitter täuschen kann.

Erwartete Gesamtkosten des Projekts bei Abschluss. Sie setzen sich zusammen aus den Istkosten, dem Obligo (bestellt, noch nicht bezahlt) und den geschätzten Restkosten für Leistungen, die noch nicht beauftragt sind. Die Prognose wird regelmäßig fortgeschrieben, meist zu jedem Berichtstermin, und dem freigegebenen Budget gegenübergestellt, die Differenz ist die erwartete Abweichung bei Projektende. Als Gegenprobe lässt sich aus dem Kostenleistungsindex des Earned Value eine mechanische Hochrechnung bilden. Abweichungen lösen Gegenmaßnahmen oder einen Antrag auf Budgetnachtrag aus, und die Gründe stehen im Projektstatusbericht.

Aus der Praxis

Die häufigste Selbsttäuschung: Man schaut nur auf die bezahlten Rechnungen und vergisst das Obligo. Weil die Rechnung erst im nächsten Quartal kommt, fällt sie jetzt nicht auf. Führen Sie die drei Spalten getrennt, bezahlt, bestellt und noch zu bestellen. Fragen Sie bei jedem Bericht, was auf der Baustelle zusätzlich nötig geworden ist, zum Beispiel Anpassungen an der Fördertechnik, weitere Schutzzäune oder Überstunden bei der Inbetriebnahme. Solche Posten fehlen in der ersten Prognose meistens. Nehmen Sie auch Nachträge auf, die noch im Gespräch sind, mit einer ehrlichen Einschätzung, ob sie kommen. Wer Mehrkosten erst am Ende meldet, hat keine Handlungsoptionen mehr.

Kraft- und Leistungsbegrenzung

Qualität & Sicherheit

Betriebsart der Mensch-Roboter-Kollaboration, bei der Kontakt zwischen Roboter und Mensch zulässig ist, weil Kräfte und Drücke begrenzt sind. Neben ihr stehen sicherheitsgerichteter überwachter Halt, Handführung sowie Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung. ISO/TS 15066 beschreibt die biomechanischen Grenzwerte je Körperregion, für klemmenden und für stoßartigen Kontakt, und stützt sich auf Schmerzschwellen. Die Einhaltung wird an der realen Applikation mit einem Kraft- und Druckmessgerät geprüft, nicht allein aus Roboterdaten abgeleitet, denn Greifer, Werkstück und Bewegung bestimmen die Kontaktkraft.

Aus der Praxis

Ein Cobot ist nicht automatisch sicher. Greifer, Werkstück und Anwendung bestimmen, ob die Grenzwerte eingehalten werden. Ein spitzer Greifer oder ein schweres Teil reißt jede Kraftmessung, und die Klemmstellen zwischen Roboter und Maschinenkante hat anfangs meist keiner auf dem Schirm. Lassen Sie die Kollisionskräfte an den realen Kontaktstellen messen und protokollieren, in der Regel bei reduzierter Geschwindigkeit, die dann den Takt bestimmt. Fragen Sie den Lieferanten, welche Körperregionen er in der Auslegung betrachtet hat, denn Kopf und Gesicht sind besonders empfindlich. Oft ist eine Abschrankung mit Laserscanner produktiver als ein langsam schleichender Cobot.

Kraftliner / Testliner

Verpackungstechnik

Deckenpapiere der Wellpappe, die als glatte Außen- und Innenlagen auf die Welle geklebt sind. Kraftliner besteht überwiegend aus Frischfaser-Zellstoff und bietet hohe Festigkeit und Feuchtebeständigkeit. Testliner wird aus Altpapier hergestellt, ist günstiger und weniger fest. Die Wahl der Decken beeinflusst Kantenstauchwiderstand, Berstfestigkeit, Bedruckbarkeit und das Verhalten in feuchter Umgebung wesentlich. Das Flächengewicht der Decken wird in Gramm je Quadratmeter angegeben. Wellpappe aus zwei Decken und einer Welle heißt einwellig.

Aus der Praxis

Bei Kühl- und Exportverpackungen greifen Sie zu Kraftliner-Außendecken, im trockenen Inlandsversand reicht Testliner meist aus. Lieferanten tauschen die Deckenqualität gern stillschweigend gegen eine günstigere, wenn im Rahmenvertrag nur die Wellpappensorte steht. Nennen Sie deshalb die Papierzusammensetzung, das Flächengewicht der Decken und den ECT-Mindestwert, und prüfen Sie stichprobenweise im Wareneingang nach. Feuchte im Kühlhaus ist ein Fall für sich, weil Wellpappe dort schnell an Steifigkeit verliert. Lassen Sie sich bei neuen Kartons den Aufbau in der Spezifikation geben und nicht bloß den Sortennamen, denn hinter dem gleichen Namen können verschiedene Papiere stecken.

Kritischer Pfad

Projektleitung & CAPEX

Die längste Kette voneinander abhängiger Vorgänge im Terminplan, vom Projektstart bis zum Projektende. Jeder Tag Verzug auf dem kritischen Pfad ist ein Tag Projektverzug, weil diese Vorgänge keinen Puffer haben. Vorgänge außerhalb des Pfads haben Pufferzeit und dürfen sich um diese verschieben, ohne den Endtermin zu berühren. Ermittelt wird der Pfad mit der Netzplantechnik. Lange Lieferzeiten, etwa für Steuerungskomponenten und Sonderteile, liegen fast immer darauf. Früh bestellen ist billiger als spät beschleunigen. Der Pfad kann im Projektverlauf wechseln, wenn sich Vorgänge verschieben.

Aus der Praxis

In Verpackungsprojekten liegt der kritische Pfad fast immer bei der Lieferzeit der Hauptmaschine, bei den Formatteilen und bei der Freigabe der Packmittel. Die Montage vor Ort ist es selten. Wer Packmittelmuster, Produktmuster und Formatlisten früh liefert, hält den Pfad kurz, denn ohne sie kann der Lieferant weder konstruieren noch Formatteile bestellen. Prüfen Sie den Terminplan des Lieferanten auf Puffer. Ein Plan ohne Puffer ist eher ein Wunsch. Schauen Sie bei jeder Terminänderung nach, ob der Pfad gewandert ist. Der Vorgang, der gestern noch Puffer hatte, kann heute der engste sein. Fragen Sie nach, welche Zukaufteile die längste Lieferzeit haben und wann sie bestellt werden. Das Bestelldatum sagt mehr als der Liefertermin.

Kugelgewindetrieb

Maschinenbau & Komponenten

Maschinenelement, das eine Drehbewegung in eine Längsbewegung umsetzt. Zwischen Gewindespindel und Mutter laufen Kugeln in Gewinderillen und werden über eine Rückführung in der Mutter zurückgeleitet. Durch die rollende Reibung ist der Wirkungsgrad deutlich höher als bei einer Trapezgewindespindel, deshalb ist der Trieb in der Regel nicht selbsthemmend. Senkrechte Achsen brauchen eine Haltebremse am Motor. Kennwerte sind Nenndurchmesser, Steigung, dynamische Tragzahl, Genauigkeitsklasse und Vorspannung. Gerollte Spindeln sind günstiger, geschliffene genauer. Kugelgewindetriebe sitzen in Linearachsen, Hubeinheiten, Elektrozylindern und Formatverstellungen. Gelagert wird die Spindel meist mit einem Festlager auf der einen und einem Loslager auf der anderen Seite.

Aus der Praxis

Mit Dreck und Querkräften kommt ein Kugelgewindetrieb schlecht zurecht. Die Mutter ist für Längskraft gebaut. Muss sie nebenbei den Schlitten führen, weil die Linearführung schief sitzt oder zu schwach ist, hält der Trieb nicht lange. Schauen Sie bei der Abnahme, ob Spindel und Führung sauber parallel laufen und ob ein Faltenbalg die Spindel vor Produktresten schützt. Bei senkrechten Achsen gehört die Bremse in jedes Design Review, denn ohne sie läuft die Last bei Stromausfall einfach nach unten. Spindel und Mutter werden ab Werk als Paar eingestellt. Fragen Sie deshalb, ob es Muttern einzeln gibt oder nur den kompletten Trieb. Eine Mutter dreht man nie ohne Montagehülse von der Spindel. Sonst liegen die Kugeln auf dem Hallenboden, und die Mutter geht zum Hersteller.

Kunststoffpalette

Intralogistik

Palette aus PE-HD oder PP, gespritzt oder tiefgezogen, in Euro- und Industriemaßen sowie Sonderformaten. Es gibt Bauformen mit Kufen oder Füßen und mit offenem oder geschlossenem Deck, für Hygienebereiche meist mit glatten, leicht zu reinigenden Flächen. Vorteile sind konstante Maße und Gewichte, hygienische Reinigbarkeit, keine Splitter, Nägel und Feuchteaufnahme sowie keine ISPM-15-Behandlung für den Export. Nachteile sind höherer Preis, geringere Steifigkeit unter Regallast und begrenzte Reparierbarkeit.

Aus der Praxis

In Hygienezonen und automatischen Lagern sind Kunststoffpaletten dank Maßhaltigkeit überlegen. Holzpaletten mit Nagelköpfen und verzogenen Kufen sind ein häufiger Grund für Störungen am Regalbediengerät. Achten Sie auf die Tragfähigkeitsangaben. Statisch, dynamisch und im Regal unterscheiden sie sich stark, und leichte Ausführungen biegen sich im Durchlaufregal durch. Kunststoffpaletten sind kein Tauschgut, sichern Sie den Kreislauf also gegen Verlust ab. Ohne Buchung oder Pfand verschwinden sie beim Kunden und tauchen irgendwann bei einem Nachbarbetrieb wieder auf. Prüfen Sie auch, wie sich die Palette reinigen lässt, denn Rippen und Hohlräume an der Unterseite können Schmutz festhalten.

L

Ladeeinheit

Intralogistik

Die transportfertige Einheit aus Ladungsträger, Ware und Sicherung, meist die gewickelte Palette. Sie besteht aus der Ware in der Umverpackung, den Lagen nach dem Lagenbild, dem Ladungsträger und der Sicherung durch Stretchfolie, Schrumpfhaube oder Umreifung. Maße, Gewicht und Stabilität bestimmen Lager, Transport und Kosten. Grenzen setzen Regal, Lkw, Stapler und Handelskunde. Meist trägt die Ladeeinheit ein Palettenetikett mit Inhalt und Identnummer, das beim Wareneingang des Kunden gescannt wird.

Aus der Praxis

Die Ladeeinheit ist die Schnittstelle zu Spedition, Lager und Handelskunden: Höhe für Regal und Lkw, Gewicht für den Stapler, Überstand für die Regalbreite. Definieren Sie die Ladeeinheit vor der Verpackungsentwicklung. Viele Projekte optimieren den Karton und stellen später fest, dass die Palette nicht ins Regal passt. Ich frage deshalb im ersten Gespräch nach der größten Palette, die der anspruchsvollste Kunde noch annimmt, und rechne rückwärts. Dann steht fest, wie hoch gestapelt wird, bevor jemand eine Kartonzeichnung anfasst. Rechnen Sie auch die Rückführung von Leerpaletten und Zwischenlagen mit, sie wird gern vergessen.

Ladungssicherung

Intralogistik

Maßnahmen, mit denen eine Ladeeinheit für den Transport so gesichert wird, dass die Ware bei Bremsen, Kurvenfahrt und Erschütterung auf der Palette bleibt. Üblich sind Stretchwickler, Haubenschrumpfer und Umreifung, dazu rutschhemmende Zwischenlagen. Die Folie hält die Lagen zusammen und verbindet sie mit der Palette. Der Folienverbrauch pro Palette ist messbar und beeinflusst die Kosten. Vorreckung und Wickelprogramm bestimmen, wie viel Folie auf der Palette landet. Regeln für die Sicherung auf dem Fahrzeug stehen in der VDI-Richtlinienreihe 2700.

Aus der Praxis

Die Ladungssicherung beginnt auf der Palette: Packschema, Zwischenlagen, Stretchkraft und gegebenenfalls Umreifung entscheiden, ob die Ware ankommt. Prüfen Sie die Palettenstabilität mit einem einfachen Kipptest oder Fahrversuch, bevor Sie Folie sparen. Wer die Folienstärke reduziert, muss Vorreckung und Wicklungszahl neu einstellen und die Ladeeinheit mit dem Spediteur abstimmen. Nach einem Formatwechsel passen Wickelprogramm und Palettenhöhe oft nicht mehr zusammen, weil keiner das Rezept mitgezogen hat. Schlecht gewickelte Paletten geben meist an den oberen Lagen und an den Ecken zuerst nach. Reklamationen über verrutschte Ware zeigen am ehrlichsten, ob die Sicherung reicht.

Lagenbild

Intralogistik

Anordnung der Packungen innerhalb einer Palettenlage, meist als Zeichnung: Position, Ausrichtung und Anzahl je Lage sowie die Abfolge der Lagen. Bei der Verbundstapelung sind die Lagen gegeneinander versetzt, bei der Säulenstapelung liegen die Packungen exakt übereinander. Die Ladeeinheit ergibt sich aus Lagenbild und Lagenzahl. Das Lagenbild bestimmt Palettenausnutzung, Stabilität der Ladeeinheit und die Programmierung des Palettierers. Je Format gibt es ein eigenes Lagenbild, bei Verbundstapelung wechseln meist zwei Bilder einander ab.

Aus der Praxis

Lassen Sie sich vom Palettiererlieferanten die Lagenbilder für jedes Format zeichnen und geben Sie sie vorher an Logistik und Kunden frei. Handelsketten haben eigene Vorgaben zu Palettenhöhe, Überstand und Lagenzahl. Ein Verbundmuster ist stabiler, ein Säulenmuster schont die Packungen. Beides hat Folgen für Wickler und Transport. Ändert sich ein Lagenbild nach der Inbetriebnahme, kostet das Programmieraufwand und meist neue Greiferteile. Fragen Sie auch, wie die Anlage mit einer unvollständigen Lage am Auftragsende umgeht, denn die letzte Palette eines Auftrags ist selten voll. Packungsmaße streuen in der Praxis, deshalb sollte die Freigabe mit echten Mustern laufen und nicht allein am Bildschirm.

Lagenpalettierer

Verpackungstechnik

Palettierer, der zuerst eine vollständige Lage auf einem Lagenbildetisch aufbaut und sie dann als Ganzes auf die Palette überträgt. Die Gebinde werden dafür bei Bedarf gedreht, zu Reihen zusammengeschoben und nach dem Lagenbild verdichtet. Anschließend wird die Lage auf einen Übergabetisch geschoben, der unter ihr wegfährt und sie auf der Palette absetzt. Danach senkt sich je nach Bauart die Palette um eine Lagenhöhe, oder die Übergabe hebt sich. Zwischenlagen legt ein eigenes Modul ein. Lagenpalettierer gibt es mit hohem oder niedrigem Zulauf, bei einheitlichen Gebinden erreichen sie hohe Leistungen. Palettierer ist der Oberbegriff. Ein Roboterpalettierer setzt die Gebinde dagegen einzeln oder in kleinen Gruppen ab und ist flexibler, aber meist langsamer.

Aus der Praxis

Ein Lagenpalettierer schafft viel, solange die Gebinde mitspielen. Heikel ist der Moment, in dem die fertige Lage vom Tisch auf die Palette wandert. Glatte Schrumpfpacks oder ein Lagenbild ohne richtigen Verbund rutschen dabei auseinander, und die Anlage steht, bis jemand die Lage von Hand richtet. Fragen Sie vor der Bestellung, wer später neue Lagenbilder anlegen darf. Wenn das nur der Lieferant per Fernwartung kann, bezahlen Sie jede neue Artikelnummer mit einer Rechnung und ein paar Tagen Wartezeit. Unterschätzt wird oft auch das Drumherum. Leerpalettenmagazin, Zwischenlagenspender und die Strecke zum Stretchwickler brauchen Platz. Und kaputte Paletten aus dem Tauschpool legen die Anlage genauso still wie ein Defekt am Palettierer selbst.

Large Language Model (LLM)

Digitalisierung & KI

KI-Modell, das auf großen Textmengen trainiert wurde und Sprache verstehen und erzeugen kann. Es berechnet fortlaufend, welches Textstück als Nächstes am wahrscheinlichsten folgt, und formuliert daraus seine Antworten. Im Industriekontext dient es zum Durchsuchen von Dokumentation, Erklären von Störmeldungen, Zusammenfassen von Schichtberichten oder Erstellen von Wartungsanweisungen. Es liefert plausible, nicht garantiert richtige Antworten und ersetzt keine deterministische Steuerung. Wird es an eigene Dokumente angebunden, kann es Quellen nennen. Betrieben wird es als Cloud-Dienst oder lokal im eigenen Rechenzentrum.

Aus der Praxis

Ein LLM ist nützlich, wenn es auf Ihre Dokumente zugreift und seine Quellen nennt. Ohne diese Anbindung erfindet es überzeugende, aber falsche Ersatzteilnummern, und die sehen auf dem Bildschirm genauso glaubwürdig aus wie die richtigen. Klären Sie vor dem Einsatz, welche Daten das Modell sehen darf, wo es läuft und wer die Antworten prüft. Konstruktionsdaten und Kundenunterlagen gehören nicht ungefragt in einen öffentlichen Dienst. Ich beginne mit Aufgaben, bei denen ein Fehler billig ist, also Suche und Zusammenfassung, und nicht mit Parameteränderungen an der Maschine. Geben Sie den Mitarbeitern eine klare Ansage, wofür das Werkzeug gedacht ist und wofür nicht.

Laserbeschrifter

Verpackungstechnik

Kennzeichnungssystem, das mit einem Laserstrahl Oberflächen markiert. Je nach Strahlquelle, CO2, Faser oder UV, und je nach Material entsteht die Markierung durch Farbumschlag, Abtrag einer Deckschicht oder Gravur. Ein Scanner lenkt den Strahl über das Produkt, die Daten kommen aus der Linien- oder Druckersteuerung. Die Markierung braucht kein Verbrauchsmaterial wie Tinte oder Lösemittel, ist dauerhaft und schwer zu fälschen, hängt aber von Material und Kontrast ab. Erforderlich sind eine Absaugung der Dämpfe und Maßnahmen zur Lasersicherheit. Eingesetzt wird der Laser bei Glas, PET, Karton, Folien und Etiketten.

Aus der Praxis

Ein Laser kann nur markieren, was auf ihn reagiert. Auf manchen Folien und Farben bleibt der Kontrast schwach, dann hilft nur ein laserfähiges Feld im Druckbild. Lassen Sie alle Packstoffe vorab bemustern, auch die Varianten aus der zweiten Lieferquelle. Die Absaugung ist Pflicht und wird gern vergessen, ebenso die Schutzeinhausung nach Laserklasse. Bei einer Umstellung vom Tintendrucker rechnen Sie die eingesparten Verbrauchsmaterialien gegen die höhere Investition. Klären Sie auch, wie der Laser bei Bandstillstand abschaltet und wer die Absaugfilter wartet. Die Türen der Einhausung gehören verriegelt, denn eine Tür, die man offen lassen kann, bleibt irgendwann offen.

Laserscanner

Automatisierung & Robotik

Sicherheitssensor, der mit einem Laserstrahl und einem rotierenden Spiegel die Umgebung in einer Ebene abtastet und die Laufzeit des reflektierten Lichts auswertet. Überwacht werden konfigurierbare Schutz- und Warnfelder am Boden, Standard bei FTS und AMR sowie bei zaunlosen Zellen. Das Warnfeld verlangsamt die Maschine, das Schutzfeld stoppt sie. Bei Bedarf lassen sich mehrere Feldsätze hinterlegen und je nach Betriebszustand oder Fahrgeschwindigkeit umschalten. Die Feldgeometrie ist Teil der Sicherheitsvalidierung. Für den Personenschutz kommen nur Scanner in Frage, die nach IEC 61496-3 als Sicherheitsbauteile ausgeführt sind.

Aus der Praxis

Sicherheits-Laserscanner ersetzen Zäune dort, wo Personen regelmäßig in den Bereich müssen, etwa an Palettenwechselplätzen. Sie erlauben Warn- und Schutzfelder mit Geschwindigkeitsreduzierung. Grenzen setzen Verschmutzung, Staub und Reflexionen durch Folie, sie führen zu Fehlauslösungen. Planen Sie Reinigungsintervalle ein und dokumentieren Sie die Schutzfeldkonfiguration in der Risikobeurteilung. Dazu gehört, wer die Felder ändern darf. Ein Schutzfeld, das jemand mal eben kleiner zieht, weil es nervt, macht die ganze Sicherheitsbewertung wertlos. Sichern Sie die Konfiguration mit Passwort und Dokumentation und prüfen Sie bei der Abnahme mit einem Prüfkörper, ob das Feld dort anspricht, wo es soll. Rechnen Sie den Nachlauf der Maschine in den Abstand ein, sonst stoppt der Scanner pünktlich und die Maschine zu spät.

Lastenheft

Projektleitung & CAPEX

Beschreibt, was der Auftraggeber benötigt und wofür. Es enthält Anforderungen, Leistungsdaten und Rahmenbedingungen aus Sicht des Betreibers, zum Beispiel Produkte, Formate, Leistung, Verfügbarkeit, Schnittstellen, Hygiene- und Sicherheitsanforderungen sowie Abnahmekriterien. Der Lieferant antwortet darauf mit dem Pflichtenheft, das beschreibt, wie er die Anforderungen umsetzt. Das Lastenheft ist die Grundlage jeder Ausschreibung. Ein unvollständiges Lastenheft führt zu unvergleichbaren Angeboten und teuren Nachträgen. Im Englischen heißt es User Requirement Specification (URS).

Aus der Praxis

Ein brauchbares Lastenheft beschreibt Ergebnisse und keine Lösungen. Der häufigste Fehler ist das Abschreiben eines Herstellerprospekts. Dann kann nur dieser Hersteller liefern. Schreiben Sie lieber hin, was die Maschine leisten muss und woran Sie das messen. Wer Verfügbarkeit fordert, muss auch sagen, wie sie gemessen wird. Bei Hygiene gehören die Zonen und die Art der Reinigung dazu, bei den Abnahmekriterien eine Messmethode, die ein Dritter nachvollziehen kann. Ein gutes Lastenheft ist so knapp wie möglich und so genau wie nötig, und es macht Angebote vergleichbar. Lassen Sie es vor dem Versand von Produktion und Instandhaltung gegenlesen. Genau dafür gibt es das Ausschreibungspaket von POWERJO.

Höchster Leistungsbezug eines Betriebs innerhalb eines Abrechnungszeitraums. Bei Kunden mit registrierender Leistungsmessung erfasst der Zähler in Deutschland den Mittelwert der Leistung je Viertelstunde. In der Regel bestimmt der höchste Viertelstundenwert im Jahr den Leistungspreis im Netzentgelt, eine einzelne Spitze wirkt deshalb auf die Kosten des ganzen Jahres. Spitzenlastmanagement senkt diese Spitzen. Ein Lastmanagementsystem überwacht den laufenden Viertelstundenmittelwert und schaltet bei drohender Überschreitung verschiebbare Verbraucher kurz ab oder zurück, etwa Kälteanlagen oder Heizungen. Weitere Mittel sind der gestaffelte Anlauf großer Verbraucher, Speicher und Eigenerzeugung. Die Anschlussleistung beschreibt dagegen nur die installierte Leistung.

Aus der Praxis

Teure Spitzen entstehen selten im Normalbetrieb. Sie kommen am Montagmorgen, wenn nach dem Wochenende alle Linien gleichzeitig hochfahren und die Kompressoren das leere Netz füllen. Eine Viertelstunde reicht, und die Rechnung trägt das ein Jahr lang mit sich herum. Bei neuen Anlagen lohnt der Blick auf die Heizleistung. Siegelbacken, Schrumpftunnel und Hotmeltgeräte ziehen beim Aufheizen deutlich mehr als im Betrieb. Ich frage den Lieferanten deshalb neben der Nennleistung immer, ob sich die Heizzonen in der Steuerung zeitversetzt einschalten lassen. Das kostet ihn ein paar Zeilen Programm. Sprechen Sie mit der Produktion auch über die Reihenfolge beim Anfahren nach dem Wochenende. Manchmal ist ein Plan an der Wand schon das ganze Lastmanagement.

Richtung, in der die Fasern bei der Papierherstellung überwiegend ausgerichtet sind, auch Maschinenrichtung genannt. Papier und Karton sind in Laufrichtung steifer und dehnen sich quer dazu bei Feuchteänderung stärker. Bei Wellpappe verlaufen die Wellen quer zur Maschinenrichtung. Rillungen und Faltungen müssen auf die Laufrichtung abgestimmt sein, weil der Werkstoff je nach Richtung unterschiedlich biegt und bricht. Auf der Zeichnung des Zuschnitts wird die Laufrichtung festgelegt, bei Wellpappe über die Wellenrichtung. Sie beeinflusst Rillqualität, Verhalten im Magazin und die Planlage nach einem Klimawechsel.

Aus der Praxis

Liegt die Laufrichtung eines Zuschnitts falsch zur Rillung, bricht er beim Falten an der Rille oder stellt sich nach dem Aufrichten wieder auf. Der Kartonierer schiebt dann Laschen, statt sie zu falten. Bei Faltschachteln gehört die Laufrichtung in die Zeichnung, bei Wellpappe die Wellenrichtung. Verzogene Zuschnitte nach einem Wetterumschwung im Lager sind fast immer ein Thema von Feuchte und Laufrichtung und kein Maschinenfehler. Fragen Sie den Lieferanten, wie die Zuschnitte auf der Palette liegen und ob sie in Folie verpackt kommen. Offene Stapel nehmen Feuchte über die Kanten auf und wellen sich am Rand. Im Wareneingang hilft ein einfacher Test. Biegen Sie einen Streifen längs und quer, in Laufrichtung ist er spürbar steifer.

Roboter oder Portal, das ganze Palettenlagen greift und auf Mischpaletten umsetzt. Der Greifer nimmt die komplette Lage mit Klemmflächen, Gabeln oder Vakuum auf, dazu kommen Zwischenlagen und Palettenmagazine. Das Gewicht einer Lage bestimmt die Auslegung von Greifer und Roboter. Eingesetzt wird er für Kunden, die Sortimentspaletten statt sortenreiner Paletten bestellen. Die Quellpaletten stehen sortenrein bereit, die Zielpalette wird nach Auftrag zusammengesetzt. Einzelne Kartons greifen dagegen andere Systeme, etwa Pick-and-Place.

Aus der Praxis

Lagenkommissionierung lohnt bei vielen Mischpaletten aus ganzen Lagen, bei Einzelkartons sind andere Systeme passender. Kritisch sind Lagenstabilität, Zwischenlagen und die Greiftechnik für verschiedene Kartonqualitäten. Eine Lage, die auf der Quellpalette hält, löst sich beim Greifen manchmal doch, vor allem wenn die Folie schon ab ist. Prüfen Sie Ihre Auftragsstruktur mit Zahlen, bevor Sie Technik vergleichen. Dazu gehört, wie oft ganze Lagen bestellt werden und wie oft nur ein paar Kartons. Erst dann wissen Sie, ob ein Layer-Picker oder ein System für Einzelkartons passt. Verlangen Sie einen Versuch mit Ihren echten Kartons und Paletten, bevor Sie bestellen.

Layoutplanung

Projektleitung & CAPEX

Räumliche Anordnung von Maschinen, Fördertechnik, Wegen und Puffern, meist als 2D-Zeichnung in CAD, bei komplexen Linien auch als 3D-Modell. Das Layout legt Materialfluss, Bedienseiten, Wartungszugänge, Fluchtwege und Übergabepunkte der Gewerke fest. Es berücksichtigt Hallenstützen, Medienanschlüsse und Hygienezonen. Ein gutes Layout verkürzt Transportwege, schafft Wartungszugänge und hält Fluchtwege frei. Es ist die Grundlage von Machbarkeitsstudie, Ausschreibung und Einbringungsplanung. Fehler im Layout sind später die teuersten.

Aus der Praxis

Die Maschinen sind beim Layout der leichte Teil. Schwierig wird das, was dazwischen liegt: Puffer, Zugänge, Palettenplätze, Wege für Material und Personal, Reinigung und Wartung. Planen Sie im 2D-Layout die Bewegungen eines Tages mit ein und nicht allein die Maschinenumrisse. Zeichnen Sie ein, wo der Formatteilwagen beim Wechsel steht, wo der Stapler mit der Leerpalette hält und wie der Instandhalter an den Motor kommt. Gehen Sie das Layout mit einem Schichtführer und einem Staplerfahrer durch, bevor es eingefroren wird, denn die kennen die Wege, die in keinem Plan stehen. Ein Layout, das Staplerwege kreuzt oder den Formatwechsel behindert, kostet jeden Tag Zeit, und zwar für Jahre.

Leasing vs. Kauf

Kaufmännisches

Gegenüberstellung zweier Wege, eine Maschine zu beschaffen. Beim Kauf wird die Anlage bezahlt, gehört dem Betreiber und wird über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben. Beim Leasing bleibt der Leasinggeber Eigentümer, der Betreiber zahlt Raten für die Nutzung und gibt die Anlage am Ende zurück, kauft sie oder verlängert, je nach Vertrag. Leasing schont die Liquidität und kann die Bilanz entlasten, über die Laufzeit ist der Kauf meist günstiger und schafft Eigentum. Wie sich beides steuerlich und bilanziell auswirkt, hängt vom Einzelfall und von der Vertragsgestaltung ab und ist mit dem Steuerberater durchzurechnen.

Aus der Praxis

Leasing bringt eine Investition ohne großen Mittelabfluss auf den Weg, kostet über die Laufzeit aber mehr. Kaufen lohnt bei langlebigen Maschinen, die nach der Abschreibung einfach weiterlaufen. Viele Verpackungsmaschinen tun das, wenn sie sauber gewartet werden. Rechnen Sie mit Ihrem Steuerberater, bevor Sie sich festlegen, denn je nach Vertragsform sieht die steuerliche Behandlung ganz anders aus. Klären Sie im Leasingvertrag, wer Wartung, Ersatzteile und Retrofit trägt. Nach einigen Jahren steht oft ein Steuerungstausch an, und dann sollte feststehen, wer ihn bezahlt und was bei der Rückgabe mit dem Umbau geschieht. An einer fremden Maschine baut keiner gern um, also regeln Sie das, bevor Sie unterschreiben.

Lebensmittelkonformität

Qualität & Sicherheit

Anforderung an Materialien und Gegenstände mit Lebensmittelkontakt, keine Stoffe in gesundheitsgefährdender Menge abzugeben und Zusammensetzung, Geruch oder Geschmack des Lebensmittels nicht unzulässig zu verändern. In der EU regelt das die Rahmenverordnung (EG) 1935/2004, für Kunststoffe ergänzt durch die Verordnung (EU) 10/2011, dazu kommt die Verordnung (EG) 2023/2006 zur guten Herstellungspraxis. In den USA ist die FDA zuständig. An der Maschine betrifft es alle produktberührenden Teile wie Förderbänder, Dichtungen, Greiferflächen, Formatteile und Schmierstoffe. Konformitätserklärungen für diese Teile gehören zur Maschinendokumentation.

Aus der Praxis

Bei Lebensmittelkonformität denken die meisten zuerst an die Verpackung. Geprüft wird aber jedes Teil, das das Produkt berührt: Förderbänder, Schmierstoffe, Dichtungen, Greiferflächen. Verlangen Sie vom Lieferanten Konformitätserklärungen für diese Materialien und eine Liste der eingesetzten H1-Schmierstoffe. Besonders gern fehlen die Nachweise für Dichtungen, Schläuche und Gleitleisten, weil sie als Kleinteile bestellt werden. Bei Retrofits wird das gern vergessen, dann fällt es im nächsten IFS-Audit auf. Auch das Ersatzteil aus der Bastelkiste, etwa eine Gleitschiene aus unbekanntem Kunststoff, ist ein Befund. Legen Sie fest, wer die Nachweise im Betrieb pflegt, und tauschen Sie Verschleißteile nur gegen Teile mit Nachweis.

Schmierstoffe, die bei unbeabsichtigtem Produktkontakt in geringen Mengen als unbedenklich gelten und nach NSF H1 registriert sind. H2-Schmierstoffe sind für Bereiche ohne möglichen Kontakt vorgesehen. Die Hygieneanforderungen an Herstellung und Handhabung beschreibt ISO 21469. Betroffen sind Getriebe, Ketten, Lager, Führungen und Pneumatiköler. Die Registrierung gilt je Produkt, H1 ist also eine Eigenschaft des Schmierstoffs und nicht der Maschine. Sie sagt nichts über Temperatur oder Belastbarkeit, dafür gelten die üblichen Kennwerte, bei Ölen die Viskosität, bei Fetten die NLGI-Klasse.

Aus der Praxis

Der typische Fehler ist nicht das falsche Öl im Getriebe, sondern das Universalfett in der Werkstattkartusche, das überall hinwandert. Legen Sie mit dem Lieferanten eine Schmierstoffliste je Schmierstelle fest, reduzieren Sie die Sortenzahl und kennzeichnen Sie Schmierstellen farbig. Prüfen Sie, ob Getriebe ab Werk mit H1-Füllung geliefert werden, das steht selten von selbst im Angebot. Ich frage außerdem nach der Verträglichkeit, wenn ein Fett auf ein anderes trifft. Beim Sortenwechsel mischen sich Reste, und nicht jede Kombination verträgt sich. Lagern Sie H1-Material im Lager und auf dem Werkstattwagen sichtbar getrennt von allem anderen, damit kein Nachfüller zur falschen Kartusche greift.

Leergutinspektion

Verpackungstechnik

Anlage, die Mehrwegflaschen vor der Füllung auf Restflüssigkeit, Fremdkörper, Beschädigung und Laugenreste prüft. Sie arbeitet vollautomatisch mit Kamera- und Hochfrequenztechnik und sitzt in der Regel hinter der Flaschenreinigung. Kameras kontrollieren Boden, Seitenwand und Mündung, Sensoren erkennen Restflüssigkeit und Laugenreste. Fehlerhafte Flaschen werden vor dem Füller ausgeschleust, dazu zählen auch Mündungen mit Abplatzern. Die Leergutinspektion ist Pflichtbaustein jeder Mehrweglinie.

Aus der Praxis

Bei Mehrweg ist die Inspektion Pflicht, bei Neuglas schützt sie vor Glasbruch im Füller. Auf Mehrwegflaschen finden sich Dinge, die der Kunde hineingesteckt hat, von Zigarettenresten bis Farbe. Beobachten Sie die Ausschleusquote. Steigt sie plötzlich, liegt es meist am Leergutlieferanten oder an der Reinigung und nicht an der Inspektion. Wer dann an der Empfindlichkeit dreht, um die Quote zu drücken, kauft sich ein anderes Problem. Fragen Sie nach, wie die Maschine mit Prüfflaschen eingelernt und regelmäßig getestet wird. Eine Inspektion, die einmal kalibriert wurde und seitdem unbeobachtet läuft, prüft irgendwann nur noch zum Schein.

Leimkontrolle

Verpackungstechnik

Prüfung, ob Klebstoff an der richtigen Stelle und in ausreichender Menge aufgetragen wurde, bevor die Klebestelle geschlossen wird. Typische Einsatzorte sind Kartonaufrichter, Kartonverschließer, Faltschachtelklebemaschinen und Etikettierer. Bei Hotmelt erkennen Infrarotsensoren oder Wärmebildkameras die warme Raupe auf dem kälteren Untergrund. Kaltleim lässt sich mit einem fluoreszierenden Zusatz versehen und unter UV-Licht prüfen. Vision-Systeme vergleichen Lage, Länge und Unterbrechungen der Raupen oder Punkte mit einem Sollbild. Die Steuerung wertet das Ergebnis für jede Packung aus und schleust fehlerhafte Packungen aus. Eine Leimkontrolle prüft den Auftrag, über die Festigkeit der fertigen Verklebung sagt sie nichts aus.

Aus der Praxis

Ein schlecht verklebter Karton fällt selten an der Linie auf. Er geht Wochen später im Lager oder beim Kunden auf. Die Leimkontrolle soll das verhindern, sieht aber nur, ob Leim da ist. Wie gut er hält, steht auf einem anderen Blatt. Ist der Hotmelt zu kalt, die Andruckstrecke zu kurz oder kommt der Karton im Winter eiskalt aus dem Außenlager, liegt die Raupe zwar richtig, klebt aber schlecht. Testen Sie die Kontrolle bei der Abnahme ganz einfach, indem Sie eine Düse am Leimgerät deaktivieren und schauen, ob die Packung wirklich ausgeschleust wird. Ich frage außerdem immer, ob sich die Kontrolle abschalten lässt und ob das protokolliert wird. Wirft der Sensor wegen Leimfäden gute Ware aus, ist er nachts nämlich schnell überbrückt. Nehmen Sie ihn deshalb in den Reinigungsplan auf.

Leistungsgrad

Kennzahlen

Verhältnis von Ist-Geschwindigkeit zu Nenngeschwindigkeit während der Laufzeit. Rechnerisch ergibt er sich aus der idealen Taktzeit multipliziert mit der produzierten Stückzahl, geteilt durch die Laufzeit. Er erfasst Verluste durch reduzierte Geschwindigkeit, Kurzstillstände und Leerlauf und ist der zweite Faktor der OEE. Kurzstillstände unter etwa fünf Minuten werden ohne automatische Datenerfassung fast immer unterschätzt, weil der Bediener sie behebt, ohne sie zu melden. Bezugsgröße ist die Nenngeschwindigkeit der Maschine, deshalb muss vorab feststehen, welche gilt.

Aus der Praxis

Der Leistungsgrad deckt auf, was Stillstandslisten nicht zeigen. Die Linie läuft, aber langsamer als geplant, wegen Mikrostopps, wegen reduzierter Geschwindigkeit nach einer Störung oder weil jemand die Maschine aus Vorsicht gedrosselt hat. Vergleichen Sie die tatsächliche Ausbringung je Schicht mit der Nennleistung, und fragen Sie die Bediener, bei welchem Format oder Packmittel sie lieber langsamer fahren. Das hat meist einen Grund. Oft liegt hier mehr Potenzial als in der Verfügbarkeit, und die Abhilfe kostet nichts außer Einstellung und Schulung. Schauen Sie dazu in der Nachtschicht aufs Display. Dort steht die Geschwindigkeit manchmal auf einem Wert, der irgendwann einmal sicher lief und nie wieder angefasst wurde.

Leistungsnachweis

Projektleitung & CAPEX

Formaler Nachweis der vertraglich zugesagten Leistungswerte über eine festgelegte Dauer mit definierten Produkten und Formaten, zum Beispiel mehrere Schichten bei Nennleistung mit einem vereinbarten Mindestwert für die Verfügbarkeit. Messmethode, Ausschlusszeiten und Konsequenzen bei Nichterreichen (Nachbesserung, Pönale, Minderung) müssen vor Vertragsschluss definiert sein. Ausschlusszeiten sind Stillstände, die dem Lieferanten nicht zuzurechnen sind, etwa fehlendes Produkt oder fehlende Packmittel. Der Leistungsnachweis folgt auf Inbetriebnahme und Probebetrieb und ist oft Voraussetzung für Abnahme und Schlusszahlung.

Aus der Praxis

Der Leistungsnachweis ist der Moment, in dem Lastenheft und Realität aufeinandertreffen. Legen Sie vorher fest, wie lange er läuft, mindestens eine ganze Schicht, besser mehrere Tage. Dazu gehören die Produkte und Formate, wer bedient, wie Stillstände zugeordnet werden und ab wann der Test als bestanden gilt. Ein Stopp, weil das Packmittel außerhalb der Toleranz liegt, ist kein Maschinenfehler, ein Stopp, weil der Auswerfer klemmt, sehr wohl. Das muss vorher feststehen. Ohne diese Regeln wird jeder Stopp diskutiert, und die Abnahme zieht sich über Monate. Halten Sie Zählerstände und Störprotokolle gemeinsam fest, am besten mit Unterschrift beider Seiten.

Lenkungsausschuss

Projektleitung & CAPEX

Übergeordnetes Entscheidungsgremium eines Projekts, in dem der Auftraggeber und Führungskräfte der betroffenen Bereiche sitzen, etwa aus Werksleitung, Technik, Produktion und Controlling. Der Lenkungsausschuss gibt Budget und Meilensteine frei und entscheidet über Änderungen an Umfang, Termin und Kosten, die über die Befugnis der Projektleitung hinausgehen. Außerdem ist er die oberste Eskalationsstufe im Projekt. Die Projektleitung berichtet dem Gremium und bereitet Beschlüsse mit Entscheidungsvorlagen vor, hat dort aber meist kein Stimmrecht. Das Gremium tagt in festen Abständen und bei Bedarf außerplanmäßig. Im Stage-Gate-Prozess entscheidet es über den Übergang in die nächste Phase. Zuständigkeiten und Befugnisse stehen im Projektauftrag oder in einer RACI-Matrix.

Aus der Praxis

Viele Lenkungsausschüsse sehen sich Statusfolien an und nicken. Das ist teure Zeit mit wenig Ergebnis. Gebraucht wird das Gremium für Fragen, die Sie als Projektleiter nicht allein beantworten dürfen, also mehr Budget, ein verschobener Inbetriebnahmetermin oder ein Streit zwischen Produktion und Technik. Setzen Sie die Entscheidungen an den Anfang der Tagesordnung und verschicken Sie die Vorlagen ein paar Tage vorher. Wer in der Sitzung zum ersten Mal von einem Problem hört, vertagt lieber. Achten Sie darauf, dass die Mitglieder selbst kommen. Ein Vertreter ohne Entscheidungsbefugnis hört höflich zu und muss danach erst nachfragen. Bringen Sie schlechte Nachrichten früh. Eine Verzögerung, die man rechtzeitig zeigt, verzeiht ein Lenkungsausschuss deutlich eher als eine Überraschung kurz vor dem SAT.

Lessons Learned

Projektleitung & CAPEX

Strukturierte Auswertung nach Projektende mit den Fragen, was gut lief, was nie wieder vorkommen soll und was zum Standard wird. Sie findet als Workshop mit den Projektbeteiligten statt, bei größeren Projekten auch zwischendurch an Meilensteinen. Die Ergebnisse werden schriftlich festgehalten und in Vorlagen, Checklisten und Lastenheft-Bausteine für das nächste Projekt übernommen. Es ist die billigste Beratung, die es gibt, vorausgesetzt, die Erkenntnisse landen dort und nicht im Aktenschrank.

Aus der Praxis

Lessons Learned funktionieren nur, wenn sie kurz nach dem Projekt stattfinden und ehrlich sind. Als Schuldzuweisung taugen sie nicht, als Liste für das nächste Projekt sehr. Aufschreiben sollten Sie, was im Lastenheft gefehlt hat, welche Schnittstelle unterschätzt wurde und welcher Lieferant gehalten hat, was er versprach. Wird das Wissen erst nach einem halben Jahr gesammelt, erinnert sich keiner mehr an den Grund für den späten Umbau. Zwei Seiten genügen. Legen Sie sie im Projektordner ab und lesen Sie sie beim nächsten Kick-off vor, dann sind sie mehr wert als jede Nachbesprechung. Tragen Sie die Punkte gleich in die Checkliste ein, sonst bleibt es bei guten Vorsätzen.

Lichtgitter

Automatisierung & Robotik

Berührungslose Schutzeinrichtung aus Sender und Empfänger, die einen Vorhang aus Lichtstrahlen aufspannt. Unterbricht eine Person den Vorhang, stoppt die Gefahrbewegung sicher. Das Lichtgitter ersetzt trennende Schutztüren an Ein- und Auslaufstellen. Je nach Auflösung schützt es Finger, Hand oder Körper. Die Auslegung folgt der Risikobeurteilung. Der Sicherheitsabstand zur Gefahrstelle richtet sich nach ISO 13855 und hängt von der Nachlaufzeit der Maschine, der Auflösung und der Annäherungsrichtung ab. Gegen das Hintertreten, also das Stehen zwischen Lichtgitter und Gefahrstelle, braucht es eine zusätzliche Maßnahme.

Aus der Praxis

Lichtgitter sichern Übergabestellen an Palettierern und Fördertechnik, wo Material durch muss, aber keine Person. Mit Muting wird das Schutzfeld für die Palette kurzzeitig überbrückt. Falsch positionierte Muting-Sensoren sind eine der häufigsten Ursachen für Fehlstopps und für Manipulationen durch Bediener. Planen Sie die Durchfahrt gemeinsam mit dem Sicherheitsfachmann und nicht allein mit dem Elektriker. Achten Sie außerdem auf die Montage. Ein Lichtgitter, das nach einem Anstoß durch den Stapler verdreht steht, meldet sich im besten Fall durch Fehlstopps. Verlangen Sie stabile Halter und einen Stoßschutz. Nehmen Sie die regelmäßige Prüfung mit einem Prüfstab durch das ganze Schutzfeld in den Wartungsplan auf. Das dauert Minuten.

Lichtschranke / Lichttaster

Automatisierung & Robotik

Optoelektronischer Sensor zur Anwesenheits- und Positionserkennung. Einweglichtschranken arbeiten mit getrenntem Sender und Empfänger, Reflexionslichtschranken mit einem Reflektor, Lichttaster werten das vom Objekt selbst reflektierte Licht aus. Lichttaster mit Hintergrundausblendung messen den Abstand und blenden alles dahinter aus, Reflexionslichtschranken mit Polarisationsfilter kommen mit glänzenden Objekten besser zurecht. Die Sensoren dienen der Steuerung, etwa für Stau, Zählung und Auslösung, und nicht dem Personenschutz. Dafür sind Lichtgitter erforderlich.

Aus der Praxis

Ein großer Teil der Mikrostopps an Verpackungslinien geht auf verschmutzte, verstellte oder falsch gewählte Lichtschranken zurück. Bei einem Effizienztag an der Linie fällt das meist als Erstes auf. Glänzende Folien, transparente Flaschen und weiße Kartons täuschen einfache Lichttaster. Setzen Sie an kritischen Stellen auf Hintergrundausblendung oder Einwegschranken, montieren Sie Sensoren geschützt und reproduzierbar, mit Anschlag statt Langloch, und nehmen Sie die Reinigung in den Schichtplan auf. Bei Folie hilft ein Reflektor mit Polarisationsfilter, bei klaren Flaschen oft nur ein Sensor für transparente Objekte. Markieren Sie die Einstellung, etwa mit einem Lackstift an der Schraube, dann sieht man, wenn jemand dran war. Ein gleich aussehender Sensor mit anderer Optik schaltet beim selben Produkt ganz anders.

Lieferantenaudit

Kaufmännisches

Systematische Prüfung eines Lieferanten vor Ort oder als Fernaudit, ob er die Anforderungen des Kunden erfüllt. Das Systemaudit bewertet das Qualitätsmanagementsystem, etwa nach ISO 9001, das Prozessaudit einen konkreten Fertigungs- oder Montageprozess, das Produktaudit fertige Teile gegen die Spezifikation. Anlass ist die Freigabe eines neuen Lieferanten oder eine Häufung von Reklamationen. Grundlage ist ein Fragenkatalog, das Ergebnis ein Bericht mit Abweichungen und Maßnahmen. Als Leitfaden dient ISO 19011. Ein Lieferantenaudit führt der Kunde selbst durch und unterscheidet sich damit vom Zertifizierungsaudit einer unabhängigen Stelle. Bei Maschinenlieferanten richtet es sich auf Konstruktion, Fertigung, Schaltschrankbau, Softwareentwicklung und Service.

Aus der Praxis

Ich gehe bei einem neuen Maschinenlieferanten zuerst in die Montagehalle und erst danach in den Besprechungsraum. In der Halle sehen Sie, wie viele Anlagen gerade parallel aufgebaut werden und wie ordentlich gearbeitet wird. Lassen Sie sich die Leute vorstellen, die Ihr Projekt tatsächlich machen sollen, vor allem Projektleiter und Softwareentwickler. Den Vertrieb kennen Sie ja schon. Fragen Sie, ob Schaltschrankbau und Programmierung im Haus liegen oder bei Subunternehmern, und wer nachts ans Telefon geht, wenn etwas klemmt. Werfen Sie einen Blick in die Unterlagen eines laufenden Projekts, soweit der Lieferant das zeigen darf. Zeichnungsstände, Stücklisten und eine gepflegte Restpunkteliste sagen viel. Fragen Sie auch nach der Auslastung im geplanten Lieferzeitraum. Ein Lieferant, der zu allem Ja sagt, hat entweder Luft oder ein Problem.

Lieferantenbewertung

Kaufmännisches

Regelmäßige und nachvollziehbare Beurteilung von Lieferanten anhand festgelegter Kriterien. Üblich sind Qualität, gemessen etwa an Reklamationen und fehlerhaften Teilen je Million, Liefertreue nach OTIF, Preisentwicklung, Reaktionszeit im Service und Qualität der Dokumentation. Kennzahlen kommen aus dem ERP, weiche Kriterien aus der Einschätzung der beteiligten Abteilungen. Gewichtet und zusammengeführt ergeben sie eine Einstufung, etwa bevorzugt, freigegeben, bedingt freigegeben oder gesperrt. Schlechte Ergebnisse führen zu Maßnahmen mit dem Lieferanten oder zur Auslistung. ISO 9001 verlangt, externe Anbieter nach festgelegten Kriterien auszuwählen, zu bewerten und zu überwachen. Ein Lieferantenaudit ist eine punktuelle Prüfung vor Ort, die Bewertung läuft fortlaufend.

Aus der Praxis

Für Teilelieferanten mit vielen Lieferungen funktioniert die Bewertung über Kennzahlen gut. Bei Maschinenlieferanten nicht. Wer alle paar Jahre eine Linie liefert, hat keine sinnvolle Liefertreue und keine Fehlerquote in ppm. Bewerten Sie dort jedes Projekt einzeln, und zwar direkt nach dem SAT, solange sich alle noch erinnern. Halten Sie fest, ob FAT und SAT termingerecht waren, wie lang die Restpunkteliste war, wann die Dokumentation kam und wie der Service in den ersten Wochen reagiert hat. Beim nächsten Projekt weiß das sonst keiner mehr, und der schwierige Lieferant bekommt wieder den Zuschlag, weil er am günstigsten war. Misstrauisch werden sollten Sie, wenn fast alle Lieferanten in derselben Klasse landen. Dann wurde die Bewertung für den Auditor ausgefüllt und nicht für den Einkauf.

Liefergrenzen (Battery Limits)

Projektleitung & CAPEX

Vertraglich festgelegte Grenze des Lieferumfangs eines Lieferanten gegenüber bauseitigen Leistungen und anderen Gewerken. Sie bestimmt, wo die Fördertechnik endet und wer Medienanschluss, Steuerungsanbindung, Schutzzaun und Fundament liefert. Zu jeder Liefergrenze gehört ein Übergabepunkt, etwa die Klemmleiste im Schaltschrank, der Flansch am Anschluss oder die Bandkante, mit Zuständigkeit für Lieferung, Montage und Inbetriebnahme. Liefergrenzen werden im Layout eingezeichnet und in der Schnittstellenliste konkretisiert. Der Begriff stammt aus dem Anlagenbau.

Aus der Praxis

Viele Nachträge entstehen im Niemandsland zwischen zwei Gewerken. Das ist der letzte Meter Förderband, das Kabel vom Schaltschrank zur Maschine, der Druckluftabsperrhahn oder die Not-Halt-Verkettung über die Linie. Zeichnen Sie jede Grenze mit Übergabepunkt und Zuständigkeit ins Layout. Wenn drei Firmen beteiligt sind, gehört ein Gewerke-Übersichtsblatt in jede Bestellung. Sonst zeigt beim Stillstand jeder auf den anderen. Gehen Sie die Grenzen im Kick-off mit allen Gewerken gemeinsam am Layout durch, dann merkt jeder, was in seinem Angebot noch fehlt. Lesen Sie die Angebote auch auf das, was fehlt: Steht bei keinem Lieferanten etwas von Kabelpritschen oder Befestigungsmaterial, zahlen Sie später dafür.

Lieferzeit

Kaufmännisches

Zeitspanne von der Bestellung bis zur Lieferung. Bei Sondermaschinen umfasst sie Konstruktion, Fertigung, Zukaufteile, Montage im Werk des Herstellers und Werksabnahme und beträgt oft viele Monate, bei einzelnen Komponenten schwankt sie stark. Es kommt darauf an, ab welchem Ereignis die Frist läuft: ab Bestellung, ab Auftragsklärung oder ab Freigabe der Zeichnungen. Lange Lieferzeiten sichert man früh ab, etwa durch die Reservierung eines Fertigungsslots per LOI, durch die Benennung kritischer Komponenten und durch Pönalen mit Augenmaß.

Aus der Praxis

Im Angebot steht eine Lieferzeit, und gemeint ist oft: ab Auftragsklärung. Die dauert, wenn Muster, Formatliste und Zeichnungen fehlen, und solange läuft für den Lieferanten keine Uhr. Schreiben Sie in den Vertrag, ab wann die Frist läuft und was Sie bis dahin liefern müssen, und halten Sie diese Termine selbst ein. Sonst zeigt der Lieferant bei der ersten Verspätung auf Sie. Fragen Sie außerdem nach den Lieferzeiten für Formatteile und kritische Ersatzteile. Sie bestimmen später, wie lange eine Störung dauert. Ein Motor ist schnell besorgt, ein Sondergreifer nicht. Auch bei Zukaufteilen wie Steuerung und Antrieben lohnt die Nachfrage, denn die Maschine ist nur so schnell lieferbar wie das langsamste dieser Teile.

Line Clearance (Linienfreigabe)

Qualität & Sicherheit

Dokumentierte Prüfung vor dem Start eines Auftrags, dass Linie und Umgebung frei von Produkten, Packmitteln, Etiketten und Dokumenten des vorherigen Auftrags sind und die richtigen Materialien bereitstehen. Dazu gehören das Leeren von Magazinen, Rutschen, Puffern und Aufgabestellen, der Abgleich von Etiketten und Aufdrucken mit dem Auftrag und das Zurücksetzen von Zählern. Die Prüfung wird auf einer Checkliste je Linie festgehalten und von einer zweiten Person freigegeben. Aus der Pharmaindustrie stammend, zunehmend Standard in Lebensmittel- und Kosmetikbetrieben, um Vermischungen und Kennzeichnungsfehler zu vermeiden.

Aus der Praxis

Falschetikettierungen entstehen meistens durch Restbestände. Ein Rollenrest vom Vortag am Etikettierer, Zuschnitte im Magazin, Deckel in der Rutsche, und schon steckt der falsche Aufdruck auf der falschen Ware. Line Clearance funktioniert nur mit einer Checkliste je Maschine, klaren Bereichen für Restmaterial und der Freigabe durch eine zweite Person. Dazu gehört der Drucker. Ein Haltbarkeitsdatum aus dem letzten Auftrag fällt keinem auf, bis der Händler anruft. Beim Maschinenkauf achten Sie darauf, dass Magazine, Rutschen und Puffer vollständig einsehbar und entleerbar sind, sonst wird die Prüfung zur Formsache. Rechnen Sie die Zeit dafür in den Wechsel ein, sonst wird sie nachts abgekürzt.

Linearführung

Maschinenbau & Komponenten

Maschinenelement für geradlinige Bewegungen, meist als Profilschienenführung mit Kugel- oder Rollenumlaufwagen, seltener als Wellenführung. Der Wagen läuft auf der verschraubten Schiene, die Wälzkörper laufen im Wagen um und tragen Lasten in mehreren Richtungen. Wichtige Kennwerte sind Tragzahl, Genauigkeitsklasse, Vorspannung und rechnerische Lebensdauer. Die Vorspannung nimmt das Spiel aus der Führung, erhöht aber die Reibung. In Verpackungsmaschinen tragen Linearführungen Portalachsen, Formatverstellungen, Hubwerke und Schieber.

Aus der Praxis

Linearführungen sterben an Schmutz und fehlender Schmierung, nicht an Last. In Nass- oder Staubbereichen sind Abstreifer, Abdeckungen und eine Zentralschmierung wichtiger als eine höhere Tragzahl. Achten Sie im Design Review auf Zugänglichkeit der Schmiernippel und darauf, dass Führungen nicht unter Produktrieselzonen liegen. Schwergängige Formatverstellungen sind fast immer verschmutzte Führungen. Bevor jemand am Antrieb dreht, schieben Sie den Wagen von Hand und fühlen, ob er gleichmäßig läuft. Raue Stellen oder Rucken deuten auf Verschleiß oder Fremdkörper. Fragen Sie den Lieferanten nach Schmierintervall und Fett je Führung und danach, ob sich Wagen einzeln tauschen lassen.

Linienbesetzung

Produktion & Energie

Anzahl und Qualifikation der Mitarbeiter, die eine Linie je Schicht für den Betrieb braucht. Dazu zählen Linienführer, Maschinenbediener, Packer und Materialversorger, je nach Organisation auch Springer für die Pausenablösung und Qualitätsprüfer. Die Linienbesetzung hängt vom Automatisierungsgrad ab und davon, wie oft gerüstet wird und wie oft die Linie steht. Hinzu kommen Magazinreichweiten und Handarbeiten wie der Wechsel von Etiketten- und Folienrollen oder die Probenahme. Angegeben wird sie meist in Personen je Schicht oder in Personalstunden je Produktionseinheit, und sie geht in Stückkosten und Personalplanung ein. Bei Investitionen in Automatisierung ist die geplante Reduzierung der Linienbesetzung oft ein wesentlicher Teil der Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Aus der Praxis

Auf dem Layout des Lieferanten steht an der Linie ein einzelnes Männchen. Im Betrieb sind es dann drei, weil einer das Zuschnittmagazin füllt, einer Folienrollen holt und einer an der Kontrollwaage die Ausschleusung leert. Die Maschine läuft automatisch, versorgt wird sie trotzdem von Hand. Fragen Sie deshalb bei der FAT, wie lange die Magazine reichen und wer sie nachfüllt. Lassen Sie sich die Bedienung eine Stunde lang vorführen und zählen Sie die Handgriffe. Beim Business Case lohnt der Blick auf die Pausen. Läuft die Linie durch, braucht es eine Ablösung, und die steht in keiner Rechnung. Denken Sie auch an die Nachtschicht. Wenn der erfahrene Linienführer nur in der Frühschicht arbeitet, ist die Linienbesetzung nachts auf dem Papier gleich, in der Praxis aber nicht.

Linienführer

Produktion & Energie

Verantwortlicher für eine Verpackungslinie in der Schicht. Er koordiniert Bediener, Formatwechsel, Material und Störungen und ist erster Ansprechpartner für Instandhaltung und Qualität. Außerdem verteilt er die Bediener auf die Maschinen der Linie, ruft bei Störungen die Instandhaltung und hält Stillstände und Ausschuss im Schichtbericht fest. Abweichungen von der Planung meldet er an die Schicht- oder Produktionsleitung. Häufig ist er selbst ein erfahrener Bediener der Linie. Bezeichnungen und Befugnisse unterscheiden sich von Betrieb zu Betrieb.

Aus der Praxis

Ein guter Linienführer bringt mehr Leistung als manche Investition, wenn er Zeit für die Linie hat statt für Zettel. Beziehen Sie Linienführer früh in Lastenheft, FAT und Inbetriebnahme ein, nicht erst zur Schulung. Sie kennen die Störungen, die in keinem Bericht stehen, und tragen die neue Anlage später in die Schichten. Lassen Sie sie bei der FAT die Formatwechsel selbst durchführen und nicht vom Lieferanten vorführen. Wer einen Wechsel dort nicht zügig hinbekommt, schafft ihn nachts um drei erst recht nicht. Fragen Sie auch, welche Handgriffe an der alten Linie nur im Kopf stehen, bevor sie mit dem Mitarbeiter in Rente gehen.

Linienintegration

Automatisierung & Robotik

Übergeordnete Koordination aller Maschinen einer Linie. Dazu gehören die Geschwindigkeitsführung, bei der meist eine Leitmaschine das Tempo vorgibt, das Puffermanagement, Start- und Stopp-Kaskaden sowie eine gemeinsame Bedienung. Umgesetzt wird sie in einem Linienleitsystem oder in einer übergeordneten Steuerung, die mit den Maschinensteuerungen über definierte Schnittstellen spricht. Der Integrator trägt die Verantwortung für das Zusammenspiel. Bei Einzelvergabe ist das die kritischste Schnittstelle im Projekt, weil jeder Lieferant nur seine Maschine liefert und niemand die Linie.

Aus der Praxis

Bei der Linienintegration liegt die Arbeit in den Schnittstellen: Signale zwischen Maschinen, Puffer, Geschwindigkeitsregelung, gemeinsames Bedienkonzept und die Frage, wer bei Störungen stoppt. Klären Sie die Schnittstellenliste, bevor Maschinen bestellt werden, und benennen Sie einen Verantwortlichen für die Gesamtlinie. Ohne ihn zeigen bei der Abnahme alle Lieferanten aufeinander. Ich lasse mir den Ablauf von Anfahren, Stopp, Störung und Leerfahren vor der Programmierung als Diagramm geben, weil sich daran Widersprüche zeigen, die in Listen nicht auffallen. Verlangen Sie außerdem einen Linientest mit allen Maschinen im Verbund, nach Möglichkeit mit Produkt, bevor der erste Lieferant abzieht.

Linienkompensation

Verpackungstechnik

Auslegungsprinzip verketteter Linien, bei dem die Leitmaschine, meist der Füller, mit Nennleistung läuft und die vor- und nachgelagerten Maschinen etwas mehr Leistung haben. Zwischen den Maschinen liegen Puffer, in denen sich Produkte nach einer Störung stauen. Weil die Nachbarmaschinen schneller sind als die Leitmaschine, laufen die Puffer nach einer Störung wieder leer, und die Leitmaschine steht nie. Das Leistungsprofil der Linie hat die Form eines V, mit der Leitmaschine als langsamster Stelle. Eine Geschwindigkeitsregelung nach Pufferfüllstand führt die Maschinen entsprechend nach.

Aus der Praxis

Wer alle Maschinen mit gleicher Nennleistung kauft, hat keine Kompensation. Dann stoppt jeder Halt irgendwo die ganze Linie, und der Füller steht, obwohl er selbst nichts hat. Die Puffer brauchen Platz und eine Regelung, die die Geschwindigkeit nach Füllstand führt. Beides gehört früh ins Layout, denn nachträglich wird es eng und teuer. Der Füller ist der Taktgeber, der Rest läuft ihm hinterher, und zwar mit Luft nach oben. Lassen Sie sich beim Leistungsnachweis vorführen, dass die Linie nach einem Stopp ihre Puffer tatsächlich wieder abbaut. Läuft sie dauernd am Anschlag, fehlt diese Reserve in der Auslegung. Schreiben Sie die Leistungen aller Maschinen untereinander in eine Tabelle, dann sehen Sie schon vor der Bestellung, wo das V fehlt.

Linienleitsystem

Digitalisierung & KI

Software, die die Maschinen einer Verpackungs- oder Abfülllinie als Einheit führt. Sie verteilt Auftragsdaten und Formatvorgaben an die einzelnen Maschinensteuerungen, stößt den Formatwechsel an, sammelt Zustände und Störmeldungen und zeigt den Linienstatus an einer Stelle. Das Linienleitsystem liegt damit zwischen den Steuerungen und dem MES. Ein SCADA-System visualisiert und bedient Anlagen auf Signalebene, ein MES plant und dokumentiert die Produktion werksweit, das Linienleitsystem koordiniert eine einzelne Linie. Die Grenzen sind fließend, viele Anbieter liefern es als Erweiterung ihres MES oder SCADA. Als Schnittstelle zu den Maschinen dienen häufig PackML oder die Weihenstephaner Standards, übertragen etwa per OPC UA.

Aus der Praxis

Den Formatwechsel mit einem Klick für die ganze Linie starten, so wird das Linienleitsystem gern verkauft. Das klappt nur, wenn jede einzelne Maschine die Schnittstelle auch wirklich beherrscht. Steht sie nicht in jeder Bestellung, kommt sie später als Nachtrag, und zwar von jedem Lieferanten einzeln. Klären Sie früh, wer die Signalliste für die ganze Linie führt und wer am Ende dafür geradesteht, dass alles gemeinsam anläuft. Ein schöner Klassiker sind Formatnummern. Der Füller kennt das Format als 12, der Kartonierer als 7, und der Palettierer arbeitet mit einem Namen. Irgendwo braucht es eine Zuordnungstabelle, und die muss bei jedem neuen Artikel jemand pflegen. Testen Sie bei der Abnahme außerdem, was passiert, wenn das Leitsystem ausfällt. Die Maschinen sollten dann lokal weiterlaufen können, sonst steht wegen eines Servers die ganze Linie.

LOI

Kaufmännisches

Absichtserklärung vor der eigentlichen Bestellung. Der Käufer erklärt darin, einen Auftrag erteilen zu wollen, und sichert sich damit zum Beispiel einen Fertigungsslot beim Hersteller, ohne den vollen Vertrag zu schließen. Rechtlich ist ein Letter of Intent in der Hauptsache meist unverbindlich. Was verbindlich sein soll, etwa die Kostenübernahme bei Abbruch oder der Start der Konstruktion, muss ausdrücklich geregelt werden. Meist bezieht er sich auf ein konkretes Angebot und nennt eine Frist, bis zu der der Auftrag folgen soll.

Aus der Praxis

Läuft die interne Freigabe noch, die Konstruktion soll aber schon beginnen, hilft ein LOI. Der Lieferant bekommt Planungssicherheit, Sie bekommen Ihren Lieferslot, und der ist knapp, wenn andere Kunden um dieselben Fertigungstermine werben. Ich frage vor dem Unterschreiben immer, was mich das kostet, falls das Projekt doch kippt. Schreiben Sie das ausdrücklich hinein, etwa die Kostenübernahme bei Abbruch und welcher Konstruktionsstand dann bezahlt wird. Formulieren Sie den LOI mit Einkauf oder Anwalt, denn ein zu lockerer bringt nichts, und ein zu strenger ist schon ein Vertrag. Befristen Sie ihn außerdem. Ein LOI ohne Ablaufdatum hängt noch am Projekt, wenn längst anders geplant wird.

Loop-Check (I/O-Check)

Projektleitung & CAPEX

Systematische Prüfung jedes Signalwegs zwischen Feldgerät und Steuerung vor der Inbetriebnahme. Der Sensor wird betätigt, das Signal in der SPS und auf der HMI kontrolliert, der Aktor angesteuert, und Verdrahtung und Adressierung werden gegen Schaltplan und I/O-Liste abgeglichen. Bei Analogsignalen gehören Messbereich, Skalierung und Einheit dazu, bei Antrieben Drehrichtung und Freigabe. Ergebnis ist eine abgezeichnete Prüfliste je Ein- und Ausgang. Der Loop-Check findet vor den Funktionstests der Kaltinbetriebnahme statt.

Aus der Praxis

Ohne vollständigen Loop-Check beginnt die Inbetriebnahme mit Fehlersuche statt mit Funktionstests. Vertauschte Sensorpaare, falsche Adressen und falsche Drehrichtungen kosten Tage, wenn sie erst im Automatikbetrieb auffallen. Am richtigen Eingang hängt ein Sensor erst dann, wenn jemand ihn an der Maschine betätigt und ein zweiter auf den Bildschirm schaut. Ich lasse die Liste von Lieferant und Betriebselektriker gemeinsam abzeichnen. Danach kennt der Elektriker jede Klemme, und das zahlt sich aus, wenn nachts etwas nicht läuft. Sicherheitskreise wie Not-Halt und Schutztüren werden separat und mit Protokoll geprüft.

Losgröße

Kaufmännisches

Menge eines Produkts, die ohne Formatwechsel am Stück produziert wird. Gemeint ist das Fertigungslos, nicht die Bestellmenge. Kleine Lose erhöhen die Flexibilität und senken die Bestände, kosten aber mehr Rüstzeit je Stück. Große Lose drücken die Rüstkosten je Stück, binden aber Material und Lagerfläche. Die wirtschaftliche Losgröße ergibt sich aus dem Verhältnis von Rüstkosten zu Lagerkosten. An einer Verpackungslinie endet ein Los mit dem Wechsel von Format, Packmittel oder Etikett und bei Bedarf mit der Reinigung.

Aus der Praxis

Die Lose werden kleiner, und deshalb zählt bei neuen Anlagen die Rüstzeit oft mehr als die Taktzahl. Eine Maschine mit hoher Nennleistung hilft wenig, wenn sie nach jedem Auftrag lange umgebaut wird. Bevor Sie die Lose vergrößern und damit Bestände aufbauen, drücken Sie die Rüstzeit, zum Beispiel mit SMED. Dann werden kleine Lose wirtschaftlich. Die Planung sollte Formate mit ähnlichen Einstellungen hintereinanderlegen, also erst alle Beutel im selben Format, dann den Wechsel. Fragen Sie bei der Abnahme nach der Rüstzeit zwischen Ihrem häufigsten und Ihrem seltensten Format. Die schnellste Variante allein sagt wenig.

LOTO

Qualität & Sicherheit

Lockout-Tagout: Verriegeln und Kennzeichnen aller Energiequellen vor Wartungsarbeiten, wobei jeder Beteiligte sein eigenes Schloss anbringt. Der Ablauf besteht aus Abschalten, Trennen von allen Energiequellen, Sichern mit Schloss und Anhänger, Abbau gespeicherter Energie und Prüfen auf Energiefreiheit. Zu den Energien zählen Strom, Druckluft, Hydraulik, Federspeicher und angehobene Lasten. Der Begriff stammt aus dem angloamerikanischen Raum, in Deutschland entspricht dem das Freischalten und Sichern gegen Wiedereinschalten. Maschinen müssen LOTO-fähig konstruiert sein, also mit abschließbaren Trennstellen, und das gehört ins Lastenheft.

Aus der Praxis

An Verpackungslinien ist LOTO deshalb so heikel, weil die Maschinen dicht beieinanderstehen und die Energie aus mehreren Quellen kommt. Strom, Druckluft, Hydraulik, gespeicherte Energie in Federn oder angehobenen Lasten. Ein Verfahren pro Maschine, abschließbare Hauptschalter und Druckluftabsperrungen gehören ins Lastenheft, ebenso Entlüftungsventile, die den Druck wirklich abbauen. Ein Schloss pro Person und eine Schlosshalterung für mehrere Monteure kosten wenig und ersparen eine Menge Diskussion. Ich gehe bei der Abnahme einmal mit einem Schloss durch die Anlage und probiere, ob sich wirklich alles absperren lässt. Bei Retrofits prüfen Sie, ob neue Energiequellen ergänzt wurden, aber die Prozedur nicht.

M

Machbarkeitsstudie

Projektleitung & CAPEX

Prüfung vor der Investitionsentscheidung, ob ein Vorhaben technisch machbar ist, was es voraussichtlich kostet und welche Varianten es gibt. Üblicher Inhalt sind Layoutvarianten, Leistungsbilanz, Grobkosten mit angegebener Schätzgenauigkeit, Risiken und ein grober Zeitplan. Bei Brownfield-Projekten gehört eine Bestandsaufnahme der Halle und der vorhandenen Anlagen dazu. Das Ergebnis ist eine Entscheidungsgrundlage mit Empfehlung für den Investitionsantrag. Eine kleine Studie hat große Wirkung, denn sie verhindert, dass die Detailplanung in die falsche Richtung läuft.

Aus der Praxis

Eine Machbarkeitsstudie klärt vor dem Budgetantrag, ob das Vorhaben technisch, räumlich und wirtschaftlich trägt. Der Aufwand von wenigen Tagen ist gut angelegt. Das gilt besonders bei Brownfield-Projekten, wo Hallenhöhe, Fundamente oder Medienanschlüsse böse Überraschungen bereithalten, etwa wenn die Maschine zwar ins Layout passt, der Kompressor die zusätzliche Last aber nicht schafft. Verlangen Sie zu jeder Variante die Annahmen hinter den Grobkosten, sonst vergleichen Sie am Ende Zahlen, die nicht dasselbe bedeuten. Das Ergebnis ist eine Entscheidungsgrundlage. Die Lösung kommt später. Auch ein Nein ist ein brauchbares Ergebnis, wenn es früh kommt und nur wenige Tage gekostet hat.

Make-or-Buy

Projektleitung & CAPEX

Entscheidung, ob eine Leistung oder ein Bauteil selbst erbracht beziehungsweise gefertigt oder von außen zugekauft wird. Im Maschinen- und Anlagenbau betrifft das etwa Formatteile, Schaltschrankbau, Software oder ganze Baugruppen. Bei Investitionsprojekten eines Betreibers geht es oft um Engineering, Montage, Linienintegration und Projektleitung. Verglichen werden die Kosten, möglichst als Gesamtkosten über die Nutzungsdauer im Sinne der TCO, außerdem Kapazität, Know-how, Termin, Qualität, Abhängigkeit vom Lieferanten und Schutz eigenen Wissens. Hilfsmittel sind Kostenvergleich, Should-Cost-Analyse und Nutzwertanalyse. Eine Make-or-Buy-Entscheidung ist nicht endgültig und wird bei veränderten Kapazitäten oder Preisen neu bewertet.

Aus der Praxis

Eigene Stunden gelten intern gern als kostenlos, weil die Leute ja sowieso da sind. Das ändert sich, sobald sie im Projekt stecken. Dann fehlen sie in der Instandhaltung, und die Störungen an den übrigen Linien bleiben liegen. Rechnen Sie Eigenleistung deshalb mit einem ehrlichen Stundensatz und mit dem, was in der Zeit liegen bleibt. Beim Verketten einer Linie kommt ein zweiter Punkt dazu. Wer Maschinen selbst zu einer Gesamtheit verbindet, übernimmt in der Regel die Herstellerpflichten für diese Gesamtheit, samt Risikobeurteilung und CE-Kennzeichnung. Das muss man können und wollen. Bei Formatteilen und Ersatzteilen ist der Nachbau beim Schlosser um die Ecke oft günstiger. Klären Sie vorher, ob Zeichnungen vorliegen und ob Sie nachbauen dürfen. Und die Gewährleistung des Maschinenlieferanten sollte danach noch stehen.

Einteilung der Mängel, die bei Vorabnahme, FAT, SAT oder in der Inbetriebnahme festgestellt werden, nach ihrer Schwere. Verbreitet ist eine dreistufige Einteilung. A-Mängel verhindern den bestimmungsgemäßen Betrieb oder betreffen die Sicherheit, eine Abnahme ist mit ihnen nicht möglich. B-Mängel beeinträchtigen Funktion, Leistung oder Qualität, lassen den Betrieb aber zu und werden innerhalb einer vereinbarten Frist behoben. C-Mängel sind geringfügig, etwa optische Fehler oder kleine Lücken in der Dokumentation. Die Kriterien sind nicht genormt und werden im Vertrag oder in den Abnahmekriterien festgelegt. Jeder Mangel wird mit Klasse, Verantwortlichem und Termin in der Restpunkteliste geführt. Von der Klasse hängen oft Abnahme und Zahlungen ab.

Aus der Praxis

Gestritten wird selten über den Mangel. Fast immer geht es um den Buchstaben davor. Für den Lieferanten ist am Ende der FAT gefühlt alles C, für die Produktion ist alles A, sobald es nervt. Ich schreibe deshalb schon in die Abnahmekriterien, was wir unter A, B und C verstehen, mit ein paar Beispielen aus genau dieser Maschine. Alles, was die Sicherheit betrifft, ist A, da wird nicht verhandelt. Ein Sensor, der alle paar Stunden einen Fehlstopp auslöst, sieht im Protokoll harmlos aus und kostet im Betrieb jede Schicht Zeit. Den stufe ich nicht als C ein. Hängen Sie an jeden Punkt einen Namen und ein Datum, sonst steht die Liste nach einem halben Jahr noch genauso da. Und koppeln Sie die Schlusszahlung daran, dass die B-Punkte erledigt sind. Das beschleunigt erfahrungsgemäß mehr als jede Mail.

Unzulässiges Umgehen oder Außerkraftsetzen von Schutzeinrichtungen an Maschinen. Typische Formen sind überbrückte Schutztürschalter, Ersatzbetätiger am Kabelbinder, Magnete auf Sensoren, abgeklebte Lichtschranken, festgebundene Zustimmtaster und entfernte Abdeckungen. Die Ursachen liegen oft in der Konstruktion. Fehlen Betriebsarten für Einrichten und Störungsbeseitigung oder dauert der Wiederanlauf nach dem Öffnen einer Tür zu lange, entsteht ein Anreiz zur Umgehung. ISO 14119 verlangt deshalb, diesen Anreiz schon bei der Konstruktion zu bewerten und Gegenmaßnahmen vorzusehen, etwa codierte Betätiger oder verdeckten Einbau. Für den Betreiber ergibt sich aus Arbeitsschutzgesetz und Betriebssicherheitsverordnung die Pflicht, Schutzeinrichtungen wirksam zu halten.

Aus der Praxis

Ein Ersatzbetätiger am Kabelbinder im Schaltschrank sagt mehr über die Maschine als über den Bediener. In aller Regel steckt eine Störung dahinter, die sich nur bei offener Tür beheben lässt, oder die Maschine braucht nach jedem Öffnen Minuten, bis sie wieder läuft. Dann findet die Schicht einen Weg. Abmahnen allein bringt wenig, solange der Grund bleibt. Gehen Sie mit dem Bediener an die Maschine und lassen Sie sich zeigen, wofür er die Tür offen braucht. Oft fehlt ein Einrichtbetrieb mit reduzierter Geschwindigkeit und Zustimmtaster, oder eine Klappe sitzt an der falschen Stelle. Bei neuen Anlagen gehört das in die Abnahme. Lassen Sie typische Störungen wie einen Folienriss oder einen umgefallenen Becher vor Ihren Augen beheben, und zwar ohne Trick. Geht das nicht, ist die Maschine nicht fertig.

MAP

Verpackungstechnik

Verpacken unter Schutzatmosphäre (Modified Atmosphere Packaging). Die Luft in der Packung wird gegen ein definiertes Gasgemisch aus CO₂, N₂ und gegebenenfalls O₂ ausgetauscht, um die Haltbarkeit zu verlängern. Der Austausch geschieht durch Spülen mit Gas oder durch Evakuieren und anschließendes Begasen, zum Beispiel in Tiefziehverpackungsmaschinen und Traysealern. Die Packung braucht eine Folie mit ausreichender Gasbarriere und eine dichte Siegelnaht. Restsauerstoffmessung und Siegelnahtdichtheit sind die kritischen Prozesskontrollen, eine undichte Naht macht die beste Atmosphäre wertlos.

Aus der Praxis

Schutzgas verlängert die Haltbarkeit, aber nur in einer dichten Packung. Restsauerstoff muss stichprobenweise gemessen werden, undichte Siegelnähte entwerten die ganze Charge. Häufige Ursache für Lecks ist Produkt in der Siegelnaht, etwa Krümel, Fett oder Soße am Rand. Achten Sie beim Maschinenkauf auf Gasverbrauch, Spülzeiten und die Einbindung einer Dichtheitsprüfung. Die Gaskosten sind über die Laufzeit ein spürbarer Posten, und der Verbrauch hängt davon ab, wie sauber die Maschine eingestellt ist. Prüfen Sie außerdem, wer das Messgerät für den Restsauerstoff kalibriert und wo die Messwerte stehen. Ohne Dokumentation ist die Messung im Reklamationsfall wertlos.

Kennzahlen für die Kurzzeitfähigkeit einer Maschine, also ihre Fähigkeit, ein Merkmal unter gleichbleibenden Bedingungen innerhalb der Toleranz zu fertigen. Untersucht wird eine Stichprobe fortlaufend gefertigter Teile, häufig 50 Stück, mit einem Bediener, einer Materialcharge und ohne Nachstellen. Cm setzt die Toleranzbreite ins Verhältnis zur sechsfachen Standardabweichung. Cmk berücksichtigt zusätzlich die Lage des Mittelwerts und bezieht den kleineren Abstand zu einer Toleranzgrenze auf die dreifache Standardabweichung. Abzugrenzen ist die Prozessfähigkeit Cp / Cpk, die über einen längeren Zeitraum auch Einflüsse aus Chargenwechseln und Umgebung erfasst. Das Vorgehen beschreibt ISO 22514-3, Mindestwerte legt der Kunde oder die Werksnorm fest.

Aus der Praxis

Den Cmk bekommen Sie meist beim FAT präsentiert, und er sieht in aller Regel gut aus. Kein Wunder, denn da läuft die Maschine frisch eingestellt und mit dem besten Monteur des Lieferanten. Bestehen Sie darauf, dass die Stichprobe mit Ihrem Produkt und Ihrem Packmittel gefahren wird. Prüfen Sie außerdem das Messmittel. Wenn die Waage selbst streut oder zu grob auflöst, steckt deren Fehler mit in der berechneten Streuung, und die Kennzahl sagt wenig über die Maschine. Eine Messsystemanalyse vorab erspart Ihnen diese Diskussion. Lassen Sie sich außer dem Deckblatt mit der grünen Zahl auch die Einzelwerte geben. Wundern Sie sich nicht, wenn der Cpk später in der Produktion niedriger liegt. Dann kommen eben wechselnde Chargen, mehrere Schichten und ein Sommer in der Halle dazu.

Maschinengängigkeit

Verpackungstechnik

Eigenschaft eines Packmittels, auf einer Verpackungsmaschine störungsfrei und mit der vorgesehenen Leistung verarbeitet werden zu können. Sie hängt von Maßhaltigkeit, Steifigkeit, Reibwerten, Planlage, Feuchte, Siegelfähigkeit und Wickelqualität ab. Die Eigenschaft gilt nur für die Kombination aus Packmittel und Maschine, ein Packmittel kann auf einer Maschine laufen und auf einer anderen nicht. Für den Nachweis werden mehrere Rollen oder Chargen gefahren, damit die Streuung der Lieferung sichtbar wird. Gesichert wird sie durch die Packmittelspezifikation, Musterläufe und die Freigabe des Packmittels auf der jeweiligen Maschine.

Aus der Praxis

Ein Packmittel, das im Labor alle Werte einhält, kann an der Maschine trotzdem versagen. Zu glatte Folie rutscht am Vorschub, zu steifer Karton reißt an der Rillung, zu feuchte Pappe wellt sich im Magazin. Lassen Sie jedes neue Packmittel und jeden Lieferantenwechsel unter Produktionsbedingungen freigeben und dokumentieren Sie die Ergebnisse. Fahren Sie dabei auch die Bedingungen der Nachtschicht, also kalte Halle und volle Geschwindigkeit, und nicht bloß den schönen Mittwochvormittag. Einkaufsvorteile beim Packmittel sind an der Linie schnell aufgezehrt, wenn die Maschine stehen bleibt. Sprechen Sie mit dem Einkauf ab, dass kein Packmittel ohne Freigabe in die Bestellung geht.

Maschinengestell

Maschinenbau & Komponenten

Grundstruktur einer Maschine, die Baugruppen und Antriebe trägt und die Kräfte in den Hallenboden leitet. Gestelle werden als Schweißkonstruktion aus Stahl oder Edelstahl oder als verschraubtes Aluminiumprofilsystem ausgeführt. Gefordert sind Steifigkeit, gutes Schwingungsverhalten, maßhaltige Anschraubflächen und Zugänglichkeit. Verbreitet ist bei Verpackungsmaschinen die Balkonbauweise mit den Antrieben hinter einer Wand und offenem Produktbereich davor. Im Hygienebereich kommen Schrägflächen, offene Profile und Bodenfreiheit hinzu. Es steht auf höhenverstellbaren Füßen, die beim Ausrichten nivelliert und bei Bedarf im Boden verankert werden. Bei geschweißten Gestellen werden die Anschraubflächen für Lager und Führungen nach dem Schweißen bearbeitet.

Aus der Praxis

Am Gestell wird gern gespart, weil es kein Typenschild hat und im Angebot nur eine Zeile ist. Merken werden Sie das später. Schwingt das Gestell, wandern Sensoren aus ihrer Einstellung, Schrauben lockern sich, und die Maschine wird lauter, je schneller sie läuft. Im Lebensmittelbetrieb kommt die Reinigung dazu. Hohlprofile, die nicht dicht verschweißt sind, ziehen Wasser und geben es lange wieder ab, manchmal mit Geruch. Fragen Sie den Lieferanten, ob die Rohre dicht verschweißt oder offen und spülbar ausgeführt sind. Schauen Sie sich auch die Füße an. Ein Gestell auf einem gefliesten Boden mit Gefälle braucht Stellfüße mit genug Weg, und nach dem Ausrichten gehören die Kontermuttern angezogen. Sonst steht die Maschine nach dem ersten Einsatz des Hochdruckreinigers schief.

EU-Regelwerk für die Sicherheit von Maschinen beim Inverkehrbringen. Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, in Deutschland über die 9. ProdSV umgesetzt, wird durch die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 abgelöst, die ab dem 20. Januar 2027 anzuwenden ist. Als Verordnung gilt sie unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Neu sind unter anderem Anforderungen an Cybersecurity, an Maschinen mit selbstentwickelndem Verhalten und an digitale Betriebsanleitungen sowie eine strengere Konformitätsbewertung für bestimmte Maschinen mit hohem Risiko. Bei Projekten mit Lieferung ab 2027 gehört sie schon jetzt ins Lastenheft.

Aus der Praxis

Mit der Maschinenverordnung gelten ab 2027 neue Regeln, unter anderem zu Cybersecurity und digitalen Betriebsanleitungen. Für Ihr Projekt heißt das: Klären Sie mit dem Lieferanten, nach welcher Rechtsgrundlage die Maschine in Verkehr gebracht wird, und lassen Sie sich das schriftlich bestätigen. Es zählt der Zeitpunkt des Inverkehrbringens, nicht der der Bestellung. Rutscht die Lieferung über den Stichtag, ändert sich die Rechtsgrundlage, und mit ihr Dokumente und Nachweise. Bei wesentlichen Veränderungen an Bestandsmaschinen werden Sie selbst zum Hersteller, mit allen Pflichten. Das übersehen Betreiber beim Umbau gern. Binden Sie Ihre Sicherheitsfachkraft ein, bevor der Umbauauftrag rausgeht.

Maschinenstundensatz

Kaufmännisches

Kostensatz, der angibt, was eine Stunde Laufzeit einer Maschine kostet. Er ergibt sich aus den maschinenabhängigen Jahreskosten, geteilt durch die geplanten Laufstunden. Zu den Kosten zählen die kalkulatorische Abschreibung, meist auf Basis des Wiederbeschaffungswerts, kalkulatorische Zinsen auf das gebundene Kapital, Raumkosten, Energie, Instandhaltung sowie Werkzeuge und Betriebsstoffe. Personalkosten werden je nach Kalkulationsschema als Fertigungslohn getrennt geführt oder einbezogen. Verwendet wird er für die Kalkulation, für Investitionsvergleiche und bei Make-or-Buy-Entscheidungen. Läuft die Maschine weniger als geplant, verteilen sich die Fixkosten auf weniger Stunden. Abzugrenzen ist er von den Stückkosten, in die zusätzlich die Leistung je Stunde eingeht.

Aus der Praxis

Über die Kosten im Zähler wird gern lange diskutiert, die eigentliche Annahme steckt aber im Nenner. Rechnet das Controlling mit drei Schichten und die Linie läuft in zwei, ist der Satz zu niedrig, und jede Kalkulation darauf sieht besser aus, als sie ist. Fragen Sie deshalb nach den geplanten Stunden, bevor Sie einen Satz in einen Business Case übernehmen. Bei Investitionen führt der Stundensatz außerdem leicht in die Irre. Eine neue, schnellere Linie hat meist einen höheren Satz als die alte. Das ist kein Argument gegen sie. Vergleichen Sie die Stückkosten, also die Kosten je Packung, denn die neue Linie bringt in derselben Stunde mehr Packungen. Beim Make-or-Buy für Formatteile lohnt ein ehrlicher Blick auf die eigene Werkstatt. Die Fräsmaschine dort steht oft mehr, als sie läuft, und mit realistischen Stunden ist die eigene Fertigung nicht mehr so billig, wie sie aussah.

Maschinenversuch (Vorversuch)

Projektleitung & CAPEX

Versuch auf einer Maschine des Lieferanten oder einer vorhandenen Anlage mit Originalprodukt und Originalpackmitteln des Kunden, um die Machbarkeit einer Verpackungsaufgabe vor der Bestellung oder vor dem Design Freeze nachzuweisen. Geprüft werden je nach Aufgabe Maschinengängigkeit der Packmittel, Siegelqualität, Produktschonung, Formatbereich und erreichbare Leistung. Der Versuch findet meist im Technikum des Herstellers statt. Parameter, Ergebnisse und Auffälligkeiten werden in einem Versuchsprotokoll festgehalten, Muster werden aufbewahrt. Die FAT nimmt eine fertige Maschine ab, der Maschinenversuch bestätigt dagegen ein Prinzip oder einen Prozess. Versuche werden häufig gesondert berechnet und bei Auftragserteilung teilweise oder ganz angerechnet.

Aus der Praxis

Schicken Sie zum Versuch Packmittel aus der laufenden Serie und keine Handmuster aus der Musterabteilung. Die Folie aus dem Musterbuch läuft immer. Das Produkt sollte so ankommen, wie es an der Linie ankommt, also mit Temperatur, Feuchte und Form aus der Produktion. Schokolade bei Raumtemperatur im Technikum verhält sich anders als frisch aus dem Kühltunnel. Ich fahre zu solchen Versuchen am liebsten mit jemandem von der Linie hin, der das Produkt jeden Tag in der Hand hat. Dem fällt auf, was ein Projektingenieur übersieht. Lassen Sie sich alle Parameter ins Protokoll schreiben und filmen Sie die kritischen Stellen. Achten Sie auf die Geschwindigkeit. Ein Versuch mit halber Leistung beweist, dass es mit halber Leistung geht. Nehmen Sie außerdem Muster mit, die Sie später neben die Muster von der FAT legen können.

Versorgung einer Linie mit Rohstoffen, Packmitteln und Packhilfsmitteln in der benötigten Menge und zur richtigen Zeit am festgelegten Platz. Das Material kommt aus dem Lager oder dem Wareneingang, als ganze Palette oder je Auftrag kommissioniert in Kleinladungsträgern. Gängige Verfahren sind die Bereitstellung je Auftrag, Kanban mit Nachschub nach Verbrauch, Routenzug oder Milkrun mit festen Touren und die automatische Versorgung über FTS oder Fördertechnik. An der Linie stehen dafür Bereitstellflächen oder Durchlaufregale. Zur Linienversorgung gehört auch der Rückweg für Leergut und Restmengen. Die Materialbereitstellung ist eng mit Feinplanung und Rückverfolgbarkeit verknüpft, weil Chargen und Restmengen bei jedem Auftragswechsel sauber erfasst werden müssen.

Aus der Praxis

Paletten mit Zuschnitten, Folienrollen und Etiketten brauchen an der Linie mehr Platz, als im Layout meist vorgesehen ist. Am Ende stehen sie im Gang, und der Stapler fährt rückwärts zwischen Bedienern herum. Rechnen Sie aus, wie viele Paletten je Auftrag an der Linie stehen und wie oft nachgeliefert wird, und zeichnen Sie diese Flächen ein, bevor das Layout eingefroren wird. Beim Formatwechsel zeigt sich, ob die Versorgung funktioniert. Im guten Fall liegt das Material für den nächsten Auftrag bereit, wenn der letzte Karton durch ist. Sonst wartet die ganze Linie auf den Stapler. Ich frage bei Rüstzeitanalysen immer nach dieser Wartezeit, weil sie gern als Rüstzeit verbucht wird und keiner die Ursache sucht. Restmengen brauchen einen festen Weg zurück ins Lager, mit Charge und Menge. Andernfalls stapeln sie sich hinter der Maschine, und irgendwann verarbeitet jemand die falsche Folie.

Materialfluss

Intralogistik

Der Weg von Rohstoffen, Packmitteln, Halbfabrikaten und Fertigware durch das Werk, einschließlich Transport, Puffern und Lagern. Dargestellt wird er als Layout mit eingezeichneten Strömen, etwa als Spaghetti-Diagramm, oder im Rahmen einer Wertstromanalyse. Ein transparenter Materialfluss zeigt, wie viele Kilometer Stapler und Mitarbeiter jährlich zurücklegen und welche Wege sich für Fördertechnik oder FTS lohnen. Genau das misst die Shopfloor-Analyse. Kenngrößen sind Weglängen, Transportmengen, Bestände und Wartezeiten.

Aus der Praxis

Beim Materialfluss geht es um Wege, Bestände und Wartezeiten zwischen Wareneingang, Produktion, Verpackung und Versand. Eine Wegeanalyse macht ihn messbar. Ein sauberes Layout mit kurzen Wegen für Packmittel und Fertigware bringt oft mehr als jede Automatisierung. Gehen Sie dafür einmal eine Schicht lang hinter dem Stapler her und zeichnen Sie die Wege auf. Oft liegt das Packmittel am anderen Ende der Halle, weil dort bei der Planung noch Platz war. Fahren Sie auch die Wege der dritten Schicht mit, denn nachts sieht der Fluss anders aus als am Tag. Zählen Sie dabei mit, wie oft dieselbe Palette angefasst wird, bevor sie das Werk verlässt.

MDE / BDE

Digitalisierung & KI

Maschinendatenerfassung (MDE) erfasst automatisch Zustände, Stückzahlen, Störungen und Taktzeiten direkt aus der Steuerung. Betriebsdatenerfassung (BDE) ergänzt organisatorische Daten wie Auftrag, Personal, Materialchargen und manuell erfasste Stillstandsgründe. Die Maschinendaten kommen über Schnittstellen der Steuerung oder über zusätzliche Sensoren, die Betriebsdaten werden am Terminal, Tablet oder Scanner eingegeben. Zusammen bilden sie die Datenbasis für OEE, Stillstandsanalyse und Rückverfolgbarkeit. Meist laufen beide in einem MES oder in einer eigenen Erfassungssoftware zusammen.

Aus der Praxis

Die technische Erfassung ist der kleinere Teil. Wie viel die Daten taugen, hängt an der Zuordnung der Stillstandsgründe. Müssen Bediener bei jedem Stopp aus fünfzig Gründen wählen, nehmen sie den ersten in der Liste. Beschränken Sie die Liste auf wenige, klar unterscheidbare Gründe und lassen Sie kurze Stopps automatisch zuordnen. Geben Sie die Auswertung an die Schicht zurück, sonst sinkt die Datendisziplin binnen Wochen. Ich schaue mir bei der Abnahme an, was nach einem Schichtwechsel im System steht. Dort zeigt sich, ob Stopps tatsächlich begründet werden oder ob alles unter Sonstiges landet. Wer das Bedienerterminal mit Handschuhen nicht treffen kann, trägt ohnehin nichts ein.

Getriebe, bei dem eine Scheibe mit geformter Kontur oder Nut über eine Rolle einen Abtrieb nach einem festen Bewegungsgesetz führt. Die Kurve dreht gleichförmig mit der Hauptwelle, Rollenhebel oder Stößel folgen ihr und erzeugen Hub, Schwenkbewegung oder Rast. Bauarten sind die Scheibenkurve mit Außenkontur und Federrückstellung, die Nutkurve mit formschlüssiger Führung der Rolle, die Trommelkurve und die Doppelkurve mit zwei Rollen. Viele ältere und schnelle Verpackungsmaschinen werden über eine Königswelle angetrieben, auf der alle Kurven sitzen und dadurch mechanisch synchron laufen. Das Bewegungsprofil steckt in der gefrästen Kontur und lässt sich nur durch Tausch der Kurve ändern. Die elektronische Kurvenscheibe bildet dasselbe Prinzip in der Antriebssoftware nach.

Aus der Praxis

Den schlechten Ruf haben Kurvengetriebe nicht ganz verdient. Eine gut ausgelegte Kurve läuft viele Jahre im selben Takt, ohne Parameter, ohne Software und ohne Geber, die ausfallen können. Der Preis dafür ist die Starrheit. Jedes neue Format mit anderem Hub braucht eine neu gefräste Kurve, und das dauert. Bei Gebrauchtmaschinen und beim Retrofit lohnt deshalb ein genauer Blick auf die Kurvenbahnen. Eingelaufene Stellen oder Pittings zeigen, wo die Rolle schlägt. Oft hebt sie bei hoher Drehzahl ab, weil die Rückstellfeder nachgelassen hat, oder eine festgegangene Rolle rutscht, statt zu rollen. Kurvenrollen sind Verschleißteile und gehören ans Lager. Soll die alte Kurve durch einen Servo ersetzt werden, fragen Sie, wer das Bewegungsprofil vorher vermisst. Die Zeichnung der Kurve fehlt nämlich erstaunlich oft.

Medienanschlussplan

Projektleitung & CAPEX

Übersicht aller Versorgungsanschlüsse einer Maschine oder Linie mit Lage, Menge und Qualität. Dazu zählen die elektrische Anschlussleistung mit Absicherung, Druckluft mit Druck, Verbrauch und Qualitätsklasse, außerdem Wasser, Dampf, Kühlung, Vakuum und Datennetz. Für jedes Medium sind Anschlussart, Nennweite oder Querschnitt und Höhe über dem Boden angegeben. Der Lieferant erstellt den Plan, der Betreiber prüft ihn gegen das, was vor Ort verfügbar ist. Er ist die Grundlage für die Installationsplanung und für die Abgrenzung der bauseitigen Leistungen. Bei Änderungen an Layout oder Maschine wird er fortgeschrieben.

Aus der Praxis

Druckluft ist der Klassiker. Der Kompressor reicht rechnerisch, aber die Leitung zur neuen Linie ist zu dünn, oder das Netz bricht ein, wenn mehrere Maschinen zusammen anfahren. Schauen Sie deshalb über die Anschlusswerte hinaus auf die Versorgung im Werk, also Netzreserve, Trafo und Kühlwasserkapazität. Ich lasse mir aus der Medienliste des Lieferanten Spitzenverbrauch und Dauerverbrauch getrennt geben und halte beides gegen das, was der Kompressor im Alltag wirklich liefert. Und legen Sie fest, wer die letzten Meter zwischen Hallenanschluss und Maschine installiert und bezahlt. Genau dort bleibt die Arbeit gern liegen.

Mehrkopfwaage

Verpackungstechnik

Dosiersystem mit vielen Wiegeschalen, deren Rechner aus den Teilmengen die Kombination auswählt, die dem Zielgewicht am nächsten kommt. Das Produkt wird über einen Verteilerkegel und Schwingförderer auf die Wiegeköpfe verteilt, jeder Kopf wiegt seine Teilmenge einzeln. Die ausgewählten Köpfe entleeren in die Verpackungsmaschine, etwa eine Schlauchbeutelmaschine. Die Mehrkopfwaage ist Standard für Snacks, Süßwaren und Tiefkühlprodukte und minimiert das Überfüllen (Give-away) bei hoher Leistung.

Aus der Praxis

Die Mehrkopfwaage drückt bei stückigen und rieselfähigen Produkten das Give-away auf ein Minimum, wenn Produktzuführung und Schwingförderer richtig eingestellt sind. Verluste entstehen durch klebrige Produkte, falsche Füllung des Vorspeichers und zu wenige Köpfe für die geforderte Genauigkeit. Ich verlange beim Leistungsnachweis immer das echte Produkt, und zwar aus der Charge, die auch im Alltag kommt. Stellen Sie die Zielgenauigkeit in den Vertrag und nicht die Katalogwerte. Fragen Sie auch nach der Reinigung. Klebrige oder fettige Produkte setzen sich an den Schalen ab, und wenn die Reinigung nur mit Werkzeug und viel Zeit geht, wird sie in der Schicht abgekürzt.

Meilensteintrendanalyse (MTA)

Projektleitung & CAPEX

Grafische Methode zur Terminverfolgung. Zu jedem Berichtstermin wird der aktuell erwartete Termin jedes Meilensteins in ein Diagramm eingetragen, auf einer Achse die Berichtstermine, auf der anderen die erwarteten Meilensteintermine. Waagerechte Verläufe bedeuten stabile Planung, steigende Linien zeigen Verzug, fallende Linien einen Terminvorzug. Die Meilensteintrendanalyse (MTA) macht Trends sichtbar, bevor ein Meilenstein tatsächlich gerissen wird. Sie ergänzt den Terminplan und den Projektstatusbericht und ersetzt beide nicht.

Aus der Praxis

Die MTA lebt von ehrlichen Prognosen. Typisch ist dieses Muster: Der Liefertermin bleibt monatelang waagerecht und springt kurz vor der Lieferung um Wochen. Dann hat niemand nachgefragt, sondern nur das Datum abgeschrieben. Fragen Sie den Lieferanten nach den Fakten hinter dem Termin, nach Zeichnungsstand, Bestelldatum der Langläufer und Beginn der Vormontage. Ein Termin, der sich nur bewegt, wenn Sie nachfragen, sagt auch etwas. Führen Sie die MTA im Projektstatusbericht mit und halten Sie sie nicht allein im Terminplan-Tool vor, damit der Lenkungsausschuss die Linien sieht. Zeigen Sie die Kurven auch dem Lieferanten, dann reden Sie über Zeichnungsstände und nicht über Schuldfragen.

Meilensteinzahlung

Projektleitung & CAPEX

Zahlungsweise, bei der der Preis einer Anlage in Raten gezahlt wird, die an erreichte Projektstände gebunden sind und nicht auf einmal fällig werden. Im Maschinenbau üblich sind eine Anzahlung bei Bestellung, eine Rate bei bestandener FAT oder bei Lieferung und ein Restbetrag nach SAT beziehungsweise Abnahme. Meilensteine und Prozentsätze stehen im Vertrag. Jeder Meilenstein braucht ein nachprüfbares Kriterium, zum Beispiel ein unterschriebenes Protokoll. Häufig wird die Anzahlung durch eine Anzahlungsbürgschaft abgesichert. Die letzte Rate ist das stärkste Druckmittel des Auftraggebers für eine saubere Abnahme und für den Hersteller oft der Teil, an dem sein Gewinn hängt.

Aus der Praxis

Der Lieferant muss Material und Zukaufteile vorfinanzieren, Sie wollen Druckmittel behalten, bis die Anlage bei Ihnen läuft. Die Meilensteinzahlung bringt beides unter einen Hut. Streit gibt es fast immer beim Schlussanteil. Ist er zu klein, wird die Restpunkteliste für den Lieferanten zur Nebensache. Eine Rate bei Lieferung zahlen Sie außerdem für eine Maschine, die bei Ihnen noch kein Produkt gepackt hat. Schreiben Sie die Kriterien so auf, dass nichts auszulegen ist: bestandene FAT mit unterschriebenem Protokoll statt ungefähr fertig. Und lassen Sie sich die Anzahlung durch eine Bürgschaft absichern. Die Formulierung klären Sie mit Ihrem Juristen.

MES

Automatisierung & Robotik

Manufacturing Execution System, auf Deutsch Produktionsleitsystem. Es plant Aufträge ein, erfasst Betriebs- und Maschinendaten, liefert OEE-Auswertungen und Chargenrückverfolgung. Im Modell der ISA-95 liegt es auf Ebene 3, zwischen dem ERP darüber und den Steuerungen und Leitsystemen darunter. Aufträge aus dem ERP werden feingeplant und an die Linien gegeben, Stückzahlen, Stillstände und Qualitätsdaten laufen zurück. Die Anbindung neuer Maschinen ans MES gehört mit Schnittstellenliste in jede Ausschreibung.

Aus der Praxis

Ein MES lohnt sich erst, wenn die Linien saubere Daten liefern: Stillstandsgründe, Stückzahlen, Formate, Chargen. Viele Betriebe kaufen zuerst die Software und stellen dann fest, dass die Maschinen keine auswertbaren Signale liefern. Der bessere Weg ist, erst an zwei Linien manuell oder mit einfacher Stillstandserfassung zu messen, Erkenntnisse zu ziehen und dann den Bedarf an ein MES zu formulieren, mit Schnittstellenliste im Lastenheft. Ich frage vor jeder MES-Diskussion, wer die Stammdaten pflegt. Artikel, Formate, Stücklisten und Störgründe ändern sich dauernd, und ein MES mit veralteten Stammdaten liefert Zahlen, denen keiner glaubt. Planen Sie die Pflege mit Namen und Zeitbudget ein, nicht nebenbei.

Messsystemanalyse (MSA)

Qualität & Sicherheit

Verfahren, mit dem geprüft wird, ob ein Messsystem für eine bestimmte Messaufgabe geeignet ist. Zum Messsystem gehören Messgerät, Aufnahme, Prüfer, Messmethode und Umgebung. Untersucht werden systematische Messabweichung, Linearität, Stabilität über die Zeit, Wiederholpräzision bei einem Prüfer und Vergleichpräzision zwischen mehreren Prüfern. Die Streuung wird meist als Anteil an der Merkmalstoleranz angegeben. Gängig sind ein Verfahren am Normal, eines mit mehreren Prüfern und Teilen sowie eines für automatische Messsysteme. Für Gut-Schlecht-Prüfungen gibt es eigene Verfahren für attributive Merkmale. Beschrieben ist die Methode im MSA-Handbuch der AIAG und in VDA Band 5. Ohne Messsystemanalyse sind Fähigkeitskennwerte wie Cp / Cpk wenig aussagekräftig.

Aus der Praxis

Bevor Sie mit dem Lieferanten über einen Cpk streiten, klären Sie, womit gemessen wird. Sonst diskutieren Sie am Ende über die Waage und nicht über die Maschine. Ein einfacher Versuch reicht für den Anfang. Zehn Packungen, drei Leute aus verschiedenen Schichten, und jeder misst jede Packung zweimal, ohne die Werte der anderen zu kennen. Liegen die Ergebnisse weit auseinander, hat das Messsystem ein Problem, egal wie teuer das Gerät war. Häufig steckt es in der Methode. Der eine drückt den Messschieber am Karton kräftig zu, der andere nur leicht, und beide halten sich für genau. Schreiben Sie die Messanweisung deshalb so, dass ein neuer Kollege sie in der Nachtschicht genauso umsetzt. Vorsicht bei zerstörenden Prüfungen wie Siegelnahtfestigkeit oder Öffnungsdrehmoment. Dasselbe Teil lässt sich nicht zweimal messen, da braucht es angepasste Verfahren und jemanden, der sie kennt.

Inline-Systeme zur Fremdkörpererkennung. Metalldetektoren arbeiten induktiv, ein Spulensystem erzeugt ein Wechselfeld, das Metallteile im Produkt stören und damit ein Signal auslösen. Sie finden Eisen, Nichteisenmetalle und Edelstahl, wobei Edelstahl am schwersten zu erkennen ist. Röntgensysteme messen die Absorption der Strahlung und erkennen Teile, die dichter sind als das Produkt, also Metall, Glas, Stein, Knochen und dichte Kunststoffe, und prüfen nebenbei Vollständigkeit. Beide Systeme erkennen leichte Fremdkörper wie Holz, Haare oder Karton kaum. Häufig sind sie ein HACCP-Lenkungspunkt mit validierter Ausschleusung.

Aus der Praxis

Metalldetektor oder Röntgen ist keine Glaubensfrage, sondern hängt von Produkt und Verpackung ab. Aluminiumverbund oder metallisierte Folie machen den Metalldetektor blind, dann bleibt nur Röntgen. Röntgen findet zusätzlich Glas, Stein und dichte Kunststoffe, kostet aber mehr in Anschaffung und Betrieb. Feuchte, salzige oder warme Produkte stören den Metalldetektor durch den Produkteffekt, das kostet Empfindlichkeit, und das merken Sie erst im Testlauf mit Ihrem echten Produkt. Setzen Sie das Gerät möglichst spät in die Linie, nach der letzten Stelle, an der noch etwas hineinfallen kann. Für IFS und BRCGS zählen dokumentierte Prüfkörpertests und eine Ausschleusung mit Bestätigung. Ein Alarm, auf den die Linie nicht reagiert, hilft in der Nachtschicht keinem.

Migration (Lebensmittelkontakt)

Qualität & Sicherheit

Übergang von Stoffen aus dem Packstoff oder einem anderen Gegenstand mit Lebensmittelkontakt in das Lebensmittel. Unterschieden werden die Gesamtmigration und die spezifische Migration einzelner Stoffe. Die EU-Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 und für Kunststoffe die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 legen Gesamtmigrationsgrenzwerte und spezifische Migrationsgrenzwerte (SML) fest. Geprüft wird mit Lebensmittelsimulanzien für wässrige, saure, alkoholische und fetthaltige Lebensmittel unter festgelegten Zeit- und Temperaturbedingungen. Bewertet werden neben bewusst eingesetzten Stoffen auch unbeabsichtigt vorhandene, etwa Abbauprodukte.

Aus der Praxis

Die Migrationsprüfung des Folienlieferanten gilt für dessen Prüfbedingungen, nicht automatisch für Ihr Produkt, Ihre Fülltemperatur und Ihre Haltbarkeit. Prüfen Sie, ob Simulanz, Kontaktzeit und Temperatur in der Konformitätserklärung Ihren Einsatz abdecken, besonders bei fetthaltigen Produkten und Heißabfüllung. Wird die Packung später in der Mikrowelle oder im Ofen erwärmt, braucht auch das eine eigene Betrachtung. Druckfarben und Klebstoffe auf der Außenseite können durch Abklatsch in der Rolle auf die Innenseite gelangen, das gehört ebenfalls bewertet. Ändert der Lieferant Folienrezeptur, Farbe oder Klebstoff, gilt die alte Prüfung nicht mehr. Lassen Sie sich im Rahmenvertrag zusichern, dass er solche Änderungen vorher meldet.

Mikrostopps

Kennzahlen

Kurze Stillstände von höchstens wenigen Minuten, die der Bediener sofort behebt und die in keiner Störungsliste erscheinen. Typische Auslöser sind Staus in der Zuführung, schwankende Packmittelqualität, verschmutzte oder falsch eingestellte Sensoren und kurze Fehlmeldungen der Steuerung. Im Modell der Six Big Losses zählen sie zu den Geschwindigkeitsverlusten und gehen in den Leistungsgrad der OEE ein. In Summe sind sie oft der größte Leistungsverlust einer Linie, weil sie sich über jede Stunde und jede Schicht summieren.

Aus der Praxis

Mikrostopps erkennt man nur durch Messung. Entweder erfasst die Steuerung jeden Stopp automatisch, oder Sie lassen eine Woche lang eine Strichliste an der Linie führen. Die Ursachen liegen meist in der Zuführung, der Packmittelqualität und der Sensorik. Zehn Stopps zu je 40 Sekunden pro Stunde sind knapp sieben Minuten Stillstand in jeder Stunde, und kein einziger taucht in der Störungsliste auf. Heimtückisch ist, dass der Bediener sie so routiniert behebt, dass er sie selbst kaum noch wahrnimmt. Fragen Sie ihn trotzdem, wo er am häufigsten eingreift. Zählt die Steuerung die Stopps, lassen Sie sich die Auswertung nach Stoppstelle geben statt einer Gesamtzahl. Die meisten dieser Stopps lassen sich ohne Investition abstellen.

Milkrun

Intralogistik

Getaktete Versorgungsrunde nach festem Fahrplan mit definierten Haltepunkten und definierten Mengen. Ein Fahrzeug, etwa ein Routenzug, ein Schlepper mit Anhängern oder ein Stapler, fährt die Stationen in fester Reihenfolge an, liefert Material und nimmt Leergut mit. Das Prinzip glättet den innerbetrieblichen Verkehr und ersetzt Einzelfahrten auf Zuruf. Der Fahrplan hält fest, wann welche Station beliefert und welches Leergut abgeholt wird. Voraussetzung ist eine saubere Bereitstellungslogik an den Stationen mit festen Plätzen und Behältern.

Aus der Praxis

Der Milkrun ersetzt den Stapler, der auf Zuruf fährt, durch eine feste Route mit festem Takt, etwa alle 30 Minuten Packmittel an die Linien und Leergut und Abfall zurück. Er funktioniert, wenn Bereitstellplätze definiert sind und die Mengen zum Takt passen. Eine Wegeanalyse zeigt vorher, ob sich die Route überhaupt lohnt. Bei drei Linien im Umkreis von 50 Metern ist ein Routenzug oft überdimensioniert. Ich schaue mir außerdem an, was passiert, wenn eine Linie nach der Runde etwas Dringendes braucht. Gibt es dafür keine Regel, fährt bald wieder jemand auf eigene Faust mit dem Stapler los, und der Milkrun hat nur Mehrkosten verursacht.

Miro

Digitalisierung & KI

Digitales Whiteboard für gemeinsames Arbeiten in Echtzeit. Skizzen, Haftnotizen, Diagramme, Prozessabläufe und Workshops entstehen ortsunabhängig im Browser auf einer Fläche ohne Seitenbegrenzung. Mehrere Teilnehmer arbeiten gleichzeitig auf demselben Board, sehen die Eingaben der anderen sofort und können auch Bilder wie Fotos oder Layouts einfügen. Typische Einsatzfelder sind Workshops, Prozessaufnahmen, Brainstormings und Entscheidungsübersichten, bei denen die Beteiligten an verschiedenen Orten sitzen.

Aus der Praxis

Für Layout-Workshops, Prozessaufnahmen und Entscheidungsübersichten nutzt POWERJO Miro. Alle Beteiligten sehen dasselbe Bild, auch wenn Werk, Hauptsitz und Lieferant an drei Orten sitzen. Ein Foto der Halle plus Haftnotizen ist oft der schnellste Weg zu einem gemeinsamen Verständnis. Bei der Prozessaufnahme schreibt einer mit, während die Leute aus der Produktion erzählen, und die Runde korrigiert gleich mit. Das spart die Rückfrage nach dem Termin. Legen Sie vor dem Workshop eine Struktur an, zum Beispiel Spalten für Ist, Probleme und Maßnahmen, sonst endet es im Haftnotizenchaos. Übertragen Sie die Entscheidungen nach dem Termin in ein Protokoll, denn ein Board voller Haftnotizen liest hinterher kaum noch jemand.

Mischpalette

Intralogistik

Palette, auf der unterschiedliche Artikel gemeinsam versendet werden, im Gegensatz zur sortenreinen Palette. Mischpaletten entstehen in der Kommissionierung für Filial- oder Kundenaufträge, entweder lagenweise mit einem Layer-Picker, wobei jede Lage einen Artikel enthält, oder packstückweise. Lagenweise gemischte Paletten heißen auch Regenbogenpaletten. Gebaut werden sie von Hand oder automatisch mit Robotern, die die Packreihenfolge aus Gewicht, Abmessungen und Druckfestigkeit der Packstücke berechnen. Schwere und druckfeste Packstücke kommen nach unten, empfindliche nach oben. Jede Mischpalette erhält ein Palettenetikett mit SSCC, der Inhalt wird häufig per elektronischem Lieferavis übermittelt. Gesichert wird die Ladung meist mit Stretchfolie oder Stretchhaube.

Aus der Praxis

Kartons werden meist für die sortenreine Palette ausgelegt, mit Säulen- oder Verbundstapelung und dem BCT-Wert, der dazu passt. Auf der Mischpalette steht derselbe Karton plötzlich über einer Lücke oder auf zwei verschiedenen Nachbarn und gibt nach. Die Reklamation kommt dann aus dem Zentrallager des Händlers. Bei automatischer Mischpalettierung frage ich zuerst nach den Stammdaten. Stimmen Abmessungen und Gewichte im System nicht, baut der Roboter schiefe Türme, und zwar sehr zuverlässig. Lassen Sie neue Artikel vor dem Anlauf nachmessen und wiegen. Bei handgebauten Paletten hilft eine einfache Packanweisung mit Bild an der Kommissionierstrecke. Sonst landen die schweren Getränkekartons irgendwann oben auf den Chips. Planen Sie auch das Wickeln mit ein. Eine Mischpalette mit Höhensprüngen hält mit denselben Wickelparametern schlechter als eine glatte.

Mittelabflussplan

Projektleitung & CAPEX

Zeitliche Verteilung des genehmigten Projektbudgets auf die erwarteten Zahlungsausgänge, meist monatlich oder quartalsweise. Der Plan entsteht aus den Zahlungsbedingungen der Bestellungen, also aus Anzahlungen, Meilensteinzahlungen und Schlusszahlungen nach Abnahme, ergänzt um Eigenleistungen und kleinere Aufträge. Vom Kostenplan, der das Budget nach Positionen aufteilt, unterscheidet er sich durch den Zeitbezug. Die Finanzabteilung nutzt ihn für die Liquiditätsplanung, das Controlling für den Abgleich von geplanten und tatsächlichen Abflüssen. Bei Projekten über mehrere Geschäftsjahre zeigt der Mittelabflussplan, welcher Teil des CAPEX in welches Jahr fällt. Abzugrenzen ist das Bestellobligo, also bereits bestellte, aber noch nicht abgerechnete Leistungen.

Aus der Praxis

Spannend wird der Mittelabflussplan meist im Herbst. Dann fragt das Controlling, warum vom Jahresbudget noch so viel übrig ist und ob das Geld ins nächste Jahr wandern muss. Die Antwort ist oft dieselbe. Schlusszahlungen hängen an der Abnahme, und die Abnahme hängt an der Restpunkteliste. Rechnen Sie das von Anfang an ein und legen Sie die Schlussrate auf einen realistischen Termin statt auf den Wunschtermin. Fragen Sie außerdem Ihre Lieferanten, wann sie welche Rechnung stellen wollen. Manche rechnen eine Meilensteinzahlung erst Wochen später ab, und schon stimmt Ihr Plan nicht mehr. Vorsicht bei der Versuchung, im Dezember Anzahlungen vorzuziehen, nur damit das Budget verbraucht ist. Ohne Anzahlungsbürgschaft liegt Ihr Geld dann beim Lieferanten, und die Maschine ist noch lange nicht fertig.

Modelldrift

Digitalisierung & KI

Nachlassende Treffsicherheit eines KI-Modells im Betrieb, weil sich die realen Daten von den Trainingsdaten entfernen, zum Beispiel durch neues Packmittel, andere Beleuchtung, verschlissene Werkzeuge oder veränderte Rezepturen. Man unterscheidet Datendrift, bei der sich die Eingangsdaten verändern, und Konzeptdrift, bei der sich der Zusammenhang zwischen Eingang und gewünschtem Ergebnis verschiebt. Ohne Überwachung bleibt Drift unbemerkt, bis Ausschuss oder Fehlalarme steigen. Gegenmaßnahmen sind das Monitoring der Ergebnisse und regelmäßiges Nachtrainieren.

Aus der Praxis

Ein KI-Modell ist kein Prüfmittel, das man einmal kalibriert und dann in Ruhe lässt. Definieren Sie Kennzahlen, die laufend beobachtet werden, etwa Ausschleusquote, Anteil unsicherer Entscheidungen und Pseudoausschuss. Ziehen Sie regelmäßig Stichproben und lassen Sie sie von Menschen bewerten, denn nur so merken Sie, ob das Modell noch richtig liegt. Legen Sie fest, wer bei Drift entscheidet und wie ein Nachtrainieren freigegeben wird. Sonst dreht jeder Einrichter an den Schwellwerten, bis die Linie wieder läuft, und irgendwann weiß keiner mehr, was ursprünglich eingestellt war. Sagen Sie der Person, die das Modell betreut, vorab Bescheid, wenn Packmittel oder Beleuchtung geändert werden.

Modulbandförderer

Intralogistik

Förderer, dessen Band aus gelenkig verbundenen Kunststoffmodulen besteht. Die Module, meist aus POM, PP oder PE, sind versetzt angeordnet und werden durch Stäbe zusammengehalten. Kettenräder auf der Antriebswelle greifen formschlüssig in die Unterseite des Bandes, deshalb braucht ein Modulband weder Vorspannung noch Spurregelung. Im Rücklauf hängt es in einem Durchhang, der Längenänderungen durch Temperatur aufnimmt. Es gibt Bänder mit geschlossener und offener Oberfläche, mit Mitnehmern und Seitenborden sowie Bauformen für Kurven. Beschädigte Module lassen sich einzeln tauschen. Eingesetzt wird der Modulbandförderer in Nassbereichen, in Kühl- und Gefriertunneln und überall, wo gründlich gereinigt werden muss.

Aus der Praxis

Ein Modulband verzeiht viel, aber nicht alles. Die Stäbe wandern mit der Zeit seitlich heraus, wenn ihre Sicherung verschlissen ist, und ein abgebrochenes Modulstück kann im Produkt landen. In der Lebensmittelindustrie werden deshalb gern detektierbare Kunststoffe eingesetzt, die der Metalldetektor findet. Schauen Sie bei der Auswahl auf die Gelenke. Dort sammelt sich Schmutz, und offene Bauformen lassen sich deutlich leichter reinigen als geschlossene. An den Übergaben fallen kleine oder hohe Produkte gern um. Fingerkämme oder Übergabebleche helfen, müssen aber zum Bandtyp passen. Halten Sie Module und Stäbe genau des Typs am Lager, der verbaut ist. Die Baureihen verschiedener Hersteller sehen ähnlich aus und passen trotzdem nicht zusammen.

Mono-Material

Verpackungstechnik

Packstoff aus nur einer Polymerfamilie, zum Beispiel reines PE oder PP, damit die Verpackung echte Recyclingfähigkeit erreicht. Auch Folienverbunde können als Mono-Material gelten, wenn alle Schichten aus der gleichen Polymerfamilie bestehen und nur geringe Anteile anderer Stoffe enthalten sind. Barriere und Festigkeit, die sonst Schichten aus PA oder EVOH liefern, müssen dann anders erreicht werden. Verarbeitungsherausforderung ist ein engeres Temperaturfenster beim Siegeln als bei klassischen Verbunden. Bestehende Maschinen brauchen oft angepasste Siegelwerkzeuge und Regelungstechnik.

Aus der Praxis

Mono-Material ist die Antwort auf die Recyclingvorgaben der PPWR, bringt aber Änderungen im Prozess mit. PE- oder PP-Monofolien siegeln in engeren Temperaturfenstern, laufen anders über die Formschulter und brauchen oft angepasste Siegelwerkzeuge. Testen Sie neue Folien immer auf der echten Maschine bei Nennleistung und nicht allein im Labor. Rechnen Sie die Umrüstkosten in die Materialumstellung ein. Fragen Sie den Folienlieferanten, ob die Folie auch bei Schwankungen der Foliendicke im Fenster bleibt, denn bei engen Fenstern fällt jede Streuung auf. Wer die Siegelparameter nur für die Musterrolle optimiert, hat bei der nächsten Lieferung wieder Ausschuss.

Montage

Projektleitung & CAPEX

Mechanischer und elektrischer Aufbau einer Anlage beim Betreiber nach der Anlieferung. Dazu gehören das Einbringen und Ausrichten der Maschinen auf Fundament oder Hallenboden, das Verbinden von Baugruppen und Fördertechnik, die Verlegung von Kabeltrassen und Leitungen sowie der Anschluss an Strom, Druckluft, Netzwerk und weitere Medien. Danach folgen Inbetriebnahme und Abnahme. Vorab geklärt werden müssen Einbringwege, Fundamente, Medienanschlüsse, die Gestellung von Kran und Stapler und die Entsorgung der Verpackung. Wer was stellt, gehört in die Schnittstellenliste und in den Montageablaufplan.

Aus der Praxis

Auf der Baustelle zeigt sich, was im Lastenheft nicht stand. Das Hallentor ist zu niedrig, im Fundament sitzt ein Bodenanker genau unter dem Maschinenfuß, und der Druckluftanschluss endet am falschen Ende der Halle. Lassen Sie sich den Einbringweg vor der Anlieferung mit Maßen belegen, einschließlich der Bodenbelastung auf der Strecke. Klären Sie Baustellenordnung und Arbeitszeiten und wer Strom, Druckluft und Netzwerk bis wohin legt. Die Fremdfirmenkoordination wird gern vergessen, dann stehen die Monteure am Pförtner und telefonieren. Setzen Sie einen Bauleiter ein, der täglich abnimmt, was fertig ist. Das spart am Ende viel Arbeit bei der Restpunkteliste, weil nichts erst am letzten Tag auffällt.

Montageablaufplan

Projektleitung & CAPEX

Plan, der Reihenfolge, Dauer und Ressourcen der mechanischen und elektrischen Montage auf der Baustelle festlegt. Er beschreibt, in welcher Folge Maschinen eingebracht, gesetzt, ausgerichtet und verankert werden, wann Rohrleitungen, Kabeltrassen und Medienanschlüsse folgen und welche Arbeiten voneinander abhängen. Je Schritt stehen Personalbedarf nach Gewerk, Hebezeuge wie Kran oder Stapler, benötigte Flächen für Anlieferung und Zwischenlagerung sowie Haltepunkte für Prüfungen. Grundlage sind Layout, Fundamentplan und Terminplan. Der Montageablaufplan reicht bis zur mechanischen Fertigstellung, ab dann übernimmt der Inbetriebnahmeplan. Bei mehreren Lieferanten führt der Auftraggeber oder ein Generalunternehmer die einzelnen Abläufe zu einem Plan zusammen.

Aus der Praxis

Die erste Frage ist banal und wird trotzdem gern vergessen, nämlich was zuerst in die Halle muss, solange der Weg noch frei ist. Stehen die Förderer erst, kommt die große Maschine nicht mehr an ihren Platz oder nur nach einem Teilabbau. Lassen Sie sich von jedem Lieferanten seinen eigenen Ablauf geben und legen Sie die Pläne nebeneinander. Dann sieht man schnell, dass drei Firmen am selben Dienstag dieselbe Ecke brauchen. Planen Sie auch, wo das Material steht, bis es eingebaut wird. In einem laufenden Werk ist Lagerfläche knapp, und Kisten im Fluchtweg sorgen für Ärger mit der Arbeitssicherheit. Kranzeiten und gesperrte Wege gehören mit Datum in den Plan, weil die Produktion daneben weiterlaufen will. Und der Elektriker kann erst Kabel ziehen, wenn die Schaltschränke stehen. Klingt selbstverständlich, steht aber oft nirgends.

Montageversicherung

Kaufmännisches

Versicherung gegen unvorhergesehene Schäden an der Anlage während Montage, Inbetriebnahme und Probebetrieb, also in der Phase mit dem höchsten Risiko. Sie läuft meist vom Abladen auf der Baustelle bis zur Abnahme. Der Transport davor wird über die Transportversicherung abgedeckt, Personenschäden und Schäden Dritter über die Haftpflicht. Zu klären ist, wer sie abschließt, Hersteller oder Betreiber, und ob Bestandsanlagen im Umfeld mitversichert sind. Umfang und Ausschlüsse stehen in den Versicherungsbedingungen.

Aus der Praxis

Wenn die Maschine beim Einbringen kippt, will plötzlich jeder woanders gestanden haben. Bis zur Abnahme liegt das Risiko für Schäden an der Anlage oft in einer Grauzone zwischen Lieferant, Betreiber und Spediteur. Die Montageversicherung deckt Sturz beim Einbringen, Wasserschaden oder Fehlbedienung im Probebetrieb. Klären Sie vertraglich, wer sie abschließt, und lassen Sie sich die Police zeigen, bevor der erste Kran kommt. Fragen Sie auch, ob Ihre Bestandsanlagen und das Gebäude drumherum mitversichert sind oder ob dafür Ihre eigene Versicherung einspringt, und sprechen Sie das mit Ihrem Versicherungsmakler ab. Bei großen Projekten ist die Prämie günstiger als ein einziger Kranunfall.

Motorschutzschalter

Maschinenbau & Komponenten

Schaltgerät, das einen Motor schaltet und gegen Überlast und Kurzschluss schützt. Er enthält einen thermischen oder elektronischen Überlastauslöser, der auf den Bemessungsstrom des Motors eingestellt wird, und einen magnetischen Kurzschlussauslöser. Bei Überlast schaltet er stromabhängig verzögert ab, damit der Anlaufstrom keine Auslösung bewirkt, bei Kurzschluss sofort. Viele Geräte erkennen auch den Ausfall einer Phase. Geschaltet wird von Hand, Hilfskontakte melden den Zustand an die Steuerung. Soll der Motor aus der Steuerung geschaltet werden, wird der Motorschutzschalter mit einem Schütz zum Motorstarter kombiniert. Alternativ übernehmen Sicherung, Schütz und Motorschutzrelais dieselben Aufgaben getrennt. Anforderungen enthält die Normenreihe IEC 60947.

Aus der Praxis

Fällt ein Motorschutzschalter öfter, dreht irgendwann jemand den Einstellwert hoch. Danach ist Ruhe, bis die Wicklung durch ist. Das Auslösen ist meistens ein Symptom. Dahinter stecken eine schwergängige Kette, ein trockenes Lager oder ein Förderer, der gegen einen Stau anläuft. Ich lasse mir bei der Abnahme zeigen, dass die eingestellten Werte zu den Typenschildern passen, und nehme sie in die Dokumentation auf. Wird später ein Motor mit anderer Leistung eingebaut, muss der Schalter mit angepasst werden, und das vergisst man gern. Hängt ein Motor am Frequenzumrichter, übernehmen der Umrichter oder ein Kaltleiter in der Wicklung den Motorschutz. Der Schalter davor sieht dann nur den Eingangsstrom des Umrichters und wird danach eingestellt. Hilfskontakte auf die Steuerung zu legen kostet wenig. Dann sagt die Störmeldung gleich, welcher Antrieb ausgelöst hat.

MQTT

Digitalisierung & KI

Leichtgewichtiges Nachrichtenprotokoll nach dem Publish-Subscribe-Prinzip: Datenquellen veröffentlichen Werte zu Themen (Topics) bei einem Broker, interessierte Systeme abonnieren sie. Topics sind hierarchisch aufgebaut, etwa nach Werk, Linie, Maschine und Messwert. MQTT entkoppelt Sender und Empfänger, arbeitet mit geringer Bandbreite und ist in IIoT-Anwendungen verbreitet. Pro Nachricht lässt sich eine von drei Zustellstufen wählen, von höchstens einmal bis genau einmal. Die Erweiterung Sparkplug definiert zusätzlich Datenstruktur und Zustandsmeldungen.

Aus der Praxis

MQTT ist einfach, und genau deshalb entsteht schnell Wildwuchs bei Topic-Namen und Einheiten. Eine Maschine meldet in Grad, die nächste in Zehntelgrad, und im Dashboard wundert sich jeder über die Kurve. Legen Sie deshalb eine Topic-Struktur und ein Datenmodell fest, bevor die erste Maschine sendet, und bestimmen Sie, wer neue Topics anlegen darf. Sonst gibt es irgendwann drei Schreibweisen für dieselbe Temperatur. Prüfen Sie außerdem, ob der Broker redundant läuft und wer ihn betreibt, denn fällt er aus, zeigen alle Dashboards nichts mehr. Für harte Echtzeit oder Sicherheitsfunktionen ist MQTT nicht gedacht. Dafür bleiben Feldbus und Safety-Netzwerke zuständig, und das sollte in der Spezifikation auch so stehen.

MS Office

Digitalisierung & KI

Büro-Softwarepaket von Microsoft mit Word für Texte, Excel für Tabellen, PowerPoint für Präsentationen und Outlook für E-Mail und Kalender. In Industrieunternehmen ist es der Standard für Dokumente, Auswertungen und Kommunikation. Im Projektgeschäft entstehen darin Lastenhefte, Angebotsvergleiche, Terminpläne, Budgetlisten und Protokolle. Entscheidungsvorlagen entstehen meist in PowerPoint, Termine und Korrespondenz laufen über Outlook. Die Dateiformate sind so weit verbreitet, dass sich Dokumente ohne Umwege zwischen Kunde, Lieferant und Berater austauschen lassen.

Aus der Praxis

Excel ist im Projektgeschäft nach wie vor überall zu finden, für Budgets und Terminpläne ebenso wie für Formatlisten. Wichtiger als das Werkzeug ist die Disziplin: eine Datei, eine Version, ein Verantwortlicher. Sobald dieselbe Liste in drei Mails mit drei Dateinamen kursiert, rechnet jeder mit anderen Zahlen. Legen Sie die Datei an einem gemeinsamen Ablageort ab und schicken Sie nur noch den Verweis dorthin, dann arbeitet keiner an einer alten Kopie. Bestimmen Sie außerdem eine Person, die Änderungen einpflegt, auch wenn alle mitlesen dürfen. POWERJO liefert Ausschreibungsunterlagen und Formatlisten als bearbeitbare Office-Dateien, damit Sie selbst weiterarbeiten können.

MTBF

Kennzahlen

Mittlere Betriebszeit zwischen zwei Ausfällen, ermittelt als Betriebszeit geteilt durch die Zahl der Ausfälle. Sie ist ein Maß für die Zuverlässigkeit einer reparierbaren Anlage oder Baugruppe. Zusammen mit der MTTR bestimmt sie die technische Verfügbarkeit, die sich als MTBF geteilt durch die Summe aus MTBF und MTTR berechnen lässt. Der Wert hängt davon ab, was als Ausfall gezählt wird. Verschleißteile, die planmäßig getauscht werden, lassen sich mit einem einzigen Mittelwert nur schlecht beschreiben, weil ihre Ausfallwahrscheinlichkeit mit der Zeit steigt.

Aus der Praxis

Hersteller nennen die MTBF gern als Katalogwert. Im Betrieb ist sie nur so gut wie die Stillstandserfassung. Man muss festlegen, ob Mikrostopps mitzählen oder nur Störungen über fünf Minuten. Legen Sie die Definition vor dem Leistungsnachweis fest, auch ob die Betriebszeit in Kalender- oder Laufstunden gerechnet wird, sonst vergleichen Sie zwei Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben. Für die Instandhaltung ist die MTBF je Baugruppe interessanter als der Linienwert, denn sie zeigt, wo Ersatzteile und Wartungsintervalle wirklich hingehören. Ich frage den Lieferanten immer, auf welcher Datenbasis sein Wert beruht, auf Feldausfällen oder auf einer Berechnung aus Bauteildaten.

MTTR

Kennzahlen

Mittlere Reparaturdauer je Ausfall, ermittelt als Summe der Reparaturzeiten geteilt durch die Zahl der Ausfälle. Sie ist ein Maß für Instandhaltbarkeit und Ersatzteilverfügbarkeit. Je nach Definition zählen Fehlersuche, Beschaffung des Ersatzteils, Reparatur und Wiederanlauf mit, deshalb muss die Abgrenzung vorab feststehen. Gute Zugänglichkeit, klare Diagnose am HMI und Ersatzteile vor Ort senken die MTTR oft stärker, als eine Zuverlässigkeitssteigerung die MTBF erhöht. Zusammen mit der MTBF bestimmt sie die technische Verfügbarkeit.

Aus der Praxis

Die MTTR entscheidet oft mehr über die Verfügbarkeit als die Störhäufigkeit. Eine Störung, die 40 Minuten dauert, weil das Ersatzteil im Zentrallager liegt oder nur ein Kollege die Maschine kennt, kostet mehr als zehn Mikrostopps. Die Stellschrauben sind Ersatzteile an der Linie, gute Fehlermeldungen am HMI, geschulte Bediener und Fernwartung durch den Hersteller. Fragen Sie bei der Abnahme einmal nach der Störung, die am längsten dauern würde, und lassen Sie sich zeigen, wie der Instandhalter sie findet und behebt. Für die Linie zählt die Zeit bis zur laufenden Maschine, also auch die Anfahrt des Servicetechnikers. Muss dafür erst der Schaltplan aus dem Büro geholt werden, kennen Sie Ihre MTTR schon.

Multi-Carrier-System

Automatisierung & Robotik

Transportsystem auf Basis von Linearmotoren, bei dem einzelne Träger (Mover) auf einer Schiene unabhängig voneinander beschleunigt, positioniert und gruppiert werden. Die Schiene besteht aus Motormodulen mit Spulen, die Mover tragen meist Permanentmagnete und haben keinen eigenen Antrieb. Eine Positionserfassung führt jeden Mover einzeln, die Steuerung koordiniert die Bewegungen. Das System ersetzt Ketten- und Taktförderer in Verpackungsmaschinen, übernimmt Vereinzelung und Pufferung, stellt Formate per Software um und reduziert mechanische Formatteile.

Aus der Praxis

Multi-Carrier-Systeme spielen ihre Stärke bei vielen Formaten und kleinen Losgrößen aus, nicht bei einer Hochgeschwindigkeitslinie mit einem Produkt. Achten Sie auf die Hygiene, also Spaltmaße und Reinigung der Schiene, auf die Mover-Zahl als Engpass, auf Verschleiß der Laufrollen und auf die Abhängigkeit vom Steuerungshersteller. Fragen Sie nach Referenzen mit Ihrem Produkt und lassen Sie sich das Verhalten bei Stromausfall und Wiederanlauf erklären. Fragen Sie auch, wie ein defekter Mover getauscht wird und wie lange die Linie dafür steht. Gerade diese Antwort sagt viel darüber, wie gut der Lieferant sein System im Betrieb kennt.

Multipack

Verpackungstechnik

Verkaufseinheit aus mehreren Einzelprodukten, die gemeinsam verpackt und als eine Einheit verkauft werden. Gängige Ausführungen sind Folienbündel, Kartonclip, Tray mit Schrumpf- oder Stretchfolie und Umkarton. Gebündelt wird auf Sammelpackern, die einzelne Packungen gruppieren und umhüllen. Die Handelsanforderungen bestimmen Optik, Öffnungsverhalten und Kennzeichnung, das Multipack trägt meist einen eigenen Strichcode und eine eigene Artikelnummer. Es ist von der Umverpackung für den Transport zu unterscheiden, weil der Verbraucher es im Regal kauft.

Aus der Praxis

Multipacks bedeuten zusätzliche Formate für Sammelpacker, Kennzeichnung und Palettierung. Halten Sie die Zahl der Varianten klein und prüfen Sie, ob ein Packer mehrere Bündelgrößen ohne Werkzeugwechsel fährt. Die Kennzeichnung mit dem EAN des Multipacks statt dem der Einzelpackung ist ein häufiger Fehler bei Neueinführungen, und er fällt oft erst an der Kasse beim Handel auf. Achten Sie darauf, dass an der Scanstelle nur der richtige Code lesbar ist, wenn die Einzelpackungen im Bündel ihren eigenen Strichcode tragen. Bei der Palettierung verhalten sich Folienbündel anders als Kartons und rutschen gern, das gehört in den Packversuch.

Muting

Automatisierung & Robotik

Kontrolliertes, automatisches Überbrücken einer Schutzeinrichtung, damit Material passieren kann, Personen aber nicht, klassisch an Ein- und Auslaufstellen für Paletten bei Roboterzellen. Die Steuerung erkennt das Material über zusätzliche Muting-Sensoren, die in einer festgelegten Reihenfolge und innerhalb einer Zeitgrenze ansprechen müssen. Erst dann wird das Schutzfeld für die Durchfahrt überbrückt, und nach dem Passieren schaltet es wieder scharf. Meist zeigt eine Meldeleuchte den überbrückten Zustand an. Fehlerhaft projektiertes Muting ist eine der häufigsten sicherheitstechnischen Schwachstellen bei Abnahmen.

Aus der Praxis

Muting überbrückt Lichtgitter, damit Paletten oder Kartons passieren können, ohne dass die Anlage stoppt, und ist damit ein sicherheitskritischer Punkt. Fehlerhafte Sensoranordnung lässt Personen hinter der Palette hinein. Verlangen Sie eine Muting-Auslegung nach Norm, prüfen Sie sie bei der Abnahme und achten Sie auf regelmäßige Fehlstopps. Sie sind ein Zeichen für schlecht eingestellte Sensoren und nicht für zu strenge Sicherheit. Probieren Sie bei der Abnahme aus, was passiert, wenn eine Palette in der Durchfahrt stehen bleibt oder jemand hinter der Ware hergeht. Und lassen Sie sich das Zeitfenster der Überbrückung nennen, denn zu lange Fenster laden zum Austricksen ein.

N

Nachlaufmessung

Qualität & Sicherheit

Messung der Zeit und des Weges, den eine gefahrbringende Bewegung nach Auslösen der Schutzeinrichtung bis zum Stillstand benötigt. Die Gesamtnachlaufzeit setzt sich aus der Reaktionszeit der Schutzeinrichtung, der Reaktionszeit der Sicherheitssteuerung und dem mechanischen Auslaufen des Antriebs samt Bremse zusammen. Sie ist Eingangsgröße für die Berechnung des Sicherheitsabstands nach ISO 13855 und muss bei der Abnahme und wiederkehrend geprüft werden. Gemessen wird mit einem Nachlaufzeitmessgerät, das Auslösung und Stillstand erfasst. Je länger die Nachlaufzeit, desto weiter muss die Schutzeinrichtung von der Gefahrstelle entfernt stehen.

Aus der Praxis

Nachlaufzeiten verändern sich im Betrieb. Bremsen verschleißen, Parameter werden umgestellt, ein Motor wird durch ein größeres Modell ersetzt. Der bei der Inbetriebnahme gemessene Wert stimmt dann nicht mehr, und der Sicherheitsabstand ist rechnerisch zu klein. Gemessen wird im ungünstigsten Zustand, also bei höchster Geschwindigkeit, größter Masse und warmer Bremse, und mehr als einmal, weil die Werte streuen. Die Messung gehört dorthin, wo die Gefahr entsteht, nicht an die Motorwelle. Legen Sie die Nachlaufmessung als festen Punkt in die wiederkehrende Prüfung und verlangen Sie das Messprotokoll bei der Abnahme jeder Schutzeinrichtung. Ich schaue im Protokoll auf die Zahl, nicht auf das Häkchen im Prüfbericht.

Nachtrag

Kaufmännisches

Schriftliche Änderung eines bestehenden Vertrags nach der Beauftragung, mit geändertem Leistungsumfang, geänderten Preisen oder geänderten Terminen. Auslöser sind Änderungswünsche des Betreibers, neue Anforderungen oder Lücken in der Spezifikation. Meist geht ein Änderungsantrag voraus, in dem die Auswirkungen auf Kosten und Termine bewertet werden, erst danach wird der Nachtrag beauftragt. Diszipliniertes Change Management mit schriftlicher Form, Preis und Terminbewertung vor Arbeitsbeginn trennt profitable Projekte von Streitfällen.

Aus der Praxis

Nachträge entstehen fast immer aus Lücken im Lastenheft: ein vergessenes Format, eine Schnittstelle, ein Hygieneanspruch. Je klarer die Ausschreibung, desto weniger davon. Kommt einer, fragen Sie schriftlich an und lassen Sie sich Preis und Terminauswirkung nennen, bevor Sie beauftragen. Wer erst arbeiten lässt und dann verhandelt, verhandelt von hinten. Führen Sie im Projekt eine Änderungsliste, sonst kennt am Ende keiner mehr die Reihenfolge. Ein Nachtrag ohne Terminfolge ist selten, und der Termin kostet am Ende oft mehr als der Preis. Ich frage deshalb immer aktiv danach, auch wenn der Lieferant sagt, das gehe nebenbei mit.

Berührungsloser Sensor, der die Anwesenheit eines Objekts in seinem Erfassungsbereich erkennt und ein Schaltsignal ausgibt. Induktive Näherungsschalter erzeugen ein hochfrequentes Wechselfeld und reagieren auf Metall, das dieses Feld bedämpft. Ihr Schaltabstand bezieht sich auf Stahl und fällt bei Aluminium, Messing oder Edelstahl kleiner aus, außer bei Sensoren mit Faktor 1. Kapazitive Näherungsschalter werten die Änderung eines elektrischen Feldes aus und erkennen auch Kunststoff, Karton, Granulat oder Flüssigkeiten, teils durch die Behälterwand. Gängig sind zylindrische Bauformen mit Gewinde und Quaderbauformen, bündig oder nichtbündig einbaubar. Die Ausgänge sind PNP oder NPN, als Schließer oder Öffner, zunehmend mit IO-Link. Grundlage ist die IEC 60947-5-2.

Aus der Praxis

Bevor Sie einen Näherungsschalter tauschen, prüfen Sie, ob er überhaupt defekt ist. Oft hat sich nur der Abstand verändert, weil der Halter einen Schlag abbekommen hat oder die Kontermutter lose war. Ein induktiver Sensor, der auf ein Stahlteil eingestellt wurde und jetzt Edelstahl erkennen soll, schaltet später oder gar nicht. Kapazitive Sensoren reagieren auf Feuchtigkeit und Produktbeläge. Ein Wasserfilm nach der Nassreinigung kann sie auslösen, wenn die Empfindlichkeit zu fein eingestellt ist. Legen Sie im Werk fest, welche Bauformen, Gewindegrößen und Steckverbinder Sie verwenden, sonst sammeln sich im Lager unzählige Varianten. Achten Sie außerdem auf PNP und NPN. Einem Sensor mit dem falschen Ausgang sieht man das im Lagerfach nicht an. Das merken Sie erst an der Maschine, wenn er nichts tut.

Nennleistung ist die maximale Taktzahl je Minute, für die eine Maschine mechanisch ausgelegt ist. Nettoleistung ist die tatsächlich erreichte Gutausbringung über einen Zeitraum, nach Abzug von Stopps, Formatwechseln, Rollenwechseln und Ausschuss. Zwischen beiden liegen die Faktoren der OEE, also Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate. Die Nennleistung ist ein Wert unter Idealbedingungen, die Nettoleistung hängt von Produkt, Packstoff und Formatmix ab. Für die Investitionsrechnung und den Leistungsnachweis zählt die Nettoleistung im Linienverbund.

Aus der Praxis

Prospekte nennen Nennleistungen, Linien liefern Nettoleistungen. In der Planung wird der Abstand gern zu klein angesetzt. Fragen Sie den Hersteller nach der Leistung mit Ihrem Produkt, Ihrem Packstoff und Ihrem Formatmix und legen Sie im Pflichtenheft fest, wie und über welche Dauer gemessen wird. Eine kurze Messung im besten Moment sagt wenig über eine Schicht mit Rollenwechseln, Formatwechseln und Pausen. Wer die Nennleistung als Planungsgrundlage nimmt, unterdimensioniert Puffer und Personal. Ich rechne bei neuen Projekten rückwärts, von der Zahl guter Packungen, die eine Schicht liefern muss, auf die Taktzahl, die die Maschine im Alltag halten muss. Erst dann sehe ich, ob die Maschine zur Aufgabe passt.

Netzwerksegmentierung (OT)

Digitalisierung & KI

Aufteilung des Produktionsnetzwerks in getrennte Zonen wie Maschinen, Linien, Leitsysteme und den Übergang zur IT, mit kontrollierten Übergängen über Firewalls oder Router. IEC 62443 beschreibt diese Zonen und ihre Verbindungen als Zonen und Conduits. Ziel ist, dass ein Vorfall in einem Bereich nicht die gesamte Produktion erreicht und dass Fernzugriffe kontrolliert erfolgen. Umgesetzt wird die Trennung mit VLANs, Firewalls und häufig mit einer DMZ zwischen Büro- und Produktionsnetz.

Aus der Praxis

Gewachsene Werksnetze sind oft ein einziges flaches Netz, in dem der Bürodrucker mit der Safety-SPS spricht. Segmentierung muss nicht teuer sein. Meist reichen ein Zellenschutz pro Linie, ein Übergangsnetz zur IT und dokumentierte Fernwartungszugänge, die das Werk freischaltet. Ich verlange bei jeder Neumaschine ein Netzwerkdiagramm und eine Liste der benötigten Verbindungen. Lieferanten, die alles offen haben wollen, sind ein Warnsignal. Bestehen Sie darauf, dass der Fernwartungszugang nur auf Anforderung und mit Ihrer Freigabe aktiv ist, und lassen Sie sich die IP-Adressbereiche vorab nennen, sonst gibt es am Tag der Inbetriebnahme Streit mit der IT.

Nextcloud

Digitalisierung & KI

Quelloffene Software für Dateiablage, Synchronisation und Zusammenarbeit, die auf einem eigenen Server oder bei einem Anbieter nach Wahl betrieben wird. Sie ist eine Alternative zu US-Cloud-Diensten: Den Speicherort bestimmt der Betreiber selbst, etwa mit einem Server in Europa, und die Daten bleiben unter eigener Kontrolle. Dateien werden zwischen den Geräten der Nutzer abgeglichen, Freigaben lassen sich je Ordner steuern. Wer die Software selbst betreibt, ist auch für Updates, Datensicherung und Zugriffsrechte verantwortlich.

Aus der Praxis

POWERJO legt Projektdaten in einer Nextcloud ab, also Lebensläufe, Zeichnungen und Angebote. Für Kunden mit strengen Vorgaben zur Datenhaltung ist das ein Argument: Der Speicherort ist bekannt, Freigaben lassen sich je Ordner und je Projekt steuern und nach Projektende wieder entziehen. Klären Sie zu Projektbeginn, wer welchen Zugriff bekommt, und ziehen Sie ihn zum Ende wieder ein. Sonst sitzen noch Jahre später Leute mit Zugang zu Layouts, an denen sie längst nicht mehr arbeiten. Fragen Sie auch nach der Datensicherung. Eine Ablage ohne getestete Rücksicherung ist nur ein Server mit Hoffnung. Betreiben Sie sie selbst, klären Sie außerdem, wer im Haus die Updates einspielt.

Verpackungen, die für Kühl- und Tiefkühltemperaturen ausgelegt sind, vor allem für verderbliche Lebensmittel, deren Haltbarkeit von der Kühlkette abhängt. Üblich sind Folien aus Polyethylen, Polypropylen oder PET sowie Verbunde mit Aluminiumfolie, die als Barriere gegen Feuchte und Sauerstoff wirken, teils mit Beschichtung. Die Werkstoffe müssen bei tiefen Temperaturen zäh bleiben, sonst wird die Verpackung spröde und bricht. Auch Siegelnähte und Klebstoffe müssen in der Kälte halten. Bauformen sind Beutel, Schalen und Kartons, für Portionen wie für ganze Stücke.

Aus der Praxis

Bei Tiefkühlprodukten müssen Folien und Klebstoffe auch bei Tiefkühltemperatur noch siegeln und haften. Kondensat beim Verpacken kalter Produkte ist ein Klassiker für undichte Nähte und rutschende Etiketten. Klimaführung im Verpackungsraum und Materialtests unter Realbedingungen gehören deshalb dazu, mit der echten Folie, dem echten Etikett und dem Produkt in Tiefkühltemperatur. Polypropylen kann in der Kälte spröde werden, lassen Sie sich die Kälteeignung der Folientype bestätigen. Prüfen Sie auch den Weg vom Frostraum zur Maschine. Wenn Ware zwischendurch antaut und wieder gefriert, sitzt das Etikett auf einer feuchten Packung.

Not-Halt

Automatisierung & Robotik

Sicherheitsfunktion, die die Maschine in einen sicheren Zustand bringt, ausgelöst über rote Pilztaster auf gelbem Grund. Not-Halt-Kreise, Schutztüren und Sicherheitszonen werden in der Risikobeurteilung festgelegt und nach PL/SIL ausgelegt, nachträgliche Änderungen sind teuer. Der Not-Halt ist nach ISO 13850 eine ergänzende Schutzmaßnahme und ersetzt keine Schutzeinrichtung. Er stoppt entweder sofort durch Abschalten der Energie oder gesteuert, wobei die Energie erst nach dem Stillstand abgeschaltet wird. Einmal betätigt, bleibt der Taster gerastet, und der Wiederanlauf erfolgt erst nach Entriegeln und bewusster Quittierung.

Aus der Praxis

Not-Halt-Taster müssen an jeder Bedienstelle erreichbar sein, auch dort, wo Bediener bei Störungen hinlaufen, etwa an Puffern oder Übergabestellen. In integrierten Linien ist zu klären, welche Maschinen ein Not-Halt stoppt, nur die eigene oder auch die Nachbarn. Beides kann richtig sein, muss aber in der Risikobeurteilung und im Bedienkonzept stehen. Nach dem Not-Halt ist der Wiederanlauf nur über bewusste Quittierung zulässig. Gehen Sie bei der Abnahme die ganze Linie ab und lösen Sie jeden Not-Halt einmal aus. Dann zeigt sich, welche Taster verdeckt hängen und wo die Nachbarmaschine einfach weiterläuft. Lassen Sie die Not-Halt-Kreise auch in der Wartung regelmäßig testen, denn ein Taster, der seit Jahren nie gedrückt wurde, ist ein ungeprüftes Bauteil.

Notion

Digitalisierung & KI

Digitaler Arbeitsplatz für Wissen, Dokumentation und Datenbanken, in dem Seiten, Wikis und strukturierte Tabellen in einem Werkzeug zusammenlaufen. Seiten lassen sich verschachteln und miteinander verknüpfen, sodass ein durchsuchbares Nachschlagewerk entsteht. Geeignet ist Notion für Projektdokumentation, Logbücher, Checklisten und interne Handbücher, etwa für Entscheidungsprotokolle oder Abnahmechecklisten. Für freigegebene Dokumente mit Revisionsstand ist dagegen ein Dokumentenmanagementsystem gedacht, wie es Paperless darstellt.

Aus der Praxis

Bei POWERJO ist Notion das Logbuch: Was wurde entschieden, was lief gut, was schlecht. Für Kundenprojekte empfehlen wir dasselbe Prinzip. Ein Ort für Entscheidungen und Erkenntnisse sorgt dafür, dass sie beim nächsten Projekt nicht wieder neu gelernt werden müssen. Schreiben Sie den Eintrag, solange das Projekt noch läuft. Nach der Abnahme erinnert sich keiner mehr, warum man sich für den teureren Antrieb entschieden hat. Halten Sie die Einträge kurz, mit Datum, Entscheidung, Grund und Beteiligten. Einigen Sie sich auf eine feste Vorlage. Schreibt jeder im eigenen Format, wird aus dem Logbuch ein Zettelkasten, in dem keiner etwas findet.

Nutzungsgrad

Kennzahlen

Anteil der geplanten Produktionszeit an der Kalenderzeit, also die Kennzahl oberhalb der OEE. Zusammen mit der OEE ergibt sich daraus der TEEP, der den Ausstoß auf die gesamte Kalenderzeit bezieht. Nicht belegt sind Zeiten ohne Schicht, etwa Nächte oder Wochenenden. Die Zeitbasis muss im Betrieb eindeutig festgelegt sein, zum Beispiel 24 Stunden an sieben Tagen. Beispiel: Eine Linie mit 85 % OEE in einer Schicht hat mehr ungenutzte Kapazität als eine Linie mit 60 % OEE im Dreischichtbetrieb. Für Investitionsentscheidungen müssen deshalb beide Ebenen betrachtet werden.

Aus der Praxis

Der Nutzungsgrad zeigt, wie viel der theoretisch verfügbaren Zeit eine Anlage überhaupt für Produktion eingeplant ist. Er ist der ehrliche Blick auf die Kapazitätsreserven. Eine Linie mit 60 Prozent Nutzungsgrad braucht oft keine schnellere Maschine, sondern mehr Schichten oder kürzere Formatwechsel. Das bringt dieselbe Menge, ohne dass ein Euro in neue Technik fließt. Legen Sie diese Zahl vor jeder Investition in Leistung auf den Tisch, am besten neben das Schichtmodell. Sonst kaufen Sie womöglich Geschwindigkeit, wo eigentlich Zeit fehlt. Es gibt auch Fälle, in denen die Nacht bewusst leer bleibt, wegen Personal oder Energiekosten. Auch das gehört dann in die Rechnung.

O

Oberflächenrauheit (Ra)

Maschinenbau & Komponenten

Kenngröße für die Feinstruktur einer Oberfläche. Ra ist der arithmetische Mittenrauwert in Mikrometern, also der mittlere Abstand des Profils von seiner Mittellinie. Für produktberührte Oberflächen in Lebensmittelanlagen werden glatte, leicht reinigbare Oberflächen verlangt, häufig mit Ra bis 0,8 µm. Erreicht wird das durch Schleifen, Elektropolieren oder geeignete Blechqualitäten. Gemessen wird mit einem Tastschnittgerät, das eine Nadel über die Fläche zieht. Ra sagt nichts über die Form der Rauheit, deshalb können sich zwei Flächen mit gleichem Ra in der Reinigbarkeit unterscheiden.

Aus der Praxis

Rauheit entscheidet über Reinigbarkeit: In Riefen und Schweißnähten halten sich Produktreste und Biofilme. Fordern Sie im Lastenheft Ra-Werte für Produktkontaktflächen und die Ausführung der Schweißnähte, also durchgeschweißt und verschliffen. Prüfen Sie bei der FAT mit Tastschnittgerät oder Vergleichsmuster. Beschichtete oder gestrahlte Oberflächen können optisch glatt wirken und trotzdem schlecht reinigbar sein. Halten Sie außerdem fest, wer misst, der Lieferant oder ein Dritter, und an welchen Stellen. Lassen Sie sich Musterbleche zeigen und schreiben Sie in die Bestellung, welches Muster gilt. Gibt es an einer bestehenden Anlage Reinigungsprobleme, schauen Sie zuerst auf Schweißnähte und Übergänge, bevor Sie das Reinigungsmittel wechseln.

Obsoleszenz

Kaufmännisches

Komponenten, vor allem der Steuerungstechnik, werden vom Hersteller abgekündigt und sind nur noch begrenzt verfügbar. Betroffen sind etwa SPS, Bediengeräte und Frequenzumrichter. Der Hersteller nennt einen Termin, bis zu dem noch bestellt werden kann, den Last Buy, danach folgt oft noch eine Zeit mit Reparatur und Ersatzteilservice. Obsoleszenz-Management bedeutet, Abkündigungen zu überwachen und Last-Buy-Entscheidungen zu treffen. Retrofits werden geplant, bevor der Ausfall die Entscheidung erzwingt.

Aus der Praxis

Die Mechanik einer Verpackungslinie läuft nach vielen Jahren noch, aber die Steuerung ist längst veraltet. SPS, Bediengerät oder Frequenzumrichter werden nicht mehr gefertigt, und das Ersatzteil gibt es nur noch gebraucht. Bewahren Sie Programmsicherungen und Dokumentation auf, sonst lässt sich selbst ein passender Ersatz nicht einspielen. Ich frage beim Kauf immer nach der Produktlebensdauer der Elektrokomponenten und lasse mir die Hersteller der Hauptkomponenten nennen. Prüfen Sie einmal im Jahr die Abkündigungsmitteilungen für Ihre wichtigsten Teile. Ein geplanter Retrofit der Steuerung ist günstiger als ein ungeplanter Stillstand ohne Ersatzteil, und er lässt sich in ein Stillstandsfenster legen.

OEE

Kennzahlen

Kennzahl für die Produktionseffizienz einer Anlage: OEE = Verfügbarkeit × Leistungsgrad × Qualitätsrate. Sie stammt aus dem TPM-Konzept und fasst die Verluste durch Stillstand, reduzierte Geschwindigkeit und Ausschuss in einer Zahl zusammen. Eine OEE von 60 % heißt, dass 40 % der geplanten Kapazität verloren gehen. Beim Vergleich ist die Bezugszeit zu klären. Sie kann die Schichtzeit, die geplante Produktionszeit oder die Kalenderzeit sein, deshalb sind OEE-Werte verschiedener Quellen selten direkt vergleichbar.

Aus der Praxis

Als Werkzeug taugt die OEE nur, wenn alle im Werk dieselbe Rechenweise benutzen. Was zählt als geplante Zeit, was als Stillstand, welche Nennleistung gilt. Sonst vergleichen zwei Linien Äpfel mit Birnen, und die Diskussion dreht sich um die Rechnung statt um die Verluste. Im Effizienztag rechnen wir sie einmal ehrlich durch, und der Wert liegt oft deutlich unter dem, was das Management annimmt. Mehr als die Zahl selbst zählt der Blick auf die drei Faktoren. Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate zeigen jeweils andere Stellschrauben. Ich misstraue einer OEE, die ohne Stillstandsgründe auf den Tisch kommt, denn dann weiß keiner, wo er ansetzen soll.

Offene-Punkte-Liste (LOP)

Projektleitung & CAPEX

Laufend gepflegte Liste der Aufgaben und Klärungen, die in einem Projekt noch offen sind. Jeder Punkt erhält eine fortlaufende Nummer, eine kurze Beschreibung, eine verantwortliche Person, einen Termin und einen Status. Oft kommen Priorität, Entstehungsdatum und die Besprechung hinzu, in der er aufgekommen ist. LOP steht für Liste offener Punkte. Die Liste begleitet das Projekt von der Planung bis zur Übergabe und wird in jeder Projektbesprechung durchgegangen. Erledigte Punkte bleiben mit Erledigungsdatum erhalten und werden höchstens ausgeblendet, damit die Historie nachvollziehbar ist. Abzugrenzen sind die Restpunkteliste, die bei der Abnahme verbleibende Mängel festhält, und das Risikoregister, das mögliche künftige Probleme erfasst.

Aus der Praxis

Eine LOP stirbt selten an zu wenigen Einträgen. Meist wächst sie auf ein paar hundert Zeilen, und keiner liest sie mehr. Achten Sie darauf, dass jeder Punkt einen Namen und ein Datum hat. Eine Firma ist kein Verantwortlicher, und bis auf Weiteres ist kein Termin. Ich gehe in der Besprechung nur die fälligen und überfälligen Punkte durch, den Rest liest jeder vorher selbst. Geschlossen wird ein Punkt erst, wenn derjenige zustimmt, der ihn eingebracht hat. Sonst tauchen vermeintlich erledigte Themen bei der Inbetriebnahme plötzlich wieder auf. Führen Sie eine einzige Liste für das ganze Projekt. Wenn Elektrik, Mechanik und Bau jeweils eigene Listen pflegen, fallen genau die Punkte durch, die an den Schnittstellen liegen.

Offline-Programmierung

Automatisierung & Robotik

Erstellen von Roboterprogrammen am Rechner in einem Simulationsmodell der Zelle statt per Teach-Panel an der laufenden Anlage. Grundlage sind CAD-Daten von Roboter, Greifer, Produkt und Zelle. In der Simulation werden Bahnen geplant, Erreichbarkeit und Kollisionen geprüft und die Taktzeit abgeschätzt, danach wird das Programm auf die Steuerung übertragen. Weil Modell und Wirklichkeit nie ganz übereinstimmen, müssen Werkzeugpunkt und Basis an der Zelle eingemessen werden, kleine Nachkorrekturen vor Ort bleiben üblich. Das spart Stillstand bei neuen Produkten und Lagenbildern und ist bei häufigen Formatwechseln ein echtes Verfügbarkeitsargument.

Aus der Praxis

Offline-Programmierung spart Stillstand. Palettiermuster oder Roboterbahnen werden am Rechner erstellt und simuliert, während die Linie läuft. Klären Sie, ob Sie die Software und die Rechte bekommen, neue Packmuster selbst anzulegen. Wer für jedes neue Format den Hersteller rufen muss, zahlt über die Jahre mehr als für die Lizenz. Bei Palettierern gibt es oft einen Musterassistenten direkt am Bediengerät, dann braucht man für neue Packmuster gar keine Offline-Software. Ich frage trotzdem nach, was passiert, wenn die Lizenz oder der Rechner ausfällt, und wo das Projekt gesichert liegt. Ein Roboterprogramm, das nur auf dem Laptop des Inbetriebnehmers existiert, gehört nicht ins Werk.

OPC UA

Automatisierung & Robotik

Herstellerübergreifender Kommunikationsstandard für Maschinendaten, genormt in der Reihe IEC 62541, die gemeinsame Sprache zwischen Steuerungen, MES und Cloud. Eine Maschine stellt ihre Daten als OPC-UA-Server bereit, Clients wie MES oder Energie-Monitoring lesen sie oder schreiben Werte. Neben den Werten selbst überträgt OPC UA ihre Bedeutung in einem Datenmodell, also Namen, Einheiten und Struktur. Verbindungen werden mit Zertifikaten gesichert und lassen sich verschlüsseln. Käufer sollten OPC-UA-Schnittstellen mit definiertem Datenmodell fordern, zum Beispiel nach PackML, das Zustandsmodell und Datenpunkte einer Verpackungsmaschine festlegt.

Aus der Praxis

OPC UA ist die herstellerneutrale Sprache zwischen Maschinen und IT, etwa für MES, Energie-Monitoring und Auswertungen. Fordern Sie im Lastenheft einen OPC-UA-Server mit dokumentiertem Datenmodell, am besten nach PackML. Ohne diese Vereinbarung liefern Hersteller oft proprietäre Schnittstellen, deren Anbindung später teuer wird. Schreiben Sie auch auf, welche Daten Sie wirklich brauchen, mit Name, Einheit und Abtastzeit, sonst steht am Ende ein Server da, der alles anbietet und nichts Brauchbares. Lassen Sie sich beim FAT zeigen, dass ein Client die Daten live liest, und zwar mit einem Werkzeug, das nicht vom Maschinenhersteller stammt. Verlassen Sie sich nicht auf den Satz, die Schnittstelle sei vorhanden. Vorhanden und freigeschaltet sind zwei Dinge, und manchmal gehört zur Freischaltung eine Lizenz, die extra kostet.

OPEX

Projektleitung & CAPEX

Operating Expenditure, die laufenden Ausgaben für den Betrieb einer Anlage im Gegensatz zu den einmaligen Investitionsausgaben (CAPEX). Dazu zählen Energie, Druckluft, Verschleißteile, Formatteile, Wartung und Personal. Die Kosten fallen jedes Jahr an und werden in der Wirtschaftlichkeitsrechnung über die geplante Lebensdauer summiert. Bei Investitionsentscheidungen gehören sie zwingend in den Vergleich, denn die günstigste Maschine im Einkauf ist selten die günstigste im Betrieb. Zusammen mit den Anschaffungskosten ergeben sie die Gesamtkosten über die Lebensdauer, englisch Total Cost of Ownership, siehe TCO.

Aus der Praxis

Den Kaufpreis zahlen Sie einmal, die Betriebskosten jeden Tag. Über die Lebensdauer einer Verpackungsmaschine kommt eine Summe zusammen, die mit dem Kaufpreis mithalten kann. Wer nur Angebotspreise nebeneinanderlegt, sieht erst den Anfang der Rechnung. Ich lasse mir deshalb Verbrauchswerte für Strom und Druckluft je Betriebsstunde ins Angebot schreiben, dazu die Verschleißteile mit Standzeit und Preis. Das ist ein Blatt Papier, aber ungefragt landet es selten im Angebot. Rechnen Sie dann mit Ihren eigenen Energiepreisen und Ihrer Schichtzahl, nicht mit den Werten aus der Broschüre. Fragen Sie außerdem, was ein Servicetechniker pro Einsatz kostet, bevor Sie ihn brauchen.

OT-Security

Automatisierung & Robotik

IT-Sicherheit für Produktionsanlagen, also der Schutz von Steuerungen, Antrieben und Netzen vor unbefugtem Zugriff und Schadsoftware. Maßnahmen sind Netzsegmentierung, Zugriffskontrolle, Patch-Konzepte und Datensicherung, die Normenreihe IEC 62443 beschreibt Anforderungen und Vorgehen. Anders als in der Büro-IT stehen Verfügbarkeit und Betriebssicherheit der Anlage im Vordergrund, Updates lassen sich nicht einfach nachts einspielen, und Steuerungen laufen oft viele Jahre unverändert. Die neue Maschinenverordnung und NIS2 stellen je nach Maschine und Betrieb Anforderungen an Hersteller (Security by Design) und Betreiber. Diese gehören ins Lastenheft.

Aus der Praxis

Die Maschinenverordnung und NIS2 stellen Anforderungen an die Cybersicherheit von Maschinen und Betrieben. Ihr Jurist und der IT-Verantwortliche klären, ob Ihr Betrieb unter NIS2 fällt. Für Verpackungslinien heißt das konkret: Fernwartungszugänge kontrolliert freischalten, Steuerungsnetz vom Büronetz trennen, Benutzerrechte am HMI vergeben, Programme sichern. Fragen Sie den Lieferanten, wie Fernwartung technisch läuft und wer Zugriff hat, und halten Sie es im Wartungsvertrag fest. Typische Lücken sind Standardpasswörter am Panel und ein USB-Stick, der von Maschine zu Maschine wandert. Beides lässt sich bei der Abnahme schnell prüfen.

Kennzahl für die Liefertreue, die zwei Bedingungen gleichzeitig verlangt. On Time heißt termingerecht, also innerhalb des zugesagten Termins oder Zeitfensters. In Full heißt vollständig, also in der bestellten Menge und mit allen Positionen. Die Quote gibt an, welcher Anteil der Lieferungen eines Zeitraums beide Bedingungen erfüllt hat. Gezählt wird je nach Vereinbarung nach Auftrag, nach Auftragsposition oder nach Menge, was zu deutlich unterschiedlichen Werten führt. Ebenso muss feststehen, ob der Wunschtermin des Kunden oder der bestätigte Termin gilt. Manche Kunden beziehen außerdem korrekte Begleitpapiere und einwandfreie Ware ein. Im Lebensmittelhandel ist OTIF häufig Teil der Lieferantenbewertung.

Aus der Praxis

Der Haken steckt meist im In Full. Ein Lkw kann pünktlich auf dem Hof stehen, und wenn eine einzige Palette fehlt, zählt die ganze Lieferung als verfehlt. Im Werk landet das Problem am Ende oft bei der Verpackungslinie. Fällt sie in der Nacht vor der Verladung aus, fährt der Lkw halb leer los, und der Vertrieb fragt am Montag, warum die Quote abgestürzt ist. Ich lege denselben Maßstab gern auch an Lieferanten im Projekt an. Eine Maschine, die pünktlich kommt, aber ohne Formatteile oder ohne Dokumentation, ist für mich nicht geliefert. Lassen Sie beim Wareneingang auf der Baustelle jede Kiste gegen die Packliste prüfen und halten Sie Fehlmengen schriftlich fest. Sonst diskutieren Sie Wochen später, ob ein Teil nie gekommen ist oder irgendwo in der Halle liegt.

Overhaul (Generalüberholung)

Projektleitung & CAPEX

Grundlegende Instandsetzung einer bestehenden Maschine mit dem Ziel, das ursprüngliche Leistungsniveau wiederherzustellen. Die Maschine wird weitgehend zerlegt, Verschleiß- und Alterungsteile wie Lager, Dichtungen, Riemen und Schläuche werden ersetzt, Antriebe, Pneumatik und Führungen werden überarbeitet, und die Mechanik wird neu eingestellt. Ein abschließender Probelauf weist die Leistung nach. Im Unterschied zum Retrofit bleiben Steuerung und Funktion unverändert, das Ziel ist Verfügbarkeit und nicht Modernisierung. Der Overhaul kann im Werk des Herstellers oder beim Betreiber stattfinden.

Aus der Praxis

Ein Overhaul lohnt sich, wenn Rahmen und Mechanik gut sind und es die Ersatzteile noch gibt. Ist die Steuerung das Problem, sind Sie beim Retrofit und nicht beim Overhaul. Schauen Sie vorher, welche Baugruppen wirklich verschlissen sind. Eine Stillstandsanalyse zeigt oft, dass wenige Baugruppen die meisten Störungen machen, und dann tauschen Sie gezielt und müssen nicht die ganze Maschine anfassen. Klären Sie mit dem Hersteller, ob der Overhaul im Werk oder bei Ihnen läuft. Im Werk fehlt Ihnen die Maschine in der Produktion, vor Ort stehen Ihnen die Monteure im Weg. Planen Sie das Stillstandsfenster realistisch und mit Reserve, denn beim Zerlegen findet man fast immer etwas, das nicht auf der Liste stand.

P

Packmittelfreigabe (Erstmuster)

Qualität & Sicherheit

Formale Freigabe eines neuen oder geänderten Packmittels vor dem Serieneinsatz. Geprüft werden Erstmuster aus dem Serienwerkzeug gegen Zeichnung und Spezifikation, etwa Maße, Toleranzen, Materialdicke, Rillung, Laufrichtung, Siegelfähigkeit und Druckbild. Dazu kommen ein Maschinenlauf auf der Linie, die Konformitätsunterlagen und ein Freigabemuster als Referenz. Die Freigabe erfolgt gemeinsam durch Qualitätssicherung, Produktion und Einkauf. Sie schützt vor Leistungsverlust, Stillständen und Reklamationen, die durch unbemerkte Änderungen am Packmittel entstehen.

Aus der Praxis

Die meisten Anlaufprobleme nach einem Packmittelwechsel entstehen, weil das Muster nie auf der Maschine gelaufen ist. Bestehen Sie auf einem Freigabelauf mit Serienmaterial, mindestens über eine Rollen- oder Palettenmenge, und legen Sie ein gezeichnetes Freigabemuster mit Datum und Unterschrift zurück. Ein Muster aus der Handmusterung läuft fast immer, die Serie später nicht. Ein Grenzmuster für das, was gerade noch gut ist, spart im Streitfall viel Zeit. Auch ein Wechsel des Vorlieferanten beim Karton oder der Folie löst eine neue Freigabe aus, sonst haben Sie keine Referenz. Verpflichten Sie den Lieferanten, Änderungen an Papier, Folie, Klebstoff oder Werkzeug vorher zu melden.

Packmittelspezifikation

Verpackungstechnik

Technisches Dokument, das die Anforderungen an ein Packmittel festlegt: Werkstoff, Aufbau, Maße mit Toleranzen, Flächengewicht, Siegelschicht, Reibwerte, Rollenaufbau mit Kern, Durchmesser, Wickelrichtung und Druckmarke, Druckbild und Prüfmethoden. Sie wird vom Verpacker oder in Abstimmung mit ihm erstellt und gilt als Referenz für den Lieferanten. Sie ist Grundlage für Lieferantenverträge, Wareneingangsprüfung und die Leistungszusage des Maschinenherstellers. Änderungen werden über eine Revision der Spezifikation geführt und nicht über Zurufe.

Aus der Praxis

Ohne Packmittelspezifikation gibt es bei Störungen niemanden, der verantwortlich ist. Der Maschinenhersteller verweist auf die Folie, der Folienlieferant auf die Maschine. Erstellen Sie die Spezifikation vor der Bestellung gemeinsam mit beiden, mit Toleranzen, die die Maschine wirklich verträgt. Änderungen am Packmittel, auch aus Kostengründen, laufen über eine Änderungsfreigabe mit Maschinenlauf und nicht über eine Bestellnotiz. Nehmen Sie ein Freigabemuster dazu und verlangen Sie mit jeder Lieferung das Prüfprotokoll des Herstellers zu den kritischen Maßen. Legen Sie auch fest, wer die Spezifikation pflegt und welcher Stand gilt. Im Streitfall liegen sonst drei Versionen auf dem Tisch, und jede Seite hält die eigene für die gültige.

PackML

Automatisierung & Robotik

Standardisiertes Zustandsmodell für Verpackungsmaschinen mit einheitlichen Datenstrukturen, beschrieben im technischen Bericht ISA-TR88.00.02 aus der Normenreihe ISA-88. Die Maschine durchläuft definierte Zustände wie Idle, Execute, Held, Stopped und Aborted, die über Befehle wie Start, Hold, Stop und Abort gewechselt werden. Dazu kommen Betriebsarten wie Produktion, Wartung und Manuell sowie festgelegte Datenpunkte für Zähler, Sollwerte und Stillstandsursachen. Dadurch kann ein übergeordnetes System Maschinen verschiedener Hersteller gleich ansprechen und auswerten. Wie die Daten übertragen werden, regelt PackML nicht.

Aus der Praxis

Auf dem Papier hat manche Maschine PackML, in der Steuerung steckt dann eine abgespeckte Version mit einem Datenbaustein, den nur der Hersteller versteht. Schreiben Sie deshalb ins Lastenheft, welche Zustände, Betriebsarten und Daten Sie haben wollen. Lassen Sie sich bei der Abnahme einmal durch alle Zustände führen, auch durch Hold und Abort, und schauen Sie nach, ob die Stillstandsgründe sauber codiert ankommen. Erst dann taugt der Vergleich von Linie zu Linie, und das MES muss nicht für jede Maschine neu angebunden werden. Verlangen Sie PackML von Anfang an, kostet es den Hersteller wenig. Kommt es nachträglich, bezahlen Sie einen Umbau der Steuerung. Ich frage bei jeder neuen Verpackungsmaschine zuerst danach.

Anordnung der Kartons oder Gebinde je Lage auf der Palette, einschließlich Lagenverband, Anzahl der Lagen und Ausrichtung der Packstücke. Im Verbund liegen die Lagen versetzt, in der Säulenstapelung exakt übereinander. Das Schema bestimmt Stabilität, Volumenausnutzung und Palettierleistung. Berechnet wird es mit Palettiersoftware, die Überstand, Höhe und Gewicht berücksichtigt. Im Palettierer ist das Packschema als Programm hinterlegt, je Format ein eigenes. Das Lagenbild ist die zeichnerische Darstellung einer einzelnen Lage.

Aus der Praxis

Ein verbundenes Packschema mit versetzten Lagen ist stabiler, ein Säulenstapel trägt mehr Last. Rechnen Sie Packschemata mit Software durch, statt am Tisch zu probieren, und prüfen Sie Überstand, den BCT-Wert der Kartons und Handelsvorgaben. Jedes neue Schema muss am Palettierer eingelernt und im Transporttest freigegeben werden. Ich lasse mir deshalb zu jedem Schema ein Foto der fertigen Palette und die Wickelparameter geben. Ein Schema, das nur mit Nachbessern von Hand hält, taugt nicht für die Nachtschicht. Fragen Sie nach etwas Reserve bei der Palettenhöhe, denn Kartonmaße schwanken von Charge zu Charge. Auf dem Papier passt vieles, was auf der Linie nach der dritten Lage kippt.

Begriffssystem der Verpackungstechnik nach DIN 55405. Der Packstoff ist der Werkstoff, etwa Wellpappe, PE-Folie oder Glas. Das Packmittel ist das daraus gefertigte Erzeugnis, das das Packgut umschließt, zum Beispiel Karton, Beutel oder Flasche. Das Packhilfsmittel dient dem Verschließen, Sichern oder Kennzeichnen, etwa Klebeband, Umreifungsband, Etikett oder Klebstoff. Zusammen bilden sie die Verpackung. Die Begriffe sind Grundlage für Spezifikationen, Stücklisten und Freigaben, weil sie festlegen, was zu welcher Gruppe gehört.

Aus der Praxis

Die Unterscheidung klingt akademisch, ist im Projekt aber nützlich. Packmittel und Packhilfsmittel haben unterschiedliche Lieferanten, Freigabeprozesse und Kostenstellen, und die Linie hängt an beiden. Im Lastenheft werden Klebeband, Hotmelt und Etiketten gern vergessen. Dann fehlt bei der Abnahme die Spezifikation für die Hälfte der Störungen. Führen Sie eine vollständige Packmittelliste je Produkt, mit den Packhilfsmitteln und ihren Kennwerten. Den Verbrauch an Klebeband und Hotmelt je Karton sieht man erst im Betrieb, er wird nach dem Anlauf nachgetragen. Eine Zeile pro Artikel mit Lieferant, Artikelnummer, Maßen und Freigabestand reicht, wenn sie aktuell ist. Sie hilft auch beim Lieferantenwechsel, weil man sieht, was alles mitzieht.

Etikett, das eine Palette als Versandeinheit eindeutig kennzeichnet. Im GS1-128-Barcode trägt es die Nummer der Versandeinheit, die SSCC, und je nach Vereinbarung Artikelnummer, Menge, Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum. Die SSCC hat 18 Stellen und besteht aus einer Erweiterungsziffer, der Basisnummer des Absenders, einer laufenden Nummer und einer Prüfziffer. Zusätzlich stehen die Daten im Klartext auf dem Etikett. Der Empfänger bekommt die SSCC meist vorab elektronisch im Lieferavis und scannt sie im Wareneingang. Gedruckt und aufgebracht wird das Etikett am Linienende, meist von einem Print-and-Apply-Etikettierer, seltener von Hand.

Aus der Praxis

Der Handel weist Paletten zurück, deren Etikett fehlt oder nicht lesbar ist, und das erfahren Sie oft erst mit der Reklamation. Ein Etikettierer am Linienende mit Lesegerät zur Verifikation und Anbindung an das WMS gehört ab mittlerer Stückzahl dazu. Das Etikett sitzt auf Stretchfolie, die glänzt und knittert, und daran scheitert mancher Scanner an der Rampe. Klären Sie mit Ihren größten Kunden, wo das Etikett sitzen soll und auf wie vielen Seiten, üblich sind zwei. Ich lasse mir außerdem zeigen, wie die Nummernvergabe nach einem Steuerungsausfall oder einem Softwarewechsel weiterzählt. Eine doppelte SSCC merkt an der Linie keiner, das Wareneingangssystem des Kunden dagegen sofort.

Palettenfaktor

Intralogistik

Anzahl der Verkaufseinheiten oder Kartons je Palette. Sie ergibt sich aus dem Lagenbild, also der Anordnung der Einheiten in einer Lage, multipliziert mit der Lagenzahl. Begrenzt wird der Faktor durch die Grundfläche der Palette und die zulässige Gesamthöhe sowie durch das Gewicht und die Stapelfestigkeit der unteren Lagen. Der Palettenfaktor bestimmt die Transportkosten je Stück, den Lagerplatzbedarf und die Zahl der Palettenwechsel je Schicht. Deshalb steht er als Kennwert in Anfragen für Palettierer und Verpackungslinien. Nicht zu verwechseln ist er mit dem Stapelfaktor, der die Sicherheitsreserve bei der Stapelbelastung beschreibt.

Aus der Praxis

Rechnen Sie den Palettenfaktor früh durch. Wird ein Karton zwei Zentimeter breiter, kann das eine ganze Reihe je Lage kosten und den Faktor spürbar senken. Die Logistik merkt es erst, wenn das Frachtangebot auf dem Tisch liegt. Umgekehrt ist ein höherer Faktor mit einem stabileren Lagenbild oft der günstigste Gewinn im ganzen Projekt, weil er Fahrten, Lagerplätze und Palettenwechsel spart. Prüfen Sie auch, ob die Palettenhöhe zu Lkw und Regalfach passt, denn eine Lage mehr nützt nichts, wenn sie nicht ins Fach geht. Geben Sie in der Anfrage den heutigen und den gewünschten Faktor an. Fehlen die Zahlen, rechnet jeder Anbieter mit seinem eigenen Lagenbild, und die Angebote lassen sich nicht vergleichen.

Palettenkontrolle

Intralogistik

Automatische Prüfung von Paletten auf Maßhaltigkeit und Schäden, entweder als leere Palette vor dem Palettierer oder als beladene Palette vor dem Hochregallager. Sensoren wie Lichtgitter, Laserscanner oder Kameras messen die Außenmaße, den Überstand der Ladung und sichtbare Schäden wie gebrochene Bretter und Kufen. Eine Waage kann zusätzlich das Gewicht gegen den Sollwert prüfen. Paletten außerhalb der Toleranz werden ausgeschleust oder vor dem Regal gestoppt. Der Grund ist, dass schadhafte Ladungsträger Fördertechnik und Regalbediengerät blockieren und eine Ladung aus dem Regal fallen kann.

Aus der Praxis

Eine schadhafte Palette blockiert die Anlage oder kippt im Regal, und beides passiert gern nachts. Bei Mehrwegpaletten aus dem Pool lohnt sich die automatische Kontrolle ab mittlerer Stückzahl, denn Tauschpaletten kommen in sehr unterschiedlichem Zustand an. Für Einwegpaletten reicht meist die Eingangsprüfung beim Lieferanten, vorausgesetzt, die Spezifikation ist vereinbart und steht in der Bestellung. Legen Sie außerdem fest, wohin die ausgeschleuste Palette läuft und wer sie nachts herunternimmt, sonst steht die Linie wegen einer einzigen Palette. Stellen Sie die Grenzwerte auch nicht zu eng ein: Eine Kontrolle, die ständig falsch auslöst, wird irgendwann abgeklemmt.

Palettenmagazin

Verpackungstechnik

Vorrichtung am Ende einer Verpackungslinie zur Bevorratung und Vereinzelung leerer Paletten, die dem Palettierer automatisch zugeführt werden. Ein Stapel wird abgestellt, die unterste Palette ausgeklinkt und auf die Förderstrecke abgesenkt, der Rest des Stapels bleibt gehalten. Kapazität, zulässige Palettenqualität und Palettentypen bestimmen Laufzeit ohne Staplereinsatz und Störhäufigkeit. Beschickt wird das Magazin mit Gabelstapler oder Hubwagen. Es ist meist ein eigenes Modul vor dem Palettierer.

Aus der Praxis

Palettenmagazine sind Kleinigkeiten, die den Palettierer zum Stillstand bringen. Schuld sind gebrochene Bretter, herausstehende Nägel, verzogene Paletten oder gemischte Palettentypen im Stapel. Vereinbaren Sie mit dem Einkauf, welche Palettenqualität angeliefert wird, und setzen Sie eine Kontrollstation davor, wenn Tauschpaletten laufen. Die Magazinkapazität sollte mindestens eine Stunde Laufzeit abdecken, damit der Staplerfahrer nicht zum Taktgeber wird. Prüfen Sie auch den Platz für den Nachschub. Muss der Stapler zum Nachfüllen quer durch die Packzone fahren, ist der Ärger mit dem Personenschutz vorprogrammiert. Ein Zugang von außen oder ein eigener Fahrweg vermeidet das.

Palettenplatz

Intralogistik

Definierte Position für eine Palette, etwa in der Palettierzelle als Aufnahmeplatz oder Wechselplatz, im Lager oder am Bereitstellplatz. In einer Palettierzelle gibt es Plätze für Leerpaletten, für die Palette in Bearbeitung und für fertig gepackte Paletten, die auf den Abtransport warten. Je nach Anlage sind die Plätze am Boden markiert oder auf einer Rollenbahn angeordnet. Die Anzahl der Palettenplätze bestimmt, wie lange die Linie ohne Staplereingriff durchläuft, und ist deshalb ein Kriterium in der Ausschreibung. Im Lager ist ein Palettenplatz ein Stellplatz im Regal oder im Blocklager, der im Lagerverwaltungssystem geführt wird.

Aus der Praxis

Palettenplätze sind die stille Reserve jedes Layouts. Leerpaletten, Vollpaletten, Zwischenlagen, Folie und Ausschuss brauchen alle Fläche und Wege. Wer beim Layout nur die Maschine einplant, stellt später Paletten in den Fahrweg. Rechnen Sie pro Linienende mindestens die Plätze für eine Schicht ein, in der kein Stapler abtransportiert, und dazu Stellfläche für Formatteile und Reinigungsgeräte. Der Stapler braucht obendrein Platz zum Rangieren, und der gehört nicht auf den Palettenplatz. Ziehen Sie die Bodenmarkierung gleich im Layout mit und halten Sie sie nach dem Einzug ein. Nach einem halben Jahr stehen sonst die Leerpaletten dort, wo die Fluchtwege sein sollten.

Palettenüberstand

Intralogistik

Überstehen der Kartons über die Grundfläche der Palette. Der Überstand nimmt den unteren Kartonlagen die Auflage, wodurch die Stapelfestigkeit deutlich sinkt. Außerdem führt er zu Kantenschäden beim Handling, zu Problemen in Fördertechnik und Regalen und zu Reklamationen des Handels. Unterstand verschenkt dagegen Ladefläche und verschlechtert die Standsicherheit der Ladung. Wie viel Überstand zulässig ist, legen Kunde oder Spedition fest. Er entsteht durch ein ungeeignetes Packschema, durch Toleranzen am Karton, durch verrutschte Lagen oder durch ausgebauchte Kartons.

Aus der Praxis

Überstand kostet Stapelfestigkeit und Kartons, Unterstand kostet Frachtraum. Beides entsteht, wenn Kartonaußenmaß und Packschema nicht zusammenpassen. Prüfen Sie bei jeder Kartonänderung das Packschema neu, denn zweiwellige Qualitäten und Feuchte verändern das Außenmaß. Gefüllte Kartons bauchen außerdem aus, messen Sie deshalb am vollen Karton und nicht am leeren Zuschnitt. Der Handel prüft Überstand und Höhe im Wareneingang und lehnt Paletten ab. Eine Konturenkontrolle vor dem Stretchwickler fängt Ausreißer, ersetzt aber keine saubere Planung. Legen Sie mit dem Kunden fest, wie viel Überstand er noch akzeptiert, bevor die erste Palette zurückkommt.

Palettenwechsler

Intralogistik

Einrichtung, die an einer Palettierstation volle Paletten gegen leere tauscht, sodass die Linie ohne Unterbrechung weiter stapeln kann. Dazu gehören ein Magazin für Leerpaletten, ein Wechselplatz und eine Abgabebahn für die volle Palette. Der Begriff wird auch für Umpalettiergeräte verwendet, die die Ladung ganz oder lagenweise von einer Palette auf eine andere setzen, etwa von Holz auf eine Hygienepalette (H1) am Eingang zum Hygienebereich oder von Einweg auf Euro. Automatische Ausführungen ersetzen die Handarbeit mit Stapler und Hubwagen.

Aus der Praxis

Ein automatischer Palettenwechsler am Palettierer verhindert den häufigsten Stillstand am Linienende. Die Palette ist voll, und der Stapler ist nicht da. Alternativen sind ein Palettierer mit zwei Plätzen oder ein Rollenbahnpuffer für zwei bis drei Paletten. Welche Lösung passt, hängt vom Takt und von der Staplerverfügbarkeit ab, und die Zahlen dafür liefert eine Stillstandsanalyse am Linienende. Fragen Sie den Lieferanten, wie lange der Wechsel dauert und ob die Maschine in dieser Zeit weiter produziert oder auf einen Puffer sammelt. Ein Wechsler, der die Linie jedes Mal kurz anhält, verschiebt das Problem nur. Beim Umsetzen von Holz auf Hygienepalette bleiben die Holzpaletten vor der Schleuse, und das sollte jeder in der Schicht wissen.

Palettierer

Verpackungstechnik

Maschine, die Kartons, Trays oder Säcke lagenweise auf Paletten stapelt, entweder konventionell als Lagenpalettierer oder als Roboterzelle. Der Lagenpalettierer bildet eine ganze Lage aus mehreren Packstücken und setzt sie auf einmal ab, der Roboter greift einzeln oder in kleinen Gruppen. Auswahlkriterien sind Leistung, Lagenbilder, Zahl der Palettenplätze, Platzbedarf und Sicherheitskonzept. Zum Umfeld gehören Palettenmagazin, Zwischenlagen und Stretchwickler. Ein häufig unterschätztes Ausschreibungsthema mit vielen versteckten Kosten.

Aus der Praxis

Welche Technik passt, ob Roboter, Portal oder Lagenpalettierer, ergibt sich aus dem Anforderungsprofil: Kartons pro Minute, Zahl der Formate, Packmuster mit Zwischenlagen, verfügbare Fläche, Personal. Ein Roboter ist flexibel, ein Lagenpalettierer schnell, ein Cobot günstig bei kleinen Takten. Lassen Sie sich Packmuster und Stabilität mit Ihren Kartons nachweisen, das ist der häufigste Streitpunkt bei der Abnahme. Ich lasse eine fertige Palette immer einmal bis ins Lager fahren, über den Stretchwickler und mit dem Stapler, und nicht bloß am Förderer stehen. Erst dort zeigt sich, ob das Packmuster hält. Schauen Sie sich auch an, wie schnell ein Bediener bei einer Störung an die Palette kommt. Je weiter der Weg durch Türen und Schutzzäune, desto länger dauert jede Kleinstörung.

Paperless

Digitalisierung & KI

Paperless-ngx ist ein quelloffenes Dokumentenmanagementsystem, das gescannte und digitale Dokumente per Texterkennung (OCR) durchsuchbar macht, automatisch verschlagwortet und nach Korrespondent, Dokumenttyp und Datum ablegt. Eingehende Dateien werden aus einem Eingangsordner übernommen, der Text wird ausgelesen und das Dokument mit Schlagworten versehen. Dank der Texterkennung läuft die Suche über den Inhalt und nicht allein über den Dateinamen. Wie lange Unterlagen aufbewahrt werden müssen, regeln Handels- und Steuerrecht und nicht die Software.

Aus der Praxis

Rechnungen, Lieferscheine, Verträge: Bei POWERJO landet alles in Paperless und ist in Sekunden wiedergefunden. Für Projektabteilungen ist derselbe Ansatz interessant. Abnahmeprotokolle, Zertifikate und Lieferantenunterlagen sind bei einem Audit sofort greifbar, statt in drei Ordnern und einem Postfach zu stecken. Die Ablage funktioniert nur mit Disziplin. Scannen Sie ein Dokument beim Eingang und nicht erst Wochen später. Legen Sie wenige Dokumenttypen fest und halten Sie sich daran, sonst wächst die Schlagwortliste, bis keiner sie mehr überblickt. Klären Sie mit Ihrem Steuerberater, welche Papieroriginale Sie nach dem Scannen aufheben müssen.

Pareto-Analyse

Kennzahlen

Auswertung nach dem Pareto-Prinzip, auch 80/20-Regel genannt: Wenige Ursachen verursachen den Großteil der Wirkung. Angewandt auf Verluste ordnet sie Stillstände, Ausschussursachen oder Transportwege nach Häufigkeit oder Dauer und zeigt, wo eine Maßnahme den größten Effekt hat. Dargestellt wird sie als Pareto-Diagramm mit absteigend sortierten Balken und einer Linie für den kumulierten Anteil. Die Aufteilung 80 zu 20 ist ein Erfahrungswert und trifft selten genau zu. Das Ergebnis hängt davon ab, ob nach Anzahl oder nach Gesamtdauer sortiert wird.

Aus der Praxis

An Verpackungslinien zeigt die Pareto-Analyse der Stillstände fast immer dasselbe Bild. Wenige Ursachen verursachen einen großen Anteil der Verluste. Sortieren Sie nach Gesamtdauer und nicht nach Anzahl, denn ein seltener, aber langer Stillstand ist oft wichtiger als viele Mikrostopps. Achten Sie auf die größte Säule im Diagramm. Heißt sie Sonstiges, taugt die Erfassung noch nicht, und Sie sollten zuerst den Störgrundkatalog nachschärfen. Das Ergebnis ist die Prioritätenliste für die nächsten Wochen. Wiederholen Sie die Auswertung nach den ersten Maßnahmen, dann sehen Sie, ob die große Säule wirklich kleiner geworden ist.

Passivieren (Edelstahl)

Maschinenbau & Komponenten

Chemische Nachbehandlung von nichtrostendem Stahl, bei der die schützende Chromoxidschicht an der Oberfläche gezielt aufgebaut oder wiederhergestellt wird. Edelstahl bildet diese Passivschicht an der Luft von selbst, sie wird aber durch Schweißen, Schleifen oder Eisenabrieb von fremden Werkzeugen gestört. Vor dem Passivieren werden Anlauffarben und die darunterliegende chromverarmte Zone durch Beizen entfernt, meist mit Gemischen aus Salpeter- und Flusssäure als Beizbad oder Beizpaste. Das eigentliche Passivieren erfolgt mit oxidierenden Säuren wie Salpeter- oder Zitronensäure, danach wird gründlich mit sauberem Wasser gespült. In Lebensmittel- und Pharmaanlagen gehört das Beizen und Passivieren von Rohrleitungen und Behältern in der Regel zur Fertigstellung.

Aus der Praxis

Rost auf Edelstahl ist oft Fremdrost. Jemand hat mit dem Winkelschleifer, der vorher am Stahlträger war, eine Kante entgratet oder die Schweißnaht mit einer normalen Stahlbürste gereinigt. Die eingeriebenen Eisenpartikel rosten, und von außen sieht es aus, als sei der Edelstahl schlecht. Schreiben Sie in die Baustellenordnung, dass an Edelstahl nur Werkzeug für Edelstahl benutzt wird, und kontrollieren Sie das während der Montage auch. Bei Rohrleitungen, die vor Ort gebaut werden, lassen Sie sich schriftlich bestätigen, ob und wie gebeizt und passiviert wurde. Beizpaste ist kein Spielzeug. Sie enthält meist Flusssäure, braucht Schutzausrüstung, und das Spülwasser darf nicht einfach in den Gully. Arbeiten mit Beizpaste gehören deshalb in die Arbeitsfreigabe.

Peelfolie

Verpackungstechnik

Deckel- oder Verschlussfolie mit einer Siegelschicht, die sich nach dem Siegeln kontrolliert und ohne Zerreißen wieder vom Gegenmaterial abziehen lässt. Die Peelkraft wird in Newton je 15 mm Streifenbreite angegeben. Man unterscheidet Systeme, bei denen die Trennung in der Siegelschicht, im Verbund oder an der Grenzfläche erfolgt. Eingesetzt wird die Peelfolie als Deckel auf Schalen und Bechern, etwa bei Käse, Wurst oder Fertiggerichten. Das Gegenmaterial muss zur Siegelschicht passen, sonst lässt sich keine definierte Peelkraft einstellen.

Aus der Praxis

Peelbarkeit ist ein Balanceakt. Ist die Naht zu fest, reißt der Verbraucher die Schale auf, ist sie zu schwach, öffnet sich die Packung im Regal oder beim Transport. Die Peelkraft hängt von Schale, Deckelfolie, Siegeltemperatur und Siegelzeit ab. Prüfen Sie sie nach der Lagerung und nicht allein frisch von der Maschine, denn sie kann sich mit der Zeit verändern. Bei Reklamationen aus dem Handel hilft nur eine dokumentierte Peelkraft-Spezifikation mit Toleranzband. Fragen Sie auch, wie sich die Naht bei Kälte und bei Wärme verhält, wenn die Packung im Kühlregal steht und später im Auto des Kunden liegt. Eine Anfasslasche an der Deckelfolie erleichtert das Öffnen und gehört in die Zeichnung.

PET (Polyester)

Verpackungstechnik

Polyethylenterephthalat, ein Polyester mit hoher Festigkeit, Klarheit und Temperaturbeständigkeit. Als biaxial gereckte Folie (BOPET) dient es als Trägerschicht in Verbunden und Deckelfolien. Als amorphes APET ist es Werkstoff für Tiefziehschalen, Flaschen werden aus Preforms im Streckblasverfahren gefertigt. Kristallines CPET wird für ofenfeste Schalen eingesetzt. PET ist gut recycelbar, mit etabliertem Kreislauf. Siegelbar ist PET nur über eine zusätzliche Siegelschicht oder einen Siegellack. Die Sauerstoff- und Aromabarriere ist besser als bei PE und PP, gegen Wasserdampf sperrt PET schlechter.

Aus der Praxis

PET-Schalen sind steif und klar, ohne Siegelschicht aber nicht verschließbar. Schale und Deckelfolie müssen als System freigegeben werden, sonst peelt die Naht unkontrolliert. Das zeigt sich oft erst nach der Lagerung. Bei rPET im Lebensmittelkontakt verlangen Sie den Nachweis eines zugelassenen Recyclingverfahrens. PET verträgt Hitze besser als PE, aber Tiefziehformen und Schrumpfverhalten reagieren empfindlich auf Materialwechsel. Jede neue Rezeptur gehört in den Probelauf. Bei klaren Schalen sieht man Produktreste in der Siegelnaht sofort, das erleichtert die Kontrolle am Band. Klären Sie bei Kühlware mit dem Lieferanten, ob die Schale beschlagfrei sein muss, weil Kondenswasser am Deckel die Sicht auf die Ware nimmt.

Pflichtenheft

Projektleitung & CAPEX

Dokument, in dem der Lieferant beschreibt, wie und womit er die Anforderungen des Auftraggebers umsetzt. Es antwortet auf das Lastenheft, das festlegt, was die Anlage leisten soll. Das Pflichtenheft enthält die technische Lösung mit Funktionsbeschreibung, Aufbau, Leistungsdaten, Schnittstellen und eingesetzten Komponenten sowie Abweichungen und Ausschlüsse gegenüber dem Lastenheft. Es entsteht je nach Vorhaben mit dem Angebot oder nach der Beauftragung und wird vom Auftraggeber freigegeben. Mit der Freigabe ist es die verbindliche technische Vertragsgrundlage.

Aus der Praxis

Ich lege Lastenheft und Pflichtenheft nebeneinander und hake jede Anforderung einzeln ab. So fällt auf, was fehlt, was nur sinngemäß erfüllt wird und wo Ausschlüsse oder bauseitige Leistungen stehen, die Sie nicht auf dem Zettel hatten. Achten Sie darauf, dass Leistungsangaben einen Bezug haben: für welches Produkt, welches Packmittel und welchen Betriebszustand sie gelten. Was im Pflichtenheft nicht steht, kommt später als Nachtrag. Der Abgleich ist mühsam, aber nach der Unterschrift ist jeder Nachtrag teurer. Geben Sie das Dokument erst frei, wenn alles geklärt ist, auch wenn der Terminplan drückt. Mit der Freigabe haben Sie es sich nämlich zu eigen gemacht, und der Lieferant wird sich bei jedem Streit auf genau diesen Stand berufen.

Pick-and-Place

Automatisierung & Robotik

Automatisiertes Greifen und Ablegen einzelner Produkte, etwa von Riegeln in Trays oder Beuteln in Kartons. Eingesetzt werden meist Deltaroboter, SCARA-Roboter oder Knickarmroboter, die das Produkt mit Sauger oder Greifer aufnehmen. Die Produkte kommen auf einem Band an, eine Kamera erkennt ihre Lage, und die Robotersteuerung greift sie über die Bandverfolgung, ohne das Band anzuhalten. Deltaroboter sind besonders schnell und eignen sich für leichte Produkte, Knickarme bewältigen größere Lasten und vielseitigere Bewegungen. In der Linie steht Pick-and-Place dort, wo Produkte aus einem ungeordneten oder bewegten Strom in eine feste Ordnung gebracht werden, und ersetzt das Einlegen von Hand.

Aus der Praxis

Der Roboter ist selten das Problem. Die Leistung hängt an der Produktzuführung und an der Bilderkennung. Läuft das Produkt schief ein, klebt zusammen oder liegt übereinander, greift auch der schnellste Delta ins Leere. Testen Sie deshalb mit genau solchen Produkten und nicht mit den schönen Mustern vom Verkaufstermin. Fragen Sie, mit welcher Belegung des Bandes die genannte Taktzahl gemessen wurde. Klären Sie außerdem, was mit Produkten passiert, die die Kamera sieht, der Roboter aber nicht greifen kann. Es braucht einen Ausschleusweg oder eine Rückführung, sonst läuft das Band irgendwann voll. Greiferwechsel für neue Formate sollten in Minuten gehen, nicht in Schichten.

PID-Regler

Maschinenbau & Komponenten

Regler, der aus der Abweichung zwischen Soll- und Istwert eine Stellgröße berechnet und dafür drei Anteile kombiniert. Der Proportionalanteil reagiert im Verhältnis zur aktuellen Abweichung, der Integralanteil summiert die Abweichung über die Zeit und beseitigt so die bleibende Regelabweichung. Mit dem Differentialanteil reagiert der Regler auf die Änderungsgeschwindigkeit und dämpft Überschwingen. Oft genügt ein PI-Regler ohne D-Anteil. Umgesetzt wird der Regler als Funktionsbaustein in der SPS oder als Kompaktgerät. In Verpackungsmaschinen regelt er typischerweise die Temperatur an Siegelwerkzeugen, die Bahnspannung und den Füllstand in Vorlagebehältern. Die Parameter werden bei der Inbetriebnahme eingestellt, viele Geräte bieten eine Selbstoptimierung.

Aus der Praxis

PID-Regler werden einmal bei der Inbetriebnahme eingestellt und dann nicht mehr angefasst, bis etwas schwingt. Dann dreht jemand an den Parametern, bis es ruhig wird, und schreibt nicht auf, was vorher drinstand. Lassen Sie sich die eingestellten Werte je Regelkreis in der Dokumentation übergeben und sichern Sie sie mit dem Steuerungs-Backup. Die Selbstoptimierung ist praktisch, liefert aber Werte für den Zustand, in dem sie gelaufen ist. Eine Siegelbacke, die im Leerlauf optimiert wurde, verhält sich mit kalter Folie im vollen Takt anders. Probieren Sie bei der Abnahme deshalb den Anlauf nach einer Pause und einen Formatwechsel aus und schauen Sie, wie lange die Temperatur braucht, bis sie wieder im Fenster liegt. Schwingt ein Regelkreis, liegt es nicht immer am Regler. Oft sitzt der Fühler schlecht, oder das Stellglied ist zu groß.

PL / SIL

Automatisierung & Robotik

Klassifizierung der Zuverlässigkeit von Sicherheitsfunktionen. Der Performance Level reicht von PL a bis e und ist in ISO 13849-1 beschrieben, der Safety Integrity Level von SIL 1 bis 3 in IEC 62061. Grob entspricht PL d dem SIL 2 und PL e dem SIL 3. Der erforderliche Level ergibt sich aus der Risikobeurteilung. Erreicht wird er von der gesamten Sicherheitsfunktion aus Sensor, Logik und Aktor und hängt von der Architektur, der Ausfallwahrscheinlichkeit der Bauteile, der Diagnosedeckung und den Maßnahmen gegen Fehler gemeinsamer Ursache ab.

Aus der Praxis

Im Datenblatt einer Lichtschranke steht ein PL. Auf der Maschine zählt aber der PL der ganzen Sicherheitsfunktion, also Sensor, Logik und Abschaltung zusammen. Der geforderte Level kommt aus der Risikobeurteilung und nicht aus dem Katalog. Lassen Sie sich bei der Abnahme die Validierung der Sicherheitsfunktionen zeigen. Sie gehört zur technischen Dokumentation, samt Berechnung des erreichten Levels je Funktion. Greifen Sie sich Stichproben heraus, zum Beispiel Schutztür und Not-Halt, und sehen Sie nach, ob dahinter Nachweise liegen oder nur Behauptungen. Nach einem Umbau gehört die Bewertung wieder auf den Tisch, denn der alte Nachweis gilt nur für den alten Stand.

Planetengetriebe

Maschinenbau & Komponenten

Getriebe, bei dem mehrere Planetenräder um ein mittiges Sonnenrad laufen und gleichzeitig in ein außen liegendes Hohlrad greifen. Sie sitzen auf einem Planetenträger, der meist den Abtrieb bildet. Weil sich die Last auf mehrere Zahneingriffe verteilt, überträgt das Getriebe hohe Drehmomente auf kleinem Bauraum, und An- und Abtrieb liegen auf einer Achse. Für größere Übersetzungen werden zwei oder mehr Stufen hintereinander gesetzt. In Verpackungsmaschinen sitzen Planetengetriebe vor allem an Servomotoren, als spielarme Präzisionsgetriebe mit einem Verdrehspiel von wenigen Winkelminuten. Kennwerte sind Übersetzung, Nennabtriebsmoment, Verdrehspiel, Verdrehsteifigkeit und zulässige Radialkraft am Abtrieb. Der Motor wird meist über eine Klemmnabe angebaut.

Aus der Praxis

Dem Planetengetriebe selbst passiert selten etwas. Ärger macht eher die Verbindung zum Motor. Die Klemmnabe braucht das richtige Anziehdrehmoment, und ob eine Motorwelle mit Passfeder in die Nabe darf, steht in der Anleitung des Getriebeherstellers und nicht im Gedächtnis des Monteurs. Rutscht die Welle in der Nabe durch, verliert die Achse ihre Position, und der Fehler wird gern erst einmal beim Regler gesucht. Schauen Sie auch auf die Kräfte am Abtrieb. Ein Zahnriemenrad, das weit vor dem Lager sitzt und kräftig gespannt ist, belastet das Abtriebslager mehr, als der Katalog erlaubt. Wenn Sie Ersatz lagern, achten Sie auf die genaue Übersetzung und den passenden Motoranbau. Ein Getriebe mit i gleich 7 hilft wenig, wenn die Maschine auf i gleich 10 parametriert ist.

Pneumatik

Maschinenbau & Komponenten

Antriebs- und Steuerungstechnik mit Druckluft. Zylinder, Greifer und Ventile erzeugen schnelle, einfache Bewegungen an Verpackungsmaschinen. Ein Kompressor verdichtet die Luft, Aufbereitung und Verteilung führen sie über Leitungen und Wartungseinheiten zu den Verbrauchern, Ventile steuern Richtung und Durchfluss. Die Bauteile sind günstig in der Anschaffung und teuer im Betrieb, weil die Drucklufterzeugung viel Energie braucht und Leckagen Verluste verursachen. Pneumatische Bewegungen laufen meist zwischen zwei mechanischen Endlagen, Zwischenpositionen sind aufwendig.

Aus der Praxis

Druckluft ist bezogen auf die nutzbare Arbeit deutlich teurer als Strom im Elektroantrieb. Leckagen an alten Maschinen sind deshalb ein unsichtbarer Dauerverlust, den Sie am besten in der Pause hören, wenn die Halle still ist. Prüfen Sie Verbrauch und Leckagen im Effizienztag und ersetzen Sie Dauerbewegungen durch Servoantriebe. Legen Sie außerdem die Luftqualität für den Lebensmittelkontakt fest, mit Filter und Trockner. Fragen Sie den Lieferanten nach dem Luftverbrauch der Maschine und lassen Sie ein Absperrventil einbauen, mit dem sich die Maschine am Wochenende vom Netz trennen lässt. Eine Anlage, die nichts produziert, soll auch keine Luft verlieren.

Pneumatikzylinder

Maschinenbau & Komponenten

Linearer Druckluftantrieb für Hub- und Klemmbewegungen, einfach- oder doppeltwirkend, mit Endlagendämpfung und Magnetsensoren zur Positionsabfrage. Genormte Bauformen sind Profil- und Zugankerzylinder nach ISO 15552 und Rundzylinder nach ISO 6432. In Verpackungsmaschinen übernehmen sie Stopper, Schieber, Greifer und Pressbewegungen. Beim einfachwirkenden Zylinder bringt eine Feder den Kolben zurück, der doppeltwirkende wird in beide Richtungen mit Druck beaufschlagt. Die Geschwindigkeit wird über Drosselrückschlagventile eingestellt, ein Magnet am Kolben schaltet die Sensoren.

Aus der Praxis

Zylinder sind billig, ihr Luftverbrauch nicht. Prüfen Sie bei Neuanlagen, ob häufige Bewegungen nicht besser elektrisch laufen: Servoachsen sind einstellbar und liefern Diagnose. Wo Pneumatik bleibt, achten Sie auf Endlagendämpfung, korrekt gesetzte Drosseln und die Abfrage beider Endlagen. Ein Zylinder ohne Sensor ist eine klassische Ursache unerklärlicher Mikrostopps. Mit Sensor ist die Meldung nur so gut wie dessen Sitz, und der Sensor rutscht in seiner Nut nach einem Umbau gern ein Stück. Klären Sie bei senkrechten Bewegungen, was bei Druckabfall passiert, ob der Zylinder stehen bleibt oder absackt. Das gehört in die Risikobeurteilung. Im Hygienic Design nehmen Sie Edelstahlausführungen mit glatten Oberflächen.

Poka Yoke

Kennzahlen

Technische Vorkehrungen, die Fehler unmöglich machen, statt sie nur zu finden. Der Ansatz stammt aus dem Toyota-Produktionssystem und geht auf Shigeo Shingo zurück. Das Formatteil passt nur in richtiger Lage, der Stecker nur in die richtige Buchse. Man unterscheidet Lösungen, die den Fehler verhindern, von solchen, die ihn sofort melden oder die Maschine anhalten. Beispiele sind Kodierungen an Formatteilen, Sensoren, die falsche Zuschnitte erkennen, und Anschläge mit eindeutiger Position. Die billigste Qualitätssicherung ist die, die das Prüfen überflüssig macht.

Aus der Praxis

Poka Yoke an Verpackungslinien ist oft simpel. Formatteile mit Kodierung, die nur in einer Lage passen, farbige Markierungen an Einstellpositionen, Sensoren, die einen falschen Zuschnitt erkennen. Diese kleinen Lösungen verhindern die teuersten Fehler, etwa die falsche Folie auf dem Produkt oder das falsche Etikett. Sammeln Sie die Fehler aus der Stillstandsanalyse und fragen Sie sich bei jedem einzelnen, wie er unmöglich wird. Ein Klassiker ist der Formatteilsatz, der symmetrisch gebaut ist und deshalb auch falsch herum passt. Eine Nase auf einer Seite löst das. Oft reicht auch ein eingesetzter Stift oder ein anderer Lochabstand. Eine Anweisung an den Bediener, besser aufzupassen, ist kein Poka Yoke, sondern ein Wunsch.

Polyamid (PA)

Verpackungstechnik

Kunststoff mit hoher Zähigkeit, Durchstoßfestigkeit und guter Aroma- und Sauerstoffbarriere, sehr gut tiefziehfähig und temperaturbeständig. Als Schicht in PA/PE-Verbunden ist Polyamid Standard für Vakuum- und Tiefziehverpackungen von Fleisch, Käse und Wurst. Die Verbunde werden coextrudiert oder kaschiert, die PE-Seite dient als Siegelschicht. Als gereckte Folie (BOPA) kommt PA in dünnen Verbunden mit hoher Durchstoßfestigkeit zum Einsatz. Nachteil ist die Feuchte: PA nimmt Wasser auf, wodurch die Barrierewirkung sinkt, und es erschwert das Recycling des Verbunds.

Aus der Praxis

PA/PE-Verbunde sind der Grund, warum Tiefziehverpackungen für Fleisch so widerstandsfähig sind. Sie sind auch der Grund, warum diese Packungen beim Mindeststandard zur Recyclingfähigkeit schlecht abschneiden. Wer auf PE-Mono-Material umstellt, verliert Tiefziehtiefe und Durchstoßfestigkeit und muss Formatteile und Prozessparameter des Thermoformers neu abstimmen. Rechnen Sie dafür Wochen mit Musterläufen ein und nicht Tage, und holen Sie den Folienlieferanten früh dazu. Fragen Sie auch nach der Rollenlagerung, denn PA nimmt Feuchte auf und verhält sich dann anders. Ich schaue bei jeder Umstellung zuerst auf das Produkt mit den schärfsten Kanten, bei Fleisch also auf Knochen, denn dort gibt die dünnere Folie zuerst nach.

Polyethylen (PE-LD / PE-HD)

Verpackungstechnik

Meistverwendeter Verpackungskunststoff aus der Gruppe der Polyolefine, teilkristallin und leichter als Wasser. PE-LD (Low Density) ist weich, dehnbar und gut siegelbar, typisch für Beutel, Schrumpffolie und Siegelschichten in Verbunden. PE-LLD ist die Basis von Stretchfolien. PE-HD (High Density) ist steifer, fester und opaker und kommt bei Flaschen, Kanistern, Deckeln und dünnen Tragetaschen vor. Folien entstehen meist im Blasfolienverfahren, oft mehrschichtig coextrudiert. PE hat eine geringe Wasserdampfdurchlässigkeit, aber eine schlechte Sauerstoffbarriere und erweicht schon bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen.

Aus der Praxis

PE verzeiht in der Verarbeitung viel, nur Hitze verträgt es nicht. Heißabfüllung und Sterilisation überfordern den Werkstoff, dafür braucht es PP oder PET. Bei Folien lohnt der Blick auf die Rezeptur. Slip- und Antiblockmittel verändern Reibwert und Siegelverhalten, und ein Lieferantenwechsel mit gleichem PE bedeutet selten gleiches Laufverhalten. Weil die weiche Folie sich dehnt, reagiert sie auf zu hohe Bahnspannung: Das Druckbild wandert, und die Folie wird dünner. Für Monomaterial ist PE mit EVOH-Barriere eine gängige Alternative zu PA/PE-Verbunden. Planen Sie dafür eigene Versuche ein, denn die Folie läuft anders als der Verbund, den sie ersetzt.

Polypropylen (PP / BOPP)

Verpackungstechnik

Teilkristalliner Kunststoff aus der Gruppe der Polyolefine, steifer und temperaturbeständiger als PE und damit geeignet für Heißabfüllung und Mikrowelle. Biaxial gereckte Folie (BOPP) ist klar, glänzend und reißfest und gilt als Standard für Flowpack- und Etikettenfolien. Sie wird häufig mit coextrudierten Siegelschichten geliefert, weil BOPP allein schlecht siegelt. Auch metallisierte und opake Ausführungen sind üblich. Ungerecktes Cast-PP (CPP) dient als Siegelschicht in Verbunden. Becher, Schalen und Verschlüsse werden spritzgegossen oder thermogeformt. Schwächen sind Versprödung bei Kälte und eine begrenzte Sauerstoffbarriere.

Aus der Praxis

BOPP läuft auf Schlauchbeutelmaschinen schnell und sauber, wenn Siegelschicht, Reibwert und Dicke zur Maschine passen. Wer die Folie wechselt, sollte Siegeltemperaturfenster und Bahnlauf neu einstellen und sich nicht auf die Werte der alten Rolle verlassen. Bei Tiefkühlware wird PP unter null spröde, Risse an Siegelnaht und Falz sind dann kein Maschinenfehler. Fragen Sie den Lieferanten nach einer Ausführung für Tiefkühlung, bevor Sie an der Maschine suchen. Für Becher und Schalen im Heißfüll- oder Mikrowellenbereich ist PP meist die wirtschaftlichere Wahl gegenüber PET. Lassen Sie die Schalen im Heißfüllversuch laufen, denn ein Verzug zeigt sich erst im Betrieb und nicht im Datenblatt.

Pönale

Kaufmännisches

Vertraglich vereinbarte Zahlung bei Nichterfüllung oder verspäteter Erfüllung, auch Vertragsstrafe genannt. Typisch ist sie bei Terminverzug, dann als Prozentsatz der Auftragssumme je Verzugswoche mit einer Obergrenze, oder bei einer verfehlten Leistungsgarantie. Sie wirkt vor allem vorbeugend: Ein Lieferant mit Pönale im Vertrag priorisiert das Projekt anders. Wie hoch sie wirksam vereinbart werden kann, regeln Vertrag und gesetzliche Vorgaben, die Formulierung klärt man mit dem Juristen.

Aus der Praxis

Eine Pönale für Terminverzug steht in vielen Verträgen und funktioniert nur, wenn die Meilensteine eindeutig sind. Schreiben Sie auf, welches Ereignis den Verzug ausmacht, zum Beispiel die Lieferung ab Werk oder die bestandene Werksabnahme. Legen Sie ebenso fest, was Sie selbst beisteuern müssen. Sonst zeigt der Lieferant auf verspätete Muster oder fehlende Freigaben und rechnet Ihnen die Verzögerung vor. Eine Pönale ersetzt keine Projektsteuerung. Wer den Terminplan jeden Monat mit dem Lieferanten abgleicht, muss sie selten ziehen. Und wer sie zieht, hat meist ein Projekt, das schon vorher aus dem Ruder lief. Lassen Sie die Klausel mit Einkauf oder Jurist formulieren, Höhe und Deckel sind verhandelbar.

Portalroboter

Automatisierung & Robotik

Kartesisches Achssystem, bei dem Linearachsen in den drei Raumrichtungen X, Y und Z auf einem Portal über dem Arbeitsraum angeordnet sind, oft ergänzt um eine Drehachse am Greifer. Gebaut wird es als Portal mit beidseitiger Lagerung oder als Ausleger mit einseitiger Lagerung. Die Achsen werden meist über Zahnriemen oder Zahnstangen angetrieben und lassen sich auf große Flächen und hohe Traglasten skalieren. Typische Anwendungen sind die Lagenpalettierung und die Kommissionierung. Gegenüber dem Knickarmroboter ist das Portal weniger flexibel, dafür raumeffizient über der Linie, und seine Bahnen sind leicht zu berechnen.

Aus der Praxis

Zum Portalroboter greifen Sie, wenn Fläche und Last für einen Knickarm zu groß werden, etwa bei einer Zelle, die mehrere Linien palettiert, oder bei sperrigen Produkten. Beim Takt wird er schnell zäh, weil lange Achsen samt Masse bewegt werden. Im Bestand schauen Sie zuerst auf die Hallenhöhe. Ein Portal, das nicht unter die Kranbahn passt, ist keine Option. Danach kommen die Stützen, die Platz und einen tragfähigen Boden brauchen. Fragen Sie auch, wie Sie an Schmierstellen, Riemen und Schleppketten herankommen. Was mehrere Meter über der Linie hängt, wartet sich nicht von allein, und ohne Hubbühne wird jeder Wechsel zur Kletterpartie.

PPWR (EU-Verpackungsverordnung)

Qualität & Sicherheit

Die Packaging and Packaging Waste Regulation der EU (Verordnung (EU) 2025/40), in Kraft seit Februar 2025 und anwendbar ab August 2026. Sie löst die frühere Verpackungsrichtlinie ab und gilt unmittelbar in den Mitgliedstaaten. Sie setzt gestufte Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile, Leerraum und Kennzeichnung von Verpackungen, dazu kommen Stoffbeschränkungen und Vorgaben zur Wiederverwendung. Betroffen sind Hersteller, Abfüller, Importeure und Händler von Verpackungen. Für Produktionsbetriebe bedeutet jede geänderte Verpackung: Formate, Packmittel und Maschinen prüfen.

Aus der Praxis

Die PPWR fordert recyclingfähige Verpackungen, Rezyklatanteile und weniger Leerraum, mit Fristen ab 2030. Für Maschinenbetreiber heißt das Materialumstellungen wie Mono-Material und dünnere Folien sowie geänderte Kartonmaße. Mono-Folien siegeln oft anders als der alte Verbund, das Siegelfenster kann enger werden. Rezyklat in der Folie schwankt eher in Dicke und Reibwert, und das merkt die Maschine zuerst. Prüfen Sie jetzt, welche Ihrer Verpackungen betroffen sind und ob die Maschinen die neuen Materialien verarbeiten. Fahren Sie Maschinenversuche mit dem neuen Material, bevor Sie Folie in Serie bestellen. Bei jeder Neuanschaffung fragen Sie nach dem Materialspektrum und nicht allein nach dem Formatbereich.

Predictive Maintenance

Automatisierung & Robotik

Instandhaltungsstrategie, bei der gewartet wird, wenn der tatsächliche Zustand einer Komponente es verlangt, und nicht nach festem Intervall. Grundlage sind Messdaten wie Schwingungen an Lagern und Getrieben, Temperaturen und Motorströme. Vom Condition Monitoring, das den Zustand erfasst und bei Grenzwertüberschreitung meldet, ist die eigentliche Vorhersage zu unterscheiden, die aus einer Datenhistorie die verbleibende Laufzeit abschätzt. Der Einstieg ist meist das Condition Monitoring. Vorhersagen brauchen Daten aus mehreren Ausfällen und Betriebszuständen und lohnen sich zuerst bei teuren, kritischen Aggregaten. Abzugrenzen sind außerdem die reaktive Instandhaltung nach dem Ausfall und die vorbeugende nach festem Zeitplan.

Aus der Praxis

Bevor jemand Sensoren an Motoren schraubt, sollte die Anlagenliste stimmen. Dazu kommen Wartungspläne, ein Ersatzteilbestand und eine ehrliche Stillstandserfassung. Fehlt das, bekommen Sie hübsche Kurven und keine bessere Instandhaltung. Die Daten von Motoren und Lagern sind meist gut. Schwieriger wird es danach, denn jemand muss die Warnung bekommen und über den Wartungstermin entscheiden, und das Ersatzteil sollte im Lager liegen. Ohne diese Kette bleibt es ein Dashboard. Fangen Sie bei den Baugruppen an, deren Ausfall am teuersten ist, meist die Antriebe an Füller und Palettierer. Grenzwerte, die zu eng gesetzt sind, lösen nachts Fehlalarme aus, und beim dritten Alarm ohne Befund schaut keiner mehr hin.

Preform

Verpackungstechnik

Spritzgegossener Rohling aus PET mit fertig ausgeformtem Gewinde, aus dem in der Streckblasmaschine die Flasche entsteht. Die Maschine erwärmt den Preform, streckt ihn mit einer Reckstange und bläst ihn in der Blasform mit Druckluft auf. Der Gewindehals bleibt dabei unverändert. Beim Zweistufenverfahren wird der Preform getrennt gespritzt und gelagert, beim Einstufenverfahren folgt das Blasen direkt auf das Spritzen. Gewicht und Design des Preforms bestimmen Flaschenqualität, Wanddickenverteilung und Materialkosten. Hals und Gewinde müssen zum Verschluss passen.

Aus der Praxis

Leichtere Preforms sparen Material, machen die Flasche aber empfindlicher am Füller, am Verschließer und auf der Palette. Jede Preformänderung ist ein Linienversuch. Dazu gehören Blasprofil, Top-Load-Test und das Verhalten im Etikettierer. Beziehen Sie Verschluss und Preform vom abgestimmten Lieferantenpaar, sonst sind Gewindeprobleme schwer zuzuordnen. Fragen Sie auch, wie der Preform ankommt und gelagert wird. Staub und Kratzer am Preform zeigen sich später als Fehler an der Flasche, und ein Chargenwechsel kann das Aufheizverhalten verschieben, ohne dass sich auf dem Papier etwas geändert hat. Heben Sie beim Wechsel des Preformlieferanten Rückstellmuster der alten Charge zum Vergleich auf.

Kombination aus Waage, Drucker und Etikettierer, die gewichtsvariable Produkte wie Fleisch, Käse oder Obst wiegt, den Preis aus Gewicht und Grundpreis berechnet und das Etikett aufbringt. Die Packung läuft über ein Wiegeband, die Waage ermittelt das Gewicht meist im Lauf, das Etikett wird gedruckt und von oben, von unten oder seitlich gespendet. Waagen im geschäftlichen Verkehr unterliegen dem Mess- und Eichrecht und müssen deshalb eichfähig sein. Das Etikett trägt je nach Vorgabe des Handels Gewicht, Preis, Grundpreis, Datumsangaben und Barcode. Die Preise kommen aus den Artikelstammdaten.

Aus der Praxis

Eichfähigkeit, Etikettenlayout nach Handelsvorgabe und die Anbindung an die Artikelstammdaten sind die Kernpunkte beim Kauf. Prüfen Sie die Leistung mit Ihrem echten Produktmix und die Zuführung dazu. Falsch ausgerichtete Packungen kosten mehr Leistung als die Waage selbst. Ich frage bei solchen Anlagen immer, wer die Preise pflegt und wie sie ins Gerät kommen. Bei Aktionspreisen und Preisänderungen kommt es auf eine saubere Datenübergabe an, und die Handeingabe am Bedienfeld ist dabei eine klassische Fehlerquelle. Fragen Sie auch, wie das Wiegeband gereinigt wird, denn Reste von Fleischsaft oder Käse beeinflussen die Wägung. Planen Sie die Rollenwechsel mit ein, denn bei hoher Leistung ist die Rolle schneller leer, als man denkt.

Preisgleitklausel

Kaufmännisches

Vertragsklausel, die den vereinbarten Preis an die Entwicklung bestimmter Kosten koppelt, etwa für Material, Energie oder Löhne. Der Preis wird in einen festen und einen oder mehrere gleitende Anteile zerlegt. Jeder gleitende Anteil ist einem Index zugeordnet, zum Beispiel einem Erzeugerpreisindex des Statistischen Bundesamts für Stahl oder Kupfer. Angepasst wird nach einer Formel, die den Indexstand am Stichtag mit dem Stand zum Basiszeitpunkt vergleicht. Zur Klausel gehören die genaue Bezeichnung der Indizes, Basis und Stichtag, gegebenenfalls eine Schwelle, unter der nicht angepasst wird, und eine Obergrenze. Üblich sind solche Klauseln bei langen Lieferzeiten und in Rahmenverträgen. Ihre Zulässigkeit regeln in Deutschland das Preisklauselgesetz und das AGB-Recht.

Aus der Praxis

Lieferanten mit langen Lieferzeiten wollen sich gegen steigende Materialpreise absichern, und das ist nachvollziehbar. Achten Sie aber darauf, worauf die Gleitung wirkt. In einer Sondermaschine steckt viel Geld in Konstruktion, Software, Montage und Inbetriebnahme, und das hängt nicht am Stahlindex. Ich akzeptiere eine Gleitung nur auf den Anteil, der tatsächlich Material ist, und nur in beide Richtungen. Sinkt der Index, sinkt auch der Preis. Als Stichtag gehört der vertragliche Liefertermin in die Klausel und nicht der tatsächliche. Sonst profitiert ein Lieferant, der zu spät liefert, auch noch vom Verzug. Lassen Sie sich bei jeder Anpassung die Berechnung mit den Indexwerten vorlegen und rechnen Sie nach. Wenn Sie eine solche Klausel in Ihre eigenen Einkaufsbedingungen aufnehmen, lassen Sie einen Juristen drüberschauen.

Primärverpackung

Verpackungstechnik

Verpackung mit direktem Produktkontakt, zum Beispiel Beutel, Flasche, Becher, Dose oder Blister. Sie schützt das Produkt vor Umwelteinflüssen und mechanischer Belastung und trägt die Produktinformation. Bei Lebensmitteln und Pharma gelten besondere Anforderungen an Konformität, Migration und Hygiene, bei Lebensmitteln regelt die Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 den Kontakt mit Materialien. Die Primärverpackung legt fest, welche Maschine das Produkt verpackt. Abgrenzung: Die Sekundärverpackung fasst mehrere Primärverpackungen zusammen, die Tertiärverpackung bildet die Ladeeinheit.

Aus der Praxis

Mit der Primärverpackung legen Sie Maschinentyp, Haltbarkeit und Recyclingfähigkeit auf einen Schlag fest. Jede Änderung, ob dünnere Folie, neue Barriere oder anderes Format, gehört auf die Maschine, bevor der Einkauf umstellt. Die typische Falle sieht so aus: Der Packmittellieferant ändert die Spezifikation ein wenig, die Siegelung läuft schlechter, und wochenlang sucht man den Fehler an der Maschine. Vereinbaren Sie mit dem Lieferanten, dass jede Änderung vorher gemeldet wird, auch bei Rohstoff, Werk und Additiven. Lassen Sie sich Chargenzeugnisse geben und heben Sie von jeder Lieferung Muster auf. Läuft die Siegelung plötzlich schlechter, vergleichen Sie erst alte und neue Rolle und drehen dann an den Parametern.

Probebetrieb

Projektleitung & CAPEX

Definierte Betriebsphase zwischen Inbetriebnahme und Abnahme, in der die Anlage mit realem Produkt, realen Packmitteln und dem späteren Bedienpersonal läuft. Die Ergebnisse werden dokumentiert, etwa Ausbringung, Ausschuss und Störungen. Umfang, Dauer und Erfolgskriterien werden vorher im Vertrag festgelegt, sonst bleibt unklar, wann der Probebetrieb als bestanden gilt. Während der Phase liegt die Verantwortung für die Anlage in der Regel noch beim Lieferanten. Im Probebetrieb wird häufig auch der Leistungsnachweis geführt, der die zugesagten Werte prüft.

Aus der Praxis

Im Probebetrieb läuft die Anlage unter Produktionsbedingungen, aber noch in der Verantwortung des Lieferanten. Das klingt klar und wird trotzdem gern vergessen. Regeln Sie vorher, wer Produkt und Packmittel stellt, wie der Ausschuss vergütet wird und ab wann die Produktion an Sie übergeht. Nehmen Sie Packmittel aus der laufenden Lieferung und keine handverlesenen Muster, sonst fällt das Problem erst im Dauerbetrieb auf. Sorgen Sie dafür, dass jede Schicht die Maschine einmal gefahren hat, auch die dritte. Die Bediener, die im Probebetrieb dabei waren, kommen später mit Störungen deutlich besser zurecht als die, die nur eine Einweisung bekommen haben.

Produktgruppierung

Verpackungstechnik

Bildung von Produktgruppen mit festgelegter Anzahl und Anordnung aus einem fortlaufenden Produktstrom, etwa vor Case Packer, Wrap-Around-Packer, Schrumpfpacker oder Palettierer. Meist teilt zuerst ein Gassenverteiler den Strom auf mehrere Bahnen auf. Danach werden die Produkte auf Abstand gebracht, abgezählt und zur fertigen Gruppe zusammengeschoben, bei Bedarf auch gedreht. Mechanische Lösungen wie Einteilschnecke oder Sperrfinger sind formatgebunden. Flexibler sind servogetriebene Bänder und Multi-Carrier-Systeme mit einzeln fahrenden Läufern. Ungeordnet ankommende Produkte greifen Delta-Roboter im Pick-and-Place-Verfahren zur Gruppe zusammen. Die Vereinzelung, also das Herstellen eines definierten Abstands zwischen einzelnen Produkten, ist ein Teilschritt davon.

Aus der Praxis

Wenn am Ende der Linie die Mikrostopps sitzen, lohnt sich ein Blick auf die Gruppierung. Hier kommen Produkte an, die vorher mit Lücken und unter Staudruck unterwegs waren, und am Ausgang wird eine exakt gezählte Gruppe verlangt. Weiche Beutel schuppen sich unter Druck übereinander, schlanke Flaschen kippen beim Drehen, und glatte Schachteln rutschen weiter, obwohl der Sperrfinger längst zu ist. Fahren Sie die Gruppierung beim FAT mit echtem Produkt, und zwar im ungünstigsten Zustand. Ware mit Kondenswasser aus der Kühlung benimmt sich anders als trockene Muster aus dem Lager. Klären Sie vorab, wie die Maschine mit einer unvollständigen Gruppe umgeht. Ein sauberer Ausschleusweg ist besser als ein Bediener, der fehlende Produkte von Hand nachlegt und dabei in den Gefahrenbereich greift.

Produktionsübergabe (Handover)

Projektleitung & CAPEX

Formale Übergabe einer abgenommenen Maschine vom Projektteam an die Linienorganisation. Die Verantwortung für Betrieb, Instandhaltung, Ersatzteile, Dokumentation und offene Restpunkte geht damit an den Betreiberbereich über. Zur Übergabe gehören ein unterschriebenes Übergabeprotokoll, geschultes Personal, der Wartungsplan, Ersatzteile im Lager, die vollständige As-built-Dokumentation und ein benannter Ansprechpartner für die Anlaufphase. Die Übergabe ist von der Abnahme getrennt. Gegenüber dem Lieferanten regelt die Abnahme Leistung und Zahlung, die Übergabe regelt die Zuständigkeit im eigenen Haus.

Aus der Praxis

Zwischen Abnahme und Übergabe liegt die heikelste Phase. Der Projektleiter ist gedanklich schon beim nächsten Projekt, und die Produktion sieht die Maschine noch als Baustelle. Vereinbaren Sie eine Anlaufbegleitung mit festen Präsenzzeiten, damit die Bediener wissen, wen sie wann fragen können. Geben Sie die Restpunkteliste mit Namen und Terminen an die Linie weiter. Unterschreiben Sie das Übergabeprotokoll erst, wenn die Ersatzteile im Lager liegen und der Wartungsplan im Instandhaltungssystem steht, nicht schon, wenn beides zugesagt ist. Legen Sie fest, wer bei Störungen den Lieferanten anruft, nachts genauso wie am Montagmorgen. Ohne einen benannten Anlagenverantwortlichen bleibt jede Störung am Projekt hängen, und das Projekt ist dann längst aufgelöst.

Produktschonung

Verpackungstechnik

Auslegung von Zuführung, Handling und Verpackung so, dass empfindliche Produkte wie Backwaren, Schokolade, Glas oder Frischware ohne Bruch, Abrieb oder Verformung verpackt werden. Schäden entstehen an Fallstufen, Übergaben, Anschlägen und Gleitflächen, im Staudruck auf Förderern, bei hoher Bandgeschwindigkeit und durch Greifer mit zu hoher Kraft oder falscher Auflagefläche. Gegenmaßnahmen sind niedrige Fallhöhen, sanfte Übergänge, angepasste Geschwindigkeiten, formangepasste Greifer und staudrucklose Förderung. Bewertet wird die Schonung am Ergebnis, etwa an der Bruchquote am Ende der Linie.

Aus der Praxis

Produktschäden sind versteckter Ausschuss. Sie tauchen als Reklamation auf und nicht als Stillstand, und deshalb merkt sie in der Produktion kaum jemand. Achten Sie bei der Maschinenauswahl auf Fallhöhen, Übergaben, Bandgeschwindigkeiten und Greiferkräfte. Lassen Sie beim FAT die empfindlichsten Produkte laufen und nicht das unempfindliche Standardformat. Ich lasse mir dafür gern das Produkt geben, das der Betrieb am liebsten vom Test ausnehmen würde. Fahren Sie die Muster warm und kalt, denn Backwaren verhalten sich warm anders als kalt, Schokolade bei Wärme anders als bei Kälte. Sammeln Sie nach dem Lauf den Bruch am Ende der Linie ein und wiegen Sie ihn, dann haben Sie eine Zahl statt eines Gefühls.

Produktzuführung

Verpackungstechnik

Gesamtheit der Einrichtungen, die Produkte aus dem Prozess oder aus Behältern lagerichtig, vereinzelt und im richtigen Takt an die Verpackungsmaschine übergeben. Dazu gehören Förderbänder, Steigförderer, Vibrationsrinnen, Verteiler, Ausrichtstationen und Roboter. Typische Aufgaben sind Vereinzeln, Ausrichten, Takten und das Zusammenführen mehrerer Spuren zu einer. Die Zuführung begrenzt die erreichbare Nettoleistung der Maschine und beeinflusst die Produktschonung. Sie ist oft der aufwendigste Teil der Linie. Sensoren melden Lücken und Staus an die Steuerung, damit die Verpackungsmaschine nicht leer läuft.

Aus der Praxis

Die Verpackungsmaschine ist selten das Problem, die Zuführung fast immer. Produkte kommen in Schüben, liegen verkehrt, kleben aneinander oder sind zu warm. Beschreiben Sie im Lastenheft, wie das Produkt tatsächlich ankommt, mit Temperatur, Taktung, Lage und Schwankungen. Lassen Sie den Hersteller die Zuführung mit verantworten, sonst zeigt jeder auf den anderen. Ein Test mit echtem Produkt beim Hersteller gehört zum Pflichtprogramm. Achten Sie dabei auf Bediener, die ständig von Hand nachhelfen, Produkte geraderücken oder Staus lösen. Das ist ein sicheres Zeichen, dass die Zuführung den Takt nicht trägt, auch wenn die Maschine auf dem Papier ihre Leistung bringt.

PROFINET

Automatisierung & Robotik

Ethernet-basierter Feldbusstandard für die Kommunikation zwischen Steuerung, Antrieben, Sensorik und Ventilinseln, weit verbreitet in der Siemens-Welt und von vielen anderen Herstellern unterstützt. Die Steuerung arbeitet als IO-Controller, die Feldgeräte als IO-Devices, die über ihren Gerätenamen angesprochen werden. Für Bewegungsaufgaben gibt es eine taktsynchrone Variante. Das Sicherheitsprofil PROFIsafe überträgt sicherheitsgerichtete Signale über dasselbe Kabel. Die Netze lassen sich als Linie, Stern oder Ring aufbauen. Vorgänger ist der serielle PROFIBUS. Die Feldbuslandschaft der bestehenden Anlagen gehört ins Lastenheft neuer Maschinen, denn Gateways kosten Geld und Nerven.

Aus der Praxis

In Deutschland ist PROFINET so gängig, dass Sie bei Lieferanten und Ersatzteilen selten ins Leere laufen. Zum Problem wird es erst, wenn keiner mehr weiß, wie das Netz aufgebaut ist. Ich lasse mir bei neuen Anlagen deshalb eine Liste mit Gerätenamen, IP-Adressen und Netztopologie geben. Beim Tausch eines Teilnehmers muss das neue Gerät genau den Namen bekommen, den die Steuerung erwartet, sonst bleibt es stumm. Wird die Steuerung Jahre später ersetzt, ist diese Liste Gold wert. Bei Fremdgeräten wie Waagen oder Druckern lohnt die Frage, ob dort wirklich PROFINET gebraucht wird oder eine einfache IO-Kopplung reicht. Jedes zusätzliche Netzgerät will konfiguriert und dokumentiert werden und irgendwann auch getauscht.

Projektleiter

Projektleitung & CAPEX

Verantwortlicher für Ziel, Termin, Budget und Qualität eines Investitionsprojekts. Er plant das Projekt, steuert Lieferanten und Gewerke, führt das Projektteam, berichtet an Auftraggeber und Lenkungsausschuss und eskaliert, wenn Entscheidungen fehlen. Neben Führung, Kommunikation und Organisation braucht er technisches Verständnis für die Anlage und ein klares Mandat. Das Mandat legt fest, was er selbst entscheiden darf, wo er Unterstützung holt und welche Entscheidungen beim Auftraggeber bleiben. Fehlt intern die Kapazität oder die Erfahrung, kann die Rolle extern besetzt werden, siehe Projektleitung auf Zeit.

Aus der Praxis

Die meisten Projekte kippen nicht an der Technik, sondern am fehlenden Mandat. Ein Projektleiter ohne Budget- und Entscheidungsrahmen wird zum Protokollführer: Er sammelt Wünsche ein, trägt sie nach oben und wartet. Halten Sie das Mandat schriftlich fest, mit Eskalationsweg und Vertretung. Dazu gehört auch, wer den Lieferanten anweisen darf, denn sonst hat die Linie plötzlich drei Chefs. In Verpackungsprojekten muss der Projektleiter Maschine, Packmittel und Produktion zusammen denken. Wer nur eine Seite kennt, übersieht die Schnittstellen, und die werden später teuer. Fehlt intern die Zeit oder die Erfahrung, kann eine Projektleitung auf Zeit die Rolle übernehmen.

Projektleitung auf Zeit

Projektleitung & CAPEX

Externe Projektleitung für die Dauer eines Investitionsprojekts, wenn intern Kapazität oder Spezialerfahrung fehlen. Der externe Projektleiter vertritt die Interessen des Betreibers gegenüber den Lieferanten, von der Ausschreibung über Vergabe und Terminverfolgung bis zur Abnahme und zur Übergabe an die Linie. Er arbeitet im Auftrag und nach den Vorgaben des Betreibers, mit einem definierten Mandat, einer Laufzeit und einem festgelegten Leistungsumfang. Möglich ist die Beauftragung für das Gesamtprojekt oder für einzelne Phasen, zum Beispiel für die Anlaufbegleitung.

Aus der Praxis

Eine Projektleitung auf Zeit bringt Erfahrung genau für die Dauer des Projekts ins Haus, ohne Einstellung und ohne Headhunter. Das klappt nur mit Mandat. Der Projektleiter braucht direkten Zugang zu den Entscheidern, klare Budgetgrenzen und eine feste Schnittstelle zu Einkauf und Produktion. Sonst hängt er in der Warteschleife und kostet Tagessätze für Termine, die keiner entscheidet. Mindestens genauso gehört ein definiertes Ende dazu. Wer nach der Abnahme die Anlage betreut, muss von Anfang an im Projekt mitlaufen, damit das Wissen nicht mit dem Externen das Haus verlässt. Legen Sie außerdem fest, was am letzten Tag auf dem Tisch liegen muss, etwa Dokumentation und Restpunkteliste. Wie die Zusammenarbeit vertraglich aufgesetzt wird, klären Sie vorab mit Einkauf und Jurist.

Projektstatusbericht

Projektleitung & CAPEX

Regelmäßiger Bericht des Projektleiters an Auftraggeber und Lenkungsausschuss, meist monatlich. Er enthält einen Ampelstatus für Termin, Kosten, Umfang und Qualität, die erreichten Meilensteine, die Kostenprognose, die größten Risiken, offene Entscheidungen und die nächsten Schritte. Die Kostenprognose weist den erwarteten Endstand aus, englisch Estimate at Completion, und nicht allein das bisher Ausgegebene. Details stehen in Anlagen wie Risikoregister und Offene-Punkte-Liste. Ein guter Bericht passt auf eine Seite und benennt klar, welche Entscheidung vom Auftraggeber gebraucht wird.

Aus der Praxis

Ampeln, die immer grün sind, liest irgendwann keiner mehr. Setzen Sie Gelb, sobald eine Prognose kippt, und nicht erst, wenn der Termin gerissen ist. Trennen Sie Fakten wie einen erreichten Meilenstein oder eine geprüfte Rechnung von Einschätzungen, sonst diskutiert der Lenkungsausschuss über Stimmungen. Zeigen Sie bei den Kosten den erwarteten Endstand statt des bisherigen Mittelabflusses, denn der sagt wenig über das Ende. Schreiben Sie hinein, was Sie vom Auftraggeber brauchen, mit Datum: eine Entscheidung, ein Budget, eine Personalzusage. Ein Bericht ohne Forderung ist nur ein Protokoll. Ich schaue zuerst auf die Zeile mit den offenen Entscheidungen, und wenn dort nichts steht, lese ich den Rest mit Misstrauen.

Projektsteckbrief

Projektleitung & CAPEX

Einseitige Kurzbeschreibung eines Projekts mit Ziel, Auslöser, Lieferumfang, Budgetrahmen, Terminen, Projektleiter und Auftraggeber. Sie wird vor der Genehmigung erstellt und dient als gemeinsame Ausgangsbasis für Investitionsantrag, Lastenheft und Kick-off. Häufig kommen Abgrenzung, Annahmen, erwarteter Nutzen und grobe Risiken hinzu. Änderungen an Ziel oder Umfang werden im Steckbrief nachgeführt, damit er der einzige aktuelle Stand bleibt. In der Methodik des Projektmanagements entspricht er etwa der Project Charter.

Aus der Praxis

Der Steckbrief zwingt dazu, das Ziel zu benennen und ebenso, was ausdrücklich nicht dazugehört. Häufiger Fehler ist ein Steckbrief, der nur Technik beschreibt und keinen messbaren Nutzen nennt. Dann streiten Werk und Hauptverwaltung später, ob das Projekt ein Erfolg war, und beide haben recht, weil im Papier nichts Messbares steht. Schreiben Sie hinein, welche Kennzahl sich ändern soll und um wie viel, zum Beispiel Ausbringung oder Personalbedarf je Schicht. Halten Sie den Steckbrief auf einer Seite und benennen Sie Abgrenzungen und Annahmen. Annahmen wie eine zugesagte Hallenfläche oder ein vorhandener Druckluftanschluss werden am ehesten vergessen. Lassen Sie Auftraggeber und Produktionsleitung unterschreiben, bevor Sie Angebote einholen.

Projektstrukturplan (PSP)

Projektleitung & CAPEX

Hierarchische Gliederung des gesamten Projektumfangs in Teilprojekte und Arbeitspakete, meist nach Gewerken oder Phasen. Die oberste Ebene ist das Gesamtprojekt, darunter stehen Teilprojekte wie Maschine, Fördertechnik, Gebäude und Medien, darunter wiederum die einzelnen Arbeitspakete. Jedes Arbeitspaket hat einen Verantwortlichen, ein Ergebnis und ein Budget. Der PSP bildet den Umfang vollständig ab. Was nicht darin steht, ist weder geplant noch bezahlt. Er ist die Grundlage für Terminplan, Kostenverfolgung und die Zuordnung von Lieferanten und Schnittstellen. Im Englischen heißt er Work Breakdown Structure, kurz WBS.

Aus der Praxis

In Maschinenprojekten hakt es selten an der Hauptmaschine. Es hakt an dem, was im PSP fehlt: Fundamente, Medienanschlüsse, Fördertechnik zwischen den Gewerken, Schulung, Ersatzteile und Dokumentation. Auch der Rückbau der Altanlage fehlt gern. Gehen Sie den PSP mit Instandhaltung, Elektrowerkstatt und Qualitätssicherung durch, bevor Sie Budgets festschreiben. Die drei finden meist schnell Lücken, die dem Projektteam bis dahin entgangen sind. Hängen Sie an jedes Arbeitspaket gleich den Lieferanten und das Budget, dann taugt der PSP später auch zur Kostenverfolgung und ist mehr als eine Gliederung. Ein Arbeitspaket ohne Namen dahinter ist keins. Dann macht es am Ende der Projektleiter selbst, abends, wenn die anderen schon gegangen sind.

Prüfkörper (Testkörper)

Qualität & Sicherheit

Zertifizierte Prüfkörper mit definierter Fremdkörperprobe in bekannter Größe zur regelmäßigen Funktionsprüfung von Detektionssystemen. Bei Metalldetektoren bestehen sie aus Eisen, Nichteisen oder Edelstahl, bei Röntgensystemen aus Glas, Keramik, Stein oder Metall. Die Probe ist meist als Kugel oder Stäbchen in einen Kunststoffträger eingebettet und mit einem Zertifikat über Material und Größe versehen. Die nachweisbare Prüfkörpergröße definiert die Empfindlichkeit der Anlage und wird in HACCP-Plänen und Kundenstandards dokumentiert. Geprüft wird zu Schichtbeginn, nach Produktwechsel und in festgelegten Abständen.

Aus der Praxis

Eine Prüfung sagt nur etwas aus, wenn der Prüfkörper an der ungünstigsten Stelle durchläuft, mitten im Produkt und in der Mitte der Tunnelöffnung, nicht obenauf am Rand. Vereinbaren Sie mit dem Lieferanten die Prüfkörpergrößen für Ihr Produkt beim SAT, nicht aus dem Katalog. Ich lasse beim SAT mit allen vereinbarten Größen und Materialien durchfahren, auch mit dem kleinsten. Am Ende zählt, dass die Ausschleusung auslöst und der Prüfkörper im Behälter landet. Prüfkörper verschwinden gern. Nummerieren Sie sie, prüfen Sie Ersatz nach und schulen Sie die Bediener auf Prüfintervall und Dokumentation. Ein Prüfkörper, der in der Ware landet, ist ein Fremdkörper mit Zertifikat.

Prüfmittelüberwachung

Qualität & Sicherheit

Organisierte Überwachung aller Mess- und Prüfmittel, mit denen qualitätsrelevante Merkmale geprüft werden. Jedes Prüfmittel erhält eine Kennung und eine Statusplakette und wird in einer Prüfmittelverwaltung mit Standort, Messbereich und Prüfintervall geführt. In festgelegten Abständen wird es kalibriert, also mit einem Normal verglichen, das auf nationale Normale rückführbar ist. Ein Prüfmittel außerhalb der Toleranz wird gesperrt, und es wird geprüft, ob freigegebene Produkte betroffen sind. Kalibrieren stellt die Abweichung fest, Justieren beseitigt sie. Davon getrennt ist das Eichen von Messgeräten im geschäftlichen Verkehr nach dem Mess- und Eichgesetz. ISO 9001 verlangt geeignete und, wo Rückführbarkeit gefordert ist, kalibrierte Messmittel.

Aus der Praxis

Im Audit fällt zuerst der Messschieber mit abgelaufener Plakette auf. Das eigentliche Problem liegt woanders. Findet die Kalibrierung eine Abweichung, müssen Sie bewerten, was seit der letzten Kalibrierung mit diesem Gerät gemessen und freigegeben wurde. Bei einem Jahresintervall ist das eine Menge Ware. Lästig sind auch die Prüfmittel, die mit einer neuen Maschine kommen: Prüfgewichte für die Kontrollwaage, Prüfkörper für den Metalldetektor, manchmal ein Drehmomentmessgerät für die Verschlüsse. Die liegen dann im Schaltschrank oder beim Linienführer und stehen auf keiner Liste. Ich lasse mir bei der Abnahme alle mitgelieferten Prüfmittel mit Kalibrierschein übergeben und trage sie sofort in die Prüfmittelverwaltung ein. Und der private Messschieber aus dem Werkzeugkasten des Schlossers hat an einer Messstelle für Freigaben nichts verloren.

Prüfplan

Qualität & Sicherheit

Dokument, das für ein Produkt, ein Material oder einen Prozessschritt festlegt, welche Merkmale geprüft werden. Für jedes Merkmal stehen Sollwert und Toleranz, Prüfmethode und Prüfmittel, Prüfhäufigkeit und Stichprobenumfang, Zuständigkeit, Dokumentation und Reaktion bei Abweichung. In Verpackungslinien betrifft das etwa Füllgewicht, Siegelnaht und Dichtheit, Codierung und Etikett sowie den Funktionstest von Metalldetektor oder Röntgengerät mit Prüfkörpern. Grundlagen sind Spezifikationen, HACCP-Studie, FMEA und Kundenanforderungen. Neben dem Prüfplan für die Fertigung gibt es Prüfpläne für den Wareneingang, etwa für Packmittel. Die Prüfanweisung beschreibt dagegen im Detail, wie eine einzelne Prüfung abläuft. Prüfpläne werden häufig in einem CAQ-System geführt.

Aus der Praxis

Prüfpläne wachsen. Nach jeder Reklamation kommt ein Merkmal dazu, gestrichen wird selten etwas. Irgendwann soll der Linienführer in der Nachtschicht mehr prüfen, als er in einer Stunde schaffen kann, und dann wird nur noch angekreuzt. Ich frage bei jedem Merkmal, was passiert, wenn der Wert außerhalb liegt. Gibt es darauf keine klare Antwort, stelle ich das Merkmal zur Diskussion. Bei einer neuen Linie lohnt es sich, den Prüfplan zusammen mit der Anlage zu überarbeiten. Was Kontrollwaage und Vision-System an jeder Packung prüfen, muss nicht zusätzlich von Hand gewogen und angeschaut werden, solange deren Funktion regelmäßig getestet wird. Den Test des Metalldetektors planen Sie zu Schichtbeginn, in festen Abständen und nach jedem Formatwechsel ein. Hängen Sie den Prüfplan dorthin, wo geprüft wird. Im CAQ-System allein liest ihn an der Linie keiner.

Pseudoausschuss

Digitalisierung & KI

Gutteile, die von einem Prüfsystem wie Vision, Kontrollwaage oder Metalldetektor fälschlich als fehlerhaft ausgeschleust werden. Ursachen sind zu enge Toleranzen, instabile Beleuchtung, Produktschwankungen oder unzureichende Trainingsdaten. Beim Metalldetektor kann auch der Produkteffekt, etwa bei feuchter oder salziger Ware, ein Fehlsignal auslösen. Pseudoausschuss kostet Material und Nacharbeit und untergräbt das Vertrauen der Bediener in die Prüfung. Das Gegenstück sind übersehene Fehler, die als Gutteil durchlaufen.

Aus der Praxis

Pseudoausschuss ist ein häufiger Grund, warum Prüfsysteme im Betrieb heimlich so weit entschärft werden, bis sie nichts mehr finden. Messen Sie ihn getrennt vom echten Ausschuss, indem Sie nachzählen, wie viele der ausgeschleusten Packungen in Ordnung waren. Dafür muss jemand den Ausschussbehälter durchsehen, und zwar mehr als einmal. Vereinbaren Sie mit dem Lieferanten eine zulässige Pseudoausschussrate als Abnahmekriterium. Prüfen Sie diese mit Ihrem Produkt über mehrere Chargen und nicht mit dem Musterset. Ich lasse außerdem festhalten, wer Schwellwerte ändern darf, denn sonst entschärft am Ende jede Schicht die Prüfung auf eigene Faust.

Puffersystem

Verpackungstechnik

Speicherstrecke zwischen zwei Maschinen, die Kurzstillstände entkoppelt. Steht der Kartonierer einige Minuten, produziert die Schlauchbeutelmaschine in den Puffer weiter, und der Puffer entleert sich wieder, sobald der Kartonierer läuft. Bauarten sind Bandpuffer, Stautische und Wendelförderer. Füllstandssensoren melden den Füllstand an die Steuerung, die die Geschwindigkeit der angrenzenden Maschinen anpasst. Größe und Lage richten sich nach Häufigkeit und Dauer der Stillstände und nach der Menge, die der Puffer aufnehmen muss. Bei Frische- und Kühlware begrenzt die Verweilzeit im Puffer die nutzbare Größe.

Aus der Praxis

Puffer sind die Stoßdämpfer der Linie. Sie fangen kurze Stillstände ab und halten den Engpass am Laufen, bei vielen Linien den Füller. Größe und Position ergeben sich aus der Stillstandsanalyse und nicht aus Schätzung. Ich schaue mir vor jeder Pufferdiskussion zuerst die Stillstandsdaten an: wie oft, wie lange und an welcher Maschine. Der häufigste Fehler ist ein Puffer an der falschen Stelle, der den Engpass gar nicht schützt. Je nach Linie muss der Puffer den Engpass vor Leerlauf oder vor Rückstau bewahren. Ein Wendelförderer braucht Höhe, ein Stautisch Fläche, und beides klärt man früh im Layout. Prüfen Sie außerdem Produktschonung und Hygiene. Ein Puffer, der schwer zu reinigen ist, wird im Audit zum Problem.

Q

Qualitätsrate

Kennzahlen

Anteil der Gutproduktion an der Gesamtproduktion einer Laufzeit. Verluste entstehen durch Ausschuss, Nacharbeit und Anlaufverluste nach Formatwechseln. Die Qualitätsrate ist der dritte Faktor der OEE. Bei Verpackungslinien zählen vor allem Packungen, die an Kontrollwaage, Metalldetektor und Vision-System ausgeschleust werden. Nicht jede ausgeschleuste Packung ist tatsächlich schlecht. Zu Unrecht ausgeschleuste Gutware heißt Pseudoausschuss und drückt die Quote nach unten. Ausschuss lässt sich nach Ursache in Maschine, Packmittel und Produkt einteilen.

Aus der Praxis

In der OEE erfasst die Qualitätsrate Ausschuss und Nacharbeit. Bei Verpackungslinien sind das meist Packungen, die an der Kontrollwaage, am Metalldetektor oder im Vision-System ausgeschleust werden. Ordnen Sie jedem Ausschuss eine Ursache zu: Maschine, Packmittel oder Produkt. Ohne diese Trennung lässt sich nicht sagen, ob die Maschine, der Lieferant oder die Vorproduktion das Problem ist, und am Ende diskutieren alle drei. Schauen Sie auch, wie viele der ausgeschleusten Packungen in Wahrheit gut sind. Ein Blick in die Ausschleusbox sagt darüber mehr als jede Quote. Auch ein falsch eingestellter Detektor produziert Ausschuss, an dem weder Maschine noch Lieferant etwas ändern können.

Quellcode-Herausgabe

Automatisierung & Robotik

Vertragliche Regelung, ob und in welcher Form der Betreiber den Quellcode der Software für Steuerung, Roboter und Bedienoberfläche erhält. Möglich sind die offene und kommentierte Übergabe, die Übergabe mit Know-how-Schutz auf einzelnen Bausteinen oder nur das kompilierte Programm. Zum Quellcode gehören Bibliotheken, Symboltabellen, Kommentare und die Zugangsdaten zu geschützten Bereichen, dazu die Antriebsparameter und Vision-Projekte. Eine weitere Form ist die Hinterlegung bei einem Dritten, etwa einem Notar, die im vereinbarten Herausgabefall greift, zum Beispiel bei Lieferunfähigkeit des Herstellers. Ohne Quellcode sind eigene Anpassungen, Fehlersuche und ein Lieferantenwechsel praktisch ausgeschlossen.

Aus der Praxis

Über den Quellcode wird gern erst gesprochen, wenn die Bestellung raus ist. Dann ist er teuer oder gar nicht mehr zu bekommen. Ich schreibe die Herausgabe deshalb schon in die Anfrage. Der Quellcode aller Steuerungen kommt mit Kommentaren, Bibliotheken und Symboltabellen, die Passwörter werden bei der Übergabe genannt, und Know-how-Schutz gibt es nur für klar abgegrenzte Technologiebausteine. Bei Sondermaschinen gehört das ins Lastenheft. Sträubt sich der Lieferant, bietet die Hinterlegung bei einem Notar einen Ausweg, die Einzelheiten klären Sie mit einem Juristen. Spielen Sie bei der Abnahme durch, ob sich das übergebene Projekt auf einem frischen Rechner öffnen und laden lässt. Ohne Zugriff hängen Sie im Störfall am Hersteller, und der hat nicht immer Zeit.

Schienengeführter Verteilwagen, der Paletten oder Gebinde quer zu mehreren Förderstrecken transportiert, etwa zwischen Palettierern und Stretchwickler. Auf dem Wagen sitzt eine Rollen- oder Kettenfördererstrecke, die das Ladegut von einer Anschlussstrecke übernimmt und an einer anderen wieder abgibt. Die Position wird über ein Messsystem geregelt, die Übergaben laufen im Handshake mit der Fördertechnik der Linien. Der Querverfahrwagen ist häufig der unerkannte Engpass. Seine Kapazität hängt weniger von der Fahrgeschwindigkeit ab als von Wartezeiten und Übergaben an den Linien.

Aus der Praxis

Ein Querverfahrwagen verteilt Paletten von mehreren Linien auf wenige Abgabeplätze und spart Fördertechnik. Dafür ist er ein Einzelpunkt. Fällt er aus, stehen alle angeschlossenen Linien. Planen Sie deshalb den Notbetrieb mit manueller Abnahme ein. Der Wartungszugang gehört so gelegt, dass sich der Wagen sicher stillsetzen lässt, während die Linien noch in ihren Puffern sammeln. Die Fahrbahn verschmutzt gern durch Folienreste und Etiketten, die in die Schiene fallen, also gehört die Reinigung in den Wartungsplan. Lassen Sie sich außerdem eine Liste der Ersatzteile geben, vor allem Antrieb, Räder und Messsystem, und legen Sie fest, was davon bei Ihnen am Lager liegt.

R

R-Werte bei Industrieböden

Qualität & Sicherheit

Rutschhemmungsklassen R9 bis R13 nach DIN 51130 für Arbeitsräume und Arbeitsbereiche mit erhöhter Rutschgefahr. Gemessen wird auf der schiefen Ebene: Eine mit Prüföl benetzte Bodenprobe wird geneigt, bis die Prüfperson rutscht, und je größer der Winkel, desto höher die Klasse. Die Neigungswinkel reichen von 6 bis 10 Grad bei R9 bis über 35 Grad bei R13. R9 bis R10 gelten für Trockenbereiche, R11 bis R12 für feuchte Produktion und Nassbereiche, R13 für öl- und fettbelastete Zonen. Bei profilierten Belägen kommt der Verdrängungsraum V4 bis V10 hinzu, der angibt, wie viel Platz für Flüssigkeit unter der Gehfläche bleibt.

Aus der Praxis

Mehr Rutschhemmung heißt mehr Reinigungsaufwand. R13 gehört nur dorthin, wo wirklich Öl, Fett oder Nässe anfällt. Für die meisten Verpackungsbereiche ist R11 bis R12 das bessere Verhältnis aus Sicherheit, Reinigbarkeit und Kosten. Legen Sie die R-Klasse je Zone schon in der Layoutphase fest, denn ein nachträglich aufgerauter oder neu beschichteter Boden bedeutet Stillstand und ist teuer. Denken Sie auch an die Übergänge: Wo ein glatter Bereich in einen rauen übergeht, wird mit dem Stapler gebremst und mit dem Putzwagen gekämpft. Und die Rutschhemmung bleibt nicht ewig. Abnutzung und ein Fettfilm aus der Reinigung nehmen ihr etwas, ein Boden mit R12 bei der Abnahme hat nach Jahren womöglich weniger.

RACI

Projektleitung & CAPEX

Methode zur Verteilung von Rollen auf Aufgaben, dargestellt als Matrix mit den Aufgaben in den Zeilen und den Beteiligten in den Spalten. Jeder Beteiligte erhält je Aufgabe einen Buchstaben: Responsible führt aus, Accountable verantwortet das Ergebnis und entscheidet, Consulted wird vor der Entscheidung gefragt, Informed wird danach unterrichtet. Accountable darf je Aufgabe nur einmal vergeben werden. Die Matrix verhindert, dass alle sich zuständig fühlen und keiner es ist, vor allem an den Nahtstellen zwischen Betreiber, Lieferant und Integrator.

Aus der Praxis

Eine RACI-Matrix klärt in Verpackungsprojekten vor allem, wer entscheidet. Die Produktion will Leistung, die Qualität will Hygiene, der Einkauf will Preis und die Instandhaltung will Ersatzteile. Ohne klare Zuständigkeit wird jede Frage zur Runde, und am Ende entscheidet, wer am längsten im Raum bleibt. Eine Seite genügt, abgestimmt beim Kick-off: wer das Lastenheft erstellt, wer das Layout freigibt, wer abnimmt und wer nur informiert wird. Prüfen Sie, ob in jeder Zeile genau ein A steht. Stehen dort zwei, streiten die beiden, und steht keins da, wartet jeder auf den anderen. Zu viele Cs sind ebenfalls ein Warnzeichen, denn dann zieht sich jede Entscheidung.

Rahmenvertrag

Kaufmännisches

Übergeordnete Vereinbarung für wiederkehrende Beschaffung. Konditionen, Standards und Prozesse werden einmal verhandelt, einzelne Lieferungen oder Leistungen werden später über Abrufe oder Einzelaufträge ausgelöst, die nur noch Menge, Termin und Gegenstand regeln. Üblich sind Regelungen zu Preisen oder Stundensätzen, Haftung, Vertraulichkeit, Zahlungsbedingungen und technischen Standards. Für Betreiber mit mehreren Werken ist der Rahmenvertrag das Mittel gegen den Wildwuchs unterschiedlicher Maschinenstandards.

Aus der Praxis

Bei wiederkehrenden Einsätzen spart ein Rahmenvertrag mit einem Anbieter von Experten auf Zeit oder mit einem Maschinenlieferanten die Vertragsverhandlung bei jedem Projekt. Konditionen, Haftung, Vertraulichkeit und Abrechnung sind geregelt, abgerufen wird per Einzelauftrag. Achten Sie darauf, dass der Rahmenvertrag keine Abnahmepflicht enthält, sonst haben Sie Mengen zugesagt, die Sie vielleicht nie brauchen. Lassen Sie die Sätze jährlich überprüfen. Legen Sie auch fest, wer abrufen darf. Sonst bestellt ein Werk bei demselben Dienstleister auf Basis des Rahmens, und die anderen erfahren es nie. Preisgleitung und Kündigungsfristen gehören ebenfalls in den Rahmen.

Ramp-up-Phase

Projektleitung & CAPEX

Hochlauf einer neuen Linie von der Inbetriebnahme bis zur geplanten Serienleistung. Die Phase beginnt nach erfolgreicher Inbetriebnahme und endet, wenn die Produktionskennzahlen stabil auf dem Zielniveau liegen, etwa Ausbringung, Qualitätsrate und Verfügbarkeit. Typische Störgrößen sind Engpässe, Schwankungen bei Packmitteln und Rohstoffen, Bedienfehler und noch nicht optimierte Parameter. Der Verlauf wird in einer Anlaufkurve dargestellt, die die tatsächliche Leistung gegen den Plan aufträgt.

Aus der Praxis

Planen Sie den Ramp-up als eigene Projektphase mit Meilensteinen, Eskalationspfad und täglichem Blick auf die OEE, nicht als Anhängsel der Abnahme. Halten Sie Lieferantenpersonal in den ersten Produktionswochen verfügbar. Ein Servicetechniker, der erst übermorgen kommen kann, ist in dieser Phase zu spät. Sammeln Sie alle Störungen in einer einzigen Liste, jede mit Verantwortlichem und Termin, sonst hat jede Schicht ihre eigene Wahrheit. Wer den Hochlauf mit der laufenden Produktion vermischt, findet die Ursache einer Störung nie, weil ständig mehrere Parameter gleichzeitig wandern. Ändern Sie deshalb pro Schicht möglichst nur eine Einstellung und schreiben Sie auf, was Sie geändert haben.

Recyclingfähigkeit

Qualität & Sicherheit

Eigenschaft einer Verpackung, im real vorhandenen System aus Sammlung, Sortierung und Verwertung zu hochwertigem Rezyklat verarbeitet werden zu können. Sie sagt nur, dass es möglich ist, nicht, dass tatsächlich recycelt wird. Kriterien nach dem Mindeststandard der Zentralen Stelle: Sortierbarkeit, Trennbarkeit der Komponenten, vorhandene Verwertungsinfrastruktur und keine Störstoffe wie schwarze Farbpigmente, ungeeignete Etiketten oder Barriereschichten in kritischer Menge. Verbundwerkstoffe und Mischmaterialien schneiden meist schlechter ab als Mono-Material.

Aus der Praxis

Recyclingfähigkeit entscheidet sich im Detail. Ein zu großes Etikett, ein Rußschwarz, das der Sortiersensor nicht erkennt, eine Aluschicht oder ein Deckel aus anderem Material verderben die Einstufung. Lassen Sie neue Verpackungen früh nach dem geltenden Mindeststandard bewerten, bevor Werkzeuge und Druckvorlagen feststehen. Danach kostet jede Änderung Geld und Zeit. Handelskunden fordern zunehmend Nachweise. Ein recycelbar vom Lieferanten ohne Bewertung nach Katalog ist keine Grundlage. Fragen Sie auch nach Klebstoffen und Druckfarben, denn sie entscheiden mit, ob sich Etikett oder Sleeve beim Aufbereiten sauber lösen. Halten Sie fest, für welche Fassung des Standards die Bewertung gilt.

Referenzbesuch

Kaufmännisches

Besuch einer laufenden Anlage des Lieferanten bei einem anderen Betreiber während der Angebotsphase. Ziel ist, Technik, Verfügbarkeit, Service und Zusammenarbeit unter realen Produktionsbedingungen zu prüfen und die Erfahrungen des Betreibers zu hören. Die Referenz sollte in Produkt, Leistung und Alter der Anlage vergleichbar sein. Der Lieferant stellt den Kontakt her, der Besuch setzt das Einverständnis des gastgebenden Betreibers voraus. Angesehen werden die Maschine im Lauf, die Bedienoberfläche, die Zugänglichkeit für Reinigung und Wartung und der Umgang mit Störungen.

Aus der Praxis

Der Vertrieb zeigt Ihnen gern die Vorzeigeanlage. Bestehen Sie auf einer vergleichbaren Maschine, die seit einigen Jahren läuft. Sprechen Sie dort ohne den Lieferanten mit Linienführer und Instandhalter. Fragen Sie, was am häufigsten steht, wie schnell der Service kommt, wie die Inbetriebnahme lief und was der Betreiber heute anders machen würde. Nehmen Sie Ihren eigenen Instandhalter mit, der sieht Dinge, die dem Einkauf nie auffallen. Ich schaue mir bei einem Referenzbesuch gern das Ersatzteillager neben der Linie an, das erzählt mehr als jede Hochglanzbroschüre. Ein Referenzbesuch ist im Angebotsvergleich mehr wert als jede Präsentation.

Regalbediengerät

Intralogistik

Gassengebundenes Gerät, das Paletten oder Behälter im Hochregallager ein- und auslagert. Es fährt auf einer Schiene am Boden und wird oben von einer Führungsschiene gehalten. Am Mast bewegt sich der Hubwagen mit dem Lastaufnahmemittel, bei Paletten meist eine Teleskopgabel. Fahren und Heben laufen gleichzeitig, das verkürzt die Spielzeit je Ein- oder Auslagerung. Ein Gerät bedient eine Gasse, mit einem Umsetzwagen auch mehrere. Einfach- und doppeltiefe Lagerung sind üblich. Bewährte Technik mit hoher Zuverlässigkeit, bei der die Gassenbindung zugleich das Redundanzrisiko ist.

Aus der Praxis

Regalbediengeräte sind die richtige Wahl für hohe Lagerdichte und kalkulierbaren Durchsatz, also für Paletten- oder Behälterlager mit fester Gassenstruktur. Für Verpackungsbetriebe zählt vor allem die Anbindung ans Linienende über Fördertechnik und der Umgang mit Störungen in der Gasse. Bleibt ein Gerät mitten in der Gasse stehen, ist die ganze Gasse zu. Eine Ausfallstrategie mit manuellem Zugriff und Notbetrieb gehört deshalb ins Lastenheft. Ich frage den Lieferanten außerdem, wie ein Techniker ein stehendes Gerät sicher erreicht und wie lange es dauert, bis es wieder fährt. Klären Sie auch, welche Ersatzteile der Lieferant vorhält und welche Sie selbst am Lager brauchen.

Regiestunden

Kaufmännisches

Abrechnung von Leistungen nach tatsächlichem Zeitaufwand zu vorher vereinbarten Stundensätzen, auch Stundenlohnarbeiten oder Aufwandsabrechnung genannt. Hinzu kommen meist Material, Reisezeit, Reisekosten und Spesen, für Überstunden, Nacht, Wochenende und Feiertage gelten Zuschläge. Grundlage ist ein Stundennachweis mit Datum, Person, Zeiten und ausgeführten Tätigkeiten, den der Auftraggeber vor Ort gegenzeichnet. Regiestunden kommen bei Montage und Inbetriebnahme außerhalb des vereinbarten Umfangs vor, bei Störungsbeseitigung, Service und Umbauten ohne klar abgegrenzten Umfang. Das Mengenrisiko trägt der Auftraggeber, beim Festpreis dagegen der Auftragnehmer. Für Bauleistungen regelt die VOB/B die Stundenlohnarbeiten in einem eigenen Paragrafen.

Aus der Praxis

Legen Sie fest, wer auf Ihrer Seite Regiestunden beauftragen darf. Sonst fragt der Schichtleiter den Monteur, ob er mal eben noch die Rutsche umbauen kann, und am Monatsende steht das auf dem Stundenzettel. Unterschreiben Sie Nachweise täglich oder wenigstens wöchentlich, solange Sie noch wissen, wer wann da war. Ein Stundenzettel mit acht Stunden Montage hilft keinem. Verlangen Sie, dass die Tätigkeit so beschrieben ist, dass ein Dritter sie nachvollziehen kann. Ein häufiger Kostentreiber sind Wartezeiten. Wenn der Monteur auf Strom, Druckluft oder das Gerüst wartet, läuft die Uhr auf Ihre Kosten. Bereiten Sie die Baustelle also vor, bevor die Leute anreisen. Klären Sie vorab auch, wie Reisezeit und Wartezeit abgerechnet werden. Das steht oft im Kleingedruckten des Angebots.

Reibwert (COF)

Qualität & Sicherheit

Reibungskoeffizient zwischen zwei Oberflächen, für Folien geprüft nach DIN EN ISO 8295 als Haft- und Gleitreibungszahl, Folie gegen Folie oder gegen Metall. Er wird über Gleitmittel eingestellt, sogenannte Slip-Additive, die an die Folienoberfläche wandern. Der Reibwert bestimmt, wie eine Folie über Formschulter und Siegelbacken läuft und wie fertige Packungen aufeinander liegen. Innen und außen einer Folie können unterschiedlich eingestellt sein, und der Wert verändert sich mit Temperatur, Lagerzeit der Rolle und Additivwanderung.

Aus der Praxis

Zu niedriger Reibwert lässt Beutel von der Palette rutschen und Kartons in der Lage wandern. Zu hoher bremst die Folie an der Formschulter und erzeugt Ziehstreifen und Fehlnähte. Frische und ein halbes Jahr alte Rollen laufen unterschiedlich, weil das Gleitmittel erst nach und nach an die Oberfläche kommt. Auch eine kalte Rolle aus dem Lager läuft anders als eine temperierte. Legen Sie einen Toleranzbereich fest und lassen Sie ihn je Charge bescheinigen. Fragen Sie nach Folie gegen Metall und nach Folie gegen Folie getrennt, denn die erste Zahl hilft der Schlauchbeutelmaschine, die zweite der Palette. Nach einer Rezepturänderung des Lieferanten prüfen Sie den Reibwert neu.

Festlegung, wie eine Verpackungsmaschine gereinigt wird. Die Trockenreinigung arbeitet mit Bürsten, Saugern und Tüchern, die Nassreinigung mit Niederdruck oder Hochdruck und Schaum, bis hin zu CIP-fähigen Produktwegen, die ohne Demontage durchgespült werden. Das Konzept bestimmt Schutzart, Werkstoffe, Dichtungen, Bodengestaltung, Wasserablauf und Reinigungszeiten. Bei trockenen Produkten wie Mehl, Pulvern oder Schokolade bleibt Wasser meist tabu, weil Feuchte Keime und Verklumpungen bringt. Das Reinigungskonzept ist Teil der Hygieneanforderungen im Lastenheft und die Grundlage für Reinigungsplan und Hygienezonen.

Aus der Praxis

Die Reinigungsmethode muss vor dem Kauf feststehen, denn eine für Trockenreinigung gebaute Maschine überlebt keinen Wasserschlauch. Beschreiben Sie Reinigungsmittel, Wassertemperatur, Druck und Häufigkeit im Lastenheft und lassen Sie sich die Eignung vom Hersteller bestätigen. Alkalische Reiniger greifen Aluminium an, und manche Dichtungen quellen im falschen Mittel. Rechnen Sie den Zeitbedarf aus. Eine Stunde Reinigung pro Schicht ist Kapazität, die nicht produziert. Werkzeuglos abnehmbare Teile sparen mehr Zeit als jede Leistungssteigerung. Fragen Sie auch, wo nach der Reinigung Restwasser stehen bleibt, etwa in Hohlprofilen und Ecken, denn dort fängt in der nächsten Schicht der Ärger an.

Reklamationsmanagement

Qualität & Sicherheit

Geregelter Ablauf für die Bearbeitung von Reklamationen von der Erfassung bis zum Abschluss. Neben Kundenreklamationen gehören Lieferantenreklamationen und interne Reklamationen dazu. Der Ablauf beginnt mit der Erfassung samt Belegen wie Fotos, Mustern und Chargennummern. Es folgen Bewertung und Sofortmaßnahmen, etwa das Sperren betroffener Ware anhand der Rückverfolgbarkeit, danach Ursachenanalyse und Abstellmaßnahmen, häufig in Form eines 8D-Reports. Am Ende stehen die Klärung der Kosten und der Abschluss. Die Auswertung über längere Zeiträume zeigt wiederkehrende Fehler und fließt in die Lieferantenbewertung ein. Meist unterstützt ein CAQ-System den Prozess. ISO 9001 fordert den Umgang mit Nichtkonformitäten und die Auswertung von Kundenrückmeldungen.

Aus der Praxis

Die Folie läuft in der Nachtschicht nicht, die Schicht kämpft bis zum Morgen, und am Ende landet die Rolle im Container, weil der Platz an der Maschine gebraucht wird. Am nächsten Tag soll reklamiert werden, und es gibt weder Muster noch Rollenetikett. Sichern Sie Belege deshalb sofort. Das Etikett von Rolle oder Hülse, ein paar Meter Material, Fotos vom Fehlerbild und die Maschinenparameter reichen meistens. Eine Kiste für Reklamationsmuster an jeder Linie kostet fast nichts. Bei den Kosten sollten Sie keine großen Erwartungen haben. Viele Lieferbedingungen begrenzen den Ersatz auf das Material, den Stillstand tragen Sie selbst. Das sollten Sie vor der Bestellung wissen und mit einem Juristen anschauen. Und werten Sie die Reklamationen regelmäßig aus. Manchmal sind die Lieferanten mit den meisten Fällen gar nicht die, über die in der Frühbesprechung am lautesten geschimpft wird.

Relocation (Maschinenumzug)

Projektleitung & CAPEX

Verlagerung einer bestehenden Maschine oder Linie an einen anderen Standort. Der Ablauf umfasst Zustandsdokumentation, Demontage, Verpackung und Transport, Wiederaufbau, Inbetriebnahme und erneute Abnahme. Rechtlich zu prüfen sind der CE-Status der Maschine, mögliche wesentliche Veränderungen und die Betreiberpflichten am neuen Standort. Technisch sind Netzspannung, Frequenz, Medienparameter und Einbringwege am Zielort mit der Maschine abzugleichen. Oft ist es sinnvoll, ein Retrofit oder einen Overhaul gleich mitzuplanen.

Aus der Praxis

Unterschätzt werden fast immer die Demontagedokumentation und die Steuerung. Fotografieren und kennzeichnen Sie jedes Kabel und jede Übergabestelle, bevor etwas abgeklemmt wird, und sichern Sie SPS-Programme, Antriebsparameter und Rezepte. Ich lasse die Maschine davor einmal laufen und filme sie, damit hinterher klar ist, wie sie gelaufen ist. Dann gibt es keine Diskussion, ob sie schon vorher Probleme hatte. Klären Sie außerdem, wer am neuen Standort Fundament, Medien und Einbringweg vorbereitet, und zwar bevor der erste Wagen beladen wird. Prüfen Sie vorab, ob Netzspannung, Frequenz, Druckluft und Vorschriften am Zielort passen. Ein Umzug ist eine gute Gelegenheit, verschlissene Baugruppen zu tauschen. Machen Sie das aber nur mit klar abgegrenztem Umfang, sonst wird daraus ein Retrofit ohne Budget.

Reserveflächenplanung

Projektleitung & CAPEX

Gezieltes Freihalten von Flächen im Layout für künftige Maschinen, Fördertechnik oder Infrastruktur. Die Reserve wird dort eingeplant, wo mit Erweiterungen zu rechnen ist, zum Beispiel am Linienende für zusätzliche Verpackungsformate oder Palettenplätze. Zur Planung gehören auch Zugänge, Medienanschlüsse und die Tragfähigkeit des Bodens, damit die Fläche später ohne Umbau nutzbar ist. Die Reserve erhöht die Flexibilität bei Erweiterungen und Formatzuwachs. Wie groß sie ausfällt, hängt vom Wachstumsplan und von den Hallenverhältnissen ab, einen festen Prozentwert gibt es nicht.

Aus der Praxis

Reserveflächen verschwinden schnell unter Paletten und Gitterboxen. Markieren Sie die Fläche am Boden und führen Sie sie im Layout als Sperrfläche, sonst nutzt sie nach kurzer Zeit jeder als Lager. Planen Sie die Reserve dort, wo die Linie realistisch wächst. Endverpackung und Palettierung wachsen häufiger als der Prozess davor, weil dort jedes neue Format und jeder neue Handelskunde ankommt. Auch die Medienanschlüsse gehören an die Reservefläche, also Strom, Druckluft und Daten. Sonst wird die Erweiterung später zur Baustelle. Denken Sie außerdem an den Weg dorthin. Die schönste Reservefläche nützt nichts, wenn der Stapler nicht hinkommt oder eine Hallenstütze genau im Weg steht.

Restpunkteliste

Projektleitung & CAPEX

Liste der bei der Abnahme offenen Mängel und Restarbeiten. Zu jedem Punkt gehören eine Beschreibung, ein Verantwortlicher, eine Frist und eine Bewertung, ob der Punkt die Abnahme verhindert oder nicht. Gegebenenfalls wird ein Geldbetrag einbehalten, bis der Punkt erledigt ist. Sie entsteht in der Abnahme, wird dem Abnahmeprotokoll beigelegt und bis zur Endabnahme fortgeschrieben. Die Bewertung folgt häufig einer Mängelklassifizierung. Diszipliniert geführt ist sie das Werkzeug, um ein Projekt wirklich abzuschließen, undiszipliniert wächst sie zur ewigen Baustelle. Im Englischen heißt sie Punch List.

Aus der Praxis

Zwischen SAT und Endabnahme gibt es kaum ein wichtigeres Dokument. Jeder offene Punkt braucht einen Verantwortlichen, einen Termin und eine Bewertung, ob er die Abnahme verhindert oder nicht. Ich führe die Liste immer selbst. Führt sie der Lieferant, gilt am Ende seine Version. Haken Sie erledigte Punkte erst ab, wenn Sie das Ergebnis an der Maschine gesehen haben. Koppeln Sie die Schlusszahlung an die Liste, und zwar an den Stand, den Sie bestätigt haben. Punkte, die lange offen bleiben, werden erfahrungsgemäß nie mehr erledigt, wenn kein Druckmittel mehr da ist. Steht der Monteur schon beim nächsten Kunden, ist das Ersatzteil für die Kleinigkeit plötzlich nicht mehr eilig.

Restrisiko

Qualität & Sicherheit

Risiko, das an einer Maschine nach Anwendung aller Schutzmaßnahmen verbleibt. Nach ISO 12100 mindert der Hersteller Risiken in einer festen Rangfolge. Zuerst kommt die inhärent sichere Konstruktion, danach folgen technische und ergänzende Schutzmaßnahmen, zuletzt die Benutzerinformation. Was nach diesen Schritten übrig bleibt, ist das Restrisiko. Es muss in der Risikobeurteilung bewertet und als ausreichend gemindert eingestuft sein. Der Hersteller beschreibt es in der Betriebsanleitung und kennzeichnet es an der Maschine mit Warnhinweisen. Hinweise in der Anleitung dürfen konstruktiv mögliche Maßnahmen nicht ersetzen. Der Betreiber übernimmt die Restrisiken in seine Gefährdungsbeurteilung und begegnet ihnen etwa mit Unterweisung und persönlicher Schutzausrüstung.

Aus der Praxis

Das Kapitel Restgefahren in der Betriebsanleitung ist oft eine Seite mit Sätzen, die auf jede Maschine passen. Quetschgefahr an bewegten Teilen, Vorsicht heiße Oberfläche. Damit kann keine Schichtleitung arbeiten. Fordern Sie eine Liste, in der jedes Restrisiko mit Ort an der Maschine, Tätigkeit und vorgesehener Maßnahme steht, zum Beispiel heiße Siegelbacken beim Formatwechsel mit Handschuhpflicht und Abkühlzeit. Diese Liste gehört als Lieferumfang ins Lastenheft, sonst bekommen Sie sie nicht. Mit ihr lassen sich Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung konkret schreiben. Schauen Sie besonders auf die Übergaben zwischen zwei Lieferanten. Jeder hat seine eigene Maschine bewertet, die Stelle dazwischen hat keiner betrachtet, und genau dort greift dann jemand in den Förderer.

Restsauerstoffmessung

Qualität & Sicherheit

Messung des Sauerstoffanteils im Kopfraum einer Schutzgaspackung, meist mit Nadelsonde und Septum-Aufkleber an einem Handmessgerät, oder inline über optische Sensoren. Die Nadelmessung zerstört die Packung, sie eignet sich für Stichproben. Der Wert belegt, ob Gasspülung und Siegelung die vorgesehene Atmosphäre erreicht haben, und ist Grundlage für die Haltbarkeitsfestlegung bei MAP-Produkten. Er hängt vom Zeitpunkt ab, denn Produkte mit Poren geben nach dem Siegeln noch Gas ab oder nehmen Sauerstoff auf, bis sich ein Gleichgewicht einstellt.

Aus der Praxis

Ein hoher Restsauerstoff kommt oft von zu kurzer Spülzeit bei gesteigerter Leistung, verstopften Gasdüsen oder einer undichten Packung. Messen Sie zu Schichtbeginn, nach jedem Formatwechsel und in festen Abständen, und dokumentieren Sie den Gasverbrauch mit. Legen Sie außerdem fest, wie lange nach dem Siegeln gemessen wird, sonst vergleichen Sie Werte, die nicht vergleichbar sind. Der Septum-Aufkleber gehört auf eine Stelle ohne Falten, sonst saugt die Nadel Luft von außen mit. Wenn der Sauerstoffwert bei gleichem Gasverbrauch steigt, liegt es fast immer an der Maschine oder an der Naht, nicht am Gas.

Verfahren, bei dem ein Sprachmodell vor der Antwort passende Abschnitte aus einer eigenen Dokumentensammlung sucht, etwa Betriebsanleitungen, Störungshistorie und Wartungsprotokolle, und die Antwort daraus erstellt. Dafür werden die Dokumente in Abschnitte zerlegt und in einem Index so abgelegt, dass sich zu einer Frage die passenden Stellen finden lassen. Das Modell bleibt unverändert, das Wissen liegt in den Dokumenten. Antworten können mit Quellenangabe belegt und die Dokumente laufend aktualisiert werden, ohne das Modell neu zu trainieren.

Aus der Praxis

RAG ist nur so gut wie die Dokumente dahinter. Liegen Anleitungen als schlechte Scans, alte Revisionen oder Zeichnungen ohne Text vor, findet das System nichts oder Veraltetes. Tabellen und Schaltpläne gehen beim Zerlegen in Textabschnitte leicht kaputt. Vor dem KI-Projekt steht deshalb die Dokumentationspflege mit aktuellen Ständen, sauberer Struktur und klarer Zuständigkeit. Testen Sie mit echten Fragen aus der Nachtschicht und prüfen Sie, ob die genannte Quelle wirklich die Antwort enthält. Räumen Sie auch auf, was nicht mehr gilt. Die Anleitung für den Stand vor dem Umbau ist für das System genauso gültig wie die neue.

Retrofit

Projektleitung & CAPEX

Modernisierung einer Bestandsanlage statt Neukauf. Typisch sind eine neue Steuerung, neue Antriebe oder neue Sicherheitstechnik im vorhandenen Maschinenbett, während Rahmen und Mechanik weiterverwendet werden. Ein Retrofit ist oft die wirtschaftlichere Alternative, wenn die Mechanik solide ist. Im Unterschied zum Overhaul geht ein Retrofit über die Wiederherstellung des alten Zustands hinaus und bringt die Maschine technisch auf einen neueren Stand. Ein wesentlicher Umbau kann nach der Maschinenrichtlinie eine neue Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung erfordern. Der Umbauer übernimmt dann die Pflichten des Herstellers.

Aus der Praxis

Ein Retrofit lohnt sich, wenn die Mechanik solide ist und die Elektrik und die Sicherheitstechnik das Problem sind. Liegt es am Maschinenbett selbst, hilft auch die schönste neue SPS nicht. Prüfen Sie vorher die Ersatzteilverfügbarkeit für die Teile, die bleiben, den Formatbedarf der nächsten Jahre und die Hygieneanforderungen. Und beachten Sie: Bei wesentlichen Veränderungen werden Sie rechtlich zum Hersteller. Nach der Maschinenrichtlinie, die von der Maschinenverordnung abgelöst wird, müssen dann Risikobeurteilung und CE-Konformität neu erbracht werden. Das gehört ins Budget und in den Terminplan, nicht in die Fußnote. Klären Sie früh, ob das intern oder durch den Umbauer geschieht. Ein Sicherheitsfachmann beurteilt am besten, ob eine Veränderung wesentlich ist, und nicht der Einkauf.

Rezeptverwaltung

Automatisierung & Robotik

Verwaltung produkt- oder formatbezogener Parametersätze einer Maschine, also Geschwindigkeiten, Temperaturen, Positionen, Toleranzen und Kamerajobs, in der Steuerung, im HMI oder übergeordnet im MES. Rezepte werden angelegt, freigegeben, versioniert und beim Formatwechsel geladen. Änderungen sind nur mit entsprechender Berechtigung möglich und nachvollziehbar, etwa über ein Änderungsprotokoll mit Benutzer, Zeitpunkt und altem Wert. Vom Rezept zu trennen sind die Maschinenparameter, zum Beispiel Achsgrenzen oder Skalierungen, die sich beim Formatwechsel nicht ändern. Das freigegebene Rezept dient als Referenz, gegen die der Istwert geprüft werden kann.

Aus der Praxis

Der Klassiker ist der Einrichter, der sein eigenes Rezept pflegt, und nach dem Schichtwechsel läuft die Maschine anders. Sperren Sie Rezeptänderungen für die Bedienerebene, richten Sie einen Freigabeprozess ein und legen Sie die Rezepte an einer Stelle ab, die regelmäßig gesichert wird. Eine Änderung sollte Namen, Datum und alten Wert hinterlassen, sonst suchen Sie später nach dem Schuldigen statt nach der Ursache. Bei Linien mit mehreren Maschinen sollte ein Formatwechsel alle Rezepte gleichzeitig laden, und die Anlage sollte melden, wenn ein Parameter vom freigegebenen Stand abweicht. Probieren Sie das bei der Abnahme aus. Verstellen Sie einen Wert, laden Sie das Rezept neu und warten Sie ab, ob die Meldung kommt. Kommt keine, wissen Sie, warum die Maschine nach der Spätschicht anders läuft.

Rezyklatanteil (PCR)

Verpackungstechnik

Anteil recycelten Kunststoffs in einer Verpackung, in der Regel als Masseanteil angegeben. Unterschieden wird Post-Consumer-Rezyklat (PCR, aus Haushaltssammlungen) und Post-Industrial-Rezyklat aus Produktionsabfällen. Im Lebensmittelkontakt ist Rezyklat nur aus zugelassenen Recyclingverfahren nach Verordnung (EU) 2022/1616 erlaubt. Rezyklat schwankt in Farbe, Geruch und Verarbeitungsverhalten stärker als Neuware, weil das Ausgangsmaterial wechselt. Eingesetzt wird es in Flaschen, Folien und Transportverpackungen, meist als Beimischung zu Neuware. Der Nachweis läuft über Lieferantenerklärungen und Zertifikate.

Aus der Praxis

Rezyklat ist keine Neuware mit anderem Etikett. Gelbstich, Geruch, Schmelzverhalten und Stippen schwanken von Charge zu Charge, und Stretchfolie mit Rezyklat reißt bei gleicher Vordehnung früher. Fordern Sie Mindestwerte für die relevanten Eigenschaften und Chargenzeugnisse. Fahren Sie den Maschinenversuch über mehrere Rollen und nicht mit einer einzigen Musterrolle, denn die Schwankung sieht man erst in der Folge. Für Lebensmittelkontakt muss der Lieferant das zugelassene Verfahren nachweisen. Bei Transportverpackungen ist Rezyklat unproblematischer und meist der einfachste Einstieg. Sprechen Sie Einkauf und Produktion ab, damit die Quote im Vertrag auch das ist, was die Maschine verträgt.

RFID

Automatisierung & Robotik

Funkbasierte Identifikation ohne Sichtkontakt. Ein Transponder am Objekt trägt eine Kennung und je nach Bauart einen kleinen beschreibbaren Speicher, ein Schreib-Lese-Gerät mit Antenne liest ihn aus und gibt die Daten an die Steuerung weiter. Passive Transponder haben keine eigene Batterie und beziehen ihre Energie aus dem Feld des Lesegeräts. Je nach Frequenzbereich, etwa 13,56 MHz im Hochfrequenzband oder 860 bis 960 MHz im UHF-Band, unterscheiden sich Reichweite und Verhalten an Metall und Flüssigkeiten. Eingesetzt wird RFID für die Erkennung von Formatteilen, die Behälterverfolgung und Zugangsberechtigungen am HMI. Gegenüber optischen Codes ist es unempfindlicher gegen Schmutz.

Aus der Praxis

Sinnvoll ist RFID an Verpackungslinien vor allem bei Formatteilen und Ladungsträgern. Die Maschine merkt selbst, wenn jemand das falsche Formatteil eingebaut hat, und das Lager weiß, wo welche Palette steht. Für die Kennzeichnung einzelner Produkte bleibt der Barcode meist günstiger. Die Reichweite im Datenblatt gilt für freie Luft. Sitzt der Transponder auf Metall oder ist die Umgebung feucht, sieht das ganz anders aus. Hier zeigt sich schnell, ob eine Lösung taugt. Machen Sie den Test deshalb mit dem echten Formatteil an der echten Station. Fragen Sie auch, ob der Transponder Reiniger und Temperaturen im Betrieb aushält und wer ihn ersetzt, wenn er abgerissen ist.

Rillung

Verpackungstechnik

Linienförmige Vorprägung in Karton oder Wellpappe, die eine saubere Faltung ohne Bruch der Deckschicht erlaubt. Sie entsteht beim Stanzen mit Rillinien gegen eine Rillnut oder auf der Wellpappenanlage mit Rillrädern. Rillbreite und Rilltiefe müssen zur Materialstärke passen. Auch die Laufrichtung des Materials beeinflusst die Rissneigung. Fehlerhafte Rillungen führen zu Rissen, aufstehenden Laschen und ungenauen Kartonmaßen. Beim Aufrichten auf der Maschine zeigt sich die Qualität der Rillung unmittelbar, denn die Falzlinie bestimmt, wo und wie der Karton knickt.

Aus der Praxis

Auf der Maschine faltet ein Karton sauber oder wehrt sich, und das entscheidet die Rillung. Zu flache Rillen ergeben aufspringende Laschen und schiefe Kartons, zu tiefe reißen die Außendecke. Bei Reklamationen wegen Aufrichtfehlern prüfen Sie zuerst Rillqualität und Feuchte der Zuschnitte, bevor Sie an der Maschine drehen. Zu trockene Zuschnitte reißen schneller, feuchte werden weich und halten die Falz nicht. Ich lasse mir in so einem Fall Zuschnitte aus mehreren Paletten geben und falte sie von Hand. Dann sieht man, ob alle gleich zicken. Schreiben Sie mit dem Lieferanten Rillbreite und Rilltiefe in die Spezifikation und klären Sie, wie das Stanzwerkzeug auf Verschleiß geprüft wird.

Rinser

Verpackungstechnik

Maschine, die Behälter unmittelbar vor der Füllung von Staub, Partikeln und Rückständen befreit, mit Wasser, Luft oder ionisierter Luft. Beim Wasserrinser werden die Behälter gestürzt, innen ausgespritzt und abgetropft. Der Luftrinser bläst den Behälter aus und saugt den Staub ab, die Ionisierung löst elektrostatisch haftende Partikel. Bei Neuglas und Neu-PET kommt meist der Luftrinser zum Einsatz, weil er wasserlos arbeitet, Aufbereitung spart und die Flasche für die Etikettierung trocken hält. Der Rinser sitzt vor dem Füller, häufig als Block mit Füller und Verschließer.

Aus der Praxis

Bei Neuglas und PET reicht oft die Trockenreinigung. Sie spart Wasser, Aufbereitung und Trocknung. Auch Dosen laufen oft durch einen Rinser, weil sie vom Palettenlager her verstaubt ankommen. Beim Wasserrinser bleibt Restwasser in der Flasche, wenn die Abtropfzeit zu kurz ist, und das gehört nicht ins Produkt. Düsen verkalken, und das Spülwasser muss die Qualität haben, die das Produkt verträgt. Prüfen Sie Spülzeit, Abtropfzeit und die Formatvielfalt der Gebinde. Ein Rinser, der bei jedem Format neu eingestellt werden muss, kostet mehr Zeit, als er an Reinigung bringt. Luftrinser brauchen saubere Filter und eine Absaugung, die den Staub auch wirklich aus dem Raum holt.

Risikobeurteilung

Qualität & Sicherheit

Systematische Ermittlung und Bewertung aller Gefährdungen einer Maschine über den gesamten Lebenszyklus, Pflichtgrundlage jeder CE-Kennzeichnung und jeder Sicherheitsauslegung (PL/SIL). Das Vorgehen beschreibt ISO 12100. Zuerst werden die Grenzen der Maschine festgelegt, dann Gefährdungen ermittelt, das Risiko eingeschätzt und bewertet und bei Bedarf gemindert, in der Reihenfolge inhärent sichere Konstruktion, technische Schutzmaßnahmen, Benutzerinformation. Das Ganze wird wiederholt, bis das Restrisiko vertretbar ist. Beim Retrofit und bei Verkettungen ist sie neu zu betrachten.

Aus der Praxis

CE-Konformität steht und fällt mit der Risikobeurteilung. Sie muss vor der Konstruktion beginnen, nicht nach dem Aufbau. Lassen Sie sich vom Lieferanten die Risikobeurteilung zeigen und prüfen Sie sie mit Ihrer Sicherheitsfachkraft, vor allem die Betriebsarten wie Einrichten, Reinigen und Störungsbeseitigung. Dort passieren die Unfälle, nicht im Automatikbetrieb. Ich lese zuerst die Tabelle der Betriebsarten und schaue, ob dort der Mensch mit dem Schraubenschlüssel vorkommt. Wo das Restrisiko nur noch aus einem Hinweis in der Betriebsanleitung besteht, lohnt sich Nachfragen. Bei Verkettungen mit anderen Maschinen fehlt oft die Schnittstelle, weil jeder Lieferant nur seine eigene Maschine betrachtet hat.

Risikoregister

Projektleitung & CAPEX

Lebende Liste der Projektrisiken. Zu jedem Risiko stehen Beschreibung, Eintrittswahrscheinlichkeit, Auswirkung auf Termin, Kosten oder Qualität, Gegenmaßnahme, Verantwortlicher und Status. Aus Wahrscheinlichkeit und Auswirkung ergibt sich eine Bewertung, nach der die Risiken in einer Matrix sortiert werden. Das Register wird regelmäßig, etwa monatlich, im Projektteam durchgegangen. Es dient als Frühwarnsystem und nicht als Ablage. Wirtschaftlich relevante Risiken fließen in die Contingency ein, die Budgetreserve. Abzugrenzen ist die Risikobeurteilung nach Maschinenrichtlinie, die Gefährdungen an der Maschine bewertet und nicht Projektrisiken.

Aus der Praxis

Das Risikoregister ist im Kern eine einfache Tabelle. Sie hält fest, was das Projekt gefährden könnte, wie wahrscheinlich das ist, wie teuer es würde und was Sie vorher dagegen tun. Typische Einträge bei Verpackungsprojekten sind eine verspätete Packmittelfreigabe, eine zu geringe Hallenhöhe, ein überlasteter Lieferant oder Formatteile, die zur FAT fehlen. Gehen Sie die Liste jeden Monat im Team durch und streichen Sie, was erledigt ist. Bewerten Sie nach der Gegenmaßnahme noch einmal neu, sonst bleibt ein Risiko in Rot stehen, obwohl es längst beherrscht ist. Geben Sie jedem Eintrag einen Namen, sonst gehört er allen und damit keinem. Wer das macht, hat weniger Überraschungen. Und er hat eine Antwort parat, wenn der Lenkungsausschuss fragt, was schiefgehen kann.

Roboterzelle

Automatisierung & Robotik

Abgeschlossener Arbeitsbereich eines Roboters mit Schutzeinrichtungen, Steuerung, Zuführung und Abgabe. Zur Schutztechnik gehören Zaun, verriegelte Türen oder Lichtgitter, Not-Halt und ein Quittierpunkt außerhalb des Gefahrbereichs. Der Roboterarm wird in der Regel als unvollständige Maschine mit Einbauerklärung geliefert. Erst die Zelle als Ganzes wird vom Integrator bewertet, CE-gekennzeichnet und in die Linie eingebunden. Sicherheitsanforderungen an Robotersysteme und deren Integration beschreibt ISO 10218-2. Grundlage ist die Risikobeurteilung der gesamten Zelle einschließlich der Eingriffe für Beladung und Formatwechsel.

Aus der Praxis

Rechnen Sie im Layout mit mehr Fläche, als der Roboter selbst braucht. Dazu kommen Zaun, Schutzabstände und die Wege für Formatwechsel und Palettentausch. Zeichnen Sie Türen, Materialschleusen und Sichtlinien für die Bediener von Anfang an mit ein, sonst wird jeder Eingriff zum Umweg. Der Quittiertaster gehört an eine Stelle, von der man die ganze Zelle einsehen kann, sonst wird quittiert, ohne nachzuschauen. Bei Palettierzellen entscheidet der Palettenwechsel ohne Zellenstopp über die echte Verfügbarkeit. Lassen Sie sich bei der Abnahme vorführen, wie ein Bediener eine volle Palette herausnimmt, während der Roboter an der anderen weiterarbeitet.

ROI

Kennzahlen

Verhältnis von Ertrag zu eingesetztem Kapital. Davon zu unterscheiden ist die Amortisationszeit, also die Zeit bis zur Rückverdienung der Investition, die in Projekten oft daneben als Kennzahl steht. Bei Automatisierung müssen alle Effekte in die Rechnung, etwa Personal, OEE, Give-away, Qualität und Unfälle, ebenso alle Kosten wie Integration, Schulung und Wartung. Fehlt eine Seite, ist der ROI Kosmetik. Als Grundlage dienen belegbare Zahlen aus der Stillstandsanalyse und die echten Materialpreise.

Aus der Praxis

Bei Verpackungsinvestitionen wird der ROI oft zu optimistisch gerechnet. Da stehen Personaleinsparungen, die sich nicht realisieren lassen, weil dieselben Leute an anderer Stelle gebraucht werden, dazu Leistung, die die Linie nie erreicht, und vergessene Betriebskosten. Rechnen Sie konservativ, mit belegbaren Zahlen aus der Stillstandsanalyse und den echten Materialpreisen. Eine ehrlich gerechnete Amortisation von drei Jahren überzeugt Geschäftsführung und Bank mehr als eine geschönte von 18 Monaten, die nach einem Jahr keiner mehr halten kann. Ich rechne neben dem Idealfall immer einen Fall mit, in dem die Linie langsamer anläuft als geplant. Das tut weh, aber es ist die Zahl, die später stimmt.

Rollenförderer

Intralogistik

Fördertechnik aus angetriebenen oder nicht angetriebenen Rollen für Kartons und Paletten. Nicht angetriebene Rollenbahnen arbeiten mit Schwerkraft oder von Hand, angetriebene Rollen werden einzeln durch Motorrollen oder gemeinsam über Ketten oder Rundriemen bewegt. Staurollenförderer mit Zonensteuerung teilen die Strecke in Abschnitte, die das Gut einzeln anhalten und weitergeben, sodass ohne Staudruck gepuffert wird. Wichtige Auslegungsgrößen sind Rollenteilung, Rollendurchmesser und Tragfähigkeit. Rollenförderer verketten die Maschinen am Linienende und im Versand und bilden dort meist die Grundstruktur der Anlage.

Aus der Praxis

Staurollenförderer mit Zonensteuerung puffern ohne Produktdruck und sparen Energie, weil nur die Zonen laufen, in denen gerade Ware steht. Achten Sie auf die Rollenteilung, die zur kleinsten Kartonlänge passen muss, auf Kurvenradien und auf die Übergaben zwischen zwei Strecken, an denen Kartons gern verkanten. Planen Sie die Reinigung unter dem Förderer gleich mit. Folienreste und Kartonstaub sammeln sich dort und wickeln sich auf die Rollen. Für Paletten sind Kettenförderer oft belastbarer als Rollen, das hängt aber von der Palettenqualität ab. Mit gebrochenen Brettern kommt jede Rollenbahn schlecht zurecht. Weiche Kartonböden und Beutel gehören eher auf einen Gurtförderer.

Routenzug

Intralogistik

Schlepper mit mehreren Anhängern, der Stationen auf einer festen Route im Takt versorgt. Der Zug bündelt Transporte und ersetzt Einzelfahrten mit dem Stapler. Die Anhänger tragen Rollwagen, Trolleys oder Paletten, die an den Stationen, den sogenannten Bahnhöfen, an- und abgekoppelt oder seitlich be- und entladen werden. Ein Fahrplan legt fest, wann der Zug welche Station bedient. Gelenkt wird er von einem Fahrer, zunehmend fährt er auch fahrerlos als FTS-Routenzug. Die Auslegung folgt dem Materialbedarf der Linien, den Behältergrößen und den Wegen im Werk.

Aus der Praxis

Der Routenzug versorgt mehrere Linien in einer Fahrt und nimmt Staplerverkehr aus der Produktion. Das senkt das Unfallrisiko und die Zahl der Leerfahrten im Werk. Voraussetzung sind Fahrwege mit ausreichender Breite und passenden Kurvenradien, Bahnhöfe an den Linien und Behälter oder Trolleys, die zum Zug passen. Die Wegeanalyse zeigt, ob das Volumen einen Routenzug rechtfertigt oder ob ein Milkrun mit Handhubwagen reicht. Der Zug lebt vom Fahrplan. Kommt er zu spät, steht die Linie, kommt er zu früh, ist der Bahnhof noch voll. Wo Fußgänger und Zug denselben Gang nutzen, brauchen Sie klare Regeln und markierte Wege.

Rückverfolgbarkeit

Qualität & Sicherheit

Lückenloser Nachweis, welche Rohstoffcharge in welcher Fertigpackung steckt und wohin diese geliefert wurde. Im Lebensmittelrecht verlangt die Verordnung (EG) 178/2002, dass Unternehmen ihre Lieferanten und Abnehmer benennen können, jeweils eine Stufe zurück und eine Stufe vor. Der Nachweis wird im Rückrufszenario geübt. Anlagen müssen Chargentrennung und Datenerfassung unterstützen, etwa über Codierer, Scanner und die Anbindung an das Produktionsdatensystem. Die Verpackungslinie ist das letzte Glied der Kette, denn hier werden Chargennummer und Mindesthaltbarkeit auf die Packung gebracht und mit Palette und Lieferschein verknüpft.

Aus der Praxis

Rückverfolgbarkeit bedeutet, im Ernstfall innerhalb von Stunden zu wissen, welche Charge in welche Palette ging. Technisch heißt das: Chargennummern auf jeder Verpackungsebene, verknüpft mit Palettenetikett und Lieferschein. An der Linie ist der kritische Punkt der Chargenwechsel. Wer ihn nicht sauber im System dokumentiert, muss bei einem Rückruf ganze Tage sperren statt einzelner Stunden. Genauso heikel sind Nacharbeit und Rückläufer, die in eine neue Charge eingemischt werden, ohne dass es jemand festhält. Mischpaletten erwischen die Auswertung gern auf dem falschen Fuß. Spielen Sie den Rückruf einmal durch, solange nichts passiert ist. Dann sehen Sie, wo die Daten fehlen.

Rundläufer

Verpackungstechnik

Bauart von Maschinen zum Füllen, Verschließen und Etikettieren, bei der die Behälter auf einem rotierenden Karussell durch mehrere gleichartige Bearbeitungsstationen laufen und kontinuierlich bearbeitet werden. Ein Einlaufstern übernimmt die Behälter vom Förderer, ein Auslaufstern gibt sie wieder ab. Die Anzahl der Stationen, also Füllventile oder Verschließköpfe, bestimmt die Leistung bei gegebener Drehzahl. Gegenstück ist die Linearmaschine mit stehenden oder getakteten Behältern. Medien wie Produkt, Druckluft oder Vakuum gelangen über einen Drehverteiler in das rotierende Karussell.

Aus der Praxis

Über die Stationszahl lässt sich die Leistung eines Rundläufers hochskalieren, aber jede Station ist eine mögliche Fehlerquelle. Ein defektes Füllventil verschlechtert die Statistik der Kontrollwaage, ohne dass die Maschine stoppt. Verlangen Sie, dass die Kontrollwaage jedem Ventil und jedem Kopf zugeordnet wird und das Ergebnis in die Trendregelung zurückfließt. Der Formatwechsel betrifft Ein- und Auslaufsterne, Führungsbögen und Höhenverstellung. Ich zähle bei jedem Angebot die Einstellpunkte, bevor ich eine Rüstzeitangabe glaube. Wo sich etwas nur mit Werkzeug und Erfahrung einstellen lässt, wird der Formatwechsel schnell zur Schichtaufgabe. Fragen Sie auch nach den Dichtungen am Drehverteiler. Sie sind Verschleißteile und gehören in den Ersatzteilsatz.

Rüstmatrix

Kennzahlen

Tabelle, die für jede Kombination aus laufendem und folgendem Produkt den Aufwand für den Wechsel angibt. Meist stehen in den Zeilen die Ausgangsprodukte und in den Spalten die Folgeprodukte. In den Feldern stehen die Rüstzeit und je nach Bedarf die Art der Reinigung oder die benötigten Formatteile. Symmetrisch ist eine Rüstmatrix in der Regel nicht. Der Wechsel von einer hellen auf eine dunkle Sorte oder von einem allergenfreien auf ein allergenhaltiges Produkt geht schneller als umgekehrt, denn in der Gegenrichtung muss gründlich gereinigt werden. In der Feinplanung dient die Matrix dazu, Aufträge so aneinanderzureihen, dass die Summe der Rüstzeiten klein bleibt. Für SMED-Projekte zeigt sie, welche Wechsel besonders lange dauern.

Aus der Praxis

In vielen Werken gibt es die Rüstmatrix längst, nur steht sie im Kopf des Schichtführers. Er weiß, dass man nach der Nussvariante nicht einfach die allergenfreie Sorte fährt, und plant die Woche entsprechend. Ist er im Urlaub, plant die Arbeitsvorbereitung nach Liefertermin und wundert sich über den halben Tag Reinigung. Schreiben Sie die Matrix also auf, und zwar mit gemessenen Zeiten aus der Betriebsdatenerfassung. Die Sollwerte aus dem Angebot des Maschinenlieferanten gelten meist für einen geübten Monteur mit vorbereitetem Formatteilwagen. Trennen Sie in der Matrix die Umbauzeit an der Maschine von der Reinigung, denn dafür sind oft verschiedene Leute zuständig. Und rechnen Sie damit, dass der Vertrieb die schönste Reihenfolge mit einem Eilauftrag am Mittwoch wieder zerlegt.

Rüstzeit

Kennzahlen

Zeit vom letzten Gutteil des alten bis zum ersten Gutteil des neuen Auftrags, einschließlich der Anlaufverluste und nicht bloß der reinen Umbauarbeiten. Sie umfasst Ausräumen, Formatteilwechsel, Einstellen, Reinigen und das Einfahren bis zur stabilen Produktion. Ehrlich gemessen ist sie meist deutlich länger als gefühlt. Zu unterscheiden sind interne Rüstanteile, bei denen die Maschine steht, und externe, die bei laufender Maschine vorbereitet werden können. Beim Sortenwechsel in der Lebensmittelproduktion kommen Reinigung und gegebenenfalls ein Allergenwechsel hinzu. Die Methode zur Verkürzung heißt SMED.

Aus der Praxis

Rüstzeit ist die am meisten unterschätzte Kapazitätsreserve. Bei drei Formatwechseln pro Tag zu je 45 Minuten gehen über zwei Stunden verloren, jeden Tag. Mit den SMED-Prinzipien lässt sich die Zeit oft ohne Investition deutlich senken, dazu gehören externe Vorbereitung, Formatteile auf dem Wagen und Zählskalen statt Probieren. Beim Neukauf gehören werkzeugloser Wechsel und gespeicherte Formatrezepte ins Lastenheft. In der Lebensmittelproduktion hängt die Zeit außerdem an der Reihenfolge der Sorten. Eine Rüstmatrix, die Sorten ohne Allergen vor solche mit Allergen legt, spart Reinigungszeit, ohne dass jemand schneller arbeitet. Stoppen Sie einen Wechsel einmal komplett, vom letzten Gutteil bis zum ersten, und halten Sie das neben die Zahl, die im Kopf steckt.

S

Safe Torque Off (STO)

Automatisierung & Robotik

Sichere Antriebsfunktion nach IEC 61800-5-2, bei der die Ansteuerung der Leistungshalbleiter im Frequenzumrichter oder Servoverstärker sicher unterbrochen wird, sodass der Motor kein Drehmoment mehr aufbauen kann. Die Funktion ist meist zweikanalig ausgeführt und entspricht einem ungesteuerten Halt der Stopp-Kategorie 0 nach EN 60204-1. STO trennt nicht die Netzspannung und bremst nicht aktiv, der Antrieb trudelt aus, wenn keine Bremse eingreift. Wer vorher kontrolliert abbremsen will, nutzt SS1, das sichere Stillsetzen mit anschließendem STO. STO verhindert einen unerwarteten Anlauf, ersetzt aber keine Freischaltung für Arbeiten an der Leistungselektronik.

Aus der Praxis

STO spart Schütze im Motorkreis, dazu Platz und Verdrahtung. Der Antrieb wird dabei aber nur drehmomentfrei geschaltet und nicht gebremst. Hängende Lasten fallen ohne mechanische Bremse nach unten, und ein austrudelnder Antrieb läuft unter Umständen noch Sekunden nach. Für Schutztüren ist deshalb oft SS1 richtig, also erst sicher abbremsen und dann STO. Messen Sie bei der Abnahme die Nachlaufzeit selbst nach, einmal mit voller Last und mit der Stoppuhr. Prüfen Sie außerdem, ob der Umrichter die Funktion überhaupt zertifiziert hat, nicht jeder günstige Antrieb bringt das mit. Und denken Sie daran, dass STO keine Freischaltung ist. Wer an der Leistungselektronik arbeitet, schaltet den Hauptschalter aus und sichert ihn.

Safety-Zone-Konzept

Automatisierung & Robotik

Festlegung, welche Bereiche einer Anlage mit Robotern oder fahrerlosen Transportsystemen durch Schutzeinrichtungen überwacht werden und wie die Anlage auf einen Zutritt reagiert. Sicherheits-Laserscanner und Lichtgitter erkennen die Annäherung, die Anlage wird verlangsamt oder gestoppt. Üblich sind gestaffelte Zonen mit einem Warnfeld und einem Schutzfeld. Die Abstände richten sich nach Annäherungsgeschwindigkeit und Nachlaufzeit, die Berechnung beschreibt ISO 13855. Ein gutes Konzept verbindet Ergonomie und Produktivität, denn zu große Zonen bremsen die Anlage und zu kleine gefährden Menschen. Grundlage ist die Risikobeurteilung.

Aus der Praxis

Legen Sie das Zonenkonzept mit Bedienern und Instandhaltung fest, bevor die Schutzeinrichtungen bestellt werden. Ein Scanner, der später versetzt werden muss, kostet Zeit und eine neue Abnahme. Gehen Sie jede Zone mit den Routinen durch, die wirklich vorkommen, also Palettenwechsel, Störungsbeseitigung und Reinigung. Wo mehrmals pro Schicht quittiert werden muss, wird bald manipuliert, und dann hilft das schönste Konzept nichts. Staub, Folienreste und spiegelnde Flächen vor dem Scanner führen zu Fehlauslösungen, und die ruinieren schnell die Akzeptanz an der Linie. Fragen Sie auch, wie die Schutzfelder beim Palettenwechsel umgeschaltet werden und ob diese Umschaltung selbst sicher ausgeführt ist. Grundlage in Deutschland ist die DGUV-Regel 100-500, Kapitel Industrieroboter.

SAT

Projektleitung & CAPEX

Site Acceptance Test, der Abnahmetest nach dem Aufbau beim Betreiber unter realen Produktionsbedingungen, mit echtem Produkt, echtem Personal und echter Umgebung. Er folgt auf Montage und Inbetriebnahme und ist das Gegenstück zur FAT beim Lieferanten. Geprüft werden die vertraglich zugesagten Leistungsdaten, die Funktion der Schnittstellen zu den Nachbarmaschinen, die Sicherheitsfunktionen und die Dokumentation. Das Ergebnis wird im Abnahmeprotokoll festgehalten. Offene Punkte kommen in die Restpunkteliste. Je nach Vertrag hängen an einem bestandenen SAT die Schlusszahlung und der Beginn der Gewährleistungsfrist.

Aus der Praxis

Der SAT ist die Abnahme in Ihrem Werk, unter Ihren Bedingungen und mit Ihrem Personal. Er scheitert selten an der Maschine. Meist fehlt etwas drumherum: Das Produkt ist nicht verfügbar, die Packmittel sind nicht freigegeben, die Schnittstelle zur Nachbarmaschine ist noch offen. Bereiten Sie den SAT vor wie eine Produktionsschicht, mit Materialbereitstellung und Personal für die ganze Schicht. Fahren Sie auch das schwierigste Packmittel und das empfindlichste Produkt aus dem Sortiment. Mit dem Musterfall läuft jede Maschine. Legen Sie vorab fest, welche Messungen gelten, wer sie macht und was als bestanden zählt, sonst fängt die Diskussion erst in der Abnahme an. Halten Sie das Ergebnis im Protokoll fest, samt Restpunkteliste.

Sauerstoffdurchlässigkeit (OTR)

Qualität & Sicherheit

Oxygen Transmission Rate: Menge Sauerstoff, die je Fläche und Tag durch eine Folie oder Verpackung diffundiert, angegeben in cm³/(m²·d·bar) bei definierter Temperatur und Feuchte. Barrierekennwert für Produkte, die durch Oxidation verderben, sowie für Schutzgasverpackungen (MAP) und Vakuumverpackungen. Der Wert gilt für eine bestimmte Foliendicke, je dicker die Schicht, desto geringer die Durchlässigkeit. Hohe Barrieren bilden Schichten aus EVOH, Polyamid oder Aluminium, die in Verbundfolien kombiniert werden. Gemessen wird an der ebenen Folie, nicht an der fertigen Packung.

Aus der Praxis

Für Schutzgasverpackungen hängt die Haltbarkeit stark an der OTR, aber nur, wenn Siegelnaht und Restsauerstoff mitspielen. Eine Hochbarrierefolie nützt nichts, wenn die Naht undicht ist oder die Begasung zu viel Restsauerstoff lässt. Beachten Sie, dass EVOH- und PA-Barrieren bei hoher Feuchte schlechter werden. Verlangen Sie Messwerte unter realen Lagerbedingungen und prüfen Sie den Sauerstoffgehalt in der Packung über die Haltbarkeit. Das Datenblatt gilt für die glatte Folie. Knickstellen an Falten und Kanten, besonders bei metallisierten Schichten, lassen die Barriere in der fertigen Packung schlechter ausfallen. Fragen Sie den Lieferanten, ob er das an gefalteten Mustern gemessen hat.

SCADA

Automatisierung & Robotik

Leitsystemebene über den einzelnen Maschinensteuerungen, die Abkürzung steht für Supervisory Control and Data Acquisition. Ein SCADA-System visualisiert und bedient ganze Linien oder Werke, erfasst Daten, meldet und archiviert Alarme und legt Verläufe ab. Es kommuniziert mit den Steuerungen (SPS) über Treiber oder Standardschnittstellen wie OPC UA und gibt Daten an die IT-Ebene weiter. Damit ist es das Bindeglied zwischen Maschinenebene und MES oder ERP. Vom HMI, das eine einzelne Maschine vor Ort bedient, unterscheidet es sich durch den Blick über mehrere Maschinen, vom MES durch den Schwerpunkt auf Anlagenzuständen statt auf Aufträgen und Produktionsdaten.

Aus der Praxis

Ein SCADA-System zeigt Füllstände, Störungen und Leistung mehrerer Linien auf einen Blick. In vielen Verpackungsbetrieben reicht dafür ein Linien-HMI mit einer übergeordneten Anzeige. Ein vollständiges SCADA lohnt bei vielen Linien oder wenn Prozesstechnik davorhängt. Klären Sie, wo die Daten liegen und wer worauf zugreifen darf, sonst entsteht ein System, das nur der Integrator versteht. Lassen Sie die Bildschirme von den Leuten mitgestalten, die nachts darauf schauen. Und fragen Sie, wer künftig Updates und Sicherungen übernimmt. Legen Sie außerdem fest, wer welchen Alarm bekommt und wer ihn quittiert, sonst wird die Alarmliste zur Tapete.

SCARA-Roboter

Automatisierung & Robotik

Vierachsiger Horizontal-Gelenkarmroboter, dessen Abkürzung für Selective Compliance Assembly Robot Arm steht. Zwei Drehachsen bewegen den Arm in der Ebene, eine lineare Hubachse führt senkrecht auf und ab, eine vierte Achse dreht das Werkzeug um die Senkrechte. Der Arm ist in senkrechter Richtung steif und in der Ebene nachgiebig, daher der Name. Er arbeitet schnell und präzise in der Ebene und eignet sich für Montage- und Handlingaufgaben mit begrenztem Bauraum. SCARA-Roboter liegen zwischen dem Deltaroboter, der auf Geschwindigkeit ausgelegt ist, und dem Sechsachser, der auf Flexibilität ausgelegt ist.

Aus der Praxis

Bei flachen Aufgaben macht der SCARA im Takt meist eine gute Figur, etwa beim Aufsetzen von Deckeln oder beim Einlegen kleiner Produkte in Trays. Er stößt an Grenzen, sobald ein Produkt gekippt werden muss oder der Hub größer wird. Zeichnen Sie den Arbeitsraum mit Ihrem größten Format ein und vergessen Sie dabei den Bereich direkt um den Sockel nicht, den der Arm nicht erreicht. Rechnen Sie die Traglast mit Greifer, Schläuchen und Saugern, nicht mit dem Produkt allein. Prüfen Sie auch den Hub der senkrechten Achse gegen die höchste Packung und das tiefste Tray. Erst dann entscheiden Sie, ob der günstigere SCARA statt eines Knickarms reicht. Wer hier zu knapp plant, bestellt am Ende den Knickarm doch.

Schalldruckpegel

Qualität & Sicherheit

Kenngröße für die Lärmemission einer Maschine, angegeben als A-bewerteter Emissions-Schalldruckpegel am Arbeitsplatz in Dezibel. Er wird nach genormtem Verfahren unter festgelegten Betriebsbedingungen gemessen und hängt von Abstand und Raum ab, im Unterschied zum Schallleistungspegel, der die Schallquelle selbst beschreibt. Die Angabe ist Pflichtbestandteil der Betriebsanleitung nach Maschinenrichtlinie. Für den Betreiber zählt die Lärmexposition der Mitarbeiter, ab bestimmten Auslösewerten sind Gehörschutz und Maßnahmen zur Lärmminderung vorgeschrieben, geregelt in der Arbeitsschutzverordnung zu Lärm und Vibrationen.

Aus der Praxis

Herstellerangaben gelten für die einzelne Maschine im Prüfraum. In der Halle summieren sich Verschließer, Druckluftabblasung, Vibrationsrinnen und Förderer, und Dezibel rechnen sich nicht wie Meter: Zwei gleich laute Maschinen ergeben nur etwa 3 Dezibel mehr, und das reicht trotzdem, um über eine Auslöseschwelle zu kommen. Fordern Sie den Schalldruckpegel unter Ihren Betriebsbedingungen im Lastenheft und messen Sie nach der Inbetriebnahme nach. Druckluftdüsen und Auswerfer sind häufig die lautesten Bauteile und lassen sich mit geringem Aufwand entschärfen. Der Hallenboden und die Wände entscheiden mit, ob es nachhallt. Lärmminderung im Nachhinein ist teurer als beim Kauf.

Schaltplan

Projektleitung & CAPEX

Elektrische Dokumentation einer Maschine. Sie umfasst Stromlaufpläne, Klemmenpläne, Kabellisten, den Schaltschrankaufbau, die Betriebsmittelkennzeichnung und Verweise auf Sicherheitsfunktionen. Der Schaltplan wird meist in einem CAE-System erstellt, die Kennzeichnung folgt in der Regel der Werksnorm des Betreibers. Anforderungen an die technische Dokumentation der elektrischen Ausrüstung enthält die Norm DIN EN 60204-1. Für die Instandhaltung ist der Schaltplan das wichtigste Werkzeug bei elektrischen Störungen, vor allem zusammen mit dem Klemmenplan und der Signalliste.

Aus der Praxis

Verlangen Sie die Schaltpläne im nativen CAE-Format und zusätzlich als PDF, mit Betriebsmittelkennzeichen, die an Kabeln, Klemmen und Geräten wiederzufinden sind. Ein Plan, dessen Nummern am Schrank nicht stehen, ist nachts um drei wenig wert. Ich mache bei der Abnahme immer eine Stichprobe: Eine Klemme im Plan suchen und im Schaltschrank nachsehen, ob Draht und Beschriftung passen. Änderungen aus der Inbetriebnahme müssen mit Datum nachgeführt werden. Lassen Sie den Revisionsstand auf jedem Blatt ausweisen, damit klar ist, welcher Plan der gültige ist. Der handschriftlich korrigierte Plan im Schaltschrank ist üblich, aber er muss auch in die Datei, sonst arbeitet der nächste Elektriker mit dem Stand von gestern.

Schaltschrankbau

Automatisierung & Robotik

Planung und Fertigung des Schaltschranks einer Maschine nach EN 60204-1 und EN 61439. Dazu gehören der Aufbau von Einspeisung, Absicherung, Steuerung, Antriebsreglern, Sicherheitstechnik und Klemmen, die Kühlung oder Klimatisierung, die Kabeleinführung, die Erdung und die Kennzeichnung. Grundlage ist der Stromlaufplan, nach dem die Bauteile auf der Montageplatte montiert und verdrahtet werden. Die Verlustleistung der Bauteile bestimmt die nötige Kühlung, die Schutzart richtet sich nach dem IP-Code. Am Ende stehen eine Werksprüfung mit Funktionstest und die Dokumentation. Werksnormen legen häufig Hersteller, Farben, Reserveplatz und Beschriftung fest.

Aus der Praxis

Ärger macht ein Schaltschrank meistens über die Temperatur. Typisches Bild ist der Frequenzumrichter im unbelüfteten Schrank, direkt neben dem Schrumpftunnel. Verlangen Sie eine Verlustleistungsberechnung und eine Klimatisierung, die zur Hallenumgebung passt. Staub, Wärme und die Reinigung der Halle gehören dazu. Fordern Sie Reserveplatz für spätere Erweiterungen und genügend freie Klemmen. Achten Sie darauf, dass Beschriftung und Betriebsmittelkennzeichnung im Schrank zum Schaltplan passen, sonst wird die Fehlersuche nachts zum Ratespiel. Schauen Sie sich den Aufstellort an, bevor Sie unterschreiben. Die Tür muss im laufenden Betrieb aufgehen, auch wenn daneben schon der nächste Kasten steht. Im Hygienic Design gehört der Schrank aus dem Nassbereich heraus, sonst arbeitet die Reinigung gegen die Elektrik.

Schaltschrankklimatisierung

Maschinenbau & Komponenten

Maßnahmen, die die Verlustwärme der Komponenten aus dem Schaltschrank abführen und Temperatur und Feuchte im zulässigen Bereich halten. Größte Wärmequellen sind Frequenzumrichter, Servoregler und Netzteile. Filterlüfter tauschen Schrankluft gegen Umgebungsluft und funktionieren nur, wenn die Halle kühler ist als der Schrank. Luft-Luft-Wärmetauscher arbeiten mit getrennten Kreisläufen, Kühlgeräte mit Kältekreis kühlen auch unter Umgebungstemperatur. Luft-Wasser-Wärmetauscher geben die Wärme an einen Kaltwasserkreis ab. Gegen Kondensat bei Stillstand helfen Schaltschrankheizungen mit Hygrostat. Ausgelegt wird nach Verlustleistung, Schrankoberfläche, Aufstellungsart und Umgebungstemperatur. Den Erwärmungsnachweis für Schaltgerätekombinationen regelt DIN EN 61439.

Aus der Praxis

Im Sommer steht in vielen Werken irgendwann die Schaltschranktür offen und ein Standventilator davor. Das kühlt eine Weile, holt aber Staub, Mehl oder Zuckerstaub in den Schrank, und die Schutzart ist dahin. Filterlüfter brauchen saubere Matten, sonst laufen sie nur noch für das Geräusch. In Nassbereichen mit Schaumreinigung haben sie gar nichts verloren. Bei Kühlgeräten achten Sie auf das Kondensat. Steht der Sollwert zu tief, wird es im Schrank feucht, weil die Luft unter ihren Taupunkt abkühlt. Ein Türkontakt, der das Gerät bei offener Tür abschaltet, gehört deshalb immer dazu. Fragen Sie den Lieferanten nach der Wärmebilanz des Schranks und nach der Umgebungstemperatur, für die er ausgelegt hat. Der Wert passt oft für seine Montagehalle, aber nicht für eine Bühne direkt unter dem Hallendach.

Schaltschrankreserve

Automatisierung & Robotik

Bewusst eingeplanter Freiraum im Schaltschrank für spätere Erweiterungen. Dazu zählen freier Platz auf der Montageplatte und im Kabelkanal, freie Klemmen, freie Ein- und Ausgänge samt Steckplätzen sowie Reserven bei Absicherung, Netzteil, Einspeisung und Kühlung. So lassen sich Nachrüstungen wie zusätzliche Sensorik, Antriebe oder Kommunikationsmodule ohne Komplettumbau ausführen. Umfang und Ausführung der Reserve werden im Lastenheft oder in der Werksnorm festgelegt, denn ohne Vorgabe fällt sie knapp aus. Sie wird bei der Abnahme am Schrank selbst geprüft, der Blick in die Unterlagen reicht dafür nicht.

Aus der Praxis

Wer die Reserve nicht in die Ausschreibung schreibt, bekommt den knappsten Schrank, der die Norm gerade so erfüllt. Ich lege deshalb schon in der Anfrage fest, wie viel freie Montagefläche, freie Klemmen sowie digitale und analoge Kanäle bleiben müssen, dazu eine thermische Reserve. Prüfen Sie das beim FAT nach. Reserve auf dem Papier ist oft schon vom Nachtrag Nummer drei belegt. Neben dem Platz zählt die Kühlleistung. Ein zusätzlicher Frequenzumrichter bringt einen ausgereizten Schrank schnell an seine Temperaturgrenze. Schauen Sie auch auf Netzteil und Einspeisung, denn freie Klemmen helfen wenig, wenn für den nächsten Verbraucher kein Strom mehr da ist.

Scharnierbandkette

Intralogistik

Förderkette aus flachen Platten, die über angeformte Scharnierösen und Bolzen gelenkig verbunden sind und gemeinsam eine geschlossene Förderfläche bilden. Scharnierbandketten bestehen aus Edelstahl oder Kunststoff, meist POM, und laufen auf Gleitleisten. Es gibt gerade laufende und seitenbogengängige Ausführungen für Kurven. Verbreitet ist eine Teilung von 38,1 mm, also eineinhalb Zoll. Mehrere Ketten nebeneinander bilden breite Förderer und Pufferstrecken. Eingesetzt werden sie vor allem in Abfüll- und Verpackungslinien für Flaschen, Dosen und Gläser. Weil die Behälter auf der Kette rutschen können, ist Stauförderung möglich, je nach Werkstoff mit Bandschmierung oder trockenlaufend. Abzugrenzen ist der Modulbandförderer mit breitem, aus Modulen gesetztem Band.

Aus der Praxis

An einer Flaschenlinie hört man schnell, wenn mit der Bandschmierung etwas nicht stimmt. Die Behälter rattern, kippen an den Übergaben, und im Stau baut sich zu viel Druck auf. Nasse Bandschmierung hat aber ihren Preis. Sie verbraucht Wasser und Schmiermittel und macht den Boden glatt. Bei einer Umstellung auf Trockenschmierung müssen Kettenwerkstoff und Mittel zusammenpassen, und der Lieferant sollte das mit Ihren Behältern testen. Die Kette längt sich mit der Zeit. Messen Sie die Längung regelmäßig, statt auf das erste Überspringen am Kettenrad zu warten. Tauschen Sie dann Kette und Kettenräder gemeinsam, denn eine neue Kette auf alten Rädern verschleißt schnell. In Glaslinien setzen sich Scherben in Scharniere und Gleitleisten und schleifen beides ab. Schauen Sie bei jeder Grundreinigung auch unter die Kette.

Schichtmodell

Produktion & Energie

Festlegung, zu welchen Zeiten und mit welchen Schichtgruppen ein Betrieb oder eine Linie arbeitet. Verbreitet sind der Betrieb in einer, zwei oder drei Schichten an fünf Werktagen und vollkontinuierliche Modelle, bei denen mehrere Schichtgruppen im Wechsel rund um die Uhr an sieben Tagen arbeiten. Unterschieden wird außerdem nach Schichtlänge und Rotationsrichtung. Das Schichtmodell bestimmt die verfügbare Betriebszeit und damit die Ausbringung je Woche. Es legt fest, wann Zeit für Wartung und Reinigung bleibt und wie viel Personal gebraucht wird. Für Investitionen ist es eine Grundannahme im Business Case. Rechtliche Grenzen setzt in Deutschland das Arbeitszeitgesetz, in Betrieben mit Betriebsrat wird die Ausgestaltung in der Regel mit diesem vereinbart.

Aus der Praxis

Im Business Case stehen drei Schichten an fünf Tagen, gearbeitet wird in zwei. Solche Lücken fallen erst auf, wenn die neue Linie die geplante Menge nicht schafft und alle auf die Maschine schauen. Klären Sie das Schichtmodell deshalb vor der Auslegung. Bei Vollkontibetrieb fehlt dagegen das Wochenende als Puffer. Wartung, Reinigung und Formatwechsel müssen dann in geplante Stillstände, und die gehören in den Produktionsplan, sonst finden sie nicht statt. Für Projekte kommt noch etwas dazu. Inbetriebnahme und Schulung müssen alle Schichtgruppen erreichen, auch die Nachtschicht und die Gruppe, die gerade frei hat. Wer nur die Frühschicht schult, bekommt nachts um zwei die Anrufe. Und wird ein neues Modell mit mehr Schichten nötig, dauert die Einführung mit Betriebsrat und Personalsuche oft länger als die Lieferzeit der Maschine.

Schichtübergabe

Produktion & Energie

Weitergabe von Informationen von der abgebenden an die übernehmende Schicht beim Schichtwechsel. Inhalte sind der Zustand der Linien, laufende und folgende Aufträge, Störungen und eingeleitete Maßnahmen, Qualitätsabweichungen, gesperrte Ware, Sicherheitsthemen und offene Aufgaben für Instandhaltung oder Reinigung. Die Übergabe findet mündlich an der Linie oder am Shopfloor-Board statt und wird im Schichtbuch dokumentiert, auf Papier oder digital im MES. Häufig überlappen die Schichten dafür um einige Minuten. Eine strukturierte Übergabe folgt einer festen Reihenfolge oder Checkliste und trennt Informationen zur Kenntnis von Aufgaben mit Verantwortlichem. Sie ist Teil des Shopfloor Managements und hilft, Ereignisse über Schichtgrenzen hinweg nachzuvollziehen.

Aus der Praxis

Die kürzeste Schichtübergabe besteht aus der Auskunft, dass alles läuft. Was die Nachtschicht um vier Uhr an der Siegelstation nachgestellt hat, erfährt die Frühschicht dann erst, wenn die Nähte wieder undicht sind. Ein paar Minuten Überlappung an der Linie sind gut investiert, vorausgesetzt, die Übergabe folgt einer festen Reihenfolge. Was steht, was verstellt wurde, was gesperrt ist und was die nächste Schicht tun muss, gehört in jede Übergabe. In der Inbetriebnahme lese ich jeden Morgen das Schichtbuch, bevor ich an die Linie gehe. Dort steht oft mehr über den Zustand der Anlage als in jedem Statusbericht. Achten Sie darauf, dass die Einträge konkret sind. Ein Eintrag, die Maschine habe gesponnen, hilft keinem. Uhrzeit, Meldetext und Maßnahme helfen. Und bitten Sie Lieferanten, die nachts arbeiten, sich ebenfalls ins Schichtbuch einzutragen.

Schlauchbeutelmaschine

Verpackungstechnik

Vertikale Schlauchbeutelmaschine (VFFS), bei der eine Folienbahn über eine Formschulter um ein Formrohr zum Schlauch geformt, längs gesiegelt und durch Quersiegelbacken am Boden verschlossen wird. Das Produkt fällt von oben durch das Formrohr in den Beutel, geeignet für Schüttgut, Snacks, Pulver und Tiefkühlware. Danach wird der Beutel am Kopf gesiegelt und abgetrennt, dieselbe Naht bildet den Boden des nächsten Beutels. Dosiert wird meist über Mehrkopfwaage oder Schneckendosierer oberhalb der Maschine. Die Längsnaht ist eine Flossennaht oder eine Überlappnaht. Das horizontale Gegenstück ist die Flowpack-Maschine.

Aus der Praxis

Wie schnell eine Schlauchbeutelmaschine wirklich läuft, hängt an der Folie. Siegelfähigkeit, Reibwert und Dicke bestimmen, ob die Katalogleistung erreichbar ist. Testen Sie Ihre eigenen Folien beim FAT und lassen Sie die Siegelparameter dokumentieren. Für den Formatwechsel zählen die Wechselzeit der Formschulter und die Rezeptverwaltung, dazu die Frage, ob die Zuführung aus Kette, Band und Vereinzelung den Takt mitmacht. Achten Sie auf die Quernaht. Krümel und Pulver in der Naht sind bei Schüttgut der Klassiker, und dann helfen nur Absaugung, Ultraschallsiegeln oder eine andere Dosierung. Lassen Sie am Ende der Abnahme einen längeren Dauerlauf fahren und werten Sie die Stopps nach Ursache aus.

Schlauchbeutelverpackung

Verpackungstechnik

Beutel aus einer Folienbahn, die zum Schlauch geformt, längs und quer gesiegelt und abgetrennt wird. Vertikal gefertigt (VFFS) eignet sie sich für Schüttgut, Pulver und Kleinteile, horizontal gefertigt (HFFS, Flowpack) für Riegel, Kekse, Backwaren und Non-Food-Stückgut. Varianten sind Flachbeutel, Kissenbeutel, Standbodenbeutel und Blockbodenbeutel. Die Längsnaht wird als Flossennaht oder Überlappnaht ausgeführt, die Quernähte verschließen Boden und Kopf. Außen trägt die Folie das Druckbild, innen liegt die Siegelschicht, sodass kein Klebstoff nötig ist. Über eine Druckmarke und die Druckmarkenerkennung sitzt das Druckbild auf jedem Beutel an derselben Stelle.

Aus der Praxis

Laufverhalten und Dichtigkeit hängen an der Folie. Siegelschichtdicke, Gleiteigenschaften und Druckbildlage müssen zur Maschine passen. Lassen Sie Musterrollen vor der FAT auf der Maschine des Lieferanten laufen, am besten Rollen aus der Serie und kein handverlesenes Muster. Beim Formatwechsel sind Formschulter und Siegelwerkzeuge die Zeitfresser. Wer viele Formate fährt, sollte Wechselzeiten in der Ausschreibung als Kennwert einfordern. Fragen Sie auch nach dem Folienrollenwechsel, also wie lange die Maschine steht, wenn die Rolle zu Ende ist, und ob ein automatischer Wechsel möglich ist. Siehe auch Schlauchbeutelmaschine und VFFS.

Schmierfett (NLGI-Klasse)

Maschinenbau & Komponenten

Halbfester Schmierstoff aus einem Grundöl, das in einem Verdicker gebunden ist, meist mit Zusätzen gegen Verschleiß und Korrosion. Der Verdicker hält das Öl an der Schmierstelle und gibt es im Betrieb nach und nach ab. Gängige Verdicker sind Lithium und Lithiumkomplex, Calciumsulfonat, Aluminiumkomplex und Polyharnstoff. Die Konsistenz wird in NLGI-Klassen von 000 für fließfähige bis 6 für sehr feste Fette angegeben. Grundlage ist die Walkpenetration, also wie tief ein genormter Kegel in das durchgearbeitete Fett eindringt. Wälzlager werden meist mit Fett der Klasse 2 geschmiert, automatische Schmieranlagen und kleine Getriebe arbeiten oft mit Fließfett der Klassen 00 oder 000. Neben der Konsistenz zählen Grundölviskosität, Temperaturbereich und Wasserbeständigkeit.

Aus der Praxis

Mischen Sie Fette nicht auf gut Glück. Treffen zwei unverträgliche Verdicker aufeinander, kann das Gemisch weich werden und aus dem Lager laufen oder hart werden und gar nicht mehr schmieren. Bevor Sie auf ein neues Werksfett umstellen, fragen Sie den Hersteller nach der Verträglichkeit oder drücken das alte Fett heraus, soweit das geht. Mehr hilft auch nicht mehr. Ein überfülltes Wälzlager wird warm, weil das Fett gewalkt wird, und das Fett altert dann schneller. Der Instandhalter, der bei jeder Runde ein paar Hübe extra gibt, meint es gut und erreicht das Gegenteil. Nachschmiermenge und Intervall gehören in den Schmierplan, und wer abschmiert, sollte wissen, wie viel Fett ein Hub der Presse fördert. H1-Fett und Standardfett sehen in der Kartusche gleich aus. Kennzeichnen Sie sie farbig und lagern Sie sie getrennt.

Schmierplan

Maschinenbau & Komponenten

Dokument, das für eine Maschine alle Schmierstellen mit Schmierstoff, Menge, Intervall und Verfahren festlegt. Der Schmierplan ist Teil der Betriebsanleitung und enthält meist eine Übersichtszeichnung mit nummerierten Schmierstellen und eine Tabelle dazu. Für jede Stelle stehen dort die Schmierstoffbezeichnung oder Spezifikation, bei Lebensmittelmaschinen mit Angabe der H1-Eignung, die Nachschmier- oder Füllmenge, das Intervall in Betriebsstunden oder Kalenderzeit und die Art der Schmierung, etwa mit Fettpresse, per Ölwechsel oder über eine automatische Schmieranlage. Im Betrieb wird der Schmierplan in den Wartungsplan oder das CMMS übernommen, damit die Aufgaben als Aufträge erscheinen. Farbige Markierungen an den Schmierstellen verbinden Plan und Maschine.

Aus der Praxis

Viele Schmierpläne bleiben im Ordner. Sie stehen in der Betriebsanleitung, sind in der Sprache des Herstellers geschrieben und nennen ein Fett, das im Werk keiner kennt. Ich bitte den Lieferanten deshalb vor der Abnahme um den Schmierplan als bearbeitbare Tabelle, damit er ohne Abtippen ins Instandhaltungssystem geht. Gleichen Sie die Schmierstoffe mit dem ab, was schon im Lager steht. Für jede neue Maschine eine eigene Fettsorte braucht kein Mensch, und jede zusätzliche Sorte erhöht die Chance, dass die falsche Kartusche in der Fettpresse steckt. Prüfen Sie auch, ob die Intervalle zu Ihrem Schichtmodell passen. Steht im Plan wöchentlich, fragen Sie, mit wie vielen Schichten der Hersteller gerechnet hat. Im Dreischichtbetrieb kommt in der Woche ein Vielfaches der Betriebsstunden zusammen.

Schneckendosierer

Verpackungstechnik

Volumetrisches Dosiersystem für Pulver und feinkörnige Schüttgüter. Eine Dosierschnecke im Auslauf des Vorratstrichters fördert je Umdrehung ein definiertes Volumen. Die Menge wird über Drehwinkel oder Laufzeit gesteuert, oft kombiniert mit einer Nachwaage zur Korrektur. Schneckengeometrie, Steigung und Rührwerk werden auf das Fließverhalten des Produkts ausgelegt. Für klebrige oder brückenbildende Produkte gibt es Wendelschnecken ohne Kern. Damit das Pulver nach dem Stopp nicht nachrieselt, wird die Schnecke zurückgedreht oder der Auslauf mit einer Klappe verschlossen. Typische Produkte sind Mehl, Gewürze und Milchpulver.

Aus der Praxis

Pulver ändern ihr Schüttgewicht mit Feuchte, Füllstand im Trichter und Verdichtung. Deshalb trifft ein volumetrischer Schneckendosierer ohne Rückkopplung von der Kontrollwaage nicht dauerhaft die Sollmenge. Halten Sie den Trichterfüllstand konstant und klären Sie die Staubabsaugung an der Füllstelle, sonst leidet die Siegelnaht. Stark brückenbildende Produkte brauchen ein Rührwerk und Versuche beim Hersteller vor der Bestellung. Fragen Sie auch, wie die Schnecke bei Produktwechsel gereinigt wird. Muss sie dafür ausgebaut werden, dauert das, und bei einem Allergenwechsel zählt jedes Eck im Trichter. Lassen Sie sich einen Reinigungsdurchlauf zeigen und rechnen Sie die Zeit in die Rüstzeit ein.

Schneckengetriebe

Maschinenbau & Komponenten

Winkelgetriebe, bei dem eine Schnecke, also eine Welle mit schraubenförmiger Verzahnung, in ein Schneckenrad greift. An- und Abtriebswelle kreuzen sich im rechten Winkel, ohne sich zu schneiden. Schon eine Stufe erreicht hohe Übersetzungen, das Getriebe läuft leise und baut kompakt. Weil Schnecke und Rad aufeinander gleiten, ist der Wirkungsgrad niedriger als bei Stirnrad- oder Kegelradgetrieben und sinkt mit steigender Übersetzung. Bei großen Übersetzungen kann ein Schneckengetriebe im Stillstand selbsthemmend sein. Als Bremse taugt das nicht, weil Erschütterungen die Hemmung aufheben können. Die Schnecke ist meist aus gehärtetem Stahl, das Schneckenrad aus Bronze und damit das Verschleißteil. Schneckengetriebemotoren treiben häufig Förderer und Rollenbahnen an.

Aus der Praxis

Schneckengetriebe werden warm, das gehört zur Bauart. Wie warm sie werden dürfen, steht im Datenblatt des Herstellers. Die Hand auf dem Gehäuse ist dafür kein Messgerät. Beim Öl wird es heikel. Viele Schneckengetriebe sind ab Werk mit synthetischem Öl auf Polyglykolbasis gefüllt, und das verträgt sich nicht mit Mineralöl. Wer aus der falschen Kanne nachfüllt, riskiert Schlamm und Schaum im Getriebe. Im Lebensmittelbereich kommt noch die Frage nach H1-Öl dazu. Schreiben Sie die Ölsorte aufs Getriebe und in den Schmierplan. Bei Retrofits lohnt ein Blick auf den Wirkungsgrad. Ein Förderer, der drei Schichten durchläuft, verheizt mit Schneckengetriebe einen Teil seiner Leistung, und ein Kegelradgetriebe kommt an derselben Stelle oft mit einem kleineren Motor aus. Dafür fehlt ihm die Selbsthemmung, und auf die hat sich an manchem Steigband jemand stillschweigend verlassen.

Schnittstellenliste

Projektleitung & CAPEX

Dokument, das jede Übergabestelle zwischen Gewerken oder Lieferanten festhält: mechanisch, elektrisch, steuerungstechnisch, medientechnisch und softwareseitig. Zu jeder Schnittstelle steht, wer liefert, wer anschließt, bis wohin der Lieferumfang reicht und wer verantwortet. Ergänzt werden Signalart, Protokoll, Medienparameter und Termin. Die Liste gehört vor allem zur Einzelvergabe, bei der mehrere Lieferanten eine Linie bauen. Projektstreit entsteht fast immer an ungeklärten Schnittstellen. Abgestimmt wird die Liste mit der Signalliste und den Liefergrenzen.

Aus der Praxis

Bei Linien mit mehreren Lieferanten ist die Schnittstellenliste das Dokument, das am meisten Ärger spart. Für jede Verbindung steht darin, wer liefert, wer anschließt und wer verantwortet, ob es um Mechanik, Strom, Signal, Medien oder Software geht. Ohne sie fehlt bei der Montage der Übergabetisch, das Startsignal oder der Netzwerkport, und beide Seiten sind sich sicher, dass der andere zuständig war. Lassen Sie beide Lieferanten die Liste gegenzeichnen, denn was nur einer kennt, ist keine Schnittstelle, sondern eine Annahme. Gehen Sie sie vor der Bestellung durch und nicht erst bei der Montage. Fragen Sie bei jedem Handshake nach, wer bei einem Signalfehler zuerst misst.

Schrittschaltgetriebe (Indexer)

Maschinenbau & Komponenten

Getriebe, das eine gleichförmige Antriebsdrehung in eine schrittweise Abtriebsbewegung mit Stillstandsphasen umsetzt. Je Umdrehung der Antriebswelle dreht der Abtrieb um einen festen Winkel weiter und steht dann still. Gängig sind Kurvenschrittgetriebe mit Globoid- oder Zylinderkurve und Rollenstern sowie das Malteserkreuzgetriebe. Kurvenschrittgetriebe sind spielfrei vorgespannt und fahren stoßfreie Bewegungsgesetze, das Malteserkreuz ist einfacher, läuft aber mit Ruck an und aus. Kennwerte sind die Teilung, der Schaltwinkel als Anteil der Antriebsdrehung für die Bewegung und das zulässige Abtriebsmoment. Schrittschaltgetriebe treiben Drehtische, Rundläufer und Transferbänder an. Servogetriebene Drehtische leisten dasselbe mit frei programmierbarer Teilung.

Aus der Praxis

Ein Indexer ist ein Stück Mechanik, das man selten sieht und noch seltener anfasst. Genau deshalb wird er gern vergessen, wenn die Maschine schneller laufen soll. Den Takt dreht man am Antriebsmotor schnell hoch, das Getriebe ist aber für eine bestimmte Schaltfrequenz und ein bestimmtes Massenträgheitsmoment ausgelegt. Wer den Rundtisch nachträglich mit schwereren Formatteilen bestückt und gleichzeitig den Takt erhöht, rechnet besser vorher nach oder lässt den Hersteller rechnen. Achten Sie auf Spiel am Abtrieb. Wackelt der Tisch in der Rast, sind meist die Kurvenrollen oder die Abtriebslagerung verschlissen, und die Positioniergenauigkeit leidet an jeder Station. Ölstand und Ölwechsel stehen im Schmierplan. Vergessen werden sie trotzdem gern, weil das Getriebe tief im Maschinenunterbau sitzt.

Schrumpffolie

Verpackungstechnik

Polyolefin- oder PE-Folie, die sich unter Wärme im Schrumpftunnel zusammenzieht und Gebinde, Trays oder Paletten (Haubenschrumpfen) fest umschließt. Die Folie wird bei der Herstellung gereckt und im gereckten Zustand abgekühlt. Beim Erwärmen kehrt sie in die ursprüngliche Form zurück und zieht sich zusammen, in Längs- und Querrichtung unterschiedlich stark. Sie lässt sich bedrucken und siegeln. Für Gebinde, aus denen Luft entweichen muss, gibt es perforierte Folie. Foliendicke und Schrumpfverhalten werden auf Gebindegröße, Gewicht und gewünschte Stabilität des Bündels abgestimmt.

Aus der Praxis

Dünnere oder recycelte Schrumpffolien verlangen angepasste Tunnelprofile mit Temperatur, Gebläse und Bandgeschwindigkeit. Fahren Sie Folienumstellungen als Versuch mit dokumentierten Parametern und nicht im laufenden Betrieb. Die Energiekosten des Tunnels gehören in die Vergleichsrechnung gegen Stretch- oder Kartonlösungen. Achten Sie auch auf die Lagerung der Rollen. Folie sollte kühl, trocken und fern von Heizkörpern liegen, sonst verändert sich ihr Schrumpfverhalten, und dann wundert man sich über lockere Gebinde. Lassen Sie sich das Schrumpfverhalten in Längs- und Querrichtung als Datenblatt geben und heben Sie von jeder Lieferung ein Rückstellmuster auf, damit Sie bei Reklamationen vergleichen können.

Schrumpfpacker

Verpackungstechnik

Maschine zur Bündelung von Gebinden mit Schrumpffolie, wahlweise ohne Unterlage, mit Tray oder mit Pad. Die Produkte werden formiert und in Folie eingeschlagen, die von der Rolle kommt, gesiegelt und abgetrennt wird. Anschließend läuft das Gebinde durch einen integrierten Schrumpftunnel, in dem sich die Folie eng an das Gebinde legt. Eine Kühlstrecke am Ausgang fixiert die Form, bevor die Gebinde weiterlaufen. Standard in der Getränke- und Konservenindustrie für Sekundärverpackung, etwa für Sixpacks und Dosengebinde.

Aus der Praxis

Folienqualität und Schrumpftunnel entscheiden über das Ergebnis. Folienlöcher, lose Ecken oder Verfärbungen sind selten Maschinenfehler. Achten Sie auf Temperaturverteilung im Tunnel, Bandgeschwindigkeit und Kühlstrecke, sonst kleben die Gebinde beim Palettieren aneinander. Rechnen Sie den Energiebedarf des Tunnels in die Betriebskosten ein. Vereinbaren Sie Folienstärke und Folientyp als Grundlage für die Leistungsangabe des Herstellers, sonst misst der Hersteller mit seiner Folie und Sie fahren Ihre. Prüfen Sie bei der Abnahme mit Ihrer Folie auch, was im Tunnel mit der Folie passiert, wenn das Band anhält. Fragen Sie außerdem, welche Gebindegrößen ohne Umbau laufen, denn Tray und Pad haben eigene Formatteile.

Schrumpftunnel

Verpackungstechnik

Heißlufttunnel, in dem die um ein Gebinde gelegte Folie schrumpft und sich zu einer festen Einheit zusammenzieht, etwa beim Sixpack oder beim Tray mit Folie. Ein Band transportiert die Gebinde durch mehrere Heizzonen, Gebläse verteilen die Heißluft gleichmäßig. Temperatur, Verweilzeit und Luftführung bestimmen das Schrumpfbild. Der Tunnel sitzt hinter dem Folieneinschlag, entweder in den Schrumpfpacker integriert oder als eigene Einheit. Energieverbrauch und Folienqualität sind die laufenden Kostentreiber.

Aus der Praxis

Heizleistung, Gebläse und Laufzeit machen den Schrumpftunnel zum Energiefresser und bestimmen die Betriebskosten. Fragen Sie beim Kauf nach Wärmedämmung, Leerlaufabsenkung und Verbrauch bei Ihrer Folienstärke. Klären Sie außerdem, was der Tunnel macht, wenn das Band steht: Bleibt die Heizung an, kann die Folie im Tunnel Schaden nehmen. Bei der Umstellung auf dünnere oder recycelte Folie müssen Temperaturprofil und Bandgeschwindigkeit neu eingestellt werden, sonst wird das Gebinde locker oder die Folie reißt. Planen Sie die Aufheizzeit vor Schichtbeginn ein, denn ein kalter Tunnel schrumpft nichts. Halten Sie Gebläse und Luftwege sauber, denn Folienreste und Staub verändern mit der Zeit die Luftführung.

Schütz

Maschinenbau & Komponenten

Elektromagnetisch betätigter Schalter, der Laststromkreise wie Motoren, Heizungen oder Transformatoren ein- und ausschaltet. Fließt Strom durch die Spule, zieht der Magnet den Anker an und schließt die Hauptkontakte. Fällt die Steuerspannung weg, öffnet eine Feder die Kontakte wieder. Hilfskontakte dienen der Steuerung und der Rückmeldung. Gängige Spulenspannungen sind 24 V DC und 230 V AC. Für welche Last ein Schütz geeignet ist, beschreibt die Gebrauchskategorie nach IEC 60947-4-1, etwa AC-3 für Käfigläufermotoren. Vom Relais unterscheidet sich das Schütz durch die höhere Schaltleistung, vom Motorschutzschalter dadurch, dass es selbst keine Schutzfunktion hat. In Sicherheitskreisen wird der Schaltzustand über Spiegelkontakte überwacht.

Aus der Praxis

Schütze schalten jahrelang still vor sich hin, bis die Kontakte abgebrannt sind oder einer verschweißt. Der Verschleiß hängt an der Zahl der Schaltspiele und an der Last. Ein Motor, der im Tippbetrieb ständig unter Last geschaltet wird, verbraucht sein Schütz viel schneller als einer im Dauerbetrieb. Klebt ein Hauptkontakt, läuft der Antrieb weiter, obwohl die Steuerung abgeschaltet hat. Deshalb sitzen bei Sicherheitsfunktionen höherer Kategorie zwei Schütze in Reihe, und ihre Spiegelkontakte laufen auf einen Rückführkreis. Beim Ersatz zählen Spulenspannung, Baugröße und Hilfskontakte. Ein Schütz mit gleicher Leistung, aber mit gewöhnlichem Öffner statt Spiegelkontakt, läuft scheinbar einwandfrei. Die Sicherheitsfunktion ist dann aber nicht mehr die, die validiert wurde. Und ein Schütz zwischen Umrichter und Motor sollte nur schalten, wenn der Umrichter keine Spannung ausgibt.

Schutzart

Qualität & Sicherheit

Kennziffer nach DIN EN 60529 für den Schutz von Gehäusen gegen Eindringen von Fremdkörpern und Wasser. Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen feste Körper und Staub, die zweite den Schutz gegen Wasser. IP65 steht für staubdicht und strahlwassergeschützt, IP69 für Reinigung mit Hochdruck und heißem Wasser. Die Schutzart sagt nichts über die Beständigkeit gegen Reinigungsmittel. Die Reinigungsrealität des Werks bestimmt die nötige Schutzart, zu niedrig gewählt bedeutet Elektronikausfälle nach jeder Nassreinigung.

Aus der Praxis

Welche Schutzart nötig ist, bestimmt die Reinigung. Wo mit Hochdruck und Schaum gereinigt wird, reichen IP54-Komponenten nicht. Legen Sie im Lastenheft fest, welche Bereiche nass gereinigt werden und welche Schutzart Motoren, Sensoren und Schaltschränke dort brauchen. Ein Schaltschrank mit Klimagerät im Nassbereich ist ein Klassiker für Folgeschäden. Das schwächste Glied sitzt meist unscheinbar am Rand: Kabelverschraubung, Steckverbinder, die offene Kappe am Sensor. Auch Dichtungen altern, und Reinigungsmittel greifen sie an. Ich lasse mir eine Liste der Komponenten mit Schutzart je Einbauort geben und prüfe, ob ein nachträglich gebohrtes Loch irgendwo die Schutzart gekostet hat.

Schutztürverriegelung

Qualität & Sicherheit

Sicherheitsschalter mit Zuhaltung, der eine bewegliche trennende Schutzeinrichtung überwacht und die Tür geschlossen hält, solange von der Maschine noch Gefahr ausgeht. Er besteht aus einem Schaltkörper am Rahmen und einem Betätiger an der Tür. Bei der Zuhaltung durch Federkraft hält eine Feder die Tür zu und ein Magnet gibt sie frei, bei der Zuhaltung durch Magnetkraft ist es umgekehrt. Die Freigabe erfolgt erst, wenn die Maschine sicher steht. Dazu wird entweder der Stillstand gemessen oder eine Verzögerungszeit abgewartet, die länger als der Nachlauf ist. Auswahl, Anbau und Schutz gegen Umgehung regelt ISO 14119.

Aus der Praxis

Wenn Bediener Ersatzbetätiger an die Schalter stecken, ist selten Böswilligkeit im Spiel. Meist stoppt die Anlage bei jedem Handgriff, und die Tür sitzt genau dort, wo man zehnmal pro Schicht hinmuss. Eine Ermahnung hilft dann nichts. Ändern Sie lieber das Bedienkonzept, zum Beispiel mit einem Zugang zur Störungsbeseitigung, bei dem nur der betroffene Bereich stehen bleibt. Gehen Sie bei der Begehung die Schalter ab. Frische Kratzer, ein Kabelbinder oder ein zweiter Betätiger im Schaltschrank zeigen, wo es hakt. Lassen Sie in der Abnahme jede Tür einmal bei laufender Maschine öffnen. Sie muss zubleiben, bis der Antrieb steht.

Schweißkonstruktion

Maschinenbau & Komponenten

Bauteil oder Baugruppe aus Blechen und Profilen, die durch Schweißnähte zu einer festen Einheit verbunden sind. Im Maschinenbau entstehen so Gestelle, Rahmen, Konsolen und Behälter, meist aus Baustahl oder Edelstahl. Schweißen bringt Wärme ein, die beim Abkühlen zu Verzug und Eigenspannungen führt. Größere Konstruktionen werden deshalb spannungsarm geglüht oder mit Bearbeitungszugabe gebaut und nach dem Schweißen an den Funktionsflächen gefräst. Auf der Zeichnung stehen Nahtart, Nahtdicke und Bewertungsgruppe nach ISO 5817. Die Qualitätsanforderungen an den Schweißbetrieb beschreibt die ISO 3834. Bei Edelstahl im Lebensmittelbereich kommen glatte, durchgeschweißte Nähte und das Entfernen der Anlauffarben durch Beizen hinzu.

Aus der Praxis

Eine Schweißkonstruktion ist nur so gut wie die Zeichnung und der Schweißer. Steht auf der Zeichnung keine Bewertungsgruppe, schweißt jeder Betrieb nach seinem eigenen Maßstab, und über den reden Sie dann in der Wareneingangsprüfung. Bei Edelstahl für den Nassbereich schauen Sie sich auch die Rückseite der Naht an. Unverschweißte Wurzeln, Poren und Spalte sind genau die Stellen, an denen sich später Keime halten. Das zweite Thema ist der Verzug. Wer einen Rahmen fertig schweißt und erst danach merkt, dass die Lageraufnahmen nicht fluchten, hat ein Problem, das sich mit Richten selten sauber lösen lässt. Lassen Sie Funktionsflächen nach dem Schweißen bearbeiten und klären Sie vorher, wer fräst. Große Rahmen passen nicht auf jede Maschine, und der Transport zum Fräsbetrieb kostet Zeit.

Schwingungsentkopplung

Maschinenbau & Komponenten

Konstruktive Maßnahmen, die Schwingungen zwischen Maschine und Umgebung trennen: elastische Maschinenfüße, Dämpfungselemente, getrennte Fundamente, Ausgleichsmassen oder eine bewusste Auslegung der Eigenfrequenz. Ziel ist der Schutz empfindlicher Aggregate wie Waagen und Vision-Systeme sowie eine geringere Belastung von Gebäude und Rahmen. Die Trennung wirkt in beide Richtungen, denn sie hält auch Erschütterungen aus der Umgebung von der Maschine fern. Dazu muss die Eigenfrequenz der Lagerung deutlich unter der Anregungsfrequenz liegen. Liegen beide dicht beieinander, tritt Resonanz auf, und die Schwingung wird verstärkt statt gedämpft.

Aus der Praxis

Kontrollwaagen und Mehrkopfwaagen sind die Leidtragenden. Ein Palettierer oder eine Staplerfahrspur in der Nähe verfälscht Messwerte, und die Linie schleust gute Packungen aus. Prüfen Sie im Layout die Abstände zu Schwingungsquellen und sehen Sie für Waagen eigene Fundamente oder entkoppelte Gestelle vor. Nachträgliche Dämpfer helfen selten so gut wie ein sauber geplanter Aufstellort. Lieferanten lassen gern weg, dass eine Waage, die in der Werkstatt einwandfrei lief, in Ihrer Halle anders arbeiten kann. Lassen Sie die Wägeergebnisse deshalb bei der Abnahme am Aufstellort prüfen, bei laufenden Nachbarmaschinen. Notieren Sie, wann die Fehlwägungen auftreten. Folgen sie dem Takt des Staplerverkehrs oder einer Nachbarmaschine, haben Sie die Quelle fast gefunden.

Scope Creep

Projektleitung & CAPEX

Schleichende Ausweitung des Projektumfangs durch viele kleine, oft unbezahlte Zusatzwünsche ohne formale Änderungsentscheidung, etwa ein weiteres Format, eine zusätzliche Ausschleusung oder mehr Sensorik. Jede Einzelheit wirkt harmlos. In Summe belasten sie Budget und Termin und überfordern den Lieferanten. Anders als ein formal beschlossener Änderungsantrag (Change Request) ist Scope Creep weder bewertet noch genehmigt noch dokumentiert. Das Gegenmittel ist ein festgelegtes Änderungsverfahren, das jede Abweichung vom Lastenheft erfasst, bewertet und entscheidet.

Aus der Praxis

Scope Creep entsteht meistens am Rand. Beim Rundgang an der Linie wünscht sich der Produktionsleiter etwas, der Monteur sagt freundlich zu, und niemand schreibt es auf. Später streiten Einkauf und Lieferant über die Rechnung. Führen Sie eine Wunschliste, bewerten Sie jeden Punkt nach Nutzen, Kosten und Terminwirkung und entscheiden Sie gebündelt. Bitten Sie den Lieferanten, Zusagen vor Ort nur schriftlich über den Change-Request-Prozess zu geben. Das ist keine Pedanterie. Der Monteur meint es gut, hat aber weder die Kosten noch die Terminfolgen im Kopf. Was nicht durch den Prozess geht, wird nicht gebaut. Auch Ihre eigenen Leute müssen lernen, Wünsche bei Ihnen abzugeben und nicht an der Maschine.

Seitenfaltenbeutel

Verpackungstechnik

Beutelform mit eingefalteten Seiten, die im gefüllten Zustand ein quaderförmiges Gebinde ergibt. Typisch ist der Einsatz für Kaffee, Tiernahrung und Schüttgut. Die Seitenfalten entstehen an der Schlauchbeutelmaschine durch Faltkeile im Formbereich, vor dem Siegeln. Das Format wird über Beutelbreite, Faltentiefe und Beutellänge festgelegt. Der Beutel steht stabil und lässt sich im Regal und auf der Palette gut stapeln. An den Stellen, wo die Quernaht auf die Seitenfalten trifft, liegen mehr Folienlagen übereinander, was höhere Anforderungen an die Siegelung stellt. Optional kommen Aromaventil, Reißverschluss oder Aufreißhilfe dazu.

Aus der Praxis

An der Schlauchbeutelmaschine brauchen Seitenfaltenbeutel eine präzise Folienführung und stabile Formatteile. Wandert die Folie, sitzen die Falten schief, und die Beutel stehen nicht mehr gerade. Bei Ventilen für Kaffee oder bei Wiederverschlüssen kommt ein Applikator hinzu, der die Leistung begrenzt. Klären Sie beim Kauf, welche Beutelformen die Maschine ohne Umbau fährt. Fragen Sie nach dem Aufwand für den Wechsel zwischen Kissenbeutel und Seitenfaltenbeutel, denn die Faltkeile gehören zu den Formatteilen und müssen mit. Prüfen Sie die Siegelnaht an den Kreuzungsstellen im Dauerlauf. Dort, wo viele Lagen zusammenkommen, werden Nähte zuerst undicht.

Sekundärverpackung

Verpackungstechnik

Verpackungsebene, die mehrere Primärverpackungen zusammenfasst, etwa der Karton um die Beutel oder das Tray um die Flaschen. Sie dient dem Handling, der Präsentation am Point of Sale und dem Schutz beim Transport. Gängige Formen sind Faltkarton, Wellpappkarton, Wrap-Around-Karton, Tray mit Schrumpffolie und Display. Die Sekundärverpackung wird in der Regel am Linienende vom Kartonierer, Case Packer oder Schrumpfpacker erzeugt. Abgegrenzt wird sie von der Primärverpackung mit direktem Produktkontakt und von der Tertiärverpackung, also der Palette mit Ladungssicherung.

Aus der Praxis

Bei der Sekundärverpackung lässt sich oft am meisten herausholen, weil Kartonmaße, Wellenart, Packschema und Palettenausnutzung ineinandergreifen. Wenige Millimeter am Karton bringen oft eine Lage mehr auf die Palette und über das Jahr weniger Lkw-Ladungen. Prüfen Sie Änderungen immer gegen Handelsanforderungen, die Stapelstauchfestigkeit, kurz BCT, und die Formatbereiche Ihrer Maschinen. Ich rechne bei Kartonänderungen deshalb zuerst mit der Palette und erst dann mit dem Einzelkarton. Was am Karton spart, kostet manchmal an der Maschine, wenn das neue Maß aus dem Formatbereich fällt oder neue Formatteile angefertigt werden müssen.

Selbstklebeetikett

Verpackungstechnik

Etikett auf Trägermaterial, das im Etikettierer abgelöst und auf Produkt, Karton oder Palette gespendet wird. Es besteht aus dem Frontmaterial aus Papier oder Folie, dem Haftkleber und dem silikonisierten Trägerpapier. Der Kleber ist je nach Anwendung permanent, ablösbar oder für Tiefkühlung ausgelegt. Das Etikett wird bedruckt geliefert oder erst vor oder direkt beim Spenden bedruckt, wie beim Print-and-Apply. Die Rollen werden durch Kerndurchmesser, Außendurchmesser, Wickelrichtung und Etikettengröße spezifiziert.

Aus der Praxis

Klebstoff, Material und Untergrund müssen zusammenpassen. Auf feuchten, kalten oder gewölbten Flächen lösen sich Etiketten. Prüfen Sie die Haftung unter Realbedingungen wie Kühlkette und Kondensat und nicht auf dem sauberen Musterkarton. Halten Sie Rollenspezifikationen fest. Abweichende Kerndurchmesser oder eine falsche Wickelrichtung stoppen den Etikettierer. Lagern Sie die Rollen so, wie der Lieferant es vorgibt, denn bei zu viel Wärme kann Kleber an den Rollenkanten austreten. Wechseln Sie das Etikettenmaterial nur mit Versuch, auch wenn das Datenblatt gleich aussieht. Die Spendekante reagiert auf kleine Unterschiede in Steifigkeit und Trägerpapier.

Sequenzierung

Intralogistik

Bereitstellung von Material oder Ware in genau der Reihenfolge, in der sie gebraucht wird. Im Versand sind das zum Beispiel filialgerecht gepackte Paletten nach Ladeplan, die in der Reihenfolge der Entladung beim Handel bereitstehen. An der Linie kann es um Packmittel oder Formatteile in der Reihenfolge der Aufträge gehen. Technisch braucht es ein führendes System, das die Reihenfolge vorgibt, und einen Sequenzpuffer, in dem Einheiten gesammelt und umsortiert werden, etwa ein Shuttle-System mit freiem Zugriff auf jede Einheit. Manuell kostet Sequenzieren viel Denk- und Suchzeit und treibt deshalb die Automatisierung in der Kommissionierung.

Aus der Praxis

Sequenzierung bringt Produkte in der Reihenfolge an die Linie, in der sie gebraucht werden, etwa Mischpaletten in Kundensequenz oder Formatteile in der Reihenfolge der Wechsel. Sie braucht ein führendes System wie WMS oder MES und eine disziplinierte Bestandsführung. Stimmt der Bestand nicht, ist die schönste Reihenfolge Makulatur. In der Verpackung lohnt sie sich bei vielen Varianten und kurzen Losen, bei Großserie ist sie unnötiger Aufwand. Klären Sie vorher, was bei einer Abweichung passiert. Fehlt eine Palette in der Sequenz, muss feststehen, ob umsortiert wird oder alles dahinter wartet. Dieses Konzept gehört in die Funktionsbeschreibung und nicht erst in die Inbetriebnahme.

Serialisierung

Verpackungstechnik

Vergabe einer eindeutigen Seriennummer je Einzelpackung mit lückenloser Rückverfolgung. In der Pharmaindustrie ist sie gesetzlich vorgeschrieben, in Lebensmittel- und Markenartikelbereichen wird sie zunehmend gegen Fälschung und Graumarkt eingesetzt. Die Seriennummer steht meist als DataMatrix-Code auf der Packung, zusammen mit Produktcode, Charge und Verfallsdatum. Eine Serialisierungslinie besteht aus Drucker, Kamera zur Verifikation, Ausschleusung fehlerhafter Packungen und einer Steuerung, die mit dem Datenbanksystem kommuniziert. Aggregation ordnet die Einzelpackungen dem Karton zu und die Kartons der Palette.

Aus der Praxis

Jede einzelne Packung bekommt bei der Serialisierung ihre eigene Nummer. In der Pharmaindustrie ist das Pflicht, im Lebensmittelbereich für Rückverfolgung und Fälschungsschutz im Kommen. Technisch braucht es Drucker, Kameraprüfung und eine Datenbankanbindung im Takt der Linie. Der Aufwand liegt weniger in der Hardware als in der IT-Integration und im Umgang mit Ausschuss und Nachdruck. Klären Sie vor dem Anlauf, was mit der Nummer einer ausgeschleusten Packung geschieht und wer Nummern wieder freigibt. Fragen Sie auch, was die Linie tut, wenn die Verbindung zum Server abreißt. In der Pharmaindustrie kommt die Validierung dazu, und dann ist jede spätere Änderung an Software oder Drucker ein Fall für die Änderungskontrolle.

Vereinbarung zwischen einem Dienstleister und seinem Auftraggeber, die messbare Merkmale einer Dienstleistung festlegt. Dazu gehören Servicezeiten, Reaktionszeit, Zeit bis zur Wiederherstellung, Verfügbarkeit, Erreichbarkeit von Hotline und Fernwartung sowie Eskalationswege. Störungen werden meist nach Prioritäten mit unterschiedlichen Zeiten eingeteilt. Ein SLA legt außerdem fest, wie die Werte gemessen und berichtet werden und welche Folgen eine Verfehlung hat, etwa Gutschriften oder Vertragsstrafen. Der Begriff stammt aus der IT. Im Maschinenbau steht er meist als Anlage im Wartungsvertrag. Zu unterscheiden sind Reaktionszeit und Lösungszeit. Die erste beschreibt, wann sich der Dienstleister meldet, die zweite, wann die Störung behoben ist.

Aus der Praxis

Eine Reaktionszeit im SLA heißt meistens, dass sich jemand meldet. Von einem Techniker an der Maschine ist damit noch keine Rede. Schreiben Sie getrennt hinein, wann der Rückruf kommt, wann sich jemand per Fernwartung aufschaltet und wann ein Techniker vor Ort ist. Schauen Sie dann auf die Servicezeiten. Standardverträge gelten oft werktags zu Bürozeiten. Ihre Linie läuft aber vielleicht in drei Schichten, und die Störung kommt Samstagnacht. Die Uhr des SLA läuft dann ab Montagmorgen. Klären Sie auch, ob sie mit Ihrem Anruf startet oder erst, wenn der Dienstleister das Ticket bestätigt. Ohne Messung und ohne Folgen bei Verstößen bleibt ein SLA eine freundliche Absichtserklärung. Lassen Sie sich die Einhaltung deshalb regelmäßig berichten.

Servoantrieb

Maschinenbau & Komponenten

Geregelter Antrieb, der Position, Geschwindigkeit und Drehmoment einer Achse laufend misst und nachführt. Er besteht aus Servomotor, Geber und Servoregler, die übergeordnete Bewegungssteuerung gibt die Sollwerte vor. Servoantriebe sind die Grundlage formatflexibler Maschinen. Sie ersetzen mechanische Kurven und Königswellen, weil sich Bewegungsprofile in der Software ablegen und je Format abrufen lassen. Mehrere Achsen werden über elektronische Getriebe oder Kurvenscheiben miteinander synchronisiert. Sicherheitsfunktionen wie STO sind in aktuellen Reglern meist integriert.

Aus der Praxis

Mit Servoantrieben wechseln Sie das Format über das Rezept, sparen Druckluft und mechanische Kurven und können den Takt ändern, ohne etwas umzubauen. Dafür kosten sie mehr, und bei Störungen brauchen Sie jemanden, der sich auskennt. Der Tausch selbst geht schnell. Lange dauert es, wenn der neue Regler ohne Parameter dasteht und keiner weiß, wie die Achse wieder referenziert wird. Dann steht die Linie schon mal ein Wochenende, obwohl das Ersatzteil nach einer Stunde drin war. Lassen Sie sich die Parametersätze übergeben. Legen Sie fest, welche Antriebe am Lager liegen. Und verlangen Sie eine Beschreibung, wie die Achse nach dem Tausch wieder in Betrieb geht. Am besten probieren Sie das bei der Abnahme einmal aus.

Servomotor

Maschinenbau & Komponenten

Elektromotor für geregelte Bewegungen mit genauer Positionierung und hoher Dynamik. In der Automatisierung ist das meist ein permanenterregter Synchronmotor, dessen Läufer mit Magneten bestückt ist und ohne Schlupf synchron zum Drehfeld läuft. Ein Encoder auf der Motorwelle meldet Lage und Drehzahl an den Servoregler, ohne Regler läuft der Motor nicht. Servomotoren haben ein geringes Trägheitsmoment und vertragen kurzzeitig ein Mehrfaches ihres Nennmoments, was schnelle Beschleunigungen erlaubt. Eine Haltebremse ist als Option erhältlich. Vom Drehstrommotor unterscheidet sich der Servomotor durch Läuferbauart, Geber und Betrieb am Regler. Der Servoantrieb bezeichnet dagegen das Gesamtsystem, zu dem Motor und Regler gehören.

Aus der Praxis

Servomotoren sehen sich ähnlich, und genau da beginnt der Ärger im Ersatzteillager. Zwei Motoren gleicher Baugröße können sich in Geber, Bremse, Welle mit oder ohne Passfeder und Steckerausführung unterscheiden. Passt der Geber nicht zum Regler, dreht sich gar nichts. Ziehen Sie bei neuen Anlagen die Typenschlüssel aller Motoren in eine Liste und fragen Sie, wie viele Varianten wirklich nötig sind. Nach einem Tausch muss die Achse meist neu referenziert werden, auch mit Absolutgeber, denn der neue Motor kennt die Lage der Mechanik nicht. Und bitte keine Riemenscheibe mit dem Hammer auf die Welle treiben. Den Schlag merkt sich das Lager, manchmal auch der Geber. In nassen Bereichen sind die Stecker die Schwachstelle. Ein Stecker, der nach der Reinigung offen herumhängt, meldet sich spätestens in der nächsten Nachtschicht.

Servoregler (Servoverstärker)

Maschinenbau & Komponenten

Leistungselektronik, die einen Servomotor speist und dessen Lage, Drehzahl und Drehmoment in geschlossenen Regelkreisen führt. Der Regler richtet die Netzspannung gleich, puffert sie im Zwischenkreis und erzeugt daraus über einen Wechselrichter Spannung und Frequenz für den Motor. Die Regelung ist als Kaskade aufgebaut. Innen liegt der Stromregler, der das Drehmoment stellt, darüber folgen Drehzahlregler und Lageregler, die ihre Istwerte vom Geber erhalten. Sollwerte kommen von der Bewegungssteuerung, meist über ein echtzeitfähiges Ethernet wie EtherCAT oder PROFINET. Anders als ein Frequenzumrichter, der vor allem Drehzahlen von Asynchronmotoren stellt, ist der Servoregler auf Geberrückführung und schnelles Positionieren ausgelegt.

Aus der Praxis

Im Lager ist ein Servoregler nur dann ein Ersatzteil, wenn er zur Anlage passt. Ich frage deshalb immer nach dem Firmwarestand in der Maschine und ob ein neuer Regler mit neuerer Firmware die alten Parameter einfach übernimmt. Manchmal tut er das, manchmal braucht es erst einen Laptop mit der passenden Softwareversion, und den hat nachts keiner. Elegant ist es, wenn die Steuerung die Parameter beim Hochlauf selbst in den Regler lädt. Fragen Sie danach. Regler, die jahrelang im Regal liegen, haben ein eigenes Problem. Die Kondensatoren im Zwischenkreis altern auch ohne Strom, und manche Hersteller schreiben vor, sie nach langer Lagerung erst langsam zu formieren. Im Schaltschrank geben Servoregler ordentlich Wärme ab. Ist die Schaltschrankklimatisierung knapp ausgelegt, kommen im Sommer sporadische Übertemperaturmeldungen.

Shelf-Life-Verlängerung

Qualität & Sicherheit

Gesamtheit der Maßnahmen, mit denen ein Lebensmittel länger verkaufsfähig bleibt, als es ohne sie wäre. Sie setzen am Produkt, im Prozess oder an der Verpackung an. Am Produkt wirken Rezeptur, Konservierungsstoffe und Wasseraktivität. Im Prozess sind es Erhitzen, Hochdruckbehandlung und Kühlung. An der Verpackung halten Barrierefolien, Schutzatmosphäre, Vakuum und Sauerstoffabsorber Sauerstoff, Feuchte und Keime fern. Das aseptische Abfüllen in sterile Packungen gehört ebenfalls dazu. Haltbarkeitsindikatoren verlängern nichts, sie zeigen nur den Zustand der Packung an. Eine Maßnahme gilt nur für die Kombination aus Produkt, Packung und Lagerbedingung, mit der sie geprüft wurde.

Aus der Praxis

Haltbarkeit entsteht aus dem Zusammenspiel von Produkt, Barriere, Schutzatmosphäre und Siegelqualität, und das schwächste Glied bestimmt das Ergebnis. Bevor Sie in teurere Folie investieren, prüfen Sie Siegelnähte und Restsauerstoff in der Linie. Dort liegen erfahrungsgemäß die häufigsten Verluste. Eine Naht mit Falte oder Produktrest im Siegel lässt Luft hinein, egal wie gut die Folie ist. Fragen Sie auch nach, wie das Haltbarkeitsdatum überhaupt festgelegt wurde. Ein Lagertest unter realen Bedingungen sagt mehr als der Wert aus dem Datenblatt. Ändern Sie nichts an Folie, Gasgemisch oder Füllmenge, ohne die Haltbarkeit neu zu bewerten. Das Datum auf der Packung gilt für genau diese Kombination.

Shelf Ready Packaging

Verpackungstechnik

Sekundärverpackung, die ohne Auspacken ins Regal gestellt wird: Deckel abnehmen oder Perforation aufreißen, fertig. Der Begriff entspricht dem Retail Ready Packaging. Die Verpackung ist so gestaltet, dass sie sich leicht öffnen lässt, im Regal stabil steht und die Ware zeigt, sodass der Markt sie in wenigen Handgriffen auffüllen kann. Handelsketten schreiben SRP-Spezifikationen verbindlich vor. Wer neu investiert, sollte die SRP-Anforderungen seiner Handelskunden ins Lastenheft übernehmen. Typische Ausführungen sind Faltkartons mit Aufreißperforation, Trays mit Folie und Wellpappkartons mit Sichtfenster.

Aus der Praxis

Hinter Shelf-Ready Packaging stecken Handelsvorgaben. Der Karton wird aufgerissen und kommt ins Regal. Für die Linie heißt das perforierte Zuschnitte, saubere Aufrichtung und oft einen Kartonierer mit Deckel- oder Trayfunktion. Holen Sie die Freigabe des Handelskunden vor der Maschinenauslegung ein. Aufreißperforation, Grafik und Stabilität sind vorgegeben und lassen sich nicht verhandeln. Gerade die Perforation ist heikel. Reißt sie zu leicht, öffnen sich Kartons auf der Palette, reißt sie zu schwer, schimpft der Markt. Der Zuschnitt mit Perforation muss gleichmäßig durch die Aufrichtung laufen, deshalb gehört auch der Kartonlieferant an den Tisch. Lassen Sie Muster aus der Serienproduktion prüfen, auch nach dem Transport und bei Kälte.

Shopfloor Management

Produktion & Energie

Führungsansatz aus dem Lean Management, bei dem Führungskräfte dort führen, wo die Wertschöpfung stattfindet, also an der Linie. Kern sind kurze, regelmäßige Besprechungen im Stehen an einer Tafel mit wenigen Kennzahlen zu Sicherheit, Qualität, Leistung und Personal. Abweichungen werden sichtbar gemacht. Maßnahmen bekommen einen Verantwortlichen und einen Termin und werden in der nächsten Runde nachverfolgt. Die Runden sind meist kaskadiert. Auf die Besprechung an der Linie folgen die Runde der Abteilung und danach die der Werksleitung, sodass Probleme, die vor Ort nicht lösbar sind, noch am selben Tag nach oben eskaliert werden. Gemba-Rundgänge, standardisierte Problemlösung und visuelles Management gehören zum Ansatz. Typische Kennzahlen sind OEE und Ausschussquote.

Aus der Praxis

Shopfloor-Tafeln gibt es in vielen Werken. Spannend ist, was darauf steht. Hängen dort Kennzahlen vom letzten Monat, ausgedruckt und laminiert, ist das Dekoration. Die Runde an der Linie lebt von Zahlen von gestern, die jemand mit dem Stift eingetragen hat. Eine Viertelstunde reicht, wenn in der Runde entschieden wird und keiner Folien vorträgt. Jede Maßnahme braucht einen Namen und ein Datum, sonst steht sie in vier Wochen immer noch da. Achten Sie darauf, ob die Eskalation funktioniert. Meldet die Linie dreimal, dass Ersatzteile fehlen, und von oben kommt nichts zurück, hört das Team auf zu melden. In Projekten können Sie die Runde gut mitnutzen. Fünf Minuten zum Stand der Inbetriebnahme an der Tafel der Linie ersparen manche Mail.

Should-Cost-Analyse

Kaufmännisches

Methode, mit der ermittelt wird, was ein Teil oder eine Leistung bei wirtschaftlicher Herstellung kosten sollte. Die Kalkulation baut von unten auf. Material ergibt sich aus Gewicht und Rohstoffpreis, die Fertigung aus den Arbeitsgängen mit Zeiten und Maschinenstundensätzen, dazu kommen Montage, Engineering, Gemeinkosten, Logistik und Gewinn. Grundlage sind Zeichnung, Stückliste und Kostendaten vergleichbarer Teile. Das Ergebnis zeigt die Kostentreiber und dient als Basis für Verhandlungen und Make-or-Buy-Entscheidungen. Ein Angebotsvergleich zeigt nur, was der Markt verlangt, die Should-Cost-Analyse schätzt, was die Leistung wirklich kostet. Gut geeignet ist sie für Zeichnungsteile wie Formatteile, schwieriger ist es bei Sondermaschinen mit hohem Engineeringanteil.

Aus der Praxis

Ich rechne bei Formatteilen gern selbst nach. Material, Fräszeit und ein realistischer Stundensatz mit etwas Aufschlag ergeben eine Zahl, mit der Sie ins Gespräch gehen können. Liegt der Preis des Maschinenherstellers weit darüber, bekommen Sie entweder eine Erklärung oder einen Nachlass. Beides hilft weiter. Die Methode funktioniert auch in die andere Richtung. Enthält ein Angebot für die Inbetriebnahme einer Sondermaschine weniger Stunden, als die Arbeit erfahrungsgemäß braucht, ist das kein Schnäppchen. Die fehlenden Stunden kommen als Nachtrag zurück, oder sie fehlen bei der Optimierung, und die Linie geht halb fertig in die Produktion. Schauen Sie sich deshalb auch die Positionen genau an, die Ihnen auffällig billig vorkommen.

Shuttle-System

Intralogistik

Lagersystem, in dem mehrere autonome Fahrzeuge die Regalebenen parallel bedienen. Beim Behälter- und Kartonlager fährt je Ebene ein Shuttle, zieht den Behälter aus dem Regalfach und bringt ihn zu einem Lift an der Gassenstirn, der die vertikale Bewegung übernimmt. Für Paletten gibt es Kanalshuttles, die in die Lagerkanäle einfahren. Die Dynamik ist höher als bei einem einzelnen Regalbediengerät je Gasse, und die Leistung wächst mit der Zahl der Fahrzeuge. Fällt ein Shuttle aus, bremst das den Durchsatz. Bei einem ausgefallenen Regalbediengerät steht die Gasse. Das ist ein Argument für die Verfügbarkeit.

Aus der Praxis

Shuttle-Systeme mit Fahrzeugen je Ebene erreichen hohe Durchsätze bei Behältern und Kartons und wachsen mit der Anzahl der Shuttles mit. Sie eignen sich für Kommissionierung und Pufferung vor der Auslieferung, weniger für schwere Paletten. Prüfen Sie den Wartungszugang und die Redundanz. Ein Shuttle-Ausfall darf nicht die ganze Gasse blockieren, sonst bricht die Lieferbereitschaft ein. Lassen Sie sich außerdem erklären, wie ein liegengebliebenes Shuttle aus der Gasse kommt und ob das bei laufendem Betrieb geht. Und schauen Sie auf die Lifte an der Gassenstirn. Dort bündelt sich der ganze Durchsatz, und wenn ein Lift ausfällt, helfen auch viele Shuttles wenig.

Sicherheitsabstand (ISO 13855)

Qualität & Sicherheit

Mindestabstand zwischen einer berührungslos wirkenden Schutzeinrichtung wie Lichtgitter, Laserscanner oder Schaltmatte und der Gefahrstelle. Er soll erreichen, dass die Maschine steht, bevor eine Person die Gefahrstelle erreicht. EN ISO 13855 berechnet ihn aus der Annäherungsgeschwindigkeit, der Gesamtnachlaufzeit und einem Zuschlag für das Auflösungsvermögen der Schutzeinrichtung. Zur Nachlaufzeit zählen die Reaktionszeit der Schutzeinrichtung, die der Sicherheitssteuerung und die Bremszeit der Antriebe. Je nachdem, ob die Annäherung rechtwinklig oder parallel zur Schutzfläche erfolgt, ändert sich die Rechnung. Ein Hintertreten, also der Zugang hinter die Schutzeinrichtung, muss ausgeschlossen sein.

Aus der Praxis

Im Projekt wird der Abstand häufig zu knapp geplant, weil der Layoutplaner nur den Platz sieht und nicht die Nachlaufzeit. Dann wandert das Lichtgitter nach hinten, der Bediener kommt nicht mehr an die Maschine, oder es muss ein feiner auflösendes Gitter her. Beides kostet Geld und fällt oft erst spät auf. Ich lasse mir die Nachlaufzeit deshalb früh nennen und frage, ob sie gemessen oder geschätzt ist. Verschlissene Bremsen und geänderte Umrichterparameter verlängern sie. Klären Sie Zeit und Abstand vor dem Layout-Freeze, und lassen Sie die Rechnung im Prüfbericht dokumentieren. In die Abnahme gehört eine Nachlaufmessung, sonst steht der Wert nur auf Papier.

Sicherheitssteuerung (Safety-SPS)

Automatisierung & Robotik

Steuerung oder Steuerungsteil, das sicherheitsgerichtete Funktionen wie Not-Halt, Schutztürüberwachung, Lichtgitter und sichere Geschwindigkeit nach PL oder SIL verarbeitet. Anders als das Sicherheitsrelais ist sie programmierbar statt festverdrahtet. Sie besteht aus einem Eingangsteil, einem Logikteil und einem Ausgangsteil, intern meist in zwei Kanälen aufgebaut, die sich gegenseitig überwachen. Das Sicherheitsprogramm läuft getrennt vom Standardprogramm, eine Prüfsumme kennzeichnet seinen Stand. Sensoren und Antriebe werden über Klemmen oder ein sicheres Bussystem wie PROFIsafe angebunden. Bauformen reichen von der kompakten Sicherheitssteuerung bis zur Safety-CPU in der Standardsteuerung.

Aus der Praxis

Bei einer Linie mit vielen Schutzbereichen lohnt sich die Safety-SPS. Sie zeigt an, welche Tür offen ist oder welcher Not-Halt gedrückt wurde, und dokumentiert Auslösungen. Der Instandhalter muss dann nicht an jedem Türschalter den Kontakt suchen, der die Maschine gestoppt hat. Änderungen am Sicherheitsprogramm dürfen nur befähigte Personen vornehmen, und nach jeder Änderung muss neu validiert werden. Klären Sie, wer das Passwort hat. Verlangen Sie das Sicherheitsprogramm samt Prüfsumme und Prüfprotokoll als Teil der Dokumentation. Notieren Sie sich den Stand nach der Abnahme. Dann sehen Sie später sofort, ob jemand etwas verändert hat.

Sicherheitsvalidierung

Qualität & Sicherheit

Nachweis, dass jede Sicherheitsfunktion einer Maschine so umgesetzt ist und arbeitet, wie es die Risikobeurteilung festlegt. Geprüft werden Hardware-Architektur, Software, Verdrahtung, Parameter und Reaktionszeiten. Dazu kommen Funktionstests mit bewusst herbeigeführten Fehlern, etwa einem Drahtbruch oder einem Querschluss. Verglichen wird immer mit der festgelegten Spezifikation der jeweiligen Sicherheitsfunktion. EN ISO 13849-2 beschreibt das Vorgehen. Die Validierung ist Teil des Konformitätsnachweises vor der CE-Kennzeichnung und wird in einem Prüfbericht festgehalten.

Aus der Praxis

Die Validierung wird oft auf ein Durchklicken der Schutztüren reduziert. Geprüft gehört mehr. Jede Sicherheitsfunktion muss in jeder Betriebsart reagieren, auch bei Drahtbruch, Querschluss und Netzausfall. Die Parameter in der Safety-SPS müssen zur Dokumentation passen, und die Prüfsumme gehört ins Protokoll. Dann lässt sich später belegen, dass nach einem Softwaretausch noch dasselbe Programm läuft. Lassen Sie sich die Validierung mit Prüfliste und Unterschrift geben, bevor Bediener an die Anlage gehen, nicht erst zur Abnahme. Fragen Sie außerdem nach Änderungen, die nach der Validierung noch kamen. Eine nachträglich angepasste Verzögerungszeit macht den Bericht sonst zu Altpapier.

Siebanlage

Verpackungstechnik

Maschine, die Schüttgüter nach Korngröße trennt oder von Fremdkörpern und Klumpen befreit. Eine oder mehrere Siebflächen aus Gewebe oder Lochblech halten Grobes zurück und lassen Feines durch. Gängige Bauarten sind Schwingsiebe, Taumelsiebe und Rotationssiebe, die das Produkt über Vibration oder Drehbewegung auf dem Sieb verteilen. Die Maschenweite richtet sich nach Produkt und Zielkorn. Vor Dosierung und Abfüllung dient die Siebanlage als Kontrollsieb für Pulver, Granulate und Pellets und entfernt Verunreinigungen. Der Siebüberlauf wird ausgeschleust und gesammelt.

Aus der Praxis

Vor Abfüllung oder Dosierung schützen Siebanlagen vor Fremdkörpern und Klumpen und gehören in vielen Betrieben zum HACCP-Konzept. Achten Sie auf die Siebkontrolle auf Bruch, auf Reinigbarkeit und auf die Dokumentation der Prüfungen. Ein gerissenes Gewebe lässt genau das durch, was das Sieb zurückhalten soll. Ich schaue bei Siebanlagen als Erstes in den Überlauf. Was dort liegen bleibt, sagt viel über die Rohware und den Lieferanten. Feuchte oder fettige Pulver verstopfen das Gewebe schnell, und dann braucht es ein anderes Sieb oder eine Abreinigung. Legen Sie fest, wer das Sieb in welchem Intervall prüft und wo die Prüfung abgezeichnet wird.

Siegelbacken

Verpackungstechnik

Beheizte oder gekühlte Werkzeugpaare, die Folie oder Packstoff unter Druck zusammenpressen und die Siegelnaht erzeugen. Die Beheizung erfolgt über Heizpatronen, die Temperatur wird über einen Fühler im Werkzeug geregelt. Ausführungen sind glatt, geriffelt oder mit Konturprofil, mit Trennmesser für Quersiegelungen. Werkstoff, Antihaftbeschichtung, Heizzonenregelung und Parallelität bestimmen Nahtqualität und Standzeit. Bei Dauerheizung sind die Backen ständig auf Temperatur, bei Impulssiegelung wird nur im Moment der Siegelung geheizt. Siegelbacken sind formatabhängig und gehören zu den Verschleißteilen.

Aus der Praxis

Ungleichmäßige Siegelnähte haben fast immer mechanische Ursachen: nicht parallele Backen, verschlissene Beschichtung, Produktreste in der Riffelung oder ein Temperaturfühler, der nicht dort misst, wo gesiegelt wird. Lassen Sie sich die Backen mit Prüffolie einstellen und das Ergebnis dokumentieren. Halten Sie einen Satz einsatzbereit. Reinigen Sie die Beschichtung nie mit Schaber oder Messer, sonst klebt in der nächsten Schicht die Folie an der Backe. Bei Produkten, die gern in die Naht geraten, lohnt eine Nahtreinigung oder Absaugung vor der Siegelstation. Lassen Sie die Backentemperatur auch mit einem unabhängigen Messgerät gegenprüfen, denn die Anzeige an der Steuerung zeigt nur, was der Fühler im Werkzeug meldet.

Siegelfähiges Papier

Verpackungstechnik

Papier mit einer Beschichtung, die sich unter Wärme und Druck mit sich selbst oder mit einem anderen Packstoff verbindet. Als Siegelschicht dienen unter anderem wasserbasierte Polymerdispersionen, aufextrudierte Kunststoffschichten oder Heißsiegellacke, meist nur auf einer Seite. Je nach Anwendung kommen Barrierebeschichtungen hinzu, etwa gegen Fett oder Wasserdampf. Siegelfähige Papiere ersetzen Kunststofffolien zum Beispiel bei Schlauchbeuteln und Deckeln, damit die Verpackung über das Altpapier verwertet werden kann. Inwieweit das gelingt, hängt von Art und Anteil der Beschichtung ab. Gegenüber Folie ist Papier kaum dehnbar und empfindlich gegen Feuchte. Auch das Siegelfenster ist enger. Die Laufrichtung der Fasern beeinflusst Falzverhalten und Maschinengängigkeit.

Aus der Praxis

Der Wechsel von Folie auf Papier klingt nach einem Materialtausch. An der Maschine ist es eher ein kleines Projekt. Papier dehnt sich kaum, an der Formschulter reißt es oder wirft Falten, und an scharfen Knicken bricht die Barriereschicht. Die Siegelstation braucht oft andere Temperaturen und längere Siegelzeiten, und die Maschine läuft dann nicht selten langsamer als mit Folie. Planen Sie deshalb einen Maschinenversuch mit echtem Material aus mehreren Rollen ein. Das Muster, das der Papierhersteller schickt, reicht dafür nicht. Wiederholen Sie den Versuch, wenn das Hallenklima ein anderes ist. Papier reagiert auf Feuchte, und was bei trockener Winterluft sauber läuft, kann sich im feuchten Sommer wellen. Ein paar fertige Packungen sollten Sie einige Tage lagern und dann noch einmal auf Dichtheit prüfen.

Siegelnaht

Verpackungstechnik

Die thermisch oder per Ultraschall gefügte Verbindung der Packstofflagen. Man unterscheidet Längs- und Quernähte, bei Schlauchbeuteln außerdem Flossennaht und Überlappnaht. Die Dichtheit bestimmt Haltbarkeit und Reklamationsquote, Parameter sind Temperatur, Druck und Zeit. Je nach Folie ist die Naht fest verschweißt oder als Peelnaht wieder zu öffnen. Produkt in der Siegelnaht, etwa Krümel oder Pulver, ist eine der häufigsten Ursachen für Undichtigkeit. Ultraschallsiegeln ist hier toleranter. Geprüft wird die Naht mit der Zugprüfung auf Festigkeit, mit der Dichtheitsprüfung auf Undichtigkeiten und mit der Farbeindringprüfung auf feine Kanäle.

Aus der Praxis

Dichtheit und Haltbarkeit hängen an der Siegelnaht, und sie ist eine der häufigsten Quellen für Reklamationen. Kontrollieren Sie Siegeltemperatur, Druck und Zeit als Rezept pro Folie, prüfen Sie die Nähte regelmäßig mit einem Dichtheitstest und achten Sie auf Produkt in der Naht. Ein verschmutztes Siegelwerkzeug produziert Hunderte undichte Packungen, bevor es jemand merkt. Prüfen Sie nach jedem Folien- oder Rollenwechsel zuerst die Nähte der ersten Packungen, bevor die Maschine auf volle Leistung fährt. Lassen Sie in der Schicht auch Nähte von Hand aufreißen. Bei einer fest verschweißten Naht reißt im guten Fall die Folie neben der Naht und nicht die Naht selbst. Das ist ein einfacher Test, den jeder Bediener machen kann.

Siegelparameter

Verpackungstechnik

Die drei Einflussgrößen beim Heißsiegeln: Temperatur der Siegelwerkzeuge, Siegelzeit (Kontaktzeit) und Siegeldruck. Sie müssen auf Packstoff, Siegelschicht und Maschinenleistung abgestimmt sein. Das nutzbare Prozessfenster ergibt sich aus der Kombination, bei der die Naht dicht und ausreichend fest ist, ohne den Packstoff zu beschädigen. Es wird mit Siegelkurven ermittelt, die die Nahtfestigkeit über der Temperatur zeigen. Die Siegelschicht der Folie bestimmt, ab welcher Temperatur sie zu verschweißen beginnt. Angezeigt wird die Temperatur am Werkzeug, in der Siegelebene liegt sie meist niedriger.

Aus der Praxis

Bei steigender Leistung sinkt die Siegelzeit, und viele Betriebe gleichen das mit höherer Temperatur aus, bis der Packstoff schrumpft oder die Barriereschicht leidet. Ermitteln Sie das Prozessfenster für jede Folie mit Siegelkurven und hinterlegen Sie die Parameter im Formatrezept. Jede Folienumstellung bedeutet neue Versuche, auch beim gleichen Lieferanten. Ich lasse mir von einer neuen Folie immer erst die Siegelkurve zeigen, bevor ich über die Maschinengeschwindigkeit rede. Freigegebene Parameter dürfen Bediener nicht ohne Dokumentation ändern. Sonst steht nach dem nächsten Rezeptwechsel jemand an der Maschine und weiß nicht, welcher Wert der gute war.

Siegelschicht

Verpackungstechnik

Innerste Schicht einer Verpackungsfolie oder eines Deckels, die unter Wärme und Druck mit sich selbst oder mit dem Gegenmaterial eine Siegelnaht bildet. In mehrschichtigen Folien ist sie eine eigene Lage, die einextrudiert oder aufkaschiert wird, während Außenlagen aus PET, PA oder Papier Festigkeit und Bedruckbarkeit liefern. Übliche Werkstoffe sind PE, CPP, Ionomere oder Siegellacke. Dicke und Rezeptur bestimmen Siegeltemperaturfenster, Heißklebkraft (Festigkeit der noch warmen Naht), Peelbarkeit und die Toleranz gegenüber Produktresten in der Naht. Schweißsiegel bleiben dauerhaft verbunden, Peelsiegel lassen sich kontrolliert öffnen.

Aus der Praxis

Die meisten undichten Packungen entstehen in der Siegelschicht und nicht an der Maschine. Mal ist die Schicht zu dünn, mal passen Schale und Deckelfolie nicht zusammen, oder Fett und Krümel liegen in der Naht. Verlangen Sie ein breites Siegelfenster. Dann führt es nicht gleich zu Fehlnähten, wenn die Siegelbacken mal etwas heißer und mal etwas kälter laufen. Lassen Sie Siegelschicht und Gegenmaterial immer als Paar freigeben, denn ein Wechsel nur auf einer Seite kann die ganze Naht kippen. Das gilt auch, wenn der Folienlieferant die Rezeptur ändert und es nur als neue Charge ankommt. Ich lasse mir Änderungen schriftlich melden und fahre die erste Rolle im Siegelversuch, bevor sie in die Produktion geht.

SiGeKo

Qualität & Sicherheit

Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator nach der Baustellenverordnung. Der Bauherr muss einen SiGeKo bestellen, sobald Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber auf einer Baustelle tätig werden. Bei größeren Baustellen ist zusätzlich ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan zu erstellen, der die Gefährdungen durch das Zusammenwirken der Gewerke beschreibt. Der SiGeKo koordiniert die Gewerke in der Planungs- und in der Ausführungsphase. In der Planung berücksichtigt er die Grundsätze des Arbeitsschutzes, in der Ausführung stimmt er die Arbeiten der beteiligten Firmen aufeinander ab. Er stellt außerdem eine Unterlage für spätere Arbeiten an der baulichen Anlage zusammen.

Aus der Praxis

Klären Sie mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit, ob ein Maschinenumbau in der laufenden Halle als Baustelle im Sinne der Verordnung gilt, bevor der erste Fremdmonteur kommt. Egal wie die Antwort ausfällt, brauchen Sie jemanden, der die Gewerke koordiniert. Der Elektriker unter der Bühne und der Monteur darüber, beide gleichzeitig am selben Tag, das ist ein klassisches Unfallszenario. Ein gemeinsamer Zeitplan, in dem sich die Arbeiten nicht überlagern, schützt hier mehr als jedes Merkblatt. Zur Koordination gehört auch die Einweisung der Fremdfirmen mit Fluchtwegen, Sperrbereichen und Ansprechpartner. Bauleitung und SiGeKo dürfen dieselbe Person sein, wenn sie dafür qualifiziert ist.

Signalliste

Automatisierung & Robotik

Tabelle aller Ein- und Ausgangssignale einer Steuerung. Je Signal stehen Betriebsmittelkennzeichnung, Klartext, Signalart digital oder analog, Adresse in der SPS, Baugruppe und Kanal, Klemme sowie bei Analogsignalen Messbereich und Einheit. Weitere Spalten nennen etwa Öffner oder Schließer, Sensortyp, Sicherheitsrelevanz und den Prüfstatus aus dem Loop-Check (I/O-Check). Die Signalliste entsteht parallel zu Schaltplan und Software und ist Grundlage für SPS-Programmierung, HMI-Texte und Inbetriebnahme. Signale, die zwischen Maschinen ausgetauscht werden, stehen zusätzlich in der Schnittstellenliste. Reservekanäle für spätere Erweiterungen werden mitgeführt. Gebräuchlich ist auch die Bezeichnung I/O-Liste.

Aus der Praxis

Beim Loop-Check wird die Signalliste Zeile für Zeile abgearbeitet. Einer betätigt draußen den Sensor, einer schaut auf die SPS, und in der Liste wird abgehakt. Stimmt die Liste nicht, dauert das ewig und endet im Streit darüber, wer recht hat. Nach der Inbetriebnahme veraltet sie dann schnell, weil Änderungen nur noch im Programm passieren. Lassen Sie sich die Signalliste mit dem Endstand übergeben und prüfen Sie stichprobenweise gegen das Programm. Bei Analogsignalen gehören Messbereich und Einheit in jede Zeile. Wird ein Drucksensor mit 0 bis 10 bar gegen einen mit 0 bis 16 bar getauscht, passt die Klemme, aber die SPS rechnet mit der alten Skalierung und zeigt falsche Werte. Bei 4 bis 20 mA lässt sich ein Drahtbruch als Fehler erkennen. Und zählen Sie die freien Kanäle. Die Reserve aus dem Angebot ist nach der Inbetriebnahme oft schon verbraucht.

Single Source bezeichnet den Bezug eines Teils oder einer Leistung von nur einem Lieferanten, obwohl es weitere Anbieter gäbe. Bei Sole Source gibt es dagegen tatsächlich nur einen Anbieter, etwa wegen eines Patents oder weil nur der Maschinenhersteller die Zeichnungen besitzt. Gründe für eine einzelne Quelle sind etwa Mengenbündelung oder hohe Kosten für Werkzeuge und Freigaben. Das Risiko liegt vor allem in Lieferausfällen und fehlenden Preisalternativen. Eine Second Source ist eine zweite, technisch freigegebene Bezugsquelle für dasselbe Teil. Sie setzt eine lieferantenneutrale Spezifikation, Nutzungsrechte an Zeichnungen und eine Erstmusterprüfung voraus, bei Packmitteln außerdem einen Maschinenversuch auf der Linie, auf der das Material laufen soll.

Aus der Praxis

Formatteile und Verschleißteile bezieht mancher Betrieb aus einer einzigen Quelle, ohne das je entschieden zu haben. Der Maschinenhersteller liefert nur seine eigenen Teilenummern, die Zeichnungen bleiben bei ihm, und damit ist er die einzige Quelle. Regeln Sie das schon in der Bestellung. Verlangen Sie für Zukaufteile die Herstellerbezeichnung in der Stückliste und für Formatteile das Recht, sie nach Zeichnung bei Dritten fertigen zu lassen. Bei Packmitteln ist die zweite Quelle aufwendiger. Eine Folie mit identischem Datenblatt kann auf der Schlauchbeutelmaschine ganz anders laufen. Und eine Second Source, die freigegeben ist, aber nie bestellt wird, hilft im Ernstfall wenig. Bis die erste Lieferung kommt und die Linie damit läuft, ist der Engpass längst da. Bestellen Sie regelmäßig kleine Mengen, damit beide Quellen im Takt bleiben.

Six Big Losses

Kennzahlen

Einteilung der Verluste an einer Produktionsanlage in sechs Gruppen, die aus dem TPM stammt und der OEE zugrunde liegt. Die Verfügbarkeit mindern Ausfälle durch Störungen und Defekte sowie Verluste durch Rüsten und Einstellen. Auf den Leistungsgrad wirken Leerlauf und Kurzstillstände, an der Linie oft Mikrostopps genannt, und eine gefahrene Geschwindigkeit unterhalb der Auslegung. Zulasten der Qualitätsrate gehen Ausschuss und Nacharbeit im laufenden Betrieb sowie Anlaufverluste nach Rüsten, Störung oder Reinigung. Mit dieser Einteilung lassen sich Stillstandsdaten und Störgründe so ordnen, dass jeder Verlust einer Komponente der OEE zugeordnet und gezielt bearbeitet werden kann.

Aus der Praxis

Auf dem Papier sind die sechs Gruppen sauber getrennt. An der Linie geht die Diskussion beim ersten Stillstand los, der ein paar Minuten dauert. Dann stellt sich die Frage, ob das noch ein Kurzstillstand ist oder schon eine Störung. Legen Sie eine Grenze in Minuten fest, schreiben Sie sie auf und ändern Sie sie nicht jedes Quartal, sonst lassen sich Ihre Zahlen nicht mehr vergleichen. Leicht übersehen werden die beiden Leistungsverluste, weil sie niemand von Hand notiert. Mikrostopps von wenigen Sekunden sind für jeden Schichtbericht zu kurz. Die gedrosselte Geschwindigkeit nach einer Störung bleibt gern wochenlang so stehen, weil die Maschine damit ruhiger läuft. Beides sehen Sie nur in den Maschinendaten. Fragen Sie den Bediener ruhig, warum die Anlage nicht auf Nenngeschwindigkeit läuft. Oft gibt es einen guten Grund, manchmal ist er aber seit Monaten erledigt.

Skinverpackung

Verpackungstechnik

Verpackungsform, bei der eine erwärmte Oberfolie unter Vakuum über das Produkt gezogen wird und sich wie eine zweite Haut an Produkt und Trägerkarte oder Schale anlegt. Das Produkt wird fixiert und weitgehend luftfrei umschlossen. Die Folie wird vor dem Verformen erwärmt und dehnt sich dabei, damit sie der Kontur des Produkts folgt. Sie wird auf einer beschichteten Trägerkarte oder auf dem Schalenrand versiegelt. Verbreitet bei Frischfleisch, Fisch und Konsumgütern, hergestellt auf Traysealern oder Tiefziehmaschinen mit Skinstation.

Aus der Praxis

Gegenüber klassischen MAP-Schalen sinkt bei Skin die Taktzahl, denn die Folie muss erwärmt und evakuiert werden. Kritisch sind Produkte mit scharfen Kanten, die die Folie durchstoßen, bei Fleisch und Fisch zum Beispiel Knochenenden und Gräten. Ebenso Höhen über der Schalenkante, für die die Folie nicht genug Reserve hat. Testen Sie Ihr reales Produkt in den Extremen, also das größte, das höchste und das spitzeste Stück, und nehmen Sie es aus der laufenden Produktion statt aus dem schönen Vorführmuster. Skinfolie und Trägermaterial müssen zueinander freigegeben sein. Achten Sie auch auf Saft und Fett am Rand, denn dort hält die Naht sonst nicht.

Skonto

Kaufmännisches

Preisnachlass in Prozent des Rechnungsbetrags, den der Lieferant gewährt, wenn der Kunde innerhalb einer kurzen Frist zahlt, zum Beispiel zwei Prozent bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen. Er wird auf der Rechnung oder im Vertrag vereinbart und ist vom Rabatt zu unterscheiden, der den Preis unabhängig vom Zahlungszeitpunkt senkt. Bei Maschinenraten ist er relevant: Zwei Prozent auf eine Rate von 500.000 Euro sind 10.000 Euro. Skontovereinbarungen gehören in die kaufmännische Verhandlung und nicht in die Fußnote.

Aus der Praxis

Skonto bei Maschinenlieferungen ist selten, aber verhandelbar, vor allem bei Anzahlungen. Rechnen Sie es gegen Ihre Finanzierungskosten. Wenn zwei Prozent dafür fließen, dass Sie ein paar Tage früher zahlen, ergibt das umgerechnet eine hohe Jahresverzinsung, oft mehr als der Kredit kostet. Wichtiger als der Nachlass ist bei Investitionen aber die Zahlungsstruktur. Ein hoher Restbetrag nach der Abnahme sichert Sie besser ab als ein kleiner Skontoabzug. Prüfen Sie außerdem, ab wann die Frist läuft, ab Rechnungseingang oder ab Rechnungsdatum. Ein Skonto, das die Buchhaltung ständig knapp verpasst, bringt gar nichts.

Sleever

Verpackungstechnik

Maschine, die einen bedruckten Schlauch aus Schrumpffolie über Flasche oder Becher zieht und ihn im Dampf- oder Heißlufttunnel passgenau aufschrumpft. Die Hülse kommt als flachgelegter Schlauch von der Rolle, wird geöffnet, auf Länge geschnitten und über den Behälter geschoben. Stretch-Sleeves dehnen sich dagegen über den Behälter und brauchen keinen Tunnel. Sleever erlauben eine Rundumdekoration auch auf komplexen Konturen. Die Trennbarkeit des Sleeves vom Behälter ist heute ein Recyclingkriterium.

Aus der Praxis

Rundum bedruckbar und auf Wunsch mit Manipulationsschutz, das spricht für Sleeves auf Flaschen, Dosen oder Bechern. Schwierig wird es bei der Kontur, denn nicht jede Form schrumpft faltenfrei. Die Druckerei verzerrt das Motiv vorab, damit es nach dem Schrumpfen gerade sitzt, und das klappt nur, wenn Folie, Tunneleinstellung und Behälter zusammenpassen. Dünnwandige Becher und Flaschen können im Tunnel auch selbst Schaden nehmen. Lassen Sie beim FAT Ihre Behälter und Ihre Sleeves laufen, nicht die des Herstellers, und achten Sie auf die Ausrichtung des Motivs. Schauen Sie sich außerdem die Perforation am Manipulationsschutz nach dem Schrumpfen an.

SMED

Kennzahlen

Methode zur radikalen Verkürzung von Rüstzeiten, entwickelt von Shigeo Shingo. Die Abkürzung steht für Single Minute Exchange of Die. Zuerst werden interne Rüstschritte, bei denen die Maschine steht, von externen getrennt, die bei laufender Maschine erledigt werden können. Danach werden interne Schritte möglichst nach außen verlagert, und beide Anteile werden verkürzt und standardisiert. Ziel ist der einstellige Minutenbereich. Bei wachsender Variantenvielfalt ist das oft wirtschaftlicher als eine schnellere Maschine.

Aus der Praxis

SMED ist die Methode, Rüstzeiten systematisch zu senken. Alles, was bei laufender Maschine vorbereitet werden kann, wird nach außen verlagert, der Rest wird standardisiert und beschleunigt. An Verpackungslinien sitzt die Zeit bei Formatteilwagen, Zählskalen, Rezepten am HMI und einer festen Reihenfolge. Ein SMED-Workshop an der Linie, bei dem der Wechsel gefilmt wird, bringt meist schon beim gemeinsamen Anschauen des Videos die ersten Ideen. Danach sieht jeder, wie oft Werkzeug geholt oder gesucht wird. Ich lasse beim Wechsel jemanden mit Stoppuhr und Zettel danebenstehen und schreibe jeden Handgriff auf, bevor ich über Verbesserungen rede.

Softwarestandard (SPS)

Automatisierung & Robotik

Werksweite Vorgabe, wie Steuerungssoftware aufgebaut, benannt, dokumentiert und diagnostiziert wird. Er regelt die Programmstruktur, die Bausteinbibliothek, die Variablennamen, das Meldungskonzept, die Bedienphilosophie des HMI, die Betriebsarten und die Schnittstellen zu übergeordneten Systemen. Die Programmiersprachen selbst legt die Norm IEC 61131-3 fest, der Standard bestimmt, wie sie im Werk eingesetzt werden. Er wird den Lieferanten mit dem Lastenheft übergeben und verringert Einarbeitung, Fehlersuche und die Abhängigkeit vom einzelnen Programmierer. Für Verpackungsmaschinen kann PackML die Zustände und Betriebsarten liefern.

Aus der Praxis

Ohne Softwarestandard sieht jede Maschine im Werk anders aus, und die Instandhaltung braucht für jeden Hersteller einen eigenen Spezialisten. Der Standard muss nicht dick sein. Struktur, Namenskonvention, Störmeldekonzept, Betriebsarten und Schnittstellen reichen für den Anfang. Legen Sie ihn dem Ausschreibungspaket bei und prüfen Sie die Einhaltung bei der Softwareabnahme, denn nachträglich ändert kein Lieferant sein Programm. Lösen Sie dort eine Störung aus und schauen Sie, ob Meldetext und Quittierung so aussehen, wie Sie es vorgegeben haben. Rechnen Sie außerdem damit, dass Zukaufmaschinen mit eigener Steuerung kommen. Für sie reicht eine saubere Schnittstelle. PackML ist ein sinnvoller Kern für Verpackungsmaschinen.

SolidWorks

Digitalisierung & KI

3D-CAD-System von Dassault Systèmes, im Sondermaschinenbau und bei Zulieferern sehr verbreitet. Es dient der parametrischen Konstruktion von Bauteilen und Baugruppen und leitet daraus Zeichnungen und Stücklisten ab. Hinzu kommt die Simulation. Aus den Modellen entstehen die Unterlagen für Fertigung und Beschaffung. Der Aufbau aus Bauteilen, Baugruppen und abgeleiteten Zeichnungen entspricht dem anderer 3D-CAD-Systeme. Deshalb ist der Austausch über neutrale Formate wie STEP der übliche Weg zwischen Lieferant, Betreiber und Zulieferer.

Aus der Praxis

Für den Betreiber ist zweitrangig, ob der Lieferant mit Inventor oder SolidWorks konstruiert. Es kommt darauf an, dass die Konstruktionsdaten am Ende des Projekts in einem Format vorliegen, das Ihr Haus lesen kann. Vereinbaren Sie das im Vertrag und nicht erst bei der Abnahme, denn danach hat der Lieferant kaum noch Anlass, Datenwünsche zu erfüllen. Ich schreibe konkret hinein, was geliefert wird: Baugruppen und Einzelteile als STEP, Zeichnungen als PDF, Stücklisten als Tabelle. Und ich lasse die Daten im Stand der gelieferten Maschine übergeben, nicht im Stand der Angebotsphase. Fragen Sie auch, ob die Kaufteile als Modell enthalten sind, sonst fehlt beim späteren Umbau das Maß von Antrieb und Sensor.

Sondermaschinenbau

Automatisierung & Robotik

Konstruktion und Fertigung von Maschinen, die für eine spezifische Aufgabe ausgelegt werden statt als Serienprodukt. Typisch ist das, wenn Produkt, Packmittel oder Bauraum keine Standardlösung zulassen. Am Anfang steht das Lastenheft des Betreibers, daraus entsteht das Pflichtenheft des Herstellers. Es folgen Konstruktion, Fertigung, Werksabnahme (FAT), Aufstellung und Inbetriebnahme sowie die Abnahme beim Betreiber (SAT). Als Einzelstück erhält die Maschine eine eigene Risikobeurteilung und CE-Kennzeichnung. Der Preis ist meist höher, die Anpassungsfähigkeit ebenso. Es kommt auf eine saubere Spezifikation und die Konstruktionsabstimmung am realen Produkt an.

Aus der Praxis

Eine Sondermaschine ist die Lösung, wenn kein Standard passt. Sie ist ein Risiko, wenn Lastenheft und Abnahmekriterien fehlen, denn als Einzelstück ist sie nie so erprobt wie eine Serienmaschine. Planen Sie deshalb Zeit für Nacharbeit nach der Inbetriebnahme ein und lassen Sie schon vor der Bestellung Versuche mit Ihrem echten Produkt fahren. Achten Sie auf Referenzen des Herstellers, auf das Ersatzteilkonzept und auf die Dokumentation. Besonders aufschlussreich ist ein Blick in die Unterlagen einer früheren Maschine. Prüfen Sie vorher auch ehrlich, ob nicht ein Standard mit angepasster Zuführung genügt. Der hat seine Kinderkrankheiten meist schon hinter sich.

Methode, mit der ein laufender Prozess anhand statistisch ausgewerteter Messwerte überwacht und gelenkt wird. In festen Abständen werden Stichproben gezogen und Kennwerte wie Mittelwert und Streuung in eine Qualitätsregelkarte eingetragen. Die Eingriffsgrenzen werden aus der Streuung des stabilen Prozesses berechnet, meist bei drei Standardabweichungen der Kenngröße um die Mittellinie. Mit Toleranzgrenzen haben sie nichts zu tun. Punkte außerhalb der Grenzen, Trends oder auffällige Läufe deuten auf eine besondere Ursache hin, dann wird nach festgelegtem Reaktionsplan eingegriffen. Zufällige Streuung bleibt unangetastet. Cp / Cpk beschreiben die Fähigkeit eines Prozesses, SPC überwacht seine Stabilität. Regelkarten beschreibt die Normenreihe ISO 7870.

Aus der Praxis

In der Verpackung begegnet Ihnen SPC vor allem beim Füllgewicht. Die Kontrollwaage liefert ohnehin jeden Wert, die Software zeichnet die Karte, und trotzdem geht es oft schief. Ein typischer Fehler ist Übersteuern. Wer bei jedem Ausreißer am Füller nachstellt, macht die Streuung größer statt kleiner. Bediener müssen wissen, dass ein einzelner Punkt innerhalb der Grenzen keine Handlung verlangt. Ebenso verbreitet ist die Verwechslung der Grenzen. Stehen in der Karte die Toleranzgrenzen, reagiert keiner, bis schon Ausschuss entstanden ist. Legen Sie für jede Karte schriftlich fest, wer bei welchem Signal was tut. Läuft an der Füllmaschine eine Trendregelung, klären Sie bei der Abnahme, wie sie mit der SPC-Auswertung zusammenspielt. Stellt die Regelung automatisch nach und greift der Bediener nach Karte zusätzlich ein, arbeiten beide gegeneinander.

Spezifischer Energieverbrauch

Produktion & Energie

Kennzahl, die den Energieverbrauch auf eine Produktionsmenge bezieht, zum Beispiel Kilowattstunden je Tonne Produkt oder je 1.000 Packungen. Sie lässt sich für einzelne Energieträger wie Strom, Druckluft, Dampf oder Kälte bilden oder als Summe aller Energieträger. Im Energiemanagement nach ISO 50001 dient sie als Energieleistungskennzahl. Der Wert hängt stark von Auslastung, Produktmix, Formatwechseln und Ausschuss ab, weil sich die Grundlast bei geringer Ausbringung auf weniger Einheiten verteilt. Für aussagekräftige Vergleiche wird der Verbrauch deshalb um Einflussgrößen wie Produktionsmenge oder Außentemperatur bereinigt. Im Projekt eignet sich die Kennzahl, um Angebote verschiedener Maschinenlieferanten unter gleichen Bedingungen zu vergleichen.

Aus der Praxis

Kennzahlen je Tonne sehen in der Präsentation gut aus und führen schnell in die Irre. Läuft eine Linie eine Woche lang nur halb ausgelastet, steigt der Wert je Packung, obwohl an der Maschine nichts schlechter geworden ist. Wer zwei Werke vergleicht, vergleicht oft vor allem zwei Produktprogramme. Brauchbar wird die Zahl erst, wenn klar ist, worauf sie sich bezieht und welche Menge im Nenner steht. Bei hoher Ausschussquote macht es einen ordentlichen Unterschied, ob Gutteile oder alle produzierten Packungen gezählt werden. Im Einkauf leistet die Kennzahl dagegen gute Dienste. Lassen Sie sich von jedem Anbieter den Verbrauch an Strom und Druckluft je 1.000 Packungen nennen, für ein definiertes Format und eine definierte Leistung. Die Nennleistung allein sagt darüber wenig. Nehmen Sie den Wert in die Abnahmekriterien auf, dann wird er auch gemessen.

SPS

Automatisierung & Robotik

Speicherprogrammierbare Steuerung, die Sensorsignale verarbeitet und Aktoren nach einem Anwenderprogramm ansteuert. Sie arbeitet zyklisch: Eingänge einlesen, Programm abarbeiten, Ausgänge schreiben. Aufgebaut ist sie aus CPU, Ein- und Ausgabebaugruppen und der Anbindung an Feldbus oder Netzwerk. Die Programmiersprachen sind in IEC 61131-3 genormt. Es gibt Kompaktgeräte, modulare Systeme und PC-basierte Soft-SPS, auch mit Funktionen für Achsen und Roboter. Im deutschen Maschinenbau sind Steuerungen von Siemens (S7/TIA), Rockwell, B&R und Beckhoff weit verbreitet. Die SPS-Plattform gehört ins Lastenheft, denn Instandhaltung und Ersatzteile hängen daran.

Aus der Praxis

Schon bei der Anfrage frage ich, welche Steuerung eingebaut wird, denn davon hängt ab, wer die Anlage später betreuen kann. Eine Standardsteuerung, wie sie in Deutschland üblich ist, bekommt Ihre Instandhaltung oder ein Dienstleister aus der Region schnell in den Griff. Ein exotisches System ist oft nur beim Hersteller selbst in guten Händen. Verlangen Sie den Quellcode oder zumindest Sicherungen, Zugangsdaten und die Dokumentation der Signalbelegung, also welcher Sensor an welchem Eingang hängt. Ohne diese Unterlagen sind Sie bei jeder Kleinigkeit vom Lieferanten abhängig und zahlen für jede Stunde, die er kommt. Auch die Lizenz für die Programmiersoftware gehört in die Liste, sonst haben Sie das Programm in der Hand und können es nicht öffnen.

Stage-Gate-Prozess

Projektleitung & CAPEX

Phasenmodell für Investitionsprojekte, in dem definierte Phasen durch Entscheidungstore getrennt sind. Typische Phasen sind Idee, Machbarkeit, Basic Engineering, Ausführung und Abschluss. An jedem Gate prüft ein Gremium anhand festgelegter Kriterien Reifegrad, Wirtschaftlichkeit und Risiken. Es gibt die nächste Phase samt Budget frei, schickt das Projekt zur Nachbesserung zurück oder stoppt es. Das Budget wird dadurch phasenweise freigegeben und nicht auf einmal. Ursprünglich stammt das Modell aus der Produktentwicklung, im Anlagenbau wird es für CAPEX-Projekte angepasst.

Aus der Praxis

Der Nutzen liegt im Stoppen. Ein Gate, an dem noch nie ein Projekt gescheitert ist, ist nur eine Formalität. Legen Sie fest, welche Unterlagen an welchem Gate reif sein müssen: Layout mit Materialfluss, geprüfte Angebote, Risikoregister und Kostenprognose mit Reserve. Besetzen Sie das Gremium mit Leuten, die Nein sagen dürfen, also mit Werksleitung, Finanzen und Produktion und nicht allein mit dem Projektteam. Halten Sie Entscheidungen mit Auflagen und Terminen schriftlich fest, sonst wird aus einer Freigabe unter Vorbehalt nach kurzer Zeit eine Freigabe ohne Vorbehalt. Und vermeiden Sie den Klassiker, Bestellungen vor dem Freigabegate auszulösen, weil der Liefertermin drängt. Danach gibt es kein Zurück mehr, und das Gate ist nur noch Theater.

Stakeholder

Projektleitung & CAPEX

Personen und Gruppen, die ein Projekt beeinflussen oder von ihm betroffen sind. In Investitionsprojekten gehören dazu Produktion, Instandhaltung, Qualitätssicherung, Einkauf, Arbeitssicherheit, Betriebsrat, Logistik, Behörden und Lieferanten. Man unterscheidet Beteiligte, die entscheiden, solche, die Anforderungen stellen, und solche, die nur informiert werden müssen. Die Stakeholder werden zu Projektbeginn erfasst und nach Einfluss und Betroffenheit bewertet. Daraus ergibt sich, wer in welcher Phase eingebunden wird und wie oft kommuniziert wird. Wer die Instandhaltung erst zur Abnahme einbindet, bekommt ihre Einwände zur Abnahme.

Aus der Praxis

Stakeholder in Verpackungsprojekten sind mehr als Produktion und Einkauf. Dazu zählen Qualität, Instandhaltung, Arbeitssicherheit, Logistik, der Vertrieb mit seinen Handelsvorgaben und die Bediener selbst. Wer sie früh einbindet, bekommt Anforderungen ins Lastenheft. Erst bei der Inbetriebnahme gefragt, sagen sie dort, so sei es nie gedacht gewesen. Gehen Sie vor der Ausschreibung einmal mit dem Schichtführer an der Linie entlang. Das bringt oft mehr als mehrere Meetings im Büro, weil er zeigt, wo die Störungen wirklich sitzen. Fragen Sie auch den Instandhalter, an welcher Stelle er heute schon schlecht drankommt. Notieren Sie, wer wirklich Einfluss hat, auch inoffiziell. Der Vorarbeiter, den alle fragen, wiegt manchmal mehr als ein Kästchen im Organigramm.

Stammdaten

Digitalisierung & KI

Grunddaten, die sich selten ändern und von vielen Vorgängen und Systemen gemeinsam genutzt werden. Dazu gehören der Materialstamm mit Artikelnummer, Maßen, Gewichten und Verpackungsdaten, außerdem Stücklisten, Arbeitspläne, Rezepturen, Lieferanten, Kunden und Anlagen. Bewegungsdaten wie Aufträge, Buchungen oder Messwerte beziehen sich immer auf Stammdaten. Angelegt werden sie meist im ERP und von dort an MES, Lagerverwaltung, Etikettendruck und Maschinensteuerungen weitergegeben. Für Verpackungslinien zählen vor allem GTIN, Packschema, Palettenfaktor, Lagenbild sowie Format- und Rezeptparameter. Ein Fehler in den Stammdaten wiederholt sich in jedem System, das sie übernimmt, und in jedem Auftrag, der auf ihnen aufbaut.

Aus der Praxis

Neue Artikel kommen gern auf den letzten Drücker, und die Stammdaten legt dann jemand an, der die Linie nie gesehen hat. Steht ein falscher Palettenfaktor im System, baut der Palettierer brav das falsche Packschema, und das Palettenetikett stimmt auch nicht. Stellt der Einkauf auf eine dünnere Folie um, bleibt das alte Verpackungsgewicht oft in den Stammdaten stehen, und die Kontrollwaage rechnet mit einer falschen Tara. Ich frage in Projekten deshalb früh, wer welche Stammdaten pflegt, wer sie freigibt und welche Werte direkt an Maschinen gehen. Eine klare Antwort bekomme ich selten beim ersten Mal. Klären Sie das spätestens, wenn die Formatliste für eine neue Linie entsteht. Dort tauchen dieselben Maße und Gewichte wieder auf, nur in einer anderen Datei und mit einem anderen Stand.

Stanzform

Verpackungstechnik

Werkzeug zum Stanzen und Rillen von Zuschnitten aus Karton oder Wellpappe. Auf einem Träger, bei Flachbettformen meist eine Holzplatte, sind Schneidlinien, Rillinien und Auswerfgummi montiert, beim Rillen arbeitet eine Gegenform dagegen. Flachbettstanzformen liefern hohe Maßgenauigkeit, Rotationsstanzformen hohe Geschwindigkeit bei größeren Toleranzen. Das Auswerfgummi drückt den Zuschnitt nach dem Schnitt wieder aus den Messern. Wem das Werkzeug gehört, dem Kunden oder dem Lieferanten, muss vertraglich geregelt sein.

Aus der Praxis

Wer die Stanzform bezahlt, sollte sie auch besitzen, sonst hängt der Einkauf beim Lieferantenwechsel fest. Wie das im Vertrag steht, klären Sie am besten mit dem Juristen. Halten Sie Werkzeugnummer, Revisionsstand und Lagerort in der Packmittelspezifikation fest. Nach Änderungen an Rillung oder Maß gehört ein neues Freigabemuster auf die Maschine. Ein abgenutztes Stanzmesser zeigt sich zuerst an fransigen Kanten und Staub im Magazin des Aufrichters und nicht in der Zeichnung. Auch das Auswerfgummi altert und drückt die Zuschnitte irgendwann nicht mehr sauber aus. Ich führe Stanzformen wie Anlagenteile mit Nummer und frage regelmäßig nach, wo sie gerade liegen.

Stapelfaktor (Sicherheitsfaktor)

Qualität & Sicherheit

Sicherheitsfaktor zwischen dem im Labor gemessenen Stapelstauchwiderstand (BCT) eines Kartons und der im Einsatz zulässigen Stapellast. Der BCT wird an einem einzelnen Karton im Normklima ermittelt, indem er in der Druckprüfung bis zum Versagen belastet wird. Die zulässige Last ergibt sich, wenn man den BCT durch den Stapelfaktor teilt. Der Faktor berücksichtigt Lagerdauer, Feuchte, Temperatur, Palettenüberstand, Stapelversatz, Handling und Transportbelastung. Je rauer die Bedingungen und je länger die Lagerzeit, desto höher muss er gewählt werden. Er ist ein Planungswert, den Verpackungsentwicklung und Logistik gemeinsam festlegen.

Aus der Praxis

Der BCT aus dem Prüfzeugnis gilt für Normklima, sofortige Belastung und perfekt ausgerichtete Kartons. Nichts davon gibt es im Lager. Wochenlange Lagerung, Kühlhausfeuchte, überstehende Kartons und verschobene Lagen zehren den Wert auf. Rechnen Sie deshalb mit einem Stapelfaktor, den Verpackungsentwicklung und Logistik gemeinsam festlegen. Prüfen Sie ihn neu, sobald sich Lagerhöhe, Palettenmuster oder Lagerort ändern. Wurde im Lager höher gestapelt als geplant, hilft auch ein guter BCT nicht mehr. Und wechselt der Lieferant die Wellpappe, fragen Sie nach dem neuen BCT, denn schon eine andere Welle verändert den Wert.

Staplerleitsystem

Intralogistik

Software, die Transportaufträge auf Staplerflotte und Fahrer verteilt. Aufträge kommen aus WMS oder ERP oder werden an der Linie angefordert. Über Indoor-Ortung oder Marken am Boden kennt das System die Fahrzeugpositionen, ein Terminal auf dem Stapler zeigt dem Fahrer den nächsten Auftrag und nimmt die Rückmeldung am Ziel entgegen. Zugeteilt wird nach Priorität, Entfernung und Fahrzeugtyp, Fahrten werden gebündelt. Oft ist das System die wirtschaftliche Vorstufe zur FTS-Automatisierung: erst Transparenz und Ordnung, dann die Automatisierung des bereinigten Prozesses.

Aus der Praxis

Ein Staplerleitsystem verteilt Fahraufträge nach Priorität und Position der Fahrzeuge, das bringt weniger Leerfahrten und keine Zurufe. Es lohnt sich ab mehreren Staplern und vielen Aufträgen pro Stunde. Vorher sollte die Wegeanalyse klären, ob das Problem bei der Steuerung liegt oder beim Layout. Ein System, das lange Wege gut organisiert, bleibt ein System für lange Wege. Reden Sie früh mit den Fahrern und dem Betriebsrat, denn eine Ortung der Fahrzeuge wirkt schnell wie Überwachung. Und klären Sie, was passiert, wenn ein Fahrer den Auftrag nicht quittiert oder das Terminal ausfällt. Ohne gepflegte Platzdaten schickt das System den Stapler an Orte, an denen nichts steht.

Staudrucklose Förderung

Verpackungstechnik

Förderprinzip, bei dem Packungen oder Kartons in Zonen gestaut und weitergegeben werden, ohne dass sie sich berühren oder aufeinanderdrücken. Jede Zone hat einen eigenen Antrieb und einen Sensor, eine Zone gibt erst frei, wenn die nächste leer ist. Ausgeführt wird das mit Rollenförderern, deren Rollen zonenweise angetrieben und abgeschaltet werden, und mit Modulbändern oder Gurten, die in einzelne Abschnitte unterteilt sind. Einfache Stauförderer lassen die Ware dagegen gegen laufende Rollen, Gurte oder gegeneinander drücken. Die Zonensteuerung vermeidet Beschädigung, Verklemmen und Staudruck an Übergaben.

Aus der Praxis

Teurer als ein einfacher Stauförderer ist die staudrucklose Variante, dafür spart sie Beschädigungen und Störungen bei druckempfindlichen Packungen wie Schlauchbeuteln, Kartons aus dünner Pappe oder Displays. Legen Sie die Zonenlänge nach Ihrem längsten Packungsformat fest und prüfen Sie die Steuerungslogik bei Formatgemisch. Bei kurzen Packungen sinkt die Pufferkapazität, weil jede Zone meist nur eine Packung aufnimmt. Glänzende oder durchsichtige Folie bringt manchen Lichttaster aus dem Konzept, probieren Sie also Ihre eigenen Packungen aus. Für den Puffer vor dem Palettierer ist eine Blockabzugsfunktion sinnvoll, damit die Lagenbildung nicht auf jede Zone warten muss. Fahren Sie den Puffer bei der Abnahme einmal bis zum Anschlag voll und lassen Sie ihn dann leerlaufen.

Neutrales Dateiformat für den Austausch von 3D-CAD-Modellen zwischen unterschiedlichen CAD-Systemen, genormt in ISO 10303. Eine STEP-Datei mit der Endung .stp oder .step enthält die Geometrie als Volumen- oder Flächenmodell, bei Baugruppen auch die Struktur der Einzelteile, und je nach Anwendungsprotokoll Farben und weitere Produktdaten. Verbreitet sind AP214 und das neuere AP242, das auch Maße und Toleranzen am Modell übertragen kann. Die Konstruktionshistorie geht beim Export verloren, das Modell lässt sich danach nur noch eingeschränkt ändern. STEP wird vor allem für Layoutplanung und Kollisionsprüfung und im Austausch mit Zulieferern genutzt. Für Fertigung und Prüfung gilt in der Regel weiter die Zeichnung.

Aus der Praxis

Für die Layoutplanung bitte ich in jeder Anfrage um ein vereinfachtes STEP-Modell der Maschine. Außenkontur, Schaltschrank, Medienanschlüsse und die Flächen, die Türen und Wartung brauchen, reichen völlig. Die komplette Konstruktion bekommen Sie ohnehin nicht, und wenn doch, zwingt sie Ihren Rechner in die Knie. Schauen Sie sich die Datei vor der Weitergabe an. Mal fehlen die Schutzzäune, mal liegt der Ursprung irgendwo im Nirgendwo, mal stimmt die Einheit nicht, und die Maschine ist plötzlich so groß wie die Halle. Für Zukaufteile und Lohnfertigung ist STEP Alltag. Gefertigt wird trotzdem meist nach der Zeichnung. Schicken Sie deshalb immer beides, Modell und Zeichnung mit gleichem Revisionsstand, sonst fertigt die Werkstatt nach dem, was gerade oben im Stapel liegt.

Sterilisation

Qualität & Sicherheit

Verfahren, das Mikroorganismen in einem Produkt oder einer Verpackung abtötet. Bei Lebensmitteln spricht man meist von kommerzieller Sterilität: Das Produkt enthält keine vermehrungsfähigen Keime mehr, die es bei normaler Lagerung verderben lassen. Üblich ist die Hitzebehandlung, bei Konserven unter Druck mit gesättigtem Dampf im Autoklaven, bei flüssigen Produkten als Ultrahocherhitzung mit anschließender aseptischer Abfüllung. Packmittel werden mit Dampf, Wasserstoffperoxid oder Strahlung entkeimt, bevor das Produkt hineinkommt. Die Wirkung hängt von Temperatur, Haltezeit und Keimbelastung ab und wird durch eine Validierung nachgewiesen.

Aus der Praxis

Die Sterilisation von Verpackung oder Produkt mit Dampf, Wasserstoffperoxid oder Strahlung bestimmt Materialwahl und Maschinenauslegung. Folien, Becher und Siegelnähte müssen die Hitze oder das Peroxid vertragen. In der Lebensmittelverpackung betrifft das vor allem die aseptische Abfüllung. Dort kippt eine ganze Charge, wenn im Sterilbereich geschlampt wird. Hitze verändert außerdem Geschmack, Textur und Nährwert, das Rezept muss das mittragen. Validierung und Dokumentation gehören zur Abnahme und sind kein nachgelagerter Schritt. Lassen Sie sich vom Lieferanten die Nachweise zur Entkeimungsleistung zeigen, bevor die Anlage freigegeben wird, und klären Sie, wer nach einem Umbau neu validiert.

Steuerungs-Backup

Automatisierung & Robotik

Gesicherte, versionierte Kopie aller Programme und Parameter einer Anlage. Dazu zählen das SPS-Projekt, das Sicherheitsprogramm mit Prüfsumme, das HMI-Projekt, die Antriebsparameter, die Roboterprogramme, die Vision-Rezepte und die Kameraeinstellungen. Zu jedem Stand gehören Datum, Bearbeiter und Änderungsgrund. Die Ablage liegt getrennt von der Anlage, zum Beispiel auf einem gesicherten Server, und die Sicherung wird nach jeder Änderung erneuert, von Hand oder durch ein Sicherungswerkzeug. Ziel ist die Wiederherstellung nach einem Hardwaredefekt oder einer fehlerhaften Änderung innerhalb von Stunden statt Tagen.

Aus der Praxis

Oft liegt irgendwo ein Backup, nur nicht vom aktuellen Stand, nicht von allen Komponenten und nicht getestet. Ohne gesicherte Parameter sitzt nach dem Umrichtertausch jemand mit dem Handbuch an der Maschine und rät Werte. Legen Sie fest, wer nach jeder Änderung sichert, wo die Sicherung liegt und wer zurückspielen darf. Die Rücksicherung sollten Sie einmal im Jahr üben, am besten bei einem geplanten Stillstand. Ich lasse mir von jedem Lieferanten den Stand nach der Abnahme übergeben und halte im Protokoll fest, wo er liegt. Prüfen Sie dabei auch, ob sich die Sicherung ohne den Laptop des Lieferanten wieder einspielen lässt, denn Passwörter und Programmiersoftware stehen sonst nur dort.

Steuerungsmigration

Automatisierung & Robotik

Umstellung einer bestehenden Maschine auf eine neue Steuerungsgeneration, weil die alte abgekündigt ist oder Ersatzteile fehlen. Der Umfang reicht vom Tausch der CPU mit Programmkonvertierung bis zu neuer Sicherheitstechnik, neuem HMI, neuen Antrieben und neuer Verkabelung. Eine Programmkonvertierung braucht in der Regel Nacharbeit von Hand. Der Ablauf besteht aus Bestandsaufnahme, Konvertierung oder Neuprogrammierung, Test und Umbau im Stillstandsfenster, gefolgt von der Abnahme. Die Migration wirft die Frage nach einer wesentlichen Veränderung der Maschine und nach der CE-Konformität auf.

Aus der Praxis

Ein reiner Tausch eins zu eins ist eine Steuerungsmigration selten. Das alte Programm ist über Jahre gewachsen, kaum dokumentiert und steckt voller Sonderfälle, die nur der Nachtschichtmeister kennt. Reden Sie deshalb mit den Leuten, die täglich an der Maschine stehen, bevor jemand ein Angebot schreibt. Planen Sie eine Software-Bestandsaufnahme vor dem Angebot, einen Test mit Simulation vor dem Stillstandsfenster und einen Rückfallplan, bei dem die alte CPU samt Programmstand auf Lager liegt. Lassen Sie die I/O-Liste neu aufstellen, bevor verdrahtet wird, denn Abweichungen zwischen Plan und Schrank finden Sie sonst erst beim Anlauf. Bei der Sicherheitstechnik sollten Sie nichts ungeprüft übernehmen. Das ist meist der Punkt, an dem aus der Migration ein Retrofit wird, mit neuer Risikobeurteilung und allem, was dazugehört.

Systematische Erfassung und Klassifizierung aller Stillstände nach Dauer, Häufigkeit und Ursache. Grundlage sind ein Störgrundkatalog mit festen Ursachencodes und eine Erfassung, die manuell am Terminal, über die Maschinensteuerung oder per Betriebsdatenerfassung laufen kann. Die Pareto-Auswertung nach dem Prinzip, dass wenige Ursachen den Großteil der Zeit kosten, ist der Kern jedes Analysetags. Sie zeigt auch, ob Stillstände aus Technik, Rüsten, Material oder Organisation stammen. Ohne belastbare Daten lassen sich keine wirksamen Maßnahmen ableiten.

Aus der Praxis

Am Anfang jeder Effizienzsteigerung steht die Stillstandsanalyse. Zwei Wochen lang wird jeder Stopp mit Dauer und Grund erfasst, danach wird nach Häufigkeit und Dauer sortiert. Meistens erzeugen wenige Ursachen den Großteil der Verluste, und die meisten davon lassen sich ohne Investition beheben. Im Effizienztag machen wir genau das in verdichteter Form an einem Tag vor Ort. Der Haken liegt in der Erfassung: Wo Bediener Gründe frei eintippen, steht am Ende viermal dasselbe in vier Schreibweisen. Ein kurzer Katalog mit festen Gründen löst das. Und der Bediener muss sehen, dass seine Eingaben etwas bewirken, sonst tippt er bald nur noch Sonstiges.

Geplanter, mit Produktion und Vertrieb abgestimmter Zeitraum, in dem eine Linie für Umbau, Montage oder Inbetriebnahme stillgelegt wird. Länge und Lage im Kalender bestimmen die Montagelogistik und den Montageablaufplan. Die Bestände müssen vorproduziert und die Kunden beliefert sein, bevor die Linie steht. Alle Vorbereitungen, die ohne Stillstand möglich sind, werden außerhalb des Fensters erledigt, zum Beispiel Vormontage, Schaltschrankbau und Kabelkonfektion. Im Fenster selbst stehen Demontage, Einbringung, Anschluss und Inbetriebnahme. Gelegt wird es oft in Betriebsferien oder in produktionsschwache Zeiten.

Aus der Praxis

Das Fenster ist immer zu kurz und wird trotzdem nicht voll genutzt. Der Monteur wartet auf den Elektriker, der Elektriker auf den bauseitigen Anschluss, und der Anschluss auf einen Kran, der anderweitig gebucht ist. Planen Sie das Fenster stundengenau mit einem Schichtplan für alle Gewerke. Ziehen Sie alles vor, was ohne Stillstand geht, also Schaltschrank, Vormontage der Fördertechnik und Kabeltrassen. Rechnen Sie nach der Montage Zeit für Reinigung, Hygienefreigabe und die ersten Probepackungen ein, sonst endet das Fenster mit einer Maschine, die steht, aber noch nicht produzieren darf. Halten Sie einen Rückfallplan bereit. Stellen Sie sich vor, am Freitag ist klar, dass am Montag nicht produziert werden kann. Dann muss feststehen, wer das entscheidet und was dem Kunden gesagt wird.

Kosten einer Stunde ungeplanten Linienstillstands. Dazu zählen entgangene Marge, Personal, Energie, Ausschuss beim Wiederanlauf und gegebenenfalls Konventionalstrafen beim Kunden. Die entgangene Marge zählt nicht immer voll. Das hängt davon ab, ob die Station der Engpass ist und ob sich der Verlust später aufholen lässt. Steht ein Nicht-Engpass still und sind die Puffer gefüllt, bleibt die Linie unter Umständen unbeeinträchtigt. Die Kennzahl hinterlegt Entscheidungen über Ersatzteile, Wartung und Redundanz mit einem Betrag.

Aus der Praxis

Wer seine Stillstandskosten pro Stunde kennt, entscheidet schneller über Ersatzteile, Wartungsverträge und Redundanz. Rechnen Sie den Wert einmal ehrlich aus und hängen Sie ihn an die Linie. Er beendet viele Diskussionen darüber, ob ein Ersatzmotor im Lager zu teuer ist. Rechnen Sie getrennt für den Engpass und für die übrigen Maschinen, sonst ist die Zahl an der einen Stelle zu hoch und an der anderen zu niedrig. Zählen Sie die Zeit bis zum vollen Takt nach dem Wiederanlauf mit, denn die Linie läuft nicht sofort wieder mit voller Leistung. Ich frage außerdem immer, ob beim Kunden eine Pönale für verspätete Lieferung droht. Die steht in keiner Kostenstelle der Linie und kommt trotzdem.

Einheitliche Liste von Gründen, mit denen Stillstände und Verluste in BDE und MES erfasst und in der OEE ausgewertet werden. Aufgebaut sind die Gründe als Baum. Die obere Ebene trennt etwa geplante Stillstände, technische Störungen, Materialmangel, organisatorische Ursachen und Qualitätsprobleme, darunter folgen Maschinen und Baugruppen bis hin zur einzelnen Ursache. Jeder Grund hat einen eindeutigen Code und ist einer Verlustart der OEE zugeordnet, also Verfügbarkeit, Leistung oder Qualität. Technische Störungen werden häufig automatisch aus den Störmeldungen der Steuerung übernommen, organisatorische Gründe wählt der Bediener am Terminal aus. Ein werksweit einheitlicher Katalog macht Linien und Standorte miteinander vergleichbar.

Aus der Praxis

Ich schaue bei jeder Stillstandsauswertung zuerst auf den Balken Sonstiges. Ist er der längste, taugt entweder der Katalog nichts, oder keiner hat den Leuten erklärt, wozu er gut ist. Gründe wie Störung allgemein beschreiben nur das Symptom und helfen keinem weiter. Brauchbar ist ein Grund, aus dem jemand eine Aufgabe ableiten kann. Trennen Sie sauber, ob eine Maschine selbst gestört ist, auf Material wartet oder vom Rückstau blockiert wird. Sonst sammelt der Kartonierer die Störungen des Palettierers ein und hat dafür die Instandhaltung am Hals. Ändern Sie den Katalog nicht jede Woche, sonst können Sie keinen Monat mehr mit dem vorigen vergleichen. Und lassen Sie nicht jede Linie ihre eigene Liste erfinden, wenn Sie später Werke nebeneinanderlegen wollen.

Meldung an die Instandhaltung, dass an einer Anlage ein Fehler, ein Schaden oder ein Mangel vorliegt. Sie wird meist im CMMS oder im Instandhaltungsmodul des ERP erfasst und enthält Anlage oder Baugruppe, Zeitpunkt, Fehlerbild, Auswirkung auf die Produktion, Priorität und Melder. Aus der Meldung entsteht ein Instandhaltungsauftrag, auf den Arbeitszeit und Material gebucht werden. Nach Abschluss wird zurückgemeldet, welche Ursache gefunden und welche Maßnahme durchgeführt wurde, idealerweise über einen Schadens- und Ursachenkatalog. Diese Rückmeldungen liefern die Daten für Kennzahlen wie MTBF und MTTR und für Pareto-Analysen. Abzugrenzen ist das Ticket von den Störmeldungen am HMI, die die Maschinensteuerung automatisch erzeugt und die zum Alarmmanagement gehören.

Aus der Praxis

Die meisten Tickets lesen sich ähnlich. Maschine steht, bitte kommen. Abgeschlossen werden sie dann mit dem Wort erledigt. Aus solchen Daten baut keiner eine Pareto-Analyse, und ein Jahr später weiß niemand mehr, warum der Etikettierer so oft stand. Machen Sie das Melden einfach, mit einem QR-Code an der Maschine oder einem Tablet an der Linie, und geben Sie für Fehlerbild und Ursache Auswahllisten vor. Freitext allein wertet keiner aus. Mikrostopps tauchen in Tickets fast nie auf, weil der Bediener sie selbst behebt. Die gehören in die Betriebsdatenerfassung. Bei neuen Anlagen lohnt es sich, die Anlagenstruktur im CMMS anzulegen, bevor die erste Störung kommt. Wer sie erst Monate später nachträgt, hat die Anlaufphase verschenkt, genau die Zeit, in der viele Fehler zum ersten Mal auftreten.

Streckblasmaschine

Verpackungstechnik

Maschine, die PET-Flaschen aus beheizten Preforms durch Recken und Blasen formt. Die Preforms werden in einem Ofen erwärmt, in der Blasform mit einer Reckstange in der Länge gestreckt und mit Druckluft an die Formwand geblasen. Im verbreiteten Zweistufenverfahren entstehen die Preforms getrennt im Spritzguss und werden zugeliefert. Die Maschine steht oft direkt vor dem Füller und bildet mit ihm und dem Verschließer einen Blas-Füll-Block. Das spart Transport und Handling von Leerflaschen, Preform-Logistik ersetzt Flaschenlogistik.

Aus der Praxis

Viel hängt an der Preform. Maße, Gewicht und Gewindehals müssen stimmen, und das Heizprofil muss dazu passen. Auch die Blasformen wollen beim Formatwechsel gewechselt werden. Wer in einen Blasfüllblock investiert, bekommt weniger Schnittstellen, aber auch weniger Flexibilität bei Stillständen. Steht der Füller, kann die Streckblasmaschine kaum weiterlaufen. Fragen Sie den Lieferanten, was mit den Preforms passiert, die beim Anhalten im Ofen stehen, und wie lange die Maschine danach bis zur ersten brauchbaren Flasche braucht. Die Blasluft berührt das Innere der Flasche und gehört deshalb in die Hygienebetrachtung.

Stretchfolie

Verpackungstechnik

Dehnbare Folie aus Polyethylen zur Ladungssicherung von Paletten. Sie wird als Blas- oder Gießfolie hergestellt und meist als Maschinenfolie im Stretchwickler vorgereckt (typisch 150 bis 300 Prozent) und mit definierter Haltekraft um die Ladeeinheit gewickelt. Die Folie bleibt elastisch und hält die Ladung durch ihre Rückstellkraft zusammen. Eine Haftschicht lässt die Lagen ohne Klebstoff aneinanderhaften. Anders als Schrumpffolie wird Stretchfolie durch Dehnung und nicht durch Wärme gespannt.

Aus der Praxis

Folienstärke, Vorreckung und Wickelprogramm bestimmen Kosten und Ladungssicherheit. Kaufen Sie Folie nicht nach dem Preis je Kilogramm, sondern nach dem Verbrauch je Palette. Eine dünnere Folie ist je Kilogramm oft teurer, kann aber je Palette günstiger sein, wenn sie sich weiter vorrecken lässt. Testen Sie Programme mit Kipp- oder Fahrversuch und dokumentieren Sie das freigegebene Rezept, sonst dreht jede Schicht am Regler. Am Palettenfuß wickelt man meist enger, damit die Ladung auf der Palette fest sitzt und nichts herausrutscht. Wird die Folie gewechselt, prüfen Sie das Programm danach neu, auch wenn Datenblatt und Farbe gleich aussehen.

Stretchwickler

Verpackungstechnik

Maschine, die Stretchfolie um eine Palette wickelt. Beim Drehtellerwickler dreht sich die Palette, während ein Folienwagen am Mast auf und ab fährt. Der Dreharmwickler lässt die Palette stillstehen, und der Folienwagen umkreist sie, was bei instabiler Ladung hilft. Ringwickler führen die Folienrolle auf einem Ring um die stehende Ladung und sind für die höchsten Leistungen gedacht. Im Folienwagen reckt ein Walzenpaar mit unterschiedlicher Drehzahl die Folie vor, und die Vorreckung beeinflusst den Folienverbrauch stark. Eine Lichtschranke misst die Palettenhöhe.

Aus der Praxis

Die Betriebskosten liegen beim Wickler in der Folie. Vorreckung, Wicklungszahl und Folienstärke bestimmen Verbrauch und Ladungssicherheit, und mit besserer Vorreckung lässt sich bei gleicher Stabilität Folie sparen. Prüfen Sie, wie der Wickler den Folienrollenwechsel löst, denn eine leere Rolle mitten in der Palette gibt eine schlecht gesicherte Ladung. Lassen Sie alle Palettenformate durchlaufen, auch die mit Überstand, weil die Folie an überstehenden Kartons gern reißt. Das Wickelprogramm sollte sich aus der Artikelnummer ziehen, sonst steht in der Nachtschicht das falsche drin. Und klären Sie, ob der Wickler die Taktzeit des Palettierers hält. Sonst stauen sich die Paletten vor dem Wickler, und der Palettierer wartet auf Platz.

Gesamtkosten der Verpackung je produzierter Einheit. Sie setzen sich aus Packmittel, Maschinenkosten, Personal, Energie, Ausschuss und Stillstand zusammen. Die Maschinenkosten bestehen aus Abschreibung, Wartung und Verschleißteilen und werden meist über den Maschinenstundensatz auf die Einheit umgelegt. An den Stückkosten werden Verpackungsprojekte am Ende gemessen. Gerechnet wird je Gutpackung. Aussagekräftig sind sie nur, wenn Bezugsgröße und Kostenarten bei jedem Vergleich gleich gewählt sind.

Aus der Praxis

Stückkosten machen Investitionen vergleichbar. Eine Automatisierung, die Personal spart, aber Ausschuss und Stillstände erhöht, kann teurer sein als die manuelle Lösung. Rechnen Sie die Stückkosten vor und nach dem Projekt mit derselben Methode, das ist der ehrlichste Erfolgsnachweis. Halten Sie die Ausgangswerte fest, bevor das Projekt startet. Nachträglich lässt sich kaum noch rekonstruieren, was die Packung vorher gekostet hat. Fragen Sie auch nach dem Einfluss der Losgröße. Bei kleinen Losen schlagen Rüstzeiten und Anlaufverluste stärker auf die Stückkosten durch. Und legen Sie fest, welche Kosten einfließen, etwa ob der Gemeinkostenanteil der Instandhaltung dazugehört. Sonst gewinnt am Ende die Rechnung, die am besten aussieht.

Stückliste (BOM)

Projektleitung & CAPEX

Strukturierte Liste aller Baugruppen, Einzelteile und Zukaufkomponenten einer Maschine mit Menge, Zeichnungs- oder Artikelnummer und Hersteller. Sie ist die Grundlage für Fertigung, Beschaffung, Ersatzteilwesen und Instandhaltung. Man unterscheidet die Konstruktionsstückliste, die den funktionalen Aufbau zeigt, die Fertigungsstückliste, die dem Montageablauf folgt, und die für den Betreiber wichtige Ersatz- und Verschleißteilstückliste. Die Stückliste ist mehrstufig aufgebaut, eine Baugruppe enthält wieder Baugruppen und Einzelteile. Sie entsteht in der Konstruktion, meist im CAD- oder ERP-System, und ändert sich mit jeder Zeichnungsrevision.

Aus der Praxis

Ich verlange die Stückliste immer mit Herstellerbezeichnung und Herstellerartikelnummer. Eine Liste, die nur die interne Nummer des Maschinenbauers kennt, bindet Sie bei jeder Bestellung an ihn, und selbst für ein Standardteil fragen Sie dann beim Maschinenbauer an statt beim Händler um die Ecke. Prüfen Sie, ob die Kaufteile Ihrer Werksnorm entsprechen, also Antriebe, Sensoren und Pneumatik. Sonst haben Sie in der Halle ein Fabrikat mehr im Lager. Eine elektronische Stückliste, die sich ins Instandhaltungssystem importieren lässt, spart mehr Zeit als jede Rabattverhandlung. Achten Sie darauf, dass der Stand zur Anlage passt: Nach der Inbetriebnahme muss die Stückliste auf den As-built-Stand gebracht werden.

Pflicht nach dem Verpackungsgesetz, für Verkaufs- und Umverpackungen, die typischerweise beim privaten Endverbraucher als Abfall anfallen, einen Vertrag mit einem dualen System abzuschließen und die in Verkehr gebrachten Mengen je Materialfraktion zu melden. Das duale System organisiert Sammlung und Verwertung dieser Verpackungen und finanziert sie aus den Beteiligungsentgelten. Materialfraktionen sind zum Beispiel Glas, Papier und Karton, Kunststoffe, Metalle und Verbunde. Die Entgelte richten sich nach Material und Menge und berücksichtigen die Recyclingfähigkeit. Die Beteiligung ist Voraussetzung dafür, dass die Verpackung in Verkehr gebracht werden darf.

Aus der Praxis

Die Systembeteiligung wird gern als Verwaltungskram abgetan, dabei ist sie ein echter Kostenfaktor. Material, Gewicht und Recyclingfähigkeit bestimmen das Entgelt je Tonne, also wirkt jede Verpackungsänderung direkt auf die Lizenzkosten. Beziehen Sie diese Kosten in Materialentscheidungen ein, etwa beim Wechsel vom Verbund zum Mono-Material. Achten Sie darauf, dass die gemeldeten Mengen mit Stückzahl und Verpackungsgewicht aus der Produktion übereinstimmen, denn Prüfungen setzen genau dort an. Setzen Sie dafür Einkauf, Produktion und Umweltbeauftragten an einen Tisch. Oft liegen die Daten in verschiedenen Abteilungen, und keiner hat sie je nebeneinandergelegt.

T

Taktzeit

Kennzahlen

Zeit zwischen zwei fertigen Einheiten, der Kehrwert der Leistung. 60 Takte pro Minute entsprechen einer Taktzeit von einer Sekunde. Die langsamste Station bestimmt den Linientakt, Engpassanalyse heißt deshalb, diese Station zu finden und zu entlasten. Bei der Auslegung neuer Linien werden Nenntakt, Dauerleistung und Spitzenleistung unterschieden. Der Nenntakt ist der Wert, für den die Maschine ausgelegt ist, die Dauerleistung der Wert, den sie im Dauerbetrieb mit realem Produkt hält. Vom Kundentakt, der sich aus dem Bedarf ergibt, ist die Taktzeit der Maschine zu unterscheiden.

Aus der Praxis

Das langsamste Glied bestimmt die Taktzeit der Linie, meist der Füller oder der Kartonierer. Alle anderen Maschinen sollten schneller laufen können, um nach Stopps aufzuholen, sonst staut sich bei jedem kleinen Halt die Ware. Bei der Auslegung neuer Linien müssen Nenntakt, Dauerleistung und Spitzenleistung sauber getrennt sein. Eine Maschine, die ihren Nenntakt nur bei einem Format erreicht, ist falsch spezifiziert. Fragen Sie den Lieferanten, für welches Format und welches Packmittel der Takt gilt, und lassen Sie sich die anderen Formate einzeln bestätigen. Der Katalogtakt steht gern groß auf der ersten Seite, das Format dazu im Kleingedruckten.

Tänzerregelung

Verpackungstechnik

Regelung des Bahnzugs von Folien, Papier oder Etikettenbändern über eine bewegliche Tänzerwalze. Die Bahn läuft in einer Schlaufe um die Walze, die auf einem Schwenkarm oder einem Schlitten sitzt und mit einer definierten Kraft belastet wird, meist über einen Pneumatikzylinder oder ein Gewicht. Diese Belastung bestimmt den Bahnzug. Ein Sensor erfasst die Lage des Tänzers, und die Regelung passt Bremse oder Antrieb der Abwicklung so an, dass der Tänzer in seiner Mittellage bleibt. Nebenbei puffert der Tänzer Bahnlänge, wenn die Maschine beschleunigt oder taktweise abzieht. Abzugrenzen ist die Zugkraftregelung mit Kraftmessdosen, die den Bahnzug direkt misst. Die Bahnlaufregelung korrigiert dagegen die seitliche Lage der Bahn.

Aus der Praxis

Wandert die Druckmarke und schwankt die Beutellänge, wird gern an der Druckmarkenerkennung gesucht. Oft sitzt die Ursache aber ein paar Walzen weiter vorne beim Tänzer. Ein schwergängiges Lager am Schwenkarm, ein Druckregler, an dem jede Schicht ein wenig dreht, oder ein ausgeleierter Lagesensor reichen schon, damit der Bahnzug pumpt. Schauen Sie sich den Tänzer im laufenden Betrieb an. Steht er ruhig in der Mitte, ist alles gut. Schlägt er ständig zwischen den Anschlägen hin und her, kommt die Regelung nicht hinterher. Dünne Folie verträgt weniger Zug als dicke, und zu viel Zug dehnt sie so, dass Druckbild und Schnitt nicht mehr zusammenpassen. Schreiben Sie den Zylinderdruck deshalb je Folie ins Rezept oder wenigstens gut lesbar an den Regler. Bei der Wartung gehört der Tänzer einmal in die Hand. Er muss sich leicht und ohne Rucken bewegen lassen.

TCO

Kennzahlen

Gesamtkosten über die Lebensdauer einer Anlage. Dazu zählen Anschaffung, Energie, Wartung, Ersatzteile, Formatteile, Bedienpersonal und Entsorgung, gelegentlich auch Ausfallkosten. Bei längeren Zeiträumen werden zukünftige Kosten häufig auf den heutigen Wert abgezinst. TCO steht für Total Cost of Ownership. Sie ist der ehrliche Vergleichsmaßstab für Investitionsentscheidungen, und der niedrigste Angebotspreis gewinnt in dieser Rechnung erstaunlich selten. Das Ergebnis hängt von Annahmen zu Nutzungsdauer und Auslastung ab, die offen dargelegt werden sollten.

Aus der Praxis

Die TCO-Betrachtung über die geplante Nutzungsdauer macht aus zwei scheinbar gleich teuren Angeboten oft einen klaren Favoriten. Energie, Druckluft, Formatteile, Verschleißteile, Wartungsverträge, Bedienpersonal und Ausfallkosten unterscheiden sich stark. Fordern Sie diese Angaben in der Angebotsvergleichsmatrix ab. Wer sie nicht liefern kann oder will, hat sie selbst nie gerechnet. Ich lasse mir mindestens den Druckluft- und Stromverbrauch und die Verschleißteilliste mit Preisen und Standzeiten geben. Das sind die Posten, die später Jahr für Jahr zu Buche schlagen, während der Anschaffungspreis nur einmal bezahlt wird.

Teach-in

Automatisierung & Robotik

Programmierung eines Roboters durch manuelles Anfahren und Speichern von Positionen mit dem Handbediengerät, im Gegensatz zur Offline-Programmierung am Rechner. Der Programmierer fährt den Roboter im Handbetrieb mit reduzierter Geschwindigkeit an die gewünschten Punkte und speichert sie als Bahnpunkte. Dazu legt er die Bewegungsart fest, etwa Punkt-zu-Punkt, linear oder Kreisbahn, und die Geschwindigkeit. Das Handbediengerät hat einen Not-Halt und einen Zustimmtaster, der in der Mittelstellung gehalten werden muss. Der Vorteil ist die Arbeit direkt am realen Produkt, der Nachteil, dass die Anlage dabei steht.

Aus der Praxis

Für ein neues Packmuster ist Teach-in schnell gemacht, nur steht die Linie dabei still. Sorgen Sie dafür, dass mindestens zwei eigene Mitarbeiter teachen können, sonst wartet das Werk bei jedem neuen Format auf den Servicetechniker. Der Zustimmtaster am Handbediengerät gehört in die Schulung, damit er richtig benutzt wird und nicht zur Alibifunktion verkommt. Für Palettierer sind Packmuster-Generatoren am HMI die bessere Lösung. Neues Format eingeben, fertig. Danach sind höchstens noch Feinkorrekturen zu teachen. Und sichern Sie das Programm gleich nach dem Teachen, sonst teachen Sie nach dem nächsten Fehler von vorn.

Teams

Digitalisierung & KI

Microsoft Teams ist eine Plattform für Chat, Videokonferenzen, Telefonie und gemeinsame Dateiablage, eng verzahnt mit Microsoft 365. In vielen Industrieunternehmen ist sie das Standardwerkzeug für interne und externe Besprechungen. Chats und Besprechungen sind in Teams und Kanälen gegliedert, die je Projekt, Abteilung oder Thema angelegt werden. Externe Teilnehmer wie Lieferanten oder Berater treten Besprechungen per Einladung bei. In einer Besprechung lassen sich Bildschirm und Dokumente für alle Teilnehmer freigeben.

Aus der Praxis

Die meisten Kundentermine finden heute in Teams statt, vom Kick-off bis zur Angebotsbesprechung mit dem Lieferanten. Bewährt hat sich: Protokoll direkt im Termin schreiben und noch am selben Tag versenden, sonst versanden Entscheidungen. Der Chat ist dafür kein Ersatz, denn was dort steht, findet später keiner wieder. Klären Sie zu Beginn, wer protokolliert, und fragen Sie vor einer Aufzeichnung jeden Teilnehmer, ob sie erlaubt ist. Wenn Sie ein Layout oder eine Zeichnung zeigen, schicken Sie die Datei vorher herum, damit nicht alle auf ein verwackeltes Bild starren. Und prüfen Sie Ton und Kamera, bevor der Lieferant zugeschaltet wird.

Anteil der Zeit, in der eine Maschine aus technischer Sicht produzieren kann, bezogen auf eine vereinbarte Zeitbasis. Als Ausfall zählen nur Stillstände, deren Ursache in der Maschine selbst liegt, etwa mechanische Defekte oder Störungen der Steuerung. Fehlendes Material oder Personal, Stau oder Mangel an Nachbarmaschinen, Rüsten, Reinigung und Pausen bleiben außen vor. Die Verfügbarkeit in der OEE erfasst dagegen alle Stillstände in der geplanten Produktionszeit. Technische Verfügbarkeit ist die Größe, die in Kaufverträgen und Abnahmen vereinbart wird. Zeitbasis und Zuordnung der Stillstände müssen im Vertrag stehen. Begriffe und Berechnung behandelt VDI 3423, für Verpackungsmaschinen beschreibt DIN EN 415-11 die Ermittlung von Effizienz und Verfügbarkeit.

Aus der Praxis

Eine Prozentzahl im Kaufvertrag sieht ordentlich aus. Ohne Zeitbasis und Spielregeln ist sie aber wenig wert. Schreiben Sie hinein, auf welche Zeit sich die Verfügbarkeit bezieht, über wie viele Schichten gemessen wird und wer die Stillstände protokolliert. Gestritten wird später über die Grenzfälle, etwa wenn die Folie knapp an der Spezifikation liegt und die Siegelstation damit nicht zurechtkommt oder wenn ein Bediener falsch eingegriffen hat. Der Lieferant bucht so etwas gern als fremdverschuldet, der Betreiber als Maschinenfehler. Klären Sie vorher, wer im Zweifel entscheidet, und lassen Sie die Stillstände während des Leistungsnachweises schichtweise von beiden Seiten abzeichnen. Wer erst am Ende der Woche anfängt, Störungen zuzuordnen, erinnert sich an nichts mehr und streitet über alles.

Technischer Einkauf

Kaufmännisches

Einkaufsfunktion, die technische Güter und Leistungen beschafft und dafür technisches Fachwissen mitbringt. Dazu gehören Maschinen und Anlagen, Komponenten und Ersatzteile sowie Dienstleistungen wie Engineering, Montage, Inbetriebnahme und Wartung. Der technische Einkauf arbeitet an der Schnittstelle zwischen Fachabteilungen wie Technik oder Instandhaltung und dem kaufmännischen Einkauf. Seine Aufgaben reichen von der Bedarfsklärung anhand des Lastenhefts über Lieferantenauswahl und Angebotsvergleich bis zur Verhandlung und Bestellung. Hinzu kommen Vertragsthemen wie Abnahme, Mängelhaftung, Zahlungsplan und Bürgschaften sowie die Lieferantenbewertung. Viele Betriebe trennen den Projekteinkauf für Investitionen vom Einkauf für Instandhaltung und Ersatzteile.

Aus der Praxis

In vielen Projekten kommt der technische Einkauf zu spät. Die Technik hat sich auf einen Lieferanten festgelegt, und der Einkauf soll am Ende noch etwas vom Preis herunterhandeln. Das gelingt meistens auch, nur holt sich der Lieferant das Geld über gestrichene Leistungen oder Nachträge zurück. Plötzlich fehlen das Ersatzteilpaket, die zweite Schulung oder die Dokumentation in der Landessprache. Setzen Sie den Einkauf mit an den Tisch, solange das Lastenheft noch geschrieben wird. Dann kann er die kaufmännischen Bedingungen gleich mit anfragen und vergleicht Angebote, die wirklich vergleichbar sind. Ich lese bei einem Angebot zuerst die Ausschlüsse und Annahmen und erst danach den Preis. In den Ausschlüssen steht, was später als Nachtrag zurückkommt. Und ein Einkäufer, der die Maschine einmal laufen gesehen hat, verhandelt anders.

TEEP

Kennzahlen

Kennzahl für die Ausnutzung einer Anlage, bezogen auf die gesamte Kalenderzeit. TEEP steht für Total Effective Equipment Performance. Sie ergibt sich aus der OEE, multipliziert mit dem Belegungsgrad, also dem Anteil der geplanten Produktionszeit an der Kalenderzeit. Während die OEE nur die Zeit bewertet, in der die Anlage laut Schichtplan laufen soll, zählt die TEEP auch nicht belegte Schichten, Wochenenden und Feiertage als ungenutzte Zeit, je nach Festlegung auch geplante Wartung. Eine Woche hat 168 Stunden. Wer an fünf Tagen in zwei Schichten zu je acht Stunden produziert, kommt deshalb selbst mit einer OEE von 100 Prozent nur auf eine TEEP von knapp 48 Prozent. Die Kennzahl dient vor allem dazu, freie Kapazität vor einer Investition sichtbar zu machen.

Aus der Praxis

Für die tägliche Linienbesprechung taugt die TEEP wenig. Ihre Stunde kommt, wenn jemand eine zusätzliche Linie beantragt. Ich schaue bei solchen Anträgen zuerst nach, wie viel Kalenderzeit die vorhandene Anlage überhaupt nutzt. Läuft sie zwei Schichten an fünf Tagen, steht sie mehr als die Hälfte der Woche still, und eine dritte Schicht ist oft schneller organisiert als eine neue Maschine geliefert. Ganz so einfach ist die Rechnung aber selten. Für die Nacht brauchen Sie Personal, das erst gefunden werden muss, und die Instandhaltung hat ihre Wartung bisher genau in die freie Zeit gelegt. Wer die zustellt, muss vorher klären, wann künftig gewartet und gereinigt wird. Vergleichen Sie nie die TEEP zweier Werke mit unterschiedlichem Schichtmodell. Da gewinnt automatisch das Werk mit mehr Schichten, und über die Technik sagt das nichts.

Sensor, der eine Temperatur in ein elektrisches Signal umsetzt. In Maschinen kommen vor allem zwei Bauarten vor. Der Pt100 ist ein Widerstandsthermometer aus Platin mit 100 Ohm bei 0 °C, sein Widerstand steigt mit der Temperatur nahezu linear. Er misst genau und stabil, reagiert aber träger. Das Thermoelement besteht aus zwei verschiedenen Metallen und liefert eine Spannung, die vom Temperaturunterschied zwischen Messstelle und Vergleichsstelle abhängt. Verbreitet sind Typ J und Typ K. Thermoelemente sind klein, schnell und für hohe Temperaturen geeignet, dafür weniger genau. Pt100 werden mit zwei, drei oder vier Leitern angeschlossen. Mit drei oder vier Leitern lässt sich der Leitungswiderstand ausgleichen, der sonst das Messergebnis verfälscht.

Aus der Praxis

An der Siegelstation entscheidet der Fühler über die Naht. Behandelt wird er trotzdem wie ein Centartikel. Sitzt er zu weit von der Siegelfläche weg, regelt die Maschine brav auf eine Temperatur, die an der Folie gar nicht ankommt. Und nach einem Fühlertausch passt plötzlich das Rezept nicht mehr, obwohl keiner etwas verstellt hat. Meist steckt dann ein anderer Typ drin, oder der Fühler sitzt nicht mehr bis zum Anschlag in der Bohrung. Schreiben Sie Typ, Länge und Durchmesser je Messstelle in die Ersatzteilliste und legen Sie die gängigen Fühler ans Lager. Bei Thermoelementen gehört die passende Ausgleichsleitung dazu. Normales Kupferkabel geht auch, zeigt dann aber irgendwas an.

Terminplan

Projektleitung & CAPEX

Zeitliche Struktur eines Projekts mit Vorgängen, Dauern, Abhängigkeiten und Meilensteinen, meist als Balkenplan dargestellt. Er entsteht aus dem Projektstrukturplan, indem jedem Arbeitspaket Dauer und Vorgänger zugeordnet werden. Der kritische Pfad ist die Kette von Vorgängen, deren Verzug direkt das Projektende verschiebt. Dort gehören Puffer und die Aufmerksamkeit des Managements hin. Vorgänge außerhalb des kritischen Pfads haben Pufferzeit, die sich verbrauchen lässt, ohne das Ende zu verschieben. Der freigegebene Plan wird als Basisplan festgehalten, der laufende Plan zeigt die Abweichung. Verschiebungen der Meilensteine lassen sich in einer Meilensteintrendanalyse verfolgen.

Aus der Praxis

Ein brauchbarer Terminplan enthält neben den Lieferantenterminen auch Ihre eigenen Mitwirkungspflichten: Muster, Freigaben, Bauleistungen, Medienanschlüsse und Personal für FAT und SAT. Viele Verzögerungen entstehen auf Betreiberseite und werden trotzdem dem Lieferanten angelastet. Pflegen Sie den Plan wöchentlich und halten Sie vor Weihnachten und den Betriebsferien Puffer frei, denn dann fehlen Ihnen und dem Lieferanten die Leute. Teilen Sie Verschiebungen sofort mit, auch die unangenehmen. Legen Sie die Freigabe von Mustern und Layout als eigene Meilensteine in den Plan, denn darauf wartet der Lieferant gern lange. Ich frage bei jedem Lieferantenplan nach, was er von der Betreiberseite bis wann braucht, weil dort die versteckten Verzögerungen sitzen.

Tertiärverpackung

Verpackungstechnik

Verpackungsebene für Lagerung, Umschlag und Transport, die mehrere Verkaufs- oder Umverpackungen zu einer Versandeinheit zusammenfasst. Typisch ist die palettierte, gesicherte Ladeeinheit aus Palette und Ladungssicherung durch Stretchfolie, Schrumpfhaube oder Umreifung. Dazu kommen je nach Ware Zwischenlagen, Kantenschutz und ein Palettenetikett. Maße, Höhe und Etikettierung legen oft die Handelskunden fest. Die Tertiärverpackung schließt an Primär- und Sekundärverpackung an und ist die Ebene, die Lager, Spedition und Handel handhaben.

Aus der Praxis

Transportkosten und Schadensquote hängen an der Tertiärverpackung, und zu ihr gehören mehr Teile, als man zuerst denkt: Palette, Stretchfolie, Zwischenlagen und Kantenschutz. Einsparungen liegen in der Volumenausnutzung und beim Folienverbrauch, Risiken in der Ladungssicherung. Ändern Sie Packschema oder Folie nie ohne Test unter Transportbedingungen und ohne Abstimmung mit Logistik und Handelskunden. Fragen Sie nach, ob Ihre Paletten beim Spediteur oder im Regal doppelstöckig stehen. Dann trägt der unterste Karton das ganze Gewicht, und das steht nicht automatisch in Ihrer Spezifikation. Schäden fallen oft erst an der Rampe des Kunden auf und nicht im eigenen Werk. Wer es genau wissen will, lässt vorab eine Transportsimulation im Labor fahren.

Thermodirektetikett

Verpackungstechnik

Etikett mit wärmeempfindlicher Beschichtung, die beim Kontakt mit dem Druckkopf schwarz wird. Gedruckt wird ohne Farbband, weil die Beschichtung Farbbildner und Entwickler enthält, die erst durch Wärme miteinander reagieren. Das Etikett ist günstig und einfach im Drucker, aber empfindlich gegen Hitze, Licht, Reibung und Weichmacher, und der Druck verblasst mit der Zeit. Eine zusätzliche Schutzschicht auf der Oberfläche macht es abriebfester. Geeignet ist es für Versandetiketten, Wiegeetiketten und Kurzzeitetiketten, nicht für dauerhafte Kennzeichnung. Beim Thermotransferdruck überträgt dagegen ein Farbband die Farbe auf das Etikett.

Aus der Praxis

Farbband und Rüstzeit spart man mit Thermodirekt, bezahlt aber mit Lesbarkeit. Ein Palettenetikett, das Monate im Hochregallager hängt oder im Sommer am Tor liegt, ist danach oft nicht mehr scannbar. Für Rückverfolgbarkeit über die Lagerdauer nehmen Sie Thermotransfer. Legen Sie ein Muster eine Woche ans Fenster in die Sonne und scannen Sie es danach, dann wissen Sie mehr als aus jedem Datenblatt. Achten Sie außerdem auf abriebfeste, oberflächenbeschichtete Qualitäten und auf die Freiheit von bedenklichen Farbentwicklern wie Bisphenol A, das in Thermopapier in der EU beschränkt ist. Fragen Sie den Etikettenlieferanten ausdrücklich danach.

Thermoformer

Verpackungstechnik

Maschine, die Verpackungsmulden direkt aus einer Folienbahn formt, befüllt und versiegelt, alles in einer Linie. Die Unterfolie wird erwärmt, mit Vakuum oder Druckluft in die Form gezogen und abgekühlt. Danach folgen Füllstrecke, Oberfolie, Siegelstation und ein Schneidwerk, das die fertigen Packungen aus der Bahn trennt. In der Siegelstation lassen sich auch Vakuum oder Schutzgas einbringen. Typisch ist der Einsatz für Wurst, Käse und Medizinprodukte. Die Ausbringung ist hoch, die Maschine aber über die Formwerkzeuge an ein Format gebunden. Im Unterschied zum Traysealer, der fertige Schalen versiegelt, formt der Thermoformer die Schale selbst.

Aus der Praxis

Jeder Formatwechsel ist beim Thermoformer ein Werkzeugwechsel. Thermoformer sind Tiefziehmaschinen, und ihre Leistung hängt an Folie, Formtiefe und Kühlzeit. Prüfen Sie deshalb Werkzeugkosten und Lieferzeiten pro Format. Beim Folienverbrauch zählt auch der Abfall, denn aus der Bahn bleiben Randstreifen und Folienreste übrig, die irgendwo hin müssen. Fragen Sie auch, wie lange der Anlauf nach einem Folienwechsel dauert und wie viel Folie dabei im Ausschuss landet. Und schauen Sie auf die Hygieneauslegung im Nassbereich, da trennt sich die Spreu vom Weizen. Ich lasse mir bei der Abnahme zeigen, wie lange ein Formatwechsel mit den echten Werkzeugen dauert, nicht mit dem Wert aus dem Angebot.

Thermoinkjet (TIJ)

Verpackungstechnik

Tintenstrahldruckverfahren nach dem Prinzip Drop on Demand, bei dem nur dann Tropfen entstehen, wenn gedruckt wird. Tintenvorrat und Druckkopf sitzen gemeinsam in einer Kartusche. Kleine Heizwiderstände in den Düsenkammern erhitzen die Tinte schlagartig, eine Dampfblase entsteht und stößt einen Tropfen aus. Mit jedem Kartuschenwechsel kommt deshalb auch ein neuer Druckkopf in die Maschine. TIJ druckt mit hoher Auflösung und eignet sich für Klarschrift, Strichcodes und DataMatrix / GS1-Codes. Wasserbasierte Tinten sind für saugfähige Untergründe wie Karton und Papier gedacht, lösemittelhaltige Tinten auch für Folien und beschichtete Oberflächen. Gegenüber dem Continuous Inkjet (CIJ) muss der Druckkopf näher am Produkt sitzen, und die Druckhöhe je Kopf ist begrenzt.

Aus der Praxis

Beliebt ist TIJ vor allem, weil der Drucker kaum Wartung braucht. Es gibt kein Tintensystem und kein Lösemittel zum Nachfüllen, und die Kartusche ist in Sekunden getauscht. Dafür bezahlen Sie jeden Code über die Kartusche. Rechnen Sie mit Ihren echten Stückzahlen durch, wie sich das gegenüber einem CIJ verhält. Ärger macht oft die Pause. Steht die Linie eine Weile, trocknet die Tinte in den Düsen an, und die ersten Codes danach sind blass oder lückenhaft. Klären Sie, wie der Drucker seine Düsen nach einer Pause wieder freibekommt und ob die nachgeschaltete Codeprüfung solche Packungen zuverlässig erkennt. Und legen Sie genug Kartuschen ans Lager. Ohne Tinte kein MHD, und ohne MHD bleibt die Ware stehen.

Thermotransferdrucker (TTO)

Verpackungstechnik

Kennzeichnungsdrucker, der über einen beheizten Druckkopf Farbe von einem Thermotransferband auf Folie oder Etikett überträgt. Der Kopf trägt eine Reihe kleiner Heizelemente, die das Band punktweise erwärmen, sodass die Farbe an der Folie haftet. Eingesetzt wird er an Schlauchbeutel- und Tiefziehmaschinen für Haltbarkeitsdatum, Chargennummer und Barcodes. Er druckt intermittierend bei stehender Folie oder kontinuierlich bei laufender Bahn. Die Druckqualität ist hoch, das Farbband ein Verbrauchsmaterial. Anders als Tintenstrahl und Laser braucht er eine ebene Bahn, an die der Kopf angedrückt werden kann.

Aus der Praxis

Die häufigsten Störungen sind Farbbandrisse und fehlende Aufdrucke nach dem Rollenwechsel. Meist stimmt die Bandspannung nicht, oder die Folie nimmt die Farbe nicht an. Das Band muss zur Folie passen. Für Folien kommen oft Wachs-Harz- oder Harzbänder in Frage, ein reines Wachsband reibt auf glatter Folie schnell ab. Testen Sie Folie und Farbband gemeinsam auf Abrieb und Kältebeständigkeit, wenn das Produkt gekühlt wird. Die Druckkopfstandzeit ist begrenzt. Planen Sie Ersatzköpfe ein und einen Codeprüfsensor, damit unbedruckte Packungen nicht in den Karton gelangen. Und reinigen Sie den Kopf nach Plan, denn Staub und Farbreste machen schnell aus einem sauberen Druck einen Fehldruck.

Tool Center Point (TCP)

Automatisierung & Robotik

Referenzpunkt am Werkzeug eines Roboters, auf den sich alle programmierten Positionen und Bahnen beziehen, etwa die Spitze eines Saugers oder die Mitte der Greiferbacken. Der TCP wird gegenüber dem Flansch vermessen und als Koordinatensystem mit Lage und Orientierung abgelegt. Bahnen und Bahngeschwindigkeit beziehen sich auf diesen Punkt, ebenso Neuausrichtungen, bei denen das Werkzeug um den TCP gedreht wird, ohne dass sich der Punkt verschiebt. Stimmt der TCP nicht, sind alle Bahnen und Orientierungsbewegungen verschoben. Pro Werkzeug wird ein eigener Werkzeugdatensatz geführt, der häufig auch Masse und Schwerpunkt enthält.

Aus der Praxis

Nach jedem Greifertausch und nach jeder Kollision gehört der TCP neu vermessen. Sonst wundert man sich über Ablagefehler, die keiner erklären kann. Es hilft ein einfacher Test. Fahren Sie mit dem TCP auf eine feste Spitze und kippen Sie das Werkzeug in der Orientierung. Wandert der Punkt dabei, stimmt der TCP nicht. Legen Sie für jeden Greifer einen eigenen Werkzeugdatensatz an und dokumentieren Sie ihn. Bei Greifern mit mehreren Saugern muss klar sein, welcher Punkt der TCP ist, sonst programmiert jeder, wie er es für richtig hält. Das Gleiche gilt für Greifer auf einem Wechselsystem, dort braucht jede Variante ihren Datensatz. Fahren Sie nach dem Vermessen die Programme einmal langsam im Handbetrieb durch, bevor die Linie wieder anläuft.

Toplader / Seitenlader

Verpackungstechnik

Zwei Ladeprinzipien, nach denen Produkte in Kartons, Trays oder Faltschachteln gelangen. Beim Toplader wird die Verpackung zuerst aufgerichtet und oben offen bereitgestellt. Ein Greifer oder Roboter setzt die Produkte von oben ein, danach wird die Verpackung verschlossen. Beim Seitenlader liegt die Verpackung mit offener Stirnseite neben dem Produktstrom. Die gruppierten Produkte werden waagrecht eingeschoben, anschließend werden die Klappen gefaltet und verklebt. Toplader gelten als produktschonend und flexibel bei wechselnden Packschemata, Seitenlader erreichen bei formstabilen Produkten hohe Leistungen. Beim Wrap-Around-Packer wird dagegen kein fertiger Karton befüllt, dort wird der Zuschnitt direkt um die Produktgruppe gefaltet und verleimt.

Aus der Praxis

Welches Prinzip passt, hängt in erster Linie am Produkt. Weiche Beutel, Doypacks oder Flaschen mit empfindlichem Etikett lassen sich schlecht schieben, die setzt man lieber von oben ein. Formstabile Faltschachteln laufen dagegen im Seitenlader schnell und ohne großen Aufwand. Allerdings verzeiht der Seitenlader wenig, wenn der Karton knapp bemessen ist oder ein zweiter Kartonlieferant mit etwas anderen Toleranzen liefert. Dann klemmt die Gruppe beim Einschieben, und in der Nachtschicht steht einer neben der Maschine und drückt nach. Ich lasse bei der Auswahl immer mit den schwierigsten Artikeln aus dem Sortiment testen und nicht mit dem Musterartikel aus dem Prospekt. Bringen Sie dazu Kartons von allen Lieferanten mit, die Sie tatsächlich einsetzen.

TPM

Kennzahlen

Instandhaltungskonzept, das Bediener in die Grundwartung einbindet und Verluste systematisch beseitigt. Der Name steht für Total Productive Maintenance. Grundgedanke ist die autonome Instandhaltung: Wer die Maschine täglich fährt, bemerkt Anzeichen einer Störung als Erster. Der Bediener reinigt, schmiert, prüft nach Checkliste und behebt kleine Störungen selbst. Die Fachinstandhaltung bleibt für geplante Wartung und größere Eingriffe zuständig, beide Seiten legen Standards gemeinsam fest. Reinigen gilt als Inspektion, weil Leckagen, lose Teile und Verschmutzung auffallen, bevor sie stören. Gemessen wird meist über die OEE und die Six Big Losses.

Aus der Praxis

Im Schichtplan entscheidet sich, ob TPM funktioniert. Bekommt der Bediener fünf Minuten für die Checkliste, soll die Linie aber ab der ersten Minute volle Stückzahl fahren, bleibt die Checkliste im Ordner. Planen Sie die Zeit fest ein und lassen Sie Produktion und Instandhaltung die Standards gemeinsam schreiben, sonst wird daraus ein Papier, das die eine Abteilung für die andere verfasst hat. An Verpackungslinien zahlt sich TPM in weniger Mikrostopps aus. Die Formatteile halten länger, weil sie jemand täglich in der Hand hat und den angefressenen Greifer bemerkt, bevor er einen Stopp auslöst. Und nachts um drei kennt der Bediener seine Maschine, wenn vom Service keiner ans Telefon geht. Ich frage bei jeder Einführung zuerst, wo die Zeit dafür im Schichtplan steht.

Track-and-Trace

Qualität & Sicherheit

Verfolgung und Rückverfolgung von Produkten entlang der Lieferkette anhand eindeutiger Kennzeichnung. Codes wie DataMatrix oder Barcode werden auf Produkt, Umkarton und Palette aufgebracht und an Linie und Lager gescannt. Ein System ordnet jedem Code Daten wie Charge, Zeitpunkt und Ort zu. Tracking zeigt, wo sich eine Einheit gerade befindet, Tracing, woher sie kam und wohin sie gegangen ist. Bei der Aggregation wird festgehalten, welche Packungen in welchem Karton und auf welcher Palette liegen. Eingesetzt wird das in der Elektronikindustrie, der Pharmabranche und bei Lebensmittelherstellern, um Verluste, Verzögerungen und betroffene Chargen zu erkennen.

Aus der Praxis

Die Technik ist selten das Problem, ein Drucker und ein Scanner sind schnell montiert. Der Aufwand steckt in der Anbindung an ERP und Leitsystem und in den Ausnahmen. Dazu zählen Ausschuss, Nachdruck und umgepackte Ware. Jeder dieser Fälle braucht im System einen Zustand, sonst stimmen Bestand und Codes irgendwann nicht mehr überein. Beginnen Sie mit der Palettenebene und einer sauberen Chargendokumentation, bevor Sie jede Einzelpackung serialisieren. Ich lasse mir vor der Bestellung die Ausnahmefälle einmal durchspielen und frage, wer die Meldung bekommt, wenn nachts um drei eine Lesung ausfällt. Oft ist das noch nicht geklärt.

Traglast (Payload)

Automatisierung & Robotik

Maximale Masse, die ein Roboter am Flansch bewegen darf, einschließlich Greifer, Kabeln, Sensoren und Werkstück. Die nominelle Traglast gilt nur für einen definierten Schwerpunktabstand. Liegt der Schwerpunkt weiter außen oder ist das Massenträgheitsmoment hoch, sinkt die zulässige Nutzlast nach dem Traglastdiagramm des Herstellers. Von der Traglast am Flansch ist die Zusatzlast zu unterscheiden, die an Arm oder Schulter montiert wird, etwa Ventile oder Kabelpakete. Die Lastdaten aus Masse, Schwerpunktlage und Trägheitsmoment werden in der Robotersteuerung hinterlegt und gehen in die Bahnplanung und die Kollisionserkennung ein.

Aus der Praxis

Ein klassischer Auslegungsfehler: Gerechnet wird mit dem Gewicht des Produkts, und der Greifer mit Ventilen, Schläuchen und Kamera kommt erst später dazu. Dann läuft der Roboter am Limit, die Genauigkeit leidet und die Getriebe altern schneller. Fragen Sie nach dem Traglastdiagramm für Ihre Greiferlänge, denn mit dem Schwerpunkt wandert auch die zulässige Last. Bei Palettierern kommt dazu, dass ein Greifer mit mehreren Kartons gleichzeitig mehr trägt und den Schwerpunkt weiter nach außen schiebt. Planen Sie Reserve für das nächste Format und einen schwereren Greifer ein. Tragen Sie die Lastdaten mit Masse und Schwerpunkt in die Robotersteuerung ein. Falsche Werte verfälschen die Kollisionserkennung, die dann zu früh oder zu spät auslöst.

Trainingsdaten

Digitalisierung & KI

Datensatz, mit dem ein Modell des maschinellen Lernens erstellt wird: Bilder, Messreihen oder Texte, meist mit Zuordnung (Label) zum gewünschten Ergebnis. Der Datensatz wird in der Regel aufgeteilt. Ein Teil dient dem Training, ein anderer der Überprüfung an Beispielen, die das Modell nicht gesehen hat. Qualität, Menge und Repräsentativität der Trainingsdaten bestimmen die Leistung des Modells stärker als der Algorithmus. Seltene Fehlerfälle müssen gezielt gesammelt werden, und die Labels müssen einheitlich vergeben sein, sonst lernt das Modell die Widersprüche mit.

Aus der Praxis

Beim Lieferanten sieht die Erkennung im Labor immer gut aus, mit seinen Bildern. Im Werk kommen andere Beleuchtung, neue Chargen des Packmittels und Schmutz auf der Linse dazu. Sammeln Sie die Trainingsbilder deshalb an der realen Linie, über mehrere Wochen und Schichten. Dokumentieren Sie den Datensatz wie einen Prüfmittelsatz mit Stand, Herkunft und Beschriftung. Nehmen Sie bewusst auch Grenzfälle und schlechte Tage auf und nicht allein die schönen Muster. Legen Sie fest, wem die Daten gehören und wer sie pflegt, und klären Sie im Vertrag, dass Sie sie bei einem Lieferantenwechsel mitnehmen können. Sonst fängt der nächste Anbieter wieder bei null an.

Transportsimulation (ISTA)

Qualität & Sicherheit

Laborprüfung, die die Belastungen der Distributionskette nachbildet: Vibration auf dem Schwingtisch, Schock und Fall, Stapeldruck und Klimaeinflüsse. Prüfabläufe der ISTA (International Safe Transit Association) oder nach ASTM legen Reihenfolge und Intensität je Versandweg fest, etwa für Palettenversand, Paketdienst oder Überseetransport. Die Prüfmuster werden vorher konditioniert, nach dem Durchlauf geöffnet und nach zuvor definierten Kriterien für Packung und Produkt beurteilt. Handelskunden und Versandplattformen verlangen die Prüfung häufig als Nachweis.

Aus der Praxis

Eine bestandene Transportsimulation belegt, dass die Verpackung dieses Prüfprofil übersteht. Die Kenntnis der echten Kette ersetzt sie nicht. Wer die Route nicht kennt, prüft das falsche Profil. Wählen Sie das Verfahren nach dem Versandweg, also Palettenversand, Paketdienst oder Übersee, und lassen Sie das Ergebnis dokumentieren, bevor eine Verpackungsänderung in Serie geht. Die Prüfmuster sollten aus der Serie kommen, mit echtem Füllgut und echtem Verschluss, keine handgebauten Muster aus der Entwicklung. Bei Reklamationen aus dem Handel ist das Protokoll Ihr stärkstes Argument. Hängen Sie es an die Packmittelspezifikation, damit es nach zwei Jahren noch auffindbar ist.

Tray

Verpackungstechnik

Flache Kartonschale als Sammelverpackung, offen oder mit Folie überschrumpft (Tray-Shrink). Sie wird aus Wellpappe oder Vollpappe gestanzt und gefaltet und nimmt Dosen, Flaschen, Becher oder Beutel auf. Der Begriff wird auch für vorgeformte Kunststoffschalen verwendet, etwa für Frischeprodukte, die ein Traysealer verschließt. Regalfertige Varianten (Shelf Ready Packaging) mit Perforation sind eine Handelsanforderung, die Perforationsqualität entscheidet über das Handling im Markt. Anders als Faltschachtel oder Umkarton ist der Tray oben offen oder nur durch Folie geschlossen.

Aus der Praxis

Für Handelsvorgaben und stabile Ladeeinheiten sind Trays der Standard. Es gibt Karton-Trays mit oder ohne Folie und Kunststoff-Trays für Frischeprodukte. Die Trayqualität bestimmt die Störungsrate am Trayaufrichter und die Stabilität auf der Palette. Achten Sie bei der Spezifikation auf Rillung, Grammatur und Toleranzen und lassen Sie sich Muster vom Packmittellieferanten vor der Maschinenabnahme geben, am besten aus einem Serienlauf und nicht als Handmuster. Handmuster laufen immer, Serienzuschnitte zeigen, was die Maschine wirklich kann. Beachten Sie auch das Klima in der Halle, denn feuchter Karton rillt und faltet anders als trockener. Und prüfen Sie an der Perforation, ob die Filiale sie ohne Messer aufbekommt.

Trayaufrichter (Trayformer)

Verpackungstechnik

Maschine, die flache Zuschnitte zu Trays oder Steigen faltet und mit Hotmelt verklebt. Ein Sauger zieht den Zuschnitt aus dem Magazin, die Seitenwände werden gegen einen Formstempel aufgerichtet, Hotmelt wird auf die Laschen aufgetragen und die Verklebung kurz gepresst, bis der Leim hält. Das Leimsystem besteht aus beheiztem Tank und Düsen. Bauarten arbeiten taktweise oder kontinuierlich. Häufig steht die Maschine vor Traypackern für Flaschen, Dosen oder Becher, die den fertigen Tray befüllen.

Aus der Praxis

Empfindlich reagieren Trayaufrichter auf Zuschnittqualität und Hotmelt-Temperatur. Prüfen Sie die Magazinkapazität. Rechnen Sie aus, wie lange die Maschine mit einer Magazinfüllung läuft, denn der Bediener soll nicht im Minutentakt Zuschnitte nachlegen. Dazu kommen Formatwechselzeit und Zugänglichkeit des Leimsystems, vor allem wenn jemand mit heißem Hotmelt und Handschuhen daran arbeiten muss. Ein zweiter Aufrichter als Redundanz lohnt bei Hochleistungslinien, weil dort jeder Stopp den Füller trifft. Gewellte oder feuchte Zuschnitte sehen Sie schon im Lager, bevor sie die Maschine zum Stehen bringen. Probieren Sie bei der Abnahme auch Zuschnitte vom oberen und vom unteren Rand der Toleranz aus.

Traysealer

Verpackungstechnik

Maschine, die vorgefertigte Schalen mit einer Oberfolie versiegelt. Sie ist Standard bei Frischeprodukten und arbeitet oft mit Schutzatmosphäre (MAP), bei der die Luft in der Schale abgesaugt und durch Gas ersetzt wird, um die Haltbarkeit zu verlängern. Die Schalen laufen in ein Werkzeug mit Aufnahme je Schalenformat, die Oberfolie kommt von der Rolle, wird unter Wärme und Druck auf den Rand gesiegelt und rund um die Schale geschnitten. Gebaut wird vom Halbautomaten mit Handbestückung bis zur Linie mit automatischer Schalenzuführung. Werkzeugwechsel und Folienführung bestimmen die Flexibilität.

Aus der Praxis

Fragen Sie nach Siegelwerkzeugen pro Schalenformat, Restsauerstoffwerten und der Dichtheitsprüfung. Für die Linienleistung zählt die Zuführung: Schalen müssen taktgenau und sauber am Siegelrand ankommen. Produkt auf dem Siegelrand ist die häufigste Ursache für undichte Packungen. Die Werkzeuge sind schwer, also fragen Sie nach der Wechselzeit und ob ein Formatteilwagen zur Lieferung gehört. Das Schutzgas kostet Geld, lassen Sie sich den Gasverbrauch je Packung nennen. Bei Frischware tropft und schmiert es. Ich schaue mir bei der Abnahme deshalb zuerst den Siegelrand an und dann erst die Maschine. Eine Stichprobe im Wasserbad unter Vakuum zeigt Lecks sichtbar, weil an der undichten Stelle Bläschen aufsteigen.

Trennende Schutzeinrichtung

Qualität & Sicherheit

Körperliche Barriere zwischen Gefahrstelle und Personen, ausgeführt als feststehende oder bewegliche Schutzeinrichtung. Feststehende Abdeckungen, Verkleidungen und Zäune lassen sich nur mit Werkzeug entfernen. Bewegliche Einrichtungen wie Türen und Klappen sind über eine Verriegelung, bei auslaufenden Bewegungen mit Zuhaltung, an die Steuerung gekoppelt. Abzugrenzen sind die nicht trennenden Schutzeinrichtungen wie Lichtgitter, Laserscanner oder Schaltmatte, die eine Annäherung erkennen, aber nichts körperlich aufhalten. Anforderungen an Bau und Auswahl regelt EN ISO 14120, Maße von Öffnungen und Abständen regelt EN ISO 13857.

Aus der Praxis

Feste Schutzzäune sind günstig und halten viel aus, behindern aber Formatwechsel und Störungsbeseitigung. Dann werden Türen dauerhaft überbrückt, und der Zaun schützt nur noch auf dem Papier. Planen Sie Zugänge dort, wo Bediener wirklich hinmüssen, mit verriegelten Türen und sicherem Wiederanlauf, statt überall Zaun zu setzen. Ich laufe bei der Abnahme einmal mit dem Instandhalter einen Formatwechsel ab und achte darauf, wo er Schrauben löst, Türen aufhält oder über etwas steigt. Das zeigt schnell, wo die Tür fehlt. Auch Lücken unter dem Zaun und der Abstand zum Förderer gehören in die Begehung, denn dort greift jemand hinein, der es nicht sollte.

U

Übergabestelle

Verpackungstechnik

Stelle in einer Linie, an der Produkte oder Packungen von einem Fördermittel oder einer Maschine auf das nächste wechseln. Dazu zählen Bandübergänge, Übergaben an Sterne, Schieber, Kettenförderer oder Roboter. An der Übergabestelle ändern sich Geschwindigkeit, Höhe oder Führung der Packung. Sie ist deshalb ein typischer Ort für Kipper, Staus, Produktbeschädigung und Verschmutzung, denn dort bleiben Reste liegen. Jede Übergabestelle braucht eine klare Zuständigkeit und festgelegte Toleranzen für Spalt und Höhenversatz, vor allem an Schnittstellen zwischen Maschinen verschiedener Lieferanten.

Aus der Praxis

Zählen Sie die Übergabestellen in Ihrem Layout. Jede ist eine Störquelle, besonders bei leichten, hohen oder instabilen Packungen. Achten Sie auf minimale Spalte, gleiche Höhen, angepasste Geschwindigkeiten und Seitenführungen ohne Kanten. Kleine Beutel finden jeden Spalt, und ein Karton mit Lasche bleibt an der einen Schraube hängen, die nicht versenkt ist. Bei mehreren Lieferanten regeln Sie in der Schnittstellenliste, wer welche Übergabe verantwortet, inklusive Toleranzen. Sonst zeigt jeder auf den anderen, wenn die Packung kippt. Übergänge sind auch der richtige Ort für Stauerkennung und Puffersteuerung. Lassen Sie in der Abnahme die schwierigste Packung, die Sie fahren, mehrere Stunden über jede Übergabe laufen.

Überlastkupplung (Rutschkupplung)

Maschinenbau & Komponenten

Kupplung, die bei Überschreiten eines eingestellten Drehmoments den Kraftfluss begrenzt oder unterbricht und Antrieb und Mechanik bei Blockieren oder Kollision vor Schäden schützt. Bei der Rutschkupplung pressen Federn Reibbeläge zusammen, die bei Überlast durchrutschen und weiter ein Moment übertragen. Rastende Ausführungen arbeiten mit Kugeln oder Rollen in Vertiefungen, die bei Überlast herausgedrückt werden und den Antrieb weitgehend trennen. Je nach Bauart rasten sie selbsttätig wieder ein, synchrone Ausführungen nur in derselben Winkellage, oder sie müssen von Hand zurückgesetzt werden. Beim Auslösen betätigt ein Schaltring einen Endschalter oder Näherungsschalter, damit die Steuerung abschaltet. Das Auslösemoment wird über die Federvorspannung eingestellt.

Aus der Praxis

Rutscht eine Rutschkupplung öfter, zieht irgendwann jemand die Mutter nach. Ab da ist sie eine starre Verbindung mit Reibbelag, und beim nächsten Klemmer bricht etwas Teureres. Ich frage bei Abnahmen deshalb, wie das Auslösemoment eingestellt ist, und lasse die Einstellung mit Farbe markieren und dokumentieren. Kupplungen, die jahrelang nie rutschen, können festbacken und lösen dann im Ernstfall nicht aus. Ein Prüfintervall im Wartungsplan hilft dagegen. An Maschinen mit mechanischen Kurven gehört eine synchron einrastende Kupplung hin. Sonst stimmt nach dem Auslösen die Zuordnung der Bewegungen nicht mehr, und Werkzeuge treffen sich dort, wo sie sich nie treffen sollten. Prüfen Sie auch, ob der Schalter an der Kupplung wirklich auf die Steuerung verdrahtet ist. Sonst läuft der Motor nach dem Auslösen fröhlich weiter.

Ultraschallsiegeln

Verpackungstechnik

Siegelverfahren, bei dem hochfrequente Schwingungen die Folie an der Nahtstelle durch Reibung verschweißen, ohne dass die Siegelbacken aufgeheizt werden. Ein Generator speist einen Schwinger, der die Schwingung über eine Sonotrode auf die Folie überträgt, die gegen einen Amboss gedrückt wird. Die Wärme entsteht genau dort, wo die Siegelschichten aufeinanderliegen. Vorteile sind kurze Siegelzeiten, dichte Nähte auch bei Produkt in der Naht und weniger Energiebedarf. Eingesetzt wird das Verfahren bei Beuteln, Kaffeekapseln und Tiefziehverpackungen.

Aus der Praxis

Der praktische Vorteil ist, dass Produkt in der Naht weniger stört als beim Heißsiegeln, etwa bei Pulver oder Krümeln. Das Verfahren eignet sich für Beutel, Trays und Verschlüsse, verlangt aber passende Materialien und eine Sonotrode pro Format. Die Sonotrode ist auf den Generator abgestimmt und lässt sich nicht beliebig tauschen. Fragen Sie nach der Standzeit und nach dem Preis für Ersatz. Lassen Sie sich den Sonotrodenwechsel vorführen, denn danach muss der Spalt zum Amboss wieder stimmen. Für schwierige Nähte lohnt ein Versuch beim Hersteller mit Ihrem Material. Ich bestehe darauf, dass dabei Produkt in der Naht liegt, so schmutzig wie in Ihrer Linie und nicht so sauber wie im Prüflabor.

Umreifung

Verpackungstechnik

Ladungssicherung, bei der Kartons, Bündel oder Paletten mit einem Kunststoff- oder Stahlband umschlossen werden. Als Kunststoffband sind Polypropylen und Polyester verbreitet. Eine Maschine legt das Band um die Ladung, spannt es, verschließt es und trennt es ab. Der Verschluss entsteht bei Kunststoffband durch Reibschweißen oder Heißschweißen, bei Stahlband mit Hülsen oder Clips. Bei Paletten wird oft Kantenschutz kombiniert. Bandspannung und Verschlussqualität sind die Prozessparameter.

Aus der Praxis

Schnell und sparsam im Material ist die Umreifung, aber ohne Kantenschutz schneidet das Band ein. Automatische Umreifer brauchen sauber ausgerichtete Ladeeinheiten, bei unebenen Stapeln stoppt die Maschine. Die Bandspannung hängt vom Gut ab. Zu straff drückt Kartons ein, zu locker lässt die Ladung rutschen. Kunststoffband gibt mit der Zeit nach, besonders Polypropylen, und bei schwerer Ladung oder langen Wegen sollten Sie Polyester oder Stahl prüfen. Geben Sie dem Lieferanten Ihre ungünstigste Ladeeinheit mit zum Test. Prüfen Sie bei der Kostenbetrachtung Bandverbrauch und Wartung des Verschlusskopfs. Der Kopf arbeitet unter Reibung und Hitze und gehört in den Wartungsplan.

Verpackungen, die Material sparen, recyclingfähig sind (Monomaterial statt Verbund), recycelte oder nachwachsende Rohstoffe nutzen und das Transportvolumen möglichst gut ausnutzen. Der Begriff ist technisch nicht festgelegt, gemessen wird an Kriterien wie Materialeinsatz, Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteil. Mit der EU-Verpackungsverordnung PPWR werden Recyclingfähigkeit und Leerraumgrenzen zur Pflicht. Verpackungsänderungen ziehen dann häufig Maschinenumbauten nach sich, weil dünnere Folien, Papierlösungen oder Monomaterialien anders laufen und anders siegeln. Rezyklat im Lebensmittelkontakt unterliegt zusätzlichen Zulassungen.

Aus der Praxis

Nachhaltigkeit in der Verpackung ist selten ein Materialtausch allein. Weniger Material, recyclingfähige Struktur, bessere Volumenausnutzung und weniger Ausschuss wirken zusammen. Die Linie muss die Umstellung tragen, deshalb gehört die Produktion früh an den Tisch und nicht erst dann, wenn der Einkauf bestellt hat. Papierbasierte Lösungen laufen steifer und siegeln anders als Kunststofffolie, dünnere Folien reißen eher. Fahren Sie echte Maschinenversuche und rechnen Sie den Ausschuss der Anlaufphase mit. Was auf der Packung als Umweltversprechen steht, sollten Sie belegen können, und die Formulierung klären Sie am besten mit dem Juristen.

Unified Namespace (UNS)

Digitalisierung & KI

Architekturkonzept für Industriedaten, bei dem alle Systeme ihre aktuellen Daten an einer gemeinsamen Stelle veröffentlichen und von dort beziehen. Technisch ist das meist ein MQTT-Broker, mit dem Steuerungen, Edge-Geräte, MES, ERP und Auswertungen verbunden sind. Die Daten liegen in einer Themenstruktur, die das Werk abbildet, häufig angelehnt an die Hierarchie aus ISA-95 vom Unternehmen über Standort, Bereich und Linie bis zur Maschine. Statt vieler Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen spricht jedes System nur mit dem Broker. Neue Anwendungen abonnieren die Themen, die sie brauchen, ohne bestehende Verbindungen anzufassen. Der UNS bildet den aktuellen Zustand ab, für Verläufe braucht es zusätzlich eine Zeitreihendatenbank.

Aus der Praxis

Beim Unified Namespace wird gern über Technik gestritten, welcher Broker, welches Protokoll. Die eigentliche Arbeit steckt in der Namensstruktur. Benennt jeder Integrator seine Signale, wie er lustig ist, haben Sie am Ende einen sehr modernen Datensumpf. Legen Sie Struktur und Bezeichnungen fest, bevor die erste Linie angebunden wird, und schreiben Sie beides in den Werksstandard und in jede Bestellung. Ältere Maschinen sprechen kein MQTT, dafür braucht es ein Gateway an der Linie, das die Steuerungsdaten übersetzt. Klären Sie mit der IT, wer im Broker lesen und wer schreiben darf. Sonst kann jeder Laptop im Netz Daten veröffentlichen, die andere Systeme für bare Münze nehmen. Fangen Sie mit einer Linie und einem echten Anwendungsfall an, etwa der Stillstandserfassung, und bauen Sie von dort aus.

Die unterbrechungsfreie Stromversorgung, kurz USV, ist ein Gerät aus Batterie, Gleichrichter und Wechselrichter, das bei Netzausfall oder Spannungseinbruch ohne Unterbrechung weiterliefert. Bei Netzausfall hält die Batterie kritische Verbraucher am Laufen, bis das Netz zurückkehrt, ein Generator übernimmt oder die Anlage geordnet heruntergefahren ist. Gängige Bauarten sind die Standby-USV, die Line-Interactive-USV und die Online-USV als Doppelwandler, bei der der Verbraucher dauernd über den Wechselrichter läuft. In der Lebensmittelindustrie sichern USV in der Regel Steuerungen, Rechner und Überwachungssysteme ab, größere Verbraucher wie Kühlanlagen nur im Einzelfall. Die Überbrückungszeit hängt von Batteriegröße und Last ab.

Aus der Praxis

Eine USV für Steuerung, HMI und Server verhindert Datenverlust und lange Wiederanläufe nach Spannungseinbrüchen. Für die Antriebe selbst ist sie meist unverhältnismäßig. Prüfen Sie nach der Inbetriebnahme, ob die Anlage nach Stromausfall definiert wieder hochfährt. Das wird selten getestet und ist im Ernstfall teuer. Trennen Sie dazu bei der Abnahme in Absprache mit der Instandhaltung einmal das Netz, während die Linie läuft, und schauen Sie, was passiert. Denken Sie auch an die Batterie. Sie altert, und eine USV, deren Akkus seit Jahren keiner geprüft hat, hält im Ernstfall womöglich viel kürzer als erwartet. Nehmen Sie den Batterietest in den Wartungsplan auf.

Unvollständige Maschine

Qualität & Sicherheit

Gesamtheit, die fast eine Maschine bildet, für sich allein aber keine bestimmte Anwendung erfüllen kann und erst durch den Einbau in eine Maschine oder Anlage ihre Funktion bekommt, zum Beispiel ein Roboter ohne Applikation. Der Hersteller liefert sie nicht mit Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung, sondern mit Einbauerklärung und Montageanleitung. Die Einbauerklärung nennt die erfüllten grundlegenden Anforderungen der Maschinenrichtlinie und weist darauf hin, dass die Inbetriebnahme erst erlaubt ist, wenn die Gesamtmaschine für konform erklärt wurde. Wer sie einbaut, übernimmt die Konformitätsverantwortung für das Ganze.

Aus der Praxis

Unvollständige Maschinen wie Roboter ohne Greifer oder Förderbänder ohne Steuerung dürfen nicht allein betrieben werden. Wer sie in eine Linie integriert, wird zum Hersteller der Gesamtmaschine und trägt die CE-Verantwortung. Das unterschätzen viele Projekte, bis jemand nach der Konformitätserklärung für die Linie fragt. Klären Sie früh, wer diese Rolle übernimmt, der Integrator oder Sie selbst. Lassen Sie Einbauerklärung und Montageanleitung mitliefern, und lesen Sie die Montageanleitung auch wirklich. Dort stehen die Bedingungen, unter denen die Maschine eingebaut werden darf, etwa zu Schutzeinrichtungen und Bewegungsbereichen. Das Layout muss sich daran halten.

Dokument, in dem der Betreiber seine Anforderungen an eine Anlage oder ein computergestütztes System beschreibt. Der Begriff stammt aus dem GMP-Umfeld der Pharmaindustrie und findet sich auch bei Lebensmittelherstellern mit hohen Qualitätsanforderungen. Inhaltlich entspricht die URS weitgehend dem Lastenheft. Typisch für sie ist, dass jede Anforderung einzeln nummeriert, eindeutig formuliert und prüfbar ist. Die URS ist der Ausgangspunkt der Qualifizierung. In der Designqualifizierung wird geprüft, ob die Lösung des Lieferanten alle Anforderungen abdeckt, in IQ / OQ / PQ wird nachgewiesen, dass die gebaute Anlage sie erfüllt. Eine Traceability-Matrix verknüpft jede Anforderung mit dem zugehörigen Test. Der EU-GMP-Leitfaden nennt sie in Anhang 15.

Aus der Praxis

Eine URS wird gern aus dem letzten Projekt kopiert und um ein paar Zeilen ergänzt. Dann stehen da allgemeine Forderungen nach GMP-gerechter Ausführung, die sich in keinem Test nachweisen lassen. Ich gehe jede Anforderung einzeln durch und überlege, mit welchem Test wir sie in der Qualifizierung abhaken würden. Fällt mir keiner ein, wird die Anforderung umgeschrieben oder gestrichen. Trennen Sie Muss von Wunsch, sonst verhandeln Sie beim Angebot über Dinge, auf die Sie auch verzichten könnten. Der Lieferant antwortet meist mit einer Liste, in der er jede Anforderung als erfüllt, teilweise erfüllt oder nicht erfüllt markiert. Lesen Sie vor allem die teilweise erfüllten Punkte genau. Dort steckt das, worüber Sie bei der Abnahme streiten werden.

USDZ

Digitalisierung & KI

Dateiformat für 3D-Modelle und Augmented Reality (AR), entwickelt von Apple und Pixar auf Basis von Universal Scene Description (USD). Eine USDZ-Datei bündelt Geometrie, Materialien und Texturen in einem Paket. USDZ-Dateien lassen sich auf iPhone und iPad direkt öffnen und als AR-Modell in den realen Raum einblenden. Die Modelle werden meist aus einem 3D-CAD-System über Konvertierung abgeleitet. Sie sind Anschauungsmodelle und keine Konstruktionsdateien, für Fertigung und Änderungen taugen sie nicht.

Aus der Praxis

Ein Maschinenmodell als USDZ auf dem iPad, mitten in der Halle: So sehen Werkleiter und Bediener vor der Bestellung, ob die neue Linie an den geplanten Platz passt und wie die Bedienseite liegt. Für Layout-Diskussionen mit Menschen, die keine CAD-Zeichnung lesen, ist das oft überzeugender als jeder Plan. Stellen Sie das Modell auf den echten Boden und gehen Sie darum herum. So sieht man schnell, ob der Stapler noch durchkommt, wo die Tür aufschlägt und ob der Bediener Fördertechnik und Schaltschrank zugleich im Blick hat. Prüfen Sie vorher mit dem Maßband am Boden, ob das Modell im richtigen Maßstab erscheint, sonst täuscht es bei der Platzfrage gründlich.

UVV-Prüfung

Qualität & Sicherheit

Wiederkehrende Prüfung nach Unfallverhütungsvorschrift, die für Flurförderzeuge wie Gabelstapler und Hubwagen mindestens jährlich durch eine befähigte Person erfolgt (DGUV Vorschrift 68). Geprüft werden Zustand und Funktion, etwa Bremsen, Lenkung, Gabeln, Hubmast und Sicherheitseinrichtungen. Das Ergebnis steht im Prüfbericht, am Fahrzeug zeigt eine Prüfplakette den nächsten Termin. Im Betrieb wird der Begriff auch für die Prüfung anderer Arbeitsmittel benutzt, deren Fristen sich dann aus der Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung ergeben. In der Shopfloor-Analyse ist eine fehlende Plakette ein schneller Indikator für unbewirtschaftete Flotten und Haftungsrisiken.

Aus der Praxis

Bei neuen Linien läuft die UVV-Prüfung gern unter dem Radar, weil sich niemand zuständig fühlt. Lassen Sie neue Arbeitsmittel vor der ersten Nutzung prüfen, wo das vorgeschrieben ist, und tragen Sie die Prüftermine gleich in die Instandhaltungsplanung ein. Dann wird das Ablaufen einer Plakette zum Termin und nicht zur Überraschung. Fehlende Prüfnachweise werden bei Unfällen und Audits sofort abgefragt, meist noch vor allem anderen. Ich lese bei Hallenrundgängen als Erstes die Plaketten an Staplern und Hubwagen ab. Das zeigt schnell, wie die Flotte geführt wird und ob es dafür überhaupt einen Verantwortlichen gibt.

V

Vakuumerzeuger (Ejektor / Pumpe)

Maschinenbau & Komponenten

Gerät, das in Saugnäpfen und Vakuumgreifern einen Unterdruck erzeugt. In der Handhabungstechnik sind zwei Prinzipien verbreitet. Der Ejektor arbeitet nach dem Venturiprinzip, Druckluft strömt mit hoher Geschwindigkeit durch eine Düse und reißt Luft aus dem Saugraum mit. Er ist klein, verschleißfrei und schnell und lässt sich direkt am Greifer anordnen, verbraucht aber Druckluft, solange er saugt. Kompaktejektoren haben Ventile und Vakuumschalter eingebaut, dazu oft eine Luftsparfunktion, die bei erreichtem Vakuum abschaltet und bei Absinken nachregelt. Elektrische Vakuumpumpen wie Drehschieberpumpen oder Seitenkanalverdichter arbeiten ohne Druckluft. Sie eignen sich für große Saugvolumen und poröse Werkstücke wie Karton, die ständig Leckluft ziehen.

Aus der Praxis

Ejektoren sind bequem und deshalb überall. Wer einen Ejektor ohne Luftsparfunktion dauerhaft saugen lässt, bläst Geld durch den Schalldämpfer, auch wenn gar kein Teil am Greifer hängt. Bei Karton und anderen porösen Materialien zieht der Sauger ständig Falschluft. Da kommt ein Ejektor an seine Grenze, und eine elektrische Pumpe oder ein Seitenkanalverdichter ist oft die bessere Wahl. Achten Sie auf die Schläuche. Ein zu langer oder zu dünner Vakuumschlauch macht den Greifer langsam, das merkt man erst, wenn der Takt steigt. Schalldämpfer setzen sich mit Staub und Kartonfasern zu, das Vakuum sinkt schleichend, und zuerst fallen nur einzelne Teile herunter. In den Wartungsplan gehören deshalb Schalldämpfer und Saugfilter.

Vakuumgreifer

Automatisierung & Robotik

Greifer, der Kartons, Säcke oder Produkte per Unterdruck über Sauger oder Flächengreifer aufnimmt. Er ist der Standard an Palettierrobotern und Case Packern. Die Haltekraft ergibt sich aus dem Unterdruck und der wirksamen Saugfläche. Sauger gibt es als Flachsauger und als Balgsauger, der Höhenunterschiede und unebene Oberflächen besser ausgleicht, Flächengreifer arbeiten mit einer Schaumstoffplatte. Das Vakuum erzeugt ein Ejektor, der mit Druckluft nach dem Venturiprinzip arbeitet, oder eine elektrische Vakuumpumpe beziehungsweise ein Gebläse. Ventile und Vakuumsensoren schalten und überwachen den Griff.

Aus der Praxis

Schnell und formatflexibel ist ein Vakuumgreifer, solange die Oberfläche dicht ist. Perforierte Kartons, Staub und offene Klappen lassen den Griff versagen, und das fällt meist erst auf, wenn die Palette schon schief steht. Prüfen Sie Sauger und Vakuumerzeuger mit Ihren schlechtesten Kartons und nicht mit den schönen aus dem Lieferantenmuster. Planen Sie Filterwechsel ein, denn Kartonstaub setzt Filter und Ejektoren zu. Sauger sind Verschleißteile und gehören ans Lager. Vergleichen Sie außerdem den Druckluftverbrauch des Ejektors mit einer elektrischen Vakuumpumpe. Ein Ejektor frisst Druckluft, solange er saugt, und das summiert sich bei mehreren Greifern.

Vakuumverpackung

Verpackungstechnik

Verpackung, aus der vor dem Verschließen die Luft entzogen wird. Der fehlende Sauerstoff verlängert die Haltbarkeit von Fleisch, Käse oder Kaffee und schützt vor Oxidation und Gefrierbrand. Gearbeitet wird in Kammermaschinen, bei denen der Beutel samt Produkt in einer Vakuumkammer evakuiert und gesiegelt wird, oder in Thermoformern und Traysealern mit Vakuumfunktion. Meist kommen Beutel oder Folien mit Barriereschicht zum Einsatz. Oft wird mit Schutzgas (MAP) kombiniert, oder die Folie wird als Skin-Verpackung eng über das Produkt gezogen. Vakuum ersetzt weder Kühlung noch Hygiene.

Aus der Praxis

Haltbarkeit gewinnt man mit Vakuum, aber empfindliche Produkte werden verformt, und Folie und Siegelnaht müssen mehr aushalten. Kammermaschinen sind flexibel, für Serienleistung nehmen Sie Thermoformer oder Traysealer mit Vakuumfunktion. Weiches Gut wird zusammengedrückt, Knochen und scharfe Kanten durchstoßen schon mal den Beutel. Frisch gerösteter Kaffee gast weiter aus, das gehört in die Planung. Feuchtes Produkt macht ebenfalls Arbeit, weil es beim Evakuieren Flüssigkeit zieht, die dann an der Naht liegt. Restvakuum und Nahtprüfung gehören in den Qualitätsplan, eine ölgeschmierte Vakuumpumpe mit Ölstand und Filter in den Wartungsplan.

Ventilinsel

Maschinenbau & Komponenten

Baugruppe, die mehrere Pneumatikventile auf einem gemeinsamen Träger mit gemeinsamer Druckluftversorgung und elektrischer Ansteuerung zusammenfasst. Die Ansteuerung erfolgt über Mehrfachstecker oder direkt per Feldbus, oft ergänzt um elektrische Ein- und Ausgänge. Als Module sitzen die Ventile nebeneinander und teilen sich Zuluft und Abluft, jeder Verbraucher wird mit einem eigenen Schlauch an die Ausgänge angeschlossen. Vorteile sind weniger Verschlauchung, kürzere Montage und einfachere Diagnose. Eine Ventilinsel lässt sich erweitern, solange der Träger noch freie Plätze hat.

Aus der Praxis

Platzieren Sie Ventilinseln nahe an den Zylindern, denn lange Schläuche machen Bewegungen langsam und unpräzise. Achten Sie auf Reserveplätze auf der Insel, Druckzonen für unterschiedliche Drücke und eine sichere Entlüftung für Sicherheitsfunktionen. Mit Feldbusanbindung sehen Sie Schaltzyklen und Fehler in der Steuerung, das sollte die Instandhaltung nutzen. Im Nassbereich zählen Schutzart und Montagelage. Legen Sie je Ventiltyp ein Ersatzventil ans Lager. Ich lasse mir bei Neuanlagen eine Liste oder Zeichnung geben, welcher Platz auf der Insel welchen Zylinder bedient. Ohne Beschriftung steht nachts jemand vor einer Reihe gleicher Ventile und rät.

Verbraucherliste (Medienliste)

Projektleitung & CAPEX

Tabelle aller Verbraucher einer Maschine oder Linie mit ihrem Bedarf an Energie und Medien. Für jeden Verbraucher werden die elektrischen Anschlusswerte und der Bedarf an Druckluft, Kühlwasser, Dampf, Vakuum, Stickstoff und Abluft erfasst, bei Druckluft etwa Menge, Druck und Qualitätsklasse nach ISO 8573-1. Dazu kommen Anschlussort und Anschlussgröße. Neben Nennwerten gehören Spitzenwerte und Angaben zur Gleichzeitigkeit dazu. Die Verbraucherliste entsteht im Basic Engineering und wird im Detail Engineering fortgeschrieben. Sie ist Grundlage für die Auslegung der Versorgung durch die Haustechnik, für die Anschlussleistung und für den Medienanschlussplan, der die Lage der Anschlusspunkte zeigt.

Aus der Praxis

Anschlusswerte von Lieferanten sind selten falsch, aber oft nicht vergleichbar. Der eine gibt die Spitze an, der andere den Durchschnitt bei Nennleistung, der dritte die Summe aller Sicherungen. Wer das einfach addiert, landet bei einem Trafo, der viel zu groß ist. Fragen Sie deshalb Nennverbrauch und Spitzenbedarf getrennt ab, und bei Druckluft immer mit dem Druck, auf den sich die Menge bezieht. Vergessen werden gern die Zustände neben der Produktion. Der Schrumpftunnel zieht beim Aufheizen am meisten, und die Reinigung braucht Wasser in Mengen, die im Normalbetrieb nicht vorkommen. Holen Sie die Liste früh ein. Kompressoren und Zuleitungen haben eigene Lieferzeiten, und der Anschluss braucht oft einen Stillstand im Werk. Sonst steht die neue Linie fertig da und wartet auf ihren Kompressor.

Verbundfolie

Verpackungstechnik

Mehrschichtiger Packstoff, der Eigenschaften kombiniert, zum Beispiel Siegelfähigkeit (PE), Barriere (EVOH, Alu) und Bedruckbarkeit (PET). Die Lagen entstehen durch Coextrusion in einem Arbeitsgang oder werden kaschiert, also mit Klebstoff aufeinander verbunden. Bei bedruckten Verbunden liegt der Druck oft zwischen den Lagen und ist so vor Abrieb geschützt. Regulatorisch getrieben, vor allem durch die EU-Verpackungsverordnung PPWR, geht der Trend zu recyclingfähigen Mono-Materialien, was Maschinen vor neue Verarbeitungsfenster stellt.

Aus der Praxis

Barriere, Siegelfähigkeit und Bedruckbarkeit bekommt man in einer Verbundfolie, dafür ist sie schwer zu recyceln, weshalb die PPWR sie unter Druck setzt. Beim Wechsel auf Mono-Material ändern sich Siegelfenster, Steifigkeit und Laufverhalten. Liegt außen derselbe Kunststoff wie innen, klebt die Folie leichter an den Siegelbacken, weil die Außenlage keinen Hitzeschutz mehr bietet. Planen Sie die Umstellung als Projekt mit Maschinentests und nicht als Einkaufsentscheidung, und binden Sie den Folienlieferanten früh ein. Ich bestehe auf Versuchen mit einer ganzen Rolle und nicht mit einem Meterstück, weil sich Probleme beim Bahnlauf und bei der Siegelung oft erst nach einer Weile zeigen.

Vereinzelung

Verpackungstechnik

Funktion in der Produktzuführung, die chaotisch ankommende Produkte in definierten Abstand und Ausrichtung für den Maschineneinlauf bringt. Üblich sind Bandgassen mit gestaffelten Geschwindigkeiten, Einteilschnecken, Sterne oder Robotik mit Vision. Bandgassen ziehen den Produktstrom durch schneller laufende Bänder auseinander, eine Einteilschnecke legt den Abstand über ihre Steigung fest. Von der Gruppierung unterscheidet sich die Vereinzelung dadurch, dass sie Produkte trennt statt zu sammeln. Die Zuführung ist bei vielen Linien der wahre Engpass, nicht die Maschine selbst.

Aus der Praxis

Ohne saubere Vereinzelung läuft keine Verpackungsmaschine, und oft ist sie der eigentliche Engpass, denn Produkte kleben, kippen oder kommen doppelt. Testen Sie bei Neuanlagen die Zuführung mit realen Produkten, auch mit schlecht geformten. Beim Test läuft gern das schönste Produkt durch. Ich lasse deshalb absichtlich ein paar krumme Stücke mitlaufen und Ware in der Temperatur, in der sie bei Ihnen wirklich ankommt. Probieren Sie auch den Pulk nach einer Störung, wenn alles gleichzeitig ankommt. Bei Bestandslinien lohnt der Blick auf Bandgeschwindigkeiten, Führungen und Sensorik, bevor Sie in die Hauptmaschine investieren.

Verfügbarkeit

Kennzahlen

Kennzahl, die den Anteil der tatsächlichen Laufzeit an der geplanten Produktionszeit angibt. Sie ergibt sich aus geplanter Zeit minus Stillstandszeit, geteilt durch geplante Zeit. Verluste entstehen durch Störungen, Rüsten sowie Warten auf Material oder Personal. Die Verfügbarkeit ist der erste Faktor der OEE und meist der mit dem größten Verbesserungspotenzial. Von ihr zu unterscheiden ist die technische Verfügbarkeit, die nur Stillstände aus Ursachen der Maschine selbst betrachtet und in Lieferverträgen als Garantiewert vorkommt.

Aus der Praxis

Eine Verfügbarkeitszusage ist nur so gut wie die Messvorschrift dahinter. Schreiben Sie in den Vertrag, welche Stillstände zählen: Maschine, Packmittel, Produkt, Bediener. Legen Sie auch fest, über welchen Zeitraum gemessen wird und bei welchen Formaten. Ein guter Tag sagt wenig über einen Monat mit drei Formatwechseln und Folie aus der schlechten Charge. Der Lieferant garantiert in der Regel nur die maschinenbedingte Verfügbarkeit. Schlechte Becher, Folienrisse und der fehlende Staplerfahrer gehen auf Ihr Konto, und die Linie steht trotzdem. Bestehen Sie deshalb schon ab der Abnahme auf einer sauberen Stillstandserfassung mit Ursachencodes. Erst wenn die Codierung der Stillstände steht, hat die Prozentzahl im Vertrag einen Wert.

Verpackung

Verpackungstechnik

Umhüllung eines Produkts mit vier Aufgaben: Schutz vor Transport- und Umwelteinflüssen, Erhalt der Produktqualität, Information über Inhalt, Herkunft und Kennzeichnung sowie Vermarktung am Regal. Sie besteht aus Packstoff, also dem Material, dem daraus gefertigten Packmittel wie Beutel, Flasche oder Karton und Packhilfsmitteln wie Verschluss oder Klebeband. Unterschieden werden Primärverpackung am Produkt, Sekundärverpackung wie Umkarton und Tray und Tertiärverpackung wie Palette und Ladeeinheit. Das Verpackungsgesetz kennt dagegen Verkaufsverpackungen, Umverpackungen und Transportverpackungen.

Aus der Praxis

Für die Linienplanung zählt weniger die Definition als die Kette. Jede Verpackungsebene braucht ihre eigene Maschine, ihre eigene Formatliste und ihren eigenen Packmittellieferanten. Änderungen an der Primärverpackung wandern durch, ein Millimeter mehr Beutellänge bis zum Lagenbild auf der Palette, wo plötzlich der Überstand nicht mehr passt. Deshalb gehört die Packmittelspezifikation in Phase zwei des Projekts, bevor eine Maschine ausgewählt wird. Wer sie erst nach der Bestellung schreibt, baut die Maschine hinterher um. Sprechen Sie früh mit dem Packmittellieferanten, denn dessen Toleranzen sind die Toleranzen Ihrer Maschine.

Deutsches Gesetz, das seit 2019 die Verpackungsverordnung ablöst und die Produktverantwortung für Verpackungen regelt. Hersteller und Erstinverkehrbringer systembeteiligungspflichtiger Verkaufs- und Umverpackungen müssen sich im Verpackungsregister LUCID der Zentralen Stelle registrieren und an einem dualen System beteiligen. Für Transportverpackungen gelten Rücknahmepflichten. Das Gesetz regelt außerdem die Pfandpflicht für bestimmte Getränkeverpackungen und Anforderungen an Mehrwegangebote. Die Pflichten betreffen das Inverkehrbringen der befüllten Verpackung, nicht den Bau der Verpackungsmaschine.

Aus der Praxis

Die Registrierung im Verpackungsregister muss stehen, bevor die erste Verpackung in Verkehr geht. Ohne sie droht ein Vertriebsverbot, und Handelsplattformen sperren Lieferanten. Klären Sie im Projekt, wer Erstinverkehrbringer ist. Bei Lohnabfüllung und Eigenmarken ist das oft nicht der Abfüller. Schreiben Sie die Zuständigkeit in den Vertrag und lassen Sie die Einordnung im Zweifel prüfen. Transportverpackungen wie Stretchfolie und Paletten sind nicht systembeteiligungspflichtig, aber rücknahmepflichtig. Halten Sie die Mengenmeldungen konsistent mit den Verbrauchsdaten aus der Produktion. Wer Folie bestellt und eine ganz andere Menge meldet, wird irgendwann gefragt, wo der Rest geblieben ist.

Verpackungsintegrität

Qualität & Sicherheit

Fähigkeit einer Verpackung, den Inhalt von der Abfüllung bis zum Verbrauch vor Schäden, Kontamination und Umwelteinflüssen zu schützen. Intakt ist eine Packung, wenn sie dicht ist, keine Löcher, Risse oder offenen Siegelstellen hat und den mechanischen Belastungen standhält. Das hängt von Material und Materialdicke, von Konstruktion und Siegelung der Packung sowie von den Lager- und Transportbedingungen ab. Geprüft wird zerstörend oder zerstörungsfrei, zum Beispiel im Wasserbad, mit Vakuum oder per Inline-Dichtheitsprüfung. In der Lebensmittelindustrie führt eine beschädigte oder kontaminierte Packung zu Verderb und kann ein Gesundheitsrisiko für Verbraucher sein.

Aus der Praxis

Dicht oder nicht entscheidet sich an der Siegelnaht, am Material und an der Handhabung nach dem Verschließen. Wasserbad und Vakuumtest eignen sich für Stichproben, die Inline-Dichtheitsprüfung kontrolliert jede Packung. Legen Sie Prüfintervalle fest und schreiben Sie auf, was bei einem Fehler passiert, also Linie anhalten, letzte Packungen sperren, Ursache suchen. Steigen die Fehlerraten, reagieren Sie sofort. Meist steckt ein verschmutztes Siegelwerkzeug oder eine geänderte Folie dahinter. Nach einem Folienwechsel lohnt eine zusätzliche Dichtheitsprüfung, denn die ersten Nähte einer neuen Charge zeigen früh, ob es passt.

Verpackungstechnik

Verpackungstechnik

Sammelbegriff für Maschinen, Materialien und Prozesse, die ein Produkt vom Füllgut zur versandfähigen Ladeeinheit machen. Dazu zählen Dosieren und Füllen, Formen und Verschließen der Primärverpackung, Etikettieren, Gruppieren, Kartonieren, Palettieren und Ladungssicherung, verbunden durch Fördertechnik und Prüftechnik. Eine Linie besteht meist aus Maschinen mehrerer Hersteller. In Investitionsprojekten entscheidet selten die einzelne Maschine, sondern die Verkettung: Formatwechselzeiten, Pufferauslegung und Schnittstellen bestimmen die Linienleistung, nicht der Prospektwert der schnellsten Station.

Aus der Praxis

Maschinenbau, Materialkunde, Logistik und Handelsanforderungen laufen in der Verpackungstechnik zusammen. Kaum eine Investition betrifft so viele Abteilungen gleichzeitig. Projekte scheitern selten an der Maschine. Meist fehlt die Abstimmung zwischen Produktion, Einkauf, Qualität und Vertrieb. Wer eine Linie aus Maschinen mehrerer Hersteller kauft, hat bei Störungen schnell einen Lieferanten mehr, der nicht zuständig war. Eine Schnittstellenliste und klare Liefergrenzen ersparen Ihnen die Diskussion nach der Abnahme. Erfahrung an dieser Schnittstelle ist der Grund, warum Projektleiter auf Zeit hier so oft gefragt sind.

Verschleißteil

Maschinenbau & Komponenten

Bauteil, das im bestimmungsgemäßen Betrieb durch Reibung, Abrieb, Ermüdung oder Alterung an Funktion verliert und deshalb planmäßig ersetzt wird. Typische Verschleißteile in Verpackungsmaschinen sind Messer, Siegelbacken, Saugnäpfe, Riemen, Gleitleisten und Dichtungen. Abzugrenzen sind Ersatzteile, die erst bei einem Schaden getauscht werden, und Verbrauchsmaterial wie Schmierstoffe oder Filtereinsätze. Für Verschleißteile nennt der Hersteller in der Betriebsanleitung Prüf- und Wechselintervalle, oft in Betriebsstunden oder Takten. Vertraglich zählt die Abgrenzung, weil normaler Verschleiß in der Regel nicht als Mangel gilt und damit keine Mängelansprüche auslöst. Welche Teile als Verschleißteile gelten, sollte deshalb im Angebot oder im Vertrag aufgeführt sein.

Aus der Praxis

Über Verschleißteile wird gern nach der Abnahme gestritten. Der Lieferant sagt Verschleiß, der Betreiber sagt Mangel, und im Vertrag steht nichts Genaues. Ich lasse mir deshalb vor der Bestellung eine Verschleißteilliste mit erwarteten Standzeiten geben, bezogen auf das echte Produkt und den echten Takt. Damit lässt sich das erste Ersatzteilpaket sinnvoll bestücken, und Sie haben später eine Grundlage, wenn ein Messer nach einer Woche stumpf ist. Achten Sie auf Teile, die nur der Maschinenhersteller liefern kann, weil sie formatgebunden oder speziell gefertigt sind. Saugnäpfe und Riemen sind dagegen oft Normteile, die der Lieferant unter eigener Artikelnummer verkauft. Fragen Sie nach der Herstellerbezeichnung. Die jährlichen Kosten für Verschleißteile gehören als eigene Zeile in die Angebotsvergleichsmatrix.

Verschließer

Verpackungstechnik

Maschine, die Schraubverschlüsse, Pressverschlüsse oder Korken auf Behälter aufbringt. Bei Schraubverschlüssen drehen Verschlussköpfe die Kappe mit definiertem Drehmoment auf, das über Kupplung oder Servoantrieb begrenzt wird. Pressverschlüsse und Korken werden eingedrückt, Kronkorken gebördelt. Die Kappen kommen meist aus einem Verschlusssortierer. Das Drehmoment entscheidet über die Funktion: Ist es zu niedrig, wird die Packung undicht, ist es zu hoch, öffnet der Kunde sie nicht mehr. Eine Inline-Drehmomentprüfung gehört zur Qualitätssicherung.

Aus der Praxis

Kritisch sind Drehmomentkontrolle, Kappenzuführung und Formatwechsel. Fragen Sie, ob die Maschine Behälter mit falschem Drehmoment automatisch ausschleust oder nur eine Zahl anzeigt. Bei Schraubkappen ist das Drehmoment ein Qualitätsmerkmal: zu fest öffnet der Kunde nicht, zu locker wird die Packung undicht. Das Drehmoment von Kunststoffkappen fällt nach dem Verschließen noch ab. Messen Sie deshalb direkt am Verschließer und noch einmal später im Lager. Wechselt der Kappenlieferant, kann sich das nötige Drehmoment ändern, auch bei gleichem Datenblatt. Prüfmittel und Prüfintervall gehören in den Qualitätsplan. Ich lasse mir die Prüfmethode von dem vorführen, der sie später im Alltag anwenden soll.

Verschlussdrehmoment

Qualität & Sicherheit

Drehmoment, mit dem ein Schraubverschluss auf einen Behälter aufgebracht wird, und Öffnungsdrehmoment, das der Verbraucher später aufbringen muss. Beides wird in Newtonzentimetern gemessen. Das Öffnungsmoment liegt nach dem Verschließen meist unter dem Anzugsmoment, weil sich Dichtung und Verschluss setzen. Der Verschließer stellt das Anzugsmoment über Magnet- oder Rutschkupplungen oder per Servoantrieb ein. Zu wenig Moment bedeutet Undichtigkeit, zu viel beschädigt Verschluss oder Gewinde und erschwert dem Verbraucher das Öffnen. Gemessen wird mit einem Drehmomentprüfgerät an der fertigen Packung.

Aus der Praxis

Messen Sie das Öffnungsmoment regelmäßig mit einem Drehmomentmessgerät, auch lange nach der Inbetriebnahme. Verschließkupplungen verschleißen, und Gewinde und Verschlüsse schwanken von Charge zu Charge. Prüfen Sie nach einer Stunde Lagerzeit noch einmal, weil sich das Moment verändert, wenn sich die Dichtung setzt. Legen Sie Toleranzen mit dem Verschlusslieferanten fest und halten Sie sie in der Packmittelspezifikation und im Prüfplan fest. Bei Beschwerden über Flaschen, die sich nicht öffnen lassen oder tropfen, schauen Sie zuerst auf die Messreihe. Ohne sie bleibt es Meinung. Ich frage den Verschlusslieferanten immer, mit welchem Behälter er sein Moment gemessen hat, denn Werte ohne diese Angabe lassen sich nicht vergleichen.

Verschlusssortierer

Verpackungstechnik

Zuführeinrichtung, die Schraubverschlüsse oder Kappen aus einem Vorratsbehälter vereinzelt, lagerichtig ausrichtet und über eine Rutsche oder ein Förderband dem Verschließer zuführt. Ausführungen sind Zentrifugalsortierer, Vibrationssortierer und Elevatorsortierer, oft mit Steigförderer zur Nachfüllung aus Großgebinden. Beim Zentrifugalsortierer bringt ein Drehteller die Kappen an den Rand, wo sie in einer Schiene geordnet und nur in der richtigen Lage weitergelassen werden. Falschlagen werden ausgeworfen und in den Vorrat zurückgeführt.

Aus der Praxis

Häufiger als der Verschließer ist der Verschlusssortierer der Grund für den Stillstand. Typische Auslöser sind Kappen mit Grat, Formatwechsel mit vielen Einstellpunkten, Sortierrutschen mit Stau und beschädigte Verschlüsse, weil sie zu lange umlaufen. Fragen Sie nach der Sortierleistung mit Reserve zur Linienleistung und nach der Zahl der Formatteile. Nehmen Sie zum FAT Kappen aus verschiedenen Chargen mit, auch die schlechteren, denn Spritzgussteile schwanken. Klären Sie, wie die Kappen nachgefüllt werden und wie oft, denn ein leerer Vorrat ist der banalste Stillstand. Hygienisch ist die Kappenzuführung kritisch. Geschlossene Ausführung und UV-Entkeimung der Rutsche sind bei sensiblen Produkten üblich.

Vertikalförderer

Intralogistik

Senkrechtförderer, der Kartons oder Paletten zwischen Ebenen bewegt, etwa vom Erdgeschoss in ein Lager oder über Fahrwege hinweg. Verbreitet sind Hubstationen mit einer Plattform, die das Gut einzeln befördert, und kontinuierlich arbeitende Förderer mit Gabeln oder Trägern, die mehrere Einheiten gleichzeitig in Bewegung halten. Die Plattform trägt eine Rollen- oder Kettenfördererstrecke, die das Gut an der jeweiligen Ebene übernimmt oder abgibt. Der Schacht ist bei Bedarf eingehaust, die Zugänge sind verriegelt. Die Förderleistung ist durch Hubhöhe, Geschwindigkeit und Wartezeit an den Übergaben begrenzt.

Aus der Praxis

Vertikalförderer sind Einzelpunkte im Materialfluss. Fällt der Heber aus, steht die Linie. Planen Sie Redundanz oder einen manuellen Umweg ein und beachten Sie früh den Brandschutz mit den Deckendurchbrüchen sowie die Sicherheitsanforderungen an Schachtzugänge. Das sind Themen für Bauamt und Versicherer, und beide brauchen Zeit. Klären Sie auch, wie sich ein Heber mit Ware auf der Plattform freifahren lässt, wenn die Steuerung steht, und wer das darf. Planen Sie die Übergaben an beiden Enden sauber, denn Schnittstellen werden gern dem anderen Lieferanten zugeschoben. Legen Sie vorab fest, welche Ersatzteile für Antrieb und Verriegelungen bei Ihnen am Lager liegen.

Bürgschaft einer Bank oder eines Kreditversicherers, mit der der Auftragnehmer die vertragsgemäße Erfüllung seiner Leistungspflichten absichert. Sie deckt je nach Wortlaut Ansprüche des Auftraggebers bei Nichterfüllung oder Verzug ab, etwa Mehrkosten für eine Ersatzvornahme, Vertragsstrafen oder Schadensersatz. Ihre Höhe wird als Anteil an der Auftragssumme vereinbart. Gestellt wird sie bei Vertragsschluss, sie läuft meist bis zur Abnahme. Danach wird sie häufig gegen eine Gewährleistungsbürgschaft getauscht, die Mängelansprüche bis zum Ende der Verjährungsfrist absichert. Die Anzahlungsbürgschaft sichert dagegen nur die Rückzahlung der Anzahlung. Im Bauwesen regelt die VOB/B die Sicherheitsleistung, im Maschinenbau der Einzelvertrag.

Aus der Praxis

Was die Bürgschaft abdeckt, bestimmt allein der Wortlaut. Die Überschrift sagt wenig. Lassen Sie prüfen, ob Vertragsstrafen, Mängel vor der Abnahme und die Rückzahlung von Überzahlungen enthalten sind. Beim Tausch nach der Abnahme hilft eine einfache Reihenfolge. Erst kommt die neue Bürgschaft im Original, dann geben Sie die alte zurück. Umgekehrt stehen Sie im Zweifel eine Zeit lang ohne Sicherheit da. Bedenken Sie auch die Wirkung auf den Bieterkreis. Kleinere Sondermaschinenbauer haben begrenzte Avalrahmen, und eine hohe Bürgschaft blockiert dort Spielraum für andere Aufträge. Manche geben dann lieber kein Angebot ab. Fragen Sie deshalb schon in der Anfrage, ob der Lieferant die geforderte Bürgschaft stellen kann. Den genauen Text stimmen Sie am besten mit Ihrem Juristen ab.

VFFS

Verpackungstechnik

Vertical Form-Fill-Seal, auf Deutsch die vertikale Schlauchbeutelmaschine. Eine Flachfolie wird über eine Formschulter zum Schlauch geformt, längs gesiegelt, von oben befüllt (Waage, Schnecken- oder Volumendosierer), quer gesiegelt und abgetrennt. Die Quernaht schließt den gefüllten Beutel und bildet zugleich den Boden des nächsten. Als Längsnaht kommen Flossennaht oder Überlappnaht vor. Typisch ist der Einsatz für Snacks, Kaffee, Gewürze, Zucker, Pulver und Kleinteile.

Aus der Praxis

Leistung holt man bei VFFS aus der Dosierung und nicht aus der Maschine. Eine Mehrkopfwaage für Stückgut oder ein Schneckendosierer für Pulver gibt den Takt vor. Klären Sie in der Formatliste Beutelformate, Folienaufbau und ob Standbodenbeutel oder Flachbeutel gefordert sind, denn das bestimmt Formschulter, Siegelwerkzeuge und Zusatzstationen. In der Regel gehört zu jeder Beutelbreite ein eigenes Formrohr mit Formschulter, und der Wechsel kostet Zeit. Bei Chips und ähnlichen Snacks wird oft Stickstoff eingeblasen, dann gehört der Gasverbrauch in die Betriebskostenrechnung. Ultraschallsiegeln lohnt sich, wenn Produktstaub in der Siegelnaht sonst zu undichten Beuteln führt.

Vibrationsförderer

Verpackungstechnik

Fördereinrichtung, die Schüttgut oder Einzelprodukte durch gerichtete Schwingungen einer Rinne bewegt. Die Rinne schwingt schräg zur Förderrichtung, sodass das Gut in kleinen Sprüngen vorwärts geworfen wird. Der Antrieb arbeitet elektromagnetisch oder mit Unwuchtmotoren, die Förderleistung wird über Amplitude und Frequenz geregelt. Eingesetzt wird der Vibrationsförderer zur Zuführung und Dosierung an Mehrkopfwaagen, Sortierern und Zuführsystemen, für klebrige und empfindliche Produkte auch als Schüttelförderer mit Horizontalbewegung.

Aus der Praxis

Ein steifes Fundament brauchen Vibrationsrinnen. Auf schwingenden Bühnen oder dünnen Stahlgestellen verändert sich die Förderleistung mit der Belastung, und die Waage darunter zeigt Unruhe. Klebrige oder gefrorene Produkte setzen sich fest, hier hilft eine beschichtete oder beheizte Rinne. Ändert sich das Produkt mit Feuchte oder Schüttdichte, bringt dieselbe Einstellung plötzlich eine andere Menge, also gehört die Amplitude ins Rezept. Achten Sie auf Reinigbarkeit ohne Werkzeug und auf die Geräuschentwicklung, denn mehrere Rinnen über einer Waage sind laut. Federn und Magnetantrieb sind Wartungsteile, fragen Sie also nach Intervallen und Ersatzteilen.

Virtuelle Inbetriebnahme

Automatisierung & Robotik

Test der realen SPS-Software gegen ein Simulationsmodell der Anlage vor der Montage. Das Modell bildet Kinematik, Sensoren und Aktoren nach. Bei der Software-in-the-Loop-Variante läuft die Steuerung als virtuelle SPS auf dem Rechner, bei Hardware-in-the-Loop ist die echte Steuerungshardware an das Modell angeschlossen. Getestet werden Abläufe, Verriegelungen und Fehlerfälle, ohne dass an der realen Maschine etwas passieren kann. Das Verfahren findet Logikfehler, bevor sie auf der Baustelle Zeit kosten, und verschafft bei engen Umbaufenstern im Bestand einen Zeitpuffer. Als Abbild der Anlage ist das Modell eine Spielart des digitalen Zwillings.

Aus der Praxis

Auf der Baustelle spart die virtuelle Inbetriebnahme Zeit, aber sie kostet vorher Geld, und das Modell muss jemand bauen. Ich frage bei komplexen Linien deshalb früh, wer es baut, wer es bezahlt und ob es nach dem Projekt beim Betreiber bleibt. Gerade bei engen Umbaufenstern im Bestand holen Sie so Zeit heraus, weil sich Logikfehler am Rechner zeigen, bevor die Monteure da sind. Auch Fehlerfälle lassen sich durchspielen, etwa ein Sensor, der klemmt, ohne dass jemand an der echten Maschine etwas riskiert. Bei Standardmaschinen ist das Geld besser in einem gründlichen FAT mit Ihren Produkten und Formaten angelegt. Das Modell prüft allerdings nur, was drinsteckt. Ein Produkt, das anders läuft als im Modell, bemerken Sie erst an der echten Maschine.

Vision-System

Automatisierung & Robotik

Kamerasystem zur Lageerkennung (Robot Guidance), zur Vollständigkeits- und Qualitätskontrolle oder zur Codelesung. Es besteht aus Kamera mit Objektiv, Beleuchtung, einer Auswerteeinheit und einer Software mit Prüfprogrammen, die als Rezepte je Format abgelegt sind. Ein Sensor löst die Aufnahme aus, das System meldet gut oder schlecht an die Steuerung, die schlechte Teile ausschleust. Beleuchtung und Produktvarianz bestimmen die Zuverlässigkeit stärker als die Kamera. Ein Vision-System ohne Musterteile-Test zu kaufen heißt, Risiko zu kaufen.

Aus der Praxis

Ich lasse vor der Bestellung immer mit Musterteilen testen, mit guten und schlechten und mit den Grenzfällen, die selbst Ihre Prüfer unterschiedlich beurteilen. Danach schauen Sie auf Fremdlicht, Staub auf der Optik und Schwankungen im Produkt, denn an diesen Dingen scheitert die Prüfung im Alltag eher als an der Kamera. Das System braucht einen Verantwortlichen, der die Rezepte pro Format anlegt und ändert. Fehlt er, wird nach jeder Fehlausschleusung ein bisschen an der Toleranz gedreht, bis das System nichts mehr prüft. Lassen Sie sich außerdem zeigen, wie die Rezepte gesichert werden und was nach einem Kameratausch passiert.

Vollpappe

Verpackungstechnik

Mehrlagiger, massiver Karton aus verklebten Papierbahnen ohne Wellenstruktur, meist auf Altpapierbasis, in Stärken von unter einem bis mehreren Millimetern. Im Vergleich zur Wellpappe ist er schwerer, glatter und beständiger gegen Durchstoß und Feuchte, aber je Gewicht weniger steif. Die glatte Oberfläche lässt sich gut bedrucken und präzise stanzen und rillen. Angegeben wird Vollpappe meist über Stärke in Millimetern oder Flächengewicht. Einsatz findet sie für Steigen, Zwischenlagen, Stanzteile, Klappdeckelschachteln und Displays.

Aus der Praxis

Für Steigen und Automatenzuschnitte wird gern Vollpappe gewählt, weil sie sich präzise stanzen lässt und Feuchte besser verträgt als Wellpappe. Der Haken: Sie ist schwerer und teurer je Fläche, und die Rillung muss zur Stärke passen, sonst bricht die Deckschicht beim Aufrichten. Auch die Laufrichtung zählt, denn eine Rillung quer zur Faser bricht eher als eine parallel dazu. Prüfen Sie beim Wechsel von Wellpappe auf Vollpappe, ob Magazine, Sauger und Faltstationen des Aufrichters mit dem steiferen Material zurechtkommen. Rechnen Sie außerdem das Mehrgewicht nach, denn es landet auf der Palette und im Transport. Ein Probelauf mit einer ganzen Palette Zuschnitte sagt mehr als ein Stapel Muster.

Kennzahl für den Anteil des tatsächlich genutzten Volumens am verfügbaren Volumen von Palette, Regalfach oder Lkw-Laderaum. Sie setzt das Volumen der verpackten Ware ins Verhältnis zum Raum, den Ladeeinheit oder Transportmittel bieten. Auf der Palette hängt sie von Packmaßen, Packschema, Lagenzahl und zulässiger Palettenhöhe ab, im Regal vom Fachmaß und vom nötigen Spielraum fürs Handling. Sie bewertet Verpackung und Transport gemeinsam, weil die Verpackungsmaße Lagerplatz und Frachtkosten bestimmen. Ein Palettenüberstand verbessert die Rechnung nur scheinbar, weil er Stabilität und Schutz kostet.

Aus der Praxis

Wenige Millimeter an den Kartonmaßen entscheiden oft, ob auf die Palette eine Lage mehr passt oder ob an den Rändern Platz verschenkt wird. In einem realen Fall brachten 20 mm mehr Breite und 4 mm weniger Höhe 12,5 Prozent mehr Kartons pro Palette und sechs Lkw weniger auf 100.000 Kartons. Rechnen Sie die Volumenausnutzung deshalb nie für sich allein. Palettenhöhe, Regalmaß und BCT gehören in dieselbe Rechnung, denn jede Maßänderung verändert auch die Stapelfestigkeit des Kartons. Setzen Sie Packmittellieferant und Spediteur an einen Tisch. Der eine optimiert gern das Material, der andere sieht die Ladung im Lkw, und gewonnen ist erst, wenn beides zusammenpasst. Ich lasse bei jeder Maßänderung ein Muster auf eine echte Palette stellen, bevor jemand bestellt.

Zwei Grundprinzipien der Mengenbestimmung beim Abfüllen. Volumetrisch wird ein festes Volumen dosiert, mit Kolben, Schnecke, Becherrad oder Durchflussmesser. Gravimetrisch wird das Gewicht während des Füllens über Wägezellen erfasst und der Füllvorgang bei Erreichen des Sollgewichts beendet. Mehrkopfwaagen arbeiten gravimetrisch, indem sie Teilmengen wiegen und zu einer Zielmenge kombinieren. Gravimetrisch ist unabhängig von Dichteschwankungen, aber meist langsamer und teurer. Volumetrisch ist meist schneller und einfacher, die Füllmenge folgt dann der Dichte des Produkts.

Aus der Praxis

Die Wahl hängt vom Produkt ab und nicht vom Katalog. Bei stabiler Dichte reicht volumetrisch mit Trendregelung über die Kontrollwaage. Schwankt die Dichte, wie bei Pulvern, Granulaten oder lufthaltigen Massen, zahlt sich gravimetrisch über weniger Überfüllung aus. Dichte ändert sich auch mit Temperatur und Feuchte, prüfen Sie Ihr Produkt also über mehrere Chargen und nicht an einem einzigen guten Tag. Lassen Sie sich die Dosiergenauigkeit als Standardabweichung mit Ihrem Produkt und Ihrer Leistung nachweisen. Klären Sie außerdem, wer den Abgleich zur Fertigpackungsverordnung verantwortet und ob die Kontrollwaage den Dosierer selbst nachführt.

Vorabnahme (Pre-FAT)

Projektleitung & CAPEX

Prüfung einer Maschine beim Lieferanten vor dem offiziellen FAT. Gemeint ist entweder ein interner Probelauf, mit dem der Lieferant klärt, ob die Maschine reif für den FAT ist, oder eine Vorprüfung im Beisein des Kunden. Geprüft werden typischerweise Vollständigkeit nach Lastenheft, Grundfunktionen, Sicherheitseinrichtungen, Zugänglichkeit und Dokumentation, häufig noch ohne Leistungslauf. Die Vorabnahme ist keine Abnahme im vertraglichen Sinn und in der Regel nicht an Zahlungen gekoppelt. Ergebnis ist eine Punkteliste, die bis zum FAT abgearbeitet wird. Erst beim FAT werden die vereinbarten Abnahmekriterien formal nachgewiesen. Sinnvoll ist eine Vorabnahme vor allem bei Sondermaschinen und verketteten Linien, weil Änderungen in diesem Stadium noch günstig sind.

Aus der Praxis

Die Flüge zum FAT sind gebucht, und die Maschine ist noch nicht fertig. Gereist wird dann trotzdem, und aus dem FAT wird vor Ort eine Vorabnahme mit langer Mängelliste, nur heißt sie nicht so. Ich lasse mir deshalb vor jedem FAT das Protokoll der internen Vorabnahme des Lieferanten schicken. Fehlt es oder ist es voller offener Punkte, verschiebe ich lieber die Reise, als zwei Tage danebenzustehen. Wenn Sie selbst zur Vorabnahme fahren, nehmen Sie jemanden aus der Instandhaltung und einen erfahrenen Bediener mit. Die sehen sofort, ob man an die Formatteile herankommt, ob das Bedienpanel in vernünftiger Höhe hängt und wo man sich beim Reinigen die Hände aufreißt. In diesem Stadium kostet so eine Änderung ein paar Stunden in der Werkstatt. Nach dem SAT wird daraus ein Nachtrag.

Vordehnung (Pre-Stretch)

Verpackungstechnik

Dehnung der Stretchfolie zwischen zwei unterschiedlich schnell laufenden Walzen des Wickelaggregats, bevor die Folie auf die Palette gelegt wird. Die zweite Walze läuft schneller als die erste, aus dem Drehzahlverhältnis ergibt sich das Dehnverhältnis. Angegeben wird die Vordehnung in Prozent. Gedehnte Folie ist länger und dünner und entwickelt Rückstellkräfte, die die Ladung zusammenhalten. Bei gleicher Haltekraft sinkt so der Folienverbrauch je Palette. Das Vorreckgetriebe arbeitet mit festem Übersetzungsverhältnis oder lässt sich über einen eigenen Antrieb verstellen. Es sitzt im Folienwagen des Stretchwicklers.

Aus der Praxis

Die Folienkosten je Palette hängen fast mehr an der Vordehnung als am Folienpreis. Eine billigere Rolle bringt wenig, wenn sie schlechter dehnt. Standard ist ein motorisches Vorreckgetriebe mit konstantem Dehnverhältnis, aber die Folie muss zur eingestellten Dehnung passen. Zu hoch gewählt reißt sie, zu niedrig verschwendet sie Folie. Dehnt die Maschine wirklich so, wie sie anzeigt, sehen Sie an zwei Strichen im Abstand von zehn Zentimetern, die Sie vor den Walzen auf die Folie zeichnen und danach nachmessen. Verschmutzte oder abgenutzte Walzen rutschen, und dann steht im Display ein Wert, den die Folie nie zu sehen bekommt. Wiegen Sie beim Folientest die Folie je Palette, prüfen Sie Haltekraft und Ladungssicherung und schreiben Sie Dehnung und Umwicklungen als Standard fest. Sonst dreht die Nachtschicht die Dehnung herunter, weil die Folie reißt, und niemand erfährt es.

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Wäge- und Dosieranlagen

Verpackungstechnik

Anlagen, die Produkte in genau definierten Mengen abmessen und an die Verpackungsmaschine übergeben. Sie arbeiten automatisch oder halbautomatisch und verarbeiten trockene wie flüssige Produkte. Volumetrische Dosierer messen das Volumen, etwa über Becher, Schnecke oder Kolben, und geben eine feste Menge aus. Gravimetrische Dosierer wiegen das Produkt über Wägezellen und erreichen die höhere Genauigkeit, zum Beispiel als Mehrkopfwaage für Stückgut. Schüttgutdosierer wiegen ab und führen das Produkt über einen Förderer zur Verpackungsmaschine. Eingesetzt werden die Anlagen bei Gewürzen, Backwaren, Snacks, Tiernahrung, Mehl sowie bei Ölen und Saucen.

Aus der Praxis

Dosiergenauigkeit ist bares Geld. Ein Give-away von wenigen Prozent summiert sich bei Millionen Packungen zu einer Summe, die in der Kalkulation auffällt. Wählen Sie das Dosierprinzip nach dem Produkt: Mehrkopfwaage für Stückgut, Schnecke für Pulver, Volumendosierer für frei fließendes Gut. Schwankt die Schüttdichte, driftet ein volumetrischer Dosierer, weil er Volumen liefert und die Packung nach Gewicht verkauft wird. Verlangen Sie den Genauigkeitsnachweis mit Ihrem Produkt statt mit dem Testmaterial des Herstellers, und zwar über genug Packungen am Stück. Klebriges, bröckeliges oder feuchtes Produkt verhält sich auf dem Papier nie so wie in der Anlage. Fragen Sie auch, wie lange Reinigung und Produktwechsel dauern.

Wägezelle

Verpackungstechnik

Sensor, der eine Gewichtskraft in ein elektrisches Signal umsetzt, meist über Dehnungsmessstreifen auf einem Federkörper. Der Federkörper verformt sich unter Last minimal, die Streifen ändern dadurch ihren Widerstand, und eine Brückenschaltung macht daraus ein Spannungssignal, das ein Messverstärker auswertet. Gängige Bauformen sind Biegebalken, Scherstab und Plattformzelle. Wägezellen stecken in Kontrollwaagen, Mehrkopfwaagen und gravimetrischen Dosierern. Kenngrößen sind Nennlast, Genauigkeitsklasse, Schutzart und die Eignung für eichpflichtige Anwendungen. Elektromagnetisch kompensierende Wägezellen erreichen bei dynamischen Wägungen eine höhere Auflösung.

Aus der Praxis

Wägezellen versagen selten von selbst, aber häufig wegen ihres Umfelds. Dazu zählen Vibrationen benachbarter Maschinen, Luftzug aus Lüftungsanlagen, Druckluftstöße und Reinigungsschläuche mit vollem Strahl. Planen Sie einen entkoppelten Aufstellort und schützen Sie die Zelle mechanisch gegen Überlast bei Formatwechseln, denn ein Schlag mit dem Hammer oder ein abgestelltes Formatteil kann sie dauerhaft verstellen. Auch Produktreste unter der Wägebrücke und ein straff gespanntes Anschlusskabel verfälschen die Anzeige. Kalibrierintervalle und Prüfgewichte gehören in den Wartungsplan, sonst ist die eichpflichtige Waage irgendwann nur noch eine Anzeige. Ich lege in der Abnahme gern ein Prüfgewicht auf, nehme es wieder ab und sehe nach, ob die Null zurückkommt.

Wälzlager

Maschinenbau & Komponenten

Lager, in dem Wälzkörper zwischen Innenring und Außenring abrollen und eine Welle mit geringer Reibung führen. Wälzkörper sind Kugeln, Zylinderrollen, Kegelrollen, Tonnen oder Nadeln, ein Käfig hält sie auf Abstand. Das Rillenkugellager ist die häufigste Bauart und nimmt radiale und begrenzt axiale Kräfte auf. Schrägkugellager und Kegelrollenlager tragen kombinierte Lasten und werden meist paarweise eingebaut. Nach ISO 281 wird die nominelle Lebensdauer aus dynamischer Tragzahl und Belastung berechnet. Die Hauptabmessungen sind genormt und die Grundbezeichnung ist herstellerübergreifend gleich, deshalb lassen sich Lager über die Lagernummer tauschen. Nachsetzzeichen für Dichtung, Lagerluft oder Käfig unterscheiden sich dagegen je Hersteller.

Aus der Praxis

An Altersschwäche sterben die wenigsten Wälzlager. Häufiger bringen Montage, Schmutz und Wasser sie um. Bei der Hochdruckreinigung wird Wasser an den Dichtungen vorbei ins Lager gedrückt, und das Fett wäscht sich aus. Schreiben Sie deshalb in die Reinigungsanweisung, dass der Strahl von Lagerstellen wegbleibt. Beim Einbau treibt mancher das Lager mit dem Hammer über den Außenring auf die Welle. Die Kraft geht dann durch die Kugeln, und die Laufbahn hat Dellen, bevor das Lager je gelaufen ist. Bestellen Sie Ersatz immer mit der vollständigen Bezeichnung samt Nachsetzzeichen. Ein Lager mit normalem Fett hat in einer Maschine, für die H1-Fett vorgeschrieben ist, nichts zu suchen. Laute Lager lassen Ihnen meistens noch etwas Zeit. Wird eines heiß, eher nicht.

Wärmeausdehnung

Maschinenbau & Komponenten

Längenänderung von Bauteilen durch Temperaturänderung, beschrieben durch den Wärmeausdehnungskoeffizienten des Werkstoffs. Aluminium dehnt sich etwa doppelt so stark wie Stahl, austenitischer Edelstahl liegt über Baustahl. In Verpackungsmaschinen relevant an Siegelbacken, Schrumpftunneln, langen Fördertechnikstrecken und bei Kunststoffteilen. Die Längenänderung ergibt sich aus Ausgangslänge, Temperaturdifferenz und Koeffizient, sie wächst also mit der Länge des Bauteils. Kunststoffe dehnen sich meist deutlich stärker als Metalle. Werden zwei Werkstoffe fest verbunden, entstehen bei Erwärmung Spannungen.

Aus der Praxis

Typische Folgen sind Siegelbacken, die kalt eingestellt wurden und warm klemmen, Formatteile aus Kunststoff, die nach der Aufheizphase nicht mehr passen, und Führungen an langen Aluminiumrahmen, die sich im Sommer verspannen. Stellen Sie thermisch belastete Baugruppen im betriebswarmen Zustand ein und sehen Sie bei Werkstoffpaarungen Spiel oder Loslager vor. In Kühl- und Gefrierbereichen gilt dasselbe mit umgekehrtem Vorzeichen. Dort schrumpft das Teil, und eine Fuge, die bei Raumtemperatur dicht war, geht auf. Messen Sie Passungen von Formatteilen aus Kunststoff nicht in der kalten Werkstatt, sondern probieren Sie sie an der warmen Maschine. Lange Strecken gehören bei der Abnahme einmal im warmen Zustand nachgemessen.

Wärmerückgewinnung

Produktion & Energie

Nutzung von Wärme, die in einem Prozess oder einer Anlage ohnehin anfällt, für einen anderen Zweck. Typische Quellen sind Kompressoren, die den größten Teil ihrer elektrischen Energie in Wärme umsetzen, außerdem Verflüssiger von Kälteanlagen, Abluft aus Öfen und Trocknern sowie warmes Abwasser. Übertragen wird die Wärme über Plattenwärmetauscher, Kreislaufverbundsysteme oder Wärmerückgewinner in Lüftungsanlagen. Reicht das Temperaturniveau nicht aus, hebt eine Wärmepumpe es an. Genutzt wird die Wärme für Heizung und Brauchwasser oder zur Vorwärmung von Reinigungs- und Kesselspeisewasser. Wirtschaftlich hängt viel davon ab, ob Angebot und Bedarf zeitlich zusammenpassen und wie weit Quelle und Verbraucher auseinanderliegen. Speicher gleichen zeitliche Unterschiede aus.

Aus der Praxis

Die Abwärme der Kompressoren ist der Klassiker, und trotzdem wird sie in vielen Werken über das Dach geblasen. Im Winter hätte man sie gern in der Halle, im Sommer will sie keiner. Darauf muss die Anlage ausgelegt sein. Die Kühlung des Kompressors darf nie davon abhängen, dass gerade jemand Wärme abnimmt, sonst schaltet er an einem warmen Tag mit Übertemperatur ab. Ein Notkühler oder eine Umschaltklappe gehört deshalb immer dazu. Gut funktioniert die Vorwärmung von Wasser für die CIP-Anlage oder andere Reinigungsprozesse, weil der Bedarf das ganze Jahr über besteht. Klären Sie früh, wer die Anlage betreibt. Die Wärme kommt aus der Haustechnik, gebraucht wird sie in der Produktion, und wenn die Pumpe ausfällt, fühlt sich keiner zuständig.

Wartungseinheit (Druckluftaufbereitung)

Maschinenbau & Komponenten

Baugruppe am Eingang einer pneumatischen Maschine, die die Druckluft aus dem Netz für die Verbraucher aufbereitet. Sie besteht meist aus Handabsperrventil, Filter mit Kondensatablass, Druckregler mit Manometer und einem elektrisch betätigten Einschaltventil, das die Maschine entlüften kann. Je nach Anwendung kommen ein Sanftanlaufventil und ein Öler hinzu. Filter und Regler sind oft als Filterregler zusammengefasst. Für empfindliche Ventile oder Vakuumerzeuger werden Feinfilter oder Aktivkohlefilter nachgeschaltet. Die Druckluftqualität wird nach ISO 8573-1 in Klassen für Partikel, Wasser und Öl angegeben. Das Einschaltventil ist Teil des Sicherheitskonzepts, weil es die Maschine beim Not-Halt oder beim Öffnen von Schutztüren drucklos schalten kann.

Aus der Praxis

Der Öler ist ein Relikt, das sich hartnäckig hält. Aktuelle Ventile und Zylinder haben ab Werk eine Grundschmierung und brauchen kein Öl in der Luft. Wer einmal anfängt zu ölen, muss allerdings dabei bleiben, weil das Öl die Grundschmierung auswäscht. Ich frage bei neuen Maschinen deshalb, ob der Öler wirklich gebraucht wird, und wenn ja, mit welchem H1-Öl er befüllt ist. Schauen Sie sich auch den Kondensatablass an. Ein Ablass, der nur beim Abschalten des Drucks öffnet, nützt an einer Maschine, die rund um die Uhr läuft, wenig. Wo die Einheit hängt, zählt ebenfalls. Sitzt sie hinten unten zwischen Kabelkanal und Wand, wechselt keiner den Filtereinsatz. Den Druckregler drehen Bediener gern hoch, wenn ein Zylinder lahm wirkt. Ein abschließbarer Regler spart da manche Diskussion.

Wartungsplan

Projektleitung & CAPEX

Übersicht aller Wartungstätigkeiten einer Maschine mit Intervall, Dauer, erforderlicher Qualifikation, benötigten Teilen und Schmierstoffen. Der Hersteller liefert den Plan mit der Anlage, der Betreiber passt ihn an seine Schichtmodelle und sein Produkt an. Er wird im Instandhaltungssystem hinterlegt und um Erfahrungswerte, gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen und Ergebnisse aus dem Condition Monitoring ergänzt. Die Intervalle richten sich nach Betriebsstunden, Kalenderzeit oder Zyklenzahl. Schmierstellen und Schmierstoffe stehen häufig zusätzlich in einem eigenen Schmierplan.

Aus der Praxis

Herstellerintervalle sind Ausgangswerte und keine Wahrheit. Der Hersteller kennt weder Ihre Schichtmodelle noch Ihr Produkt, und ein staubendes Produkt belastet Lager und Führungen anders als ein sauberes. Übernehmen Sie den Plan vor der Übergabe in Ihr System. Prüfen Sie im ersten Jahr jede Wartung auf Aufwand und Befund und passen Sie danach die Intervalle an, nach oben wie nach unten. Eine Wartung, die nie etwas findet, darf seltener werden, eine, die jedes Mal etwas findet, kommt öfter dran. Gesetzliche Prüfungen sind davon ausgenommen. Klassisches Versäumnis ist die Wartung, die im Stillstandsfenster nicht stattfinden kann, weil die Teile fehlen. Lassen Sie sich zum Plan deshalb die Teileliste geben und legen Sie die Verschleißteile ans Lager, bevor der Termin ansteht.

Wartungsvertrag

Kaufmännisches

Vertrag über vereinbarte Serviceleistungen an einer Anlage mit definierten Reaktionszeiten, Verfügbarkeiten und Preisen. Je nach Ausgestaltung umfasst er vorbeugende Wartung nach Plan, Inspektionen, Störungsbeseitigung, Fernwartung und die Lieferung von Ersatzteilen. Die Zusagen werden oft als Service Level Agreement formuliert. Kernfragen sind die Reaktionszeit vor Ort im Vergleich zur Fernreaktion, die Ersatzteilverfügbarkeit, die Preisgleitung und die Folgen bei Nichteinhaltung.

Aus der Praxis

Ein Wartungsvertrag lohnt sich bei Maschinen, deren Ausfall teuer ist und für die Sie intern kein Spezialwissen haben. Schauen Sie auf den Inhalt: ob Verschleißteile dabei sind, ob es Fernwartung gibt und wie schnell ein Techniker tatsächlich an der Maschine steht, auch nachts und am Wochenende. Klären Sie, was Reaktionszeit konkret heißt. Manchmal meldet sich nur jemand, und der Techniker steht erst am nächsten Tag an der Maschine. Ich lasse mir die Folgen bei Nichteinhaltung immer ins Angebot schreiben. Vergleichen Sie dann die Vertragskosten mit den Stillstandskosten einer Schicht. Dann ist die Entscheidung meist eindeutig.

Wasserdampfdurchlässigkeit, englisch Water Vapour Transmission Rate: Menge Wasserdampf, die je Fläche und Tag durch eine Folie oder Verpackung diffundiert, angegeben in g/(m²·d) bei definierten Bedingungen. Üblich sind 23 °C bei 85 % oder 38 °C bei 90 % relativer Feuchte. Der Kennwert beschreibt den Schutz feuchteempfindlicher Produkte wie Trockenware, Pulver und Backwaren und ebenso den Schutz feuchter Produkte vor Austrocknung. Er sinkt mit der Foliendicke und hängt stark vom Werkstoff ab. Polyolefine wie PE und PP sind gute Feuchtebarrieren, EVOH schützt dagegen vor Sauerstoff, nicht vor Feuchte.

Aus der Praxis

Ein WVTR-Wert ohne Angabe von Temperatur und Feuchte ist wertlos, denn Lieferanten messen unter unterschiedlichen Bedingungen, und die Zahlen sind dann nicht vergleichbar. Legen Sie die Messbedingung in der Spezifikation fest. Denken Sie daran, dass die Packung zählt und nicht die Folie. Siegelnähte, Falze und Knickstellen erhöhen die tatsächliche Durchlässigkeit deutlich, und dünne Beschichtungen können beim Knicken Risse bekommen. Bei Haltbarkeitsproblemen messen Sie zuerst die fertige Packung, dann die Folie. Lassen Sie sich vom Lieferanten außerdem sagen, ob der Wert am Rollenmuster oder an einer Packung ermittelt wurde.

Wegeanalyse

Intralogistik

Erfassung und Auswertung aller Transport- und Laufwege im Layout über einen Zeitraum. Grundlage sind Beobachtung, Zählung, Staplerdaten oder Ortungsdaten. Dargestellt wird das Ergebnis als Wegediagramm im Layoutplan, im Lean-Umfeld Spaghetti-Diagramm genannt, und als Von-Nach-Matrix, die zeigt, wie oft zwischen welchen Punkten transportiert wird. Die Auswertung deckt Umwege, Kreuzungen und unnötige Fahrten auf. Sie bildet die Grundlage jeder Intralogistik-Optimierung und jeder Wirtschaftlichkeitsrechnung für ein FTS.

Aus der Praxis

Die Wegeanalyse erfasst alle innerbetrieblichen Transporte einer Periode: wer fährt was wohin, wie oft und mit welchem Gerät. Das Ergebnis in Kilometern und Stunden pro Jahr macht Intralogistik plötzlich greifbar und zeigt, ob ein FTS, ein Routenzug oder ein geändertes Layout die Antwort ist. Ich fange gern mit einer Schicht Beobachtung an, bevor ich Daten auswerte, denn kein Staplerprotokoll zeigt, dass der Fahrer jedes Mal einen Umweg nimmt, weil Ware im Weg steht. Messen Sie eine normale Woche und nicht die Ausnahmewoche, etwa mit Inventur oder Umbau. Genau diese Analyse ist der Kern der Shopfloor-Analyse Intralogistik.

Weihenstephaner Standards

Digitalisierung & KI

Von der TU München in Weihenstephan mit Industriepartnern entwickelte Spezifikationen für die Datenschnittstelle zwischen Maschinen der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie und übergeordneten Systemen, namentlich WS Pack für Verpackungsmaschinen und WS Food für Maschinen der Lebensmittelherstellung. Sie legen Datenpunkte, Kommunikationsprotokoll und Bedeutung der Werte fest, um Maschinendatenerfassung und OEE-Auswertung herstellerübergreifend zu erlauben. Die Maschine meldet Zustände, Zähler und Störungen in einer festgelegten Struktur, sodass nicht jeder Hersteller ein eigenes Format erfindet.

Aus der Praxis

Wer Linien mehrerer Hersteller auswerten will, gewinnt mit einem Standard, den die Lieferanten schon kennen. Fordern Sie die Schnittstelle in der Ausschreibung, nachträglich wird sie teuer. Prüfen Sie bei der Abnahme, ob alle Datenpunkte mit Inhalt geliefert werden und nicht allein die Pflichtfelder. Ein Datenpunkt, der zwar existiert, aber dauerhaft null meldet, hilft keinem OEE-Dashboard. Vergleichen Sie außerdem die gemeldeten Zustände mit dem, was an der Maschine zu sehen ist. Läuft sie, steht sie oder wartet sie auf Material, das muss im Datenstrom genauso erscheinen. Der Standard ist ein Werkzeug für die Datenerfassung, den Nutzen bringt erst eine konsequente Auswertung.

Bezeichnung für Wellenhöhe und Wellenteilung der Wellpappe, ausgedrückt als Buchstabe. Die E-Welle ist die feinste der gängigen Wellen und wird als Feinwelle für gute Druckqualität und kleine Faltschachteln eingesetzt. B- und C-Welle sind Standard für Versandkartons, wobei die C-Welle höher ist und beim Stapeln mehr trägt, die B-Welle flacher und besser zu bedrucken. Doppelwellige Sorten wie BC oder EB kombinieren zwei Wellenlagen mit einer Zwischenbahn und kommen bei schwerer oder hoch gestapelter Ware zum Einsatz. Die Wellenart bestimmt Dicke, Steifigkeit und Stapelstauchfestigkeit des Zuschnitts.

Aus der Praxis

Ein Umstieg von B- auf C-Welle sieht auf dem Papier harmlos aus. Der Zuschnitt wird dicker, im Magazin passen weniger Stück in dieselbe Höhe, und die Faltstationen sind auf die alte Dicke eingestellt. Oft läuft die Maschine dann nur nach Nachstellen oder gar nicht. Genauso gern passiert es, dass ein Lieferant bei knappem Material stillschweigend die andere Welle liefert und das für gleichwertig hält. Legen Sie die Wellenart in der Packmittelspezifikation fest und fordern Sie sie auf dem Lieferschein. Messen Sie beim Wareneingang mit dem Messschieber die Dicke eines Zuschnitts nach, das dauert eine Minute. Die Formatteile am Magazin und an den Faltstationen sollten Sie zusätzlich im Rezept der Maschine vermerken.

Wellenkupplung

Maschinenbau & Komponenten

Maschinenelement, das zwei Wellen verbindet und das Drehmoment von einer auf die andere überträgt, etwa vom Motor auf ein Getriebe oder eine Gewindespindel. Starre Kupplungen verbinden die Wellen ohne Ausgleich und setzen genau fluchtende Wellen voraus. Nachgiebige Kupplungen gleichen Fluchtfehler aus, also radialen, axialen und winkligen Versatz. Elastische Klauenkupplungen mit einem Zahnkranz aus Kunststoff dämpfen außerdem Stöße und Schwingungen. Drehsteife Ausführungen wie Metallbalg- oder Lamellenkupplungen übertragen Bewegungen spielfrei und sind an Servoachsen üblich. Befestigt wird die Kupplung meist über Klemmnaben oder Passfedern. Kennwerte sind Nenndrehmoment, Drehsteifigkeit, zulässiger Versatz und Höchstdrehzahl.

Aus der Praxis

Fluchtfehler verzeiht eine nachgiebige Kupplung, allerdings auf Kosten der Lager. Nach einem Motortausch wird gern nur festgeschraubt und nicht ausgerichtet, weil die Kupplung das ja ausgleicht. Ein paar Monate später sind die Lager laut. Schauen Sie bei Kupplungen mit Zahnkranz ab und zu unter die Schutzhaube. Feiner Abrieb darunter heißt, dass etwas schief läuft, und zwar wörtlich. Zahnkränze gibt es in verschiedenen Härten, oft an der Farbe zu erkennen. Wer beim Tausch den falschen nimmt, verändert das Schwingungsverhalten der Achse, und an einer Servoachse kann das bis zum Aufschwingen gehen. Legen Sie die passenden Zahnkränze mit Härteangabe ins Lager, die kosten fast nichts. Und die Kupplung braucht eine feste Abdeckung. Eine drehende Klemmnabe mit vorstehender Schraube greift sich gern einen Ärmel.

Wellpappe

Verpackungstechnik

Plattenförmiger Packstoff aus einer gewellten Papierbahn, die zwischen glatten Deckenbahnen verklebt ist. Nach dem Aufbau unterscheidet man einwellige, zweiwellige und dreiwellige Wellpappe. Sie ist der Standard für Transportverpackungen. Die Deckenbahnen bestehen aus Kraftliner oder Testliner, die Welle aus einem eigenen Wellenpapier. Qualitätskennwerte wie Kantenstauchwiderstand (ECT) und Berstfestigkeit gehören in die Packmittelspezifikation, denn die Stabilität einer Palette beginnt beim Karton. Verarbeitet wird die Wellpappe zu Zuschnitten, aus denen Kartonaufrichter oder Wrap-Around-Packer Versandkartons und Trays formen.

Aus der Praxis

Wellpappe ist das Arbeitspferd der Sekundärverpackung. Wellenart, Grammatur und Papierqualität bestimmen Stapelstauchfestigkeit, Maschinengängigkeit und Preis, und an einer dieser drei Stellen dreht der Lieferant gern, wenn der Preis drückt. Feuchte Lagerung senkt die Festigkeit erheblich, das merken Sie im Kühlhaus oder an der Rampe im Herbst besonders. Beim Wechsel des Lieferanten oder der Qualität testen Sie immer Muster auf dem Kartonaufrichter. Dieselbe FEFCO-Nummer heißt noch lange nicht dasselbe Laufverhalten. Gerade Bogen, saubere Rillung und gleichbleibende Dicke sehen Sie erst im Dauerlauf, nicht auf dem Datenblatt. Fahren Sie mindestens eine volle Palette am Stück, bevor Sie freigeben.

Kurzbezeichnung, mit der Wellpappe nach der Zahl der Wellenlagen und einer Festigkeitsklasse eingeordnet wird, in Deutschland nach DIN 55468-1, zum Beispiel 1.20 für einwellig oder 2.30 für zweiwellig. Die erste Ziffer steht für die Wellenlagen, der Rest für die Festigkeitsklasse. Sie fasst Mindestwerte wie Berstfestigkeit, Kantenstauchwiderstand und Durchstoßwiderstand zusammen und dient als Grundlage für Spezifikation, Ausschreibung und Preisvergleich. Über Wellenart, Papiersorten und Flächengewicht im Einzelnen sagt sie nichts aus.

Aus der Praxis

Die Sortenbezeichnung ist eine Mindestanforderung und keine Beschreibung des Materials. Zwei Lieferanten können dieselbe Sorte mit völlig unterschiedlichen Papieren und Flächengewichten erfüllen, und die Kartons laufen dann verschieden auf Aufrichter und Verschließer. Ein niedrigerer Preis kommt oft daher, dass der eine Lieferant die Mindestwerte knapp trifft, während der andere mit Reserve liefert. In der Angebotsvergleichsmatrix sieht das gleich aus und ist es nicht. Ich frage deshalb bei jedem Angebot nach der Papierkombination. Legen Sie neben der Sorte die Wellenart, das Gesamtflächengewicht und die Papierkombination fest und verlangen Sie bei jedem Lieferantenwechsel Erstmuster für einen Maschinenlauf.

Werksnorm

Projektleitung & CAPEX

Betreiberinterne Vorgabe, die Lieferanten technische Standards für neue Maschinen vorschreibt. Sie nennt bevorzugte Hersteller für Steuerung, Antriebe, Sensorik und Pneumatik und regelt Schaltschrankaufbau, Farbgebung, Betriebsmittelkennzeichnung, Dokumentationsformat und Hygieneanforderungen. Meist besteht sie aus einem Textteil mit Regeln und einer Herstellerliste im Anhang. Sie wird der Anfrage beigelegt und in der Bestellung genannt. Ziel sind einheitliche Ersatzteile, gleiche Schulung und gleiche Instandhaltung über alle Maschinen im Werk hinweg. Der Werksstandard ist enger gefasst und legt nur Fabrikate und Baureihen fest.

Aus der Praxis

Eine Werksnorm wirkt nur, wenn sie in der Ausschreibung steht und der Lieferant jede Abweichung im Angebot ausdrücklich nennen muss. Sonst liegt sie im Intranet, und keiner liest sie. Halten Sie die Norm schlank und aktuell. Verlangt sie Komponenten, die es nicht mehr gibt, bekommen Sie Nachträge und Streit um Ersatztypen. Bedenken Sie auch, dass ein Lieferant eine fremde Steuerungsplattform selten so gut beherrscht wie seine eigene. Das kostet Inbetriebnahmezeit. Ich frage deshalb vor der Vergabe, ob der Lieferant mit der geforderten Plattform schon Anlagen gebaut hat. Eine Spalte für Abweichungen mit Begründung im Angebot erleichtert auch den Vergleich.

Werksstandard

Projektleitung & CAPEX

Verbindliche Vorgabe eines Betreibers, welche Fabrikate und Baureihen für Antriebe, Steuerungen, Schaltgeräte, Sensorik, Pneumatik und Betriebsmittelkennzeichnung in neuen Anlagen verwendet werden. Meist ist der Werksstandard eine Herstellerliste mit Typenübersicht, teils ergänzt um Vorgaben zu Softwarestandard und Bibliotheken. Er gilt für Neuanlagen und größere Umbauten und wird der Anfrage beigelegt. Ziel sind ein einheitliches Ersatzteillager, bekannte Bedienoberflächen und weniger Schulungsaufwand für die Instandhaltung. Abweichungen gibt der Betreiber schriftlich frei. Die Werksnorm ist weiter gefasst und regelt zusätzlich Farbgebung und Dokumentation.

Aus der Praxis

Ohne Werksstandard bietet jeder Lieferant seine Hausmarken an. Nach drei Projekten hat die Instandhaltung drei Steuerungswelten und ein Lager voller Einzelstücke. Legen Sie den Standard der Anfrage bei und verlangen Sie, dass der Bieter Abweichungen ausdrücklich benennt. Im Angebotsvergleich sehen Sie dann sofort, wer sich daran hält und wer nur behauptet, sein Fabrikat sei gleichwertig. Haben Sie keinen Standard, reicht für den Anfang eine Seite mit den wichtigsten Komponenten. Die Lieferanten füllen die Lücken, und Sie behalten die Entscheidung. Ein Standard, den niemand pflegt, ist nach zwei Jahren allerdings wieder Altpapier.

Werkvertrag vs. Dienstvertrag

Projektleitung & CAPEX

Gegenüberstellung zweier Vertragstypen des BGB. Beim Werkvertrag schuldet der Auftragnehmer einen Erfolg, etwa die abgenommene und funktionierende Anlage, und die Vergütung wird in der Regel mit der Abnahme fällig. Es gelten Mängelrechte, im Alltag Gewährleistung genannt. Beim Dienstvertrag schuldet er das Tätigwerden und wird nach Aufwand vergütet, etwa nach Stunden oder Tagen. Bei externer Projektunterstützung bestimmt die Vertragsform Haftung, Weisungsrecht und das Risiko der Scheinselbstständigkeit. Sie muss zur gelebten Praxis passen. Dieser Eintrag erklärt das Konzept, die Ausgestaltung gehört zum Anwalt.

Aus der Praxis

Beim Werkvertrag kaufen Sie ein Ergebnis, nämlich die laufende Anlage, beim Dienstvertrag Leistung, nämlich die Stunden eines Experten. Für Experten auf Zeit ist der Dienstvertrag üblich, für Maschinenlieferungen der Werkvertrag mit Abnahme. Heikel wird es, wenn ein Experte per Dienstvertrag ins Werk kommt und dann wie ein Mitarbeiter geführt wird, mit festem Platz im Schichtplan und Anweisungen vom Meister. Dann stimmen Papier und Praxis nicht mehr überein. Eine klare Aufgabenbeschreibung, eigene Arbeitsmittel und keine Eingliederung in den Schichtbetrieb helfen. Im Vertrag muss stehen, was in der Halle tatsächlich passiert. Besprechen Sie das mit Ihrem Anwalt, bevor der erste Experte anfängt.

Methode, die Material- und Informationsfluss eines Produkts vom Wareneingang bis zum Versand auf einer Karte darstellt. Erfasst werden Prozessschritte mit Zykluszeiten, Bestände zwischen den Schritten, Wartezeiten und die Steuerung der Aufträge durch Planung und Freigaben. Aus Bearbeitungszeit und Durchlaufzeit ergibt sich, welcher Anteil der Zeit tatsächlich wertschöpfend ist. Meist liegt das Produkt den größten Teil der Durchlaufzeit und läuft nicht. Auf die Karte des Ist-Zustands folgt ein Soll-Zustand, der als Grundlage für Entscheidungen zu Layout, Materialfluss und Automatisierung dient.

Aus der Praxis

Am Schreibtisch entsteht eine schöne Karte, auf der die Palette, die seit Freitag vor der Freigabe steht, nicht vorkommt. Gehen Sie den Weg vom Rohmaterial bis zur Palette selbst ab, mit Stoppuhr und Zettel, und nehmen Sie jemanden aus der Schicht mit. Dann sehen Sie, wo Bestände Zeit fressen und wo die Linie auf Freigaben wartet. In Verpackungsbetrieben ergänzt die Wertstromanalyse die Stillstandsanalyse. Die eine zeigt Ihnen die Verluste an der Maschine, die andere die Verluste zwischen den Maschinen. Fangen Sie mit einem einzigen Produkt an, sonst wird die Karte unlesbar. Fragen Sie dabei die Bediener, was sie an der Linie warten lässt.

Wesentliche Veränderung

Qualität & Sicherheit

Änderung einer bestehenden Maschine, die neue Gefährdungen erzeugt oder bestehende Risiken so erhöht, dass die vorhandenen Schutzmaßnahmen nicht mehr ausreichen. Typische Auslöser sind der Anbau eines Roboters, die Erhöhung von Leistung oder Geschwindigkeit, geänderte Sicherheitsfunktionen und die Verkettung mehrerer Maschinen. Liegt eine wesentliche Veränderung vor, gilt der Betreiber als Hersteller. Er muss ein neues Konformitätsbewertungsverfahren mit Risikobeurteilung, technischer Dokumentation und CE-Kennzeichnung durchführen. Eine Instandsetzung, die mit gleichartigen Teilen den Ursprungszustand wiederherstellt, ist in der Regel keine wesentliche Veränderung.

Aus der Praxis

Bei Retrofit, Leistungssteigerung oder dem Anbau eines Roboters stellt sich die Frage immer. Dokumentieren Sie die Bewertung vor dem Umbau und nicht erst, wenn die Maschine schon wieder läuft. Auch wenn Sie zum Ergebnis kommen, dass keine wesentliche Veränderung vorliegt, gehört die Begründung ins Protokoll. Eine höhere Geschwindigkeit per Parameter am Umrichter fühlt sich nicht nach Umbau an, kann aber einer sein, weil sich Nachlauf und damit der Sicherheitsabstand ändern. Klären Sie im Vertrag, wer bei der Verkettung mehrerer Maschinen die Gesamtkonformität übernimmt. Ohne diese Regelung sind Sie als Betreiber der Hersteller der Gesamtanlage.

Wickelrichtung (Rollenware)

Verpackungstechnik

Angabe, wie eine Folien- oder Etikettenbahn auf den Rollenkern gewickelt ist. Dazu gehören die Lage des Druckbildes, innen oder außen, und die Laufrichtung des Motivs beim Abwickeln, etwa Kopf voran oder Fuß voran, links oder rechts. Bei Etikettenrollen sind dafür nummerierte Wickelpositionen üblich, die in einer Skizze dargestellt werden. Zusammen mit Kerninnendurchmesser, üblich sind 76 mm, maximalem Rollendurchmesser, Bahnbreite und Spleißmarkierung ergibt sich die Rollenspezifikation für eine Maschine. Welche Richtung passt, legt die Abwicklung der Maschine fest.

Aus der Praxis

Eine Rolle mit falscher Wickelrichtung steht auf der Maschine auf dem Kopf. Wer Glück hat, merkt es beim Einlegen, wer Pech hat, erst nach dem ersten Probelauf, wenn das Etikett kopfsteht oder die Folie mit dem Druck nach innen läuft. Halten Sie die Wickelrichtung als Skizze mit Nummer in der Packmittelspezifikation fest und prüfen Sie sie bei jeder neuen Artikelanlage. Das gilt auch beim Lieferantenwechsel, denn nicht jeder Hersteller wickelt standardmäßig gleich. Kerndurchmesser und maximaler Rollendurchmesser müssen zur Abwicklung passen, sonst sinkt die Rollenlaufzeit, und der Bediener wechselt öfter die Rolle.

Wiederholgenauigkeit

Automatisierung & Robotik

Streuung, mit der ein Roboter eine zuvor angefahrene Position unter gleichen Bedingungen erneut erreicht, angegeben als Wert in Millimetern nach ISO 9283. Gemessen wird durch wiederholtes Anfahren derselben Position unter definierter Last und Geschwindigkeit. Zu unterscheiden ist die Absolutgenauigkeit, also die Abweichung zwischen programmierter und tatsächlich angefahrener Position, die deutlich größer ausfällt. Sie hängt unter anderem von den Maßtoleranzen des Roboters und von der Kalibrierung ab. Für geteachte Punkte zählt die Wiederholgenauigkeit, für Punkte aus CAD-Daten oder Kamerakoordinaten die Absolutgenauigkeit.

Aus der Praxis

Den Wert für die Wiederholgenauigkeit aus dem Datenblatt erreichen Sie nur unter den Prüfbedingungen, also mit geteachten Punkten, warmgelaufener Maschine und korrekten Lastdaten. Sobald Positionen aus CAD-Daten oder Kamerakoordinaten berechnet werden, zählt die Absolutgenauigkeit, und die kann um ein Vielfaches schlechter sein. Für kameragestützte Prozesse planen Sie deshalb eine Kalibrierung ein. Fragen Sie den Lieferanten, mit welcher Last und Geschwindigkeit der Wert gemessen wurde. Und ein hochgenauer Roboter hilft nichts, wenn das Produkt im Tray um Millimeter wandert oder der Sauger nachgibt. Lassen Sie bei der Abnahme eine Position mit der Messuhr mehrfach anfahren und sehen Sie selbst, wie groß die Streuung wirklich ist.

WMS

Intralogistik

Lagerverwaltungssoftware, die Bestände, Lagerplätze, Ein- und Auslagerungen und Kommissionieraufträge führt. Sie steuert Strategien wie FIFO und FEFO, verwaltet Chargen und Mindesthaltbarkeitsdaten und gibt bei automatischen Lagern Aufträge an die Anlagensteuerung weiter. Das WMS grenzt sich vom ERP ab, das Bestellungen und Bestandswerte führt, und vom MES, das die Fertigung steuert. In Automatisierungsprojekten ist es die führende Instanz über den Materialfluss. Über Schnittstellen spricht es mit ERP, Anlagensteuerung, Etikettendruckern und Staplerleitsystem.

Aus der Praxis

Ein WMS lohnt sich, sobald Bestände, Chargen und Plätze nicht mehr im Kopf des Lagerleiters Platz haben. Für Verpackungslinien ist die Anbindung des Linienendes ausschlaggebend: Palettenetikett drucken, Palette buchen, Stellplatz vergeben, und das automatisch statt per Zettel. Prüfen Sie beim Kauf die Schnittstellen zu ERP und Staplerleitsystem und fragen Sie, wer die Stammdaten pflegt. Die Schnittstelle zur Anlagensteuerung wird im Projekt gern unterschätzt. Beschreiben Sie dort, was bei Fehlern passiert, etwa wenn die Palette gebucht ist, aber nie ankommt, oder umgekehrt. Testen Sie solche Fälle in der Abnahme, bevor sie nachts auftreten.

Wrap-Around-Packer

Verpackungstechnik

Kartonverpackungsmaschine, die den Karton direkt um die vorher gruppierten Produkte formt, statt sie in einen fertig aufgerichteten Karton einzuschieben. Der Zuschnitt wird aus einem Magazin entnommen, unter die Gruppe geführt, seitlich und oben um sie gefaltet und an der Klebelasche mit Klebstoff verschlossen. Die Bauart spart Material, weil sie ohne Einsatzkarton auskommt, und behandelt die Produkte schonend. Dafür ist sie formatempfindlicher, denn der Zuschnitt muss exakt zur Produktgruppe passen. Typische Produkte sind Flaschen, Dosen, Becher und Schachteln.

Aus der Praxis

Der Wrap-Around-Packer lohnt sich bei hohen Leistungen und gleichmäßigen Produkten wie Flaschen oder Dosen. Er spart Karton und hält die Gruppe stabil, reagiert aber auf alles, was ungenau ist. Sind die Dosen einmal einen Millimeter dicker oder steht die Gruppe locker, passt der Zuschnitt nicht mehr, und die Klebelasche sitzt schief. Fragen Sie den Lieferanten nach der Toleranz, die er für Produkt und Zuschnitt zugrunde legt, und fahren Sie in der Abnahme Ihr ungünstigstes Los durch. Bei vielen Formaten oder empfindlichen Produkten ist ein Kartonierer mit vorgeformtem Karton oft die sicherere Lösung. Rechnen Sie den Formatwechsel mit durch, bevor Sie sich für die Bauart entscheiden.

X

XPS-Verpackungen

Verpackungstechnik

Schalen und Behälter aus extrudiertem Polystyrolschaum, kurz XPS. Der Schaum wird als Schaumfolie extrudiert und zu Schalen tiefgezogen. Er ist leicht, wärmedämmend und unempfindlich gegen Feuchtigkeit. XPS-Schalen werden in der Lebensmittelindustrie vor allem für Frischware wie Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse eingesetzt, oft mit Saugeinlage und Folienüberzug oder verschlossen auf einer Traysealer-Linie. Der Schaum puffert Stöße und dämmt gegen Temperaturschwankungen. Die Recyclingfähigkeit der Schalen ist eingeschränkt, eine Mehrfachverwendung als Lebensmittelschale ist nicht üblich.

Aus der Praxis

XPS-Schalen sind leicht, günstig und dämmen gut, stehen aber wegen der Recyclingfähigkeit unter Druck. Wer wechseln will, prüft Alternativen wie Karton mit Barriere, PET-Schalen oder Mono-PP direkt auf der eigenen Traysealer-Linie. Siegelverhalten und Werkzeuge unterscheiden sich, und eine Schale mit denselben Maßen braucht trotzdem eine andere Siegeltemperatur und Siegelzeit. Fahren Sie den Versuch mit Originalware, denn Fleischsaft oder Fett am Siegelrand zeigt Ihnen, ob die Naht dicht bleibt. Prüfen Sie außerdem, wie sich die neue Schale im Magazin vereinzeln lässt und ob die vorhandenen Formatteile weiter passen. Rechnen Sie den Preisabstand erst nach dem Versuch, nicht nach dem Angebot.

Z

Zahlungsziel

Kaufmännisches

Frist zwischen Rechnungsstellung und Fälligkeit, innerhalb der der Kunde zahlen muss. Sie beginnt je nach Vertrag mit dem Rechnungsdatum oder dem Rechnungseingang. Bei Maschinenlieferungen wird sie zusammen mit dem Meilensteinplan verhandelt, der festlegt, bei welchem Ereignis welcher Anteil der Auftragssumme fällig wird, etwa Anzahlung, Lieferung oder Abnahme. In Kombination mit Skonto ist das Zahlungsziel ein echtes Instrument für die Liquidität beider Seiten und ein häufig verschenkter Verhandlungspunkt neben dem reinen Preis.

Aus der Praxis

Zahlungsziele bei Maschinenlieferungen sind Verhandlungssache und hängen von der Meilensteinstruktur ab. Binden Sie Zahlungen an Ereignisse, die Sie nachprüfen können, etwa Lieferung, SAT oder Leistungsnachweis, und nicht an Kalenderdaten. Ein Kalenderdatum läuft weiter, auch wenn die Maschine noch nicht läuft. Achten Sie darauf, dass jeder Meilenstein im Vertrag so beschrieben ist, dass beide Seiten dasselbe darunter verstehen. Sonst streiten Sie über die Rechnung, bevor die Maschine steht. Bei Einsätzen von Experten auf Zeit ist monatliche Abrechnung mit einem Zahlungsziel von wenigen Wochen üblich. Das lässt sich auf beiden Seiten gut planen.

Zahnriemenantrieb

Maschinenbau & Komponenten

Formschlüssiger Riementrieb mit gezahntem Riemen und Zahnscheiben, der Drehbewegungen schlupffrei und ohne Schmierung überträgt. Übliche Profile sind T, AT und HTD. In Verpackungsmaschinen dient er als Achsantrieb für Portale, Schieber und Fördersegmente sowie zur synchronen Kopplung mehrerer Wellen. Der Riemen besteht aus einem Elastomer mit eingebetteten Zugsträngen, die die Kraft aufnehmen. Auch lineare Bewegungen sind möglich, wenn der Riemen an einem Schlitten befestigt ist. Die Riemenspannung wird über eine Spannrolle oder durch Verschieben des Motors eingestellt.

Aus der Praxis

Zahnriemen brauchen die richtige Vorspannung und fluchtende Scheiben. Zu wenig Spannung lässt Zähne überspringen und verschiebt die Synchronisation, zu viel zerstört Lager. Legen Sie fest, dass die Riemenspannung im Wartungsplan geprüft wird. Für Lebensmittelbereiche gibt es Riemen mit abriebarmen Belägen. Offene Riementriebe über dem Produkt sind ein Hygienerisiko und gehören verkleidet. Wandert die Position einer Achse langsam weg, obwohl keiner etwas verstellt hat, schauen Sie zuerst auf den Riemen, bevor Sie in der Software suchen. Notieren Sie Profil, Teilung und Breite jedes Riemens in der Ersatzteilliste, sonst bestellt jemand ein Profil, das fast passt.

Eindeutige Kennzeichnung des Änderungsstands einer Zeichnung oder Stückliste durch Revisionsindex, Datum und Änderungsbeschreibung. Der Index steht im Schriftfeld der Zeichnung und läuft meist als Buchstabe oder Zahl hoch. Jede Änderung nach der Freigabe erhält eine neue Revision, alte Stände werden als ungültig gekennzeichnet. Zeichnung und Stückliste müssen denselben Stand tragen, sonst passen Teilenummer und Geometrie nicht zusammen. Der Revisionsstand verknüpft Fertigung, Ersatzteilbestellung und Dokumentation miteinander. Eine Revisionsliste führt alle Stände mit dem jeweiligen Änderungsgrund auf.

Aus der Praxis

Der klassische Fehler: Die Maschine wird nach Revision C gebaut, die Dokumentation zeigt Revision B, und die Instandhaltung bestellt Jahre später ein Ersatzteil nach der falschen Zeichnung. Dann passt die Welle nicht, und keiner weiß, warum. Fordern Sie bei der Abnahme einen Zeichnungssatz as built mit Revisionsliste. Verlangen Sie außerdem, dass die handschriftlichen Änderungen aus der Inbetriebnahme am Schaltplan innerhalb einer festen Frist eingepflegt werden. Ich vergleiche bei der Abnahme ein paar Bauteile in der Anlage mit dem Zeichnungsstand. Stimmt der Index schon dort nicht, wird es im Betrieb nicht besser.

Zeitreihendatenbank

Digitalisierung & KI

Datenbank, die auf zeitgestempelte Messwerte optimiert ist: hohe Schreibraten, starke Komprimierung, schnelle Abfragen über Zeiträume und automatisches Löschen alter Daten nach festgelegter Aufbewahrungsdauer. Sie bildet die Basis für Trendanzeigen, Condition Monitoring und Anomalieerkennung an Produktionslinien. Jeder Messwert wird mit Zeitstempel, Messgröße und Herkunft abgelegt. Ältere Daten werden häufig verdichtet, etwa zu Minutenmittelwerten, damit der Speicher nicht überläuft. Angezeigt werden die Verläufe meist in Dashboards, die mehrere Signale übereinanderlegen.

Aus der Praxis

Eine Zeitreihendatenbank füllt sich schneller, als man denkt: Hundert Signale im Sekundentakt ergeben über Jahre erhebliche Datenmengen. Legen Sie fest, welche Signale wie häufig und wie lange gespeichert werden, und vor allem, wer sie später auswertet. Der Wert liegt im Vergleich. Wie die Siegeltemperatur im letzten Monat aussah, bevor die Reklamation kam, kann man nur sagen, wenn die Daten noch da sind. Ohne Ereignismarken wie Formatwechsel und Störung sind Trends schwer zu deuten. Ich lege deshalb von Anfang an fest, welche Ereignisse mitgeschrieben werden. Achten Sie außerdem darauf, dass alle Systeme dieselbe Uhrzeit verwenden, sonst passen Messwert und Ereignis nicht zusammen.

Zentralschmierung

Maschinenbau & Komponenten

Anlage, die mehrere Schmierstellen einer Maschine automatisch von einer Pumpe aus mit Fett oder Öl versorgt. Sie besteht aus Pumpe mit Vorratsbehälter, Steuerung, Verteilern und Leitungen zu den einzelnen Schmierstellen. Bei Progressivsystemen geben hintereinander arbeitende Kolben in einem Verteilerblock den Schmierstoff der Reihe nach an die Ausgänge ab. Ein blockierter Ausgang stoppt den ganzen Verteiler, was sich gut überwachen lässt. Einleitungssysteme arbeiten mit Dosierventilen an jeder Schmierstelle, die bei jedem Druckaufbau eine feste Menge abgeben. Daneben gibt es Einpunktschmierer, die als geschlossene Kartuschen einzelne Lager über Wochen oder Monate selbsttätig versorgen. Typische Schmierstellen sind Lager, Linearführungen, Ketten und Kurvenbahnen.

Aus der Praxis

Eine automatische Schmierung verleitet dazu, nicht mehr hinzuschauen. Genau das ist der Fehler. Leitungen werden bei Umbauten abgeknickt oder abgerissen, Verteiler setzen sich zu, und der Behälter ist leer, weil das Nachfüllen in keinem Plan steht. Die Lager laufen dann trocken, während alle glauben, sie seien versorgt. Lassen Sie sich zeigen, wie die Anlage einen Fehler meldet und ob die Meldung auf dem HMI erscheint oder nur als Blinklicht an der Pumpe. Bei Progressivverteilern gehört ein Zyklusschalter in die Überwachung. Füllen Sie nur den freigegebenen Schmierstoff ein, und zwar über den Füllanschluss mit Filter. Mit offenem Deckel und Spachtel landet der Schmutz direkt in den Dosierkolben. Wer neue Schmierstellen anbaut, rechnet vorher nach, ob Pumpe und Verteiler das noch hergeben.

Zoom

Digitalisierung & KI

Plattform für Videokonferenzen, Webinare und Online-Meetings. Teilnehmer treten über einen Einladungslink bei, im Browser oder mit einer App, sodass die IT-Umgebung des Gegenübers keine Vorbedingung ist. Der Gastgeber teilt seinen Bildschirm, damit Zeichnungen, Layouts oder Angebotsunterlagen gemeinsam durchgegangen werden können. Die Besprechung lässt sich aufzeichnen, Termine können über die Plattform gebucht werden. Im Projektgeschäft ersetzt sie Reisen zu Terminen, bei denen niemand eine Anlage vor Ort ansehen muss.

Aus der Praxis

POWERJO nutzt Zoom für Kennenlerngespräche mit Freelancern und Kunden. Auch die Abstimmung im Ausschreibungspaket läuft komplett online, ohne dass jemand anreisen muss. Nehmen Sie ein Gespräch nur auf, wenn alle Beteiligten vorher zugestimmt haben. Dann müssen Sie später nicht darüber streiten, was genau vereinbart wurde. Schicken Sie den Link mit der Einladung und testen Sie die Bildschirmfreigabe vor dem Termin, wenn Sie Zeichnungen zeigen wollen. Ich halte ein kurzes schriftliches Ergebnis nach dem Gespräch für nützlicher als jede Aufzeichnung. Eine Stunde Video schaut sich selten jemand ein zweites Mal an. Legen Sie vorher fest, wer das Ergebnis aufschreibt.

Zuschnitt (Kartonzuschnitt)

Verpackungstechnik

Der flach angelieferte, gestanzte und gerillte Wellpappebogen, aus dem Kartonaufrichter, Wrap-Around-Packer oder Trayformer die Verpackung formen. Je nach Maschine liegt er als Flachfaltschachtel mit verklebter Klebelasche vor, die der Aufrichter öffnet, oder als offener Bogen, der erst an der Maschine um die Ware gefaltet wird. Die Bauart richtet sich nach dem FEFCO-Katalog, die Qualität ergibt sich aus Wellenart, Grammatur und Rillung. Maßabweichungen, Planlage und Feuchte des Zuschnitts wirken sich direkt auf das Laufverhalten in Magazin und Faltstation aus.

Aus der Praxis

Der Zuschnitt ist das Packmittel mit dem größten Einfluss auf die Störungsrate am Linienende. Feuchte, verzogene Bogen oder abweichende Rillungen klemmen im Magazin und reißen beim Falten, und die Maschine bekommt die Schuld. Auch Staub und Grat von der Stanzkante setzen sich im Magazin und an den Abzugsstellen fest. Halten Sie Toleranzen, Lagerbedingungen und Prüfmerkmale in der Spezifikation fest und testen Sie jeden neuen Lieferanten auf der Maschine, bevor Sie umstellen. Zuschnitte aus kalter oder feuchter Lagerung sollten sich vor der Verarbeitung in der Halle angleichen können. Prüfen Sie beim Wareneingang eine Stichprobe auf Rillung und Planlage, sonst sucht die Schicht den Fehler an der Maschine.

Zuschnittmagazin

Verpackungstechnik

Vorratsschacht an Kartonaufrichtern, Kartonierern und Wrap-Around-Packern, aus dem flachliegende Zuschnitte einzeln entnommen und dem Aufrichtprozess zugeführt werden. Es gibt horizontale, vertikale und geneigte Ausführungen, die Entnahme erfolgt mit Vakuumsaugern oder mechanisch. Seitenführungen und Anschläge werden auf das Zuschnittformat eingestellt. Nachgefüllt wird von Hand oder automatisch, bei manchen Maschinen auch während des Laufs. Magazinkapazität, Nachfüllart und Zuschnittqualität bestimmen die Laufzeit ohne Bedienereingriff und die Störanfälligkeit. Sensoren melden den Füllstand und erkennen, wenn zwei Zuschnitte gleichzeitig gezogen werden.

Aus der Praxis

Viele Kartonierer stoppen nicht wegen der Maschine, sondern weil das Magazin leer ist oder zwei Zuschnitte zugleich gezogen werden. Prüfen Sie die Magazinkapazität gegen Ihre Leistung und rechnen Sie nach, wie viele Minuten die Maschine ohne Nachfüllen läuft. Einmal je Stunde nachfüllen merkt kaum jemand, alle zehn Minuten bindet eine Person an die Maschine. Achten Sie auf eine ergonomische Nachfüllhöhe, denn ein Magazin, das über Kopf befüllt werden muss, wird in der Nachtschicht nicht sorgfältig befüllt. Gewölbte oder feuchte Pappe läuft in keinem Magazin, deshalb zählen auch die Lagerbedingungen der Zuschnitte. Doppelblattkontrolle und Füllstandsmeldung gehören zur Grundausstattung.

Zustimmtaster

Automatisierung & Robotik

Dreistufiger Taster für den Einrichtbetrieb, der Bewegungen bei geöffneter Schutzeinrichtung nur in der Mittelstellung freigibt. In der ersten Stufe geschieht nichts, in der zweiten ist die Bewegung freigegeben, beim Durchdrücken in die dritte Stufe und beim Loslassen wird abgeschaltet. Der Taster sitzt als Handgerät oder am Programmierhandgerät des Roboters und ist in der Regel zweikanalig an die Sicherheitssteuerung angeschlossen. Er erlaubt Teachen, Einrichten und Beobachten in der Zelle, meist bei reduzierter Geschwindigkeit. Den Not-Halt und die Betriebsartenwahl ersetzt er nicht.

Aus der Praxis

Ohne Zustimmtaster läuft an Robotern und Palettierern beim Teachen nichts, und das ist auch gut so. Er gibt die Bewegung nur frei, solange die Person ihn bewusst in der Mittelstellung hält. Wer loslässt oder in Panik durchdrückt, stoppt die Maschine. Den Klassiker kennt jede Sicherheitsfachkraft: Der Taster wird mit Kabelbinder oder Klebeband fixiert, damit eine Hand frei bleibt. Damit ist die gesamte Schutzwirkung weg. Achten Sie bei Rundgängen auf Klebeband am Handgerät, man findet es immer wieder. Schulen Sie die Bediener und erklären Sie, warum der Taster so gebaut ist. Das Handgerät sollte außerdem einen festen Platz haben, damit es nicht nach jeder Schicht gesucht werden muss.

Zweihandschaltung

Qualität & Sicherheit

Schutzeinrichtung, bei der eine gefahrbringende Bewegung nur ausgelöst wird, solange der Bediener beide Stellteile gleichzeitig betätigt. Beide Hände sind damit während der Bewegung außerhalb des Gefahrenbereichs gebunden. Anforderungen und Typen I bis III regelt EN ISO 13851. Typ I verlangt das gleichzeitige Betätigen beider Stellteile, Typ II zusätzlich das Loslassen beider Stellteile vor einem neuen Start, Typ III zusätzlich die synchrone Betätigung innerhalb von 0,5 Sekunden. Gegen Umgehung müssen die Stellteile geschützt sein, etwa durch Abstand, Abdeckung oder Form. Den Abstand zur Gefahrstelle regelt EN ISO 13855.

Aus der Praxis

Die Zweihandschaltung schützt nur den Bediener, der sie betätigt, und nicht die zweite Person, die nebenan in die Maschine greift. Prüfen Sie deshalb immer den Zugang von anderen Seiten und von hinten. Typisch sind Stellteile, die so nah beieinander sitzen, dass man sie mit einer Hand und dem Ellbogen bedienen kann, oder die Manipulation mit Klebeband. Abstand, Umgehungssicherheit und Gleichzeitigkeit gehören in jede Sicherheitsabnahme. Probieren Sie es bei der Abnahme einmal selbst aus, mit Ellbogen, Klebeband und zeitversetztem Drücken. Wer dort gemeinsam mit dem Kollegen nach Schlupflöchern sucht, findet sie vor dem Betrieb und nicht erst in der dritten Schicht.

Zwischenlage

Verpackungstechnik

Bogen aus Pappe, Kunststoff oder Antirutschpapier, der zwischen Palettenlagen gelegt wird, um die Stabilität zu erhöhen, Lagen zu trennen oder empfindliche Produkte zu schützen. Typische Einsatzfälle sind Gebinde aus Glas, Dosen oder Flaschen, die ohne Trennlage ineinanderrutschen oder sich gegenseitig beschädigen würden. Die Bogen entsprechen meist der Palettengröße und werden am Palettierer aus einem Zwischenlagenmagazin von einem Sauggreifer aufgelegt. Einwegbogen aus Pappe werden nach dem Gebrauch entsorgt, Zwischenlagen aus Kunststoff können im Mehrwegkreislauf laufen.

Aus der Praxis

Zwischenlagen kosten Material, Zeit im Palettierzyklus und ein Magazin am Palettierer. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob ein anderes Packschema, eine Antirutschbeschichtung oder eine Umreifung dieselbe Stabilität liefert. Wenn Sie die Lagen brauchen, planen Sie das Magazin für eine ganze Schicht ein, damit nicht ständig jemand nachlegen muss. Die automatische Zuführung braucht eine Kontrolle, ob genau ein Bogen liegt, denn zwei übereinander oder gar keiner lassen die Palette im Transport wandern. Bei Mehrweglagen kommt die Rücknahme dazu. Wer sie am Depalettierer abstapelt und wer sie zum Lieferanten zurückfährt, gehört vorher geklärt.